Was hat die Auferstehung Jesu bewirkt?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Gast

Was hat die Auferstehung Jesu bewirkt?

Beitragvon Gast » 26.03.2011 22:43

Es wurde ja schon sehr oft in diesem Forum auf den Kreuzestod Christi und seine Auswirkungen hingewiesen. Zu der Frage "Starb Jesus nur für die Erwählten oder starb er für alle Menschen?" wurde schon ausführlich diskutiert und es wird wahrscheinlich auch noch genügend diskutiert werden. Ich denke bis unser geliebter Herr und Heiland wiederkommt wird sein Opfer das zentrale Thema sein, mit dem sich sein bekennendes Volk am meisten beschäftigen wird und ohne die Spaltungen ist das auch gut so. Denn heilsam ist es seine Sünden am Kreuz zu sehen.


Stuart Townend: See what a morning
http://www.youtube.com/watch?v=6xM-fpXa ... grec_index

Eng mit seinem Tod ist aber auch seine Auferstehung verbunden. Man kann das Evangelium von dem gekreuzigten Jesus eigentlich gar nicht von seiner Auferstehung trennen. Doch in der Auferstehung Jesu sehen wir noch einmal klar und deutlich das Ziel des Todes Jesu und die Frage beantwortet, warum Jesus eigentlich starb: Leben

Jesus selbst sprach von sich, dass er die Auferstehung und das Leben ist (Joh 11,25) und mit seiner Auferstehung brachte er Leben für andere.
So werden die Toten auferstehen, und zwar zur Auferstehung des Lebens, welche das Gute getan haben und die das Böse verübt haben, zur Auferstehung des Gerichts (Joh 5,29)

Wer sind die, die das Gute getan haben? Es sind die, die ihr Vertrauen in den auferstandenen Erlöser gesetzt haben.

Genau wie damals schon Menschen über die Auferstehung der Toten spotteten (Apg 17,32) gibt es auch heutzutage Menschen, die nicht glauben können, dass es ein Leben nach dem Tod gibt und die Seelen weiterexistieren werden.

Die Sadduzäer konnten nicht glauben an die Engel und die Auferstehung und so sie wurden sie von Jesus mit ihrer Gelehrsamkeit durch eine meisterhafte Auslegung aus dem Pentateuch ein wenig vor den Menschen vorgeführt. (Mt 22,23-31)

Paulus nutzte die Irrlehren der Sadduzäer, um sich die Gunst der Pharisäer zu ergattern und kam so aus dem ihm ungerechtfertigt gemachten Prozess heraus. (Apg 23,6)

Die Auferstehung war klar in Paulus Predigt des Evangeliums verbunden. Mich wunderts schon ein wenig, dass wir diese wunderbare Wahrheit eigentlich viel zu selten in unseren Verkündigungen hören. Die Christen fingen an sich am Sonntag, dem Auferstehungstag des Herrn, zu versammeln.
Der Sonntag ist nicht der Sabbat der Christen. Wir können den Sonntag nicht mit dem Sabbat gleichsetzen. Wenn die meisten Christen sich heutzutage sonntags zum Gottesdienst versammeln, liegt dass nicht daran, dass die Christen einfach einen anderen Tag als Sabbat haben wollten als den Samstag, sondern weil an diesem Tag Jesus auferstanden ist. Verharren wir im Glauben an den gekreuztigen und auferstandenen Jesus, haben wir unseren Sabbat (Hebr 4) und wir bleiben im Frieden mit Gott.

Aber noch einmal die Frage was bedeutet die Auferstehung Jesu alles? Sie bedeutet ewiges Leben für all die wahren gläubigen Gotteskinder (Röm 8,11). Sie bedeutet Sieg über Tod und Verwesung! Wo ist, o Tod, dein Sieg? Wo ist, o Tod, dein Stachel? Verschlungen ist der Tod in Sieg (1 Kor 15,55,54).

Die Auferstehung Jesu bedeutet auch Rechtfertigung oder Gerechtigkeit für all die Gläubigen. Seine Gerechtigkeit wird uns durch seine Auferstehung zuteil (Röm 4,25)

Interessant ist auch was Paulus dem Timotheus empfiehlt. Wen soll Timotheus im Gedächtnis behalten? Den gekreuzigten Jesus? Nein, den auferweckten Jesus Christus! (2. Tim 2,8)

Warum leben Christen für Christus? Natürlich weil er seine Liebe durch seinen Tod ihnen bewiesen hat, aber auch weil er für sie auferstand.
"Und er ist für alle gestorben, damit die, die leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist."
(2. Kor. 5, 15)

Niemand konnte Jesus das Leben nehmen, er ließ es von sich aus und er hatte die Gewalt vom Vater übertragen bekommen, es auch wieder selbst zu nehmen (Joh 10,18). Er selbst hat Leben in sich (Joh 5,26) und stand aus eigener Kraft von den Toten wieder auf und doch lesen wir immer wieder, dass er von Gott, dem Vater, auferweckt wurde (Apg 2,24, Apg 10,40 uvm.). Auch der Geist Gottes ist bei seiner Auferstehung beteiligt gewesen (Röm 8,11). Heilige Dreieinheit in vollkommener Übereinstimmung in herrlicher Macht.

Was bedeutet die Auferstehung Jesu noch? Sie ist ein Beweis, dass Gott das Gericht seinem Sohn, dem Messias Jesus, übergeben hat. Wenn er nicht auferweckt worden wäre, gebe es keinen Grund diesen Mann zu fürchten, doch da er auferweckt wurde, wird ein Tag kommen an dem der ganze Erdkreis vor diesem Mann Rechenschaft abzulegen hat (Apg 17,31)

Wenn auch die Bibelstellen betreffs des Kreuzestodes Jesu eine universelle mögliche Sühnung gestatten, so ist es hingegen bei der Lehre über die Auferstehung Jesu sehr deutlich, dass diese nur für Gläubige zum Vorteil ist.
Gibt es Diskussionsbedarf?
Gruß und Segen
Samuel

Jose
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Re: Was hat die Auferstehung Jesu bewirkt?

Beitragvon Jose » 26.03.2011 22:58

Samuel A. hat geschrieben:Wenn auch die Bibelstellen betreffs des Kreuzestodes Jesu eine universelle mögliche Sühnung gestatten, so ist es hingegen bei der Lehre über die Auferstehung Jesu sehr deutlich, dass diese nur für Gläubige zum Vorteil ist.


Alles, was Jesus den Gläubigen erworben hat, ist nur für dem Gläubigen von Vorteil. Alles andere, selbst die größten Segnungen, werden dem Menschen zum Gericht, wenn er sich dadurch nicht zur Buße leiten lässt.

Ich konnte deinen Gedankengang noch nicht nachvollziehen. Wäre Jesus nicht auferstanden, wäre das Erlösungswerk nicht vollbracht, wir wären noch in unseren Sünden, d.h. es wäre keine wirkliche Sühne geschehen. Wir können nicht trennen, Kreuzestod und Auferstehung gehören zum Erlösungswerk.

José

Gast

Beitragvon Gast » 26.03.2011 23:29

Mein Gedanke ist folgender. Obwohl ich sagen kann: Weil Jesus (o wie kostbar ist dein Name mein Geliebter) für diese Welt o. Menschheit starb kann ich deswegen verkündigen, dass er auch für dich starb. In einem gewissen Sinne kann ich jedem Menschen Hoffnung machen, dass Jesus für ihn starb und das ihm vergeben ist. Natürlich ist der Glaube notwendig, doch bereits bevor er zum Glauben kommt, wurden ihm seine Sünden vergeben, nämlich als Jesus am Kreuz starb.

Doch im Gegensatz dazu, kann ich nur dem Gläubigen verkündigen, dass Jesus nicht nur für ihn starb, sondern dass durch seine Auferstehung ihm auch das ewige Leben sicher ist. Das kann ich einem Ungläubigen nicht versichern.

Muss jetzt nicht richtig sein, was ich denke. Also ist kein "So spricht der Herr", sondern eher ein Tasten im Dunkeln nach dem Lichtschalter, ein Suchen nach der Wahrheit, weil mir die Lehre von der begrenzten Sühne nicht sehr biblisch erscheint.

Gast

Beitragvon Gast » 27.03.2011 12:38

Lieber Samuel,

deine Beiträge habe ich sehr genossen. Lob dem Herrn für seine Auferstehung.

Der Tod war für die Erlösung von allem Negativen. Jedoch erst die Auferstehung hat es möglich gemach, dass Jesus zum lebengebenden Gesit wurde und nun seinen Tod UND die Auferstehung auf die gemeinen Menschen anwenden kann.

Was wäre der Tod und die Sühnung Jesu ohne die Auferstehung? Die Sühne wäre vollbracht, aber unwirksam für uns. Sie wäre wie ein Bankcheck eingezahlt auf einem Konto, zu dem kein Mensch ein Zugang hat. Aber die Auferstehung ermöglichte, dass Gott sein Leben in die Menschen austeilen kann! Und nicht nur das, sie ermöglichte, dass Gott alle seine Prozesse, wie Menschwerdung, den erlösenden Tod, die herrliche Auferstehung und die Auffahrt durch den Heiligen Geist in einen Menschen hineinbringt.

(Kol 3:1 [Elb])
Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so suchet, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes.

(Eph 2:6 [Elb])
und hat uns mitauferweckt und mitsitzen lassen in den himmlischen Örtern in Christo Jesu,
,

Wenn Christus nicht auferstanden wäre, wären wir auch nicht auerstanden. Oh, Herr wie herrlich ist deine Auferstehung!

Jose
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Ist durch die Auferstehung das ewige Leben sicher?

Beitragvon Jose » 27.03.2011 15:03

Samuel A. hat geschrieben:In einem gewissen Sinne kann ich jedem Menschen Hoffnung machen, dass Jesus für ihn starb und das ihm vergeben ist. Natürlich ist der Glaube notwendig, doch bereits bevor er zum Glauben kommt, wurden ihm seine Sünden vergeben, nämlich als Jesus am Kreuz starb.

Doch im Gegensatz dazu, kann ich nur dem Gläubigen verkündigen, dass Jesus nicht nur für ihn starb, sondern dass durch seine Auferstehung ihm auch das ewige Leben sicher ist. Das kann ich einem Ungläubigen nicht versichern.


Lieber Samuel, ich habe den Eindruck, du suchst aus einer engen Sackgasse einen Ausweg, ohne richtig umdrehen zu können oder zu wollen. Wir können allen Menschen verkündigen, dass Jesus "unserer Übertretungen wegen dahingegeben und unserer Rechtfertigung wegen auferweckt worden ist" Röm 4,25. Das ist das Evangelium. Jedoch hat der Ungläubige weder von Jesu Tod am Kreuz etwas noch von Seiner Auferstehung, wenn er ungläubig bleibt. Nur "wenn wir verwachsen sind mit der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch mit der seiner Auferstehung sein" Röm 6,5.

Wie kommst du eigentlich zu der Schlussfolgerung, dass durch Jesu Auferstehung dem Gläubigen das ewige Leben "sicher" ist? Ist das dein Kernanliegen, zu sagen, dass weil Jesus auferstanden ist die Gläubigen nicht mehr verloren gehen können? Die Verlierbarkeit des Heils ist ein Thema für sich und ein sehr umstrittenes. Erst heute habe ich das Wort gelesen: "Denn ich eifere um euch mit Gottes Eifer; denn ich habe euch einem Mann verlobt, um euch als eine keusche Jungfrau vor den Christus hinzustellen" 2. Kor 11,2. Diese Worte schrieb Paulus an die Gläubigen in Korinth und er fährt dann fort: "Ich fürchte aber, dass, wie die Schlange Eva durch ihre List verführte, so vielleicht euer Sinn von der Einfalt und Lauterkeit Christus gegenüber abgewandt und verdorben wird" Vers 3. Es gab schon damals viel Verführung, und so ermahnt Paulus: "Denn wenn der, welcher kommt, einen anderen Jesus predigt, den wir nicht gepredigt haben, oder ihr einen anderen Geist empfangt, den ihr nicht empfangen habt, oder ein anderes Evangelium, das ihr nicht angenommen habt, so ertragt ihr das recht gut" Vers 4. War es je anders, muss nicht jeder darauf achten, in der rechten Nachfolge zu stehen? Paulus hatte sich nicht unnötigerweise gesorgt.


José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

Gast

Beitragvon Gast » 27.03.2011 18:36

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus, da wir noch Sünder waren, für uns gestorben ist.
(Rö. 5, 8)

Einer meiner Probleme ist dies, dass wenn Jesus nur für die Erwählten starb und ihre Sünden sühnte und nicht für die ganze Menschheit, dass das einen Menschen dazu bringt, dass er die von Gott erwiesene Liebe eigentlich nicht mehr durch die Menschwerdung und das vollbrachte, stellvertretende Werk auf Golgatha ausmacht, sondern durch das was er selbst leistet. Er möchte sich seiner Erwählung bewusst werden, weil er weiß, dass nicht jeder der an Jesus glaubt, auch wiedergeboren ist. Erwählte müssen sich ganz besonders verhalten, sie müssen so sein wie Jesus. Es stimmt dass eine Wiedergeburt einen Menschen dazu befähigt in Gottes Wegen zu wandeln, doch mit vielerlei Straucheln und immer unvollkommen. Letztendlich folgt durch die Aussage, dass wenn Jesus nur für die Erwählten starb, dass er nur für die Gerechten starb. Aber er ist für Gottlose und Sünder gestorben und nur aus diesem Bewusstsein heraus, dass Gott trotz unserer Widerwärtigkeiten uns liebt, kann auch wahre Liebe entspringen.

Vielleicht wäre es besser zu sagen, Jesus starb für jeden der an ihn glaubt, als zu sagen Jesus starb für die Erwählten. Dann hätte ich weniger Probleme mit TULIP.

Das ein wiedergeborener Christ sein Heil und das ewige Leben nicht verlieren kann, sollte durch viele Bibelstellen klar sein, vor allem dem Johannesevangelium.
Das Gläubige durch Paulus gewarnt werden in ihrem Glauben zu verharren, sehe ich sehr richtig, da Paulus nicht weiß wer wiedergeboren ist. Er geht davon aus, wenn er z.B . den Korintherbrief schreibt, dass er zu Gläubigen schreibt, die wirklich durch den Geist wiedergeboren sind. Doch da er nicht gänzlich ausschließen kann, dass in der Gemeinde eventuell auch nicht Wiedergeborene sind, muss er mahnen und zu standhaften Ausharren aufrufen und auch zu Selbstprüfung (2.Kor 13,5), da die Ausschweifungen in dieser Gemeinde ja teilweise ziemlich krass waren und man schon seine Zweifel bekommen kann, ob die alle da wiedergeboren waren.


Jose schrieb:
Wie kommst du eigentlich zu der Schlussfolgerung, dass durch Jesu Auferstehung dem Gläubigen das ewige Leben "sicher" ist? Ist das dein Kernanliegen, zu sagen, dass weil Jesus auferstanden ist die Gläubigen nicht mehr verloren gehen können?


Ja, dem wahren Gläubigen ist durch die Auferstehung Jesu Christi, das ewige Leben sicher ist. Jetzt müsste ich halt nur wieder ergänzen, was ein wahrer Christ ist, nämlich ein wiedergeborener Christ.

Das Kapitel 15 im 1. Korintherbrief ist da ziemlich eindeutig, wie die Auferstehung Jesu in Bezug zur Auferstehung der Gläubigen zu sehen ist.

"Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen;
denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.
Denn wie in dem Adam alle sterben, so werden auch in dem Christus alle lebendig gemacht werden.
Jeder aber in seiner eigenen Ordnung: der Erstling, Christus; dann die, die des Christus sind bei seiner Ankunft"
(1. Kor. 15, 20-23)

Gruß und Segen
Samuel

lutz
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Beitragvon lutz » 27.03.2011 19:05

Samuel A. hat geschrieben:
Einer meiner Probleme ist dies, dass wenn Jesus nur für die Erwählten starb und ihre Sünden sühnte und nicht für die ganze Menschheit, dass das einen Menschen dazu bringt, dass er die von Gott erwiesene Liebe eigentlich nicht mehr durch die Menschwerdung und das vollbrachte, stellvertretende Werk auf Golgatha ausmacht, sondern durch das was er selbst leistet. Er möchte sich seiner Erwählung bewusst werden, weil er weiß, dass nicht jeder der an Jesus glaubt, auch wiedergeboren ist. Erwählte müssen sich ganz besonders verhalten, sie müssen so sein wie Jesus. Es stimmt dass eine Wiedergeburt einen Menschen dazu befähigt in Gottes Wegen zu wandeln, doch mit vielerlei Straucheln und immer unvollkommen. Letztendlich folgt durch die Aussage, dass wenn Jesus nur für die Erwählten starb, dass er nur für die Gerechten starb. Aber er ist für Gottlose und Sünder gestorben und nur aus diesem Bewusstsein heraus, dass Gott trotz unserer Widerwärtigkeiten uns liebt, kann auch wahre Liebe entspringen.


Nein, das stimmt nicht, Samuel. Es kann sein, dass du in der Weise schlussfolgerst – aber diese Beschreibungen gehen am Eigentlichen völlig vorbei.
Die Lehre für sich genommen, die dir offenbar Schwierigkeiten macht, bietet keinen Anlass zu solcher Denkweise.

Es ist aber dennoch gar nicht so selten, dass man auf solche Gedankengänge (wie du dargestellt hast) trifft.

Sie fußen aber nicht auf einem richtigen Verständnis der eigentlichen Lehre und weil auch hier im Forum dazu schon Einiges geschrieben wurde, möchte ich mir für diesen Teil tatsächlich auch noch einmal Zeit nehmen.

Nur heute wird das nichts mehr.

Lutz

lutz
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Beitragvon lutz » 28.03.2011 16:47

Samuel A. hat geschrieben:Einer meiner Probleme ist dies, dass wenn Jesus nur für die Erwählten starb und ihre Sünden sühnte und nicht für die ganze Menschheit, dass das einen Menschen dazu bringt, dass er die von Gott erwiesene Liebe eigentlich nicht mehr durch die Menschwerdung und das vollbrachte, stellvertretende Werk auf Golgatha ausmacht, sondern durch das was er selbst leistet. Er möchte sich seiner Erwählung bewusst werden, weil er weiß, dass nicht jeder der an Jesus glaubt, auch wiedergeboren ist. Erwählte müssen sich ganz besonders verhalten, sie müssen so sein wie Jesus. Es stimmt dass eine Wiedergeburt einen Menschen dazu befähigt in Gottes Wegen zu wandeln, doch mit vielerlei Straucheln und immer unvollkommen. Letztendlich folgt durch die Aussage, dass wenn Jesus nur für die Erwählten starb, dass er nur für die Gerechten starb. Aber er ist für Gottlose und Sünder gestorben und nur aus diesem Bewusstsein heraus, dass Gott trotz unserer Widerwärtigkeiten uns liebt, kann auch wahre Liebe entspringen.


Hier zitiere ich mal zwei Passagen aus Johannes Calvin, Von der ewigen Vorherbestimmung Gottes, Düsseldorf 1998. Das Ganze beschäftigt sich mit vielen Vorwürfen, die dieser Lehre damals gemacht wurden.

„Calvin an den Leser: Keine Spekulation, sondern Glaubensgewissheit aus der Prädestination.
Von unserer Ansicht ist die Institutio ein hinreichend ausführlicher Zeuge, so dass ich nichts mehr hinzufüge. Vor allem bitte ich die Leser, dass sie sich ins Gedächtnis zurückrufen, was ich dort bemerkt habe, dass dies nicht, wie einige fälschlich glauben, eine spitzfindige und dunkle Spekulation, die ohne Nutzen den Geist ermüdet, sondern eine gründliche und zu Nutzen der Frömmigkeit besonders geeignete Untersuchung ist, eine Untersuchung freilich, die den Glauben recht erbaut, uns zur Demut erzieht und zur Bewunderung der unermesslichen Güte Gottes gegen uns erhebt und uns anregt, sie zu preisen. Es ist nichts geeigneter, den Glauben zu erbauen, als wenn wir hören, dass diese Erwählung, die der Geist Gottes unseren Herzen besiegelt, in einem ewigen und unwandelbaren Ratschluss Gottes (vgl. Eph. 1, 5) bestehe, so dass sie keinen Stürmen der Welt, keinen Angriffen des Satans, keinem Wanken des Fleisches unterworfen ist.
Denn dann ist uns unser Heil erst gewiss, wenn wir ihren Grund im Herzen Gottes finden. Denn so erfassen wir das durch Christus geoffenbarte Leben im Glauben, dass wir durch Anleitung eben dieses Glaubens von weither sehen können, aus welcher Quelle dies Leben hervorgegangen ist. In Christus ist unser Vertrauen auf das Heil gegründet und es beruht auf den Verheißungen des Evangeliums. Dies ist aber eine sehr feste Stütze, wenn wir nun hören, dass es uns von Gott gegeben ist, dass wir an Christum glauben, weil wir vor Beginn der Welt (vgl. Eph. 1, 4) sowohl zum Glauben verordnet, als zur Erbschaft des himmlischen Lebens erwählt waren. Von hier her begründet sich jene unerschütterliche Sicherheit, dass der Vater, der uns seinem Sohne zum Eigentum gab und der mächtiger als alle ist, uns nicht aus seiner Hand reißen lassen wird (Joh. 10, 28).“

„Er zitiert die Stelle des Jesaja (56, 3): „Es sage nicht der Sohn der Fremden“: Ich bin verworfen.
Dass man dies nicht von den Verworfenen verstehen könne, nimmt er für zugestanden an. Dass aber die Auserwählten Kinder der Fremden genannt werden, hält er für ungereimt. Ich antworte: Es ist nicht ungewöhnlich, dass diejenigen, welche vor Erschaffung der Welt auserwählt waren, doch zu den Fremden gerechnet werden, bis sie durch den Glauben zu den Kindern Gottes gesellt werden. Es sind Worte des Petrus, die er aus dem Propheten (Hos. 2, 23) entnimmt: „Die ihr früher nicht ein Volk wart, ihr seid nun ein Volk Gottes“ (1. Petr. 2, 10). Zu wem spricht er? Zu denen, von denen er zu Anfang bezeugt hatte, sie seien nach dem Vorherwissen Gottes des Vaters erwählt (1. Petr. 1, 1). Noch deutlicher sagt es Paulus im Briefe an die Epheser. Denn nachdem er von der ewigen Erwählung derselben gesprochen hat (Eph. 1, 4 ff.), sagt er, sie wären aus dem Reiche Gottes verbannt gewesen, fremd den Verheißungen, ohne Gott und ohne Hoffnung auf das Leben (Eph. 2, 12). Und wundern wir uns, wenn Jesaja predigt, der Tempel Gottes werde aus unheiligen Steinen erbaut, und es werde eine neue Weihe stattfinden (Jes. 56, 6)? Denn während in dem Herzen Gottes die Berufung der Heiden verborgen war, was erschien in ihnen anders als verdammte Unreinheit? Es waren zwar Schafe Gottes, welche endlich in den Leib Christi aufgenommen sind, wie er selbst bezeugt, aber Schafe, die vor der Türe ausgeschlossen waren und umherirrten (Joh. 10, 16). Unterdessen kannte sie doch der Hirt, obgleich sie sich untereinander nicht kannten, nach jener Vorherbestimmung, durch die er die Seinen vor Grundlegung der Welt erwählte, wie Augustin sehr gut sagt.“ (S. 98)


Wenn wir über Erwählungslehre reden, dann reden wir über die Frage: Wo kommt das Heil eigentlich her? Diese redet nicht darüber, wie man das Heil in der Zeit empfängt.
Aber irgendwie wird das laufend miteinander vermischt. Die Frage: Bin ich wiedergeboren oder nicht?, die Frage: Habe ich den lebendigen Glauben oder nur einen toten? - kann man nicht über die Erwählungslehre abklären. Dieser Lehre kann man einen solchen Vorwurf nicht machen, weil sie das gar nicht behandelt.
Hier würde ich eher nach dem richtigen Verständnis des Jakobusbriefes suchen – als mit der Erwählungslehre zu arbeiten.

Dein Problem taucht z. B. so ähnlich hier (Forenteil: reform. gesinnt) auf:
http://bifo.de/viewtopic.php?t=1148
(Was ist am Calvinismus besonders?)
Seite 2: Beitrag vom 14. 6. 2010, 17:42 Uhr
Seite 4: Beitrag vom 21. 6. 2010, 16:00 Uhr
http://bifo.de/viewtopic.php?t=1190
(Erfolg – Zeichen der Erwählung?)
http://bifo.de/viewtopic.php?t=1135
(Calvin und die Gewissheit der Erwählung)

Aber auch in diesem Forenteil findet man das Thema:
http://bifo.de/viewtopic.php?t=1155
(Calvin und „Die Lehre von der Prädestination“)

Lutz

Jose
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Registriert: 29.05.2010 19:23

Durch Sein Leben gerettet

Beitragvon Jose » 28.03.2011 18:03

Als ich heute morgen in einer Andacht das Wort las: "Denn wenn wir, als wir Feinde waren, mit Gott versöhnt wurden durch den Tod seines Sohnes, so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden" Röm 5,10, fiel mir die Frage dieses Themas ein: "Was hat die Auferstehung Jesu bewirkt?"

Mir fiel auf, dass in Römer 5,10 so klar ausgesagt wird, dass durch Jesu Tod wir mit Gott versöhnt wurden, aber erst durch sein Leben gerettet werden. Das bedeutet doch, wäre Jesus nicht auferstanden, hätte Sein Tod uns auch nichts genützt. Wenn Paulus hier schreibt: "so werden wir viel mehr, da wir versöhnt sind, durch sein Leben gerettet werden", so ist das doch ein riesiger Zuspruch an alle, die das Heil angenommen haben, nicht daran zu zweifeln, auch gerettet zu sein.

Wenn wir aber über Jesu Tod und Auferstehung uns austauschen, stehen die Themen Erwählungslehre (Jesus starb nicht für alle) oder Ausharren (ein Gläubiger kann nicht verloren gehen), überhaupt nicht an. Es braucht uns überhaupt nicht zu belasten, es sei denn, wir vertrauen Gott nicht. Ich weiß, dass ich gerettet bin, weil Gott es in Seinem Wort so sagt und ich Sein Kind bin. Mehr brauche ich nicht.

Ich kenne auch die Worte, die von Erwählung reden, z.B. 2. Tim. 1,9.10, aber immer wenn ich davon lese erahne ich eine Dimension, die für uns unfassbar ist. Ich kann nur anbeten und wage nicht, festlegen zu wollen was Gott mit Erwählung meint. Die Ebene, wo wir wieder gefordert sind, finden wir z.B. in 2. Kor. 5,20: "So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!" 2. Kor 5,20. Zwar verstehe ich auch hier nicht wirklich, warum uns Gott als Gesandte braucht und warum wir an Christi statt bitten sollen, aber so sagt es die Schrift.

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Als ich vorhin 2. Korinther 5,20 las, und dann auch die Verse davor, da fiel mir wohl zum ersten Mal auf, dass offensichtlich ein Zusammenhang besteht zwischen der Auferstehung Jesu und der Zusage, dass wenn jemand in Christus ist, er eine neue Schöpfung ist: "Und für alle ist er gestorben, damit die, welche leben, nicht mehr sich selbst leben, sondern dem, der für sie gestorben und auferweckt worden ist. Daher kennen wir von nun an niemand nach dem Fleisch; wenn wir Christus auch nach dem Fleisch gekannt haben, so kennen wir ihn doch jetzt nicht mehr so. Daher, wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden" 2. Kor 5,15-17.

Als ich dann weiter darüber nachdachte, fiel mir auch die Aussage über den Erstling von den Toten ein: "Nun aber ist Christus aus den Toten auferweckt, der Erstling der Entschlafenen; denn da ja durch einen Menschen der Tod kam, so auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden" 1. Kor 15,20-22. Ist Gottes Wort nicht wunderbar? Diese Worte gelten den Gläubigen als Trost und zur Stärkung, sind aber auch eine Ermahnung für die Ungläubigen und zugleich eine Einladung, sich doch auch zu Jesus zu bekehren.

José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


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