Ist Jesus Christus allgegenwärtig?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

Moderatoren: Der Pilgrim, Peter01, Anton

Gast

Ist Jesus Christus allgegenwärtig?

Beitragvon Gast » 08.04.2011 17:25

Ich habe das große Vorrecht an einer christlichen Grundschule zu arbeiten und täglich mit den Kindern Andachten zu haben. Manchmal frage ich mich, ob ich mehr von den Kindern lerne, als sie von mir. Ich denke, dass ich ihnen auch ein Segen bin, auch wenn vielleicht nicht so ein großer, wie sie es für mich sind. Es gibt einige kleine Philosophen unter ihnen, die kluge Fragen stellen, die mir manchmal noch gar nicht in den Kopf gekommen sind. Manche Fragen habe ich für mich selbst noch nicht beantwortet. Kommt dann von den Kindern so eine Frage, dann darf ich eingestehen, dass ich selbst noch nicht alles über Gott, unseren liebenden Schöpfer, weiß.

Eine Frage kam heute von einem Kind, die mir zwar auch schon einmal aufkam, aber ich ihr nicht weiter nachgegangen bin. Sie ist vielleicht auch nicht so entscheidend wichtig, aber vielleicht kann man ja doch eine biblisch begründete Antwort finden:

Ist Jesus Christus heute überall?

Mac-Donald hat in seinem Buch "So ist Gott" folgende Aussage dazu gemacht:
Wenn wir bedenken, dass der Herr Jesus Gott ist und Mensch wurde, erhebt sich die Frage: War er während seines Dienstes auf der Erde allgegenwärtig? War er denn nicht zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort - Bethlehem, Nazareth, Kapernaum oder Jerusalem? Die Antwort ist paradox. Er war an allen Orten zugleich, er war allgegenwärtig. Er legte die Allgegenwart nicht ab, als er auf die Erde kam. Vielmehr fügte er das Merkmal, körperlich nur an einem Ort anwesend zu sein, seinem Wesen hinzu. So konnte er an dem einen Ort sein und einen Menschen an einem anderen Ort heilen (Mt 8,13). Er konnte afu der Erde sein und doch im "Schoss des Vaters" (Joh 1,18). Er konnte den Jüngern versichern, dass er alle Tage bei ihnen sein würde (Mt 28,20), obwohl er wusste, dass sie sich sogar in verschiedene Orte zerstreuen würden (Joh 16,32).
Wir haben offensichtlich Verständnisprobleme, wenn wir versuchen, diese unverständlichen Dinge zu verstehen. Der große französische Mathematiker Pascal sagte darüber: "Das Herz kann verstehen, was der Verstand nicht versteht." Und auch der Glaube kann verstehen!
Die Lehre von Gottes Allgegenwart muss unser Leben einfach beeinflussen. Zum Beispiel können wir uns vor Gott nicht verbergen. Jona wollte Gott entfliehen, indem er ein Schiff nach Tarsis bestieg, aber der wartete im Bauch eines großen Fisches auf ihn.
Ein junger Mann, der gegen seine christlichen Eltern in Irland rebellierte, schiffte sich nach Amerika ein. Später bezeugte er, dass Christus ihn am Pier erwartete, als er in New York ankam. Bald danach wurde er bekehrt..." (S.74-75)

Das der dreieinige Gott allgegenwärtig ist, würde kein bibellesender und bibeltreuer Christ verneinen. Doch war Jesus, der Sohn Gottes, als Mensch allgegenwärtig? Ist er jetzt allgegenwärtig nach seiner Himmelfahrt? Er hat ja nun eine menschliche Gestalt mit seiner Menschwerdung angenommen, die er nicht mehr ablegen wird. Kann er mit dieser menschlichen Gestalt allgegenwärtig sein?

Mit seinem Geist oder durch den Heiligen Geist würde ich sagen, ist er allgegenwärtig, aber ich würde sagen mit seiner menschlichen Gestalt ist er es nicht.

Ich ließ die Frage heute so halb offen, fügte nur meine Ansicht hinzu, dass Jesus durch seinen Geist jetzt allgegenwärtig ist.

Gruß und Segen
Samuel

FrankS
Beiträge: 60
Registriert: 21.03.2011 06:39

Beitragvon FrankS » 08.04.2011 18:15

Nein, als Mensch war Jersus nicht allgegenwärtig. Im Körper eines Menschen war Jesus auch den Einschränkungen eines Menschen unterworfen. Natürlich hat er menschliche Fähigkeiten zum Teil überschritten, allerdings habe ich nie gehört oder gelesen, dass er seinen Leib vervielfältigt hätte. Er ist Wege gegangen und war an Orten... eben ein einzelnen Orten und nicht an allen zugleich. Diese Einschränkung betrifft aber nicht sein Wissen oder seine anderen Möglichkeiten. Er wusste viel mehr als alle Menschen und konnte aus der Ferne heilen.

Heute ist er allgegenwärtig. Sein Geist ist in allen Christen gleichzeitig und an keinen Ort gebunden.

Eine schöne Frage, die immer wieder vorkommt wenn man mit Kindern zutun hat. $:D

lg, frank

Jose
Beiträge: 921
Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Ist Jesus Christus allgegenwärtig?

Beitragvon Jose » 08.04.2011 22:53

Samuel A. hat geschrieben:Ist Jesus Christus heute überall?
Auf diese Frage kann ich persönlich ohne Zweifel mit Ja antworten, denn Jesus hat uns verheißen:"Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters" Mt 28,20.

Samuel A. hat geschrieben:Doch war Jesus, der Sohn Gottes, als Mensch allgegenwärtig?
Er war auf jeden Fall kein normaler Mensch, auch wenn Er wahrer Mensch wurde. Auch auf Erden war Er wahrer Gott, denn zu den Juden sagte Er: "Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ehe Abraham war, bin ich" Joh 8,58.

Was mich allerdings stutzig macht, ist die Formulierung:
Samuel A. hat geschrieben:Ist er jetzt allgegenwärtig nach seiner Himmelfahrt? Er hat ja nun eine menschliche Gestalt mit seiner Menschwerdung angenommen, die er nicht mehr ablegen wird. Kann er mit dieser menschlichen Gestalt allgegenwärtig sein?
Wenn wir im Philipperbrief lesen: "Darum hat Gott ihn auch hoch erhoben und ihm den Namen verliehen, der über jeden Namen ist, damit in dem Namen Jesu jedes Knie sich beuge, der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen, und jede Zunge bekenne, dass Jesus Christus Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters" Phil 2,9-11. So hatte ich bislang nie den Gedanken gehabt, Jesus könnte etwas eingebüßt haben von der Herrlichkeit die Er beim Vater hatte vor Grundlegung der Welt. Ich lese hier nichts davon, dass Jesus etwas eingebüßt hätte von der Herrlichkeit die Er vorher hatte, als Er noch beim Vater war.

José
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

PvE
Beiträge: 98
Registriert: 29.04.2009 09:13

Beitragvon PvE » 09.04.2011 18:30

Der Heidelberger Katechismus stellt Frage 47 wie folgt:

Ist denn Christus nicht bei uns bis ans Ende der Welt, wie er uns verheißen hat (Mt 28,20)?

Sie wird wie folgt beantwortet:

Christus ist wahrer Mensch und wahrer Gott: Nach seiner menschlichen Natur ist er jetzt nicht auf der Erde (Mt 26,11; Joh 16,28; 17,11; Apg 3,21), aber nach seiner Gottheit, Majestät, Gnade und Geist weicht er niemals von uns (Joh 14,17-19; 16,13; Mt 28,20; Eph 4,8.12).

Frage 48 lautet dann:

Werden aber auf diese Art die zwei Naturen in Christus nicht voneinander getrennt, wenn die menschliche Natur nicht überall ist, wo die Gottheit ist?

Antwort:

Mitnichten; denn weil die Gottheit unbegreiflich und allenthalben gegenwärtig ist (Apg 7,49; Jer 23,24), so muß folgen, daß sie wohl außerhalb ihrer angenommenen menschlichen Natur und dennoch nichtsdestoweniger auch in ihr ist und persönlich mit ihr vereinigt bleibt (Kol 2,9; Joh 3,13; 11,15; Mt 28,6).

Vielleicht hilft das.

Benutzeravatar
Joseph28
Beiträge: 124
Registriert: 11.11.2011 23:05
Wohnort: San Antonio, Texas, USA

Beitragvon Joseph28 » 24.11.2011 06:08

Hallo, Samuel...

Wenn du mit der Jugend sprichst, manchmal ist es leichter, ihnen den Begriff der Kenosis zu erklären in Bezug auf unsere Rettung.

Zum Beispiel, als Jesus von Nazareth geboren wurde, hatte er das ewige Leben, weil er Ewiges Leben war. (Da Maria empfing durch den Heiligen Geist.) Gottes Wesen ist das ewige Leben. Obwohl Jesus erfuhr Schmerzen und Schwäche und andere Einschränkungen von sterblichen Menschen, war er nicht weniger Gott, denn er noch immer als Ewiges Leben existierte--da kommt man zum Begriff der „Kenosis“. Oder anders gesagt, könnte er als Gott (wie sterblicher Mensch) existieren ohne die Ausübung der vollen Gebrauch von seiner göttlichen Attribute. Er war Ewiges Leben, und er war ein sterblicher Mensch. Er freiwillig gehorchte dem Vater, um ein sterblicher Mensch ze werden. Aber er war noch da immer „das Ewige Leben“ (Johannes 14,6; Johannes 17,2-3; 1. Johannes 1,2; 1. Johannes 5,11; 1. Johannes 5,20).

Als er die Sünde der Welt gewesen ist, starb er, weil er sterblich war. Er war befähigt, um unser Stellvertreter zu sein, weil er ein nicht-Sünder war. Da er die Sünde der Welt gewesen ist, starb er. Aber weil er Ewiges Leben war, da zog Sterblichkeit Unsterblichkeit an (wie in 1. Korinther 15,54 in Bezug auf unsere Auferstehung).

Gott der Vater hat Jesus von den Toten auferweckt (Römer 6,4 und Galater 1,1): hier war Gottes ewiges Leben größer als der Tod, den unsere Sünden im Körper Jesu Christi herbeigeführt haben.

Daher kann irgendein sterblicher Mensch durch den Glauben an ihn gerechtfertigt werden. Da alle Sünden der Welt an ihm am Kreuz gegossen wurden laut (1. Johannes 2,2; Hebräer 2,9; 1. Timotheus 2,6; und 1. Timotheus 4,10), aber nur diejenigen, die an ihn glauben, gerettet werden, da kann man nur durch Glauben an Christus wiedergeboren werden.

Sowieso, ist diese Antwort die Art meiner Erklärung, die ich beantworte, als Menschen jung und alt die gleiche Frage an mich stellen.

Liebe Grüße,
Joseph
„Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.“ (1.Johannes 1,4)

Christine
Beiträge: 143
Registriert: 09.11.2011 17:59

Beitragvon Christine » 26.11.2011 15:16

off topic

Hallo Joseph,

es hat ein wenig gedauert, bis es mir gelungen ist, diese verlinkten Bibelstellen anzeigen zu lassen. (oben rechts als Sprache einfach die englische Flagge wählen, die Stellen werden dann trotzdem in deutsch angezeigt)
Aber es lohnt sich! Das hab ich mir hier gewünscht!
Danke vielmals.


--

Die Threadfrage würde ich auch ohne zu zweifeln mit JA beantworten.
Gott ist allgegenwärtig, darum ist Jesus Christus allgegenwärtig.

Gruß Christine


Zurück zu „Biblische Lehrthemen“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste