Die Heile/ Selbstverletzungsgemeinde

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Die Heile/ Selbstverletzungsgemeinde

Beitragvon Joschie » 08.09.2011 19:02

Hallo Ihr!
Beim Thema Gemeinde denkt man oft, welche Aufgaben sie hat, wie die Gemeinde aufgebaut ist und wie die Verkündigung(Lehraussagen) sind.Diese Dinge sind wichtig und darüber gibt es auch etliche gute Bücher.
In Gesprächen mit Geschwistern habe ich oft erlebt, das einige beim Thema Gemeinde sehr einsilbig wurden und dann öfter sagten, das sie zur Zeit keine eigene Gemeinde haben.Solche Geschwister werden sehr schnell als Gemeindespringer abgetan, die mit nichts richtig zufrieden sind.Ist diese
Erklärung für diesen Sachverhalt Geschwister/Gemeinde so einfach und ist dieses schon die ganze Wahrheit?Ich habe folgende Sätze zu diesem Thema gefunden und finde sie als Einstieg sehr gut.
"Die Gemeinde besteht zumeist aus Menschen, welche die Bibel als Heilige, als wiedergeborene Kinder Gottes bezeichnet. Leider - dies wird jeder unumwundenzugeben müssen ist dies ehr geistlich und damit sehr theoretisch und weitab vom tatsächlichen Umgang in der Gemeinde. Es `menschelt´ sehr in der Gemeinde, so dass es viele Verletzungen, Fehltritte, Argwohn usw. gibt. Zu verlangen, dass sich die Christen, die Kinder Gottes nicht mehr gegenseitig verletzen, immer nur lieb und nett zueinander sind, ist kaum realistisch. Was also tun mit den üblichen Problemeneiner Gemeinde? Immer vergeben"
Wie geht man am besten mit diesen Problemen um :?: Bin sehr auf eure
Beiträge gespannt!
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schandor
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Beitragvon schandor » 14.09.2011 05:46

Es gibt ja die unterschiedlichsten Gemeinden. Eine davon ist die typische Sonntagsgemeinde:
Man trifft sich sonntags zum Gottesdienst, der nach einem ganz bestimmten Schema auftritt:
Begrüßung - Ankündigungen - Singen - Beten - Predigt - nochmal singen - Segen - Schluss.
Diesen Gemeindetyp hab ich oft angetroffen; er ist unproblematisch hinsichtlich der von Dir genannten Kriterien, da sich die Menschen eigentlich nicht kennen und es ihnen auch nicht schwer fällt, die Sonntagsmaske zwei Stunden lang zu tragen. Es herrscht Friedhöflichkeit. Leider stellt sich oft auch Belanglosigkeit ein. Aber man verletzt sich nicht, da man nach zwei Stunden wieder auseinandergeht.
Einzelne Gemeindebesucher (ich ziehe dieses Wort vor, da "Mitglied" eher an einen Verein denken lässt) kennen einander und besuchen einander auch unter der Woche. Zwischen ihnen kommt es zu einer Beziehung. Die Sonntagsgemeinde ist allerdings als solche keine echte Gemeinschaft, sondern ein programmiertes "Sich-zur-selben-Zeit-am-selben-Ort-befinden". Das Verletzungsrisiko ist aber gering.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 15.09.2011 19:01

schandor hat geschrieben:Die Sonntagsgemeinde ist allerdings als solche keine echte Gemeinschaft, sondern ein programmiertes "Sich-zur-selben-Zeit-am-selben-Ort-befinden". Das Verletzungsrisiko ist aber gering.
Da stimme ich dir zu, das Verletzungsrisiko ist dort sehr gering, das man dort verhungert schon bedeuten größer.Diesen Typ von Gemeinde meinte ich in meinen Beitrag auch nicht!
Einzelne Gemeindebesucher (ich ziehe dieses Wort vor, da "Mitglied" eher an einen Verein denken lässt) kennen einander und besuchen einander auch unter der Woche.
Bei mir ist es genau andersrum, ein Besucher ist nirgends richtig zu Hause.Ein Mitglied dagegen ist ein Teil von einen ganzen, hier der Körper=Gemeinde.
Gruß Joschie

P.S.In meinen Heimatort steht eine große gotische Backsteinkirche, dort bin ich auch mal zum Gottesdienst gegangen, dort waren so um die 20-30 Leute zum Gottesdienst. Ich setzte mich in einer Reihe hin und plötzlich kam eine ältere Dame ganz aufgebracht auf mich zu und sagte was mir denn Einfalle, das ist ihr Platz und sie sitzt schon immer hier.Ich blickte mich um und in der Kirche waren ungefähr noch 200 freie Plätze diese war Situationskomik vom feinsten.
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Joschie
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Vergebung in der Gemeinde!

Beitragvon Joschie » 17.09.2011 18:47

Hallo Ihr!
Ich bin öfter auf ein Phänomen gestoßen, wen es Konflikte in der Gemeinde gab.Bei Konflikten der Gemeindemitglieder untereinander wurde den gesagt wie sind doch alle Gotteskinder und wir müssen uns doch immer wieder Vergeben.Bei Konflikten mit der Gemeindeleitung kam öfter das Argument "Tastet nicht den Gesalbten des Herrn an" dieser Satz wurde auch in verschieden Abstufungen öfter gesagt.Mir geht jetzt erst mal um das Thema "Vergebung" in der Gemeinde.Ich habe folgende Gedanken zu diesen Thema gefunden und setze sie mal rein.

:arrow: Immer vergeben
Viele Christen sind so belehrt, einander immer zu verzeihen. Häufig wird diese Sicht wie folgt begründet.Mt 18,21 Da trat Petrus herzu und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, welcher gegen mich sündigt ? Bis siebenmal?Mt 18,22 Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal,sondern bis siebzigmalsiebenmal!Petrus fragte nach der Grenze, ab wann nicht mehr vergeben werden muss. Er sah die Grenze beim 7. Mal. Christus aber korrigierte diese Zahl um 70x nach oben. Da dies eine Symbolzahl darstellt, (Fülle) ist es naheliegend, aus dieser Stelle zuschließen, dass es eben keine Obergrenze der Vergebung gibt. Es hat ja der Herr auch an anderer Stelle gefordert:Mt 5,44 Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch fluchen, tut wohl denen, die euch hassen, und bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen;Es kann also keiner sagen: "ab jetzt vergebe ich nicht mehr. Heute ist Schluss mit lustig, noch einmal etwas, dann ist es vorbei!" Nein, so wie die Liebe unseres Herrn zu uns Sündern unerreicht und unendlich groß ist, sind auch wir aufgefordert, aus dieser Liebe heraus, immer zu vergeben, dem Feind in seinem Hass gegen uns noch zu lieben, so wie sich auch Christus kreuzigen ließ von jenen, die erst später ihn dann als Heiland annahmen. Es gibt daher keine Obergrenze für die Vergebung für ein Kind Gottes. Mit dieser Einstellung, einander immer und jederzeit zu vergeben, wird also das Problem der menschlichen Unzulänglichkeit in der Gemeinde angegangen.Auch hierfür wird die Bibel als Grundlage genutzt und auf folgende Stelle verwiesen.Kol 3,13 ertraget einander und vergebet einander, wenn einer wider den andern zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr.Kol 3,14 Über dies alles aber [habet] die Liebe, welche das Band der Vollkommenheit ist. Eph 4,32 Seid aber gegeneinander freundlich, barmherzig, vergebet einander, gleichwie auch Gott in Christus euch vergeben hat. Eph 5,1 Werdet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder Eph 5,2 und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat als Gabe und Opfer für Gott, zu einem angenehmen Geruch.Aus diesen Stellen heraus ist man belehrt, Verletzungen, Beleidigungen,Benachteiligungen, Unannehmlichkeiten gleich vornweg zu vergeben. Je mehr Liebe Christi in einem ist, desto mehr kann man vergeben.Gedanken von Groll, Verletzungen sind Zeichen für zu wenig Liebe zum Herrn und deuten auf ein zu großes Ich hin. Dieses zu große Ich ist verletzt, beugt sich nicht in Demut unter die Liebe. Das Ich muss abnehmen,Christus musszunehmen und dafür muss das Ich leiden und zurück treten.
:arrow: Wie ist eure Meinung zu diesem Beitrag ??!
Gruß Joschie
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Jörg
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Beitragvon Jörg » 01.10.2011 07:53

Wenn mich ein "lieber Bruder" in geschäftlichen Dingen betrogen hat, muß ich ihm sicher vergeben - aber vertrauen muß ich ihm nicht mehr!!!

Wenn eine "liebe Schwester" in ihrer Klatschsucht anvertrautes weiterträgt, muß ich ihr sicherlich vergeben - aber vertrauen muß ich ihr nicht mehr!!!!

Noch eine Frage: Jesus sagte einmal in Lukas 17, 3 "Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm".

Es hört sich doch so an, als ob die Reue des an mir schuldig gewordenen die Voraussetzung für die Vergebung ist. Was ist aber, wenn mein Gegenüber seine Schuld nicht erkennt?

Herzliche Grüße

Jörg
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Beitragvon Joschie » 06.10.2011 18:08

Jörg hat geschrieben:Es hört sich doch so an, als ob die Reue des an mir schuldig gewordenen die Voraussetzung für die Vergebung ist. Was ist aber, wenn mein Gegenüber seine Schuld nicht erkennt?
Lukas 17.1-3
1 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es ist unmöglich, dass nicht Verführungen kommen. Wehe aber dem, durch den sie kommen! 2 Es wäre ihm nützlicher, wenn ein Mühlstein um seinen Hals gelegt und er ins Meer geworfen würde, als dass er einem dieser Kleinen Anlass zur Sünde gäbe2! 3 Habt acht auf euch selbst: Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht, und wenn er es bereut, so vergib ihm! 4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigt und siebenmal zu dir umkehrt und spricht: Ich bereue es; so sollst du ihm vergeben.

Jörg nach diesen Versen ist es deine Aufgabe den Bruder wegen des Sündigen anzusprechen, wen er darauf bereut muss du ihn vergeben.Sollte der Bruder gleich von vornherein jedes Gespräch mit Dir abblocken, bringe die Angelegenheit, wen es geht vor ein bis zwei Älteste oder Brüder.Mehr kannst du rein menschlich nicht tun, alles andere liegt nicht in deiner Hand.Was genau versteht man eigentlich hier unter den Begriff "Sündigen gegen einen Bruder"?
Gruß Joschie
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Jörg
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Beitragvon Jörg » 08.10.2011 06:58

Martin Luther sagte zum Thema Vergebung:

"Doch wenn man vergeben soll, so gehört auch dazu, daß der Teil, dem man vergeben soll, seine Sünde erkenne und lasse diese sich leid sein. Denn daß ich dem Papst und anderen Feinden des Wortes ihre Sünde vergeben soll, das ist mir nicht möglich. Ursache, sie halten es für Recht, daß sie unsere Lehre verfolgen. Denn so man Sünde vergeben soll, so muß ja Sünde da sein. Wer nun Recht haben will und Sünde nicht bekennen, wie Saul mit Samuel tat, dem kann man die Sünde nicht vergeben." (Predigt am vierten Sonntag nach Trinitatis)

Ein schönes Wochenende wünscht

Jörg
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Beitragvon Joschie » 08.10.2011 18:49

Jörg hat geschrieben:Martin Luther sagte zum Thema Vergebung:

"Doch wenn man vergeben soll, so gehört auch dazu, daß der Teil, dem man vergeben soll, seine Sünde erkenne und lasse diese sich leid sein. Denn daß ich dem Papst und anderen Feinden des Wortes ihre Sünde vergeben soll, das ist mir nicht möglich. Ursache, sie halten es für Recht, daß sie unsere Lehre verfolgen. Denn so man Sünde vergeben soll, so muß ja Sünde da sein. Wer nun Recht haben will und Sünde nicht bekennen, wie Saul mit Samuel tat, dem kann man die Sünde nicht vergeben." (Predigt am vierten Sonntag nach Trinitatis)
Jörg ich verstehe den Sinn deines Beitrages nicht ? Was hat der Papst mit der Vergebung unter Geschwister in der Gemeinde zu tun ??!
Gruß Joschie
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Beitragvon Jörg » 08.10.2011 19:33

Hallo Joschie,

es geht nicht um den Papst, sondern um die Geschwister in der Gemeinde! Das wird an einem anderen Lutherzitat deutlich:


"Zu der brüderlichen Vergebung gehört auch, daß der Bruder, dem ich vergeben soll, seine Fehler bekenne; denn die Sünde, welche nicht bekannt wird, kann ich nicht vergeben."
(Luther, Tischreden von der Sünde 22)

Lieben Gruß

Jörg
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Beitragvon lutz » 08.10.2011 22:24

Jörg hat geschrieben:Wenn mich ein "lieber Bruder" in geschäftlichen Dingen betrogen hat, muß ich ihm sicher vergeben - aber vertrauen muß ich ihm nicht mehr!!!

Wenn eine "liebe Schwester" in ihrer Klatschsucht anvertrautes weiterträgt, muß ich ihr sicherlich vergeben - aber vertrauen muß ich ihr nicht mehr!!!!

Noch eine Frage: Jesus sagte einmal in Lukas 17, 3 "Wenn dein Bruder sündigt, so weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm".

Es hört sich doch so an, als ob die Reue des an mir schuldig gewordenen die Voraussetzung für die Vergebung ist. Was ist aber, wenn mein Gegenüber seine Schuld nicht erkennt?
Hallo Jörg,

unabhängig davon was passiert ist, ich kann nur eine Frage in deinem Beitrag erkennen.

Im „Unser Vater“ heißt es doch: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“.

Die erste Frage wäre für mich entsprechend: Wie vergibt uns Gott denn unsere Schuld? – also ich würde sagen: Reue, Buße ist der Weg, den die Schrift weist. Vergibt Gott einem Menschen, der bewusst handeln kann – ohne dieses Kennzeichen? Da fehlt mir jeder biblische Beleg.

Wenn Gott so (ohne Reue oder Buße) vergibt (ich rede mal einfach) – dann kann ich auch.
Wenn Gott so (ohne Reue oder Buße) nie vergibt (ich rede mal einfach) – dann sollte ich kein falsches Bild von Vergebung abgeben.

Wenn es dem Bruder jetzt aber gar nicht bewusst ist, dass er falsch gehandelt hat, dann ist es denke ich schon meine Aufgabe (aus Liebe, ich will doch nicht, dass er wieder so fehl geht) ihm das klar zu machen. Wenn sich aber im Gespräch herausstellt, dass er das völlig anders sieht – was soll ich hier vergeben?

Mich persönlich irritieren die öffentlichen Bekundungen von „Opfern“ „Tätern“ gegenüber sehr, die dann sagen: „Aber wir haben ihm (oder ihnen) bereits vergeben“, obwohl kein Anzeichen von Unrechtsbewusstsein vorliegt. (Entschuldigt, ich suche jetzt keine aktuellen Links dazu).
Für mich stellt sich hier wirklich die Frage: was dokumentiere ich damit für einen Weg, um überhaupt an dem Sühneopfer Christi teilzuhaben? Es ist der Weg ohne Reue und Buße – letztlich ein Weg ohne Glauben doch Vergebung zu finden.

Also ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass das Sühneopfer Christi eine historische Tatsache ist, abgeschlossen und einmalig … - aber teil daran bekommt der Mensch für den das bereits geschehen ist, erst auf einem ganz bestimmten Weg. Ist dieser Weg nicht da, dann kann ich nicht so tun als ob der Segen auch ohne diesen Weg erreichbar wäre.

Lutz

PS: Wenn es um einen generellen „Misstrauensantrag“ gegen einen Bruder oder eine Schwester geht, ist es hilfreich sich folgende Fragen zu stellen:
Habe ich schon Treue bei ihm (ihr) gefunden?
Ist dieser Vorfall ein begrenztes Problem (also das Behalten von Geheimnissen bspw.)?
Wir haben alle „Schwachheiten“, die große Anfechtungen sein können, wenn sie an uns herangetragen werden. Dann ist es besser (aus Kenntnis der entsprechenden Punkte) Anfechtungen für andere Brüder und Schwestern zu vermeiden (dann erzähle ich keine solchen Geheimnisse mehr bspw.) – bei Beibehaltung der Erinnerung an die Treue, die sie durchaus schon bewiesen haben.

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Beitragvon Joschie » 09.10.2011 15:19

Lutz hat geschrieben:Mich persönlich irritieren die öffentlichen Bekundungen von „Opfern“ „Tätern“ gegenüber sehr, die dann sagen: „Aber wir haben ihm (oder ihnen) bereits vergeben“, obwohl kein Anzeichen von Unrechtsbewusstsein vorliegt. (Entschuldigt, ich suche jetzt keine aktuellen Links dazu).
Für mich stellt sich hier wirklich die Frage: was dokumentiere ich damit für einen Weg, um überhaupt an dem Sühneopfer Christi teilzuhaben? Es ist der Weg ohne Reue und Buße – letztlich ein Weg ohne Glauben doch Vergebung zu finden. .
Wie kann es weiter gehen, sollten alle Bemühungen scheitern weil der Bruder keine Bereischaft zeigt sich über den speziellen Sachverhalt zu unterhaltender der zwischen uns steht? Vergebe ich ihn doch in meinen Herzen und minimiere ich dadurch den Sühnetod Christi?
Also ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass das Sühneopfer Christi eine historische Tatsache ist, abgeschlossen und einmalig … - aber teil daran bekommt der Mensch für den das bereits geschehen ist, erst auf einem ganz bestimmten Weg. Ist dieser Weg nicht da, dann kann ich nicht so tun als ob der Segen auch ohne diesen Weg erreichbar wäre.
Bist du der Meinung das ein anderer Nutzer eine andere Sicht vom Sühnetod Christi, hat als das die von dir oben genannte? Was meinst du genau mit einem bestimmten Weg und wie gehe ich mit der Vergebung bei nichtgläubigen Familienmitgliedern um?
Gruß Joschie
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lutz
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Beitragvon lutz » 09.10.2011 16:02

Joschie hat geschrieben: Vergebe ich ihn doch in meinen Herzen und minimiere ich dadurch den Sühnetod Christi?
Der Sühnetod ist nicht zu minimieren. Das geht gar nicht.
Mir ging es um den Weg, wie ich daran teil bekomme (in Erinnerung an: „Vergib uns unsere Schuld“). Teil bekomme ich durch den Glauben, der Reue und Buße mit einschließt. Wenn der Weg so ist, dann möchte ich auch nichts Anderes in meinem Vergebungsverhalten zeigen (in Erinnerung an: „wie auch wir vergeben“).

D. h. nicht, dass ich jetzt „Groll“ oder „Rache“ im Herzen pflegen soll, wenn ich nicht vergebe. Es ist schon möglich jemandem nicht zu vergeben und ihn dennoch nicht zu hassen. Auch bedeutet das nicht an dem an mir begangenen Unrecht ständig festzuhalten. Die Lehre von der Souveränität Gottes ist hier ein heilsames „Ruhekissen“.
Bist du der Meinung das ein anderer Nutzer eine andere Sicht vom Sühnetod Christi, hat als das die von dir oben genannte?
Die Frage spielt doch hier keine Rolle. Für mich ist der Zusammenhang Sühnetod und Vergebung gegeben – also versuche ich meine Ansichten im Leben auch damit abzugleichen.
Was meinst du genau mit einem bestimmten Weg und wie gehe ich mit der Vergebung bei nichtgläubigen Familienmitgliedern um?
Der bestimmte Weg, wie wir Vergebung empfangen ist der Weg des Glaubens, der Reue und Buße einschließt.
Nichtgläubigen Familiengliedern werde ich genau denselben Weg weisen – Reue und Buße, dann Vergebung. Also der Zuspruch: „ich vergebe dir“ (oder „es ist gut“ oder) erfolgt nach einem: „es tut mir leid“, … oder Ähnlichem – aber nicht bei Abwesenheit eines Eingeständnisses.

Gruß Lutz

PS: Man könnte vielleicht noch überlegen, ob eine Ankündigung in Form einer Verheißung nützlich sein könnte. Also so etwa: „Wenn du deine Schuld einsiehst, dann ist die Bereinigung auf meiner Seite kein Problem – dann gilt Entschuldigung angenommen und der Vorfall ist vergessen.“
In meiner Familie „funktioniert“ das eigentlich ganz gut und außerhalb der Familie mitunter eben nicht, weil ein Eingeständnis nicht vorliegt. Je nachdem wie schwer der Vorfall wiegt, also wie groß und tief die Verletzung geht – dauert es mal länger mal kürzer – aber hier kommen unsere Herzen nur über Wahrheiten aus der Lehre von der Souveränität Gottes zur Ruhe.

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Beitragvon Joschie » 09.10.2011 18:59

Lutz hat geschrieben:
Bist du der Meinung das ein anderer Nutzer eine andere Sicht vom Sühnetod Christi, hat als das die von dir oben genannte?
Die Frage spielt doch hier keine Rolle. Für mich ist der Zusammenhang Sühnetod und Vergebung gegeben – also versuche ich meine Ansichten im Leben auch damit abzugleichen.
Ich konnte deinen ersten Beitrag nicht ganz folgen darum meine Nachfrage wegen des Sühnetod Christi.Vielen Dank für deine Antworten auf meine Fragen, besonders der Aspekt "D. h. nicht, dass ich jetzt „Groll“ oder „Rache“ im Herzen pflegen soll, wenn ich nicht vergebe. Es ist schon möglich jemandem nicht zu vergeben und ihn dennoch nicht zu hassen. Auch bedeutet das nicht an dem an mir begangenen Unrecht ständig festzuhalten. Die Lehre von der Souveränität Gottes ist hier ein heilsames „Ruhekissen“ ist mir persönlich sehr wichtig.Bei meinen Familiejähren Umfeld suche ich zu erst das persönliche Gespräch, was in den meisten Fällen zu einer Klärung der Dinge führt.Ich habe die persönliche Erfahrung gemacht, dass es sich bei Problemen/Konflikte egal wo oft um Kommunikationsprobleme handelt.
Gruß und Segen Joschie
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Beitragvon Gast » 15.11.2011 15:27

Joschie hat geschrieben:Wie geht man am besten mit diesen Problemen um
Diese Frage stellte Joschie am Ende seines Eröffnungsbeitrag.

Was ich danach an Beiträgen gelesen habe, fühlt sich für mich alles ziemlich theoretisch an.

Angenommen, ihr habt eine Tochter, um die 12 Jahre alt. Diese wird von einer jungen Frau aus der Gemeinde über einen längeren Zeitraum geistig so missbraucht, dass dieses Mädchen noch viele Jahre danach unter diesem Missbrauch zu leiden hat. Dieser Thread hat eigenartigerweise die Teilüberschrift, "Selbstverletzungen". Stellt Euch einmal vor - wenn Ihr das könnt - dieses Mädchen wäre Eure Tochter und hätte sich vor Not und Verzweiflung selbst über Jahre Verletzungen zugefügt. So schwere, dass sie immer wieder in die Notaufnahme zum Nähen gebracht werden musste und so viele, dass die Arme von den Schultern bis zu den Händen mit Narben übersät sind, welche keinen Millimeter Haut unbedeckt lassen.

