Wann gelten Menschen als Brüder im Herrn?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Peter01
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Wann gelten Menschen als Brüder im Herrn?

Beitragvon Peter01 » 27.11.2011 09:24

Da wir vom Thema: "Wie entlarvt man Heuchelei?" etwas abgeschweift sind, wird es übersichtlicher sein, wenn wir die aufgetauchten Fragen in separaten Themen besprechen.

Weil auf das Thema "Sind Arminianer unsere Brüder" nicht alle zugreifen können, weil hier vielleicht nicht alle reformatorisch eingestellt sind, möchte ich die Frage nicht in Bezug auf "reformierte", sondern ganz allgemein stellen: Wann gelten Brüder als Brüder? Damit meine ich folgendes: Heute gibt es unter Christen verschiedene Auffassungen vom Evangelium bzw. verschiedene Auffassungen von Gott. Alle begründen sich scheinbar auf das Wort Gottes, doch im Kern merkt man, dass es Unterschiede gibt, die in ihrer Folge gravierend sind. Die Schriftstellen die hier in Betracht genommen werden sollen, sind die folgenden:

Gal 1,6-9: Mich wundert, daß ihr euch so schnell abwenden laßt von dem, der euch durch die Gnade des Christus berufen hat, zu einem anderen Evangelium während es doch kein anderes gibt; nur sind etliche da, die euch verwirren und das Evangelium von Christus verdrehen wollen. Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch etwas anderes als Evangelium verkündigen würden als das, was wir euch verkündigt haben, der sei verflucht! Wie wir zuvor gesagt haben, so sage ich auch jetzt wiederum: Wenn jemand euch etwas anderes als Evangelium verkündigt als das, das ihr empfangen habt, der sei verflucht!

2Joh 9-11: Jeder, der abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre des Christus bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf ins Haus und grüßt ihn nicht! Denn wer ihn grüßt, macht sich seiner bösen Werke teilhaftig.

Hier sei auch am Rande 2Kor 11,4 erwähnt, die andeutet, dass es eben Menschen gibt, die einen anderen Jesus und ein anderes Evangelium verkündigen.


Jose hat geschrieben:
Peter01 hat geschrieben:… als ob Gott nicht den Inhalt des Glaubens, sondern nur die Herzenshaltung beurteilt. So eine liberale Theologie soll mir fernbleiben.
Peter, wenn Gott nicht auch die Herzenshaltung beurteilen würde, sondern nur unser Verständnis über das was der "Inhalt des Glaubens" ist, dann bezweifle ich, dass jemand das Ziel erreichen könnte. Was lesen wir in der Bibel, was sagt sie? "»Das Wort ist dir nahe, in deinem Mund und in deinem Herzen.« Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennen und in deinem Herzen glauben wirst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du gerettet werden wirst" Röm 10,8-9. Das ist keine "liberale Theologie", über dessen Erwähnung ich mich etwas gewundert habe. Siehe dazu auch Wikipedia.

Was aber Wesley und Whitefield anbetrifft, Spurgeon schreibt:
Es gibt niemand, der mehr an den Lehren der Gnade festhält als ich. Wenn mich jemand fragte, ob ich mich schäme, ein Calvinist genannt zu werden, dann würde ich antworten: Ich möchte nichts anderes heißen, als Christ. Aber wenn du fragst, ob ich die lehrmäßigen Anschauungen von Johannes Calvin für richtig halte, dann antworte ich, daß ich sie im großen und ganzen für richtig halte. Ich bekenne dies gerne. Aber es liegt mir fern zu denken, daß Zion nur calvinistische Christen enthält, oder daß niemand gerettet würde, der nicht an diese Lehren glaubt. Es sind schon ganz furchtbare Dinge gesagt worden über den angeblichen Charakter und die geistliche Art von John Wesley, den modernen Vertreter des Arminianismus. Ich kann nur sagen, daß ich - auch wenn ich manche der Lehren, die er verkündigt hat, ablehne - für ihn persönlich eine Hochachtung empfinde, die keinem seiner Anhänger nachsteht. Wenn man noch zwei Apostel zu den Zwölfen hinzufügen müßte, dann, glaube ich, könnte man niemand finden, der dafür mehr geeignet wäre als George Whitefield und John Wesley.
Auszug aus: http://www.calvinismus.de/klare-worte.html


Ich habe mich schon oft gefragt, wie Spurgeon mit diesem Zwiespalt leben konnte, was seine persönliche Überzeugung und konfessionelle Prägung anbetrifft und der Umgang mit anderen Geschwistern, die manches anders erkannten. Aber das zeugt von seiner Größe, sich nicht über andere zu erheben und nicht übermäßig auf Überzeugungen zu beharren, die jeder für sich selbst verantworten muss, solange wir nicht zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis gelangt sind.


Zitat aus dem folgenden Bereich entnommen: http://www.betanien.de/forum/viewtopic. ... &start=105
Zuletzt geändert von Peter01 am 14.12.2011 21:13, insgesamt 1-mal geändert.

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Peter01
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Beitragvon Peter01 » 27.11.2011 15:07

Bitte beachte Jose: Ich sagte nicht, dass Gott die Herzenshaltung des Menschen nicht berücksichtigt. Ich sprach davon, dass er diese nicht allein Berücksichtig. Die Herzenshaltung spielt sicherlich eine Rolle, doch die entscheidende Rolle in der rechten Beurteilung, ob man Menschen als Brüder im Herrn anerkennen muss, ist der Glaubensinhalt (das Leben als Christ kommt hinzu).

Eine Frage an dich Jose: War die Herzenshaltung der von Paulus erwähnten Juden in Röm. 10,2 eine aufrichtige oder nicht? Wenn du "ja" sagst, so dann musst du zugeben, dass obwohl ihre Herzenshaltung aufrichtig war, stimmte doch der Inhalt ihres Glaubens nicht. Und das war Grund genug für Paulus diese nicht bzw. noch nicht als gerettet anzusehen.

Ich habe dir Jose an den drei Bibelstellen oben deutlich augezeigt, dass es nur ein wahres Evangelium gibt. Du gehst auf keine dieser Bibelstellen ein und bringst stattdessen ein Zitat von Spurgeon. Ich halte Spurgeon in Ehren, doch wir argumentieren hier aufgrund der Schrift. Daher ist es vielleicht etwas unüberlegt zu sagen: Aber Spurgeon oder Calvin oder sonst jemand hat dies und jenes gesagt. Lass uns bei der Schrift bleiben.

Jose
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Re: Wann gelten "Brüder" als Brüder?

Beitragvon Jose » 27.11.2011 15:14

Peter01 hat geschrieben:Da wir vom Thema: "Wie entlarvt man Heuchelei?" etwas abgeschweift sind…

Danke für das Thema, Peter, aber m.E. waren wir noch im Thema "Wie entlarvt man Heuchelei?", denn gerade im Umgang mit Geschwistern besteht eine sehr große Gefahr der Heuchelei, von der selbst Petrus nicht frei war und einmal lesen wir: "Und mit ihm heuchelten auch die übrigen Juden, so dass selbst Barnabas durch ihre Heuchelei mit fortgerissen wurde" Gal 2,13. Es ist aber sicherlich richtig, dieses Thema gesondert zu betrachten.

Du hast auch geschrieben:
Weil auf das Thema "Sind Arminianer unsere Brüder" nicht alle zugreifen können, weil hier vielleicht nicht alle reformatorisch eingestellt sind, möchte ich die Frage nicht in Bezug auf "reformierte", sondern ganz allgemein stellen: Wann gelten Brüder als Brüder?
Auf jeden Fall darf sich die Frage nicht danach richten, ob man reformatorisch eingestellt ist oder nicht - davon abgesehen, dass es hier auch Unterschiedliche Meinungen gibt.

Die Frage, die du gestellt hast, ist in einem Lied von Ernst Gebhard sehr schön formuliert, aber auch die Antwort finden wir in den Zeilen. Es ist ein Gedicht, aber es geht um die Frage: Ab wann ist man ein Glied am Leib Christi?

    Wer sind meine Brüder?
    Wer die Schwestern mein?
    Das sind Christi Glieder,
    die nur sollen´s sein.
    Jene kleine Herde,
    die den Hirten kennt,
    und Ihn auf der Erde
    Ihren Heiland nennt.
    Jene Gotteskinder,
    die die Welt verhöhnt,
    die als Überwinder
    einst der Höchste krönt.
    Das sind meine Brüder,
    das die Schwestern mein,
    immer sag´ ich´s wieder,
    die nur sollen´s sein.
Quelle: Christliche Gedichte und Lieder


Ganz konkret und auch persönlich
Was mich traurig macht, ist die Tatsache, dass einige in diesem Forum ein Problem damit haben, andere als Brüder zu sehen, nur weil sie der Überzeugung sind, dass wir uns persönlich und bewusst bekehren müssen und Gott uns nicht zur Umkehr zwingt. Wenn dann sogar behauptet wird, wir würden ein anderes Evangelium verkündigen, dann lässt sich das m.E. biblisch nicht belegen.

