Wie habt ihr die Souveränität begriffen?

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anne80
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Wie habt ihr die Souveränität begriffen?

Beitragvon anne80 » 27.01.2011 22:10

Hallo liebe Geschwister,

seit einiger Zeit prüft der Herr mich mit "geistlichem Schwarzbrot". $:D Ich beschäftige mich mit dem Thema der Souveränität Gottes. Ich habe Arthur W. Pink gelesen und fand es sehr gut. Ich kann intellektuell alle Argumente fassen und auch nachvollziehen. Aber das Begreifen gelingt mir nicht, das heißt, ich kann nicht den tiefen Frieden daraus ziehen, den andere damit haben.

Ich bin zutiefst dankbar für das unverdiente Geschenk meiner Errettung. Die Gnade, die der Herr mir zuteil werden lässt macht mich immer wieder aufs Neue froh und wenn ich in meine Vergangenheit blicke noch viel mehr.

Andererseits sehe ich meine Familie und Schwiegerfamilie. Mein Mann und ich sind allein gläubig in der ganzen Verwandtschaft. Mich schmerzt der Gedanke so sehr, dass sie nicht errettet sind und es vielleicht auch nie sein werden.
Was ist, wenn Gott beschlossen hat, ihr Herz so zu verhärten, wie das des Pharao in 2. Mose?
Ich habe diese Geschichte wieder und wieder gelesen. Gott wartet nicht erst bis der Pharao sein Herz verhärtet und kündigt dann an es weiter verhärten zu wollen. Nein, von Anfang an sagt er klar, dass er das Herz des Pharao verstocken wird um Zeichen und Wunder in Ägypten zu tun.

Ja, ich weiß, dass es keine doppelte Prädestination gibt. Aber mir stellt sich die Frage, ob das Ergebnis nicht das Gleiche ist. Gott hat nicht aktiv Menschen für die Verdammung geschaffen, aber dadurch, dass er einige erwählt und andere nicht, geschieht das quasi passiv und das Ergebnis ist das Gleiche.

Ich kann keine Lösungen präsentieren nach der Art, was Gott denn meiner Meinung nach tun sollte. Denn darum geht es mir nicht.

Ich spüre, dass Gott meinen Glauben auf gute Art und Weise prüft. Was ich erlebe ist keine Versuchung des Feindes sondern eine Prüfung durch den Herrn. Seine Gnade bewahrt meinen Glauben in all den Fragen die ich habe.

Und deshalb wünsche ich mir so sehr, die Souveränität zu begreifen, sie irgendwie zu fassen und Frieden zu haben damit ich in dieser Frage aus ganzem Herzen Jesaja 55,8 zitieren kann.

Deshalb meine Frage an euch: Was hat euch geholfen, Gottes Souveränität zu verstehen? Gab es Beispiele die euch überzeugt haben? Oder seht ihr seine Souveränität in einem anderen Licht/aus einem anderen Blickwinkel?

Ich hoffe, ich hab mich halbwegs allgemeinverständlich ausgedrückt. :oops: ??!

Liebe Grüße
Anne
Gott ist uns Zuflucht und Stärke, als Beistand in Nöten reichlich gefunden.
Darum fürchten wir uns nicht, wenn auch die Erde erbebt und die Berge mitten ins Meer wanken.
(Psalm 46,2.3)

Gast

Beitragvon Gast » 28.01.2011 18:47

Für mich als Verkündiger des Evangeliums ist die Souveränität Gottes vor allem darin bedeutsam, dass ich nicht durch Redegewandtheit, nicht durch überzeugende Argument oder sonst irgendetwas jemanden zum Glauben bringen kann. Ich vertraue dem Heiligen Geist, dass er wirkt und bei einigen meiner Kinder habe ich die Hoffnung, dass er das schon getan hat.
Man kann der beste Erzieher oder auch Papa oder die beste Mama sein und doch werden die Kinder in Ewigkeit verloren gehen, wenn Gott nicht in seiner Barhmherzigkeit eingrifft.

Im Herzen bin ich leider oftmals noch ein Arminianer, doch im Verstand schon längst ein Calvinist.

Ich wünschte mir oft meine Abhängigkeit von Gott und Jesus wäre mir noch viel mehr bewusst.

Trotz der Erkenntnis über Gottes Sovueränität tue ich viele Dinge und wünsche mir viele Dinge aus eigener Kraft zu tun und nicht im Bewusstsein, dass Gott das Wollen und das Vollbringen schenkt.

Ich wünschte mir manchmal zu erkennen, was der Wille des Herrn Jesus für mich ist, sowie Jesus den Willen des Vaters stets kannte und tat. Ich höre noch viel zu selten die Stimme meines guten Hirten, vieles tue ich einfach nur, weil es in der Bibel steht und leider ist dieses Leben im Geist, mir noch ein Rätsel.

Du erkennst Anne, dass ich also auch meine Schwierigkeiten habe.
Gott mit dir

Gast

Beitragvon Gast » 28.01.2011 18:54

Hallo anne80,

was Gottes Souveränität anbelangt so sehe ich dies, wenn ich dich recht verstanden habe, von einer anderen Seite.

Der Herr hat mich nach meiner Bekehrung relativ schnell erkennen lassen dass sowohl alles Gute von Gott kommt als auch alles was von Gott kommt gut ist.
Daher sind Fragen was die Souveränität Gottes anbelangt eigentlich garnicht aufgekommen.
Sondern immer dann wenn ich etwas nicht verstanden habe oder der Gedanke aufkam wie so etwas geschehen kann, wurde mir bewusst dass dieses Unverständnis auf nichts anderes als meine Unwissenheit zurückzuführen ist.


Friede von Gott wünschend,
Benny

Jose
Beiträge: 953
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Wie habt ihr die Souveränität begriffen?

Beitragvon Jose » 29.01.2011 01:29

anne80 hat geschrieben:Und deshalb wünsche ich mir so sehr, die Souveränität zu begreifen, sie irgendwie zu fassen und Frieden zu haben damit ich in dieser Frage aus ganzem Herzen Jesaja 55,8 zitieren kann.
Liebe Anne.
Ich denke nicht, dass unsere Probleme geringer wären, wenn wir die Souveränität Gottes begreifen würden. Außerdem kann es schnell geschehen, dass wir meinen, Gott zu verstehen und liegen am Ende, so wie Hiob, weit entfernt davon. Ein keines Kind ist auch nicht dadurch glücklicher, dass es die Stärken des Vaters zu begreifen vermag, sondern indem es dem Vater vertraut. Hier sind wir alle am Lernen und dazu gebraucht Gott oft sehr schwere Wege.

Hiob beschäftigt mich immer wieder, der überführt bezeugte: "Vom Hörensagen hatte ich von dir gehört, jetzt aber hat mein Auge dich gesehen. Darum verwerfe ich mein Geschwätz und bereue in Staub und Asche" Hiob 42,5-6. Gott hat eigentlich dem Hiob Sein Handeln nicht erklärt, sondern ihn überführt und ihm erneut klar gemacht, was Hiob in der Zeit des schweren Leidens oft nicht mehr verstehen konnte, nämlich dass Seine Gedanken nicht unsere Gedanken sind (Jesaja 55,8) aber dass Er bei allen Seinen Absichten mit uns Gedanken des Friedens hat: "Denn ich kenne ja die Gedanken, die ich über euch denke, spricht der HERR, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch Zukunft und Hoffnung zu gewähren." Jer 29,11. Hierin liegt so viel Trost.

anne80 hat geschrieben:Was hat euch geholfen, Gottes Souveränität zu verstehen? Gab es Beispiele die euch überzeugt haben? Oder seht ihr seine Souveränität in einem anderen Licht/aus einem anderen Blickwinkel?
Über Gottes Souveränität hatte ich mir früher nie besondere Gedanken gemacht und frage mich zuweilen, warum manche sich so sehr damit beschäftigen. Oftmals redet man von Souveränität und argumentiert damit für die Prädestination. Nun, ich habe damit kein Problem, weil beides Gottes ist. Was mich bewegt ist aber, dass die Souveränität Gottes Ihn nicht davon abgehalten hat, sich so tief zu uns herabzuneigen und sich uns in Seinem Wort so zu offenbaren, dass es für uns "menschlich" wirkt. Vielleicht tat es Gott, damit wir Menschen Sein Wort und das was Ihn bewegt besser verstehen. Aber tun wir es wirklich?

War Gott souverän, als Er sich auf die Bitten Abrahams einließ: "Da sagte er: Der Herr möge doch nicht zürnen, ich will nur noch dieses Mal reden. Vielleicht werden dort zehn gefunden. Und er sprach: Ich will nicht vernichten wegen der zehn" 1. Mose 18,32. Und handelte Gott souverän als Er zu Mose sprach: "Und nun lass mich, damit mein Zorn gegen sie entbrenne und ich sie vernichte, dich aber will ich zu einer großen Nation machen. Mose jedoch flehte den HERRN, seinen Gott, an und sagte: Wozu, HERR, entbrennt dein Zorn gegen dein Volk, das du mit großer Kraft und starker Hand aus dem Land Ägypten herausgeführt hast? Da gereute den HERRN das Unheil, von dem er gesagt hatte, er werde es seinem Volk antun" 2. Mose 32,10-12.14.

Verstehen kann ich das nicht wirklich, aber Abraham und Mose sind für mich Vorbilder, für die Menschen zu bitten und auf Gottes unermessliche Gnade zu hoffen. Vielleicht will Gott uns gerade hierin prüfen. Es ist nicht entscheidend, ob wir Gott in allen Dingen verstehen, sondern ob Gott Sein Wesen in uns gestalten kann. Hinsichtlich Sodom und Gomorra beschäftigt mich auch immer wieder, dass diese Städte untergingen weil es dort nicht einmal 10 Gerechte gab. Lot saß zwar am Tor von Sodom, aber offenbar konnte der Herr ihn leider nicht gebrauchen, um durch ihn andere Menschen zu erretten. Auch dies ein schwieriger Gedanke, wenn wir an Gottes Souveränität denken, aber auch hier sehe ich unsere Verantwortung, wie ich auch bereits unter dem Thema "Wir sollen die Gottlosen warnen" erwähnt habe.


Persönlich möchte ich noch sagen, dass hinsichtlich der Souveränität Gottes mich sehr bewegt, wie Gott, trotz Seiner Souveränität, darauf wartet, dass wir uns Ihm völlig hingeben und lernen Ihm zu vertrauen. Oftmals muss Er schwere Wege mit uns gehen, um uns zu erziehen und uns Ihm brauchbar zu machen.

2007 sollte ich operiert werden und die Aussichten waren sehr fraglich. Unser himmlischer Vater hatte aber schon Monate davor angefangen mich darauf vorzubereiten. Ich war bereit zu sterben und hatte losgelassen, was mich hätte traurig machen können. Am Tag vor der OP waren die zwei verantwortlichen Spezialisten sich aber nicht einig und einer besuchte mich noch am Abend. Ich überließ ihnen die Entscheidung und wurde nicht operiert. Mein Zustand hat sich danach etwas gebessert, so dass eine Operation wirklich nicht nötig war.

Mich hat in den letzten Jahren so sehr bewegt, wie Gott in den kleinen und großen Dingen unseres Lebens die Fäden souverän in der Hand hält und alles zu unserer Erziehung und als Zeugnis für andere dienen lässt. Sein Ziel ist doch, dass wir am Ende bewährte und im Glauben gefestigte Gotteskinder sind, die man wirklich Christen nennen kann.


José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


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