Die 5.Punkte des Arminianismus und Tulip

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Die 5.Punkte des Arminianismus und Tulip

Beitragvon Joschie » 15.09.2009 08:48

Hallo Ihr
Was genau sind die fünf Punkte fünf Punkte des Arminianismus und wo genau legen die Unterschiede zu Tulip :?:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Ralf_Wtal
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Arminianismus vs. Calvinismus

Beitragvon Ralf_Wtal » 15.09.2009 17:21

Hallo Joschie,

zu diesem Thema empfehle ich folgende Internetseiten:

http://www.calvinianum.de/Bekenntnis/index.html

http://www.fb-gemeinde.de/Deutsch/CalArm.htm

Liebe Grüße
Ralf
Dum spiro, disco (Solange ich atme, lerne ich)

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Pilger Andreas
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Beitragvon Pilger Andreas » 15.09.2009 18:27

Aus Blätter der Erinnerung an die Dortrechter Synode von Eduard Böhl:
Der theologische Gehalt der Remonstranz ist sehr gemäßigt und doppelsinnig. Uitenbogaard, der feine Hofprediger des Prinzen Moritz, hat sie verfaßt und es ist wahrscheinlich, daß auch Grotius dabei nicht untätig geblieben. Es wird in der Remonstranz in fünf Artikeln erklärt:
  • 1. daß sie glaubten, Gott habe durch ein ewiges, unveränderliches, vorweltliches Dekret beschlossen, die durch die Gnade des hl. Geistes (d. h. nach Art. 4. durch die gratia resistibilis) in Jesus Christus glauben und in dem Glauben beharren würden, selig zu machen, die Nichtglaubenden aber zu verdammen, als von Christus Fremde.
  • 2. Sie blieben dabei, daß Jesus Christus für Alle und Jeden gestorben sei, wiewohl nur die Glaubenden den Genuß davon bekämen.
  • 3. Sie gestanden, daß der Mensch den seligmachenden Glauben nicht kraft seines freien Willens hätte, sondern dazu der Gnade Gottes in Christus bedürfe.
Sie nahmen selbst, Art.
  • 4. an, daß der Mensch ohne diese zuvorkommende, nachfolgende und mitwirkende Gnade nichts Gutes denken oder wollen könne, nur sei selbige Gnade nicht unwiderstehlich.
  • 5. Endlich leiteten sie die Beharrung in der Gnade von Christi Geist ab, unter der Bedingung freilich, daß die Glaubenden zum Streite bereit seien und seiner Hilfe begehrten; weshalb sie es denn auch unentschieden ließen, ob die Gnade verlierbar sei oder nicht.
Hernach aber in der Haag'schen Konferenz, die über diese fünf Punkte abgehalten ward, erklärten sie diese fünf Artikel dahin, daß sie sagten, ein Gläubiger könne wohl durch eigene Schuld von Gott abfallen und den Glauben verlieren. Ein jeder erkennt das Schwankende und selbst das Widersprechende in diesen fünf Artikeln an. Trotzdem waren dieselben von solcher Wichtigkeit, daß der Name „Remonstranten“ der ganzen Partei verblieb, nach dem Schriftstück, in dem diese fünf Artikel standen.
Siehe auch das aktuelle Buch Die Lehren der Gnade in dem die 5 Punkte behandelt werden.

Gruß,
Andreas

PvE
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Beitragvon PvE » 15.09.2009 19:42

Die Essenz der arminianischen Grundsätze ist die, dass der Mensch darüber entscheidet, ob er gerettet wird. Das setzt natürlich voraus, dass der Mensch selbst erkennen kann, dass er errettungsbedürftig ist.

TULIP sagt im Wesentlichen, dass Gott Menschen rettet, da der Mensch dazu weder willens noch in der Lage ist.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 16.09.2009 09:19

Hallo Ihr
Geht es bei dem Unterschied darum, ob der Mensch einen freien Willen hat :?: :idea:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

PvE
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Beitragvon PvE » 16.09.2009 09:37

Geht es bei dem Unterschied darum, ob der Mensch einen freien Willen hat
Darauf läuft es letztlich hinaus. Denn wenn er ihn hätte und die Errettung wählen könnte, da er nicht völlig verdorben ist, sähe es um Gottes Souveränität schlecht bestellt aus. Wie soll dann garantiert werden, dass die Erwählten gerettet werden?

Raphael
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Beitragvon Raphael » 16.09.2009 14:22

Ich würde noch schärfer formulieren, dass es im Semipelagianismus letztlich um nichts anderes geht, wie im Pelagianismus, dass der Mensch sich selbst rettet!

Denn diese egoistische Position will der Mensch nicht aufgeben. Damit geht es um mehr als nur die Frage nach dem freien Willen.
Es ist letztlich eine fromme Form eines antichristlichen Selbsterlösungswunsches, wie er in allen religiösen Systemen dieser Welt liegt!

Trotzdem sind Arminianer wohl Christen, aber irregeführte Geschwister. $:(
Fürwahr, Gott ist mein Heil: ich bin voller Zuversicht und fürchte mich nicht! Denn Gott, der HERR, ist meine Stärke und mein Lobgesang, und er ist mir ein Retter geworden! - Jes 12, 2 (Menge)

PvE
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Beitragvon PvE » 16.09.2009 18:05

Trotzdem sind Arminianer wohl Christen, aber irregeführte Geschwister.
Vgl. z.B. John Wesley.

Diese ganzen ProChrist-Aktionen und wie sie alle heißen, wo man quasi durch Handheben Christ werden kann, gehen letztlich auf die Theologie der Arminianer zurück.

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Sanftwut
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Re: Die 5.Punkte des Arminianismus und Tulip

Beitragvon Sanftwut » 17.09.2009 19:53

Joschie hat geschrieben:Hallo Ihr
Was genau sind die fünf Punkte fünf Punkte des Arminianismus und wo genau legen die Unterschiede zu Tulip :?:
Gruß Joschie
was die Frage der Unterscheidung angeht hat der die nachstehende Ausarbeitung eines Bruders sehr geholfen:

Über die Auserwählung

A und C glauben beide, dass die Erwählten und die, die sich bekehren, identisch sind, ebenso die nicht Erwählten und die, die sich nicht bekehren (auch ich glaube das).

A glaubt, dass Gott Menschen auserwählt hat, nur weil sie sich bekehren würden und Er das zuvor wusste (falsch, weil es die Souveränität Gottes nicht gebührend berücksichtigt)

C glaubt, dass Menschen sich bekehren, nur weil Gott sie auserwählt hat (falsch, weil die Verantwortlichkeit des Menschen nicht gebührend berücksichtigt wird)

Ich glaube, dass wir über den logischen Zusammenhang von Erwählung und Bekehrung nichts sagen können, sondern beide Arten von Stellen - über die Souveränität Gottes in der Erwählung und die Verantwortlichkeit des Menschen, sich zu bekehren - nebeneinander stehen lassen sollen, ohne zu versuchen sie mit einer logischen Kneifzange zu verbinden. Ich glaube, dass die unten geschilderten, aus meiner Sicht falschen Ergebnisse alle daraus hervorkommen, dass man versucht hat, einen logischen Zusammenhang zwischen beidem herzustellen, obwohl die Bibel selbst das nicht tut.

A glaubt, dass niemand zur Verdammnis zuvorbestimmt ist (richtig)
C glaubt, dass die nicht Erwählten zur Verdammnis zuvorbestimmt sind (falsch)

Über den Willen des Menschen

A glaubt an den freien Willen des Menschen (falsch)
C glaubt an den (durch die Sünde) unfreien Willen des Menschen (richtig)

A glaubt, dass der Mensch sich daher ganz von sich aus für Gott entscheiden kann (falsch)
C glaubt, dass der Mensch sich nicht von sich aus für Gott entscheiden wird und kann (richtig)

C glaubt, dass das zur Bekehrung notwendige Wirken Gottes nur an den Herzen der Erwählten geschieht (falsch)
Ich glaube, dass das das zur Bekehrung notwendige Wirken Gottes an den Herzen aller Menschen geschieht (Gott leitet alle zur Buße, aber der Mensch kann dieses Wirken Gottes ablehnen und verachten (Römer 2,4)

A glaubt aufgrund des freien Willens auch, dass ein Kind Gottes wieder von Gott abfallen und das ewige Leben wieder verlieren kann (falsch)
C glaubt, dass das Werk Gottes in der Wiedergeburt unumkehrbar und das ewige Leben eine unwiderrufliche Gabe Gottes ist (richtig)

Über das Erlösungswerk Christi

A glaubt, dass Christus für alle Menschen gestorben ist (richtig, unter dem Gesichtspunkt der Genugtuung Gott gegenüber)
C glaubt, dass Christus nur für die Erwählten gestorben ist (falsch unter o.a. Gesichtspunkt)

A glaubt, dass Christus stellvertretend für alle Menschen die Sünden und die Strafe auf sich genommen hat (falsch)
C glaubt, dass Christus nur für die Erwählten (bzw. die, die sich bekehren) die Sünden und die Strafe dafür getragen hat (richtig)

Über das Heilsangebot

A glaubt, dass Gott wünscht, dass alle Menschen gerettet werden (richtig)
C glaubt, dass Gott nicht wünscht, dass alle Menschen gerettet werden (falsch)

A glaubt, dass Gott allen Menschen eine "faire Chance" gibt (richtig)
C glaubt, dass es für die Nichterwählten keine "Chance" gibt (falsch)

Mein Eindruck aus vielen Büchern und aus verschiedenen Diskussionen ist der, dass die Probleme dann aufhören, wenn man demütig eingesteht, dass wir die beiden Linien der Souveränität Gottes in der Erwählung und der Verantwortlichkeit des Menschen, sich zu bekehren, nicht logisch verknüpfen können (zumindest hier auf der Erde nicht). Wenn wir das eingestehen, stehen wir nicht mehr unter dem Zwang die betr. Bibelstellen in ein menschlich-logisches System zu pressen, sondern können ihnen ihrem Wortlaut gemäß jeweils ihre volle Bedeutung zuerkennen.
(Ende Zitat)

