Gibt es Glaubensleben ohne Vergangenheit/Kirchengeschichte?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Gibt es Glaubensleben ohne Vergangenheit/Kirchengeschichte?

Beitragvon Joschie » 12.07.2010 13:24

Hallo Ihr!
In der letzten Zeit ist mir öfter aufgefallen, das Christen ein sehr gebrochenes oder gar kein Verhältnis zur Kirchengeschichte haben. Mir ist klar das dieses ein sehr weites Feld ist und wir eine entfernt ähnliche Frage schon mal hatten( http://www.betanien.de/forum/viewtopic.php?t=698 ). Ich möchte vorraus stellen, das ich lange Zeit kein Verhältnis zur Kirchengeschichte hatte, aber das ist bedingt durch meine Biographie, da ich aufgewachsen in der DDR und dort zum Glauben gekommen bin. In dieser war primär Kirchengeschichte schlecht, bis auf die kleinen Punkte, die man sich aus ideologischen Gründen ausgesucht hatte. Für viele ist ja das Urchristentum, das absolut beste, was es in der Kirchengeschichte gab. Dabei ist mir aufgefallen, das es stark idealisiert wird. Als 2. Frage, welcher Zeitraum wird für das Urchristentum eigentlich angesetzt? Ich möchte mal 2 Zitate bringen, die ich in dieser und anderer Form oft gefunden habe.
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Nichts gegen Kirchengeschichte, aber dann indem alles anhand des Wortes Gottes geprüft wird und die Erkenntnisse von damals nicht als ausschlaggebend gesehen werden
weiter
Ich bin davon überzeugt, dass das kirchliche Umfeld in dem man aufwächst, auch in geistlichen Dingen einen starken Einfluss auf die Gläubigen ausübt, ohne dass es unbedingt biblisch ist (siehe Verständnis über Taufe, Abendmahl, Prädestination, Gemeindeverständnis, Geistesgaben, usw.).
Manchmal denke ich, wie gut wäre es, wenn Gott ohne Vorbelastungen anfangen könnte uns die Bibel zu erklären. Aber es würde nur kurze Zeit andauern, denn schnell würden Menschen wieder ihre eigenen Überlegungen dazu bringen und die Lehre der Schrift verfälschen
Hier stellen sich die Fragen, ob es eine Gemeinde ohne Vergangenheit/ Kirchengeschichte geben kann. War in der Kirchengeschichte alles falsch oder zu wenig an der Schrift gebunden? Das Kirchengeschichte auch an Zeitgeschichte gebunden ist, ist völlig klar. Ist aber Gott nicht auch Herr der Geschichte?
Gruß und Segen von Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
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Re:Gibt es Glaubensleben o. Vergangenheit/Kirchengeschichte?

Beitragvon Jose » 14.07.2010 03:24

Sich mit der Kirchengeschichte zu beschäftigen ist schon wichtig, denn dadurch gewinnt man ein besseres Verständnis über die Gnade des Herrn im Verlauf der Jahrtausende. Aber meine Überzeugung ist, man sollte alles sehen und nichts Besonderes und schon gar nicht irgendjemand besonders hervorheben.

Mit den vergangenen 2000 Jahre Kirchengeschichte habe ich mich beschäftigt und auch viel darüber gelesen. Am kostbarsten fand ich die Erzählungen, wo man schlicht und doch sachlich und treffend, den Ablauf wiedergab, wie die folgende.
  • Das Christentum gleicht der Uhr. Als der Zeiger auf zwölf stand, war die Zeit erfüllt, und der Sohn Gottes kam in die Welt. Das unfassbare Wunder war geschehen und Gott hatte sich ins Fleisch erniedrigt und war Mensch geworden gleich wie wir! Wie hätte Er Seine Liebe zu uns besser erzeigen Können? - Als dann Jesus Christus am Kreuz von Golgatha hing wurde durch Seinen Kreuzestod unsere menschliche Sunde gesühnt und das Gesetz erfüllt, also auch das Gesetzeszeitalter beendet. Mit Seiner glorreichen Auferstehung am 3. Tage aber überwand Er auch den Tod welcher der Sünde Sold ist und ging dann als der Durchbrecher aller Bande in den Himmel ein. Nun sandte Er Seinen Stellvertreter, den Heiligen Geist auf die Erde, welcher das Zeitalter der Gnade eröffnete und die Gemeinde begründete. Damit war die Zeit des Urchristentums gekommen, die wir auf der Uhr bei 12 erkennen. Das lebendige Wort wurde durch die Apostel in Beweisung des Geistes, Taten und mitfolgenden Zeichen verkündet. Die Gemeinde aber blieb wie wir in der Apostelgeschichte lesen, beständig in der Apostellehre der Gemeinschaft dem Brotbrechen und Gebet.

