Begrenzte Sühne: Warum gibt es diese Lehre?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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lutz
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Beitragvon lutz » 27.03.2011 22:33

Samuel A. hat geschrieben:Wenn ich in diesem Forum sage, dass lehrt die Schrift, werde ich als arrogant hingestellt oder vielleicht als selbernannter Prophet, deshalb sage ich lieber, "ich meine" oder "ich empfinde".

Wenns lieber ist kann ich auch deutlicher sagen, dass die Schrift die Erwählungslehre, die Calvin lehrte, nicht lehrt. Oder gibt es einen Vers der aussagt, dass die einen zum Heil und die anderen zur Verdammnis vorher bestimmt sind?
Tut mir leid, an welcher Stelle du hier als arrogant hingestellt wirst oder wurdest, weil du die Lehre der Schrift als Lehre der Schrift ausgibst oder ausgegeben hast – ist mir jetzt nicht bekannt.

Aber so etwas kann vorkommen und eigentlich wird es im eigenen Umfeld oft zu erwarten sein …
Eigene Überzeugungen, die den Fuß in der Schrift haben, sind feste Überzeugungen. Eigentlich müssten diese wegen Menschenmeinungen nicht ins Wanken kommen. Eigentlich schaut man dann auch nicht nach Menschenakzeptanz …

Ich weiß nicht, was du mit dem Satz über Calvin bezweckst – vielleicht wird sein ausführlicheres Büchlein über die Vorherbestimmung neu verlegt, vielleicht auch nicht …
Die Institutio ist schon da, und ich wüsste nicht, dass da keine Bibelverse oder Auslegung bzgl. Erwählung drin wären.
Ob du das teilst oder nicht ist eine andere Frage.
Fakt ist aber, dass sich über Bibelverse und ihre Bedeutung Gedanken gemacht wird – übrigens ähnlich der Bibelverse über das Sühneopfer.

Also dieses "Eindruck-erwecken" als hätte Calvin oder ... sich etwas aus den Fingern gesogen ohne Grundlage im Wort Gottes zu haben, ist etwas was ich schlecht stehen lassen kann. Mag man es teilen oder nicht.

Lutz

PS: Mir ist wohl bewusst, dass es für Calvin oder Spurgeon heute keine Rolle mehr spielt, wie man über sie denkt oder was man mit ihnen heute so macht. Auch für die Existenz der Wahrheit hat das Ganze keine großartige Bedeutung.

Jose
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Spurgeon und die Lehre der begrenzten Sühne

Beitragvon Jose » 28.03.2011 07:57

lutz hat geschrieben:Kannst du überhaupt etwas damit anfangen, wenn ein Spurgeon sagt: die Gegenposition begrenzt die Sühne - nicht er oder seine Position????
Spurgeon lehrte, dass Jesus nur für die Auserwählten am Kreuz starb, wie es aus den Zitaten deutlich wird. Das hatten aber bereits die Puritaner, die vom Calvinismus geprägt waren, vor ihm bereits getan und er hatte es übernommen.

Mir scheint, es war ein Fehler, Aussagen von Spurgeon zu verwenden. Spurgeon hat es wohl meisterhaft verstanden, sich so auszudrücken, dass am Ende seine Anhänger in zwei Lager gespalten wurden und viele gar nicht wissen, wie sie ihn richtig einzuschätzen haben. Das Buch: Spurgeon wie ihn keiner kennt belegt es in trauriger Weise. Wenn so ein Buch über den wohl bekanntesten Prediger nötig war, dann wird daraus deutlich, dass Spurgeon in seine Lehre wohl nicht immer eindeutig war, wohl aber in der Verkündigung des Evangeliums, den er ausnahmslos jeden zurief.

1x editiert und "Puristen" in Puritaner korrigiert. Danke Joschie, für den Hinweis weiter unten. Ja, die Puritaner hatte ich gemeint.

José
Zuletzt geändert von Jose am 28.03.2011 19:09, insgesamt 1-mal geändert.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 28.03.2011 09:25

Samuel hat geschrieben:Wenn ich in diesem Forum sage, dass lehrt die Schrift, werde ich als arrogant hingestellt oder vielleicht als selbernannter Prophet, deshalb sage ich lieber, "ich meine" oder "ich empfinde".
Wenn so was vorgekommen ist, warum sprichst du es nicht gleich an oder informierst einen Mod?Die Art und Weise deiner Schreibweise, hinterlässt bei mir einen sehr schalen Nachgeschmack und das ist ja nicht das erste Mal.Ich habe es dir ja auch persönlich geschrieben, wie du noch sicher weißt.Samuel, ändere deine Art und Weise zu schreiben, sehe dieses als Brüderliche Ermahnung.
Gruß Joschie
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Beitragvon Gast » 28.03.2011 12:46

Ob die Sühne als begrenzt betrachtet wird oder nicht, sie reicht immer für jeden aus, der sie in Anspruch nimmt. Ich betrachte es als einen Riesenirrtum, die Frage an sich zu stellen, ob die Sühne begrenzt ist. Oder wie Salomo sagt, es ist Nichtigkeit der Nichtigkeiten. Spurgeon tat einen Fehler sich auf diese Frage einzulassen. Calvin tat den Fehler die These so auszuformulieren.

Sobald ein Sünder den Namen des Herrn anruft, ist Gott reich für ihn. Und zwar für JEDEN, der es tut. Das Werk Christi ist allumfassend, würde sich die ganze Welt bekehren, würde das Blut Jesu immer noch ausreichend und seine Gnade immer noch überströmend.

Lob unserem Herrn!

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Beitragvon lutz » 28.03.2011 16:44

pit hat geschrieben:Ob die Sühne als begrenzt betrachtet wird oder nicht, sie reicht immer für jeden aus, der sie in Anspruch nimmt. Ich betrachte es als einen Riesenirrtum, die Frage an sich zu stellen, ob die Sühne begrenzt ist. Oder wie Salomo sagt, es ist Nichtigkeit der Nichtigkeiten. Spurgeon tat einen Fehler sich auf diese Frage einzulassen. Calvin tat den Fehler die These so auszuformulieren.
Ich wüsste nicht, wo Calvin oder Spurgeon behaupten würden, dass die Sühne nicht für jeden ausreicht, der zu Gott kommt.

Lutz

lutz
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Beitragvon lutz » 28.03.2011 17:02

Samuel A. hat geschrieben: ... aber ehrlich sehe ich damit nicht ganz den Gott der Bibel, wenn dieser so absolut souverän mit seinen Geschöpfen handelt. Menschen scheinen wie Roboter in diesem Gedankengebäude zu sein.

Nein, so sehe ich Gott in der Bibel nicht. Er ist souverän, er ist allmächtig und trägt alle Dinge durch sein Wort, aber lässt den Menschen auch Raum sich für seinen Sohn zu entscheiden. Jetzt wird mir geantwortet, ja das tut er sehr wohl, aber wenn er einen Menschen durch seinen Geist nicht erweckt, dann wird jede Entscheidung gegen seinen Sohn ausfallen. Jede gute Gabe und jedes vollkommene Geschenk kommt von Gott und wenn ein Mensch zum Glauben an Jesus kommt, war es Gott. Richtig, aber es war auch der Mensch.

Ist Gott es, der den Menschen diesen Glauben ins Herz legt? Sicherlich, doch irgendwie ist es auch der Mensch selbst, der sein Vertrauen auf Jesus, seinem Schöpfer, setzt.
Hier möchte ich auf diese drei Links neben dem: viewtopic.php?t=699 (Was hat Jesus wirklich vollbracht?, biblische Lehrthemen) verweisen:

viewtopic.php?t=1155
(Calvin und die „Lehre von der Prädestination“, biblische Lehrthemen)
viewtopic.php?t=323&postdays=0&postorder=asc&start=15
(Gottes Souveränität vs. Verantwortung des Menschen, reform. gesinnt)
viewtopic.php?t=1193
(Spurgeon, reform. gesinnt)

Der Mensch unterscheidet sich erheblich von einem Roboter, einem Stein, einem Tier …
Er ist mit einer „geschöpflichen Freiheit“ ausgestattet, die aber keine absolute Freiheit ist. Man darf es niemals mit der Freiheit Gottes verwechseln. Der Mensch ist und bleibt an seinen Schöpfer gebunden. Der Schöpfer hat den Menschen so geschaffen und zwar der souveräne Schöpfer. Dabei beschränkt sich Gott nicht oder gibt seine Souveränität auf oder tritt mal hinter das Geschöpf zurück, um mal zu warten …
Wie wirkt nun Gott an oder im Menschen zum Heil?

Dass Gott handeln muss aus unserer Sicht kann angesichts der Diagnose über den Menschen durch die Bibel nicht fraglich sein.
Mit Sicherheit dürfen wir von einem ausgehen: die „geschöpfliche Freiheit“ wird nicht aufgehoben durch das Handeln Gottes, in den Bereichen in denen sie gilt. Ich erinnere daran, dass Adam und Eva keine Freiheit hatten zu entscheiden, ob sie existieren wollen oder nicht. Auch ein Baby hat diese Freiheit nicht.

Die Frage ist eher, wie diese „geschöpfliche Freiheit“ dann aussieht.
Könnte man sagen, sie wäre so wie bei Adam und Eva vor dem Sündenfall?
Dabei müssen wir aber daran denken, dass es nur dieses eine Beispiel in der Schrift gibt und es endete im Sündenfall. Wenn du jetzt nicht davon ausgehst besser als Adam gehandelt zu haben, dann ist diese „Freiheit“ keine Lösung – im Gegenteil. Wir wären wieder zurecht verdammt.

Aber das Thema „Souveränität, Vorherbestimmung, Vorsehung - „geschöpfliche Freiheit“
ist unwahrscheinlich komplex und tiefschichtig.
Du hast denke ich dieses Buch: http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... ottes.html

Und ich denke, dort hast du einen Vorgeschmack bekommen, dass solche Ausführungen nicht gerade in das Reich der kurzweiligen Abendlektüre gehören. Nichtsdestotrotz werden dort Antworten gegeben auf Fragen wie: Wird unsere Freiheit durch die göttliche Allwissenheit nicht geschädigt oder aufgehoben? Ist die Sünde notwendig? Müssen wir sagen: was Gott weiß, das muss geschehen? Gibt es so etwas wie eine Selbstbeschränkung Gottes? …
Um sich aber über diese Ausführungen ein Urteil bilden zu können, muss man sie erst verstehen. Man kann sich aber auch mal ganz subjektiv fragen: Ist dieses komplexe Thema jetzt wirklich für mich dran und genießt oberste Priorität?

Lutz

Gast

Beitragvon Gast » 28.03.2011 17:10

lutz hat geschrieben:
pit hat geschrieben:Ob die Sühne als begrenzt betrachtet wird oder nicht, sie reicht immer für jeden aus, der sie in Anspruch nimmt. Ich betrachte es als einen Riesenirrtum, die Frage an sich zu stellen, ob die Sühne begrenzt ist. Oder wie Salomo sagt, es ist Nichtigkeit der Nichtigkeiten. Spurgeon tat einen Fehler sich auf diese Frage einzulassen. Calvin tat den Fehler die These so auszuformulieren.
Ich wüsste nicht, wo Calvin oder Spurgeon behaupten würden, dass die Sühne nicht für jeden ausreicht, der zu Gott kommt.

Lutz
Das haben sie wohl auch nicht gemacht. Sie behaupteten etwas, was den Grund für die o.g. These legte, nämlich, dass Christus für die die nicht gerettet werden nicht gestorben sei (oder irre ich mich darin?).

Der springende Punkt ist jedoch, dass es von dem Standpunkt unabhängig ist ob die These stimmt oder nicht. Am Ende werden nur die gerettet, die gerettet werden. Alles andere ist von dem Bösen.

Peter

P.S.
"Once again, if it was Christ's intention to save all men, how deplorably has He been disappointed, for we have His own testimony that there is a lake which burneth with fire and brimstone, and into that pit of woe have been cast some of the very persons who, according to the theory of universal redemption, were bought with His blood. That seems to me a conception a thousand times more repulsive than any of those consequences which are said to be associated with the Calvinistic and Christian doctrine of special and particular redemption. To think that my Saviour died for men who were or are in hell, seems a supposition too horrible for me to entertain. To imagine for a moment that He was the Substitute for all the sons of men, and that God, having first punished the Substitute, afterwards punished the sinners themselves, seems to conflict with all my ideas of Divine justice. That Christ should offer an atonement and satisfaction for the sins of all men, and that afterwards some of those very men should be punished for the sins for which Christ had already atoned, appears to me to be the most monstrous iniquity that could ever have been imputed to Saturn, to Janus, to the goddess of the Thugs, or to the most diabolical heathen deities."
Quelle:http://www.spurgeon.org/calvinis.htm

lutz
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Beitragvon lutz » 28.03.2011 17:25

pit hat geschrieben: Das haben sie wohl auch nicht gemacht. Sie behaupteten etwas, was den Grund für die o.g. These legte, nämlich, dass Christus für die die nicht gerettet werden nicht gestorben sei (oder irre ich mich darin?).
Nein, da irrst du dich nicht.
Nur hier ging es um „begrenzte Sühne“ in Kopplung an eine Ausführung Spurgeons, die von der Wirksamkeit (also vom „was ist vollbracht?“, „was ist erwirkt?“) spricht.
Diese Wirksamkeit ist nicht begrenzt. Oder anders: die Wirkung erstreckt sich über alle Sünden. Die Wirkung ist völlig ausreichend. Die Wirkung wird nicht beschränkt oder begrenzt im Sinne von: ein Teil jetzt, der Rest liegt brach und verfällt für die, die nicht kommen oder so … oder ist gar nicht wirksam bis ...
Der springende Punkt ist jedoch, dass es von dem Standpunkt unabhängig ist ob die These stimmt oder nicht. Am Ende werden nur die gerettet, die gerettet werden. Alles andere ist von dem Bösen.
„Am Ende werden nur die gerettet, die gerettet werden.“ Amen.

Lutz

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Beitragvon Joschie » 28.03.2011 17:38

Pit hat geschrieben:P.S.

"Once again, if it was Christ's intention to save all men, how deplorably has He been disappointed, for we have His own testimony that there is a lake which burneth with fire and brimstone, and into that pit of woe have been cast some of the very persons who, according to the theory of universal redemption, were bought with His blood. That seems to me a conception a thousand times more repulsive than any of those consequences which are said to be associated with the Calvinistic and Christian doctrine of special and particular redemption. To think that my Saviour died for men who were or are in hell, seems a supposition too horrible for me to entertain. To imagine for a moment that He was the Substitute for all the sons of men, and that God, having first punished the Substitute, afterwards punished the sinners themselves, seems to conflict with all my ideas of Divine justice. That Christ should offer an atonement and satisfaction for the sins of all men, and that afterwards some of those very men should be punished for the sins for which Christ had already atoned, appears to me to be the most monstrous iniquity that could ever have been imputed to Saturn, to Janus, to the goddess of the Thugs, or to the most diabolical heathen deities."
Gibt es auch dazu auch eine deutsche Übersetzung ??!
Joschie
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Beitragvon Gast » 28.03.2011 18:28

Joschie hat geschrieben: Gibt es auch dazu auch eine deutsche Übersetzung ??!
Joschie
Ich weiss es nicht Joschie, den Text habe ich selbst mit Hilfe von Google Übersetzer gelesen, es ist ausreichend, um den Sinn nachzuvollziehen, wenn man aber dazu etwas englisch kann, dann kann man schon den Text recht gut verstehen.

Spurgeon schreibt da im Wesentlichen, dass er die Annahme, das die Menchen, für die Christus gestorben ist in der Hölle umkommen würden schrecklich finde. Darum könne Christus für die die nicht errettet werden gestorben sein und ihre Schuld getragen haben.

Gruß
Peter

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Beitragvon Joschie » 28.03.2011 18:43

Jose hat geschrieben:Spurgeon lehrte, dass Jesus nur für die Auserwählten am Kreuz starb, wie es aus den Zitaten deutlich wird. Das hatten aber bereits andere "Puristen", die vom Calvinismus geprägt waren, vor ihm bereits getan und er hatte es übernommen.

Mir scheint, es war ein Fehler, Aussagen von Spurgeon zu verwenden. Spurgeon hat es wohl meisterhaft verstanden, sich so auszudrücken, dass am Ende seine Anhänger in zwei Lager gespalten wurden und viele gar nicht wissen, wie sie ihn richtig einzuschätzen haben. Das Buch: Spurgeon wie ihn keiner kennt belegt es in trauriger Weise. Wenn so ein Buch über den wohl bekanntesten Prediger nötig war, dann wird daraus deutlich, dass Spurgeon in seine Lehre wohl nicht immer eindeutig war, wohl aber in der Verkündigung des Evangeliums, den er ausnahmslos jeden zurief.
Jose, ich vermute, du meinst die Puritaner und nicht die Puristen, denn diese sind etwas gänzlich anderes. Spurgeon wurde besonders von zwei Seiten angegriffen. Die eine Seite waren die Hypercalvinisten, die anderen, die Arminianer. In seinem Leben gab es drei große Kontroversen, bei der ersten ging es um das verwässerte Evangelium, die zweite war die Kontoverse über die Taufwiedergeburt und die dritte war die Down-Grade-Kontroverse. Spurgeon war in seiner Lehre immer eindeutig auch ein Mann der klaren Worte. Das er als junger Mann einige Dinge anders sah, wie im Alter, ist für mich nicht verwerflich. Da ja wohl jeder Christ im Laufe seines Glaubenslebens, Veränderungen durchmacht. Das er am Ende seines Lebens, sehr allein war, ist nicht darauf zurück zu führen, sondern gerade auf die Geradlinigkeit bei der Down-Grade-Kontroverse. Da er nicht die Entwicklung bei dem Baptistischen Bund mittragen konnte, verließ er diesen, woran man auch gut festmachen kann, wo Spurgeon lehrmäßig stand war, das er in seinem ganzen Leben das Baptistische Glaubensbekenntnis als eine hervorragende Zusammenstellung von Lehren bezeichnete. Das herrausnehmen von einzelnen Zitaten, ist vielleicht deswegen auch etwas sehr schwierig, weil Spurgeon eine sehr umfangreiche Menge an Schriften uns hinterlassen hat und im Gegensatz zu Calvin keine direkte Abhandlung über Lehrfragen vorhanden ist.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Jesus ist für alle gestorben!

Beitragvon Jose » 28.03.2011 19:02

lutz hat geschrieben:Ich wüsste nicht, wo Calvin oder Spurgeon behaupten würden, dass die Sühne nicht für jeden ausreicht, der zu Gott kommt.
Schade nur, dass nach der Prädestinationslehre nur die zu Gott kommen dürfen, welche Gott auch kommen lässt. Da dürfte es logisch sein, dass genug Gnade da sein muss für alle Auserwählten. Ich möchte nicht in den Bahnen der Prädestinationslehre, wie sie von Calvin vertreten wurde, denken. Nein, Jesus ist nicht nur für die Auserwählten gestorben.

"Siehe, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt wegnimmt!" Joh 1,29. Ja, die Sünde der ganzen Welt hat Jesus am Kreuz getragen. "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat" Joh 3,16. Für die ganze Welt starb Jesus am Kreuz. Wenn wir dann den weiteren Vers lesen: "Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde" Vers 17, so wird uns klar, dass Gott niemand zur Verdammnis bestimmt hat.

Als Jesu Blut am Kreuz floss und Er am Kreuz starb, da tat sich eine Quelle der Gnade auf, die für jeden reicht. Für viele fließt sie leider vergeblich, aber sie fließt auch für sie. Gott bietet seine Vergebung allen an, denen die kommen und denen, die nicht kommen. Irgendwann ist aber die Gnadenzeit zu Ende. Wenn der Mensch vor Gott erscheinen wird, im Gericht, wird er keine Ausrede haben, warum er nicht geglaubt hat. So wie Abraham zu dem unseligen Mann im Hades sprach: "Sie haben Mose und die Propheten. Mögen sie die hören!" Lk 16,29. Ach, mögen die Menschen hören und glauben. Das ist ihre Verantwortung.

José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

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Re: Jesus ist für alle gestorben!

Beitragvon lutz » 28.03.2011 19:08

Jose hat geschrieben:
Schade nur, dass nach der Prädestinationslehre nur die zu Gott kommen dürfen, welche Gott auch kommen lässt.
Damit können wir uns ja noch einmal extra beschäftigen. So wie es dasteht und so wie ich dich diesbezüglich die langen Monate bisher verstanden habe - ist es einfach falsch - mehr nicht!

Lutz

Gast

Beitragvon Gast » 28.03.2011 19:43

Es ist wirklich nicht das Evangelium, wenn wir sagen, Jesus starb nur für die Auserwählten. Gott lässt den Menschen freiwillig zu ihm kommen. Echte Liebe ist, wenn sie freiwillig geschieht. Kann es Liebe sein, wenn wir vom anderen dazu getrieben werden zu lieben? Ich bin Gott dankbar, dass die meisten Calvinisten wie Mac-Arthur und Piper verstanden haben, dass im bekannten Kurzevangeliumsvers joh 3,16 "So sehr hat Gott die Welt geliebt" mit Welt nicht die Auserwählten gemeint sind, sondern die ganze Menschheit.
Und die Menschen werden eines Tages deshalb gerichtet, weil sie auf diese Liebe nicht geantwortet haben im Glauben. Nicht weil Jesus nicht für sie starb, sondern weil sie diese große Gnade und Liebe verschmäht haben.

Gast

Beitragvon Gast » 28.03.2011 20:20

Die meisten oder zumindet einige Calvinisten würden diesen Kommentar in der ESV -Studybible zu 1 Joh 2,2 als arminianisch einstufen, oder?

"He is the propitiation for our sins, and not for ours only but also for the sins of the whole world."

1 John 2:2 Propitiation (Gk. hilasmos) here means “a sacrifice that bears God's wrath and turns it to favor,” and that is also the meaning of the English word “propitiation.” (See note on Rom. 3:25.) As the perfect sacrifice for sin, Jesus turns away God's wrath (see also 1 John 4:10). For the sins of the whole world does not mean that every person will be saved, for John is clear that forgiveness of sins comes only to those who repent and believe the gospel (see 2:4, 23; 3:10; 5:12; cf. John 3:18; 5:24). But Jesus' sacrifice is offered and made available to everyone in “the whole world,” not just to John and his current readers.


Ich übersetze mal:
1 joh 2,2: Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt.

1 Johannes 2,2 Sühnung (Gr. hilasmos) hier bedeutet ein Opfer das Gottes Zorn auf sich nimmt und es zum Gefallen umwandelt, und dies ist auch die Bedeutung des englischen Wortes Versöhnung o. Sühnung. (Schau Notiz bei Röm 3,25). Als das vollkommene Opfer für Sünde, wandte Jesus den Zorn Gottes ab (sehe auch 1.Joh 4,10). Für die Sünden der ganzen Menschheit bedeutet nicht, dass jede Person gerettet wird, da Johannes klar macht, dass Vergebung der Sünden nur zu denen gelangt, die Buße tun und dem Evangelium glauben (schau 2:4, 23; 3:10; 5:12; cf. Johannes 3:18; 5:24). Aber das Opfer von Jesus wird angeboten und für jeden möglich gemacht, nicht nur für Johannes und seine gegenwärtigen Leser.

Vielleicht habe ich nicht alles perfekt übersetzt, aber verständlich ist es schon, was diese reformierten Theologen dort kommentiert haben. Jesu Tod machte Erlösung möglich! Oh, ein Anstoß für manch Calvinisten, der doch immer nur darauf besteht, Jesu Tod machte nicht möglich, sondern brachte die vollkommen Erlösung für alle Erwählten.

Das kostbare Blut Jesu ist absolut wirksam, doch so lange es ein Mensch nicht in Anspruch nimmt, ist es nicht wirksam, sondern nur möglich.

Wird jedes Schaf, jeder Auserwählte, werden all die, die Gott die Seinen nennt, dieses Blut wirksam werden lassen? Sicherlich, denn die Schrift verheißt es ja.

Erlösung ist vollbracht auf Golgatha und andererseits doch auch für jeden jetzt in dieser Zeit noch möglich. Heute wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht, heißt es jeden Tag bis der Herr wiederkommt oder ihr nicht mehr auf dieser Erde sein werdet.


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