Warum lässt Gott Leid zu? Die Theodizeefrage

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Warum lässt Gott Leid zu? Die Theodizeefrage

Beitragvon Joschie » 28.10.2010 13:23

Gottfried Wilhelm Leibniz war glaube ich der Erste, der den Begriff Theodizee verwendet hat. Das tut er in seinem Buch „Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l’homme et l’origine du mal„. Der Begriff wird aus den griechischen Wörtern θεός (theós „Gott“) und δίκη (díke „Gerechtigkeit“) gebildet. Die Absicht von Leibniz war, die Aussagen des französischen Philosophs Pierre Bayle zu widerlegen (auf französisch!), der wegen seinem persönlichen Leidensweg behauptete, Gott sei entweder nicht allmächtig oder nicht gut. Das Problem der Theodizee besteht letztendlich in der Frage, wie die Existenz eines liebenden Gott sich mit der Existenz des Übels oder des Bösen vereinbaren lässt.
Ich habe bewußt dieses Zitat als Einstieg genommen.Auch wenn es sich sehr philosophisch anhört, stosse ich immer wieder auf diese Fragestellung, ob im Gespräch oder Bibellesen.Die Antworten die ich bekam, waren nicht gerade für mich schlüssig wie "es ist eben fehlender Glaube" oder "es ist die Sünde".Wie geht ihr mit dieser Fragestellumg um.
Ich bin auf eure Antworten gespannt.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Leo_Sibbing
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Beitragvon Leo_Sibbing » 28.10.2010 16:07

Ich habe zu dem Thema vor Kurzem diese Predigt von John Piper gehört und fand sie wirklich gut. Leider ist das ganze wieder auf Englisch.

Teil 1
http://www.youtube.com/watch?v=sqFNPFEvmAk

Teil 2
http://www.youtube.com/watch?v=evGKcHyzKQU

Lieben Gruß,
Leo
Ich freue mich sehr in dem HERRN, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir Kleider des Heils angezogen, mit dem Mantel der Gerechtigkeit mich bekleidet, ... Jesaja 61,10

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 28.10.2010 19:02

Hallo Joschie,

wir finden einige Antworten dazu in der Bibel.

Bei den Kindern GOttes, hat das Leiden ein Ziel - Beispiel: Joseph

Die Grausame Tat seiner Brüder, ist in 1 Mose 37,12-36 nachzulesen. Die Leidenszeit Josephs in Ägypten ist in 1 Mose 39,7-20.

Der Grund, warum Joseph leiden musste ist hir nachzulesen: 1 Mose 45,5-8:

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Und nun bekümmert euch nicht und ärgert euch nicht darüber, daß ihr mich hierher verkauft habt; denn zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch her gesandt! 6Denn dies ist das zweite Jahr, daß die Hungersnot im Lande herrscht, und es werden noch fünf Jahre ohne Pflügen und Ernten sein. 7Aber Gott hat mich vor euch hergesandt, damit ihr auf Erden überbleibt, und um euch am Leben zu erhalten zu einer großen Errettung. 8Und nun, nicht ihr habt mich hierher gesandt, sondern Gott: er hat mich dem Pharao zum Vater gesetzt und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher über ganz Ägyptenland.
und 1 Mose 50,20:

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Ihr gedachtet zwar Böses wider mich; aber Gott gedachte es gut zu machen, daß er täte, wie es jetzt am Tage ist, um viel Volk am Leben zu erhalten.
Gott benutzt die Leidenswege, um zum einen seinen Ratschluss zu vollbringen, und zum anderen, damit die MEnschen dadurch zugerüstet werden und zu einer höheren Erkenntnis kommen. Vergleiche dazu z.B. Hiob. Warum musste Hiob leiden? Das Ziel seiner Leiden können wir ganz klar im letzten KApitel sehen:

Hiob 42,1-6:

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Da antwortete Hiob dem HERRN und sprach: 2Ich erkenne, daß du alles kannst und kein Plan dir unausführbar ist. 3Wer ist's, der den Ratschluß Gottes verdunkelt mit seinem Unverstand? Fürwahr, ich habe geredet, was ich nicht verstehe, was mir zu wunderbar ist und ich nicht begreifen kann! 4«Höre nun, ich will reden; ich will dich fragen, lehre mich!» 5Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, aber nun sehe ich dich mit meinen Augen; 6darum widerrufe ich und will im Staube und in der Asche Buße tun. 
Die Leiden Hiobs betrugen dazu, dass er den Herrn mehr erkennt.

Das letzte Beispiel dass ich anführen möchte wird aus dem Buch Ruth sein. Vorab: Gott musste die Frau, Namens Ruth von Moab (sie war ursprünglich eine Moabiterin) nach Judäa bringen. Un hier sehen wir die Wege Gottes, wie er ssolche Vorhaben bewerktstelligt:

1. Gott führt im Lande Juda eine Hungersnot herbei (Ruth 1,1).

2. Dadurch wird eine Familie bedrängt nach Moab auszuwandern (Ruth 1,1-2).

3. Nun bewirkt Gott den Tod des Hausvaters Elimelech (Ruth 1,3)

4. Die Söhne heiraten zwei Moabiterinen (die eine davon war Ruth) (Ruth 1,4)

--> nun musste Ruth, nach Judäa, wie aber kommt sie dahin? Die Familie sollte dazu gebracht werden um zurück nach Judäa auszuwandern. Von alleine würden sie nicht zurückgehen, daher war es notwendi, dass die zwei Söhne von der verbliebenen Witwe Naemi starben. Dies geschah auch (Ruth 1,5).

--> Die Witwe Naemie blieb nun alleine und verstand, dass sie zurück nach Judäa musste. Sie begriff auch dass Gott dies alles eingefädelt hat (vgl. Ruth 1,13 und Ruth 1,20-21).

Ruth war ja die Urgroßmutter Davids, durch den auch Jesus auf die Erde kommen sollte. Daher sehen wir, wie notwendig es war, dass Ruth nach Judäa kam und Boas heiratete. Dazu gab es viel Leid zu ertragen, aber es geschah alles zur Herrlichekeit Gottes. Hier ist natürlich auch Röm. 8,28 zu erwähnen.

Ich hoffe ich habe dir mit meiner Antwort etwas helfen können.

Gruß

Jörg
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Beitragvon Jörg » 30.10.2010 06:02

Hallo, ich möchte eine Antwort versuchen. Hierbei ist aber immer höchste Vorsicht geboten. Die falschen Tröster Hiobs sollten hierbei als mahnendes Beispiel dienen! Wieviel Leid haben sie Hiob angetan mit ihren falschen Erklärungen, warum Hiob leiden musste. Und, was noch erschreckender ist, wie fromm hörte sich alles bei ihnen an. Wie entsetzt war ich vor einiger Zeit, als ein charismatischer Prediger die Aussage machte, dass Hiob in gewisser Weise Satan die Tür öffnete, weil er der Furcht Raum gab. Die biblische Beweisführung war für ihn Hiob 3, 25 “Denn was ich gefürchtet habe, ist über mich gekommen, und wovor mir graute, hat mich getroffen”. Wie falsch diese Auslegung ist zeigt Hiob 2, 3, denn dort heißt es “du aber hast mich bewogen, ihn ohne Grund zu verderben.” Ohne Grund!!! Auch nicht in falschem Denken, falschem Reden (extreme Charismatiker mißbrauchen gerne das Bibelwort “Tod und Leben ist in der Gewalt der Zunge”, um damit zu beweisen, daß "positives" oder "negatives" Sprechen direkte Auswirkungen auf Krankheit oder Heilung haben. Damit sind sie der Sekte der "Christlichen Wissenschaft" näher als sie denken!) oder Furcht und Angst.

Auch ich persönlich habe in meiner größten Lebenskrise - während meiner Zeit bei der Bundeswehr in Hamburg-Fischbek im Jahr 1988, wo ich an schwersten Depressionen erkrankt bin - einen solchen Hiobströster “erlebt“. Als ich aufgrund der Schwere der Depression und der damit verbundenen Lebensgefahr in einer Klinik behandelt werden musste, besuchte mich der Jugendleiter einer christlichen Gruppe und hatte nichts besseres zu tun, als mir zu sagen: “lass uns in die Krankenhauskappelle gehen und dort kannst Du mir Deine Sünden bekennen”. Das nenne ich heute “geistlichen Missbrauch”!



Warum aber lässt Gott das Leid in dieser Welt zu? Schon Jesus sagte ja, “dass jeder Tag seine eigene Plage hat” und war dabei absolut realistisch - im Gegensatz zu der Sorte von Christen, die eher Wolkenwandlern gleichen, Träumern, die jetzt schon im Letzten leben wollen und nicht im Vorletzten. Die alten Liederdichter nannten dieses Vorletzte, diese Welt auf der wir jetzt leben, “Jammertal”, “Tränental”, und wie recht hatten sie. Denn wir brauchen uns nur die Nachrichten anzuschauen, um zu sehen, wie viel auf dieser Welt geweint und gejammert wird.

Geht es uns Christen besser? Viele Christen sind ja sehr enttäuscht, weil ihnen in so manchen Evangelisationen gesagt wurde: “wenn Du Dich für Jesus entscheidest, wirst Du glücklich” - und dann stellen sie nach einer gewissen Zeit fest, dass das Leben als Christ überhaupt nicht so einfach ist, wie ihnen versprochen worden ist. Denn schon Jesus sagte in Matthäus 16, 24: “Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.” Und solche “JUHU-ES-WIRD-ALLES-BESSER-CHRISTEN” können mit dem Wort in 1. Petrus 1, 6 gar nichts anfangen “…die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, damit euer Glaube als echt und viel kostbarer befunden werde als das vergängliche Gold, das durch Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.” Trauig sein in mancherlei Anfechtungen. - Diese Worte tauchen in der Theologie und den Liedern mancher Leute überhaupt nicht mehr auf. Mir sind Leute, die immer nur von den "fröhlichen Christen" reden, verdächtig; sie vergessen Karfreitag! Manche Leute singen immer nur Lieder wie Psalm 103. Warum eigentlich nicht auch mal Psalm 88, den depressivten Psalm der Bibel?

Keiner von uns betet "Herr, laß mich leiden". Aber ist es nicht ein wunderbares Geheimnis, daß der Glaube wächst, wenn wir als Christen leiden? Warum wurde dem Apostel Paulus nicht das Leiden genommen, der Pfahl im Fleisch, wie er es nennt? "Laß dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" war die Antwort Gottes auf die mehrmalige Bitte von Paulus! Es gibt "den Segen der unerhörten Gebete", wie ich mal von einem Prediger hörte.

Ich glaube, Gott lässt bei Christen Leid zu, "weil wir wissen, daß Bedrängnis Geduld bringt" (Römer 5, 3b); außerdem bewirkt Leid ein Seufzen, wie Paulus es nennt, wenn er sagt: (wir) seufzen in uns selbst und sehnen uns nach der Kindschaft, der Erlösung unseres Leibes." (Römer 8, 23b) Der Spruch "Not lehrt beten" stimmt also.


Wir wissen aber auch von der Bibel her, dass es Gerichte Gottes gibt. Meiner Meinung nach ist die Krankheit AIDS ein solches Gericht, weil sie in direktem Zusammenhang mit Heroinsüchtigkeit und sexueller Perversion, wie Homosexualität und Ehebruch und Prostitution steht. Das es natürlich auch unschuldige AIDS-Erkrankte gibt, ist mir klar. Wichtig ist mir aber hierbei, dass bei einer gesunden Predigt Gericht und Gnade immer zusammengehören. Das Gericht beinhaltet auch immer das Angebot der Gnade und der damit verbundene Aufruf zur Umkehr. Wichtig ist mir aber auch, was Jesus zu dem Einsturz des Turms zu Siloah, durch den 18 Leute umkamen, sagte: “Meint ihr, dass diese Galiläer mehr gesündigt haben als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben? Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen” (Lukas 13, 2-3) Wir sitzen also alle im selben Boot, die AIDS-erkrankte Prostituierte genauso wie der selbstgerechte Kirchengänger!!!

Ich las bei David Jaffin in seinem Buch “Schweigt Gott zum Bösen” (VLM-Verlag, S. 7): "Die Fragestellung “Warum läßt Gott das Böse zu? Ist für mich keine christliche Fragestellung, auch wenn ich selbst diese Frage so gestellt habe. Die Frage sollte umgekehrt gestellt werden: “Warum hat Gott uns nicht längst aufgegeben und uns alle umgebracht?”

Damit schließe ich erst einmal, weil es sonst zu ausufernd wird!

Lieben Gruß

Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 01.11.2010 07:57

Hallo, ich möchte die Geschichte weitergeben, die Dr. Ulrike Eichler über den Leidensweg von Friedrich von Bodelschwingh erzählt. Vielleicht kann man hieran ein Stück Antwort auf die Frage "Warum lässt Gott Leid zu" finden?

"Haben Sie schon einmal verzweifelt zu Gott geschrien? Wo Sie nicht mehr aus noch ein wussten und dachten, wenn jetzt nichts passiert, zerbricht alles, auch mein Herz?

So erging es Friedrich von Bodelschwingh, als er noch Pfarrer in Dellwig war, bevor er nach Bethel kam. Weihnachtsabend 1868 war das Pfarrhaus noch von hellem Kinderlachen erfüllt. Unter den 4 kleinen Kindern war der mit 5 Jahren älteste, Ernst, die besondere Freude seiner Eltern. Sein Herz war weit aufgeschlossen für den Glauben an Gott, und es stand für ihn fest, dass er einmal ein Mitarbeiter seines Vaters wird. An einem Weihnachtsabend war er sogar hinter ihm her auf die Kanzel geklettert. Plötzlich fühlte der Vater unter seiner Hand einen Haarschopf. Es war sein kleiner Junge, der zu ihm aufschaute. Der Vater predigte einfach weiter, und der Kleine harrte treu auf der Kanzel aus, bis er fertig war.

Aber wenige Tage nach dem Fest erkrankte Ernst an einem Stickhusten, dem eine Lungenentzündung folgte. Bald darauf traf es auch die 3 jüngeren Geschwister, Friedrich, Elisabeth und Karl. Die Eltern waren verzweifelt, aber der kleine Ernst tröstete sie, dass sie keine Angst zu haben brauchten. „Wir sind doch dann bei Gott, und er schließt uns in seine Arme“, sagte er. Aber für die Eltern war das kein Trost. Dieser Friede in dem kleinen Jungen machte ihnen den Abschied nur noch schwerer. Und dann geschah, was abzusehen war: Alle vier Kinder starben, und zwar innerhalb von 12 Tagen. Die Eltern kehrten mit einem zerbrochenen Herzen in ihr vereinsamtes Haus zurück. Können wir jetzt noch an Gott als unsern Herrn glauben? Wo ist seine Nähe? Wo ist seine Liebe? Gott schien abwesend zu sein.

Aber auch unter seinem Gegenteil ist Gott verborgen da, und er hat noch etwas vor. Nur die Menschen sehen und spüren es nicht. Sie sehen nur die dunkle Seite und noch nicht die aufgehende Sonne, die dahinter verborgen ist. Das Ehepaar Bodelschwingh versuchte sich nun mühsam durchzuschlagen. Vielleicht hat Bodelschwingh auch über diesen Text gepredigt: „Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind“. Aber er konnte nur auf dieses Wort vertrauen. Zu erleben gab es noch nichts.

Im Herbst 1871, klopften der Kaufmann Gottfried Bansi und der Pfarrer Simon aus Bielefeld an seine Tür. Sie baten ihn, nach Bethel zu kommen. Vor 4 Jahren war dort die Arbeit an Behinderten begonnen worden. Nachdem der Krieg von 1870 vorbei war, sollte die Arbeit weiter entwickelt werden, und dazu brauchten sie einen geistlich gereiften Pfarrer. Bodelschwingh glaubte hier, Gottes Weg zu erkennen, und sagte zu. So ging er mit seiner Frau im Januar 1872 nach Bethel bei Bielefeld. Dort setzte er nun seine ganze Liebe für immer mehr behinderte und sozial benachteiligte Menschen ein. Ein Liebeswerk Jesu Christi entstand. Nicht die Krankheit führte die meisten Leute noch Bethel, sondern dass jeder in der Lebensgemeinschaft dort mit der Liebe von „Vater Bodelschwingh“ aufgenommen wurde. Dazu schenkte ihm Gott noch weitere eigene Kinder.

Im Rückblick kann man sagen, dass Bodelschwingh in den schweren Tagen seines Lebens mitfühlend und barmherzig wurde. Damit wurde er vorbereitet für die große Aufgabe, vielen Menschen etwas von der erfahrenen Barmherzigkeit Gottes weiterzugeben."
(Quelle: http://www.erf.de/526-ERF_Wort_zum_Tag_Startseite.html )


Dazu fällt mir noch ein, daß Martin Luther empfohlen hat, das Leben wie eine hebräische Bibel zu lesen: von hinten nach vorne. Vieles wird erst im Rückblick sichtbar!

Lieben Gruß

Jörg
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Jose
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Re: Warum lässt Gott Leid zu? Die Theodizeefrage

Beitragvon Jose » 01.11.2010 11:48

Warum lässt Gott Leid zu?, das ist eine Frage die wir hier auf Erden nie abschließend beantworten werden können. Schon die Tatsache, dass oftmals die Frage so gestellt wird, dass Gott als der Verursacher gilt, erschwert die Antwort.

Über den Herrn Jesus lesen wir, dass er "lernte, obwohl er Sohn war, an dem, was er litt, den Gehorsam" Hebr 5,8. Hier stehen wir vor einer Aussage der Schrift, vor der ich persönlich nur stille werden kann. Jesus ist wahrer Gott, aber Er war auch wahrer Mensch und wurde versucht so wie wir.

Jörg erwähnte bereits das Leiden des Apostel Paulus, ich möchte noch hervorheben, dass Paulus die Ursache für das Leiden in seinem Fall wohl erkannte, denn er begründete sein Leiden u.a. mit Hinblick auf die außerordentlichen Offenbarungen die ihm zuteil wurden: "Darum, damit ich mich nicht überhebe, wurde mir ein Dorn für das Fleisch gegeben, ein Engel Satans, dass er mich mit Fäusten schlage, damit ich mich nicht überhebe" 2. Kor. 12,7. Offenbar, wie auch beim Hiob, durfte der Satan dem Apostel Paulus Leid zufügen, das alles aber unter der Zulassung Gottes, damit Paulus in der Demut blieb. (Allerdings sollte man nicht daraus schließen, dass immer ein Engel Satans involviert ist, wenn wir leiden).

Die Lebenszeugnisse von Jörg haben mich sehr angesprochen. Ich denke, jedes Gotteskind, das leidet, darf irgendwann erkennen, dass die Leiden ihn näher zu Gott gebracht haben oder aber, er darf irgendwann erfahren, dass durch seine Leiden andere Menschen besonders angesprochen und getröstet wurden, weil sie gesehen haben, dass Gott im Leiden hilft. Und denken wir an die folgenden Worte: "Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes, der uns tröstet in all unserer Bedrängnis, damit wir die trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, durch den Trost, mit dem wir selbst von Gott getröstet werden" 2. Kor. 1,3-4. Wer nicht selbst Leid erlebt hat, kann auch nicht mit anderen wirklich mitfühlen.

Es gibt viele Menschen, die erst nach einem schweren Unfall, schlimme Krankheit oder andere schwere Nöte, sich Gott zugewandt haben. Vorher waren sie blind und taub für die Liebe Gottes. Ich denke gerade an den "Verlorenen Sohn" aus Lukas 15. Erst unter Hunger und Not, erkannte er seine Sünde: "Und er begehrte seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm. Als er aber zu sich kam, sprach er: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Überfluss an Brot, ich aber komme hier um vor Hunger. Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und will zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin nicht mehr würdig, dein Sohn zu heißen! Mach mich wie einen deiner Tagelöhner!"Lk 15,16-19.

Es ist lange her, da sprach ich mit Kindern und sagte ihnen, dass Gott, dadurch dass ich einen Verkehrsunfall hatte, mich zu sich gezogen hat. Da sagte eines der Kinder: "Ich möchte aber nicht überfahren werden, damit ich zu Gott komme". Meine Überzeugung ist nicht, dass Gott uns nur durch Leiden zu sich ziehen kann, und doch ist es oft so, dass Er erst durch Leiden sein Werk an uns haben kann.

In einem Lied von K. F. Hartmann (Endlich bricht der heiße Tiegel) ist es so wunderbar formuliert:
  • Unter Leiden prägt der Meister in die Seele, in die Geister
    sein allgeltend Bildnis ein.
    Wie er dieses Leibes Töpfer, will er auch des künftigen Schöpfer
    auf dem Weg der Leiden sein.

    Leiden sammelt unsere Sinne, dass die Seele nicht zerrinne
    in den Bildern dieser Welt,
    ist wie eine Engelwache, die im innersten Gemache
    des Gemütes Ordnung hält.

    Leiden mach im Glauben gründlich, macht gebeugt, barmherzig, kindlich.
    Leiden, wer ist deiner Wert?
    Hier heißt man dich eine Bürde, droben bist du eine Würde,
    die nicht jedem widerfährt.

    (Verse 2, 3, 5)
Liebe Grüße,
José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


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