Erwählung und Verkündigung des Evangeliums

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Gast

Erwählung und Verkündigung des Evangeliums

Beitragvon Gast » 05.04.2011 23:52

Die Themen über Vorherbestimmung, Erwählung, Calvinismus, Gottes Souveränität, Wirksame Sühne usw. werden in diesem Forum wohl ein ewiger Dauerbrenner bleiben. Das mag auch in Ordnung sein, doch ich frage mich auch, warum wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit diesen Lehren widmen?

Hat Jesus Erwählung so hervorgehoben? Haben die Schreiber im Neuen Testament Erwählung so hervorgehoben? Erwählung ist eine schöne Sache, aber ist es das Evangelium?

Umkehr und Glaube stehen im Zentrum des Christentums, nicht Erwählung!

Wenn ich sehe wie Paulus seinen Römerbrief aufbaut, dann staune ich darüber, dass manche Christen Ungläubigen mit Erwählung anfangen zu predigen.

Paulus fragt nicht einen Ungläubigen, ob er weiß, dass er nur doch Gottes Gnade Glauben kann, sondern er gebietet es einfach zu Glauben, genauso wie Jesus das auch tat. Und Jesus kannte alle Herzen. Wahrscheinlich wusste er sogar wen sein Vater zu ihm bringen würde und doch gebietet er allen, an ihn zu glauben, weil er sich wünscht, dass sie sich retten lassen. Er stellt den Menschen die freie Wahl an ihn zu glauben, ob diese erwählt sind oder nicht. Nachdem Menschen ihn manchmal ablehnten sagt er meistens erst danach etwas, was auf eine Nicht-Erwählung hindeuten könnte.

Ich sehe es von der Bibel her so, dass wir den Menschen die Lehre von der Erwählung erst predigen sollten, wenn sie entweder das Evangelium angenommen oder verworfen haben.

Paulus fängt z.B. nicht in seinem Römerbrief mit "völliger Verderbtheit" an. Er fügt nicht dem "dass alle Menschen gesündigt haben" noch hinzu, dass sie außerdem völlig unfähig sind von ihren Sünden umzukehren und zu Glauben.
Er fängt mit "einfacher Verderbtheit" an, dass "alle gesündigt haben und die Herrlichkeit Gottes verfehlen" (Röm 3,23) und stellt danach Jesus als das Sühnopfer vor, an den es zu Glauben gilt.

Vorherbestimmung und Erwählung beginnen bei ihm erst mit dem 8. Kapitel.

Wenn er Gläubigen wie den Ephesern schreibt, beginnt er mit Erwählung, dass ist mutmachend und stärkend. Aber Ungläubigen predigt er den Glaubensgehorsam an Jesus.

Wie oft wurde im Alten Testament zur Buße aufgerufen? Wurde da erwähnt, dass die Menschen eigentlich gar nicht Buße tun können? Ganz im Gegenteil, ihnen wurde freigestellt das Leben zu wählen oder den Tod, den Segen oder den Fluch. Gott zwingt die Menschen nicht ihm zu gehorchen, sondern will, dass sie freiwillig ihn lieben und ihm gehorchen, auch wenn er es letztendlich ist, der ein neues Herz schafft, dass in seinen Wegen wandelt.

Die 5 Punkte des Calvinismus möchten zwar schön sein für manch einen Gläubigen (wobei ich das inzwischen auch bestreite), doch für jemanden der noch nie das Evangelium gehört hat, für denjenigen sind sie völlig ungeeignet.

Gruß und Segen
Samuel

Jose
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Re: Erwählung und Verkündigung des Evangeliums

Beitragvon Jose » 06.04.2011 07:30

Samuel A. hat geschrieben:Die Themen über Vorherbestimmung, Erwählung, Calvinismus, Gottes Souveränität, Wirksame Sühne usw. werden in diesem Forum wohl ein ewiger Dauerbrenner bleiben. Das mag auch in Ordnung sein, doch ich frage mich auch, warum wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit diesen Lehren widmen?
Hallo Samuel. Meiner Meinung nach wird diesen Fragen viel Aufmerksamkeit gewidmet, weil neue Forenmitglieder, wie ich mal einer war, Fragen stellen, die viele andere auch schon vorher gestellt hatten und das Thema auch wieder neu beleuchtet bzw. erklärt und verteidigt wird. Zum anderen liegt es aber mit Sicherheit auch an der Ausrichtung des Forums. Ich habe den Eindruck, dass sobald deutlich betont wird, dass der Mensch sich frei entscheiden muss, dann die gesamte "Lavine" der Erwählungslehre über einen hinwegrollt. So mein bisheriger, möglicherweise subjektiver Eindruck.

Heute Morgen las ich das Wort: "Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu retten, von welchen ich der erste bin" 1. Tim. 1,15. Wie gut, dass hier alle Sünder angesprochen werden, da ist keiner ausgeschlossen, kein einziger Mensch. Auch der darauf folgende Vers schließt niemanden aus, sondern ermutigt, auch für andere zu hoffen, dass sie das Heil doch noch erfassen und sich Jesus zuwenden: "Aber darum ist mir Barmherzigkeit zuteilgeworden, damit Jesus Christus an mir als dem Ersten die ganze Langmut beweise, zum Vorbild für die, welche an ihn glauben werden zum ewigen Leben" 1.Tim 1,16. Ich entnehme aus diesen Versen nichts von Vorherbestimmung. Kann man überhaupt Langmut mit Vorherbestimmung vereinbaren?

Als ich das Wort las habe ich mich auch erinnert, wie ich vor bald 30 Jahren bei meinem "Namen" angesprochen wurde. Mein Name war "Sünder", nun bin ich ein Gotteskind, auch wenn ich noch nicht frei von Sünde lebe. Aber das Blut Jesu hat mich reingewaschen von aller Schuld.

José
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Joschie
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Beitragvon Joschie » 06.04.2011 09:26

Samuel hat geschrieben:Die Themen über Vorherbestimmung, Erwählung, Calvinismus, Gottes Souveränität, Wirksame Sühne usw. werden in diesem Forum wohl ein ewiger Dauerbrenner bleiben. Das mag auch in Ordnung sein, doch ich frage mich auch, warum wir so viel Zeit und Aufmerksamkeit diesen Lehren widmen?
Da frage ich mich Samuel, warum du diese Themen so oft angesprochen hast und wenn dir die Themen nicht wichtig sind, mußt du ja nicht dazu schreiben. Es besteht ja im Forum kein Schreibzwang. Es ist eben so, das jeder seine Schwerpunkte nun mal anders setzt.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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