Diese Frau, welche die wesentlichen Ursachen für diese Selbstverletzungen gelegt hat, würde ganz und gar nicht einsehen, dass sie mit ihrem Handeln falsch lag - furchtbar falsch. Da ist keine Reuhe, keine Einsicht.

Wie würdet Ihr mit diesem "Problem" umgehen?

Jose
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Re: Vergebung in der Gemeinde!

Beitragvon Jose » 19.11.2011 14:40

Joschie hat geschrieben:Ich bin öfter auf ein Phänomen gestoßen, wen es Konflikte in der Gemeinde gab.Bei Konflikten der Gemeindemitglieder untereinander wurde den gesagt wie sind doch alle Gotteskinder und wir müssen uns doch immer wieder Vergeben.
Hallo Joschie.
Die Vergebungsbereitschaft unsererseits ist unerlässlich, lesen wir doch die Worte Jesu: "Und wenn ihr steht und betet, so vergebt, wenn ihr etwas gegen jemand habt, damit auch euer Vater, der in den Himmeln ist, euch eure Übertretungen vergebe" Mk 11,25. Wir dürfen keine Unversöhnlichkeit in unserem Herzen dulden. Und Paulus schreibt an einigen Stellen Ermahnungen wie diese: "Seid aber zueinander gütig, mitleidig, und vergebt einander, so wie auch Gott in Christus euch vergeben hat!" Eph 4,32 oder "Ertragt einander und vergebt euch gegenseitig, wenn einer Klage gegen den anderen hat; wie auch der Herr euch vergeben hat, so auch ihr!" Kol 3,13. Wir müssen aber sicherlich unterscheiden, zwischen unserem Vergeben und das Vergeben Gottes, wozu das Bereuen und Bekennen gehört.

Als Jesus am Kreuz ausrief: "Vater, vergib ihnen! Denn sie wissen nicht, was sie tun", Lk 23,34, waren seine Henker nicht schuldlos und mit Gott versöhnt. Als Stephanus unter dem Steinhagel seiner Feinde mit lauter Stimme rief: "Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht zu!" Apg 7,60, war deswegen die Sünde seiner Feinde und besonders die Schuld des Saulus von Tarsus, der dabei stand und einwilligte in die Steinigung des Stephanus und die Kleider derer bewachte, die ihn umbrachten" (Apg 22,20), noch nicht vergeben. Aber Stephanus hatte Fürbitte für seine Feinde getan und ganz gewiss hat Gott auch dadurch an den Herzen der Feinde gewirkt. Es gibt viele Zeugnisse, von Menschen die zu Jesus fanden und bezeugten, dass sie besonders durch die Hingabe der Christen, die ihnen trotz der schlimmsten Gräueltaten Liebe erwiesen, von der Liebe Gottes überführt wurden.

Somit, auch was die Vergebung in der Gemeinde angeht, ist es meine Überzeugung, dass auch wenn wir einander vergeben sollen, der schuldig gewordene dennoch selber um Vergebung bitten muss, um wieder Frieden mit Gott zu haben. Was die Bibelstelle anbetrifft: "Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein! Wenn er auf dich hört, so hast du deinen Bruder gewonnen. Wenn er aber nicht hört, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit aus zweier oder dreier Zeugen Mund jede Sache bestätigt werde!" Mt 18,15-16, so geht es hier offensichtlich um Sünde, die in der Gemeinde nicht geduldet werden darf, wenn wir das weitere konsequente Handeln betrachten. Hierbei denke ich auch an das Wort aus dem sogenannten "Hohelied der Liebe": Die Liebe freut sich nicht über die Ungerechtigkeit; sondern sie freut sich mit der Wahrheit ((1.Kor 13,6).

José


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