José

Jose
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Re: Lass uns bei der Schrift bleiben

Beitragvon Jose » 27.11.2011 15:38

Peter01 hat geschrieben:Ich habe dir Jose an den drei Bibelstellen oben deutlich augezeigt, dass es nur ein wahres Evangelium gibt. Du gehst auf keine dieser Bibelstellen ein und bringst stattdessen ein Zitat von Spurgeon. Ich halte Spurgeon in Ehren, doch wir argumentieren hier aufgrund der Schrift. Daher ist es vielleicht etwas unüberlegt zu sagen: Aber Spurgeon oder Calvin oder sonst jemand hat dies und jenes gesagt. Lass uns bei der Schrift bleiben.

Natürlich müssen wir an der Schrift bleiben, keine Frage, und darum bemühe ich mich auch. Wir dürfen aber auch von denen lernen, die uns Gott als Vorbilder und Lehrer geschenkt hat. Deine Bibelstellen sind ernst zu nehmen, aber wenn du sie gebrauchst, um "dein" Verständnis über die Gnadenlehre als entscheidend für den wahren Glauben zu belegen und alles andere ist demnach ein falsches Evangelium, dann geht es über das hinaus, was der Galaterbrief uns lehrt und was die eigentliche Not der Galater war, die in Gefahr standen, wieder ins gesetzliche zu fallen.

Paulus schreibt übrigens: "Ich fürchte um euch, ob ich nicht etwa vergeblich an euch gearbeitet habe" Gal 4,11. Das zeigt uns deutlich, dass wir die Freiheit haben, Gottes Wort anzunehmen oder abzulehnen. An dieser Überzeugung darfst du aber den Glauben anderer nicht beurteilen, denn zum Christsein gehört mehr.


Nachträglich editiert um noch auf Röm. 10,2 einzugehen

Peter01 hat geschrieben:Eine Frage an dich Jose: War die Herzenshaltung der von Paulus erwähnten Juden in Röm. 10,2 eine aufrichtige oder nicht? Wenn du "ja" sagst, so dann musst du zugeben, dass obwohl ihre Herzenshaltung aufrichtig war, stimmte doch der Inhalt ihres Glaubens nicht. Und das war Grund genug für Paulus diese nicht bzw. noch nicht als gerettet anzusehen.

Solche meine ich doch nicht, von denen Paulus schreibt: "Denn ich gebe ihnen Zeugnis, dass sie Eifer für Gott haben, aber nicht mit rechter Erkenntnis". Sie hatten Eifer für Gott, wie Paulus vorher auch schon, aber wir lesen auch im darauf folgenden Vers: "Denn da sie Gottes Gerechtigkeit nicht erkannten und ihre eigene aufzurichten trachteten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen" Römer 10,3. Das ist das entscheidende hier, dass sie "ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten versuchten", daher waren sie nicht gerettet.

Gotteskinder bezeugen aber, da "wir nun gerechtfertigt worden sind aus Glauben, so haben wir Frieden mit Gott durch unseren Herrn Jesus Christus, durch den wir im Glauben auch Zugang erhalten haben zu dieser Gnade, in der wir stehen" Röm 5,1-2. Es mögen sie manche Lehrunterschiede noch trennen, aber wenn sie das vorher zitierte wirklich erfasst und angenommen haben, sind sie Gotteskinder.

José
Zuletzt geändert von Jose am 27.11.2011 16:30, insgesamt 2-mal geändert.

Christine
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Beitragvon Christine » 27.11.2011 15:42

Hallo Peter,

darf ich frage, wie du den Unterschied zwischen "Brüder" und Brüder definierst?

Meinst du mit "Brüdern" nicht-wiedergeborene Menschen, also Menschen, die verloren gehen?

Waren die Galater errettet oder nicht errettet? Wie siehst du das?

Gruß Christine

lutz
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Beitragvon lutz » 27.11.2011 19:07

Für mich ist es unzweifelhaft, dass der Grund der Beurteilung: „Bruder oder Nicht-Bruder“ zu Beginn ausschließlich das Annehmen eines Inhaltes sein muss.
Apostelgeschichte 2 (Menge)
41 Die nun sein Wort annahmen, ließen sich taufen, und so kamen an jenem Tage etwa dreitausend Seelen (zu der Gemeinde) hinzu.


Römer 10 (Menge)
12 Denn hier gibt es keinen Unterschied zwischen dem Juden und dem Griechen (1,16): sie alle haben ja einen und denselben Herrn, ihn, der sich reich erweist an allen, die ihn anrufen; 13 denn »jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden« (Joel 3,5). 14 Nun – wie sollen sie den anrufen, an den sie nicht zu glauben gelernt haben? Wie sollen sie aber an den glauben, von dem sie nicht gehört haben? Wie sollen sie aber von ihm hören ohne einen Verkündiger (d.h. wenn keiner ihnen die Heilsbotschaft verkündigt)?


Der lebendige Glaube ist kein „gegenstandsloser“ Glaube. Dieser Glaube hat einen äußeren Bezugspunkt, der für alle derselbe ist. Der Glaube an Christus umfasst sowohl ein: Wer ist dieser Christus? als auch ein: Was hat dieser Christus getan? und ist persönlich in Form von: Für mich! Glaubensinhalte lassen sich in Sprache fassen.

Nun wird nach dem Zeugnis der Schrift mit dem Herzen geglaubt. D. h. es ist „irgendwie innen“. Um Andere zu erkennen, muss aber etwas nach „draußen“ dringen davon. Im Bekennen hätte ich den ersten prüfbaren Anhaltspunkt. Das Bekennen muss mit wahrem Inhalt einhergehen und alles was von Christus gesagt wird, kann objektiv, sachlich geprüft werden.

An der Stelle würde ich die ersten Probleme festmachen, nämlich an den Fragen: Wie viel Wahrheit muss unbedingt sein? Was darf keinesfalls zu finden sein?

Was hingegen wäre korrekturbedürftig – aber im Sinne: „Ja – Bruder!“ erst einmal duldbar? (In diesem Zusammenhang müsste ich auch der Frage nachgehen, ob es solche „duldbaren“ Ansichten in der Weise geben kann: Am Anfang geduldet, es tritt keine Korrektur ein, deswegen „Rauswurf“. – oder ob es diese duldbaren Ansichten auch bis zum Lebensende geben kann, ohne dass ein „Nicht-Bruder“ – Urteil dabei herauskommt.)
Ich hoffe ich bin jetzt nicht zu abstrakt geworden – ich wollte es so allgemein wie möglich halten, bevor wir evtl. auf konkrete Inhalte eingehen.

Emotionen (Herzensmotivationen ….) sind nicht objektiv sachlich von Anderen prüfbar, weil nur der betreffende Mensch selbst weiß, ob das stimmt oder nicht. Ausnahmefälle sind Aussagen der Schrift über das Herz aller Menschen bzw. über das Herz einer Gruppe von Menschen ….
Wir wissen außerdem, dass das Herz trügerisch ist nach der Schrift. Mein Herz kann mich auf vielerlei Weise selbst täuschen … (aufrichtig? oder nicht doch berechnend? / betrübt wegen der Sünde gegen Gott? oder nicht doch betrübt weil mein Fehler meinem Ansehen geschadet hat? …)

Lutz

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Joschie
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Ein Zwischenruf!

Beitragvon Joschie » 27.11.2011 19:18

Hallo Ihr!
Da ich aus einer pietistischen ausgerichteten Gemeinschaft gekommen bin, kenne ich dadurch sehr gut, die dort praktizierte Herzensfrömmigkeit. Der Pietismus ist entstanden, als das Luthertum zu einer totalen Orthodoxie erstarrt ist. Leider ist es so, das der Pietismus=Landeskirchliche Gemeinschaft in seiner Geschichte genau in das andere Extrem gefallen ist.Die persönliche Erfahrung (Entscheidung, Herzensfrömmigkeit) ist dort sehr wichtig, alles andere, was nur den Anschein von Theologie/Kirchengeschichte usw. hat, ist erst mal grundsätzlich verdächtig.Ich sehe die Gefahr, dass man die Herzensfrömmigkeit, gegen biblische Theologie ausspielt, die Gefahr besteht aber auch genau andersrum. Ich möchte euch einfach sagen, es ist vielleicht hilfreich, im Hinterkopf zu haben, das bei jedem Beitrag eines Nutzers, seine gemeindliche Prägung eine Rolle spielt.
Gruß Joschie
P.S. Sollte es Bedarf geben, kann ich ja zu dem Themenkomplex Pietismus/Orthodoxie einige Beiträge bei Kirchen/Dogmengeschichte schreiben.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Jose
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Von Herzen sich bekehren

Beitragvon Jose » 27.11.2011 21:07

Joschie hat geschrieben: Ich möchte euch einfach sagen, es ist vielleicht hilfreich, im Hinterkopf zu haben, das bei jedem Beitrag eines Nutzers, seine gemeindliche Prägung eine Rolle spielt.