    Je mehr sich aber der Zeiger von seinem Ursprung entfernte, ließ die Kraft dieses Urchristentums nach. Wo er bei 3 Uhr die Mittagszeit anzeige, hatte sich das Christentum schon erheblich von der Lehre Jesu und Seiner Apostel abgewandt. Durch Konstantin (325) war das Christentum Staatsreligion geworden. Man begann, sich von. den Worten des Herrn, Wer da glaubet und getauft wird wird selig werden" abzuwenden und fing an, kleine, unmündige Kinder zu besprengen. Die biblische Taufe, die durch Untertauchen gehandhabt worden war, trat somit in den Hintergrund, und aus der Gemeinde der Wiedergeborenen entstand eine Volks- und Staatskirche, in der alle Welt aufgenommen wurde. So ward der schmale Weg verlassen und die enge Pforte weit gemacht, damit alle Welt hineinpasste. Das war bereits ein tiefer Fall der Kirche. Hinzu kam, dass etwa in der Hälfte des ersten Jahrtausends an Stelle des Heiligen Geistes, den Christus als Stellvertreter und Sachwalter für Seine Gemeinde gesandt hatte, ein Papst trat und sich Stellvertreter Christi nannte, wie es das Urchristentum nie gekannt hatte. Ja, er maßte sich sogar Macht über Kaiser und Könige an und setzte diesen die Krone auf. Wer sich diesem geistlichen Regime widersetzte, kam in Bann und Acht, und selbst die Herrscher der Erde mußten im Büßergewand dem Papst zu Füßen liegen und vor ihm knien, wenn sie wieder in seine Gunst kommen wollten. Wehe den Andersgläubigen! Sie wurden durch Inquisitionsgerichte und auf den Scheiterhaufen darüber belehrt, dass sich keiner dieser Hierarchie widersetzen durfte. Das war das finstere Mittelalter der Kirche. - Aber bekanntlich kehrt der Zeiger der Uhr wieder zu seinem Ausgangspunkt zurück.

    Als er bei 6 Uhr am weitesten von seinem Ursprung abgekommen war, die Ketzergerichte tagten .und die Scheiterhaufen in ganz Europa brannten, zeigten sich bereits die Anfänge der Reformation.

    Wo der Zeiger auf 9 steht, sehen wir Luther die 95 Thesen an die Pforte der Schlosskirche zu Wittenberg schlagen. Aber nicht nur er stößt in die Posaune, sondern überall ertönten reformatorische Stimmen. Die Bibel wurde in die Sprache des Volkes übersetzt, so dass jeder die Wahrheit des Wortes Gottes erfahren konnte. Die Täuferbewegung ging durch die Land, die Gemeinschaftsbewegung und Erweckungen im 18. und 19. Jahrhundert stellten wieder die Notwendigkeit der Wiedergeburt auf den Leuchter, 'bis schließlich die Geistesbewegung im 20. Jahrhundert den eigentlichen Charakter des Urchristentum wieder hervorheben.

    So steht der Zeiger nahe vor Mitternacht, und die Gemeinde des Herrn ist dabei, wieder zu ihrem Ursprung zurückzukehren Mögen Kirchen glauben, sie könnten mit ihren überbrachten Formen weiterexistieren. Sie haben übersehen, dass Gott über sie hinweggegangen ist und sich wieder die Gemeinde bildet, die in Wort und Geist den Prinzipien der Apostellehre entspricht.

    Auszug aus dem Buch "Das Ende kehrt zum Anfang zurück!", Paul Mink
Keine der Zusammenfassungen der letzten 2000 Jahre Kirchengeschichte haben mich so überzeugt wie solcher in dieser Art, in denen man leicht verständlich gezeigt bekommt, wie sich die Kirche entwickelt hat. Ich habe die Beschreibung von Paul Mink gewählt, hätte aber auch andere Autoren nehmen können. Mit der Reformation begann Gott sein Volk wieder zum Wort zurückzuführen, daher ist es umso schmerzhafter, dass die bekannten Reformatoren Luther und Calvin an der Kindertaufe festgehalten haben. Ohne Kindertaufe gäbe es nach meiner Überzeugung keine Staatsreligion. Mein Verlangen ist, daran festhalten, damit die Grundüberzeugungen wie die Taufe, das Festhalten an der Apostellehre, sowie das sich ausstrecken nach den Geistesgaben, auch in meinem Leben gefunden werden.


Generell gilt aber:
Es geht nicht um Luther; Calvin oder sonst irgendjemand, es geht um Gott und Sein Wort.


José

1x editiert um Quelle der Kurzschilderung der Kirchengeschichte nachzutragen.
Ein 2x editiert wegen formale Anpassungen.
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Beitragvon Joschie » 14.07.2010 13:55

Jose hat geschrieben:Jedoch, je mehr sich die Gemeinde von ihrem Ursprung entfernte, ließ die Kraft dieses Urchristentums nach. Durch Konstantin (325) wurde das Christentum Staatsreligion, man begann, sich von den Worten des Herrn: "Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird gerettet werden (Markus 16,1)" abzuwenden und fing an, kleine, unmündige Kinder zu besprengen. Die biblische Taufe, die durch Untertauchen gehandhabt worden war, trat somit in den Hintergrund, und aus der Gemeinde der Wiedergeborenen entstand eine Volks- und Staatskirche, in der alle Welt aufgenommen wurde.
Das belege bitte mal durch Quellen besonders deine Darlegung der Taufe und der Staatskirche in aller Welt.
Gruß Joschie
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Jose
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Entstehung des Staatskirchentums

Beitragvon Jose » 14.07.2010 22:07

Jose hat geschrieben:Jedoch, je mehr sich die Gemeinde von ihrem Ursprung entfernte, ließ die Kraft dieses Urchristentums nach. Durch Konstantin (325) wurde das Christentum Staatsreligion, man begann, sich von den Worten des Herrn: "Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird gerettet werden (Markus 16,1)" abzuwenden und fing an, kleine, unmündige Kinder zu besprengen. Die biblische Taufe, die durch Untertauchen gehandhabt worden war, trat somit in den Hintergrund, und aus der Gemeinde der Wiedergeborenen entstand eine Volks- und Staatskirche, in der alle Welt aufgenommen wurde.
Joschie hat geschrieben:Das belege bitte mal durch Quellen besonders deine Darlegung der Taufe und der Staatskirche in aller Welt.
Richtigstellung: Ich habe nicht "Staatskirche in aller Welt" geschrieben, sondern "Staatskirche in der aller Welt aufgenommen wurde".

Ein sehr gutes Dokument über die Entstehung der Kindertaufe ist dieses:
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downl ... rtaufe.pdf.
Die Einleitung dazu:
Der zweite Artikel beschäftigt sich mit der Entstehung der Kindertaufe im Laufe der Kirchengeschichte. Anhand von Zitaten von Kirchenvätern weist Maier darauf hin, daß die Kindertaufe erst im 5. Jh. allgemeine Praxis wurde. Wie es zur Kindertaufe gekommen ist, läßt sich in der Kirchengeschichte sehr gut nachweisen
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downl ... ufe03.html
Hier ein Auszug (Kapitel 3.4, Seite 8).
Die Entstehung des Staatskirchentums
1. Konstantin hat die Kirche nicht nur anerkannt, sondern auch bevorzugt. Das Universalreich drängte zu einer Universalreligion; zu einer solchen bot aber das Heidentum nur schwache und ungenügende Ansätze. Er wollte eine starke Kirche, denn in einer starken Kirche sah er die Grundlage für ein starkes römisches Reich.
2. Kirchenmitgliedschaft wurde im Laufe der Jahre zur Staatspflicht. Nichtchrist sein wurde zum Staatsverbrechen und wurde strafbar.
3. Zur Kirchenmitgliedschaft war jedoch die Taufe notwendig. Deshalb wurde die Kindertaufe gesetzlich geboten. Die Säuglingstaufe wurde zum Fundament der Staatskirche.
http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downl ... rtaufe.pdf

Liebe Grüße,
José

1x editiert und Calvinauszug als http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... 5900#15900 angelegt.
Zuletzt geändert von Jose am 15.07.2010 00:43, insgesamt 1-mal geändert.

lutz
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Beitragvon lutz » 14.07.2010 22:13

Lieber Jose,

ebenso wie Joschie würde mich zunächst erst mal die Quelle der von dir zitierten kurzen Darstellung der Kirchengeschichte interessieren.
Glaubt der Autor an fortschreitende Offenbarung, die genau in der heutigen Zeit zum Abschluss kommt (ebenso wie Zeugen Jehovas, Kommunismus, …) oder haben wir in der Zukunft neue Korrigierungen durch den Herrn zu erwarten, so dass sich unser Glaubens- und Gemeindeleben weiter dem Urchristentum anpassen wird? So kommt es mir in der zitierten Darstellung jedenfalls vor.

Lutz

PS: Ich finde die Quellenangabe deiner "Erzählung" nicht!

Jose
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Gegen das Festhalten an falsche Traditionen

Beitragvon Jose » 15.07.2010 00:37

Als Beispiel für nicht bereinigte Übel der Kirchengeschichte möchte ich die unselige Kindertaufe erwähnen, über die in diesem Forum sicherlich bereits viel diskutiert wurde. Die Kindertaufe ist nicht einfach eine Ansichtssache, sondern spielt eine Schlüsselrolle im Entstehen und in der Bildung der Gemeinde Jesu.

Über Calvin und sein Verhältnis zur Kindertaufe las ich in Wikipedia:
Johannes Calvin befürwortete von Anfang an die Beibehaltung der Kindertaufe. Seine Theologie der Kindertaufe wird später so zusammengefasst:
„Soll man auch die jungen Kinder taufen?
Ja; denn weil sie, ebenso wie die Alten, in den Bund Gottes und in seine Gemeinde gehören (1.Mose 17,7) und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden (Mt 19,14) und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, nicht weniger als den Alten zugesagt wird (Lk 1,14.15; Ps 22,11; Jes 44,1-3; 46,3.4; Apg 2,39), so sollen sie auch durch die Taufe als das Bundeszeichen der christlichen Kirche eingeleibt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden (Apg 10,47), wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist (1.Mose 17,14), an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde (Kol 2,11-13).“

– Heidelberger Katechismus 74
http://de.wikipedia.org/wiki/Kindertaufe
Das Verhalten Calvins, aber auch Luthers, zeigt uns klar, das die Reformatoren auch nicht alle Erkenntnis hatten oder nicht in allen Dingen Gehorsam waren. Was wäre es für ein Segen gewesen, wenn die Reformatoren sich einfach daran gehalten hätten, das zu tun was Gott sagt und sich beispielsweise von der Kindertaufe entfernt hätten. Das scheint aber, selbst dort wo man an der Prädestinationslehre festhält, noch nicht angekommen zu sein.


Liebe Grüße,
José


1x editiert wegen Inhaltserweiterung.
Zuletzt geändert von Jose am 15.07.2010 08:22, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Festhalten an Traditionen

Beitragvon Joschie » 15.07.2010 08:18

Jose hat geschrieben:Vorhin las ich in Wikipedia:
Johannes Calvin befürwortete von Anfang an die Beibehaltung der Kindertaufe. Seine Theologie der Kindertaufe wird später so zusammengefasst:
„Soll man auch die jungen Kinder taufen?
Ja; denn weil sie, ebenso wie die Alten, in den Bund Gottes und in seine Gemeinde gehören (1.Mose 17,7) und ihnen in dem Blut Christi die Erlösung von den Sünden (Mt 19,14) und der Heilige Geist, der den Glauben wirkt, nicht weniger als den Alten zugesagt wird (Lk 1,14.15; Ps 22,11; Jes 44,1-3; 46,3.4; Apg 2,39), so sollen sie auch durch die Taufe als das Bundeszeichen der christlichen Kirche eingeleibt und von den Kindern der Ungläubigen unterschieden werden (Apg 10,47), wie es im Alten Testament durch die Beschneidung geschehen ist (1.Mose 17,14), an deren Stelle im Neuen Testament die Taufe eingesetzt wurde (Kol 2,11-13).“

– Heidelberger Katechismus 74
http://de.wikipedia.org/wiki/Kindertaufe
Das Verhalten Calvins, aber auch Luthers, zeigt uns klar, das die Reformatoren auch nicht alle Erkenntnis hatten oder nicht in allen Dingen Gehorsam waren. Was wäre es für ein Segen gewesen, wenn die Reformatoren sich einfach daran gehalten hätten, das zu tun was Gott sagt und sich beispielsweise von der Kindertaufe zu entfernen.


Liebe Grüße,
José
Jose das hat aber nun auch nichs mit meiner Frage zu tun :hm: Bitte vermischen nicht immer die Dinge,wir sind erstmal bei Konstantin und das Tauferständnis der ersten Jahrhunderte und nicht bei Calvin :roll:
Gruß Joschie
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Re: Festhalten an Traditionen

Beitragvon Jose » 15.07.2010 08:56

Jose das hat aber nun auch nichs mit meiner Frage zu tun Bitte vermischen nicht immer die Dinge,wir sind erstmal bei Konstantin und das Tauferständnis der ersten Jahrhunderte und nicht bei Calvin
Ich will nichts vermischen, Joschie. Habe jedoch vielleicht einen zu schnellen Sprung gemacht, tut mir Leid.

Auf das Thema Konstantin und die Einführung der Kindertaufe im Zusammenhang mit der Verstaatlichung des Christentums habe ich geantwortet, hatte jedoch eigentlich vorausgesetzt, dass es allgemein bekannt ist. Dann gingen meine Gedanken gleich weiter, weil ich mit Traurigkeit an Anhänger Calvins dachte, die leider, so wie Calvin selbst, offensichtlich ein unbiblisches Verständnis über die Taufe haben.

Es geht doch bei diesem Thema darum, ob die Kirchengeschichte unser Glauben und Verhalten beeinflusst, und wir sehen, dass es das tut, wenn beispielsweise die Taufe, das Gemeindeverständnis oder die Einstellung zu den Geistesgaben betrachtet wird. Man erkennt als Ursprung für bestimmte Überzeugungen, die Verwendung einer falschen "Abzweigung" in der Kirchgeschichte und die mangelnde Bindung ans Wort.

Ich weiß nicht, welcher Ton zwischen meinen Zeilen herausgehört wird, daher möchte ich betonen, dass ich sehr traurig bin über manchen Beitrag in diesem Forum. Ich dachte gelesen zu haben, dass die Verantwortlichen für das Forum die Bedeutung und die Praxis der biblischen Taufe der gläubig gewordenen kennen und daran festhalten. Daher hatte ich auch den Mut, mich dazu zu äußern.



Liebe Grüße,
José

lutz
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Re:Gibt es Glaubensleben o. Vergangenheit/Kirchengeschichte?

Beitragvon lutz » 15.07.2010 09:47

Jose hat geschrieben: Die Täuferbewegung ging durch die Land, ...
Die Täuferbewegung ist gar nicht so einfach darzustellen.
Ich fürchte dass es hier aus Unkenntnis eine Menge „romantische“ Vorstellungen darüber gibt.

Mal zwei Beispiele:
http://glaubensstimme.de/doku.php?id=au ... el-taeufer

http://glaubensstimme.de/doku.php?id=au ... :kapitel_3


Auf www.glaubensstimme.de findest du unter der Themenwolke entsprechend Material, Zeitzeugen ….

Lutz

PS:
Ich habe die Ergänzung bemerkt „Auszug aus dem Buch "Das Ende kehrt zum Anfang zurück!", Paul Mink“
Handelt es sich um Paul-Gerhard Mink?
http://forum.efg-osthofen.de/wbb/commun ... stestaufe/

Edit: Habe soeben erfahren: Paul Mink war der Vater von Paul-Gerhard Mink.
Zuletzt geändert von lutz am 15.07.2010 22:13, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Joschie » 15.07.2010 10:47

Lutz hat geschrieben:Ich habe die Ergänzung bemerkt „Auszug aus dem Buch "Das Ende kehrt zum Anfang zurück!", Paul Mink“
Handelt es sich um Paul-Gerhard Mink?
http://forum.efg-osthofen.de/wbb/commun ... stestaufe/
Ich bitte das Thema nicht unnötig aufzuteilen, wenn Bedarf besteht sich über Paul Mink auszutauschen, bitte hier oder sich direkt per P.N. an Jose zu wenden.
Gruß Joschie
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Das Urchristentum

Beitragvon Jose » 16.07.2010 21:26

Joschie hat geschrieben: Für viele ist ja das Urchristentum, das absolut beste, was es in der Kirchengeschichte gab. Dabei ist mir aufgefallen, das es stark idealisiert wird. Als 2. Frage, welcher Zeitraum wird für das Urchristentum eigentlich angesetzt?
Wenn ich die Apostelgeschichte und die Briefe lese, dann sehen wir ein gewaltiges Wirken Gottes, denken wir nur an Pfingsten und all die Zeichen und Wunder, aber besonders auch daran, wie Menschen überführt und errettet wurden. In der ersten Zeit der Gemeinde hatte Jesus Seine Verheißung an die Gemeinde auch voll erfüllen können:

"Und er sprach zu ihnen: Geht hin in die ganze Welt und predigt das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer gläubig geworden und getauft worden ist, wird gerettet werden; wer aber ungläubig ist, wird verdammt werden. Diese Zeichen aber werden denen folgen, die glauben: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird es ihnen nicht schaden; Schwachen werden sie die Hände auflegen, und sie werden sich wohl befinden." Mk 16,15-18

Ich denke, es ist unbestreitbar, dass wir diesen Zustand in der Ur-Gemeinde hatten, auch wenn es schwache im Glauben, Zweifler und Abweichler gab.

Auch die Einheit in der Gemeinde war, bei aller Not, nie besser als damals, weil einfach auch die Verantwortlichen einig waren und die Verantwortung für alle Gemeinden auf die Apostel lag. Die Bitte Jesu um Einheit der Seinen: "Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, dass sie eins seien wie wir! " Joh 17,11, hätte unter den Voraussetzungen von damals erfüllt werden können, aber so wie die Gemeinde sich entwickelt hat, habe ich persönlich wenig Hoffnung für unsere Zeit, wenn wir zudem auch noch bedenken: "und weil die Gesetzlosigkeit überhandnimmt, wird die Liebe der meisten erkalten" Mt 24,12.


Die Zeit des Urchristentums lief meiner Meinung nach mit der Zeit der Apostel aus, also mit Beginn des 2. JH. Die Apostel waren es, die der Herr in besondere Weise gebrauchte, um über alle Gemeinden warnend einzugreifen, wie wir es beispielhaft an den Sendschreiben sehen. Erinnern möchte ich noch an die Worte Paulus an die Ältesten von Ephesus: "Ich weiß, dass nach meinem Abschied grausame Wölfe zu euch hereinkommen werden, die die Herde nicht verschonen " Apg 20,29. Das endgültige Ende des Urchristentums wird allgemein aber mit dem Übergang vom Urchristentum in eine Weltreligion verbunden und hierbei besonders mit dem Namen von Kaiser Konstantin verbunden (zu Konstantin siehe z.B. http://www.heiligenlexikon.de/Biographi ... Grosse.htm).
Konstantin gab den christlichen Bischöfen richterliche Befugnisse und setzte 321 den Sonntag als den wöchentlichen Feiertag fest - der judenfeindliche Kaiser wollte damit auch die Sabbatruhe bekämpfen. 325 wurde das Christentum der römischen Religion gleichgestellt, alle einschränkenden Gesetze und Verordnungen wurden aufgehoben, Kirchen und Friedhöfe zurückerstattet. Im selben Jahr berief Konstantin das Konzil von Nicäa ein, das wesentliche Weichenstellungen für das Christentum brachte.
Uunter dem römischen Kaiser Konstantin wurde das Christentum zuerst erlaubt, dann privilegiert; erst im Jahr 380, unter Theodosius I., wurde das Christentum Staatsreligion. Zu Theodosius I finden sich leicht viele Links im Internet, z.B. unter http://www.bautz.de/bbkl/t/theodosios_r_k_i.shtml.


