Lasst euch Versöhnen mit Gott (2. Kor. 5,20)

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Jose
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Lasst euch Versöhnen mit Gott (2. Kor. 5,20)

Beitragvon Jose » 01.04.2011 21:13

Es gibt einige Bibelstellen, die eindeutig den Willen des Menschen ansprechen, sich für Gott zu entscheiden. So lesen wir auch am Ende von 2. Kor. 5,20: "Wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!". Dabei tut der Mensch aber nichts weiter, als sein Herz Jesus nicht zu verschließen.

Würde mich interessieren, wie ihr dieses Wort versteht. Wer sind die hier angesprochenen mit: Lass dich versöhnen mit Gott? Sind alle Menschen gemeint? Und ist hier tatsächlich gemeint, dass jeder einzelner Mensch aktiv und persönlich die Versöhnung annehmen muss? Ich meine ja, aber damit haben einige, oder vielleicht viele, Probleme, vermutlich wegen des Streits um die Lehre über den Freien Willen des Menschen.

Hier ein Auszug aus einem Beitrag in einem anderen Thread
Joschie hat geschrieben:
Jose hat geschrieben:Ist der Mensch selbst dafür verantwortlich, ob er sich Gott zuwendet oder nicht?
Ich erkenne aus der Schrift viele Stellen die dafür sprechen, dass der Mensch bewusst und persönlich selber Buße tun muss. Damit könnten praktisch alle Menschen gerettet werden. Jesus hat ein völliges Werk vollbracht und den Feind völlig überwunden. Nur die Menschen, die sich nicht Jesus zuwenden, bleiben in der Knechtschaft der Sünde und des Todes.
Dieses ist für mich der Knackpunkt, es geht darum, ob der Mensch einen freien Willen hat oder nicht und da Jose, trennen uns Welten, ohne Wenn und Aber.
Ist das Thema mit dem Freien Willen des Menschen wirklich so brisant? Im Prinzip wissen wir doch, dass nur in Jesus Vergebung zu finden ist und dass wir nichts zu unserem Heil beitragen können. Ich lese sehr gerne den Kalender "Die Gute Saat" und auch "Der Herr ist Nahe". Ich freue mich, dass darin so klar gelehrt wird, dass Jesus für alle das Heil am Kreuz erworben hat, dass jedoch der einzelne es persönlich im Glauben annehmen muss. So las ich es auch in dieser Andacht. Es ist so traurig, dass so viel Trennung zwischen den Gläubigen da ist und leider oftmals auch viel Lieblosigkeit.

Ich möchte nicht provozieren und auch nicht kritisieren. Ich möchte nur auf meine Seite der Mauer meinen Geschwistern auf der anderen Seite der Mauer zurufen: Lasst uns Gott bitten, die Einheit auf der Grundlage Seines Wortes zu suchen. Es ist nicht genug zu sagen, ich liebe dich dennoch als Bruder. Es muss uns ein Anliegen sein danach zu trachten, eines Geistes und einer Gesinnung zu werden. Jesus hat für die Einheit der Seinen gebeten, aber Gott kann die Einheit nur dort wirken, wo sie von Herzen gesucht wird.

Ich möchte mit meinen echten Geschwistern im Glauben versöhnt sein, denn Gott hat in Christus auch mich mit Sich Selbst versöhnt.

José

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maxb
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Beitragvon maxb » 01.04.2011 22:01

Jose, ich hab mir deine Diskussionen zum Thema nicht näher angeschaut, aber mir scheint aus deinem Beitrag hervorzugehen, dass dein Problem auf einem großen, aber leider weit verbreiteten Missverständnis basiert. Wenn die Reformierten vom unfreien Willen sprechen, meinen sie nicht, dass es keinen menschlichen Willen gibt und der Mensch ein seelenloser Gegenstand ist, der einfach nur sein Programm abläuft. Es geht auch nicht darum die persönlichen Komponenten des Lebens weg zu nehmen - diese bleiben voll erhalten. Gemeint ist, dass der Wille nicht in einem Vakuum existiert, sondern immer von den Motiven und Bestrebungen des Herzens bestimmt wird. Da das menschliche Herz von Natur böse ist, ist der Wille vom Bösen bestimmt. So ist es nicht möglich, dass der Mensch das Gute will, sondern er will (und es ist wirklich sein eigener, persönlicher Wille) das Böse. Erst wenn Gott das Herz und damit das ganze Wesen eines Menschen verändert, dann will (es ist wirklich sein eigener, persönlicher Wille) der Mensch auch das Gute.
Der Wille ist keine neutrale Instanz, sondern immer vom Wesen des Wollenden abhängig. Ist der Wollende böse, ist auch der Wille böse. Ist der Wollende gut, so ist auch der Wille gut. Dass der Mensch überhaupt zu Gott kommen will ist in seinem verdorbenen Zustand deshalb nur möglich, wenn Gott in das Wesen dieses Menschen eingreift und somit den Willen zum Guten lenkt.

Ja, jeder einzelne Mensch muss sich entscheiden, jeder einzelne Mensch muss ganz persönlich für sich entscheiden, wem er dienen will.
Das Werk Jesu genügt auch für jeden einzelnen Menschen, Jesus hätte nicht mehr machen müssen um einen Menschen mehr zu retten. Wir können und sollen alle Menschen zum Heil einladen. Wir müssen aber im Hinterkopf behalten, dass diese Einladung angesichts der Bosheit des Menschen absolut wertlos wäre, wenn Gott nicht versichert hätte, dass er aus dieser Masse von verdorbenen Sündern Menschen erwählt hat, denen er dieses Heil zukommen lassen möchte, deren Herzen er öffnen möchte und deren Verhärtung er wegnehmen will. So können wir auf der einen Seite hoffnungsvoll und zuversichtlich sein, wenn wir uns für die Verbreitung des Evangeliums einsetzen und andererseits hoffen wir nicht auf irgendwelche menschliche Kraft, Methoden und Mittel, sondern allein darauf, dass Gott seine Verheißung, die Erwählten durch die Verkündigung des Evangeliums zu sich zu ziehen, wahr machen wird.

Wenn wir in dieser Diskussion voran kommen wollen (und dein Streben danach finde ich sehr gut und wichtig), dann musst du als erstes verstehen, dass es hier niemandem darum geht, dem Menschen die Verantwortung abzusprechen oder die persönliche Willensentscheidung eines Menschen zu leugnen. Die Fragen, die wir uns stellen müssen sind:
"Was sagt die Bibel über das menschliche Herz nach dem Sündenfall?" "Lehrt die Bibel, dass der Mensch ohne Gottes übernatürliches Eingreifen im Herzen, zu Gott kommen kann?"

Ich kann dir nur empfehlen die Institutio zu lesen, Calvin geht da sehr detailliert auf diese Thematik ein, vor allem im zweiten Buch. Hier im Bifo wird ja jeden Tag ein neuer Teil reingestellt. Übrigens habe ich schon an die Erwählung und den unfreien Willen geglaubt, bevor ich überhaupt irgendetwas von Calvin gelesen habe. Jetzt, wo ich ihn im Nachhinein lese, bin ich beeindruckt von der Klarheit seiner Argumentation und den Zitaten die er von anderen Theologen einbringt und kann nur empfehlen, sich da hineinzulesen, z.B.:
II,2,8
So zeigt er [Augustin] auch an anderer Stelle, der freie Wille komme durch die Gnade zustande, und fährt dann scharf gegen diejenigen los, die sich ihn anmaßen wollten ohne die Gnade. Er sagt da: "Wie wagen es doch jämmerliche Menschen, hochmütig vom freien Willen zu reden, ehe sie überhaupt frei gemacht sind, oder von ihren Kräften, ehe sie zur Freiheit gelangt sind? Sie beachten gar nicht, daß schon in dem Wort ‚freier Wille’ die ‚Freiheit’ besonders hervorklingt. Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit! (2. Kor. 3,17). Wenn sie also Knechte der Sünde sind, was rühmen sie sich des freien Willens? Denn man ist doch dem, der einen gefangenhält, als Knecht unterworfen! Sind sie aber befreit — was rühmen sie sich dann, als hätten sie selbst etwas dabei getan? Oder sind sie so frei, daß sie nicht auch Knechte dessen sein wollten, der da sagt: Ohne mich könnet ihr nichts tun (Joh. 15,5)?..."
Ich bin aber der Meinung, daß man den Begriff nicht ohne unermeßliche Gefahr bei behalten kann, und daß seine Abschaffung der Kirche großen Segen bringen würde; deshalb möchte ich ihn selbst nicht verwenden und auch anderen, wenn sie meinen Rat hören wollen, von seinem Gebrauch abraten.
An anderer Stelle erklärt Calvin den Unterschied zwischen Notwendigkeit und Zwang. Der natürliche Mensch sündigt notwendig, aber nicht aus Zwang. Gott zwingt keinen Menschen zur Sünde, aber seine (des Menschen) böse Natur bringt notwendiger Weise einen bösen Willen hervor. Bekehrt sich ein Mensch, so wird er nicht zur Bekehrung gezwungen, aber er bekehrt sich auf Grund der Herzensveränderung durch Gott notwendiger Weise.
II,3,5
Der wesentliche Punkt bei jener Unterscheidung (zwischen Notwendigkeit und Zwang) liegt in folgendem: Der Mensch ist seit dem Fall verdorben, aber er sündigt mit Willen, nicht etwa gezwungen gegen seinen Willen, oder aus tiefster Neigung des Herzens und nicht aus gewaltsamem Zwang, aus dem Trieb eigener Lust und nicht auf äußeren Druck hin; aber wegen der Verdorbenheit der Natur kann er sich doch nur zum Bösen bewegen und nach ihm richten. Stimmt dieser Satz, so ist damit klar ausgedrückt, daß der Mensch der Notwendigkeit zu sündigen unterworfen ist.
II,3,14
Aber Augustin sagt doch an anderer Stelle, die Gnade hebe den Willen nicht auf, sondern wandle ihn vom Bösen zum Guten und stehe ihm bei, wenn er gut geworden sei! Das bedeutet aber nur: der Mensch wird nicht so (vom Geiste Gottes) geführt, daß er ohne Regung des Herzens wie von einem äußeren Druck sich treiben ließe, sondern er wird eben innerlich so erfaßt, daß er von Herzen gehorcht. Solche Gnade wird nach Augustin in besonderer Weise den Erwählten zuteil und aus freier Gnade gewährt. So schreibt er an Bonifacius: "Wir wissen, daß Gottes Gnade nicht allen Menschen gegeben wird; und wer sie empfängt, dem wird sie nicht nach dem Verdienst der Werke gegeben, auch nicht nach dem Verdienst des Willens, sondern aus lauter Gnade (gratuita gratia); wem sie nicht gegeben wird, dem bleibt sie, wie wir wissen, nach Gottes gerechtem Urteil verwehrt" (Brief 217).
Man könnte noch vieles mehr sagen...
Ich hab im Allgemeinen recht viel um die Ohren, deshalb werd ich hier kein zuverlässiger Schreiberling sein, aber ich hoffe hiermit etwas mehr Klarheit in die Diskussion gebracht zu haben.

Jose
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Re: Lasst euch Versöhnen mit Gott (2. Kor. 5,20)

Beitragvon Jose » 02.04.2011 10:17

Vielen Dank für deine Antwort, Max, und die Zeit die du dir genommen hast. Ich habe mich sehr darüber gefreut. Zu deiner Frage:
maxb hat geschrieben:"Was sagt die Bibel über das menschliche Herz nach dem Sündenfall?" "Lehrt die Bibel, dass der Mensch ohne Gottes übernatürliches Eingreifen im Herzen, zu Gott kommen kann?"
Auch ich teile die Überzeugung, dass der Mensch ohne Gottes übernatürliches Eingreifen nicht zu Ihm kommen kann. Zwar sagt Paulus: "dass sie Gott suchen, ob sie ihn vielleicht tastend fühlen und finden möchten, obwohl er ja nicht fern ist von jedem von uns" Apg 17,27, d.h., dass Gott sehr wohl ein Grundverlangen in den Herzen gelegt und erhalten hat, aber letztlich, wenn Jesus nicht gekommen wäre und den Weg zum Vaterherzen frei gemacht hätte, wäre alles Suchen und Hoffen der Menschen vergeblich. Nun aber, nachdem "Gott die Zeiten der Unwissenheit übersehen hat, gebietet er jetzt den Menschen, dass sie alle überall Buße tun sollen" Apg 17,30. Dies steht im Einklang mit Joh. 3,16: "Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht", und 1. Tim. 2,4, wo wir lesen, dass Gott "will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen". Dies ist auch kein Widerspruch zu Johannes 6,44, wo Jesus sagt: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht", sondern weil Gott will, dass alle gerettet werden, wirkt Er auch an den Herzen und weist die Menschen auf Jesus hin. Das ist Gnade, die es aber nicht bedingungslos gibt. Und die Bedingung lautet: Lass dich versöhnen mit Gott!

So wird die Botschaft der Bibel von vielen verstanden. Ich selber habe sie mir auch nicht so erdacht sondern im Lesen der Bibel und im Gebet sowie unter der Verkündigung des Wortes so erfassen dürfen. Wenn also von dem Freien Willen des Menschen die Rede ist und darauf hingewiesen wird, dass der Mensch nur in der Lage ist sich für das Böse zu tun, so stimme ich dem absolut zu. Daher lehnen es auch viele ab, das Evangelium anzunehmen, obwohl Gott an ihre Herzen wirkt. In diesem Punkt ist die Lehre des Calvinismus, über die unwiderstehliche Gnade, biblisch nicht haltbar.
maxb hat geschrieben:Ich kann dir nur empfehlen die Institutio zu lesen, Calvin geht da sehr detailliert auf diese Thematik ein, vor allem im zweiten Buch.
Calvin hat viele hilfreiche Gedanken, wenn aber im Calvinismus der TULIP als Richtschnur angesehen wird, so ist die Institutio nicht vorbehaltlos empfehlenswert sondern kritisch zu lesen, wie alle von Menschen verfassten Lehren. Wenn ich besonders an Unconditional election (Unbedingte Erwählung) und Irresistible grace (Unwiderstehliche Gnade) denke, so mögen es Fundamente im Calvinismus sein, aber nicht gänzlich dem Wort Gottes entnommen. Auch Limited atonement (Begrenzte Sühne) nicht.

Solltest du oder andere Gotteskinder in diesem Forum, weitere und wichtige Gedankenanstöße hierzu haben, so freue ich mich sehr darüber. So habe ich mich auch gestern über den Beitrag von Samuel zu Gottes Souveränität vs. Verantwortung des Menschen gefreut. Es geht ja nicht um Streit, aber im aufrichtigen Austausch liegt ein großer Segen. Wir wollen doch alle das gleiche Ziel erreichen, nämlich beim Herrn zu sein.

José
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Gast

Re: Lasst euch Versöhnen mit Gott (2. Kor. 5,20)

Beitragvon Gast » 02.04.2011 11:54

Jose hat geschrieben:Es gibt einige Bibelstellen, die eindeutig den Willen des Menschen ansprechen, sich für Gott zu entscheiden. So lesen wir auch am Ende von 2. Kor. 5,20: "Wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!". Dabei tut der Mensch aber nichts weiter, als sein Herz Jesus nicht zu verschließen.
Hallo José,

Ich glaube nicht, dass es irgend einen Menschen gibt, der freiwillig sein Herz Jesus verschließen würde. Jeder Christ liebt im Herzen seinen Herrn, aber es sind eben verschieden Schleier, die das Herz eines Menschen bedecken und es veschließen.
Diese Schleier kann man in vier Kategorien einteilen, natürliche Vorstellungen, religiöse Vorstellungen, kulturelle Vorstellungen und persönliche Erziehung.
Was wir brauchen, dass Gott uns die Schleier wegnimmt, so dass unser Herz unverhüllt die Wahrheit sehen würde. Dies würde die Erkenntnis bringen, die Erkenntnis würde unser Willen beeinflussen und unser Herz verändern.

Zum geistlichen Erkennen gehören wiederum drei Aspekte: die Offenbarung, das Licht und das Sehvermögen: ein Mensch muss die Offenbarung aus der Bibel bekommen, Gott als Licht muss scheinen und der Mensch muss dazu noch sehen können.

Das ist wie bei einer Fotokamera, sie muss auf das Objekt gerichtet sein, das Objekt muss belichtet sein und das Objektiv muss sich öffnen, damit ein Bild zustande kommt.

Der Mensch kann willig sein und die Bibel lesen, aber ohne Gott als Licht wird er weiterhin im Dunkeln tapfen. Und ohne Licht wird der Mensch nur die Buchstaben sehen ohne Christus zu erkennen.

Der von dir zitierter Vers bezieht sich streng genommen auf bereits errettete Christen, aber der Prinzip ist gleich für jeden Menschen, ob gläubig oder nicht gläubig, ohne Gott als scheinendes Licht bleibt die Schrift verschlossen.

Mit davor hängenden Schleiern kommt kein Bild ins Herz hinein, bzw. nur ein verzerrtes, verschleiertes Bild. Wenn eine Mensch sehr viel Wert auf das Kruzifix legt, so wird er jedes Mal in der Schrift statt Kreuz nur das Kruzifix sehen, das ist Schleier.
Wenn der Mensch das mystische an Gott von sich weist, dann werden viele Verse gar nicht mehr sprechen können. Dies ist die Auswirkung eines Schleirs.
Wenn ein Mensch sich mit dem krassen Unterschied in heutigem Christentum und dem was die Schrift als Gemeinde offenbart abfindet und zufrieden gibt, dann wird es zum Schleier.

viel Gnade
Peter

Jose
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Re: Das Herz verschließen

Beitragvon Jose » 02.04.2011 18:55

pit hat geschrieben:
Jose hat geschrieben:Es gibt einige Bibelstellen, die eindeutig den Willen des Menschen ansprechen, sich für Gott zu entscheiden. So lesen wir auch am Ende von 2. Kor. 5,20: "Wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!". Dabei tut der Mensch aber nichts weiter, als sein Herz Jesus nicht zu verschließen.
Ich glaube nicht, dass es irgend einen Menschen gibt, der freiwillig sein Herz Jesus verschließen würde.
Hallo Peter.
In 2. Kor. 5,20 geht es um einen Aufruf an Unbekehrte, sich mit Gott versöhnen zu lassen, und da stelle ich mir ernstlich die Frage, ob der Mensch sein Herz dem Wirken Gottes verschließen kann. Ich meine ja. Wenn du aber schreibst, dass nach deiner Meinung kein Mensch freiwillig sein Herz Jesus verschließt, so würde mich interessieren, wie du diese Beispiele verstehst:

"Als er aber über Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und das kommende Gericht redete, wurde Felix mit Furcht erfüllt und antwortete: Für jetzt geh hin! Wenn ich aber gelegene Zeit habe, werde ich dich rufen lassen" Apg 24,25. Und etwas später, auch in der Apostegeschichte: "Glaubst du, König Agrippa, den Propheten? Ich weiß, dass du glaubst. Agrippa aber sprach zu Paulus: In kurzem überredest du mich, ein Christ zu werden" Apg 26,27-28. Ich sehe hier das Wirken Gottes an den Herzen, aber auch die Ablehnung der Bitte: "Lasst euch versöhnen mit Gott!"

Lieben Gruß,
José
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Gast

Re: Das Herz verschließen

Beitragvon Gast » 02.04.2011 22:31

Hallo José,
Jose hat geschrieben:In 2. Kor. 5,20 geht es um einen Aufruf an Unbekehrte, sich mit Gott versöhnen zu lassen,
Das sehe ich anders. Woran machst du diese Aussage fest? Allein an dem Wort "versöhnen"? Lies das Kapitel durch, wo ist da die Verkündigung des Evangeliums. Paulus schreibt an die Gemeinde in Korinth, das sind Christen. Eben die Christen in Korinth brauchten die weitere Versöhnung mit Gott, weil sie sich gegen Paulus aufgelehnt hatten, und so den Frieden mit Gott verloren hatten. Dies ist aber jetzt Nebensache, wollte halt erwähnt haben.

Zum Felix Apg 24:25. So lesen wir im nächsten Vers, (Apg 24:26 [Elb])
Zugleich hoffte er, daß ihm von Paulus Geld gegeben werden würde; deshalb ließ er ihn auch öfter holen und unterhielt sich mit ihm.

Hinter welchem Götzen Felix steckte. Er war habgiereig, die Habsucht verschleierte ihn und hielt ab, dem Evangelium zu folgen.

Zu dem Beispiel von König Agrippa: Die Wiedererlangungsübersetzung schreibt "Apg 26:28 Und Agrippa antwortete Paulus: Mit so geringem Aufwand versuchst du, mich zu überreden". Mit anderen Worten, hat Agrippa gar nichts geglaubt. Die Worte Paulus' prallten so von ihm ab. Sein Herz war verschlossen. Agrippa hörte zwar Paulus reden, verstand seine Worte, er begriff jedoch nicht, dass in dem Augenblick Gott zu Ihm durch Paulus sprach.
Wenn es ihm bewusst wäre, dass Gottes Wort aus dem Mund Paulus ausging, würde er sich nicht weigern umzukehren. Wer ist schon Agrippa gegen Gott?

Gruß
Peter

Jose
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Wiedererlangungsübersetzung ?!

Beitragvon Jose » 03.04.2011 13:28

Hallo Peter, deinen Beitrag fand ich interessant, war aber etwas irritiert, als ich z.B. von "weitere Versöhnung" las.
pit hat geschrieben:Eben die Christen in Korinth brauchten die weitere Versöhnung mit Gott, weil sie sich gegen Paulus aufgelehnt hatten, und so den Frieden mit Gott verloren hatten.
Wenn ich 2. Korinther 5,18-20 lese, so möchte ich nicht ausschließen, dass Paulus hier die Korinther an ihre Berufung erinnern wollte, aber wenn davon die Rede ist, dass Gott uns mit sich versöhnt hat, dann sind hier alle Gläubige gemeint - auch die Korinther -, und Gott hat uns, den Gläubigen, den Dienst der Versöhnung gegeben, nämlich dass wir Gesandte an Christi statt sind. Wir sind gemeint, wir die Gläubigen.

Wie viel Felix und Agrippa wirklich erfassten, von dem was Paulus zu ihnen sprach, kann ich nicht beurteilen, aber etwas hatten sie doch im Herzen bewegt, den wir lesen doch: "Als er aber über Gerechtigkeit und Enthaltsamkeit und das kommende Gericht redete, wurde Felix mit Furcht erfüllt und antwortete: Für jetzt geh hin! Wenn ich aber gelegene Zeit habe, werde ich dich rufen lassen" Apg 24,25. Paulus redete von Gerechtigkeit, Enthaltsamkeit und dem kommenden Gericht und gewiss flehte er in seinem Herzen, dass sie innerlich überführt werden, die Wahrheit erkennen mögen und Buße tun. Im Zusammenhang mit dem Kommen des Heiligen Geistes sagte Jesus: "Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht" Joh 16,8. Was wir hier aber nicht lesen, ist dass sie dann alle Buße tun werden. Gott zwingt niemand zur Buße, obwohl er zuweilen harte Wege und Strafgerichte zulässt, damit die Menschen zur Besinnung kommen.

Wenn du zu Agrippa außerdem schreibst:
Peter hat geschrieben:Wenn es ihm bewusst wäre, dass Gottes Wort aus dem Mund Paulus ausging, würde er sich nicht weigern umzukehren. Wer ist schon Agrippa gegen Gott?
, dann weiß ich nicht, wo du dies mit dem Wort bestätigen kannst. Seltsam finde ich die von dir zitierte Übersetzung.
Peter hat geschrieben:Zu dem Beispiel von König Agrippa: Die Wiedererlangungsübersetzung schreibt "Apg 26:28 Und Agrippa antwortete Paulus: Mit so geringem Aufwand versuchst du, mich zu überreden"
Paulus hatte eigentlich sehr um diese Menschen gerungen, so dass Festus ihn davor unterbrach mit den Worten: "Du bist von Sinnen, Paulus! Die große Gelehrsamkeit bringt dich zum Wahnsinn" Apg 26,24. Ich möchte auch noch an Vers 29 erinnern: "Paulus aber sprach: Ich möchte zu Gott beten, dass über kurz oder lang nicht allein du, sondern auch alle, die mich heute hören, solche werden, wie auch ich bin, ausgenommen diese Fesseln". Hier sind wir wieder bei 2. Korinther 5,20 angekommen.

Was ist eigentlich die "Wiedererlangungsübersetzung"? Meinst du damit die "Recovery Version", siehe http://www.apologeticsindex.org/r22.html von "Living Stream Ministry", in Deutschland vertreten durch Lebensstrom e.V: "http://lebensstrom.com/"? Während ich schrieb suchte ich noch etwas im Internet. Laut dieser Information unter http://www.bibelarchiv.com/autoren/auto ... strom.html dürfte meine Frage mit Ja beantwortet sein und es sich hierbei um die, besonders von Witness Lee, übersetzte Bibel handeln. Bitte entschuldige die Offenheit, aber bereits 2004, als ich mich mit dem LSM beschäftigen musste, distanzierte ich mich davon. Insbesondere auch wegen dieser neuen Übersetzung. Diese Einführung hatte mich besonders stutzig gemacht (Seite existiert leider nicht mehr, hatte ich mir aber damals ausgedruckt) http://www.lebensstrom.com/J0hannes_intro.htm, als ich las:
Die Übersetzung der Bibel hängt nicht nur von einem angemessenen Erfassen der ursprünglichen Sprache ab, sondern auch vom rechten Verständnis der göttlichen Offenbarung im heiligen Wort.
Ich habe einfach Sorge, dass hier die menschliche Interpretation, wie beispielsweise in der Neue-Welt-Übersetzung der Wachtturm-Gesellschaft (ZJ), zu sehr im Vordergrund steht.

José
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Gast

Re: Wiedererlangungsübersetzung ?!

Beitragvon Gast » 03.04.2011 17:35

Jose hat geschrieben:
Die Übersetzung der Bibel hängt nicht nur von einem angemessenen Erfassen der ursprünglichen Sprache ab, sondern auch vom rechten Verständnis der göttlichen Offenbarung im heiligen Wort.
Ich habe einfach Sorge, dass hier die menschliche Interpretation, wie beispielsweise in der Neue-Welt-Übersetzung der Wachtturm-Gesellschaft (ZJ), zu sehr im Vordergrund steht.

José
Es ist schon starkes Tobak, José, mit ZJ zu vergleichen, aber ich kann es nachvolziehen. Es ist in Ordnung José. Jedes Buch über die Bibel und jeder Beitrag in jedem Forum sind voll von eigenen Interpretationen, es sei denn man zitiert den Bibeltext. Jede Gemeinde, jeder Bund und jeder Gläubiger sind voll von eigenen Interpretationen. Darum ist sicherlich immer Vorsicht geboten. Wir wissen dass auch Paulus uns schreibt alles zu prüfen.

Nun wenn du überlegst, warum überhaupt die Bibelübersetzungen enstehen, dann wirst du mir zustimmen, dass jede weitere Übersetzung enstand nur weil die vorherige einer bestimmten Lehre nicht gut genug war. Das Verständnis der Heiligen Schrift war der ausschlaggebende Faktor, der die Bibel immer wieder neu übersetzrn lies. Das war so zur Zeit Luthers, das war so zur Zeit Darbys. Das war wenn du schon sie ansprichst so mit ZJ. Der einzige Fall, wo es anders ist, wenn es in einer bestimmten Sprache noch gar keine Bibelübersetzung gibt. Aber selbst in diesem Fall wurde in der Regel eine bestimmte Übersetzung zu Grunde gelegt (z.B. King James oder Neue Welt, wo du sie schon angesprochen hast).
Ich gebe dir völlig recht, es ist eine gesunde Vorsicht geboten.

Gnade sei mit dir
Gruß
Peter

Jose
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Der Schächer am Kreuz

Beitragvon Jose » 10.04.2011 17:35

Als ich in diesen Tagen las: "Einer der gehenkten Übeltäter aber lästerte ihn: Bist du nicht der Christus? Rette dich selbst und uns! Der andere aber antwortete und wies ihn zurecht und sprach: Auch du fürchtest Gott nicht, da du in demselben Gericht bist? Und wir zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsere Taten wert sind; dieser aber hat nichts Ungeziemendes getan" Lk 23,39-41, musste ich daran denken, dass dieser Übeltäter, nachdem er das Evangelium angenommen hatte, sofort zu einem Evangelisten wurde und von sich aus tat, was Paulus später schrieb: "So sind wir nun Gesandte an Christi Statt, indem Gott gleichsam durch uns ermahnt; wir bitten für Christus: Lasst euch versöhnen mit Gott!" 2.Kor 5,20.

Ist das nicht auch eine wunderbare Bestätigung dafür, dass der Geist Gottes in den Herzen bereits das wirkt, was wir oftmals erst später im Wort bestätigt finden? Wer aus Gott geboren ist, ist eine neue Schöpfung.

José
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