Danke für diesen Satz, Joschie. Diese Aussage gilt für alle Gläubigen und ich schließe mich selbst auch nicht aus. Es ist schon deswegen sehr wichtig, weil nicht in jeder Gemeinde die gleiche biblische Unterweisung vorliegt und manche falsch belehrt sind. Außerdem ist es so, dass wenn man nur negatives von anderen Gemeinden hört, man sehr schnell dabei ist, sich zurückzuziehen und nicht einmal mehr die eigenen Überzeugungen anhand der Bibel zu prüfen.

Glaube ist keine "Gefühlssache", aber die Bibel redet selber sehr viel davon, dass unser Herz unbedingt zu unserem Glauben und Glaubensleben dazu gehört. Damit will Gott uns einfach deutlich machen, dass es darum geht, wirklich ganz bei der Sache zu sein. Dass es dabei nicht ohne den Gehorsam zu Seinem Wort, die Bibel, geht, ist uns sicherlich allen klar. Eine schöne Bibelstelle ist diese, in der die Gnade Gottes erwähnt wird und von Herzensentschluß die Rede ist: "Es kam aber die Rede von ihnen zu den Ohren der Gemeinde in Jerusalem, und sie sandten Barnabas aus, dass er hindurchzöge bis nach Antiochia; der freute sich, als er hingekommen war und die Gnade Gottes sah, und ermahnte alle, mit Herzensentschluss bei dem Herrn zu verharren" Apg 11,22-23.

Zu den Aussagen zur "pietistischen ausgerichteten Gemeinschaft", aber es gilt auch für viele Freikirchen, so habe ich einige die dazu gehören in meinem Bekanntenkreis, aber darunter leider nur wenige, die ich mit Freudigkeit als wiedergeborene und somit Gotteskinder bezeichnen kann, weil sie weder die Notwendigkeit der Bekehrung erkannt haben noch ihre Glaubenseinstellung anhand der Bibel prüfen wollen. Wer aber nicht sagen kann, ob er sich bekehrt hat, hat es wohl leider noch nicht getan. Denn bekehren muss man sich persönlich und von Herzen, und dann vergisst man es auch nicht.

José

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Beitragvon Christine » 28.11.2011 13:11

Joschie hat geschrieben:Ich möchte euch einfach sagen, es ist vielleicht hilfreich, im Hinterkopf zu haben, das bei jedem Beitrag eines Nutzers, seine gemeindliche Prägung eine Rolle spielt.
Das ist richtig, Und darum kann ein Bekenntnis auch in gewissen Grenzen recht unterschiedlich ausfallen. Richtige Glaubensbekenntnisse können übrigens auch auswendig gelernt sein. Ich bin sogar sicher, dass das oft der Fall ist. Besonders bei Geschwistern, die aus gläubigen Familien stammen. Die haben von Geburt an die Sprache "Kanaans" gelernt und hier fällt es unter Umständen echt schwer, angelerntes Bekenntnis von Herzens-Bekenntnis zu unterscheiden.

Dagegen gibt es frisch-bekehrte und wiedergeborene "aus der Welt", die ganz unbefangen Christus bezeugen, allerdings in einer Sprache und mit "theologischen" Fehlern, so dass manche konservativen Gläubigen mit diesen Brüdern am liebsten nichts zu tun haben wollen.

Für mich ist die Fähigkeit, den Glaubensinhalt korrekt und sachliche wieder geben zu können nicht unwichtig, doch das kann sicher nicht darüber entscheiden, ob dieser Mensch wirklich dein Bruder ist, also ein echtes Mitglied deiner eigenen Familie in Christus ist. Von Gott ist es ja so geordnet, dass zu "echten" Geschwistern eine ganz konkrete Familien-Verbindung besteht. Die ist sichtbar und man fühlt sie auch, diese wunderbare Verbundenheit in Liebe gibt´s nur in der Familie Gottes.

Der Bruder oder die Schwester haben schlicht und ergreifend den gleichen Herrn und Heiland! Man sieht sich gemeinsam und unter dem Kreuz stehen, als ein aus Gnaden erretteter Sünder! Geschwister im Herrn sind deswegen auch gleich, keiner steht über dem anderen, keiner hat einen eigene Verdienst vorzuweisen, wir sind gerettet aus Gnade und werden gehalten aus Gnade.

Ich habe Geschwister, die sehr umgewandt sind beim Beten und Bekennen, sicher würden sie viele Fehler machen, wenn ihre "Theologie" geprüft werden würde, und doch haben sie eine innige Beziehung zu Christus und haben durch ihn das Heil erlangt.

Man denke hier auch an die Sendschreiben der Offenbarung.
Alles Versammlungen, aber wie unterschiedlich in ihren Schwerpunkten, ihren Inhalten. Der Herr sagt zum Beispiel zu denen in Thyatira:
Euch aber sage ich, und den übrigen in Thyatira, all denen, die diese Lehre nicht haben und die nicht die Tiefen des Satans erkannt haben, wie sie sagen: Ich will keine weitere Last auf euch legen; doch was ihr habt, das haltet fest, bis ich komme!
Offenbarung 2,24-25


Gruß Christine

lutz
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Beitragvon lutz » 28.11.2011 19:21

Hallo Christine,

Das ist richtig, Und darum kann ein Bekenntnis auch in gewissen Grenzen recht unterschiedlich ausfallen. Richtige Glaubensbekenntnisse können übrigens auch auswendig gelernt sein. Ich bin sogar sicher, dass das oft der Fall ist. Besonders bei Geschwistern, die aus gläubigen Familien stammen. Die haben von Geburt an die Sprache "Kanaans" gelernt und hier fällt es unter Umständen echt schwer, angelerntes Bekenntnis von Herzens-Bekenntnis zu unterscheiden.


Richtige Glaubensbekenntnisse sind die Sprache Kanaans? Erkläre mir mal bitte was du damit meinst.
Zu Beginn kannst du gar nichts unterscheiden, du weiß nichts davon ob das Bekenntnis lediglich angelernt oder angelernt und von Herzen kommt. Woher solltest du es auch wissen, weil mehr einfach noch nicht vorliegen kann.

Für mich ist die Fähigkeit, den Glaubensinhalt korrekt und sachliche wieder geben zu können nicht unwichtig, doch das kann sicher nicht darüber entscheiden, ob dieser Mensch wirklich dein Bruder ist, also ein echtes Mitglied deiner eigenen Familie in Christus ist. Von Gott ist es ja so geordnet, dass zu "echten" Geschwistern eine ganz konkrete Familien-Verbindung besteht. Die ist sichtbar und man fühlt sie auch, diese wunderbare Verbundenheit in Liebe gibt´s nur in der Familie Gottes.


Vielleicht gehört das Ganze jetzt in die Rubrik „gewöhnungsbedürftig“ bei dir, ich weiß es nicht.
Die Schrift liefert uns Kriterien nach denen wir anerkennen müssen. Dass sich unter solchen dann auch „Heuchler“ (umgangssprachlich für "falsche Brüder) befinden können, ist nicht ausgeschlossen. Wir müssen uns aber unter die Kriterien der Schrift beugen und wenn Gott will, wird er jeden Heuchler in der Gemeinde offenbar machen mit den entsprechenden Konsequenzen … Gottes Sache! Solange davon nichts offenbar ist, kann nicht gegen ein getauftes Glied der Gemeinde gehandelt werden. Mit welcher Legitimation auch?

Mit der Legitimation: Gefühl? – ausgeschlossen! Niemand wird auf ein Gefühl hin als „Nicht-Bruder“ bezeichnet, nicht nach der Schrift.

Der Bruder oder die Schwester haben schlicht und ergreifend den gleichen Herrn und Heiland! Man sieht sich gemeinsam und unter dem Kreuz stehen, als ein aus Gnaden erretteter Sünder! Geschwister im Herrn sind deswegen auch gleich, keiner steht über dem anderen, keiner hat einen eigene Verdienst vorzuweisen, wir sind gerettet aus Gnade und werden gehalten aus Gnade.


Genau darum geht es doch:
Welcher Herr ist es denn?
Es gibt die Warnung vor vielen „falschen Christussen“. Zu einem „falschen Christus“ kann man persönlich eine äußerst beeindruckende Beziehung haben ….
Dieses „Bruder“ orientiert sich an einem ganz speziellen, ausschließlichen Christus. Es ist ganz vernünftig dort anzufangen, was am leichtesten abklärbar ist. