Höllenfahrt Christi

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Der Pilgrim
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Höllenfahrt Christi

Beitragvon Der Pilgrim » 06.02.2011 12:24

Was ist davon zu halten?
Im Apostolischen Glaubensbekenntnis finden wir ja den Satz:
"...Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten..."
Zur Stützung dieser Lehre wird so weit ich weiß 1. Petrus 3,19 herangezogen:
"So ist er auch zu den Geistern gegangen, die im Gefängnis waren, und hat ihnen gepredigt."
Auch Calvin scheint in der Institutio die Höllenfahrt Christi zu lehren (wenn ich mich recht erinnere, ist etwas her), der Heidelberger Katechismus erwähnt es ebenfalls sehr explizit (Hier heißt es auch "Hinabgestiegen in die Hölle")

Mark Discroll (Auch wenn ich ihn keineswegs glaubwürdiger als Calvin einschätzen würde :wink:) dagegen hat ein Video bei Youtube, bei dem er die Höllenfahrt bestreitet. Unter anderem wird sich da auf diesen Vers berufen:
"Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." (Lukas 23,43)

Wie ist das alles unter einem Hut zu bringen? Und selbst wenn es keine Höllenfahrt gab, wie ist dann der Vers bei Lukas zu verstehen, war Jesus berets im Himmel und ist dann am 3. Tag wieder ins Grab gekommen um aufzuerstehen?
Simon W.

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Sanftwut
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Beitragvon Sanftwut » 06.02.2011 13:28

Hi,

M. Driscoll hat Recht, es gibt keine Höllenfahrt Jesu. 1. Petr,3,19 sagt folgendes: Jesus wurde durch den Geist Gottes wieder lebendig gemacht. Dieser Gesit war auch in Noah wirksam der den Menschen seiner Zeit das Gericht Gottes angekündigt. Die Menschen haben aber auf Noahs Botschaft nicht gehört und sind jetzt am Ort der Qual wo sie auf das Endgericht warten.

Jesus war mit seiner Seele/Geist im Paradies während sein Leib im Grab lag. Durch die Auferstehung wurden Leib und Seele/Geist wieder vereinigt.

Gruß
Sanftwut
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Hold on to the good. (1.Thess.5,21)

Der Pilgrim
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Beitragvon Der Pilgrim » 06.02.2011 13:37

Klingt an sich sehr nachvollziehbar. Vielen Dank!
Kann man, wenn man das verstanden hat, trotzdem noch das Apostolische Glaubensbekenntnis sprechen? Ließe sich das "Reich der Toten" auch als "irdisches (!) Reich der geistig Toten" verstehen?
Oder sollte man diesen Satz lieber auslassen?
Simon W.

maxb
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Beitragvon maxb » 06.02.2011 14:28

"Hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten"

Das heißt ja erst mal noch nicht Hölle. Es gibt auch Übersetzungsvarianten, wo hier Hölle steht, die kann man dann wirklich ablehnen. Aber "hinabgestiegen in das Reich des Todes" kann auch einfach nur ein komplizierter ausdruck für "gestorben" sein...von jemandem, der darüber mit einem Anglikaner gesprochen hat, habe ich genau das gehört, dass nämlich der Tod gemeint ist und nicht die Hölle und schlechte Übersetzungen erst diesen Höllengedanken hineingebracht hätten...aber noch kann ich keine alten Sprachen, von daher auch nur aus 2./3. Hand ;)
Ein irdisches Reich, egal welcher Art, ist hier aber bestimmt nicht im Blick.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 06.02.2011 15:11

Der Pilgrim hat geschrieben:Auch Calvin scheint in der Institutio die Höllenfahrt Christi zu lehren (wenn ich mich recht erinnere, ist etwas her), der Heidelberger Katechismus erwähnt es ebenfalls sehr explizit (Hier heißt es auch "Hinabgestiegen in die Hölle")
Genauere Angaben wären schon sehr hilfreich!
Gruß Joschie
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lutz
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Beitragvon lutz » 06.02.2011 16:00

Wenn man mit „Höllenfahrt“ eine „Fahrt“ oder ein „Hinabgestiegen an einen unterirdischen Ort namens Hölle“ meint – dann lehrt so etwas weder der Heidelberger Katechismus noch Calvin in der Institutio.

