"Fiat lux" v. Jim MacCarthy

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Moderator: Jörg

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User1211
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Beitragvon User1211 » 11.12.2006 10:18

Und, was heißt das?
Lieben Gruß
Thorsten

Gast

Beitragvon Gast » 11.12.2006 10:21

User1211 hat geschrieben:Und, was heißt das?
Hey, Du bist aber schnell. D. h. dass es Auserwählte gibt, bzw. die Antwort für Roberts nette Abschlußrede für mich.

Lieben Gruß Angel

Ulrich.B
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Beitragvon Ulrich.B » 11.12.2006 10:28

Denn welche er zuvorerkannt hat, die hat er auch zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein, damit er der Erstgeborne sei unter vielen Brüdern.“ (Rö. 8,29)

Haben wir in diesem Vers eine Zuvorbestimmung in dem Sinne, dass es nur eine bestimmte Gruppe von Menschen gibt, die zu den vielen Brüdern gehören können und andere nicht? So etwas muss man in diesen Vers überhaupt nicht hineinlesen. Eigentlich geht es hier nur um eine ganz einfache Erklärung, warum Menschen überhaupt so geschaffen wurden, wie sie geschaffen sind. Der Grund ist: Der Herr Jesus soll der Erstgeborne unter vielen Brüdern sein. Gott hat sich in der Ewigkeit vorgenommen seinen Sohn dadurch zu verherrlichen, dass er den Vorrang unter vielen Brüdern hat.

Gott hat die Menschen zuvorerkannt. Das heißt, dass Gott die Menschen geliebt hat, bevor er sie überhaupt geschaffen hatte. Weil er diese Geschöpfe, denen er sich als der Gott der Liebe vorstellen wollte, bei sich in der Ewigkeit haben wollte, weil auch der Vater Anbeter in Geist und Wahrheit suchte, darum hat er die Zuvorerkannten zuvorbestimmt, dem Bilde seines Sohnes gleichförmig zu sein. Dies bedeutet ganz einfach, dass Gott den Menschen in seinem Bilde geschaffen hat. Gott hat den Menschen in der uns bekannten Form geschaffen, damit der Christus der Erstgeborene unter vielen Brüdern sein konnte und damit der Vater Anbeter in Geist und Wahrheit haben konnte, damit dieses Sehnen im Herzen des Vaters, den Sohn zu verherrlichen und selbst Anbeter zu haben gestillt werden konnte.

Man muss in diese Stelle überhaupt keine willkürliche Zuvorbestimmung einer Gruppe von Menschen für die Herrlichkeit und einer anderen Gruppe zur Verdammnis hineinlesen. Die Schrift erklärt uns hier ganz einfach, dass einer der Gründe, warum Menschen, die Gott liebt, im Bilde Gottes geschaffen wurden darin besteht, dass es dem Plan Gottes entspricht, dass der Herr Jesus der Erstgeborne unter vielen Brüdern sein soll.

„Welche er aber zuvorbestimmt hat, diese hat er auch berufen; und welche er berufen hat, diese hat er auch gerechtfertigt; welche er aber gerechtfertigt hat, diese hat er auch verherrlicht.“ (Rö. 8,30)

Nach Vers 29 beschäftigt sich der Apostel hier offensichtlich wieder mit denen, die Gott lieben (Vers 28), denen alles zum Guten mitwirkt. Das wird spätestens an dem „wir“ in Vers 31 deutlich.

Vers 30 stellt uns noch einmal in sehr komprimierter Form den Rettungsplan Gottes für die Zuvorbestimmten, für die die im Bilde Gottes geschaffen wurden und die dann durch die Sünde gerade die Herrlichkeit Gottes nicht erreichen konnten vor.

Gott hat eine Botschaft für die solche, die im Bilde Gottes geschaffen wurden. Dies ist ganz wichtig zu sehen. Gottes Rettungsplan richtet sich nur an die, die im Bilde Gottes geschaffen wurden. Gott hat für die Engel nämlich überhaupt keinen Rettungsplan. Engel sind nicht im Bilde Gottes geschaffen, Engel sind völlig ungeeignet Gott in Geist und Wahrheit anzubeten und Engel sind auch völlig ungeeignet den Herrn Jesus als Erstgebornen unter vielen Brüdern darzustellen.

Gehorsam der Botschaft Gottes gegenüber, nämlich der Berufung glauben, führt zur Rechtfertigung, das haben wir schon in Römer 3 und 4 gelernt und darum wird es hier nur so knapp wiedergegeben. Die Teilnahme an der Herrlichkeit ist unauflöslicher Bestandteil der Gerechtigkeit, die Gott uns durch den Glaubensgehorsam zurechnet. Schon in Römer 5 haben wir gefunden, dass wir uns in der Hoffnung an der Teilnahme der Herrlichkeit rühmen.

Römer 8 fängt damit an, dass jetzt keine Verdammnis für die ist, die in Christo Jesu sind (Vers 1) und direkt im Anschluss an unseren Gegenstand finden wir in Vers 33 „Wer wird wider Gottes Auserwählte Anklage erheben? Gott ist es, welcher rechtfertigt; wer ist der verdamme?“

Schützt hier die Auswahl vor der Anklage? Nein, überhaupt nicht! Nur die Rechtfertigung schützt vor der Verdammnis! Natürlich ist der Teufel der Verkläger der Brüder, der Gerechten. Hier wird auch gar nicht behauptet, dass es keine Anklage mehr geben wird, es wird lediglich dargestellt, dass eine Anklage gegen die Gerechten nicht zur Verdammnis führen kann.

Auserwählte sind also grundsätzlich so geschaffen, dass sie Anbeter in Geist und Wahrheit sein können und das sie zu den Brüdern des Erstgebornen gehören können. Beiden Zuvorbestimmungen können sie nur durch Glaubensgehorsam und durch die von Gott ausgesprochene Rechtfertigung aus Glauben gerecht werden. Wenn Auserwählte nicht zu Gerechten werden, dann kommen sie als Feinde in das Gericht. Gerichtet werden diese ungerechten Auserwählten von dem Erstgebornen unter vielen Brüdern.

Das es geliebte Auserwählte gibt, die Feinde sind und darum ins Gericht kommen finden wir in Römer 11,28 „Hinsichtlich des Evangeliums sind sie zwar Feinde, um euretwillen, hinsichtlich der Auswahl aber Geliebte, um der Väter willen.“

„Nachdem nun Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle allenthalben Buße tun sollen, weil er einen Tag gesetzt hat, an welchem er den Erdkreis richten wird in Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat,“ (Apg. 17,30+31)
Ulrich

€rni
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Fiat Lux...

Beitragvon €rni » 27.02.2007 00:25

Hallo Robert und all die anderen,

bis vor kurzem habe ich die Lehre der Prädestination auch abgelehnt. Als ein von mir sehr geschätzter Prediger mir bezeugte, dass er an diese Lehre vertritt, wurde ich doch nachdenklich. Ich hatte nie gedacht, dass ernsthafte Bibelleser die Prädestination vertreten könnten. Er hatte mir dann das Buch von John Owen gegeben, ich habs gelesen und es hat mich sehr ins Nachdenken gebracht.

Wenn ich es recht sehe, dann vertreten die meisten bibeltreuen Theologen die Lehre der Erwählung. Ich kam im anderen "Lager" zum Glauben und ich wünschte, es gäbe Theologen wie Owen, die klar gegen die Erwählung argumentieren könnten. Ich selbst habe nicht die Fähigkeiten und Kenntnisse dazu, so dass ich mich auf die Ausführungen anderer verlassen muss. Hier schätze ich auch sehr die Ausführungen von Herbert Jantzen, der ja (bekanntlich ?) eine nicht calvinistische Ansicht vertritt.

Mir hilft eine pauschale Verurteilung der Andersdenkenden hier nicht weiter. Ich wünschte mir eine klare argumentative, aus der Schrift begründete Erklärung. Allerdings werden wir (bzw. ihr) wohl nicht über die Ausführungen von Owen hinausgehen können, denn er hat wohl aus reformatorischer Sicht alles gesagt.

Ich kann die Argumente und Ausführungen der Befürworter der Prädestination nachvollziehen, habe aber hierüber noch keinen Frieden. Innerlich wehre ich mich gegen die Schlußfolgerung, dass Gott vor Grundlegung der Welt entscheidet, wer verloren geht und wer errettet wird. Nach meiner jetzigen Sichtweise besteht die Möglichkeit der Annahme oder Ablehung des Heils durch den Menschen, ohne hierdurch der Lehre der Reformation "allein aus Gnade" widersprechen zu wollen.

Ich werde mir mal das Buch "Fiat Lux" bestellen, in der Hoffnung, dass es mir in der Lösung der Frage weiterhilft. Für weitere, produktive und Erkenntnis fördernde Beiträge bin ich sehr dankbar.

Liebe Grüße und Gottes Segen

€rni

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Viator
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Fiat Lux und Gottes Souveränität

Beitragvon Viator » 12.06.2007 16:33

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Jens
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Beitragvon Jens » 13.06.2007 10:19

Liebe Geschwister,

dies ist ein Forum "Bücher und Medien", kein Forum "Calvinismus oder Arianismus". Die Eingangsfrage lautete, ob jemand das Buch "Fiat Lux" von J. Mac Carthy gelesen habe.

Zu diesem Buch ließe sich eine Menge sagen, was hier aber praktisch nicht geschieht. Ich empfehle daher, einen extra Thread zum Thema "Erwählung oder Freier Wille?" im Forum "Biblische Themen" zu eröffnen.

Des weiteren möchte ich noch einmal darauf hinweisen, daß der Ton die Musik macht. Jeder der Beteiligten reklamiert für sich, die Bibel ernst zu nehmen und möchte das nicht abgesprochen bekommen. Also sollte niemand einem anderen Forumsteilnehmer Ernsthaftigkeit absprechen oder gar dessen Glauben in Frage stellen.

Vielleicht als Hilfestellung: Auch wenn im Buch selbst die Erwählungslehre oft als "Calvinismus" bezeichnet wird, ist diese Bezeichnung schlichtweg falsch. Augstinus lehrte sie, Luther ebenso und weiter viele bekannte Männer Gottes.

Man kann aus meiner Sicht schon an der Verwendung von Begriffen schnell erkennen, ob es jemandem um eine ernsthafte Auseinandersetzung unter Geschwistern oder um platte Diskussionswut und Herumwerfen von Meinungen geht. Bitte gebt euch nicht eine solche Blöße - nach dem Motto: "Ich habe meine Meinung - bitte belästigen Sie mich nicht mit Fakten!"

Philipper 2
1 Gibt es nun irgendwelche Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes, gibt es Herzlichkeit und Erbarmen, 2 so machet meine Freude völlig, indem ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habet, einmütig und auf eines bedacht seid, 3 nichts tut aus Parteigeist oder eitler Ruhmsucht, sondern durch Demut einer den andern höher achtet als sich selbst, 4 indem jeder nicht nur das Seine ins Auge faßt, sondern auch das des andern.
5 Denn ihr sollt so gesinnt sein, wie Jesus Christus auch war,6 welcher, da er sich in Gottes Gestalt befand, es nicht wie einen Raub festhielt, Gott gleich zu sein; 7 sondern sich selbst entäußerte, die Gestalt eines Knechtes annahm und den Menschen ähnlich wurde, 8 und in seiner äußern Erscheinung wie ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tod, ja bis zum Kreuzestod. 9 Darum hat ihn auch Gott über alle Maßen erhöht und ihm den Namen geschenkt, der über allen Namen ist, 10 damit in dem Namen Jesu sich alle Knie derer beugen, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind, 11 und alle Zungen bekennen, daß Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes, des Vaters.

Shalom, Jens Grapow (Moderator)

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Jens
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Nachtrag zu: Hinweis an alle Forumsteilnehmer

Beitragvon Jens » 13.06.2007 12:45

Jens hat geschrieben: dies ist ein Forum "Bücher und Medien", kein Forum "Calvinismus oder Arianismus". Die Eingangsfrage lautete, ob jemand das Buch "Fiat Lux" von J. Mac Carthy gelesen habe.
... pardon - es muß heißen: kein Forum "Calvinismus oder Arminianismus" - ich bitte um Nachsicht für den Lapsus $:?

Jens Grapow

Robert
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Beitragvon Robert » 14.06.2007 09:42

Lieber Jens, schon die Tatsache, daß Du Dich auf Luther und Augustinus berufst, trennt uns.
Ich berufe mich nur auf die Bibel und nie auf zweifelhafte "Christen".

Im Buch Fiat Lux wird die Liebe GOTTES zum Thema betrachtet. Auch die Tatsache, daß GOTT jedem Menschen genug Licht gegeben hat, um IHM zu antworten.

In der Tat haben ref. Christen eine völlig andere Vorstellung von GOTT als wir Anderen, die wir uns NICHT als Arminianer oder Calvinisten verstehen.(Leider gelten alle Nicht.Calvinisten als Arminianer, was falsch ist.)

Durch diese unterschiedliche Gottessicht, ist eine echte Gemeinschaft nicht möglich.

Gast

Beitragvon Gast » 14.06.2007 10:46

Robert hat geschrieben:Lieber Jens, schon die Tatsache, daß Du Dich auf Luther und Augustinus berufst, trennt uns.
Ich berufe mich nur auf die Bibel und nie auf zweifelhafte "Christen".

Im Buch Fiat Lux wird die Liebe GOTTES zum Thema betrachtet. Auch die Tatsache, daß GOTT jedem Menschen genug Licht gegeben hat, um IHM zu antworten.

In der Tat haben ref. Christen eine völlig andere Vorstellung von GOTT als wir Anderen, die wir uns NICHT als Arminianer oder Calvinisten verstehen.(Leider gelten alle Nicht.Calvinisten als Arminianer, was falsch ist.)

Durch diese unterschiedliche Gottessicht, ist eine echte Gemeinschaft nicht möglich.
Hallo Robert,
was ist denn schon "echte" Gemeinschaft ? Echte Gemeinschaft ist mit jedem möglich, der dem Herrn Jesus als Jünger nachfolgt und seinen Geist hat, denn wo der Geist ist, da ist Gemeinschaft.Oder meinst du mit "echt" das berühmte "glinus": man fühlt sich nur da geborgen, wo man gläubig in unserem sinn ist? Ob es möglich ist ist, unterschiedliche Lehrmeinungen in Bezug auf Erwählung/ Prädestination auf Gemeindeebene zu dulden, soll dahingestellt werden (ich halte das bei dem "Missionseifer" beider "Parteien" in einer Gemeinde für unfruchtbar).
M.

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Jens
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Beitragvon Jens » 14.06.2007 12:20

Robert hat geschrieben:Lieber Jens, schon die Tatsache, daß Du Dich auf Luther und Augustinus berufst, trennt uns.
Ich berufe mich nur auf die Bibel und nie auf zweifelhafte "Christen".
[...]
Durch diese unterschiedliche Gottessicht, ist eine echte Gemeinschaft nicht möglich.
Lieber Robert,

ich berufe mich nicht auf Luther und Augustinus zur Untermauerung der einen oder anderen Sichtweise, sondern ich führe sie lediglich an, um deutlich zu machen, daß der Begriff "Calvinismus" falsch ist. Meine eigene Auffassung zu der einen oder anderen Lehre habe ich in meinem Kommentar ja mit keinem Wort erwähnt.

Wie ich bereits schrieb, halte ich lediglich diesen Thread (Bücher und Medien) für nicht geeignet für eine theologische Auseinandersetzung zum Thema "Erwählung oder Freier Wille".

Übrigens stellte ich nicht "aus Versehen" das Philipperzitat in meinen Kommentar. Denn obwohl ich selbst für mich aus der Schrift eine glasklare Erwählungslehre erkennen kann, habe ich sehr wohl echte und sehr gute Gemeinschaft mit Geschwistern, die dies anders sehen. Die Gemeinschaft ergibt sich nämlich nicht aus einer hierfür angeblich notwendigen Bewertung dieser Frage, sondern aus dem gemeinsamen Glauben an den auch für meine Schuld gekreuzigten und auferstandenen Herrn Jesus Christus und der täglichen Nachfolge (wozu auch beispielsweise Philipper 2 gehört). Ich möchte hier Mephiboscheth beipflichten.

Gruß, Jens Grapow

uweandreas
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Heilslehre als Roman?

Beitragvon uweandreas » 09.07.2007 23:55

In dieser Diskussion soll es um das BUCH „Fiat Lux!“ gehen, aber die Beschränkung auf eine Buchbesprechung ist offenbar kaum zu schaffen, die meisten Beiträge gehen schnell auf das theologische, zeitgeistige und kirchengeschichtliche Umfeld ein.
Ich will hier einige erste Eindrücke von der Lektüre dieses Romans skizzieren.

POSITIV finde ich, dass der Autor die geistige und geistliche Situation an einer der bekanntesten Universitäten der (ehemals) christlichen USA darstellt und daran aufzeigt, welchen Problemen und Widerständen evangelisierende Christen sich an so einer „aufgeklärten“ Uni gegenüber gestellt sehen. Die Intoleranz der Toleranten wird deutlich, wenn es um Jesus Christus geht. Weiter sehr positiv ist: Der Autor hat ein Herz für die Evangelisation dieser jungen Intellektuellen. Und so nimmt er den Missionsauftrag Jesu als Hintergrund, um die Tragik davon aufzuzeigen, dass sich die, die miteinander das Evangelium zeugnishaft leben und einmütig predigen sollten, über die Botschaft selbst und die „Methode“ der Evangelisation zerstreiten. Ich gehe davon aus, dass der Autor hier einschlägige eigene Erfahrungen und Kenntnisse einbringt, wenngleich die Personen und Handlungen fiktiv sind.

THEOLOGISCH. Der Roman ist aber kein neuer Beitrag der überlaufenen Kategorie „Die neueste Evangelisationsmethode“, sondern widmet sich ausdrücklich einem theologischen Thema, einem zutiefst schwierigen Thema zudem: geht im Kern um die Heilslehre (Soteriologie) und dort um das Jahrhunderte alte „Problem“ der Spannung zwischen Auserwählung, Berufung, Buße, Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen (usw.). Der Buchuntertitel ließ trotz Fragezeichen darauf hoffen, dass „eine Handvoll Studenten ein Rätsel lösen kann, das Theologen seit Jahrhunderten beschäftigt hat“. Dieser Untertitel hätte mich warnen sollen. Erstens sind die jungen Leute im Roman nun nicht wirklich mit den Christen, Denkern und Theologen zu vergleichen, über deren Werke sie später brüten (und sie nicht wirklich verstehen) werden. Daher kommt auch nichts Neues, geschweige denn Besseres, dabei heraus. Zweitens gibt es diese jungen Erwachsenen ja gar nicht, sondern sie sind fiktive, konstruierte Gestalten, deren sich der Autor bedient, um seine persönliche Meinung in dieser spannenden Frage darzustellen und zu verteidigen. Es ist interessant zu beobachten und zu analysieren, WIE der Romanautor dies anstellt.

Wer über das Heilshandeln Gottes schreibt, der schreibt über jenes Handeln Gottes, in dem ER sich wie nirgends sonst selbst-geoffenbart hat. Er schreibt mithin nicht „nur“ über das Handeln Gottes, sondern zugleich über das Wesen Gottes. Da sollte man annehmen, dass der Mensch seine Schritte vorsichtig setzt und nicht in übermütiger Torheit oder Ahnungslosigkeit mitten in die Hybris eines intellektuell oder emotional akzentuierten Definitionsversuches Gottes hineinspringt. Es gibt wirklich Erdenwürmer, die sich zumuten, Gott und Sein Handeln mit Intellekt und Logik vollständig erklären zu können. Wer sich aber einmal anhand der Heiligen Schrift mit dem Wesen der Heiligen Schrift, dem Wesen des Gottes und Menschen Jesus Christus oder der Ewigkeit Gottes (usw.) beschäftigt hat, muss demütig eingestehen, dass unser menschlicher Verstand nicht alle Rätsel, Paradoxa (je nach Definition dieses Begriffs) und Spannungen auflösen kann. Schon die All-Eigenschaften Gottes und deren vollkommene Gesamtheit im Wesen Gottes stellt mich (uns?) vor unlösbare und nicht-nachempfindbare Schwierigkeiten als raum- und zeitgebundenes irdisches Geschöpf. Diese Schwierigkeiten beobachtet man dann auch durchweg in den Gesprächen der Studierenden. Sie hätten sich viel öfter anstelle der Frage: „Ist es logisch?“ oder „Entspricht es meinen Emotionen?“ (Hallo, Angela!) die evangelikale Urfrage „Steht es in der Heiligen Schrift?“ stellen sollen.

Wir wissen genug über Gott und über das Heilshandeln Gottes, dass wir gläubig werden können und dass wir die Gute Nachricht so predigen („verkündigen“) können, dass Gott das zur Wiedergeburt des Hörers verwenden kann. Aber wir wissen deswegen noch nicht alles. Die Frage nach der Ordo Salutis (welcher Schritt des Heils auf welchen folgt) kann man m.E. anhand der Heiligen Schrift nicht definieren und in einem sequentiellen Flowchart darstellen. Das können wir ja noch nicht einmal beim "natürlichen" Leben, selbst da ist für die Wissenschaft noch Unerklärliches da. Was ist denn "Leben"? Warum keimt ein Samenkorn? Warum? Was passierte da wo wie wann? Übertragen wir diese Fragen auf das "Neue Leben"... Da wissen wir ja noch nicht einmal, WO der Heilige Geist weht, wir sehen erst die Wirkungen, wenn ER irgendwo solche zeitigt! Nochmals: natürlich wissen wir genug, um Mitarbeiter Jesu zu sein, um am Evangelium priesterlich dienen zu können. Aber das neue Leben bleibt ein Wunder Gottes, bleibt ein Geschenk. Bei allem Bemühen, Pflanzen und Begießen sollten wir nie vergessen, dass es Gott ist, der das Leben und das Wachstum gibt, WIE ER WILL.

POSITIV finde ich die Wendung, nach Studium der theologischen Systeme und Bekenntnisse (meiner Meinung nach für einen Theologen unerlässlich, wir sind ja nicht die ersten Denker und Christen auf dieser Welt!) direkt zur Heiligen Schrift zu gehen, zur „Primärliteratur“. Wer in der Diskussion der Lehrsysteme oder gar der Persönlichkeiten stecken bleibt (siehe auch diese website), kommt nicht zum Kern der Sache. Aber wieder drängt sich die Parallele mit der Philosophiegeschichte auf: Die Rückkehr zu den antiken Quellen (ad fontes) war nämlich auch das Prinzip des Renaissance-Humanismus, der sich durch Rekurs auf die Antike als maßgeblicher Norm für alle Fragen und Lebensbereiche vom „finsteren Mittelalter“ abgrenzen wollte. Und das sieht eben oberflächlich genau so aus wie die Frage „Was sagt die Heilige Schrift?“, ist aber Humanismus. Nehmen wir es positiv und folgen wir diesem Hinweis, dann könnten wir lernen, die einschlägigen Bibelzitate nicht immer nur durch die Brille (Interpretationsnorm) eines Gedankensystems (einer speziellen Theologie) zu sehen, sondern aus der Fülle des Zeugnisses der Heiligen Schrift eine ausgewogene und richtige (wenn auch nicht logisch „dichte“) Lehre zu gewinnen. Es kann dann sein, dass die Wahrheit in den beiden Extremen (Souveränität Gottes und Verantwortung des Menschen) gleichzeitig zu finden ist, und nicht in einem „Mittelweg“, wie es mW William MacDonald so trefflich gesagt hat. Anders gesagt: in derart „schwierigen“ Themen wie der Heilslehre ist es angesagt, vom deduktiven Ansatz zum induktiven Ansatz zu wechseln und immer wieder die Frage zu stellen „Steht es in der Heiligen Schrift?“, „Was lehrt die Heilige Schrift?“

INKONSEQUENT: Obwohl der Autor die induktive Vorgehensweise als Lösung empfiehlt und seine Studenten durchführen lässt (offenbar aber nur im Schnelldurchgang), kommt doch an entscheidender Stelle entlarvend durch, dass das im Buch entscheidende Denken dann doch von vorgefassten Meinungen, Spekulationen und Vorstellungen ausgeht und im Licht dieser Vor-Eingenommenheit biblische Aussagen bewertet, annimmt oder verwirft (also deduziert). Die hübsche Angela, die auf die Hauptperson des Romans (den Koreaner Alex) durch eine Liebesbeziehung einen sicher nicht zu unterschätzenden emotionalen Einfluss ausübt, macht das deutlich. Sie hat sich ein Bild von Gott zurecht gelegt, und als sie etwas hört, das nicht zu diesem ihrem Gottesbild passt, dann verwirft sie diese Aussage („Gott als Oger“). Als die Liebe Gottes nicht ihrer Auffassung von Liebe entspricht, dann ist sie emotional aufgebracht. Wäre sie wirklich „Evangelikale“, wäre sie zur Schrift gegangen (ad fontes) und hätte alles (!) gelesen, was Gott über Sich und Seine Liebe und Sein vollkommenes Wesen zu sagen hat... und hätte daran ihr Gottesbild korrigiert. Hätte der Autor hier nicht von seinen Romanfiguren alles das zusammentragen können, was die Bibel über die Liebe und Gnade Gottes sagt, was sie aber auch vom Zorn, Grimm und der Rache Gottes sagt? Anstelle dessen ist zB das gesamte Kapitel 63 voller Spekulationen über Gott, die Engel, Satan, den Fall usw., zB „Gott muss sich furchtbar gefühlt haben“. Selbst ausgedachte Gottesbilder, bei denen wir entscheiden, was wir vom biblischen Zeugnis hereinnehmen, ernst nehmen, und was nicht (was wir verdrängen), sind aber keine Gottesbilder, sondern Götzen. Das sollte uns sehr ernst und nachdenklich stimmen.

LOGIK: „Es wäre unlogisch, alle Menschen überall zur Buße aufzurufen, wenn er genau wüsste, dass dies nur einige könnten.“ sagt der Romanheld Alex (S 305). Damit sagt Alex (oder der Autor) aber mehr über seine Logik als über Gott aus. Die generelle Frage lautet hier, ob Gott vom Menschen etwas fordern kann, von dem Er weiß, dass es der Mensch nicht tun/halten kann. (Ob das wirklich etwas mit „Logik“ zu tun hat, ist eine andere Frage) Am Beispiel des Dekalogs könnte sich jeder Bibelleser zweifelsfrei versichern, dass dies Gott tatsächlich tut. Es war Gott von Anfang an klar, dass KEIN Mensch die 10 Gebote halten kann. Trotzdem gab Er die 10 Gebote und forderte (mit Todesstrafe!) deren strikte Einhaltung. Dass diese Gebote vom Gesetzgeber und Richter nicht „locker“, sondern sehr streng interpretiert werden, macht Jesus Christus in der Bergpredigt deutlich. Und dass es außer Jesus Christus niemand gehalten hat noch halten kann, ist auch klare Aussage der Schrift. Damit ist bewiesen, dass Gott durchaus vom Menschen das Einhalten Seiner Gebote fordern kann (und Buße zu tun ist ein Gebot Gottes an alle Menschen!), auch wenn KEIN Mensch aus sich heraus (d.h. ohne weiteres Wirken Gottes) dieses Gebot halten kann. Alex denkt falsch, egal ob er das „logisch“ oder „unlogisch“ findet.

EIN ZWISCHENFAZIT. Ich bin nicht glücklich, dass man sich durch Hunderte von Seiten quälen muss, um der Menge an Worten einige Tröpfchen "Geist" abzuringen. Der Autor hätte auf 5-10 Seiten seine Heilslehre darstellen können und hätte damit vielen Lesern viel Zeit gespart. Er hätte in einem sachlichen Artikel seine Quellen nennen/offenbaren können, denn NEU ist diese angebliche „Lösung“ ja nicht, das ist Roman-Fiktion, auf die –den Jubelrufen urteilend– wohl auch der Herausgeber hereingefallen sein mag. Dass Arminianismus nicht neu ist, weiß jeder, der sich mit diesen Fragen auseinander setzt. Dass die Schrift angeblich lehrt, dass Gott eine anonyme Gruppe von Menschen bzgl. irgendwelcher Heilsfolgen erwählt habe, ist auch nichts Neues, das haben schon Roger Forster und V. Paul Marston 1973 gelehrt („corporate/class election“) und nach ihnen W. Klein 1990. Dass die Vorkenntnis Gottes und die Auserwählung auf eine Funktion der Allwissenheit Gottes reduziert wird, ist auch nicht wirklich neu, sondern klassischer Arminianismus. Dass der natürliche Mensch weder verfinstert am Verstande noch tot sei, sondern doch noch so klar denkend und lebendig (wenn auch krank, evtl. totkrank), dass er Lebensfunktionen wahrnehmen und Entscheidungen fällen kann, die ihm das Heil garantieren, ist schon lange vor McCarthy zu lesen. Dass kein Mensch Gutes tut, dass kein Mensch Gott sucht, das liest man zwar im Evangelium Gottes über seinen Sohn Jesus Christus (Römer 3,11-12), also im „Wort der Wahrheit“, aber nicht bei diesen „Lösungen“. Egal, aus welchen unterschwelligen Motiven diese Heilslehre konstruiert wird, Gott hat es wirklich nicht nötig, sich von Menschen vom Vorwurf der Ungerechtigkeit oder Lieblosigkeit –um das Geringste zu sagen– retten zu lassen. Nicht wir haben den Maßstab der Gerechtigkeit, Heiligkeit und Liebe und könnten Gott damit messen und beurteilen (oder in Schutz nehmen), sondern Gott und Sein Wort sind dieser Maßstab und wir Menschen müssen uns daran messen lassen. Gott IST heilig. Gott IST Liebe. Gott IST gerecht in allem seinem Handeln. Mögen wir Menschlein das endlich begreifen, das ist der Anfang des Heils.

POSITIV ist die Betonung der Verantwortung des Menschen, denn diese ist biblisch: der Mensch MUSS umkehren und glauben, sonst geht er verloren. Positiv ist die Betonung der biblischen Wahrheit, dass Gott ALLE Menschen liebt und allen Menschen viel Gnade und Güte erweist, sogar Seinen Feinden! Positiv ist ferner die Betonung, dass das Opfer Jesu Christi für ALLE Sünder ausreicht. Am Ende werden aber nur die Menschen die Heilsfolgen dieses Opfers Jesu effektiv erfahren, die glauben und umgekehrt sind, darüber sind sich sogar die einig, die in dieser Frage sonst viele Differenzen haben. Und wer an die biblisch bezeugte Allwissenheit und Vorkenntnis Gottes glaubt, wird zugeben, dass Gott schon immer und ohne Irrtumsmöglichkeit namentlich wusste, wer (welche Individuen) effektiv in den Genuss des stellvertretenden Opfers Jesu kommt. Im Gegensatz zur arminianischen Sicht lehrt die Heilige Schrift unter Vorkenntnis (prognosis), dass Gottes Vorkenntnis nicht einem rein informatorischen Vorher-Wissen, sondern einem Vorher-Planen entspringt, mithin Seinem Willen und Seiner Entscheidung. „Erkennen“ bedeutet in der Bibelsprache/kultur nicht nur bloße Information, sondern deutet auf eine Beziehung.

WARUM EIN ROMAN? Ich kann persönlich "christlichen Romanen" nicht viel abgewinnen, kirchengeschichtlichen Darstellungen hingegen viel. Das eine sind Geschicht(ch)en, das andere ist Geschichte. Warum wählte der Autor die Romanform? Ich weiß es nicht. Ist die Wahrheit uns nicht „spannend“ genug? Die Romanform gibt einem Schreiber aber einige Mittel an die Hand, die jemand, der sich auf eine sachliche Erörterung beschränkt, nicht hat. Und ich habe den Eindruck, dass der Autor von „Fiat Lux!“ mit einigen solcher Mittel bewusst hantiert. (1) Die Figuren und Charaktere eines Romans sind fiktiv, erlauben also nicht den Wahrheits- oder Faktentest, man kann sie nicht nachprüfen. Aussagen eines Romans haben mithin weder Authentizität noch Autorität für den Glauben; solche Methodenwahl ist für das Ziel jeder biblischen Verkündigung mE sehr fragwürdig. (2) Sach- und Glaubensaussagen werden an konstruierte Figuren geknüpft und damit die sachliche Diskussion um objektive Heilstatsachen auf eine subjektive Ebene gezogen. Das geschieht im Roman unterschwellig und sublim. (3) Ist das gelungen, kann man von der redlichen Rhetorik auf die Eristik (unzulässige Streitrhetorik) umschwenken. Aus einer sachlichen und offenen Bewertung der Fakten (die wird im Roman ja nur vorgespielt und ist wie gesagt konstruiert) geht man in der Eristik auf eine Bewertung, Beurteilung und Verurteilung der beteiligten Personen über. Es ist sicher kein Zufall, dass der Autor den Charakter des "Rod" und den seines Förderers so negativ wählte. Wenn die Botschaft nicht passt, dann greif den Boten an! (Weil in dieser Diskussion schon erwähnt: In der Stellungnahme der Ältesten der San Leandro Fair Haven Bible Chapel über "Calvinism" wird auch gleich zu Beginn –ob zurecht oder zu unrecht, spielt hier erst mal keine Rolle– behauptet, dass "die anderen" es sind, die "ihre Sichtweisen erbarmungslos anderen aufdrücken, selbst wenn dies Gemeinde-Spaltungen nach sich zieht. Gläubige werden oft aus ihren eigenen evangelikalen Gemeinden hinausgedrängt.") Damit ist der Leser in der Regel moralisch gegen die andere Position eingenommen und man meint dann damit, die sachlichen Schwächen der eigenen Argumentation überdeckt zu haben, oder zumindest moralisch im Recht zu sein. Meint man. Ich fände es sicherer und angemessener (und wahrer?), wenn man einmal davon ausgeht, dass alle Seiten dieses Disputs das Potential und ggf. die Schuld haben, Böses zu tun und Übles zu verursachen. Wer das so plump auf die "Gegenseite" abschiebt, der entlarvt sich mE als unredlich. Für den Roman hätte sich gut ausgewirkt, wenn der Autor nicht auf diese Weise seine Leser versucht hätte zu manipulieren.

AUSGEWOGENHEIT. Ich bin der Meinung, dass die (hypercalvinistische) Sicht von Rod und seinem skurrilen Lehrvater unbiblisch ist und dass ihr Reden und Handeln dies bestätigt. Nun wäre es meines Erachtens ausreichend gewesen, diese unbiblische Sicht anhand der ausgewogenen und geraden Wahrheit der Heiligen Schrift aufzuzeigen. (Genau das wird der Autor wohl für sich in Anspruch nehmen.) Anstelle dessen wird ein flacher Arminianismus als Gegenlösung angeboten. Irrtum bekämpft man aber nicht mit Irrtum, sondern mit der Wahrheit, mit der ganzen Wahrheit. Es hat doch keinen Wert, den Hypercalvinismus (oder sonst einen -Ismus) mit einem anderen –Ismus zu bekämpfen. Das sind Lehrstreitereien. Es genügt der Wahrheit, als Wahrheit dargestellt zu werden. Wir müssen sie weder schmackhaft machen noch sie unserer Logik oder unseren Emotionen unterstellen. Wir müssen auch Geheimnisse nicht versuchen logisch zu erklären. McCarthy hat der Wahrheit keinen Dienst erwiesen, wenn er dem Irrtum des Hypercalvinismus eine Spielart des altbekannten Arminianismus entgegen hält.

Von daher kann ich den Jubelrufen des Herausgebers, der in vielen Anzeigen und Buchbesprechungen zu lesen war, nicht folgen. Und wie dieser theologisch-seichte Roman unter die „Best Five“ eines begnadeten Predigers kommen kann, ist mir auch verborgen. Hier sind Probleme, die der sorgfältigen Bearbeitung unter demütigem Gebet bedürfen. Meine „ersten Gedanken“ zu diesem Schmöker sind davon sicher noch weit entfernt ... aber eigentlich schon zu ausführlich für das Format dieser Diskussions-Website.

BRÜDERLICHKEIT. Aber eines will ich auch nach dieser Lektüre festhalten: Es ist uns nicht gestattet, die Ernsthaftigkeit des anderen Bruders in Frage zu stellen oder ihn als Person mit Häme zu überziehen. Die Gnade, die uns gerettet hat, erlaubt und gebietet uns, den anderen Mitbruder mit Gnade zu begegnen.

SOLI DEO GLORIA.

Gast

Beitragvon Gast » 10.07.2007 09:56

Lieber UweAndreas,

vielen Dank für Deinen fast sachlichen Beitrag. Im Großen und Ganzen war Deine Stellungnahme demütig gehalten und mit brüderliche Liebe verfasst. Dazu hast Du auch eine gute Buchresenzion abgegeben.

Deine versteckte Prüfaufforderung,
„Steht es in der Heiligen Schrift?“, „Was lehrt die Heilige Schrift?“
kann ich nur unterstützen.

Vielen Dank für Deinen Beitrag - er war lesenswert !

Gott möge gut über Dich reden !

Gruß

Olly

uweandreas
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Registriert: 09.07.2007 23:05

Where theologians fear to tread...

Beitragvon uweandreas » 24.10.2007 15:35

Ulrich.B hat geschrieben: Es gibt eigentlich keine Bibelstelle, die von Auswahl, Zuvorerkenntnis, Verordnung, Zuvorbestimmung oder ähnlichem im Bezug auf den ewigen Ratschluss Gottes redet, bei der man nicht grundsätzlich alle Menschen sehen kann
.

ad 1: der biblische Begriff AUSwahl/AUSwählen impliziert, dass NICHT ALLE gemeint sind, sondern dass aus einer Grundgesamtheit eine Teilmenge abgesondert wird. In der AUSwahl sind nicht "grundsätzlich alle Menschen zu sehen", sondern nur eine Teilmenge.
Die AUSerwählung ergreift (wie zB die AUSauferstehung auch) nicht alle, sondern nur die, die gerufen sind durch göttlichen Ruf. Denn es geht in beiden Fällen um ein göttliches Wunder, etwas, das dem Menschen OHNE GOTTES GNÄDIGES WIRKEN nicht möglich ist.

Übrigens wird hier nochmals etwas behauptet, das mit den Bibelstellen, auf die H.W. Deppe verwiesen hat, schon widerlegt ist. So lernt man NIX!!!

Wir sollten aber Gott nicht eine Art Zirkelschlussauswahl unterstellen, bei der jeder heute verfügbare Computer streikt und ihm damit ein irrationales Auswahlprinzip unterstellen.
Niemand unterstellt Gott einen Zirkelschluss, wenn er an den biblischen Aussagen festhält. Wohl aber mögen uns Menschlein manche Aussagen der Bibel widersprüchlich, zirkelsprüchlich oder irrational vorkommen (nicht: sind). Das wäre eigentlich zu erwarten, wenn der Ewige den Zeitgebundenen ewige Ratschlüsse oder von seinem ewigen Wesen Mitteilung macht. Das Ende und die Kraft der Vernunft (und Logik) sind noch lange nicht das Ende dessen, was Fakt und Wahrheit ist.
Das Selbstverständnis, Gottes Wesen und/oder Sein Handeln mit Logiksystemen, Computer und Programmen zu vergleichen und zu "erklären"(?), offenbart mehr die Begrenztheit und den Unglauben des Menschen, als denn die Unwahrheit einer Lehre, die sich ganz und gar auf die Heilige Schrift stützen will. "Zirkelschlüsse" auf unserer Erkenntnisebene müssen nicht in der Realität Gottes Zirkelschlüsse sein. Das gilt auch für sog. Paradoxa.

Jenseits der Irrungen bei "Arminianern" und "Calvinisten" (was auch immer das sei) findet man bei diesen Autoren auch viele wahre Aussagen, die der Schrift entsprechen.

Letztlich geht es aber nicht um diese Systeme, sondern um den Glauben, der sich immer an Gottes Wort festmacht, nicht an Theologen (Eph 2:20).

Mehr Demut, Gnade und Licht
sei unser Wunsch!
Zuletzt geändert von uweandreas am 26.10.2007 17:38, insgesamt 2-mal geändert.

Ulrich.B
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Beitragvon Ulrich.B » 24.10.2007 18:56

Hallo Uweandreas,
ad 1: der biblische Begriff AUSwahl/AUSwählen impliziert, dass NICHT ALLE gemeint sind, sondern dass aus einer Grundgesamtheit eine Teilmenge abgesondert wird. In der AUSwahl sind nicht "grundsätzlich alle Menschen zu sehen", sondern nur eine Teilmenge.
Vielleicht kannst du deine Aussage einmal an folgendem Bibelvers konkretisieren
Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, (1Petr 2, 4)
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier die menschliche Definition von AUSwahl/AUSwählen mächtig zu kurz springt.

Wenn wir dann noch berücksichtigen
wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe;(Eph 1, 4)
dann sind wir in und mit dem auserwählten lebendigen Stein auserwählt. Da ist dann überhaupt nichts mehr mit Teilmenge.

Was du schreibst, dass kann man sicher bei allen philosophisch geprägten Theologen finden, in der Bibel findet man das nicht.
Ulrich

uweandreas
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Beitragvon uweandreas » 24.10.2007 23:28

Ulrich.B hat geschrieben:Hallo Uweandreas,
ad 1: der biblische Begriff AUSwahl/AUSwählen impliziert, dass NICHT ALLE gemeint sind, sondern dass aus einer Grundgesamtheit eine Teilmenge abgesondert wird. In der AUSwahl sind nicht "grundsätzlich alle Menschen zu sehen", sondern nur eine Teilmenge.
Vielleicht kannst du deine Aussage einmal an folgendem Bibelvers konkretisieren
Zu welchem kommend, als zu einem lebendigen Stein, von Menschen zwar verworfen, bei Gott aber auserwählt, kostbar, (1Petr 2, 4)
Irgendwie habe ich den Eindruck, dass hier die menschliche Definition von AUSwahl/AUSwählen mächtig zu kurz springt.

Wenn wir dann noch berücksichtigen
wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, daß wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe;(Eph 1, 4)
dann sind wir in und mit dem auserwählten lebendigen Stein auserwählt. Da ist dann überhaupt nichts mehr mit Teilmenge.

Was du schreibst, dass kann man sicher bei allen philosophisch geprägten Theologen finden, in der Bibel findet man das nicht.
Hallo Ulrich.B:
1.) Du wolltest wohl sagen: In der Bibel finde ICH das nicht. Und dann mag das ja stimmen. Ich lerne auch noch :-)
2.) Definiere erst einmal, wer "wir" ist und was nicht, dann erkennst Du evtl. die Tatsache der Teilmenge...
3.) Wenn Du persönlich meinen solltest, dass Deine Beiträge in diesen Foren nicht mehr "menschlich" sind und keine philosophischen Argumente verwenden, dann fehlt Dir -mit Verlaub- wohl etwas die kritische Distanz. Überhaupt: Wer verglich hier denn Gott und sein Handeln mit Computern, menschlicher Logik usw.??? Die Bedeutung der Schrift ist die Schrift, mit einzelnen Bibelversen kann man alle Irrlehren und Sekten begründen.
4.) Es ist m.E. unverzichtbar und hilfreich sein, wenn man einmal alle Stellen heraussucht, die den verlorenen Zustand des Menschen nach dem Sündenfall beschreiben. Es ist der Startpunkt, Gottes Liebe, Barmherzigkeit und Gnade zu bestaunen!

Vielleicht hilft Dir dieser Clip aus einer Veröffentlichung von B. Peters weiter, die zitierten Verse tauchen dort wieder auf. Sollte ich diesen Bibellehrer falsch verstanden haben, kannst Du mich ja darauf aufmerksam machen!
Was bedeutet "Auserwählung"?

"Gott hat uns auserwählt in Christus vor Grundlegung der Welt" (Eph 1,4).
Das hier verwendete Verb eklegomai kommt im NT 20mal vor, 15mal ist Gott oder der Herr Jesus der Erwählende (Mk 13,20; Lk 6,13; Joh 6,70; 13,18; 15,16.19; Apg 1,2.24; 13,17; 15,7; 1Kor 1,27.28; Eph 1,4; Jk 2,5), 5mal ist es der Mensch, der auswählt (Lk 10,42; 14,7; Apg 6,5; 15,22.25). Die Bedeutung ist immer die gleiche: aus einer Reihe von Möglichkeiten oder Personen eine Auswahl treffen; die Person oder die Sache aussuchen, die man bevorzugt. Es bezeichnet nicht eine Wahl aller, sondern eine Aus-Wahl aus allen, wie das in der griechischen Vorsilbe ek- "aus-", zum Ausdruck kommt.

Ferner kommt das Verbalsubstantiv eklektos "auserwählt", 23mal vor, 1mal sind Engel der erwählte Gegenstand (1Tim 5,21), dreimal ist es Christus (Lk 23,25; 1Pet 2,4.6); 19mal sind es die erlösten Menschen (Mt 20,16; 22,14; 24,22.24.31; Mk 13,20.22.27; Lk 18,7; Rö 8,33; 16,13; Kol 3,12; 2Tim 2,10; Tit 1,10; 1Pet 1,2; 2,9; 2Joh 1,13; Off 17,14). Der Erwählende ist hier immer Gott.

Schließlich kommt das Abstraktum eklogê, "Auserwählung" 7mal vor (Apg 9,15; Rö 9,11; 11,5.7.28; 1Thes 1,4; 2Pet 1,10). Es wird in den Übersetzungen nur in Apg 9,15 als Adjektiv übersetzt: "ein er-wähltes Gefäß" (KJV: "a chosen vessel" , Segond: "un instrument choisi"). Im Griechischen steht skeuos eklogês, "ein Gefäß der Erwählung", und das soll natürlich unsere Aufmerksamkeit auf Rö 9,23 lenken, wo von den beiden Arten von Gefäßen, Gefäßen des Zorns und Gefäßen des Erbar-mens, gesprochen wird. Paulus gehört also zur Gruppe der Gefäße, die Gott in Seinem Erbarmen zum Leben und zur Herrlichkeit erwählt hat.

In 2Thes2,13 steht für das deutsche Wort "erwählt" im Griechischen das Verb haireomai, das nur noch in Phil 1,22 und Heb 11,25 belegt ist. Es bedeutet "wählen" im Sinne von "vorziehen", d. h. nach persönlicher Neigung wählen. So legt das Wort "auserwählen" (eklegomai) den Schwerpunkt auf die Auswahl, aus der etwas genommen wird, "erwählen" (haireomai) auf die Eigenschaft des Wählenden.

Die Bedeutung des Ausdrucks "Erwählung" ergibt sich aus seiner Verwendung im Neuen Testament. Wir können dazu vorläufig viererlei festhalten:
a. Gott hat uns erwählt, nicht wir haben Ihn erwählt (Joh 15,16). Gott war der Erste, wie Er denn in allen Seinen Werken, sei es in der Schöpfung (1Mo 1,1), sei es in der Erlösung (Joh 1,1), immer der Urheber und Anfänger sein muss.
b. Gott hat uns in Christus erwählt, d. h. um deswillen, was Christus ist und wer Christus ist, nicht um deswillen, wer oder was oder wie wir sind (Eph 1,4).
c. Gott hat uns erwählt, ehe die Schöpfung war (Eph 1,4; 2Thes 2,13). Das bedeutet, dass Seine Erwählung durch nichts verursacht sein konnte, das mit und nach der Schöpfung ins Dasein trat. Also weder die Sünde des Menschen noch die Buße des Menschen können die Ursache für die Erwählung sein. Ja, die Sünde ist der Anlass dafür, dass Gott Heil wirkt; aber sie ist nicht die Ursache. Und die Buße und der Glaube des Menschen sind das Mittel (Eph 2,8), auf dem der Mensch zum Heil kommt. Sie sind aber nicht die Ursache der Erwählung zum Heil.
d. Gott hat erwählt, weil Er so ist, wie Er ist: Liebe (5Mo 7,7.8).

a) bis c) zusammengenommen bedeuten, dass Gott nach Seinem Willen und Vorsatz rettet (2Tim 1,9), nicht nach unserem Willen und Vorsatz (Rö 9,16), dass wir nach Seinem Willen zum Glauben und damit zur Wiedergeburt kamen, nicht nach unserem Willen (Joh 1,12.13; Jk 1,17.18). c) bedeutet, dass ein jeder von uns errettet wurde, weil Gott so ist, wie Er ist; dass die Errettung ganz an Eigenschaften Gottes liegt und in keiner Weise an Eigenschaften oder Dispositionen des Erretteten.
Gott hat Christus vor der Zeit das ewige Leben verheißen (Tit 1,2). Das bedeutet, dass Er Seinem Sohn verhieß, er werde den Seelen das ewige Leben und alle himmlischen Segnungen geben, die Er durch Sein Blut erlösen sollte (Joh 17). In uns ist keine Würdigkeit; wir sind Fremde, wie Ruth, die Moabitin, die keinerlei Anspruch auf Gottes Güte haben. Darum fallen wir vor dem Herrn nieder wie Ruth vor Boas.

"Da fiel sie auf ihr Angesicht und beugte sich zur Erde nieder und sprach zu ihm: Warum habe ich Gnade gefunden in deinen Augen, dass du mich beachtest, da ich doch eine Fremde bin?" (Ruth 2:10).

Wilhelm Busch hat zu diesem Vers folgenden Vergleich verwendet:
"Wir wollen uns einen Sklavenmarkt vorstellen... Da steht so ein armer Sklave... Nun geht da ein freundlicher Herr über den Markt. Der arme Sklave hat es nicht in der Hand, dass der Blick dieses Mannes auf ihn fällt. Aber er erschrickt vor Glück, als es geschieht. Wir hatten es nicht in der Hand, dass der Blick des Herrn Jesu auf uns fiel. Aber als es geschah, da verstanden wir das dunkle Wort aus Epheser 1: Er hat uns erwählt, ehe der Welt Grund gelegt war..." (Wilhelm Busch: Der Herr ist mein Licht und mein Heil. Tägliche Andachten, 13. Oktober)


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