Warum Beschneidung mit acht Tagen?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Jörg
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Beitragvon Jörg » 21.08.2011 18:30

Joschie hat geschrieben:Hallo Watson!
Um Missverständnisse vorzubeugen ich vertrete die Glaubenstaufe.Ich versuche auch die Geschwister die eine andere Sicht in der Frage der Taufe haben als ich zu verstehen und befasse mich mit ihren Argumenten.
Vielleicht hilft folgender Dialog zwischen einem Lutheraner und einem Baptisten zum besseren Verstehen?



Nachfolgendes 'Gespräch' zwischen einem Baptisten (B.) und einem Lutheraner (L.) ist der Versuch, in dialogischer Form einige Grundlinien der unterschiedlichen Lehrauffassungen und der biblischen Grundlagen für die Kindertaufe herauszustellen und so das Verständnis für diese fragen zu vertiefen.)


B.: Es wundert mich doch sehr, daß ihr als Bekenntnislutheraner Kinder tauft, denn ihr besteht doch sonst so sehr auf der absoluten Irrtumslosigkeit und Verbindlichkeit der Bibel. In der Bibel aber finde ich nicht, daß Jesus Christus als Kind getauft wurde.

L.: Das ist richtig; unser Herr Jesus Christus wurde nicht als Kind getauft. Aber: zu dieser Zeit war die Taufe selbst als göttliche Ordnung noch gar nicht eingesetzt. Vielmehr hat sie Jesus Christus ja erst kurz vor seiner Himmelfahrt, im Zusammenhang mit dem Missions- oder Reichsbefehl Matth. 28 geordnet. Dagegen aber ist Jesus, wie alle jüdischen Knäblein, am achten Tage beschnitten und damit in das Volk Gottes aufgenommen worden, wie 1 Mose 17 aussagt - obwohl er doch selbst gar nichts dazu tun konnte, Glied des Gottesvolkes zu sein. Wenn wir dazu noch bedenken, daß die Beschneidung das Siegel der Gerechtigkeit ist, Röm. 4, so hat ein jüdisches Knäblein dieses Siegel bekommen, lange bevor es rational denken konnte, einen überlegenden, nachdenkenden Glauben ausüben konnte.

B.: Gut, das war im Alten Testament so. Aber im Neuen Testament haben wir die Beschneidung nicht mehr und von einer Taufe von Kindern finde ich da wirklich nichts.

L.: Sie sagen, daß die Beschneidung im Neuen Testament aufgehört hat. Das ist ganz richtig. Aber warum ist das so? Wenn wir in den Kolosserbrief ins zweite Kapitel sehen, finden wir da nicht einen ganz bedeutsamen Hinweis, der uns auch im Blick auf die Taufe weiterhelfen könnte? Da heißt es doch: In welchem [nämlich Christus] ihr auch beschnitten seid mit der Beschneidung ohne Hände, durch die Ablegung des sündlichen Leibes im Fleisch, nämlich mit der Beschneidung Christi, in dem, daß ihr mit ihm begraben seid durch die Taufe. Werden hier nicht Beschneidung und Taufe parallel gesetzt, ja, könnten wir damit nicht die Taufe als die neutestamentliche Fortsetzung dieses Bundeszeichens, der Beschneidung, erkennen? Wenn aber die Beschneidung an achttägigen Knäblein vollzogen wurde, was sollte uns dann hindern, Säuglinge zu taufen?
Sie haben gesagt, Sie fänden keine Taufen von Kindern in der Bibel, deshalb seien sie auch nicht recht. Nun, es ist richtig, daß nirgends ausdrücklich gesagt wird, daß auch Kinder getauft werden sollten. War es aber gerade im Blick auf die Beschneidung nicht schier selbstverständlich, daß die Taufe auch an Kindern christlicher Eltern vollzogen wurde, so daß diese Frage in der frühen christlichen Zeit gar nicht im Raume stand? Und: haben wir nicht mehrere Hinweise, nämlich bei Hauptmann Cornelius, bei Lydia und bei dem Gefängniswärter in Philippi (Apg. 10 und 16), bei denen es heißt, daß sie getauft wurden mit ihren Häusern? Schließt aber nicht der Begriff 'Haus' gerade auch die Kinder ein? Bedenken wir doch, was dieser Begriff in der Heiligen Schrift Gottes, die doch für uns verbindlich sein soll, gebraucht wird. Nehmen wir nur einmal 1 Mose 17, die Einsetzung der Beschneidung. Wem war sie denn zugesagt als ein Siegel des Glaubens? Als Siegel des Glaubens war sie doch gezielt auf Abraham - und doch soll sie nicht nur an ihm vollzogen werden, sondern an allen, die seinem Hause als männliche Glieder angehören. Und so geht die Verheißung auch ausdrücklich über seine Nachkommen. Übrigens: diese Verheißung wird Apg. 2 durch Petrus nach seiner Bußpredigt gerade auch im Blick auf die Taufe erneuert. Auf dem Landtag zu Sichem kann Josua, Jos. 23, ohne Beratung mit seiner Familie klar aussprechen: Ich und mein Haus wollen dem Herrn dienen. Josua konnte hier ganz klar für sein Haus sprechen. Und so finden wir es immer wieder: Im Hausvater spricht Gott das ganze Haus an. Besonders deutlich tritt dies doch hervor bei dem Gefängniswärter in Philippi. Nur von ihm heißt es ausdrücklich, daß er gläubig wurde - und doch ließ er sein ganzes Haus taufen, ja, wir haben dort diesen ganz da hineinpassenden Ruf des Paulus: Glaube an den Herrn Jesus Christus, so wirst du und dein Haus selig. Auch hier wird das Haus hineingenommen, das nun unter der Verkündigung des Hausvaters stehen sollte, um zum Glauben zu kommen. Wir haben also durchaus die biblische Ordnung auch für die Kindertaufe. Und vor allem: Gehören die Säuglinge nicht mit zu den Völkern, die zu Jünger gemacht werden sollen durch Taufen und Lehren, Matth. 28?

B.: Aber es hat ja schon in der frühen Kirche eindeutige Gegner der Kindertaufe gegeben!

L.: Sie denken sicher an Tertullian? Ja, er war ein Gegner der Kindertaufe. Aber wenn Sie seine Argumente betrachten, so sind sie kaum aus der Bibel genommen - und vor allem, eines hat er nicht gesagt, weil es einfach nicht möglich war, nämlich daß die Apostel keine Kinder getauft hätten und die Kindertaufe später aufgekommen sei. Nein, das konnte er nicht sagen. Aber wäre dem so gewesen, so hätte er doch gerade das gesagt, denn welch stärkeres Argument hätte er sonst noch haben können? Wir hören nirgends etwas von einer Taufdiskussion im 1. oder 2. Jahrhundert, weil es zu einer Änderung der Taufpraxis gekommen wäre. Aber wäre nicht mit Sicherheit eine solche aufgekommen, wenn hier solch eine dann doch tiefgreifende Änderung in der Taufpraxis und damit auch Taufauffassung eingetreten wäre?

B.: Gut, aber ich sehe doch von der Bibel her, daß erst der Glaube da sein muß und dann soll die Taufe folgen, als eine Antwort, ein öffentliches Bekenntnis dessen, der zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist. So haben wir doch in Mark. 16 die Reihenfolge: erst Glaube, dann Taufe. Ist es nicht so?

L.: Gewiß haben wir in Mark. 16 diese Reihenfolge, aber in Matth. 28 ist sie genau umgekehrt. Diese Reihenfolge beweist doch daher nichts, nicht wahr?

B.: Aber der Glaube muß doch da sein, das sagen Sie als Lutheraner doch auch, nicht wahr? Ohne den Glauben kann doch niemand errettet werden! Aber so ein Säugling, der kann doch gar nicht glauben. Also darf man ihn auch nicht taufen. Und außerdem kann er ja auch gar nicht Buße tun, die doch dem Glauben vorangeht.

L.: Ohne den Glauben an Jesus Christus kann niemand errettet werden. Das ist ganz richtig, da stimmen wir überein. Aber wenn Sie sagen, daß ein Säugling nicht glauben kann, so muß ich Ihnen entschieden widersprechen. Kann es nicht sein, daß wir da ein völlig verschiedenes Glaubensverständnis vielleicht haben? Wenn ich Sie so recht verstehe, so gehört bei Ihnen zum Glauben das Verstehen, das Nachdenken, die Reflexion mit dazu, spielt also der Verstand eine große Rolle. Und weil ein Säugling so etwas noch nicht kann, seinen Glauben auch noch nicht für uns vernehmbar ausdrücken kann, so meinen Sie: er kann gar nicht glauben. Aber ist der rettende Glaube ein Produkt unseres Verstandes? Ist die Bekehrung, die Wiedergeburt denn ein Akt, der aus unserem Verstand kommt, eine Entscheidung, die wir bewußt, überlegt treffen? Ist nicht vielmehr der Glaube ein Geschenk Gottes durch sein Evangelium, Joh. 6; Eph. 2? Und ist nicht der Glaube in seinem eigentlichen Kern Herzenssache, Röm. 10, also Vertrauen? Und vertrauen, das kann auch ein Säugling, wie wir in seinem Verhältnis vor allem zur Mutter sehen. Sicher, er überlegt nicht, stellt keine Untersuchungen an, die dann zu dem Ergebnis führen: das ist meine Mutter, in ihrem Leib bin ich gewesen, sie hat mich geboren, darum darf ich ihr vertrauen. Nein, all das ist nicht da. Ein Kinder, auch ein Säugling, vertraut direkt. Und: ist das nicht gerade das Schöne, ja, Vorbildhafte bei den Kindern?

B.: Das ist ja sehr interessant, was Sie sagen, aber beweisen aus der Bibel können Sie es nicht!

L.: O doch! Gottes Wort schweigt nicht darüber! Denken wir nur an die oft zitierte Stelle mit der Segnung der Kinder durch den Herrn Jesus Christus, etwa Mark. 10. Hier sind dem Heiland ganz kleine Kinder gebracht worden, nach dem Lukasevangelium so kleine, daß sie auf dem Arm getragen werden mußten. Haben sie denken können? Konnten sie über ihren Glauben reflektieren? Die Jünger haben wohl zunächst ganz ähnlich gedacht wie auch heute viele: Was wollen die bei Jesus? Die können seine Predigt doch gar nicht aufnehmen! Aber Jesus hat anders darüber gedacht. Er hat sie gesegnet - denn die Taufe war damals noch gar nicht eingesetzt - und hat dann noch diesen bedeutsamen Zusatz gemacht: Solcher ist das Himmelreich. Damit hat er eindeutig gesagt: sie haben das Himmelreich. Nun sagt es die Heilige Schrift ganz klar, Joh. 3, und wir beide bekennen es ja auch: ohne den Glauben kann niemand ins Reich Gottes kommen. Damit aber spricht der Herr Jesus ihnen eindeutig den Glauben zu. Und er bekräftigt dies noch, wenn er sagt, daß nur der, der das Reich Gottes wie ein Kindlein empfängt, auch hineinkommt. Damit bezeugt er: Ein Kindlein kann das Reich Gottes empfangen, kann hineinkommen; damit aber auch: es kann glauben. An anderer Stelle spricht er von kleinen Kindern, die er zu sich stellte, daß sie glauben können und warnt davor, ihren Glauben zu Fall zu bringen. Ja, er betont, daß Gott nicht will, daß eines dieser Kleinen verloren gehe, Matth. 19. Insofern ist die Säuglingstaufe sehr wohl eine Glaubenstaufe, weil wir bitten und auch aufgrund des Wortes Gottes glauben, daß der dreieinige Gott dem Säugling im Zusammenhang mit der Taufe durch sein Wort auch den Glauben weckt, nicht durch eine magische Wirkung der Taufe, nein, sondern durch sein Wort.
Übrigens, Sie sagten vorhin noch, die Taufe sei ein öffentliches Bekenntnis, das wir bringen, und das ein Säugling ja noch nicht bringen könne. Aber wo finden Sie das in der Bibel? Wenn wir die Aussagen zur Taufe betrachten, Joh. 3, auch Röm. 6, Apg. 22, Eph. 5, Tit. 3, so lesen wir doch dort ganz deutlich, daß die Taufe ein Handeln Gottes an uns ist, daß Gott uns Menschen da beschenkt: er reicht uns die Wiedergeburt, die neue Geburt; der alte Mensch wird in der Taufe gekreuzigt, und ein neuer Mensch steht auf aus der Taufe; in der Taufe werden die Sünden abgewaschen. Zur Taufe gehört aber das Wort Gottes unbedingt dazu, ja, es ist sogar das wichtigste Element in der Taufe. Dieses Wort ruft zum Glauben, weckt den Glauben. Denn da stimmen wir beide sicher überein: all das, was Gott darreicht, auch in der Taufe, haben wir nur durch den Glauben. Sehen Sie, das sagen wir auch: wer nicht wirklich von Herzen an Jesus Christus als an seinen Heiland glaubt, der hat auch all das nicht, was Gott im ihn der Taufe dargereicht hat, der ist wieder unter Gottes Zorn und bedarf der Bekehrung, sonst nutzt ihm die Taufe nichts, gar nichts.

B.: Sehen Sie! Das betonen wir auch. Und wenn wir recht hinsehen, so müssen wir doch sagen: Die Kindertaufe nutzt doch nichts, was ist denn geworden aus den vielen, die als Säuglinge getauft wurden? Sie wird doch nur als ein Ruhekissen mißbraucht!

L.: Sie haben völlig Recht, wenn Sie sagen, daß, leider, an vielen nichts mehr von der Taufgnade zu bemerken ist. Aber besteht die Gefahr nicht auch, wenn der Mensch älter ist? Stehen wir nicht täglich in der Gefahr, uns durch Sünde wieder von Gott zu entfernen? Es ist auch völlig falsch, wenn die Betonung weg von der Taufe auf die Bekehrung, das Datum der Bekehrung, gelegt wird, und man meint: nun ist alles in Butter, jetzt komme ich gewiß in den Himmel. Das ist geradeso falsch wie die Meinung: Ich bin getauft, darum komme ich auf jeden Fall in den Himmel. Nein, so einfach ist es nun wirklich nicht. Ruft uns nicht gerade im Zusammenhang mit der Taufe Röm. 6 zu täglicher Buße, Vergebung und Glauben auf? Wir bedürfen also täglich neu der Sündenerkenntnis, täglich neu der Vergebung, die wir im Glauben ergreifen sollen, und daraus täglich neu der Hingabe an Jesus Christus, unseren Herrn.
Und so steht es nun doch beim Säugling auch. Nach der leiblichen Geburt ist er da - aber wir stellen ihn doch nicht gleich an die Werkbank oder schicken ihn auf die Universität, sondern er muß nun erst einmal heranwachsen und viel lernen. Und mit jemandem, der die geistliche neue Geburt empfangen hat, da geht es doch nicht anders. Auch hier ist viel Unterweisung, Erziehung, Hilfe nötig, daß er gefestigt wird. Und das ist es, woran es so vielfältig fehlt. Hier ist die Frage der Taufzucht aufgeworfen - und da haben Sie völlig recht, wenn Sie dann meinen, daß vielfach nicht getauft werden sollte. O ja, wo die Erziehung im Glauben nicht gewährleistet ist, und sei es nur durch ein Familienglied, da kann nach Matth. 28 die Taufe auch nicht gewährt werden. Hier liegt tatsächlich eine sehr große Not.
Übrigens, die Buße, die Sie vorhin ansprachen, soll allerdings beim bewußten Menschen dem Glauben vorausgehen, aber nicht in der Weise, daß sie eine Vorbedingung für die Errettung ist. Denn auch sie ist ja nicht unser Werk, das wir Gott bringen, sondern doch vielmehr ein vorbereitendes Werk Gottes durch das Gesetz in uns, wie wir etwa Röm. 7 und Gal. 3 sehen.

B.: Es ist richtig, daß auch nach der Taufe der Mensch in Buße und Glauben leben muß. Da stimme ich Ihnen zu. Aber das andere kann ich doch noch nicht so annehmen, so interessant und vielfach auch neu es mir ist.

L.: Nun, ich denke, es war gut, daß wir uns überhaupt schon einmal darüber austauschen konnten und aus Gottes Wort bedenken, was es über die Taufe sagt.

Quelle: http://www.lutherische-bekenntnisgemein ... efault.htm

Lieben Gruß, Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Watson
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Registriert: 05.07.2011 19:46

Beitragvon Watson » 22.08.2011 16:42

Danke Jörg, für den interessanten Dialog.

Das Thema "Gläubige vor und unter dem Gesetz" ist tatsächlich komplex und für mich momentan doch zu zeitraubend.

Danke für alle Beiträge!
Watson

harri
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Der achte Tag

Beitragvon harri » 29.08.2011 18:57

Die Kinder mussten am achten Tag beschnitten werden, da die Nummer acht symbol-bedeutung hat.

Die nummer acht hat in der bibel nummern-lehre die bedetung "Neues Leben". Am achten tag ensteht neues leben. Das neue leben is aber eng verbunden mit dem ewigen leben das jesus anbietet, das unendlich weit geht. Daher is auch die nummer acht, wenn man es um 90 grad dreht, das symbol fuer die unendlichkeit in der mathematik.

nur kinder von glaubigen elternteilen sind unter das neue Bundniss gestellt, wie es ja auch im AT so war. Sobald die kinder das 12 Jahresalter erreichen werden sie als Erwachsene behandelt.


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