Die Souveränität Gottes und Gebet

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Joschie
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Die Souveränität Gottes und Gebet

Beitragvon Joschie » 15.05.2011 15:20

Hallo Ihr!
In dem Bereich Kirchen/Dogmengeschichte ist bei den Thread Finny,Charles Grandison die Frage über "Die Souveränität Gottes und Gebet"aufgetaucht.Ich stelle dazu mal ein Beitrag rein.

Die Souveränität Gottes und Gebet
von John Piper

Ich werde oft gefragt: "Wenn Sie glauben, dass Gott alles nach dem Rat seines Willens wirkt (Epheser 1,11) und dass er alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dinge unfehlbar kennt, warum sollte man dann noch dafür beten, dass etwas bestimmtes geschieht?" Gewöhnlich wird diese Frage bezüglich der menschlichen Entscheidungsfreiheit gestellt: "Wenn Gott einige dazu vorherbestimmt hat, seine Kinder zu sein, und sie vor Grundlegung der Welt dazu erwählt hat (Epheser 1,4.5), warum sollte man dann überhaupt noch für die Bekehrung von jemandem beten?"

Dieses Argument besagt implizit, dass Gebet für alle Menschen nur dann möglich ist, wenn alle Menschen die Möglichkeit der freien Willensentscheidung haben. D.h. die Entscheidung des Menschen müsse letztendlich seine Sache sein und nicht Gottes. Andernfalls wären seine Entscheidungen von Gott vorherbestimmt und in Wirklichkeit in Gottes ewigem Ratschluss fest gemacht. Wir wollen nun anhand des oben zitierten Beispiels prüfen, ob dieses Argument schlüssig ist.

1. "Warum sollte man für die Bekehrung von jemandem beten, wenn Gott vor Grundlegung der Welt erwählt hat, wer seine Kinder sein werden?" Jemand, der sich bekehren muss, ist "tot in Übertretungen und Sünden" (Epheser 2,1); er ist "unter die Sünde versklavt" (Römer 6,17; Johannes 8,34); "der Gott dieser Welt hat seinen Sinn verblendet, damit er das Licht des Evangeliums der Herrlichkeit Christi nicht sieht" (2. Korinther 4,4); sein Herz ist gegen Gott verhärtet (Epheser 4,18), sodass er Gott gegenüber feindlich und in Rebellion gegen Gottes Willen lebt (Römer 8,7).

Nun möchte ich die Frage in umgedrehter Form an den Fragesteller richten: Wenn Sie darauf bestehen, dass dieser Mensch sich letztendlich Kraft seines Willens frei entscheiden kann, warum beten Sie dann überhaupt für ihn? Was möchten Sie, solle Gott für diesen Menschen tun? Sie können Gott nicht bitten, die Rebellion dieses Menschen zu überwinden, denn zu dieser Rebellion hat er sich ja gerade selbst entschlossen, und das würde bedeuten, dass Gott sich über die Entscheidung dieses Menschen hinwegsetzt und ihm seine Entscheidungsfreiheit wegnimmt. Aber wie kann Gott ihn retten, wenn er nicht das Herz dieses Menschen ändert und das verhärtete, feindselige Herz austauscht gegen ein Herz des ergebenen Glaubens?

Wollen Sie dafür beten, dass Gott den Verstand dieses Menschen erleuchte, damit er Christus wirklich erkennt und an ihn glaubt? Wenn Sie dafür beten, bitten Sie Gott im Endeffekt nicht mehr, die Entscheidung dieses Menschen seinem eigenen Willen zu überlassen, sondern dann bitten Sie Gott, etwas am Verstand bzw. Herzen dieses Menschen zu bewirken, was zur Folge hat, dass er wirklich sieht und glaubt. D.h. Sie gestehen damit ein, dass die letztendliche Entscheidung darüber, ob dieser Mensch auf Jesus Christus vertrauen wird, nicht bei ihm selbst liegt, sondern bei Gott.

Was ich damit sage: Nicht die Lehre von der Souveränität Gottes widerspricht Gebeten für die Bekehrung von Sündern. Ganz im Gegenteil: Die unbiblische Auffassung, die Bekehrung beruhe auf einer freien Willensentscheidung des Menschen, macht jegliche Gebete für Verlorene sinnlos. Gebet ist die Bitte, dass Gott etwas tun möge. Doch wenn Gott einen verlorenen Sünder retten wil, muss er seinen Widerstand, seine Rebellion gegen ihn, brechen. Wenn Sie darauf bestehen, dass der Sünder seinen freien Willen behalten muss, dann bestehen Sie damit darauf, dass er ohne Christus bleibt. Denn "niemand kann zu Christus kommen, es sei ihm denn vom Vater gegeben" (Johannes 6,65.44).

Nur wer die Auffassung vom "freien Willen" ablehnt, kann sinnvollerweise Gott bitten, einen Verlorenen zu retten. Ich bete für Ungläubige, dass Gott an ihnen das tut, was er auch bei Lydia getan hat: Er öffnete ihr Herz, sodass sie Acht gab auf das, was Paulus sagte (Apostelgeschichte 16,14). Ich bete, dass Gott, der einst sprach, "Es werde Licht!", durch dieselbe Schöpfermacht "aufleuchtet in ihrem Herzen zum Lichtglanz der Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes im Angesicht Jesu Christi" (2. Korinther 4,6). Ich bete, dass Gott "das steinerne Herz aus ihrem Fleisch wegnimmt und ihnen ein fleischernes Herz gibt" (Hesekiel 36,26). Ich bete, dass sie wiedergeboren werden "nicht aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Menschen, sondern aus Gott" (Johannes 1,13). Und bei all meinem Gebet versuche ich "milde zu sein, lehrfähig, duldsam ... ob ihnen Gott nicht etwa Buße gebe zur Erkenntnis der Wahrheit" (2. Timotheus 2,24-26).

Kurz gesagt, bitte ich Gott nicht, nur geduldig abzuwarten, ob mein Bekannter sich nicht doch noch für ein anderes Leben entscheidet. Ich empfehle Gott nicht, ihn in Ruhe zu lassen, damit nicht etwa seine Erkenntnis unwiderstehlich wird und er den freien Willen meines Bekannten verletzt. Nein! Ich bete, dass er meinen ungläubigen Bekannten mit seiner Erkenntnis überwältigt, dass er den versklavten Willen befreit, dass er den Toten lebendig macht und dass er sich durch keinen Widerstand davon abhalten lässt, damit mein Bekannter nicht verloren geht.

2. Wenn nun jemand sagt: "O.k., angenommen, die Bekehrung eines Menschen hängt letztendlich wirklich von Gott ab, verstehe ich immer noch nicht, welchen Sinn Gebet macht. Wenn Gott vor Grundlegung der Welt erwählt hat, wer gläubig wird, welche Aufgabe erfüllt dann unser Gebet?" Darauf antworte ich, dass es eine ganz ähnliche Aufgabe erfüllt wie die Evangeliumsverkündigung: Wie sollen die Verlorenen an den glauben, von dem sie nicht gehört haben, und wie sollen sie hören ohne einen Prediger, und wie sollen sie predigen, wenn sie nicht gesandt sind (Römer 10,14f.)? Der Glaube an Christus ist eine Gabe Gottes (Johannes 6,65; 2. Timotheus 2,25; Epheser 2,8), aber Gott hat verordnet, dass Menschen durch das Mittel der Evangeliumsverkündigung zum Glauben an Jesus Christus kommen. Es ist einfach naiv, wenn man sagt, dass die Erwählten sich sowieso bekehren würden, auch wenn niemand das Evangelium verkündet. Das ist deshalb naiv, weil es die Tatsache ignoriert, das die Verkündigung des Evangeliums genauso zuvorbestimmt ist wie der Glaube an das Evangelium: Paulus wurde zum Verkündigungsdienst ausgesondert, bevor er geboren wurde (Galater 1,15), gleiches gilt für Jeremia (Jeremia 1,5). Die Frage: "Würden die Erwählten gerettet, wenn wir nicht evangelisierten?", kommt deshalb der Frage gleich: "Würden die Erwählten gerettet, wenn es keine Erwählung gäbe?" Gott kennt die Seinen und er wird Boten erwecken, um sie zu gewinnen. Wenn sich jemand weigert, Bestandteil dieses Planes zu sein, weil ihm der Gedanke missfällt, da hineingenommen zu werden, bevor man geboren ist, dann werden weder Gott noch die Erwählen die Verlierer sein, sondern er. "Man wird gewiss in jedem Fall der Absicht Gottes dienen, wie immer man auch handelt, aber es ist ein Unterschied, ob man der Absicht Gottes dient wie Judas oder wie Johannes." (Problem of Pain Kapitel 7, Anthology, S. 910, vgl. S. 80)

Gebet gleicht der Evangeliumsverkündigung darin, dass es eine menschliche Handlung ist. Sie ist eine menschliche Handlung, die Gott verordnet und an der er Gefallen hat, weil sie die Abhängigkeit seiner Geschöpfe von ihm ausdrückt. Er hat verheißen, Gebet zu erhören, und seine Erhörung hängt in dem Maße von unserem Gebet ab, wie unser Gebet in Übereinstimmung mit seinem Willen steht. "Und dies ist die Zuversicht, die wir zu ihm haben, dass er uns hört, wenn wir etwas nach seinem Willen bitten" (1. Johannes 5,14). Wenn wir nicht wissen, wie wir gemäß dem Willen Gottes beten sollen, diesen aber ernstlich wünschen, "verwendet sich der Geist Gottes für uns Gottes Willen gemäß" (Römer 8,27).

Anders gesagt: So wie Gott darauf achtet, dass sein Wort verkündet wird als Mittel zur Errettung der Erwählten, so achtet er auch darauf, dass all jene Gebete gebetet werden, deren Erhörung er verheißen hat. Ich denke, dass die Worte des Paulus in Römer 15,18 gleichermaßen für seine Verkündigung gelten wie auch für seinen Gebetsdienst: "Ich würde nicht wagen, etwas davon zu sagen, wenn nicht Christus es durch mich gewirkt hätte, um die Heiden zum Gehorsam zu bringen durch Wort und Werk." Sogar unsere Gebete sind eine Gabe von dem Einen, der "in uns schafft, was vor ihm wohlgefällig ist" (Hebräer 13,21). O wie dankbar sollen wir sein, dass er uns erwählt hat, an diesem hohen Dienst beteiligt zu sein! Wie eifrig sollten wir sein, viel Zeit im Gebet zu verbringen!
Quelle: hier
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
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Registriert: 29.05.2010 19:23

Re: Die Souveränität Gottes und Gebet

Beitragvon Jose » 21.05.2011 22:11

Aus dem obigen Zitat von John Piper:
Ich werde oft gefragt: "Wenn Sie glauben, dass Gott alles nach dem Rat seines Willens wirkt (Epheser 1,11) und dass er alle vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Dinge unfehlbar kennt, warum sollte man dann noch dafür beten, dass etwas bestimmtes geschieht?" Gewöhnlich wird diese Frage bezüglich der menschlichen Entscheidungsfreiheit gestellt: "Wenn Gott einige dazu vorherbestimmt hat, seine Kinder zu sein, und sie vor Grundlegung der Welt dazu erwählt hat (Epheser 1,4.5), warum sollte man dann überhaupt noch für die Bekehrung von jemandem beten?"
Das Zitat im Eröffnungsbeitrag finde ich sehr interessant. Es hat wichtige Denkanstöße, lässt aber auch erkennen, wie unzureichend unser menschlicher Verstand ist. Im obigen Auszug aus dem Zitag mischt John Piper die Vorherbestimmung und die Vorsehung, das sind aber zwei verschiedene Begriffe und die Vorsehung hat nicht zwangsläufig etwas mit Vorherbestimmung zu tun. In Seiner Allmacht kennt Gott am Anfang schon das Ende aller Menschen, aber hat ER das Ende vorherbestimmt? Das ist ja die in diesem Forum häufig geführte Diskussion und die sollten wir auch berücksichtigen, wenn wir uns über das Gebet austauschen.

Ich möchte mir nicht anmaßen zu behaupten, Gott in allen Dingen verstanden zu haben und wir sollten die Worte im Propheten Jesaja diesbezüglich auch als eine klare Ermahnung sehen: "Denn so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken" Jes 55,9. Kann es nicht sein, dass Gott in Seinem Ratschluss sehr wohl die Verantwortung und die Mitwirkung des Menschen an der Durchführung Seines Heilplanes mit berücksichtigt, auch durch das Gebet? Dann hat ER zwar alles zuvor erkannt, aber nicht alles zuvor bestimmt. ER sieht unser Handeln, ER weiß, wie wir uns entscheiden werden, aber nicht ER hat vorherbestimmt, wer gerettet und wer nicht gerettet wird. In der Bibel erkenne ich das grundsätzliche Anliegen Gottes, alle Menschen zu erretten, auch wenn das nicht bedeutet, dass die Menschen ein Anrecht darauf haben, gerettet zu werden. Was unsere Gebete hierbei bewirken können, sollten wir ernstlich berücksichtigen und aus dem Wort Gottes versuchen zu verstehen.


Eine wesentliche Schlussfolgerung in dem Zitat von John Piper kann ich nicht teilen, sehe es auch so in der Bibel nicht:
Nur wer die Auffassung vom "freien Willen" ablehnt, kann sinnvollerweise Gott bitten, einen Verlorenen zu retten.
Der Mensch hat in begrenzter Weise einen freien Willen, durch den er sich dem Wirken des Heiligen Geistes entgegenstellen kann, auch wenn es um die Errettung seiner Seele geht. Wir können durch unsere Gebete sehr wohl bewirken, dass Gottes Gnade besonders mächtig an den Herzen wirkt oder Situationen zulässt, durch die der Sünder besonders ins Nachdenken kommt. Mit Sicherheit haben auch viele Unerrettete und "verlorene Söhne" viel Bewahrung erlebt, weil für sie gebetet wurde. Hierdurch stelle ich die Souveränität Gottes nicht in Frage, sondern ich erkenne hier meine und unsere Verantwortung. Ansonsten könnten wir alles auf die Souveränität Gottes und der Vorherbestimmung verschieben und bräuchten weder zu evangelisieren noch für die Menschen zu beten. Auch für die Gläubigen wären keine Gebete nötig, dass sie im Glauben fest bleiben. Auch das Gebet Jesu für Petrus wäre unnötig gewesen: "Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre" Lk 22,32. Aber es war nicht unnötig, sondern ein notwendiges Gebet, ob vor oder nach Pfingsten, das macht für mich keinen Unterschied.

Wir dürfen die Wirkung unserer Gebete, wenn sie ernst sind, nicht verkennen. Dabei bewirken natürlich letztlich nicht die Gebete etwas, sondern Gott, der nicht dazu verpflichtet ist, die Gebete seiner Kinder zu erhören, es aber gerne tut nach Seiner Verheißung. In den Psalmen lesen wir: "Lass als Rauchopfer vor dir stehen mein Gebet, das Erheben meiner Hände als Speisopfer am Abend" Ps 141,2. Und im letzten Buch der Bibel lesen wir: "Und als es das Buch nahm, fielen die vier lebendigen Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und sie hatten ein jeder eine Harfe und goldene Schalen voller Räucherwerk; das sind die Gebete der Heiligen" Offb 5,8. So wichtig sind für Gott die Gebete der Heiligen, dass sie hier und auch später in Kapitel 8,3 erwähnt werden.

Vor einigen Jahren lass ich ein schönes Zitat zum Gebet.
Der glimmende Docht
Einst brachte Samuel Zeller eine brennende Kerze mit in den Saal und blies sie nach einiger Zeit vorsichtig aus, sodass eine kleine Rauchsäule vom glimmenden Docht emporstieg. Dann hielt er ein brennendes Streichholz einige Zentimeter über der Kerze direkt in den Rauch, und siehe, der Rauch zog die Flamme herab und zündete das Licht wieder an. Um es seinen Zuhörern besser einzuprägen, wiederholte er das Experiment drei Mal und fragte dann die Versammlung, was das wohl bedeute. Wie freute ihn die Antwort: »Wenn auch das Licht des Glaubens erloschen ist, so kann doch das himmlische Feuer durch den aufsteigenden Rauch des Gebets den glimmenden Docht wieder entzünden.«

Quellenangabe:
Der kleine Wegweiser 2002 (St.-Johannes-Druckerei)
Wissen wir, wie wichtig unsere Gebete sind? Es ist auffallend, wie viel Wert in der Bibel auf das Gebet gelegt wird, z.B. durch Paulus: "Übrigens, Brüder, betet für uns, dass das Wort des Herrn laufe und verherrlicht werde wie auch bei euch" 2. Thess 3,1. Die Aussage von John Piper, im letzten Abschnitt seines Beitrages, ist ein schwacher Versuch zu erklären, was der Mensch letztlich nicht erklären kann:
Anders gesagt: So wie Gott darauf achtet, dass sein Wort verkündet wird als Mittel zur Errettung der Erwählten, so achtet er auch darauf, dass all jene Gebete gebetet werden, deren Erhörung er verheißen hat.
Wenn ich diesen Satz umdrehe, dann bedeutet er so viel wie: "Gott sorgt dafür, das genug Verkündiger da sind, und Gott sorgt auch dafür, dass alle wirklich erforderlichen Gebete gebetet werden". Auch dieser Gedanke ist durchaus interessant, aber ist damit die Frage beantwortet, warum Gebete überhaupt erforderlich sind?

José

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Gott will erbeten sein

Beitragvon Jose » 11.06.2011 20:26

Aus dem obigen Zitat von John Piper:
Nun möchte ich die Frage in umgedrehter Form an den Fragesteller richten: Wenn Sie darauf bestehen, dass dieser Mensch sich letztendlich Kraft seines Willens frei entscheiden kann, warum beten Sie dann überhaupt für ihn? Was möchten Sie, solle Gott für diesen Menschen tun? Sie können Gott nicht bitten, die Rebellion dieses Menschen zu überwinden, denn zu dieser Rebellion hat er sich ja gerade selbst entschlossen, und das würde bedeuten, dass Gott sich über die Entscheidung dieses Menschen hinwegsetzt und ihm seine Entscheidungsfreiheit wegnimmt. Aber wie kann Gott ihn retten, wenn er nicht das Herz dieses Menschen ändert und das verhärtete, feindselige Herz austauscht gegen ein Herz des ergebenen Glaubens?
Wir lesen in der Schrift die Worte Jesu: "Niemand kann zu mir kommen, wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht" Joh 6,44a, und zur Erhärtung dieser Botschaft sagt Jesus etwas danach: "Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben" Vers 65. Obwohl Gott, gem. 1. Tim. 2,4, "will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen", ist es keineswegs so, dass die Menschen handeln können wir sie wollen und die Liebe und die Geduld Gottes herausfordern. Wir lesen im Buch der Sprüche die Ermahnung: "Glücklich der Mensch, der beständig in der Gottesfurcht bleibt! Wer aber sein Herz verhärtet, wird ins Unglück fallen" Spr 28,14, und auch: "Ein Mann, der trotz Ermahnungen halsstarrig bleibt, wird plötzlich zerschmettert werden ohne Heilung" Spr 29,1.

Wenn wir also zu Gott um die Errettung eines Menschen flehen, dann ist es weniger die Ablehnung der Lehre des freien Willen, sondern zuerst die Bitte an Gott, die Gnadentür nicht zu verschließen und das Herz des widerstrebenden Menschen nicht zu verhärten. Sogleich ist es auch die Bitte an Gott, den verlorenen Menschen zu Jesus zu ziehen, denn ohne diesen Zug der Gnade, kann niemand zu Jesus kommen, selbst wenn er wollte.

In der Offenbarung lesen wir die bewegenden Worte: "Siehe, ich stehe an der Tür und klopfe an; wenn jemand meine Stimme hört und die Tür öffnet, zu dem werde ich hineingehen und mit ihm essen und er mit mir" Offb 3,20. Gott zwingt die Menschen nicht zur Umkehr, sondern Er lädt ein. Wie lange Gott bzw. hier Jesus an der Herzenstür eines Menschen klopft, liegt nicht in unserer Hand. Wir können niemanden bekehren, aber wir können Gott bitten, weiter an die Herzenstüren zu klopfen und die Menschen zu ermahnen, nach Seiner Weisheit, umzukehren.

Wie das alles mit der Souveränität Gott zusammenspielt, kann ich nicht erklären. Aber ich denke, dass niemand in der Lage ist, Gottes Handeln wirklich zu verstehen. Daher ist es mir wichtig, zuerst das zu tun, was ich klar aus der Schrift erkannt habe. Dazu gehört auch, dass wir füreinander beten, damit wir an der Wahrheit bleiben und das Ziel nicht verfehlen. Übrigens lesen wir auch die Worte des Apostel Paulus: "Brüder! Das Wohlgefallen meines Herzens und mein Flehen für sie zu Gott ist, dass sie gerettet werden" Römer 10,1. Hier geht es um Israeliten, welche Jesus noch nicht als den erwarteten Messias erkannt hatten. Aber interessant ist es doch, dass selbst Paulus hier bezeugt, dass er für sie zu Gott flehte, dass sie gerettet werden.

José


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