José
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Re:Gibt es Glaubensleben o. Vergangenheit/Kirchengeschichte?

Beitragvon Jörg » 17.07.2010 06:38

Jose hat geschrieben: Generell gilt aber:
Es geht nicht um Luther; Calvin oder sonst irgendjemand, es geht um Gott und Sein Wort.
Schon Martin Luther sagte: "Man widerlege mich mit der Bibel und nicht mit den Kirchenvätern."
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 18.07.2010 08:26

Warum ist die Beschäftigung mit der Kirchengeschichte wichtig? Um "alte" Irrtümer zu vermeiden! Allein die Beschäftigung mit dem Irrlehrer Pelagius oder mit Jacobus Arminius würde uns vielleicht vor manch fromm klingender falscher Theologie bewahren. Da hilft es auch nicht, die Lehre mit vielen Bibelstellen zu schmücken. Schon Irenäus schreibt in "Gegen die Häresien 1.2": "Der Irrtum wird tatsächlich niemals in seiner entkleideten Verworrenheit dargelegt, damit er nicht, derart bloßgestellt, sofort als solcher erkannt wird. Vielmehr wird er mit viel Geschick in einem ansehnlichen Kleid aufgeputzt, so daß er durch seine äußere Form den Unerfahrenen - so lächerlich solch ein Ausdruck auch scheinen mag - wahrhaftiger erscheinen soll als die Wahrheit selbst."

Einen gesegneten Sonntag wünscht

Jörg

P.S.: Zu Pelagius und Arminius siehe hier:
http://www.calvinianum.de/Artikel/5_Pun ... theit.html
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Joschie » 22.07.2010 18:16

Jose hat geschrieben:Uunter dem römischen Kaiser Konstantin wurde das Christentum zuerst erlaubt, dann privilegiert; erst im Jahr 380, unter Theodosius I., wurde das Christentum Staatsreligion
Da sind wir uns hier einig. Aber kann man von der Staatsreligion Theodosius I. auf alle anderen Staatsreligionen gleich Kirche schließen.
Des weiteren kann ich nicht deine Sicht auf das Urchristentum folgen. Wenn ich die Briefe des NT lese, sind sie voller Probleme. Gemeindespaltung, Irrlehren, falsche Apostel und große Schwierigkeiten im Umgang miteinander. Leider waren sie nicht so eines Sinnes bei der Lösung ihrer Probleme, sondern sie mußten sich an die Apostel wenden und diese mußten auch ein Machtwort sprechen. In manchen Dingen sind uns die NT-Gemeinden näher als wir denken.
Lieben Gruß Joschie
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Das Urchristentum

Beitragvon Jose » 22.07.2010 22:06

Joschie hat geschrieben:In manchen Dingen sind uns die NT-Gemeinden näher als wir denken.
Was die Schwächen der Menschen anbetrifft, mit Sicherheit. Was die Not in den Gemeinden anbetrifft, auch. Selbst Spaltungen gab es damals schon sehr bald, aber eines müssen wir dennoch festhalten: Die Gemeinden gehörten zusammen, weil sie durch die Apostel zusammengehalten wurden. Es gab Einheit in der Lehre zwischen den verantwortlichen Leitern bzw. das Bemühen war da, das Trachten nach der Einheit im Geist. Das gibt es heutzutage kaum noch, aber das muss bei jedem einzelnen anfangen. Das ist keine Frage der Prädestination, sondern des Gehorsams. Und Gehorsam fängt im Kleinen an.

Nun aber zu dem Punkt, welche Gefahren in der Kirchengeschichte liegen. Wenn nicht die Schrift sondern die Lehre und das Vorbild der Reformatoren im Vordergrund stehen, ist die Gefahr sehr groß, dass auch deren Irrtümer, auf Grund mangelnder Erkenntnis, übernommen werden.

Die Taufe
Über die Kindertaufe wurde schon mehrfach gesprochen und mir ist klar geworden, dass kein Lutheraner oder Calvinist von der Kindertaufe Abstand nehmen kann. Nicht weil sie irgendwie biblisch begründbar wäre, sondern weil damit die wichtigste Säule des Systems Kirche abgerissen werden würde. Im Urchristentum war das Thema Taufe so klar, dass es nicht einmal nötig war, darüber zu reden. Nur über die Taufe des Johannes und die Taufe Jesu wurde geredet, aber auch hier war klar, dass die Taufe Jesu, die nach der Taufe zur Buße des Johannes kam, die richtige war. Die, welche nur die Taufe des Johannes hatten, ließen sich dann auch auf den Namen Jesu taufen. Hier möchte ich mal nachfragen, ob es heutzutage irgendeine Kirche gibt, in der die Kindertaufe praktiziert wird, die aber spätestens nach der persönlichen Bekehrung die Notwendigkeit der biblischen Taufe betont?

Die Geistestaufe
Über die Geistestaufe habe ich in diesem Forum schon einiges gelesen. Persönlich bin ich sehr dankbar, dass ich weder aus einer Pfingstgemeinde komme noch zu einer charismatischen Gemeinde gehöre. Wenn ich mich aber nach dem Wort richte, so redet Gott sehr klar von einem besonderen erfüllt werden mit dem Heiligen Geist und von Zeichen dieser Geistesfülle. Bekannt sind besonders das Reden in Zungen und die Gabe der Auslegung, aber auch die Gabe der Weissagung. Durch diese Gabe der Weissagung redet Gott ganz besonders zur Gemeinde, aber nichts Ergänzendes zu Seinem Wort, denn die Gemeinde soll jede Weissagung prüfen und wie könnte das geschehen, wenn nicht auf der Grundlage der Schrift? Hier merken wir, Weissagungen in der Gemeinde sind etwas absolut biblisches und nichts Ergänzendes zur Bibel.


Ich weiß nicht welche Erfahrungen der Schreiber des folgenden Zitates mit der Geistesbewegung hatte, auf jeden Fall ist seine Argumentation nur menschlich, jedoch biblisch nicht haltbar. Ich möchte sogar sagen, die Haltung ist gefährlich.
Mit dem Aufkommen der Pfingstbewegung wurde erstmals in einer evangelikalen Denomination das Prinzip, dass es außer der Schrift auch andere Offenbarungsquellen gibt, zum System. Visionen, Stimmen und damit einhergehend die Macht, Zeichen und Wunder zu tun, relativieren die Wahrheit, dass die Schrift allein genügt (2Tim 3,16.17) und drängen die Wahrheit von der Einmaligkeit der Vollender der Schrift – der Apostel (1Thes 2,13) – an den Rand.
Quelle: 076 Peter (K)ein anderes Evangelium, Seite 4
Warum erwähne ich gerade diese zwei Punkte? Weil die Gläubigen aus den sogenannten reformierten Kirchen gerade in diesen zwei Punkten m.E. viel Schuld auf sich geladen haben. Eine Schuld, dessen Auswirkungen wir mit Sicherheit noch gar nicht richtig ermessen können. Die Schrift ermahnt uns: "Den Geist löscht nicht aus! Weissagungen verachtet nicht, prüft aber alles, das Gute haltet fest!" 1. Thess 5,19-21. Ich möchte nicht zu denen gehören, die den Geist löschen (oder dämpfen nach einer anderen Übersetzung). Die Verantwortung ist mir zu groß. Wer soll uns denn sonst in alle Wahrheit leiten?

José
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