Woher kommt das Boese (Suende)?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Maria F.
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Woher kommt das Boese (Suende)?

Beitragvon Maria F. » 12.06.2011 16:01

Verzeiht mir, wenn ich ein Thema anschneide, was eventuell schon besprochen worden ist. Wenn es dazu schon ein Thread gibt, verweist mich bitte dahin.

Ich bin in einer etwas schwierigen Lage derzeit.
Ich habe mich in letzter Zeit intensiv mit dem Wort Gottes beschaeftigt, sehr viel von den "alten" Predigten gelesen (von Predigern wie Martin LLoyd-Jones, Spurgeon, Luther, Whitefield, Calvin) und auch ein wenig (was ich im Internet finden konnte) den kirchengeschichtlichen Fortgang hinsichtlich des Predigen des Evangeliums verfolgt.

Fuer mich war es sehr verwirrend zu entdecken, dass meine Gemeinde in mancher Hinsicht nicht biblisch ist.
Seit ich das entdeckte, erkannt habe, kann ich keine Predigt mehr hoeren und mich daran erfreuen (an den Punkten, die wahr sind), sondern mein Verstand ist wie darauf gepolt, alles Schlechte an der Predigt zu entdecken und auszufiltern. Ich emfpinde mittlerweile keine Freude mehr an den Gottesdiensten. Ich freue mich sehr, wenn ich dahin komme, aber ich gehe traurig und entmutigt wieder nach Hause.
(Vielleicht koennt ihr den Zustand mehr erkennen, wenn ich dass so ausdruecke -dass ist aber nur mein Eindruck:
Ich koennte mir vorstellen, dass das, was Luther, Spurgeon etc gelehrt haben und auch was ich hier in "Betanien" und anderen Internetseiten an bibeltreuen Texten und Predigten gefunden habe, die Menschen -irgendwann mal- ins Gefaengnis bringen koennte, aber nicht das, was in meiner Gemeinde gelehrt wird)


Wie soll ich das erklaeren.

-Also in unserer Gemeinde wird gelehrt, dass Gott gut ist (ausschliesslich gut), das heisst, dass alles Schlechte nicht von Gott kommt - sondern vom Teufel (Gott laesst es nur zu).

-Dann: der Mensch selbst entscheidet sich zu Gott zu kehren und ihm zu dienen. (In dem Sinne: "Gott kann wirken, wenn du es nur willst". Fuer mich kommt es mittlerweile einer Gotteslaesterung gleich -weist mich zurecht, wenn ich es biblisch falsch verstanden habe- als ob sich Gott von der Entscheidung des Menschen abhaengig macht.)


Vor allem wird gesagt, dass es zwei "Dinge" (ich will nicht Maechte sagen) gibt:
Das Gute und das Schlechte.
Alles Gute kommt von Gott.
Dann habe ich einmal gefragt, woher denn dann das Boese in das Herz Luzifers kam und mir wurde geantwortet, das wuesste man nicht.

Weiss man es wirklich nicht?

Daher meine Frage:
Woher kommt das Boese, die Suende (gibt es aufschluessige biblische Verse dazu)?

Ich bin fuer jede bibeltreue Literatur dazu dankbar.

Maria
Zuletzt geändert von Maria F. am 16.06.2011 01:11, insgesamt 1-mal geändert.

maxb
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Beitragvon maxb » 12.06.2011 19:28

Herzlich willkommen im Forum! Deine Situation kommt mir sehr bekannt vor. Wichtig ist, dass man nicht bitter gegen die Menschen wird und sie trotzdem annimmt wie sie sind, auch wenn sie andere Dinge glauben als man selbst. Das heißt nicht, dass man nicht über diese Dinge diskutieren darf (sollte man sogar!), allerdings ist (gerade wenn man mit den reformierten Lehren neu anfängt) es wichtig, dass man in der persönlichen Haltung und im Ton der Diskussion nicht in böse Neigungen fällt. Wenn man die Souveränität Gottes wirklich ernst nimmt, dann gibt es keinen Grund stolz auf irgendwelchen Erkenntniszuwachs zu sein. Man sieht Dinge, die einem ganz klar und offensichtlich sind, anderen aber nicht und da steckt immer die Versuchung mit drin, sich für etwas besseres zu halten. Aber es ist ALLES Gnade.

Ich kenne deine genaue Gemeindesituation ja nicht, aber prinzipiell bin ich davon überzeugt, dass wenn Christenverfolgung ausbricht, es nicht einfach nur um bestimmte Lehrsätze geht (so wichtig sie auch sind), sondern dass der oberste Lehrsatz alle Christen, ob reformiert oder nicht, in die Verfolgung bringt, nämlich das Bekenntnis, dass es in keinem anderen Namen das Heil gibt, als in Jesus Christus und die elementarsten Dinge, die dazu gehören.

Jetzt zum Thema. Gott IST ausschließlich gut.
1. Joh 1,5 "Und dies ist die Botschaft, die wir von ihm gehört haben und euch verkündigen: dass Gott Licht ist, und gar keine Finsternis in ihm ist."

Lk 18,19 "Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du mich gut? Niemand ist gut als nur einer, Gott."

Gott ist der Maßstab dafür was gut ist und was nicht, deshalb dürfen wir ihm nie die moralische Verantwortung für Sünde geben. Jakobus stellt auch unmissverständlich dar, dass bspw. unsere Sünde aus unserem bösen Herzen kommt und niemals Gott die Schuld gegeben werden kann, weil Gott absolut gut ist (Jak 1,13-18).
Wenn man also davon spricht, dass Gott die Sünde nicht verursacht, sondern zulässt ist man schonmal auf einem guten Weg. Nun gibt es auch eine zweite Seite. Gott wird uns in der Bibel als der ultimative Herrscher über alle Dinge vorgestellt. Alles was geschieht, geschieht durch den Ratschluss Gottes (Eph 1,11). In diesem Ratschluss sind auch unsere Sünden mit enthalten. Gott ist kein Zuschauer in einer von ihm unabhängigen Welt, sondern diese Welt läuft wie er es will. Hier wird der Unterschied zwischen dem biblischen Gott und einem unpersönlichen Schicksalsglauben sehr deutlich. Schicksal - was auch immer das sein soll - hat einfach alles gleichermaßen festgelegt. Gott können wir diese Art der Vorherbestimmung nicht zuschreiben, weil er (wie oben angedeutet) nicht sündigt. Sein Herz ist durch und durch gut, deshalb kann er einem Menschen bspw. keine bösen Gedanken eingeben, wie wenn er einem Christen gute Gedanken eingibt. Wenn es um Gnade geht, ist Gott auf eine andere Weise involviert, als wenn es um Sünde geht. Gnade ist etwas, was Gott uns direkt eingibt, Sünde ist etwas, was er zulässt und aus uns entspringt, wobei das Zulassen nicht so verstanden werden darf, als ob die Sünde nicht in seinem Plan enthalten wäre, sondern es bezieht sich auf die Art und Weise, wie er den Plan durchführt, nämlich anders als im Bezug zur Gnade. "Zulassen" wurde und wird oft leider so verstanden, dass Gott die Sünde gar nicht in seinem Ratschluss enthalten hatte, sondern durch Hellseherei darüber bescheid weiß und sich entsprechend dazu entscheidet sie zuzulassen. Gegen diese Art von Zulassen hat sich bspw. Calvin gewandt (siehe weiter unten).

Es gibt drei Möglichkeiten, wie man mit der Spannung in diesem Thema umgeht:
1) Man erhebt den freien Willen des Menschen überproportional zur Souveränität Gottes, als ob die Sünde nicht Teil seines Ratschlusses wäre und er sich notgedrungen dem Menschen bzw. Satan anpassen müsste.

2) Man erhebt die Souveränität Gottes überproportional gegenüber die Verantwortung des Menschen und macht Gott zum Urheber der Sünde, was auch keine Option sein darf.

3) Man erinnert sich in Not daran, dass alle Sünde im Ratschluss Gottes eingeschlossen ist und seinen Erwählten zum Besten dient und wenn es ums Ermahnen geht, dann appelliert man an die persönliche Verantwortung des Einzelnen vor Gott. Man lässt dann einfach die klaren biblischen Lehren, so wie sie uns präsentiert werden, spielt keine der beiden gegeneinander aus, sondern verwendet sie für die Zwecke, für die sie uns gegeben wurden und betet Gott für seine Größe und Macht an, die über unseren Verstand hinaus gehen.

Dieses Gleichgewicht findet man auch in den alten Bekenntnissen. Gottes unumschränkte Souveränität und Herrschaft in allen Dingen, aber auch seine absolute moralische Verantwortungslosigkeit für Sünde und die menschliche Verantwortung und Ungerechtigkeit müssen immer gleich hoch gehalten werden.
Wie genau das Böse in Satans Herz gekommen ist kann man nicht wissen, weil die Bibel sich hier in Schweigen hüllt. Wichtig ist, dass wir wissen, dass sein Herz böse ist, gegen Gott und seine Heiligen gerichtet, und auch wenn er stark ist, kann er gegen Gott niemals siegen sondern wird ihn am Ende mit seinen Taten nur noch mehr verherrlichen, weil Gott es zum Guten verwendet hat.

Hier gibt es das baptistische Glaubensbekenntnis von 1689. Das 3. Kapitel beschäftigt sich in kurzer Form mit dem Ratschluss Gottes und formuliert darin die beiden Seiten der Wahrheit ohne die eine Seite gegen die andere auszuspielen. Im letzten Artikel heißt es:

Die Lehre dieses großen Geheimnisses der Erwählung
muss mit besonderer Vorsicht und Sorgfalt behandelt werden,
damit diejenigen, die den in Gottes Wort geoffenbarten Willen
Gottes beachten und ihm gehorchen, im Blick auf die Gewiss-
heit ihrer wirksamen Berufung ihrer ewigen Erwählung gewiss
sein können.18 So soll diese Lehre zum Lob,19 zur Verehrung
und zur Bewunderung Gottes führen sowie zu Demut,20 Fleiß
und reichlichem Trost für alle, die aufrichtig dem Evangelium
gehorchen.21

18. 1Thess 1,4-5; 2Petr 1,10.
19. Eph 1,6; Röm 11,33.
20. Röm 11,5-6.
21. Lk 10,20.
"Vom unfreien Willen" von Luther sollte jeder mal gelesen haben. Über google sollte man den Text recht schnell finden. Ansonsten gibts in der Institutio auch viel zum Thema. Z.B.:
II,4,2
Ganz anders verhält es sich in solchen Fällen mit dem göttlichen Wirken. Um dies deutlicher gewahren zu können, wollen wir die Not ins Auge fassen, die dem heiligen Manne Hiob von Seiten der Chaldäer zustieß. Die Chaldäer erschlugen seine Hirten und raubten ihm mit Gewalt seine Herde. Ihre Übeltat liegt offen zu tage. Aber auch der Satan ist bei diesem Werke nicht müßig, ja von ihm geht nach der Erzählung das alles aus. Hiob selbst aber erkennt darin das Werk des Herrn und sagt, er habe ihm genommen, was doch von den Chaldäern geraubt worden war! Wie sollen wir für die nämliche Tat Gott, den Satan und den Menschen als den Urheber ansehen, ohne den Satan damit zu entschuldigen, daß doch auch Gott beteiligt sei, oder aber Gott zum Urheber des Bösen zu erklären? Das ist leicht, wenn wir zunächst auf die Absicht der Handlung achten und dann auf die Art der Ausführung. Der Ratschluß des Herrn geht darauf hinaus, seinen Knecht durch die Not in der Geduld zu üben. Der Satan bemüht sich, ihn zur Verzweiflung zu bringen. Und die Chaldäer möchten fremdes Gut wider alles Recht vor Gott und Menschen an sich reißen. Eine so große Verschiedenheit der Absichten trägt nun auch tiefe Unterschiede in das Werk selbst hinein. Nicht geringer ist daher auch die Verschiedenheit in der Art der Ausführung. Der Herr liefert seinen Knecht dem Satan aus, daß er ihn plage; er übergibt dem Satan auch die Chaldäer, die er als Diener zu solchem Werk bestimmt hatte, damit er sie dazu treibe. Der Satan dagegen bringt mit seinem giftigen Stachel das böse Wesen der Chaldäer dazu, diese Untat zu vollbringen. Und die Chaldäer rennen wild ins Unrecht hinein, verstricken und beflecken sich an Leib und Seele mit Bosheit. Man kann deshalb recht eigentlich sagen: In den Verworfenen wirkt der Satan; denn in ihnen übt er ja seine Herrschaft, also das Regiment der Bosheit aus. Man kann aber auch sagen: hier handelt Gott; denn der Satan selber ist ja das Werkzeug seines Zorns und wendet sich nach seinem Wink und Befehl bald hierhin, bald dort hin, um seine gerechten Gerichte zu vollstrecken. Dabei sehe ich hier von der all gemeinen Regierung Gottes ab, die alle Geschöpfe hebt und trägt und ihnen Kräfte zum Wirken verleiht. Ich rede nur von der besonderen Wirksam keit, die in jeder einzelnen Tat sich zeigt. Es ist also, wie wir bemerken, gar nicht widersinnig, wenn die gleiche Tat Gott, dem Satan und dem Menschen zugeschrieben wird; aber die Verschiedenheit in Absicht und Ausführung bewirkt doch, daß hier Gottes Gerechtigkeit unbescholten in Ehren bleibt und anderseits die Verworfenheit des Satans und des Menschen sich zu ihrer eigenen Schande kundtut.

II,4,3
Die alten Kirchenlehrer haben in allzu großer Zurückhaltung zuweilen Scheu, in diesem Stück die Wahrheit [dass Gott Menschen verhärtet] schlicht zu bekennen; sie möchten eben nicht der Gottlosigkeit Raum geben, ehrfurchtslos von Gottes Werken zu reden. Diese Bescheidenheit halte ich in allen Ehren; aber ich bin doch der Überzeugung, daß keine Gefahr besteht, wenn wir nur schlicht festhalten, was die Schrift uns sagt. Selbst Augustin ist von jener abergläubischen Furcht zuweilen nicht frei; so sagt er zum Beispiel, Verstockung und Verblendung des Menschen gehörten nicht zum tätigen Wirken Gottes, sondern zu seinem Vorherwissen (Von der Prädestination und der Gnade, 5). Aber derartigen Spitzfindigkeiten widerstehen viele Stellen der Schrift, die zeigen, daß Gott hier anders wirksam ist als bloß mit seinem Vorherwissen! Auch Augustin selber vertritt im fünften Buche der Schrift gegen Julian in langer Ausführung den Satz, die Sünde geschehe nicht nur mit Gottes Zulassung und unter seiner Geduld, sondern unter seiner Machtwirkung, nämlich zur Strafe für die früheren Sünden. Was man dann in gleicher Absicht von der "Zulassung" Gottes redet, ist zu gehaltlos, um bestehen zu können. Denn wir hören doch sehr oft, daß Gott die Verworfenen verblendet und verstockt, daß er ihr Herz wendet, leitet und antreibt — wie ich das oben ausführlicher dargelegt habe. Man wird aber nie klarmachen können, um was es sich da handelt, wenn man seine Zuflucht zu Wörtern wie "Vorherwissen" oder "Zulassung" nimmt. Wir antworten also, daß dies (das Verblenden und Verstocken der Verworfenen) auf zweierlei Weise geschehe. Zunächst: Nimmt Gott sein Licht weg, so bleibt um uns nichts als Finsternis und in uns nur Blindheit! Zieht er seinen Geist zurück, so wird unser Herz hart wie Stein. Hört seine Führung auf, so verwirrt und verirrt es sich. Wenn er also einem Menschen das Vermögen nimmt, zu sehen, zu gehorchen und das Rechte zu tun, so kann man mit Recht sagen, er verblende, er verstockt, er bringe ihn vom rechten Wege ab! Das Zweite kommt dem eigentlichen Sinn der genannten Worte noch näher: Gott lenkt, um seine Gerichte zu vollstrecken, durch den Satan, den Diener seines Zorns, der Verworfenen Ratschlüsse nach seinem Wohlgefallen, erweckt ihre Entschlüsse und bekräftigt sie in der Tat. So berichtet auch Mose, der König Sihon habe das Volk nicht durch sein Land ziehen lassen, weil Gott seinen Geist verhärtet und sein Herz verstockt hatte; dann fügt er als Absicht bei diesem Ratschluß hinzu: "Um ihn in eure Hände zu geben" (Deut. 2,30). Gott wollte ihn also verderben, und deshalb war die Halsstarrigkeit seines Herzens Gottes Vorbereitung zu seinem Untergang.
III,23,8

Hier nimmt man nun seine Zuflucht zu der Unterscheidung zwischen Willen und Zulassung; danach will man erreichen, daß die Gottlosen nur unter Gottes Zulassung, nicht aber nach seinem Willen verlorengehen. Aber was wollen wir sagen: aus welchem anderen Grunde soll er denn etwas zulassen, als - weil er es will? Freilich ist es nicht einmal an sich einzusehen, daß der Mensch sich das Verderben allein unter Gottes Zulassung und ohne seine Anordnung zugezogen habe. Als ob Gott nicht fest beschlossen hätte, in welcher Stellung nach seinem Willen die vornehmste unter seinen Kreaturen sich befinden sollte! Ich trage also keine Bedenken, mit Augustin einfach zu bekennen, daß Gottes Wille die Notwendigkeit der Dinge ist (Von der Genesis IV,15,26), und daß, was er will, notwendig eintreten wird, wie ja auch alles wirklich geschehen wird, was er vorausgesehen hat!

Wenn nun aber die Pelagianer oder die Manichäer oder die Wiedertäufer oder die Epikuräer - denn mit diesen vier Sekten haben wir es bei dieser Erörterung zu tun! - zu ihrer und der Gottlosen Entschuldigung auf die „Notwendigkeit“ verweisen, kraft deren sie durch Gottes Vorbestimmung gezwungen würden, so bringen sie nichts vor, was zu dieser Sache geeignet ist. Denn die Vorbestimmung ist doch nichts anderes als die Austeilung der zwar verborgenen, aber unbeschuldbaren göttlichen Gerechtigkeit. Weil es nun aber sicher ist, daß die, welche zu solchem Geschick (nämlich zum Verderben) vorbestimmt wurden, dessen nicht unwürdig waren, so ergibt sich: es ist ebenso sicher, daß das Verderben, dem sie kraft der Vorbestimmung unterworfen sind, völlig gerecht ist! Außerdem ist ihr Verlorengehen von Gottes Vorbestimmung in der Weise abhängig, daß sich doch die Ursache und Begründung dazu in ihnen selbst finden! Der erste Mensch ist nämlich gefallen, weil Gott es für nützlich hielt; warum er es dafür hielt, ist uns nicht bekannt. Dennoch ist es sicher, daß er es aus keinem anderen Grund getan hat, als weil er sah, daß so die Ehre seines Namens mit Recht verherrlicht würde. Wo du aber Gottes Ehre nennen hörst, da denke auch an seine Gerechtigkeit. Denn das, was Lobpreis verdient, muß gerecht sein! Der Mensch kommt also zu Fall, weil Gottes Vorsehung es so ordnet - aber er fällt durch seine eigene Schuld! Kurz zuvor hatte der Herr kundgetan, alles, was er gemacht hatte, sei „sehr gut“ (Gen. 1,31). Woher kommt denn dem Menschen solche Bosheit, daß er von seinem Gott abfällt? Es sollte niemand meinen, sie stamme aus der Schöpfung; deshalb hatte Gott das, was von ihm selbst ausgegangen war, durch eigenen Lobspruch gutgeheißen. Der Mensch hat also in eigener Bosheit die reine Natur verderbt, die er von dem Herrn empfangen hatte und zog durch seinen Fall auch seine ganze Nachkommenschaft mit sich ins Verderben! Deshalb sollen wir an der verderbten Natur des Menschengeschlechts die offenkundige Ursache der Verdammnis anschauen, die uns naher liegt - statt eine verborgene und tiefst unbegreifliche in Gottes Vorbestimmung zu suchen! Wir wollen es uns auch nicht verdrießen lassen, unseren Verstand Gottes unermeßlicher Weisheit so gar zu unterwerfen, daß er unter ihren vielen Geheimnissen zusammenbricht! Denn gegenüber dem, was zu wissen uns nicht gegeben ist und nicht gebührt, ist Nichtwissen etwas Gelehrtes, Trachten nach Wissen aber eine Art Wahnsinn!

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Beitragvon Joschie » 13.06.2011 12:11

Maria hat geschrieben:-Also in unserer Gemeinde wird gelehrt, dass Gott gut ist (ausschliesslich gut), das heisst, dass alles Schlechte nicht von Gott kommt - sondern vom Teufel (Gott laesst es nur zu).

-Dann: der Mensch selbst entscheidet sich zu Gott zu kehren und ihm zu dienen. (In dem Sinne: "Gott kann wirken, wenn du es nur willst". Fuer mich kommt es mittlerweile einer Gotteslaesterung gleich -weist mich zurecht, wenn ich es biblisch falsch verstanden habe- als ob sich Gott von der Entscheidung des Menschen abhaengig macht.)
Vor allem wird gesagt, dass es zwei "Dinge" (ich will nicht Maechte sagen) gibt:
Das Gute und das Schlechte.
Alles Gute kommt von Gott.
Dann habe ich einmal gefragt, woher denn dann das Boese in das Herz Luzifers kam und mir wurde geantwortet, das wuesste man nicht.
Weiss man es wirklich nicht?
Daher meine Frage:
Woher kommt das Boese, die Suende (gibt es aufschluessige biblische Verse dazu)?
Maria, deine Fragen und deine Situation kommen mir sehr bekannt vor, damit stehst du bestimmt nicht allein. Es gab Zeiten, da wurde Gott nur als der strafende Gott gesehen und heute ist Gott bloß noch Liebe. Beide Sichten haben in meinen Augen das gleiche Grundproblem. Sie haben ein einseitiges Gottesbild. Heute wird viel gesagt, wir können Gott nicht erklären, dieses ist wahr aber Gott zeigt uns in seinem Wort, sehr viel von seinen Wesen und Eigenschaften. So wie unser Gottesbild ist, so sieht auch unser Glaubensleben aus und genau darin liegt das Problem, das es in vielen Gemeinden kein umfassendes Gottesbild, das der Bibel entspricht, gelehrt wird. Ich möchte dir Mut machen, dich da auf den Weg zu machen, diesen nicht immer einfachen Weg zu gehen. Ich bitte dich, habe Geduld mit deinen Geschwistern in der Gemeinde, wenn sie dir nicht gleich folgen können.Zu deiner Frage wegen des Bösen lese dir bitte den Artikel.12 des Niederländischen Glaubensbekenntnis durch.
Artikel 12 - Von der Schöpfung der Welt und den Engeln
Wir glauben, dass der Vater durch sein Wort, das ist durch den Sohn(1), Himmel und Erde und die übrigen Dinge alle aus nichts geschaffen hat, als es ihm gut schien, und allen ihr Sein, ihre Gestalt und verschiedenen Wirkungskreise angewiesen, damit sie ihrem Schöpfer dienen möchten. Und dass er sie nun pflegt, erhält und regiert nach seiner ewigen Vorsehung und durch seine unermeßliche Macht(2). Und zwar so, dass jene dem Menschen(3), der Mensch aber seinem Gott diene(4). Er hat auch die Engel geschaffen, alle von Natur gut(5), dass sie seine Diener seien(6) und auch den Auserwählten dienen sollten(7); von ihnen sind jedoch einige von der herrlichen Beschaffenheit, von welcher Gott sie beschaffen hatte, zu ewigem Verderben abgefallen(8); andre jedoch sind durch die besondere Gnade Gottes in jenem ihrem ersten Zustande verharrt(9). Diese Teufel und bösen Geister nun sind so verdorben und schlecht geworden, dass sie sowohl Gottes als alles Guten geschworene Feinde sind, die der Kirche und ihren einzelnen Gliedern gleich wie Räuber aus dem Hinterhalte nach allen Kräften nachstellen(10), um mit ihren Verfälschungen und Täuschungen alles zu zerstören und zu verderben(11), und zwar so, dass sie sich von allen wollen verehren lassen, zu welchem Ende sie den Leuten viel versprechen; und das ist nicht zu verwundern, da der Teufel versucht hat, sich an Christum zu machen und ihn zu bewegen, dass er ihn anbete. Deshalb erwarten sie, durch ihre eigne Bosheit der ewigen Verdammnis verfallen, von Tage zu Tage die furchtbaren Strafen und Qualen für ihre Frevel(12). Deshalb verabscheuen und verdammen wir hier die Irrlehre der Sadduzäer(13), die da leugnen, dass es irgend Geister oder Engel gäbe(14). Gleichfalls auch die Irrlehre der Manichäer(15), welche behaupten, dass die Teufel von selbst entstanden und ihrer eigentlichen Natur nach böse wären, nicht aber verdorben durch freiwilligen Ungehorsam.

1) Gen 1, 1; Jes 40, 26; Hebr 3, 4; Offb 4, 11; 1.Kor 8, 6; Joh 1, 3; Kol 1, 16
2) Hebr 1, 3; Ps 104, 10; Apg 17, 25
3) Gen 1, 29-30; Gen 9, 2-3; 1.Tim 4, 3-4; Ps 104, 14-15
4) 1.Kor 3, 22; 1.Kor 6, 20; Mt 4, 10
5) Kol 1, 16
6) Ps 103, 20; Ps 148, 2
7) Hebr 1, 14; Ps 34, 8
8) Joh 8, 44; 2.Petr 2, 4; Jud 1,6
9) Mt 25, 31
10) Hiob 1, 7; 1.Petr 5, 8
11) Gen 3, 1; Mt 13, 25; 2.Kor 2, 11; 2.Kor 11, 3; 2.Kor 11, 14
12) Mt 25, 41; Lk 8, 30-31
13) Sadduzäer, eine jüdische Sekte, die auch noch sonst in der Bibel erwähnt werden; außer dem hier Angeführten leugneten sie auch die Auferstehung und Unsterblichkeit und verwarfen alle mündlichen Überlieferungen und Satzungen, nur das mosaische Gesetz anerkennend.
14) Apg 23, 8
15) Manichäer, die Anhänger des Art. 9 Anm. 11 genannten Mani; die hier angeführte Meinung beruhte auf der Lehre von zwei sich von Ewigkeit her entgegengesetzten Reichen, des Lichts und der Finsternis, die er aus dem Parsismus entnommen hatte.
Hier dieQuelle

A.W.Tozer "Das Wesen Gottes" Eigenschaften Gottes und ihre Bedeutung für das Glaubensleben. http://bitflow.dyndns.org/german/AidenW ... s_1996.pdf

Noch einige Bücher zu diesen Thema:Arthur W. Pink "Die Souveränität Gottes" , RVB 1993
John Owen "Leben durch seinen Tod" Das Sühnopfer Christi im Licht der Bibel RVB-Verlag
MacArthur: "Die Liebe Gottes" Einblicke in Gottes unergründliches Wesen und Handeln Betanien Febr. 2003
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Maria F.
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Registriert: 12.06.2011 00:06

Beitragvon Maria F. » 13.06.2011 13:17

Hallo und vielen Dank fuer die umfassenden Antworten.

Ich bin so froh hier auf Betanien gestossen zu haben.
Da ich sehr schwer an deutsche Buecher rankomme (bin zur Zeit in Peru) sind fuer mich alle Internetseitenangaben eine grosse Hilfe. Danke fuer jeden hilfreichen Link.

Ich bete um Geduld und Liebe fuer die Geschwister.
Ich habe einmal eine Diskussion deswegen angefangen und es ist nicht gut ausgegangen - doch Gott hat mich gefuehrt und ich habe mich vor der Gemeinde fuer meine Lieblosigkeit entschuldigt und seit dem bin ich sehr vorsichtig, was dieses Thema angeht.
Vorsichtig im Sinne von ich schneide es gar nicht mehr an. Ich weiss ganz ehrlich nicht, wie ich damit umgehen soll.

Zu dem einseitigen Gottesbild.
Ich komme aus einem Extrem, wo nur der "boese" Gott gepredigt wurde und bin jetzt in dem anderen Extrem, wo nur der "liebe" Gott gepredigt wird.
Aber egal wie Gott dargestellt wird, solange nicht das ganze Wesen Gottes gepredigt wird (das, was wir erkennen koennen), ist es da nicht Goetzendienst, wissentlich mit den Geschwistern Gott anzubeten, obwohl sie einen Gott anbeten, den sie sich geschaffen haben und der nichts mit der Bibel zu tun hat?
Gestern kam ich in diesen Konflikt.
Das Lobpreislied stimmte, es war zu Ehren Gottes, aber es kam mir wie ein Hohn gegenueber Gott vor, weil es nicht fuer ihn bestimmt war, sondern fuer einen Gott, von denen die Geschwister denken, dass er es ist.

Wie denkt ihr darueber?

Ich weiss es nicht.

Maria
Zuletzt geändert von Maria F. am 16.06.2011 01:11, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Joschie » 15.06.2011 17:45

Hallo Maria!
Ich kenne deine Gemeinde nicht, aber ich bin vorsichtig geworden, mit solchen Begriffen wie, sie dienen einem Götzen, weil sie ein einseitiges Gottesbild haben. Erst als ich mich intensiv mit dem befasst habe, was in der Bibel über das Wesen und den Charakter Gottes steht, bin ich mir der Vielfalt dessen bewußt geworden. Oft ist es so, in der Kirchengeschichte, das es nach einer Zeit, wo Gott nur als der zornige Gott gesehen wurde, danach wurde nur noch der gnädige Gott gesehen und so schlug das Pendel sehr oft hin und her. Leider ist es auch so das, das Thema, wie sieht unser Gottesbild aus, in Predigt und Lehre in vielen Gemeinden kaum eine Rolle spielt. Wenn die Gemeinde nicht unterwiesen wird, wie soll dann dort eine gesunde Lehre über das Gottesbild entstehen? Ich wollte früher auch immer mit dem Kopf durch die Wand, alles mußte sofort und gleich sein, wie ich es richtig fand. Heute sehe ich viele Dinge ruhiger, aber genauso entschieden. Wir brauchen auf diesem Weg viel Weisheit von Gott, für die richtigen Entscheidungen und den Umgang mit unseren Geschwistern.
Gruß Joschie
P.S.Hier wurde ein Strang zu diesen Thema eröffnet, da kann jeder mitschreiben!
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