"Die Stimme des Herrn hören"

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Gast

"Die Stimme des Herrn hören"

Beitragvon Gast » 04.02.2011 20:54

Ihr Lieben,

ich grüble derzeit über folgenden Vers in einem meiner Lieblingsabschnitte nach.

Joh 10,27 "Meine Schafe hören (auf) meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir."

Im Vers habe ich eine Bibelübersetzung gewählt, welche das Wort "auf" in Klammern einfügt, ohne finde ich es eigentlich besser.

Frage an euch: Hört ihr die Stimme eures Hirten? Neulich hat einer meiner Lieblingsprediger meiner Gemeinde über diesen Vers bei uns gepredigt und er gestand, dass er leider nur selten die Stimme des Herrn hört (http://kassettothek.de/ - Predigtnummer T1642)
Ich bin inzwischen auf der Suche nach dem Leben im Geist. Ich nehme weiterhin das Wort Gottes als das Wort Gottes und als alleinige Richtschnur für mein Leben, aber ich denke, dass der Geist dieses Wort lebendig machen will und noch viel mehr für die Seinen bereit gehalten wird, als der bloße Buchstabe.
Es geht im Christenleben nicht nur darum die Gebote Gottes alle zu halten, sondern es geht auch um eine lebendige, tiefe Beziehung mit dem Schöpfer - zurück zu den Anfängen, zurück zum Garten Eden, als der Mensch sich noch nicht fürchtete vor "der Stimme des Herrn" (1.Mo 3,10).

Henoch und Noah erlebten es (1.Mos 5,22; 6,9) und jedes wahre Schaf Christi erlebt es auch- sie hören die Stimme ihres Hirten. Philippus erlebte es (Apg 8,26). Petrus erlebte es (Apg 10,19). Paulus, Silas und das Missionsteam erlebten es (Apg 16,7.9)

Sie, die Jesus kennen, erleben es. Sie sind seine Freunde (Joh 15,15) und da sie seine Freunde sind, erzählt er ihnen die geheimsten Dinge.

"Ich bin der gute Hirte, ich kenne die Meinen, und die Meinen kennen mich,
so wie mich der Vater kennt und ich den Vater kenne, und ich gebe mein Leben für die Schafe." (joh 10,14.15)

Den wahren Gott und Jesus Christus zu kennen (joh 17,3 innig zu kennen, denn hier steht das Wort "erkennen", das auf eine tiefe Beziehung hindeutet), dass ist das ewige Leben.

Im Gebet des Herrn Jesus, dem Gebet des göttlichen Hohenpriesters sagt dieser:
"Nicht für sie allein bitte ich dich, sondern auch für jene, die durch ihr Wort an mich glauben,
damit sie alle eins seien wie du, Vater, in mir und ich in dir, daß sie eins seien in uns damit die Welt glaube, daß du mich gesandt hast.
Ich habe die Herrlichkeit, die du mir gabst, ihnen gegeben, damit sie eins seien, wie wir eins sind" (Joh 17,20-22)

Wir sind in der Gemeinschaft des Vaters und des Sohnes so sehr eingeflechtet, so sehr, dass die Welt durch dieses Einssein, erkennt, dass Jesus von Gott gekommen ist, dass er der versprochene Messias ist.

Spürt ihr es, dass ihr mit dem Vater und mit dem Sohn so eins seid, dass dies bei euch geschieht? Erkennen die Menschen um euch herum diese Herrlichkeit?

"ich in ihnen und du in mir, auf daß sie vollkommen seien in Einheit und die Welt erkenne, daß du mich gesandt und sie geliebt hast, wie du mich geliebt hast." (Joh 17,23)

Durch diese innige Beziehung soll die Welt Jesus erkennen UND dass Gott die Seinen LIEBT, SO wie Gott seinen Sohn liebt. Geliebt wie der einzigartige Sohn Gottes. Das ist die Liebe, die Gott für uns hat.

"und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen." (Joh 17,26)

Dadurch ist die Liebe Gottes in uns, das Jesus den Namen Gottes uns kund tut. Der Name Gottes steht für all seine Eigenschaften, für all das was er ist und tut- sein ganzes Wesen.

So wie JHWH mit Mose redete von Angesicht zu Angesicht und er ihm all die irdischen Vorbilder und Schatten zeigte, die auf Christus hindeuteten, so wie man auch mit einem Freund redet (2.Mo 33,11), so tut uns jetzt Christus den Namen seines Vaters kund, zeigt uns wer der uns liebende Vater ist.

Ich will noch einmal zurück auf dieses Leben im Geist. Hört ihr die Stimme des Herrn, ist meine Frage am Anfang gewesen und es wäre schön, wenn einige von euch Beispiele nennen, wo sie Jesus gehört haben.
Also wenn du noch nie die Stimme deines Hirten gehört hast, dann bist du noch nicht errettet. Du kannst ein Schaf sein, aber du bist verloren und hast noch keinen Anteil an der Erlösung durch Jesus. Deswegen müsste jeder von euch mindestens eine Begebenheit erzählen können, bei der er die Stimme seines Hirten gehört hat.

Ich will erzählen als ich zum ersten Mal seine Stimme hörte. Verloren, verloren war ich, der größte Sünder den es wohl jemals gab. Auch wenn manche schlimmere Dinge trieben, will ich angesichts meiner Erziehung und meines inneres Lichtes sagen, ich bin der schlimmste auf dieser Erde gewesen. Und warum Gott diese Erde nicht längst unter mir aufgetan hat, dass kann ich nur seiner Langmut und Gnade zuschreiben.
Er hatte noch ein Ziel mit mir, all seine Güte an meinem Angesicht vorüberziehen zu lassen und seinen Namen vor mir auszurufen. Mir wollte er gnädig sein und über mich wollte er sich erbarmen.
Ich hörte seine Stimme, die zu mir rief "Wie du nun Christus Jesus als deinen Herrn angenommen hast, so wandel nun in ihm, gewurzelt und auferbaut in ihm und befestigt in dem Glauben, so wie du nun gelehrt wirst und sei darin überströmend in Danksagung". Nun lobe ich den Herr für all das was er ist und tut. Preist auch ihr Menschenkinder seinen heiligen Namen, er hat sich über mich erbarmt. Er lehrt mich die heiligen Dinge und wie ich das Schwert zu führen habe. Die Schlachten machen mir Freude, auch wenn die Zehntausend die gefällt werden sollen, noch ein unverwirklichter Traum sind.
Ich bin hungrig und durstig, sogar noch mehr als damals, als ich seine Stimme zum ersten mal hörte. Ich hungere nach dem Brot aus dem Himmel und dürste nach dem Wasser des Lebens.
Die Tränen, die ich damals floss, fließen immer noch und immer noch sind sie Ausdruck zweier Gefühle - Freude über das Heil und Trauer über die Schuld.
Doch immer noch dabei die Hoffnung, dass diese Tränen eines Tages nur noch eines dieser beiden Gefühle ausdrücken mögen. Dann, zu dem Zeitpunkt, wenn die Stimme des Herrn sagen wird: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen. Freude, Freude im Herrn.
Ja damals sprach er zu mir und seine Stimme ist jetzt manchmal nicht zu hören, aber manchmal dann doch sehr deutlich. Leider ist dieses Leben im Geist mir immer noch ein Rätsel, doch die Zuversicht, dass der Herr es mir noch offenbart, ist weiterhin vorhanden. Möge jeder von euch die Stimme des Herrn hören. In Christus verbunden.

Jose
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Re: "Die Stimme des Herrn hören"

Beitragvon Jose » 05.02.2011 15:12

Lieber Samuel, ich weiß nicht, was der von dir sehr geschätzter Prediger genau meinte, als er sagte, "dass er leider nur selten die Stimme des Herrn hört". Wenn aber der Herr Jesus sagt: "Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir" Joh 10,27, dann ist es auch wahr. Es ist übrigens sehr interessant, dass Jesus Seine Jünger mit Schafen vergleicht. Ein Schaf kann alleine nicht überleben, es benötigt einen Hirten, der es weidet. Das bedeutet für mich konkret, dass wenn ich ein Schaf des guten Hirten geworden bin, ich nur überleben kann, wenn ich in Jesus bleibe.

Darf ich dich an den Psalm 23 erinnern? "Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. Er lagert mich auf grünen Auen, er führt mich zu stillen Wassern. Er erquickt meine Seele. Er leitet mich in Pfaden der Gerechtigkeit um seines Namens willen" Ps 23,1-3. Bereits in diesen 3 ersten Versen steht so viel, und wenn das ein Gotteskind erlebt, wie es gesättigt und getröstet wird beim Hören des Wortes und wie es auf den rechten Pfad sein darf, so ist es doch auf das Hören auf die Stimme des guten Hirten zurückzuführen. Besonders bewusst wird es uns dann, wenn wir auch die Erfahrung machen dürfen: "Auch wenn ich wandere im Tal des Todesschattens, fürchte ich kein Unheil, denn du bist bei mir; dein Stecken und dein Stab, sie trösten mich" Vers 4. Sehr oft gebraucht der Herr den Stecken Seines Wortes um uns vor gefährlichen Wegen zu warnen und uns wieder auf dem Weg des Lebens zurück zu führen. Da gilt es, nicht davon zu laufen und sich zu verirren.

Samuel A. hat geschrieben:Hört ihr die Stimme des Herrn, ist meine Frage am Anfang gewesen und es wäre schön, wenn einige von euch Beispiele nennen, wo sie Jesus gehört haben.

Es gab schon viele Erfahrungen in meinem Leben wo ich erkennen durfte, dass der Herr zu mir durch Menschen oder durch Sein Wort direkt gesprochen hat. Angefangen hat aber alles mit der Erfahrung, dass ich erkannte, der Herr ist bei mir und ich dabei mir meiner Schuld wirklich bewusst wurde und zum ersten Mal wirklich erfassen durfte, warum Jesus am Kreuz sterben musste. Diese Erfahrung hast du ja auch gemacht und die ist grundlegend. So vernimmt man meiner Meinung nach zum ersten Mal die Stimme des guten Hirten wirklich deutlich und darauf sollten wir auch demütig eingehen. Danach gilt es, beim Lesen des Wortes, im Gebet und im Wandel, auf Jesus gerichtet zu sein. Es ist ein Wandel mit dem Herrn, im befolgen Seines Wortes, in dem wir uns aber üben müssen durch Treue, Gehorsam und Hingabe. Es ist ein Lernen und Wachsen in der Gnade.

Ein persönliches und noch nicht so lange zurückliegendes Erlebnis mit dem Herrn will ich gerne bezeugen. Es war in den vergangenen letzten Wochen im Dezember. Beim Austausch in diesem Forum hatte ich mich etwas ereifert und bei einem Thema mich in einer Form geäußert wo ich erinnerlich schon dachte, es könnte falsch verstanden werden. Ich tat es dennoch und es kam wie befürchtet. Anstatt nun die Stille zu suchen steigerte ich mich innerlich und hatte ernsthaft die Absicht, meine Beiträge in diesem Forum zu löschen. Auch hier hörte ich innerlich noch die Mahnung: "Lass es, du wandelst fleischlich", aber ich wollte nicht darauf eingehen. Dann aber erhielt ich die Mitteilung "Auszeit" und ich las, dass ich für eine Woche nicht im Forum schreiben durfte. Nach den ersten Schrecksekunden zog wieder der Friede in mein Herz und ich konnte sagen "Danke Herr". Es gelingt uns nicht immer im Geist zu wandeln, aber es gelingt uns immer weniger, wenn wir die Lektionen Gottes nicht lernen und befolgen.

Samuel A. hat geschrieben:Ich bin inzwischen auf der Suche nach dem Leben im Geist. Ich nehme weiterhin das Wort Gottes als das Wort Gottes und als alleinige Richtschnur für mein Leben, aber ich denke, dass der Geist dieses Wort lebendig machen will und noch viel mehr für die Seinen bereit gehalten wird, als der bloße Buchstabe.


Der Heilige Geist will uns in den Bahnen des Wortes Gottes leiten, uns dabei aber auch das rechte Verständnis schenken und uns helfen, in unserem Alltag die Stimme des guten Hirten zu vernehmen. Im Einzelnen wird man sich dessen vielleicht gar nicht immer bewusst sein, es sei denn man würde ein Tagebuch führen und später staunend erkennen, wie der Herr geleitet hat. Am meisten sind mir die wichtigen Entscheidungen in meinem Leben in Erinnerung geblieben, wo ich heute noch Gott für Seine Führung danke.

José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


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