Gibt es Glaubensleben ohne Vergangenheit/Kirchengeschichte?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 04.08.2010 19:39

Jose hat geschrieben:Die Gemeinden gehörten zusammen, weil sie durch die Apostel zusammengehalten wurden. Es gab Einheit in der Lehre zwischen den verantwortlichen Leitern bzw. das Bemühen war da, das Trachten nach der Einheit im Geist. Das gibt es heutzutage kaum noch, aber das muss bei jedem einzelnen anfangen

Was ist mit den Differenzen zwischen Paulus und Petrus? Damals waren die Gemeinden ja von der Zahl recht überschaubar und trotzdem gab es tiefgreifende Differenzen zwischen Judenchristen und Heidenchristen, siehe Eph. und Galaterbrief. Was verstehst du nach dem Trachten der Einheit im Geist.
Nun aber zu dem Punkt, welche Gefahren in der Kirchengeschichte liegen. Wenn nicht die Schrift sondern die Lehre und das Vorbild der Reformatoren im Vordergrund stehen, ist die Gefahr sehr groß, dass auch deren Irrtümer, auf Grund mangelnder Erkenntnis, übernommen werden.
Woher weiß du das sie für ihre Zeit eine mangelnder Erkenntnis hatten?Ihre Lehre haben sie nie als Dogma im Sinn der Katholischen Kirche verstanden!
Über die Kindertaufe wurde schon mehrfach gesprochen
und mir ist klar geworden, dass kein Lutheraner oder Calvinist von der Kindertaufe Abstand nehmen kann. Nicht weil sie irgendwie biblisch begründbar wäre, sondern weil damit die wichtigste Säule des Systems Kirche abgerissen werden würde. Im Urchristentum war das Thema Taufe so klar, dass es nicht einmal nötig war, darüber zu reden
Nochmals Kirchengeschichte sind 2000 Jahre und nicht nur die Reformation. Beide Luther und Calvin haben nicht ihre Aussagen als feststehendes Dogma wie die Katolische Kirche gesehen. Woher weißt du, das sie für ihre Zeit mangelnde Erkenntnis haben.

Woher weißt du welches Kirchenverständnis die Reformatoren hatten und das die Taufe für sie eine tragende Säule war? Kennst du die 5 Solas?
Hier möchte ich mal nachfragen, ob es heutzutage irgendeine Kirche gibt, in der die Kindertaufe praktiziert wird, die aber spätestens nach der persönlichen Bekehrung die Notwendigkeit der biblischen Taufe betont?
Das ist mir so weit ich Kirchen kenne nicht bekannt.Ich kenne aber Kirchen die Großtaufe wiederholen da sie die von anderen nicht anerkennen.Anscheinend ist für dich die Tauffrage das Maß der Dinge es gab in der Kirchengeschichte Kirchen =Gemeinschaften die nach deiner Meinung die biblischen Taufe betonen aber ansonsten in großen Irrlehren verstrickt waren.Es ging in der Kirchengeschichte um viel wichtige Fragen so der Kanon der Bibel,die Trinitätslehre,dieChristologie,Sünde und Gnade,Wort und Sakrament und die Rechtfertigung.Wir können uns gerne darüber austauschen nur welche Taufe richtig ist klammere ich aus darüber ist schon genug gesagt.
Joschie
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Jose
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Die großen Reformatoren

Beitragvon Jose » 28.08.2010 08:16

Zurzeit lese ich das Buch: "Gottes Generäle II", Untertitel "Die großen Reformatoren", von Roberts Liardon. Da ich mir besonders bewusst geworfen, wie sehr die Reformatoren und überhaupt die Menschen die sich für die Reformation einsetzten, von den Wirken und dem Vorbild anderer motiviert und ermutigt wurden, an Christi Sache treu zu halten.

Es ist für mich das erste Buch des Autors Roberts Liardon und ich weiß nicht, ob man ihn grundsätzlich empfehlen kann oder nicht, ich bin aber von dem Inhalt sehr angesprochen als auch von manchem persönlichen Einschub des Autors. Es geht deutlich daraus hervor, wie John Wycliffe als Vorbild diente für Jan Hus, dieser wiederum für Martin Luther ein leuchtender Zeuge Christi war, Luther wiederum für Johannes Calvin und Calvin seinerseits sehr prägend für John Knox war. So ließen diese Glaubensmänner eine Segensspur hinter sich zurück, obwohl auch sie nicht ohne Fehler waren und nicht alle Erkenntnis hatten bzw. nicht alle Überzeugungen des anderen teilten. Daran blieb Gott aber offensichtlich nicht hängen, weil ihre Herzen für Ihn und Seine Sache brannten.

Dies sind nur einige bekannte Namen, Gott kennt aber alle, die in Treue Ihn bekannten und sich für die Reformation einsetzen und dafür auch auf dem Scheiterhaufen grausam starben oder sonst wie um Christi Willen leiden mussten.

Als letzter Reformator in dem Buch wird George Fox behandelt. Da bin ich mal sehr gespannt, was ich über diesen Glaubensmann lernen darf und in welcher Form ich ermahnt werde, mich für den Fortgang der Reformation einzusetzen.

José

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 10.10.2010 15:36

Joschie hat geschrieben:
Jose hat geschrieben:Die Gemeinden gehörten zusammen, weil sie durch die Apostel zusammengehalten wurden. Es gab Einheit in der Lehre zwischen den verantwortlichen Leitern bzw. das Bemühen war da, das Trachten nach der Einheit im Geist. Das gibt es heutzutage kaum noch, aber das muss bei jedem einzelnen anfangen

1.Was ist mit den Differenzen zwischen Paulus und Petrus? Damals waren die Gemeinden ja von der Zahl recht überschaubar und trotzdem gab es tiefgreifende Differenzen zwischen Judenchristen und Heidenchristen, siehe Eph. und Galaterbrief. Was verstehst du nach dem Trachten der Einheit im Geist.
Nun aber zu dem Punkt, welche Gefahren in der Kirchengeschichte liegen. Wenn nicht die Schrift sondern die Lehre und das Vorbild der Reformatoren im Vordergrund stehen, ist die Gefahr sehr groß, dass auch deren Irrtümer, auf Grund mangelnder Erkenntnis, übernommen werden.
2. Woher weiß du das sie für ihre Zeit eine mangelnder Erkenntnis hatten?Ihre Lehre haben sie nie als Dogma im Sinn der Katholischen Kirche verstanden!
Über die Kindertaufe wurde schon mehrfach gesprochen
und mir ist klar geworden, dass kein Lutheraner oder Calvinist von der Kindertaufe Abstand nehmen kann. Nicht weil sie irgendwie biblisch begründbar wäre, sondern weil damit die wichtigste Säule des Systems Kirche abgerissen werden würde. Im Urchristentum war das Thema Taufe so klar, dass es nicht einmal nötig war, darüber zu reden
Nochmals Kirchengeschichte sind 2000 Jahre und nicht nur die Reformation. Beide Luther und Calvin haben nicht ihre Aussagen als feststehendes Dogma wie die Katolische Kirche gesehen. Woher weißt du, das sie für ihre Zeit mangelnde Erkenntnis haben.

3.Woher weißt du welches Kirchenverständnis die Reformatoren hatten und das die Taufe für sie eine tragende Säule war? Kennst du die 5 Solas?
Hier möchte ich mal nachfragen, ob es heutzutage irgendeine Kirche gibt, in der die Kindertaufe praktiziert wird, die aber spätestens nach der persönlichen Bekehrung die Notwendigkeit der biblischen Taufe betont?
Das ist mir so weit ich Kirchen kenne nicht bekannt.Ich kenne aber Kirchen die Großtaufe wiederholen da sie die von anderen nicht anerkennen.Anscheinend ist für dich die Tauffrage das Maß der Dinge es gab in der Kirchengeschichte Kirchen =Gemeinschaften die nach deiner Meinung die biblischen Taufe betonen aber ansonsten in großen Irrlehren verstrickt waren.Es ging in der Kirchengeschichte um viel wichtige Fragen so der Kanon der Bibel,die Trinitätslehre,dieChristologie,Sünde und Gnade,Wort und Sakrament und die Rechtfertigung.Wir können uns gerne darüber austauschen nur welche Taufe richtig ist klammere ich aus darüber ist schon genug gesagt.
Joschie

Jose ich warte noch auf die Antworten der von mir gestellten Fragen.Ich habe sie extra farblich markiert :!:
Gruß Joschie
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Re: Differenzen zwischen Paulus und Petrus u.a.

Beitragvon Jose » 10.10.2010 19:05

Joschie hat geschrieben:Jose ich warte noch auf die Antworten der von mir gestellten Fragen.Ich habe sie extra farblich markiert

Du hast recht, Joschie, entschuldige bitte. Ich wollte mich weiter mit dem Thema beschäftigen und dann ging die Antwort auf deine Fragen unter.

Joschie hat geschrieben:Was ist mit den Differenzen zwischen Paulus und Petrus?

Es wurde nie behauptet, dass es im Urchristentum keinen strittigen Fragen gab, sonst hätte es beispielsweise nicht das sogenannte Apostelkonzil gegeben (Apg. 15), wo der Heilige Geist am Ende Einheit wirkte. Allen bekannt ist sicherlich auch die Anklage des Paulus an Petrus in Apostelgeschichte 2,11ff, wo Petrus sich der Menschenfurcht und Heuchelei schuldig machte. So was gehört dazu, sind wir doch alle nur Menschen. Die Frage ist aber, ob man sich beugt und um die Einheit ringt, oder ob man getrennte Wege geht. Die Apostel sind nicht getrennte Wege gegangen, sonst würde man in der Bibel nicht Schriften von Paulus, Petrus, Johannes usw. finden.

Als ich zum Glauben kam in einer Mennoniten, da fiel mir u.a. irgendwann auf, dass man dort beispielsweise gegen die Ökumene war, gehörte aber zu einer Vereinigung mit anderen Mennonitengemeinden, die wiederum in der Ökumene waren. Das ist nur ein Beispiel, aber so gibt es viele Unterschiede in verschiedenen Gemeinden, die sich nach außen hin ähnlich nennen. Das ist nicht biblisch. Oder findest du es gut, wenn in einer Gemeinde zugelassen wird, dass jemand im Ehebruch lebt, oder zwei unverheiratet zusammen leben, in einer anderen Gemeinde dies klar als Sünde bezeichnet wird, und am Ende man doch gemeinsam am Abendmahl teilnimmt?

Joschie hat geschrieben:Woher weiß du das sie für ihre Zeit eine mangelnder Erkenntnis hatten?

Wir alle haben auch heute noch mangelnde Erkenntnis, obwohl wir die Bibel haben und dazu viele Auslegungen. Es wird doch niemand behaupten wollen, Luther hätte alles erkannt, oder Calvin, oder sonst irgendjemand bis in unsere Tage.

Zum Thema Taufe: Die Prägung der Lutherischen und Calvinistischen Gemeinden zeigt m.E. eindeutig, dass die Glaubenstaufe offenbar nicht zu wichtigen Lehre Luthers oder Calvins gehörte, zumindest fand ich bislang keine konkreten Hinweise dazu. Dass in der Reformationszeit die Praxis der Kindertaufe weitgehend und selbstverständlich fortgesetzt wurde überrascht mich nicht wirklich, und dass Luther sich beispielsweise auf die Gnade Gottes berief, die ohne Verdienst erlangt wird, und daraus auch die Taufe eines unmündigen Kindes ableitete (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Kindertaufe), ist sicherlich im Zusammenhang mit dem unermesslichen geistlichen Umbruch der damals war leicht nachzuvollziehen. Dennoch, als andere Gläubige anfingen, die Glaubenstaufe zu lehren und zu praktizieren, war es nicht richtig, diese als Wiedertäufer zu bezeichnen und sogar zu verfolgen.

Joschie hat geschrieben:Woher weißt du welches Kirchenverständnis die Reformatoren hatten und das die Taufe für sie eine tragende Säule war?

Ich kann mich nicht erinnern, je behauptet zu haben, dass für die Reformatoren die Taufe eine tragende Säule war. Meine Aussage war:
Jose hat geschrieben:Über die Kindertaufe wurde schon mehrfach gesprochen und mir ist klar geworden, dass kein Lutheraner oder Calvinist von der Kindertaufe Abstand nehmen kann. Nicht weil sie irgendwie biblisch begründbar wäre, sondern weil damit die wichtigste Säule des Systems Kirche abgerissen werden würde.

Ist es nicht so, dass viele Kirchenmitglieder nur deswegen noch in der Kirche sind, weil sie mal als Kinder ungefragt dazu kamen? Und ist es nicht so, dass viele konfirmiert werden, obwohl sie nicht gläubig sind und es oftmals auch während des Konfirmandenunterrichts offensichtlich wird, dass sie sich nicht für den Glauben interessieren sondern nur aus Tradition sich konfirmieren lassen? Warum dürfen Menschen, die den Glauben ablehnen, in der Kirche bleiben? Sie sind wichtige menschliche Säulen, aber keine lebendige Steine.

Für mich ist die Tauffrage nicht das Maß aller Dinge, aber wir finden im NT viele klare Aussagen und Aufforderungen, dass, wenn wir gläubig geworden sind, wir uns auch taufen lassen sollen. Dass zwischenzeitlich neben der Untertauchtaufe auch die Besprengungstaufe bei gläubig gewordenen praktiziert wird, finde ich sehr bedauerlich. Es ist z.B. eine der Fragen, auf die man eine gemeinsame Antwort suchen sollte, damit der Teufel dadurch keine Gelegenheit bekommt, Gläubige, die sich taufen lassen wollen, zu verwirren oder gar zu entmutigen.


Lieber Bruder Joschie,
ich hoffe deine Fragen beantwortet zu haben, so wie ich selbst es bislang von der Schrift erkannt habe. Wir haben längst noch nicht alles erkannt, was uns Gott in der Bibel hat aufschreiben lassen, aber eines ist mir allemal wichtig, nämlich folgende Ermahnung zu beherzigen: "Und wenn ich Weissagung habe und alle Geheimnisse und alle Erkenntnis weiß, und wenn ich allen Glauben habe, so dass ich Berge versetze, aber keine Liebe habe, so bin ich nichts" 1. Kor. 13,2.


Liebe Grüße,
José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


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