Ich stimme mit diesen Aussagen zu 100% überein.
Gruß
Sanftwut
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Beitragvon lutz » 17.09.2009 20:06

Hallo Sanftwut,
du schreibst u. a.:

"Über das Erlösungswerk Christi
A glaubt, dass Christus für alle Menschen gestorben ist (richtig, unter dem Gesichtspunkt der Genugtuung Gott gegenüber)
...
C glaubt, dass Christus nur für die Erwählten (bzw. die, die sich bekehren) die Sünden und die Strafe dafür getragen hat (richtig)"

Was ist Genugtuung Gott gegenüber?

Lutz

PS.: Mir fällt gerade auf, dass es diesen Beitrag schon einmal gab:
http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... ight=#4111

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Sanftwut
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Beitragvon Sanftwut » 18.09.2009 14:55

lutz hat geschrieben: Was ist Genugtuung Gott gegenüber?
Damit ist gemeint, dass Jesus nach 1. Joh.2,2 Sühnung für die Sünden der ganzen Welt tat. Gott und auch wir können im Sinn von 2. Kor.5,20 also zu jedem Menschen die Einladung aussprechen: "Komm lass dich mit Gott versöhnen".

Gruß
Sanftwut
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Beitragvon lutz » 18.09.2009 17:11

Sanftwut hat geschrieben:

"Damit ist gemeint, dass Jesus nach 1. Joh.2,2 Sühnung für die Sünden der ganzen Welt tat."

_________________________________

Eigentlich dreht es sich um die Bedeutung von genug.
Was heißt genug getan?

Es gibt ja viel Interpretationsspielraum:
-"genug" - im Sinne von "genug entgegengekommen".
- "genug" - im Sinne von "vollständig ausreichend, aber nicht wirksam".
- "genug" - im Sinne von "einer hat sein Teil getan, nun ist der Andere
dran".
- "genug" - im Sinne von "genügend Vorlage, Fortsetzung nicht inbegriffen" ...

Was meint "Sühnung für die Sünden der ganzen Welt"?
Dabei ist natürlich zu beachten, dass diese Aussagen, den Aussagen über das Sühneopfer Christi
(jetzt mal nicht so sehr im Sinne für wen?, sondern im Sinne von Charakteristika desselben)
nicht widersprechen dürfen.

Für eine genauere Beleuchtung der Johannesstelle möchte ich auf den Thread "Was hat Jesus wirklich vollbracht?" verweisen.

Lutz

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Beitragvon PvE » 19.09.2009 09:38

Sanftwut schrieb:
Damit ist gemeint, dass Jesus nach 1. Joh.2,2 Sühnung für die Sünden der ganzen Welt tat

Aber vgl. die folgenden Schriftstellen (nach Zürcher 2007):


Matthäus 1,21:
Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden retten.

Johannes 10,14.15:
Ich bin der gute Hirt und kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne. Und ich setze mein Leben ein für die Schafe.

Johannes 10,28:
Und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie werden in Ewigkeit nicht verloren gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreissen.

Johannes 15,13:
Niemand hat grössere Liebe als wer sein Leben einsetzt für seine Freunde.

Johannes 17,9:
Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein.

Apostelgeschichte 20,28:
Gebt acht auf euch und auf die ganze Herde, in der euch der heilige Geist als fürsorgliche Hirten eingesetzt hat, zu weiden die Kirche Gottes, die er sich erworben hat durch sein eigenes Blut.

Epheser 5,25:
Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen und rein zu machen durch das Bad im Wasser, durch das Wort.


Gruß
Oliver

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Beitragvon Sanftwut » 19.09.2009 09:48

PvE hat geschrieben: Aber vgl. die folgenden Schriftstellen (nach Zürcher 2007):

Matthäus 1,21:
Sie wird einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk von ihren Sünden retten.
Hi Oliver,

dieser scheinbare Widerspruch löst sich auf, wenn du den Unterschied zwischen Sühnung und Stellvertretung akzeptierst.
Der sühnende Aspekt des Werkes unseres Herrn bedeutet, dass jeder Mensch die Chance hat errettet zu werden. Jesus gab sein Leben als Lösegeld für alle, d.h. es würde für alle ausreichen.
Alllerdings wird die Erlösung am Kreuz nur für die wirksam, die dem Befehl Gottes Buße zu tun und an den Erlöser glauben, nachkommen. Für sie gilt das Prinzip der Stellvertreung.
Gruß
Sanftwut
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Beitragvon Sanftwut » 19.09.2009 09:51

lutz hat geschrieben:- "genug" - im Sinne von "vollständig ausreichend, aber nicht wirksam".
Ja das Werk des Herrn am Kreuz reicht für alle Menschen aus, wird aber nur wirksam für die, die es annehmen.

Gruß
Sanftwut
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Hold on to the good. (1.Thess.5,21)


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