Im Heidelberger Katechismus (Sonntag 16 – Frage 44) geht es um „unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken, am Kreuz und schon zuvor erlitten“.
Calvin äußert sich dazu viel ausführlicher in fünf Lektionen der Institutio (Buch II, Kapitel 16):
8. Lektion: „Abgestiegen zur Hölle“ – Stellung im Glaubensbekenntnis
9. Lektion: Christus in der Unterwelt? (Hier beschäftigt er sich mit den Gedanken anderer dazu …)
10. und 11. Lektion: Das „Abgestiegen zur Hölle“ als Ausdruck der seelischen Qual, die Christus für uns litt
12. Lektion: Verteidigung der Lehre gegen Missverständnisse und Irrtümer.

Als kurze Variante aus dem Genfer Katechismus von 1537:
„Niedergefahren zur Hölle“ bedeutet, dass er von Gott geschlagen wurde und die furchtbare Strenge des göttlichen Gerichtes erfahren und ertragen musste, indem er sich selbst zwischen den Zorn Gottes und uns stellte und der Gerechtigkeit Gottes für uns alle Genüge tat. So hat er die Strafe, die unsere Ungerechtigkeit verdiente, erduldet und getragen, obwohl er selbst weder Sünde noch Makel trug. … Doch er hat das ganze Gericht des Zornes so ertragen, dass er, als er von der Hand Gottes getroffen und geschlagen worden war, alle Zeichen des Zornes und der Rache Gottes an sich erfuhr, bis er in seiner Todesangst aufschrie: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“
Lutz

Der Pilgrim
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Beitragvon Der Pilgrim » 06.02.2011 16:36

Hallo,
Vielleicht habe ich die Stelle im Heidelberger Katechismus etwas vorschnell auslgelegt. Dort steht (Frage 44):
Warum folgt 'Abgestiegen zu der Hölle'?
Dass ich in meinen höchsten Anfechtungen versichert sei, mein Herr Christus habe mich durch seine unaussprechliche Angst, Schmerzen und Schrecken, die er auch an seiner Seele am Kreuz und zuvor erlitten, von der höllischen angst und Prein erlöset
Als Beleg wird dann u.a. die Stelle im 1. Petrusbrief zitiert, also ausgerechnet die Stelle, die immer gerne von klassischen Höllenfahrt-Anhängern benutzt wird.

Bzgl. Calvin:
Habe die paar Lektionen in der Institutio gerade nochmal durchgelesen, es stimmt, was du sagst, Calvin bezeichnet es in der 9. Lektion tatsächlich als kindisch, sich vorzustellen, dass Jesus zu einem "höllischen Käfig" hinabgestiegen sei. In der 8. Lektion macht er aber auch deutlich, dass wir "Hinabgestiegen in die Hölle" nicht so deuten dürfen, dass es einfach eine Paraphrasierung für "In das Grab gelegt" ist. Folglich steckt da doch mehr drin, als nur "gestorben". Calvin scheint es, wenn ich ihn richtig verstehe, als Ausdruck der höchsten Strafe Gottes, als größte Pein zu begreifen - das würde dein Zitat aus dem GK ja bekräftigen.
Ich besitze ihn leider noch nicht, sucher aber ständig nach einer schönen, älteren Ausgabe, scheint aber irgendwie eine Rarität zu sein.

Danke jedenfalls für eure Hilfe! $:D
Simon W.

lutz
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Beitragvon lutz » 06.02.2011 17:49

Der Pilgrim hat geschrieben: Als Beleg wird dann u.a. die Stelle im 1. Petrusbrief zitiert, also ausgerechnet die Stelle, die immer gerne von klassischen Höllenfahrt-Anhängern benutzt wird.
Im Heidelberger Katechismus wird diese Bibelstelle aber nicht als Beleg für Frage 44 angegeben – also meiner hat die jedenfalls nicht.

Wenn es dir jetzt um die Bibelstelle: 1. Petr. 3, 19 geht, dann kannst du auch mal hier reinhören:
http://www.begowl.de/predigten/20080713 ... 16-4-6.mp3
(Predigt von H. W. Deppe)

Lutz

lutz
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Re: Höllenfahrt Christi

Beitragvon lutz » 06.02.2011 20:15

Der Pilgrim hat geschrieben: "Jesus antwortete ihm: Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein." (Lukas 23,43)
Wie ist das alles unter einem Hut zu bringen? Und selbst wenn es keine Höllenfahrt gab, wie ist dann der Vers bei Lukas zu verstehen, war Jesus berets im Himmel und ist dann am 3. Tag wieder ins Grab gekommen um aufzuerstehen?
Darauf möchte ich noch einmal zurückkommen. Ich kenne die Predigt von M. Driscoll nicht. Ehrlich gesagt, habe ich mir um diese Fragestellung herum noch gar keine Gedanken gemacht.

Also eine fertige Antwort kann ich nicht präsentieren, aber vielleicht eine Vorgehensweise und einen Versuch:
Die erste Frage, die ich hier stellen würde wäre:
Wie kann überhaupt von einem, der vor deinen Augen stirbt, gesagt werden, er würde „heute noch im Paradies sein“?
Ich denke, dass man dann auf die Frage: „Wie konnte Jesus, der stirbt, sagen, er wäre heute noch im Paradies?“ durchaus eine plausible Antwort findet.

Die Fragen um Christus, um Christus und seinen Tod … sind gar nicht so einfach, weil Christus eben nicht nur „Mensch“ war und ist … Ein Fakt, den ich nachsprechen aber nicht erklären kann …

Spricht Christus hier als Mensch oder als der Christus, der Gott ist? Hier würde ich ja sagen, er spricht sowohl als Mensch als auch als Gott. Nämlich als Mensch, der stirbt – und als Gott, der zusagen kann, wer im Paradies tatsächlich sein wird (in Vollmacht sozusagen).
Denken würde ich hier an das Gleichnis vom Reichen und dem armen Lazarus. Lazarus war nicht leiblich in „Abrahams Schoß“, wird aber nichtsdestotrotz als Lazarus angesprochen (identifiziert). Wenn Christus, wahrer Mensch war – ist er dann auch als Mensch gestorben und es wäre so nicht falsch von seiner „Seele“ so zu sprechen, als wäre er („komplett“) „im Paradies“.

Aber wie gesagt, das sind jetzt einfache Überlegungen als Versuch einer Klärung.

Lutz

Der Pilgrim
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Beitragvon Der Pilgrim » 06.02.2011 20:40

Wegen der Petrusstelle:
Habe gerade nochmal in meinem HK (1922 von der Rheinischen Provinzialsynode) nachgeschlagen und da wird bei Frage 44 tatsächlich auf die Petrusstelle verwiesen. Ich denke, dass man hier jedoch auch nicht außer Acht lassen darf, dass diese Verweise nicht von Olevian und Ursinus stammen (Glaube ich zumindest, berichtigt mich, sollte ich falsch liegen) zumindest waren sie in einer anderen Ausgabe, die ich mal besaß, gar nicht vorhanden.

Zu der Sache mit Lukas 23,43: Deine Erklärung muss ich mir nochmal in einer ruhigen Minute durchlesen, im Moment finde ich es noch etwas schwer verständlich :wink:
Allerdings ist in meinen Augen so eine "komplizierte" Erklärung garnicht notwendig, wenn man die einfache Erklärung, wie Sanftmut sie oben dargestellt hat, akzeptiert. Christi Seele war sofort nach seinem irdischen Dahinscheiden bei Gott, zusammen mit dem Hingerichteten und kehrte dann zur Wiedervereinigung mit seinem Leib am dritten Tag zurück. Oder ist das irgendwie häretisch?
Simon W.

lutz
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Beitragvon lutz » 06.02.2011 20:49

Der Pilgrim hat geschrieben: Christi Seele war sofort nach seinem irdischen Dahinscheiden bei Gott, zusammen mit dem Hingerichteten und kehrte dann zur Wiedervereinigung mit seinem Leib am dritten Tag zurück. Oder ist das irgendwie häretisch?
Also ich würde hier nicht auf "häretisch" kommen und das Ganze deckt sich sehr gut mit meinen Überlegungen, auch wenn sie dir jetzt etwas kompliziert erscheinen.
Ich denke bei deinem Zitat an die "Menschennatur" des Christus. Aber wir müssen bedenken, dass Christus nicht "nur" Mensch war. Das Ganze ist weitaus "breiter im Spektrum", um mal so zu sprechen.

Lutz

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 06.02.2011 21:02

Hier hilft auch weiter die "Handreichung zum Heidelberger Katechismus" von Otto Thelemann von 1892 wieder aufgelegt vom RVB-Verlag.Er geht zur Frage 44 auf die Position von Calvin,Olevian und Ursinus ein.Ich werde mich morgen mal erkundigen ob ich es reinstellen darf.
Gruß Joschie
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Jose
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Re: Höllenfahrt Christi

Beitragvon Jose » 07.02.2011 10:14

Vielleicht sind die unteren Bibelstellen auch für andere bedenkenswert. Mir waren und sind sie sehr hilfreich um eine Meinung und Überzeugung zu diesem Thema zu haben. Dabei hoffe ich, sie recht verstanden zu haben.

Lukas 16,19-31: Der reiche Mann und der arme Lazarus.
Hier ist vom Hades die Rede, wo vor der Himmelfahrt Jesu - nach Seinem vollbrachten Werk am Kreuz und Seiner glorreichen Auferstehung - sowohl die Ungläubigen als auch die Gläubigen sich befanden, allerdings unüberbrückbar getrennt. "Und als er im Hades seine Augen aufschlug und in Qualen war, sieht er Abraham von weitem und Lazarus in seinem Schoß. Und er rief und sprach: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, dass er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und meine Zunge kühle! Denn ich leide Pein in dieser Flamme. Abraham aber sprach: Kind, gedenke, dass du dein Gutes völlig empfangen hast in deinem Leben und Lazarus ebenso das Böse; jetzt aber wird er hier getröstet, du aber leidest Pein. Und zu diesem allen ist zwischen uns und euch eine große Kluft festgelegt, damit die, welche von hier zu euch hinübergehen wollen, es nicht können, noch die, welche von dort zu uns herüberkommen wollen" Lk 16,23-26. Auch die zwei, welche mit Jesus gekreuzigt wurden, fanden sich hier wieder, aber nun ebenso unüberbrückbar getrennt.

Eph 4,8-10: Jesus ist hinauf- aber zuvor hinabgestiegen.
"Darum heißt es: »Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er Gefangene gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben.« Das Hinaufgestiegen aber, was besagt es anderes, als dass er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfüllte" Eph 4,8-10. Ich verstehe diese Bibelstelle so, dass Jesus in den Hades hinabgestiegen, sicherlich in der Zeit als Er im Grab lag. Dass Er Gefangene gefangen geführt hat zeugt für mich davon, dass spätestens nach Seiner Himmelfahrt keine Gläubigen mehr im Hades sind sondern nun alle im Himmel sind bei Jesus. Den Hades gibt es aber noch.

Offb 20,14: Der Hades wird in den Feuersee geworfen.
"Und der Tod und der Hades wurden in den Feuersee geworfen. Dies ist der zweite Tod, der Feuersee" Offb 20,14. Hier wird der Hades erneut erwähnt und gesagt, dass er in den Feuersee geworfen wird. Dies bestätigt mir, dass die in Lukas 16 erwähnten Gläubigen nicht mehr im Hades sind, sondern, wie alle nach Golgatha verstorbenen Gläubigen, nun auch bereits im Himmel.

José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 07.02.2011 13:15

Zum Thema ein Beitrag von C.Olevian TranskriptionGnadenbundGottes
Erklär nun den rechten Verstand dieses Artikels: Abgefahren zu der Höllen.
Es ist kein Zweifel, daß die Abfahrt Christi zur Höllen die allertiefeste Niedrigung des Sohns Gottes ist, damit er sich für uns zum äußersten hat wollen niedrigen, und gar und ganz in die allertiefeste Schmach ergeben. Dann die Erhöhung hebt allererst in der Auferständnis an.
Was es aber für ein Erniedrigung sei, muß man erstlich aus dem lernen, wie die Schrift hin und her diese Art zu reden brauchet: Abgefahren zu der Höllen.
Zum andern auch, und fürnehmlich, wie die Apostel diesen Artikel geprediget, und mit welchen Zeugnissen der Schrift sie ihn erwiesen haben, daraus der rechte Verstand leichtlich abzunehmen sein wird.

Erstlich, wird das Wort (Höll) oftermals in den Psalmen Davids, und sonst in der Schrift,gebrauchet für ein Grab, und, absteigen zur Höllen, für vergraben werden (Gen. 24 Vs. 38 &44, Vs. 29; Psal. 6 Vs. 6 & Psal. 147 Vs. 7).
Und zum andern, dieweil in den Gräbern aller Unlust und Gestank ist, wird das Wort (Höll)auch gebraucht für das Ort da die Verdammten sein, als Luk. am 16. Vs. 23.
Zum dritten, wird es auch genommen für ein höchste Angst, Not und Schmerzen des Gemüts,wie Hanna Samuelis Mutter solches erfahren (I. Sam. 2 Vs. 6), da sie spricht: Der Herr tötet und macht lebendig, der Herr tut hinab steigen zur Höllen, und wider herauf steigen. Welches sie redt nachdem sie aus ihrem großen Trauren und Herzleid vom Herrn erlöset war.
Zum vierten wirds auch genommen für den Stand deren die begraben sein, und vom Tod überwunden und verschlungen.
Die erste Bedeutung betreffend, nämlich das Wort (Höll) schlecht für die Begräbnis zu nehmen, dienet hieher nicht. Dann schon zuvor einmal ausdrücklich im Glauben gesagt ist,daß er ist begraben worden: Wäre derhalben ohn Not gewest, ein Ding in solchem kurzen Begriff mit schweren Worten zu widerholen, wiewohl es sonst der Schrift nicht zu wider.
So viel die andere Bedeutung anlanget, nämlich als sollte Christus an das Ort der Verdammten gefahren sein, ist zuvor abgeleinet, darum daß das Wort Christi (Luk. 23 Vs.43): Heut wirst du bei mir im Paradeis sein, solche Abfahrt nicht leidet, auch von wegen anderer Ursachen mehr.
Derhalben sind noch übrig zwo Bedeutungen, nämlich die höchste Schmerzen und Angst des Gemüts, und zum andern, der Stand der auf solche Schmerzen und Begräbnis erfolgt ist. So viel nun die äußerste Schmerzen und Angst des Gemüts betrifft, ist es gewiß, daß der Herr
Christus in seinem ganzen Leiden, nicht allein an seinem Leib, sondern auch an seiner Seelen, und zwar fürnehmlich an derselbigen unaussprechliche Angst, Schrecken und Schmerzen empfunden hat, welche der heilige Petrus nennet Schmerzen des Todes (Act. 2 Vs. 24).
Diese höllische Angst, die Christus in seinem ganzen Leiden für uns erlitten, bezeuget erstlich im Eingang in diese höllische Angst und erschrecklichen Abgrund, das Wort Christi (Matth. 26 Vs. 39): Meine Seel ist betrübt bis in den Tod.
Zum andern, da er noch tiefer in diese höllische Angst tritt, und mit dem Tod und Zorn Gottes rang im Garten, bezeugen die Blutstropfen die von seinem Angesicht auf die Erd fielen (welches keinem Menschen je widerfahren ist) daß Christus höllische Angst und Not empfunden hat (Luk. 22 Vs. 44).
Zum dritten, da er im allertiefesten der höllischen Qual und Marter ware, als die jenige die von Gott verlassen sein, schrei er aus tiefer höllischer Not am Kreuz: Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen (Matth. 27 Vs. 46).
Und zwar es war vonnöten, daß Christus nicht allein äußerlich litte, sondern auch daß er innerlich solche höllische Angst und Not empfinde.
Dann dieweil wir nicht allein mit dem Leib, sondern auch fürnehmlich mit der Seelen gesündiget, und den Zorn Gottes verdienet hatten, so mußte Christus, der unser Bürg worden ware, nicht allein äußerlich an seinem Leib leiden, sondern beide an Leib und Seel, und fürnehmlich an der Seelen, den Zorn Gottes leiden, auf daß er beide unser Leib und Seel von
der höllischen Pein erledigt. Und zwar Christus hat nicht allein am Leib Schmerzen sollen leiden wie die zwei Mörder, die mit ihm gekreuziget wurden, sondern dieweil der Vater auf ihn geworfen hat alle unsere Sünden (Isai. 53 Vs. 9), so hat er beide an Leib und Seel viel größern Schmerzen sollen leiden, nämlich die höllische Angst die wir verdient hatten. Und wiewohl Christus die höllische Angst nur eine Zeitlang in seinem Leiden erduldet und überwindet, so ist doch solche Niedrigung des Sohns Gottes in solch tiefe Schmach und Angst, köstlich und teuer genug für dem Angesicht Gottes uns von der ewigen Pein zu entledigen, dieweil es die hohe Person leidet und sich so tief erniedriget, die zugleich wahrer
Gott ist: Derhalben auch solche Pein an ihr nur ein Zeitlang hat können wehren, unter welchen alle andere Menschen (die nichts dann Menschen sind) in Ewigkeit hätten müßen versinken, dieweil sie viel zu schwach sind dieselbige zu überwinden.
Und dies ist ein wunderbarlicher großer Gehorsam, der von unserem Hohenpriester Christo von unsert wegen dem himmlischen Vater geleistet ist, davon herrlich also geschrieben stehet
in der Epist. an die Hebr. im 5. Kap. (Heb. 5 Vs. 7, 8, 9): Welcher Christus in den Tagen seines Fleisches, da er Gebet und Flehen mit starkem Geschrei und Tränen geopfert hat zu dem, der ihm von dem Tod konnte aushelfen, und aus der Furcht erhöret worden ist: Wiewohl
er Gottes Sohn ware, hat er doch aus dem das er Leid, Gehorsam gelernet, und da er vollendet, ist er worden allen die ihm gehorsam sind, eine Ursach zur ewigen Seligkeit.
In welchen höchsten Schrecken und Schmerzen der freiwillige Gehorsam des Sohns billig soll betrachtet werden, wie er uns dann an jetzt gemeldtem Ort für die Augen gestellt wird, und daß er dadurch uns ein Ursach worden sei zum ewigen Leben.
Ist derwegen auch hie nicht zu besorgen, als sollte es dem Sohn Gottes schmächlich sein, daß ihm die Evangelisten solche Furcht, Trauren und Schrecken zuschreiben.
Dann erstlich hat Christus nicht seinethalben, sondern unserthalben solche Angst und Schrecken auf sich genommen und erlitten.
Zum andern, so ist auch in derselben höchsten Schwachheit, Angst und Not Christi keine Sünde, um dieser zweien Ursachen willen: Erstlich, daß er für und für in wahrem Gehorsam
verblieben ist (Phil. 2 Vs. 8). Demnach auch, wiewohl er zum höchsten geängstiget war, doch nicht unterlassen hat sein Vertrauen auf Gott zu setzen. Dann ob er schon ein zeitlang in der höchsten Angst von Gott verlassen war, dennoch spricht er zweimal: Mein Gott, mein Gott,
das ist: mein Erretter auf den ich traue (Heb. 5 Vs. 7).
Zum letzten wird die Abfahrt Christi zur Höllen genommen für den Stand der in der Begräbnis ist und darauf folget, da nämlich die so begraben sind, vom Tod unterdrücket, und gleich als ausgerottet sein. Also wirds gebraucht Psal. 49. Vs. 15, 16 Isai 14. Vs. 11, 15, 16,17. In denselbigen Stand hat sich auch Christus wollen niedrigen unserthalben, daß er bis in
den dritten Tag in der Erden, gleich als vom Tod überwunden und verschlungen, hat wollen liegen.
Der rechte vollkommene Verstand aber dieses Artikels, kann nirgends her besser dann aus den Geschichten oder Predigten der Aposteln genommen werden, da sie von diesen Artikeln:
Gekreuziget, gestorben, begraben, abgestiegen zur Höllen, am dritten Tag wider auferstanden von den Toten sämtlich und ordentlich handeln: Und zugleich mit aus den Zeugnissen, welche die Aposteln aus den Propheten anziehen.
Fürnehmlich ist die Predigt Petri gar schön und klar, da er also spricht (Act. 2 Vs. 24): Den(Christum) hat Gott auferwecket, und aufgelöset die Schmerzen des Tods, nachdem es unmöglich ware, daß er von ihm sollte gehalten werden. Und bald danach setzet er Beweis hinzu aus dem David (Psal. 16 Vs. 10): Du wirst meine Seel nicht in der Höllen lassen, auch
nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung sehe.
In diesen Worten ist es gewiß, daß die Schmerzen des Tods sind die große Qual, Angst und Not, die Christus nicht allein an seinem Leib, sondern fürnehmlich an seiner Seelen gelitten hat, in welcher er ruft (Matth. 27 Vs. 46): Mein Gott, mein Gott, wie hast du mich verlassen?
Davon wir zuvor geredt haben. Danach tut St. Petrus hinzu, daß die Schmerzen alsdann allererst sein aufgelöset worden, da er
von Toten ward auferweckt. In welchen Worten er gleich als zusammen bindet die Schmerzen des Tods, und den Stand der auf die Schmerzen des Tods und Begräbnis erfolget ist. Dann ob schon der Leib so im Grab lag, keinen Schmerzen mehr empfunde (dieweil er wahrhaftig
gestorben war) nochdann saget St. Petrus, daß die Schmerzen des Tods dazumal allererst sein aufgelöset worden, da ihn Gott von den Toten auferwecket. Aus Ursachen, daß die Schmerzen des Tods den Sieg so lang behielten, bis daß Christus den Tod an ihm gar und ganz zu nichten
machte, welches geschehen ist in der Auferständnis.
Und danach beweiset Petrus dies aus dem David (Act. 2 Vs. 31; Psal. 16 Vs. 10): Herr du wirst mein Seel nicht in der Höllen lassen, auch nicht zulassen, daß dein Heiliger die Verwesung sehe. Da redet der Prophet David von dem Stand, darin die Abgestorbene und Vergrabene sind, wie zu sehen nach dem 27. Vs. in dem 29. und in dem 31. Vs.
Daraus zu sehen, daß Petrus die Abfahrt Christi zur Höllen, von der alleräußersten Niedrigung Christi (dann die Erhöhung allererst in seiner Auferständnis anfanget) verstanden hab, nämlich von dem Stand, in welchem Christus als von den Schmerzen des Tods überwältiget,
gelegen ist bis in den dritten Tag.
So ist nu die Summa der Lehr von der Abfahrt Christi zur Höllen diese, daß es vonnöten gewest ist, daß sich Christus in die alleräußerste Not und Schmach niedriget. Erstlich, in dem seine göttliche Natur ihre Kraft nicht erzeiget, auf daß er nicht allein am Leib, sondern auch
an der Seelen, die Schmerzen des Tods, als der von Gott verlassen wäre, fühlete. Zum andern auch, in dem dasselbig Wort oder göttliche Natur ruhete, und die Menschheit nicht alsbald
wider lebendig machte, sondern ließ den Leib von der Seelen bis in den dritten Tag getrennet,im Gewalt des Tods, als wäre Christus gänzlich ausgerottet und vertilget. Also, sag ich, hat Christus für uns sollen zum äußersten geniedriget werden, auf daß wir gewiß wären, daß nicht
allein unser Seelen von Schmerzen des Tods erlöset sein, sondern auch daß alle Schmach von unsern Körpern, darin sie bis zur Urständnis liegen, durch Christi Verdienst und Kraft hinweg genommen wird, unangesehen, daß sie eine Zeitlang in der Erden, als wann sie vom Tod gar überwunden wären, behalten werden, 1. Kor. 15, Vs. 54, 55.
Quelle: http://www.caspar-olevian.de/Transkript ... Gottes.pdf
Das Weiterlesen lohnt sich!
Noch ein Beitrag zum Thema http://www.cpjournal.com/wp-content/upl ... 4/hyde.pdf
Gruß und Segen von Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Joseph28
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Beitragvon Joseph28 » 19.11.2011 02:27

Hallo, alle miteinander...

Es gibt drei Textstellen im Neuen Testament, die zu zeigen scheinen, dass die „Seele“ Jesu Christi zu Scheol (Totenreich) abgestiegen ist.
Lukas in der Apostelgeschichte 2, 27-31 (Schlachter 2000) hat geschrieben:denn du wirst meine Seele nicht dem Totenreich preisgeben und nicht zulassen, daß dein Heiliger die Verwesung sieht. Du hast mir die Wege des Lebens gezeigt; du wirst mich mit Freude erfüllen vor deinem Angesicht!« Ihr Männer und Brüder, es sei mir erlaubt, freimütig zu euch zu reden von dem Stammvater David: Er ist gestorben und begraben, und sein Grab ist unter uns bis zu diesem Tag. Da er nun ein Prophet war und wußte, daß Gott ihm mit einem Eid verheißen hatte, daß er aus der Frucht seiner Lenden, dem Fleisch nach, den Christus erwecken werde, damit er auf seinem Thron sitze, hat er vorausschauend von der Auferstehung des Christus geredet, daß seine Seele nicht dem Totenreich preisgegeben worden ist und auch sein Fleisch die Verwesung nicht gesehen hat.
Paulus in Römer 10, 6-9 (Schlachter 2000) hat geschrieben:Aber die Gerechtigkeit aus Glauben redet so: Sprich nicht in deinem Herzen: Wer wird in den Himmel hinaufsteigen? — nämlich um Christus herabzuholen — oder: Wer wird in den Abgrund hinuntersteigen? — nämlich um Christus von den Toten zu holen. Sondern was sagt sie? »Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen!« Dies ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen. Denn wenn du mit deinem Mund Jesus als den Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, daß Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, so wirst du gerettet.
Paulus in Epheser 4, 7 (Schlachter 2000) hat geschrieben:Jedem einzelnen von uns aber ist die Gnade gegeben nach dem Maß der Gabe des Christus. Darum heißt es: »Er ist emporgestiegen zur Höhe, hat Gefangene weggeführt und den Menschen Gaben gegeben«. Das [Wort] aber: »Er ist hinaufgestiegen«, was bedeutet es anderes, als daß er auch zuvor hinabgestiegen ist zu den Niederungen der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, damit er alles erfülle.
Noch interessanter, scheint es eine zeitliche Reihenfolge oder Parallele zwischen dem Blutopfer & Auszug aus Ägypten und dem Tod & Auferstehung Jesu zu geben. (Die Termine im Monat Nisan scheint genau zu zusammenfallen.) Bitte klicke hier, um meine Meinung besser zu verstehen.

Wenn diese Parallelen triftig sind, war das Blut des Opferlamms (Passahlamm und Jesus Christus, bzw) die Grundlage für die Erlösung von Sünde. Der sterbliche Tod Jesu Christi lief auf den Abstieg seiner Seele in Scheol hinaus, da er „ganz Mensch“ war. (Sein Geist als das ewige Leben Gottes kehrte dem Vater zurück laut Lukas 23,46.) Seine Auferstehung hat nicht nur Tod geplündert, sondern lief hier auf das Eingehen Gottes Volkes „in das (himmlische) Gelobte Land“ hinaus.

Liebe Grüße,
Joseph
„Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.“ (1.Johannes 1,4)


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