"christliche Floskel"

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

Moderatoren: Der Pilgrim, Peter01, Anton

Maria F.
Beiträge: 3
Registriert: 12.06.2011 00:06

"christliche Floskel"

Beitragvon Maria F. » 16.06.2011 22:34

Ich habe eine Frage.

Was bedeutet Gottes Segen oder besser gesagt:

Was beinhaltet das Wort Segen Gottes alles.

"Gott segne dich"
"Ich wuensche euch viel Segen bei eurer Arbeit"
"Gesegneter Gott"
"Du bist ein grosser Segen"

In der Schoepfungsgeschichte segnete Gott seine Schoepfung, den siebten Tag etc.
Gibt es eine klare Definition dazu?

Auch noch ein Satz (den ich mir eventuell erklaern koennte - trotzdem eine Definition dazu gerne haben wuerde):

In Jesu Namen.

Danke
Maria

Benutzeravatar
Joschie
Moderator
Beiträge: 5674
Registriert: 28.02.2007 20:18
Wohnort: Hamburg

Beitragvon Joschie » 19.06.2011 15:50

Hallo Maria!
Es gibt in der Bibel Bildpaare die einen Gegensatz Erläutern, dazu einige Beispiele:
Jes.5.20 Wehe denen, die das Böse gut nennen und das Gute böse; die Finsternis zu Licht machen und Licht zu Finsternis; die Bitteres zu Süßem machen und Süßes zu Bitterem!

Ps1.3-4 Er ist wie ein Baum, gepflanzt an Wasserbächen, der seine Frucht bringt zu seiner Zeit, und dessen Laub nicht verwelkt; alles was er tut, gelingt ihm. 4 Nicht so die Gottlosen; sondern sie sind wie Spreu, die der Wind verweht.

Phil3.7-9 Aber was auch immer mir Gewinn war, das habe ich um Christi willen für Verlust gehalten;

:arrow: Zum Thema Segen lese dir mal folgende Bibelstelle durch:

5.Mose11.26-28, 26 Siehe, ich lege euch heute Segen und Fluch vor:
27 den Segen, wenn ihr den Geboten des HERRN, eures Gottes, gehorcht, die ich euch heute gebiete,
28 und den Fluch, wenn ihr den Geboten des HERRN, eures Gottes, nicht gehorcht und von dem Weg, den ich euch heute gebiete, abweicht, um andern Göttern nachzulaufen, die ihr nicht kennt.

Ich finde diesen Beitrag zum Thema Segen von Frank Koppelin gut:

:arrow: Segen in der Bibel


Und der HERR redete mit Mose und sprach: Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Der Begriff „Segen“ im AT und NT
Im AT steht für segnen vor allem das Wort barak und im NT das Wort eulogeo. Als Grundbedeutung des alttestamentlichen Begriffs nimmt man meist die Bedeutung „Heilskraft“ an. Der griechische Begriff bedeutet eigentlich „schön oder gut reden“. Deutlich wird dies noch Röm. 16,18: Denn solche dienen nicht unserm Herrn Christus, sondern ihrem Bauch; und durch süße Worte und prächtige Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.

Oder der griechische Begriff wurde gebraucht, um jemanden zu loben (z.B. Soldaten). In der Bibel gibt es drei Richtungen des Segens:

:arrow: 1. Menschen „segnen“ Gott

In diesem Zusammenhang wird der Begriff eher mit „loben“ oder „preisen“ wiedergegeben. Es ist die dankbare Anerkennung des Handelns Gottes an seine Geschöpfe. Daher ist diese Bedeutung häufig in den Psalmen zu finden. Dies gilt umso mehr, da das Hebräische kein Wort für Danken kennt. (In Stellen wie „Danket dem Herrn, denn er ist freundlich ...“ [Ps.106,1], liegt meist eine Übersetzung eines Wortes vor, das besser mit „preisen“ übersetzt wird.) Der Grund der Freude und des Dankes ist zumeist sehr verschieden: ein Kind, Erfolg, Bewahrung, Heil usw. Der Lobpreis Gottes entsteht da, wo der Mensch vor den Erweis der göttlichen Wohltat gestellt wird. Man könnte hier sagen, dass der Mensch Gott anbetend segnet. Aber das Segnen Gottes bedeutet auch, seine Machtstellung sowie sein Herrschaftsanspruch in aller Form anzuerkennen. Der Segnende bekennt Gott als seinen Herrn.

:arrow: 2. Menschen segnen Menschen

Dieser Segen gehört z.B. in die Situation eines bestimmten Lebensabschnitts. So segnet der sterbende Vater seine Kinder. Aber auch das einfache Begrüßen ist ein Segensausspruch, wie auch das Tischgebet, als Dank für die Versorgung. Der König segnet sein Volk und wird seinerseits vom Volk gesegnet. Letzteres ist Anerkennung seiner königlichen Würde und seines Amtes. Aber immer da, wo Menschen segnen, ist es letztlich Gottes Ermächtigung den Segen zu sprechen (z.B. Bileam 4.Mose 22,38. 24,1ff; aaronischer Segen 4.Mose 6,22-27). Im Mittelpunkt des Segens steht das Wort. Dazu kommt oft noch die Geste des Handauflegens oder des Handaufhebens. Wie beim Fluch gehört zumindest der Blickkontakt zum Segen dazu.

Der Segen des Priesters ist Höhepunkt und Ziel des Gottesdienstes. Damit unterscheidet sich dieser Gottesdienst vom Götzendienst, der als Zielpunkt die Enthüllung der Statue hatte. (siehe 4. Mose 6,22 - 27)

:arrow: 3. Gott segnet Menschen

Dies soll im Mittelpunkt der Betrachtung stehen: Gottes Segen gilt den Menschen! Sein Segen zeigt sich schon in der Schöpfung. Wenn er hier segnet, so ist das einmal die Verleihung der Fruchtbarkeit, aber auch die Übertragung der Herrschaft an den Menschen. Der Segen des Schöpfers gibt dem Menschen seine Würde und Stellung innerhalb der Schöpfung. Die Bedeutung des Segens und der Wunsch, ein Gesegneter zu sein, lässt sich sehr gut an Kain und Abel (1. Mose 4) wie auch an Jakob und Esau (1. Mose 27,34ff) erkennen. Die letzte Geschichte zeigt auch, dass zum Segen die Erwählung gehört. Gesegnet kann nur der werden, der auch erwählt ist. Der Segen Gottes ist sein machtvolles Wort, das nicht leer zurückkehrt. Damit ist der Segen als Vermittlung von Lebensmacht und Lebensfülle charakterisiert. Doch steht der Segen nicht in der Verfügung des Menschen.

Der „Ursegen“ oder „Schöpfungssegen“ erging dabei an Mensch und Tier (1. Mose 1, 22.28; 2,3). Sie werden zum Träger des Lebensstroms. Doch alle Erhaltung des Lebens wie eine reiche Ernte, Erfolg, Haus und Familie sind Segensgaben des Schöpfers. So ist auch ein langes Leben eine Segensgabe Gottes. Der Gesegnete ist ein Mann des Erfolgs (Josef, David; vgl. auch Ps.1 ). Zusammenfassend kann gesagt werden, dass das Ziel allen Segens der salom ist. Dabei ist der Begriff salom viel umfassender als unser Begriff Friede. Der Begriff salom beschreibt einen Zustand des Friedens, des Rechts, der Ordnung, des Wohlstands und Wohlergehens. Der König sollte diesen Zustand herbeiführen durch eine weise Regierung. Doch letztlich wird dies nur der Friede - Fürst leisten können.

Somit bedeutet Segen Gottes höchste Begnadigung und das Leben vor seinem Angesicht, wie eben der Fluch ('arur) das Getrenntsein von Gott bedeutete. Segen bedeutet also auch Aufnahme in die Gottesgemeinschaft. In dieser Gottesgemeinschaft darf auch Vergebung erfahren werden (Ps. 32). Unter dem Lichtglanz der Gnade Gottes weiß sich der Gesegnete behütet und im Leben wie im Sterben geführt.

Der Sabbat gilt als Tag, der gesegnet ist (1. Mose 2,3). Damit ist dieser Tag als geheiligter Tag auch in die Sphäre Gottes gerückt. Dieser Tag wird Erkennungszeichen Israels sein und seine Erfüllung in der letzten eschatologischen (= endzeitlichen) Sabbatruhe finden (siehe hierzu Hebr. 4,1ff).

:arrow: 4. Segnen als Aufgabe der Gemeinde

Segnen bedeutet also im Innersten, einen Menschen in die Nähe Gottes zu rücken, ihm Gutes zu tun und zu wünschen. Dazu ist gerade die Gemeinde berufen 1. Pt. 3,9. Ihr ist gesagt, dass sie selbst die Feinde lieben sollen und sie segnen soll. Das Fluchen ist dem Jünger untersagt. Die größte Segnung Gottes ist die endgültige Vergebung im Opfer Jesu (Apg. 3,26). Darf auch vom NT her der materielle Segen nicht einfach nur als nicht mehr existent angesehen werden, so steht doch der geistliche Segen im Vordergrund (Eph. 1,3ff).

Nun ist also die Gemeinde zum Segnen aufgerufen. Meistens wird am Ende eines Gottesdienstes ein Segen gesprochen. Oft sind es Bibelverse, die verlesen werden. Doch ist dies wirklich Segen? Die Segensformeln klingen oft so fremd an unser Ohr, dass wir uns nicht viel darunter vorstellen können. Auch sind viele Segensgebete eher als Fürbitten zu bezeichnen. Segen ist immer ein Zuspruch im Namen Gottes. Was aber können wir der Gemeinde, dem Einzelnen zusprechen? Z.B. dies, dass Jesus seine Gegenwart verheißen hat und jeden begleiten wird. Dem Mitarbeiter, den Gott in einen Dienst beruft, darf zugesprochen werden, dass er von Gott begabt und ausgerüstet ist. Hier wird Segen konkret im Alltag, im Zuspruch Jesu an den Einzelnen. Wenn es stimmt: An Gottes Segen ist alles gelegen!, dann muss das auch im Gottesdienst, im Leben der Gemeinde und im Alltagsleben des Christen sichtbar werden. Kann es sein, dass wir diesen Satz vergessen haben? - oder ihn nur noch als Parole ohne Wert vor uns her tragen? Ich wünsche uns neu die Erfahrung, dass Gott seinen Segen über uns ausgießt.

Gott,
Ursprung und Ziel allen Lebens,
segne dich,
deine Gedanken und dein Tun,
dass dir gelingen möge,
was du dir vorgenommen hast,
und behüte dich
vor falschen Schritten,
dass du zur rechten Zeit sagen
und tun kannst,
was richtig für dich ist.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir
und erhelle dir Zeiten
innerer Unsicherheiten,
damit du Klarheit gewinnst über das,
was du wirklich bist.
und sei dir gnädig,
indem sich auch deine Irrtümer zum Guten
hin wenden lassen.
Gott erhebe sein Angesicht auf dich
und begabe dich mit Mut und Phantasie,
allen Enttäuschungen zum Trotz wieder
Neues zu wagen, und gebe dir Frieden.
in der Erfüllung deiner Träume und deiner Zeit
.
Christa Spilling - Nöker

Quelle:Des Beitrages hier
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste