Calvin und der Umgang mit Gegnern

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

Moderatoren: Der Pilgrim, Peter01, Anton

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Calvin und der Umgang mit Gegnern

Beitragvon Jose » 30.10.2010 18:26

Über Calvins Umgang mit Gegnern habe ich in den letzten Monaten, während ich mich mit Calvin beschäftigte, immer wieder was gelesen. Die Quellen habe ich mir leider nicht immer gemerkt. Erst vorhin habe ich in einem Artikel gelesen:
Im September 1541 kam Calvin in Genf an und legte sogleich dem Rate daselbst seinen Plan zur Verbesserung der Kirchendisziplin vor, der ohne Widerspruch angenommen wurde. Dieser Verordnung gemäß sollten von den Predigern in Vorschlag zu bringende, von der Gemeinde zu bestätigende Älteste bestellt werden, deren zwölf in Gemeinschaft mit sechs Predigern die oberste kirchliche Behörde, das Konsistorium, bildeten. Dieses hatte das Recht, Gesetze zu geben sowie Verächter des Gottesdienstes, sittenlose Personen und Verbreiter heterodoxer Meinungen ohne Rücksicht auf ihren Stand zur Rechenschaft zu ziehen und der weltlichen Obrigkeit zur Bestrafung zu übergeben. Hierdurch hauptsächlich drückte er der Genfer Reformation einen theokratischen Charakter auf. Jede, auch die bescheidenste Opposition gegen seine Ansichten wurde unterdrückt und die Taten, Mienen und Worte eines jeden Bewohners von Genf streng überwacht. Ein Anführer der Libertiner, Berthelier, Sohn eines Genfer Freiheitsmärtyrers, wurde sogar mit fünf Gesinnungsgenossen als Aufrührer enthauptet (1555). Dabei wurden theatralische Aufführungen und Tänze untersagt. Auch die Taufe auf andre als biblische Vornamen und sogar das Tragen deutsch-schweizerischer Trachten wurden verboten, ohne daß sich deshalb die Sitten im mindesten verbessert hätten. Auch gegen das Hexenwesen wurde unter Calvin mit massenhaften Verbrennungen eingeschritten. Mit gleicher Strenge wurden Schriften und Meinungen, die das geistliche Tribunal verdammte, gerichtet. Jakob Gruet wurde 1547 enthauptet, weil er gottlose Briefe und unsittliche Verse geschrieben, auch die kirchliche Ordnung umzustürzen versucht habe. Wegen Widerspruchs gegen Calvins Prädestinationslehre wurde 1551 Bolsec aus Genf verbannt; das berühmteste Beispiel aber von Calvins Glaubenstyrannei ist die Hinrichtung des Spaniers Servet wegen heterodoxer Ansicht über die Trinität 1553. Diese Mordszene fällt übrigens den Vorurteilen des ganzen Zeitalters zur Last; auch die Lutheraner, sogar Melanchthon, haben die Hinrichtung eine Tat der Gerechtigkeit genannt. Bald nach Servets Tod ward der Antitrinitarier Gribaldo aus Genf verwiesen.
http://www.calvinianum.de/Calvin/index.html
Sind diese Aussagen glaubwürdig? Wahrscheinlich liegt, wie so oft, die Wahrheit in der Mitte. Aber ich will das ganze nicht zu hoch bewerten, Calvin war schließlich auch nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächern. Was ich allerdings festhalten will, ist dass Calvin, nach allem was ich von ihm gelesen und gehört habe, für mich nicht der Maßstab sein kann, wenn es um umstrittene Lehren der Schrift geht.


José

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Beitragvon lutz » 30.10.2010 19:25

Jose, Lehrern zuzuhören, Lehrer nicht zu verschmähen, ist kein Verbrechen!
Was du meinst ist, welchen „Status“ darf ein Lehrer haben, welchen nicht.
Calvin ist nicht Papst. Calvin hat sich selbst nie als Papst verstanden … Das Ganze lernt man nicht bei Bertelsmann, nicht bei wikipedia, nicht bei …
Wer eine Person kennenlernen will, der muss sich mit Äußerungen genau dieser Person befassen. Die umfangreichste deutsche Sammlung, die für jeden frei zugänglich ist, befindet sich hier: www.glaubensstimme.de

Wenn deine Überzeugung ist:
Jose:
Was ich allerdings festhalten will, ist dass Calvin, nach allem was ich von ihm gelesen und gehört habe, für mich nicht der Maßstab sein kann, wenn es um umstrittene Lehren der Schrift geht.
- warum sollte man sich damit befassen?
Meinst du „Calvinisten“ sind „kritiklose Nachfolger und hörige Anbeter Calvins“?
Ist das deine Sicht?
Sollte es so sein, dann kann ich dich durchaus beruhigen – daran ist in der Regel nichts dran, weil Calvin selbst seine Schüler niemals so gelehrt hat!!!!!!!!
Jeder "Calvinist", der also so verkehrt handeln sollte, ist eben keiner mehr, der Calvin als Lehrer verstanden hat.

Lutz

PS: Dein Interesse an der Person Calvins ist extrem hoch. Ich bezweifle z. B. sehr stark, dass jeder „Calvinist“ ein derartiges Interesse an der Person Calvins hat. Damit übertriffst du sie nach meiner subjektiven Erfahrung alle.

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5636
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 30.10.2010 20:33

Hallo Jose
Calvin wurde erst am Ende seines Lebens Bürger von Genf und damit hatte er auch die vollen Bürgerrechte und damit auch die Möglichkeit in juristischen Dingen einzugreifen.Calvin wurde bei seinem ersten Aufenthalt in Genf, der Stadt verwiesen und dieses hätte ihn bis zu dem Zeitpunkt, das er Bürger der Stadt Genf wurde, immer wieder passieren können.
Jose hat geschrieben:Jakob Gruet wurde 1547 enthauptet, weil er gottlose Briefe und unsittliche Verse geschrieben, auch die kirchliche Ordnung umzustürzen versucht habe.
Da zu dieser Zeit Staatliche und Kirchliche Macht nicht ganz zu trennen ist wurde egal wo ein Umsturzversuch war dieser mit den Tode geandet.
Jose hat geschrieben:Diese Mordszene fällt übrigens den Vorurteilen des ganzen Zeitalters zur Last; auch die Lutheraner, sogar Melanchthon, haben die Hinrichtung eine Tat der Gerechtigkeit genannt. Bald nach Servets Tod ward der Antitrinitarier Gribaldo aus Genf verwiesen.

Calvin ist auch ein Kind seiner Zeit gewesen, mit seinen Stärken und Schwächen, wie wir auch.Gerade der Tod von Servets ist ein sehr dunkler Fleck in der Biographie Calvins.Wie gehst du eigentlich damit um, das Paulus die Sklaverei nicht verurteilt hat?Diese Frage nur so am Rande.
Hier was zum lesen
Kirchenzucht
Als Calvin nach Genf kam, wie er uns selber sagt, wurde dort schon das Evangelium gepredigt, aber es gab keine organisierte Kirche. “Als ich zum ersten mal in diese Kirche kam”, sagt Calvin, “da fand ich dort so gut wie nichts, il n’y avoit quasi rien. Es wurde gepredigt, doch das war alles.” Er hätte den gleichen Zustand praktisch in allen Kirchen der protestantischen Welt beobachten können. Die “Kirche” bestand für die ersten Protestanten darin, das Wort Gottes zu predigen und die wahren Sakramente (Taufe und Abendmahl) zu feiern: die Disziplin der Kirchgemeinde war nicht Angelegenheit der Kirche, sondern Sache des Staates. Wie ein Historiker, Professor Karl Rieker, einmal scherzhaft sagte: “Luther, als er gepredigt und die Samen des Wortes gesät hatte, überliess die Pflege der Samen dem Heiligen Geist, während er mit seinem Freund Philipp (Melanchton) vergnügt das Wittenberger Bier genoss.” Calvin teilte diese Ansicht nicht. “Was auch immer andere denken mögen, ” bemerkte er “wir dürfen nicht leichtsinnig glauben, dass unsere Arbeit getan sei und wir uns ausruhen könnten, nachdem wir gepredigt haben.” Nach seiner Ansicht war das Kennzeichen der wahren Kirche nicht nur, dass das Evangelium gepredigt, sondern das es auch “gelebt” wird. Für ihn ist die Kirche die “Gemeinschaft der Heiligen” und es ist ihre Pflicht, dass man sich darum kümmere, dass man auch dieses Bekenntnis in die Tat umsetze. Daher bemühte er sich von Anfang seines Wirkens an, dies umzusetzen und das Instrument, dass er benutzte, war die sogenannte Kirchenzucht. Es mag uns vielleicht überraschen, dass wir die Reinheit und moralische Pflege durch die Anwendung der Kirchenzucht Calvins Wirken verdanken. Doch diese einfache Wahrheit, die doch solch ein radikale Neuerung und ein solch wichtiges Prinzip ist, wurde dann für die reformierten Kirchen eines der fundamentalen Kennzeichen einer wahren Kirchen. Darüber hinaus wurde die Anwendung dieses Prinzips von Calvin stark vorangetrieben und als Folge entstand die Idee einer freien Kirche in einem freien Staat. Daher verdankt letztlich die Kirche seine Emanzipation vom Staat Calvin, wie auch der Kampfschrei so mancher Heiligen in so manchen Konflikten “Die Kronrechte des Königs Christus in seiner Kirche”.

Kirche und Staat in Bezug zur Kirchenzucht
Die Disziplin von Sitte und Moral wurde nicht von Calvin in Genf eingeführt. Eine solche Zensur, oft von kleinlicher und aufreibender Natur, war nicht nur eine uralte Praxis in Genf, sondern auch die von allen anderen ähnlich organisierten Städten. Es war ein Teil der anerkannten “polizeilichen” Vorschriften der damaligen Zeit. Calvins einziger Bezug zur Disziplin in Genf war durch seinen Einfluss – er bekleidete nie ein öffentliches Amt oder hatte auch nie eine Stellung ziviler Autorität in Genf inne und er erhielt erst spät in seinem Leben das Genfer Bürgerrecht – und nur schrittweise brachte sein Einfluss ein wenig Ordnung und Vernunft in die Ausübung der Disziplin. Was Calvin einführte – es war revolutionär, sowohl im Hinblick auf den Staat wie auch die Kirche ,und forderte achtzehn Jahre bitteren Kampfes, bevor es anerkannt wurde – war eine unabhängige Kirchenzucht. Die Grundsätze, auf denen er es aufbaute, waren bereits in der ersten Ausgabe seines “Institutio” festgelegt. Und als er im Herbst 1536 nach Genf kam, verlor er keine Zeit, jene Prinzipien in die Praxis umzusetzen. Bereits im Frühjahr 1527 finden wir ein durch ihn verfasstes Dokument, geschrieben im Namen der Pastoren Genfs und für den Stadtrat, in welchem das völlig neue Verständnis kurz umrissen ist. Diese Magna Charta der Freiheit der Kirche – denn es war wirklich wie eine Magna Charta wie jene in England – fängt mit folgenden einfachen und direkten Worten an: “Es ist gewiss, dass man nicht sagen kann, dass eine Kirche recht geordnet und geführt wird, solange das Heilige Abendmahl unseres Herrn nicht regelmässig gefeiert und besucht wird, und das mit einer guten Führung sich keiner zum Abendmahl zu präsentieren möge, der sich nicht in Frömmigkeit und tiefer Ehrfucht naht. Und daher ist es für die Kirche notwendig, dass die Kirche durch die Exkommunikation seine Integrität erhält, dass dadurch jene getadelt werden, welche nicht bereit sind, sich der Autorität der Heiligen Schrift zu beugen.” In diesem Dokument wird dieser Gedanke weiterentwickelt und man schlägt folgendes vor: Erstens, dass man von Anfang an anerkennen muss, dass “sich alle Bewohner der Kirche Christi verpflichtet fühlen.” Aus diesen Grund wird vorgeschlagen, ein kurzes und umfassendes Glaubensbekenntnis vorzubereiten, und “dass alle Bewohner unserer Stadt” verpflichet sind, “ihren Glauben und den Grund ihres Glaubens zu bekennen, auf dass man erkennen möge, wer im Einklang mit dem Evangelium ist oder wer unter der Herrschaft des Papstes statt der Herrschaft Christi leben will.” Zweitens, dass ein Katechismus geschrieben wird, auf dass die Kinder in den Grundsätzen des Glaubens unterwiesen werden. Drittens, dass die Ernennung von “bestimmten Personen guter Lebensführung und Rufes unter den Gläubigen, und gleicherweise einer Beständigkeit im Glauben und eines Widerstandes gegen die Verderbheit” dafür sorgen, über das Verhalten der Gläubigen zu wachen: sie zu beraten, zu ermahnen und in hartnäckigen Fällen die Pastoren auf jene Personen aufmerksam zu machen, wenn sie ihr Verhalten nicht ändern wollen, auf dass man sie “aus der Gemeinschaft der Christen ausschliesst” und “als ein Zeichen für diesen Zustand, ihnen das Heiligen Abendmahl vorenthält und damit den Ausschluss öffentlich macht.” Durch dieses Programm wurde Calvin kein Geringerer als der Gründer der protestantischen Kirche. Zwei Punkte müssen dabei besonders betont werden. Es ist eine reine kirchliche Disziplin, die hier behandelt wird und die Strafe ist von rein geistlicher Natur. Die Kirche ist zu diesem Zweck in besonderer Weise abgesondert von einer anderen menschlichen Institution, dem Staat, und daher wird ein Keil zwischen den Staat und die Kirche gesetzt, der zum Ziel hat, beide Institutionen voneinander zu trennen
Hier der ganze Artikel
jose hat geschrieben: Calvin war schließlich auch nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächern. Was ich allerdings festhalten will, ist dass Calvin, nach allem was ich von ihm gelesen und gehört habe, für mich nicht der Maßstab sein kann, wenn es um umstrittene Lehren der Schrift geht.
Was hat du genau gelesen von Calvin?Welche Lehre ist nicht umstritten gewesen oder ist es noch?Nun mal Butter bei den Fischen :!:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Mein Interesse an Calvin ?

Beitragvon Jose » 30.10.2010 20:42

Darf ich das noch kurz einschieben?
lutz hat geschrieben:Dein Interesse an der Person Calvins ist extrem hoch.
Nun ja, Lutz, nachdem du mich in der ersten Zeit so sehr mit Aussagen Calvins aus dem Institutio konfrontiert hast - manchmal war es richtig erschlagend -, musste ich mich schon etwas mit Calvin beschäftigen. Ich orientiere mich nicht gerne an Lehren von Menschen, wenn ich nichts über die Menschen weiß.

José

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Calvins umstrittene Lehre der doppelten Prädestination

Beitragvon Jose » 30.10.2010 21:17

Joschie hat geschrieben:Was hat du genau gelesen von Calvin?Welche Lehre ist nicht umstritten gewesen oder ist es noch?
Meine Aussage war:
Was ich allerdings festhalten will, ist dass Calvin, nach allem was ich von ihm gelesen und gehört habe, für mich nicht der Maßstab sein kann, wenn es um umstrittene Lehren der Schrift geht.
Insbesondere die Lehre der doppelten Prädestination und die Lehre der Unverlierbarkeit des Heils sehe ich so in der Bibel nicht. Und wenn ich den Aussagen über Calvins Verhalten mit Gegner so betrachte, dann erweckt er nicht mein Vertrauen.

Für mich ist das Thema um Calvin und den Calvinismus für mich aber hiermit abgeschlossen.


Gruß, José

lutz
Beiträge: 1052
Registriert: 02.12.2005 21:37
Kontaktdaten:

Re: Mein Interesse an Calvin ?

Beitragvon lutz » 30.10.2010 21:51

Jose hat geschrieben: Nun ja, Lutz, nachdem du mich in der ersten Zeit so sehr mit Aussagen Calvins aus dem Institutio konfrontiert hast - manchmal war es richtig erschlagend -, musste ich mich schon etwas mit Calvin beschäftigen.
Ist dein Beitrag bzgl. „Calvin“ z. B. nicht der gewesen:
http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... ght=#15490
Beitrag vom 10. 6. 2010 – 3: 54 Uhr?
Du musst dich doch schon vorher (bevor ich dich überhaupt konfrontieren konnte) damit „beschäftigt“ haben, sonst wäre dieser Beitrag Unsinn.

Dein nächster Beitrag, d. h. die Neueröffnung eines Themas: „Was ist am Calvinismus besonders?“, bezieht mich so ein (obwohl ich kein direkter Auslöser in Beziehung zu dir gewesen sein kann), dass der Eindruck entsteht, dass diese Themeneröffnung etwas mit mir zu tun haben muss:

http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... ght=#15501
Beitrag vom 10. 06. 2010 – 21: 21 Uhr.

Natürlich gehe ich davon aus, dass ich dann angesprochen werde - egal ob mein Name fällt oder nicht.
Wie dachtest du denn, dass ich diesen Ausführungen begegne?
Alles ohne Calvin? Alles ohne Institutio? Also bitte, denke noch einmal darüber nach, wie das Ganze anfing, wie es jeweils fortgesetzt werden musste und wie und warum es jetzt immer noch weitergeht…
Möchtest du tatsächlich, dass ich aus all deinen Beiträgen die Anlässe dazu aufliste?

Lutz

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5636
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Re: Calvins umstrittene Lehre der doppelten Prädestination

Beitragvon Joschie » 31.10.2010 21:12

Jose hat geschrieben:
Joschie hat geschrieben:Was hat du genau gelesen von Calvin?Welche Lehre ist nicht umstritten gewesen oder ist es noch?
Meine Aussage war:
Was ich allerdings festhalten will, ist dass Calvin, nach allem was ich von ihm gelesen und gehört habe, für mich nicht der Maßstab sein kann, wenn es um umstrittene Lehren der Schrift geht.
Insbesondere die Lehre der doppelten Prädestination und die Lehre der Unverlierbarkeit des Heils sehe ich so in der Bibel nicht. Und wenn ich den Aussagen über Calvins Verhalten mit Gegner so betrachte, dann erweckt er nicht mein Vertrauen.

Für mich ist das Thema um Calvin und den Calvinismus für mich aber hiermit abgeschlossen.


Gruß, José
Jose du hast dieses Thema eröffnet und ich habe dir sehr präzise Fragen gestellt und du hast nicht eine beantwortet, sondern schreibst, jetzt ist das Thema abgeschlossen.So kann man nicht mit einem Thema umgehen :!: Was genau hast du von Calvin gelesen und gehört,was sind genau deine Quellen?Das Werk von J.Calvin, nur an der doppelten Prädestination und die Lehre der Unverlierbarkeit des Heils fest zu machen, zeigt mir das es dir gar nicht um Calvin in seiner Komplexität als Person und seines Werkes geht, sondern das du nur dein vorgeformtes Calvinbild bestätigt haben möchtest.Ein Austausch hat aber nur Sinn, wenn du auch auf die gestellten Fragen eingehst.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Der Calvinismus hat mich nicht überzeugt

Beitragvon Jose » 01.11.2010 00:34

Joschie hat geschrieben:Jose du hast dieses Thema eröffnet und ich habe dir sehr präzise Fragen gestellt und du hast nicht eine beantwortet, sondern schreibst, jetzt ist das Thema abgeschlossen.
Hallo Joschie.
Zunächst zur Klarstellung und zur Erinnerung. Als ich mich in diesem Forum anmeldete wusste ich nicht, dass der Calvinismus hier ein Schwerpunktthema ist, wie es nun zwischenzeitlich mein Eindruck ist. Als ich es erkannte, nahm ich es zum Anlass, mich mit dem Calvinismus zu beschäftigen, da ich von Calvin bis dahin nur wusste, dass Calvin die Prädestinationslehre vertreten hatte. Das nächste was ich lernte war, dass Calvin die doppelte Prädestination gelehrt hat, die ich versuchte zu verstehen, aber es anhand der Bibel nicht nachvollziehen konnte.

Was mich dann sehr enttäuscht hat, ist der Umgang mit Johannes 3,16 und 1. Tim. 2,4, wobei das eine Folge der Erwählungslehre ist. Wer glaubt, dass Gott zum Heil und zur Verdammnis bestimmt, kann natürlich nicht daneben die Worte stehen lassen, dass Gott alle Menschen liebt und will, dass alle zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

Nebenbei stellte ich noch fest, dass die »reformatorisch« eingestellte Christen in der Regel an der Kindertaufe festhalten und die Geistestaufe und Geistesgaben ablehnen. Das sind für mich keine Steckenpferde, aber klare biblische Lehren, die ich mit nüchternem Verstand auch stehen lasse.

Vielleicht vermische ich nun Calvin mit Calvinismus und »reformatorisch« eingestellte Christen, aber die Folge war nun für mich, dass es an der Zeit ist, nicht mehr zu versuchen, im Calvinismus eine Konfession zu sehen die bemüht ist auf der ganzen Grundlage der Schrift zu stehen. Dennoch würde ich gerne mich weiterhin im Forum beteiligen, da ich bereits einige wichtige Anregungen erfahren habe und auch von manchen persönlichen Zeugnissen sehr angesprochen wurde.


Ich hoffe nun, deine Frage beantwortet zu haben.

Liebe Grüße,
José

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5636
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 01.11.2010 20:19

Jose hat geschrieben:Als ich es erkannte, nahm ich es zum Anlass, mich mit dem Calvinismus zu beschäftigen, da ich von Calvin bis dahin nur wusste, dass Calvin die Prädestinationslehre vertreten hatte. Das nächste was ich lernte war, dass Calvin die doppelte Prädestination gelehrt hat, die ich versuchte zu verstehen, aber es anhand der Bibel nicht nachvollziehen konnte
Was sind nun genau die Quellen deiner Information?
Zunächst zur Klarstellung und zur Erinnerung. Als ich mich in diesem Forum anmeldete wusste ich nicht, dass der Calvinismus hier ein Schwerpunktthema ist, wie es nun zwischenzeitlich mein Eindruck ist
. Das finde ich lustig, weil gerade du in der letzten Zeit die meisten Themen dazu eröffnet hast.
Nebenbei stellte ich noch fest, dass die »reformatorisch« eingestellte Christen in der Regel an der Kindertaufe festhalten und die Geistestaufe und Geistesgaben ablehnen. Das sind für mich keine Steckenpferde, aber klare biblische Lehren, die ich mit nüchternem Verstand auch stehen lasse.
Das mit der Taufe ist Unsinn, nach meiner Wahrnehmung sind die, die die Kindertaufe vertreten in der Minderzahl.Ich kenne niemand hier, der die Geistesgaben ablehnt aber ob es die Gaben heute noch alle gibt, da liegen die Ansichten auseinander.
Vielleicht vermische ich nun Calvin mit Calvinismus und »reformatorisch« eingestellte Christen, aber die Folge war nun für mich, dass es an der Zeit ist, nicht mehr zu versuchen, im Calvinismus eine Konfession zu sehen die bemüht ist auf der ganzen Grundlage der Schrift zu stehen
Was ist der Calvinismus und als was siehst du ihn an.Nur noch zur Erinnerung meine Fragen.Was hast du genau gelesen von Calvin?Welche Lehre der Christenheit ist nicht umstritten gewesen oder ist es noch?
Joschie hat geschrieben:Calvin ist auch ein Kind seiner Zeit gewesen, mit seinen Stärken und Schwächen, wie wir auch.Gerade der Tod von Servets ist ein sehr dunkler Fleck in der Biographie Calvins.Wie gehst du eigentlich damit um, das Paulus die Sklaverei nicht verurteilt hat?Diese Frage nur so am Rande.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Als was sehe ich den Calvinismus

Beitragvon Jose » 01.11.2010 22:35

Lieber Joschie.
Wie bereits erwähnt, habe ich erstmalig in diesem Forum angefangen mich mit dem Calvinismus zu beschäftigen. Als ich mich im Forum anmeldete war mir nicht einmal bewusst, dass es eine Konfession gibt, die nach Calvin benannt wurde.

Dass ich viele Beiträge zum Thema geschrieben habe lag daran, dass ich Klarheit suchte bzw. mich selbst überprüfen wollte, ob ich verkehrt liege mit meinem Bibelverständnis. Da war es oft sinnvoll, ein neues Thema aufzumachen um den Überblick zu behalten. Ich habe mich aber stets bemüht, diese deine Vorgabe zu befolgen: http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... 5704#15704. Wenn es mir nicht immer gelungen sein sollte, tut es mir sehr Leid.
Joschie hat geschrieben:Das mit der Taufe ist Unsinn, nach meiner Wahrnehmung sind die, die die Kindertaufe vertreten in der Minderzahl.
Meine Aussage hierzu basierte z.B. auf
http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... 5791#15791,
http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... 5799#15799,
aber es soll bitte nicht der Eindruck entstehen, ich würde jemandem den Glauben absprechen.
Joschie hat geschrieben:Wie gehst du eigentlich damit um, das Paulus die Sklaverei nicht verurteilt hat? Diese Frage nur so am Rande.
Diese Randfrage ging unter. Danke für die Nachfrage. Nach meinem Wissenstand waren die Sklaven damals nicht so zu sehen wie die spätere Sklaverei in Amerika. Paulus sprach das Verhältnis aber sehr wohl an: "Ihr Herren, gewährt euren Sklaven, was recht und billig ist, da ihr wisst, dass auch ihr einen Herrn im Himmel habt!" Kol 4,1. Wie gesagt, nach meinem Wissenstand geschah hier nicht eine Ausbeutung des Menschen statt, wie ich z.B. auch im Verhältnis zwischen Philemon und Onesimus sehe, sonst hätte Paulus Onesimus, den entflohenen Sklaven, sicherlich nicht zurückgeschickt.

Ich will dir nicht widersprechen, dass man hier sich wundern könnte, warum Paulus die Sklaverei nicht verurteilt hat, aber ich denke, er hat das angesprochen was anzusprechen war. Vielleicht darf ich auch noch die Soldaten erwähnen, die zu Johannes kamen: "Es fragten ihn aber auch Soldaten und sprachen: Und wir, was sollen wir tun? Und er sprach zu ihnen: Tut niemand Gewalt, und erpresst niemanden, und begnügt euch mit eurem Sold!" Lk 3,14. Ich fand es schon immer interessant, dass Johannes nicht sagte, sie sollten nicht mehr Soldaten sein.

Joschie hat geschrieben:Was ist der Calvinismus und als was siehst du ihn an?
Calvinismus stellt sich für mich im Prinzip ähnlich wie Lutherismus da, mit dem Unterschied, dass die Prädestination zur Verdammnis von Luther m.W. nicht vertreten wurde. Unterschiede in der Sakramentfrage scheint es auch zu geben, mit Details habe ich mich aber noch nicht weiter beschäftigt. "Was ist der Calvinismus" wäre übrigens als allgemeines Thema sehr interessant. Oder gibt es den schon?

Ich hoffe nun deine Fragen beantwortet zu haben. Am meisten umstritten ist ohne Zweifel die Lehre der Prädestination zur Verdammnis. Aber das hatte ich bereits erwähnt und das sagten bereits andere vor mir (siehe http://www.betanien.de/forum/viewtopic.php?p=5554#5554).


Liebe Grüße
José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste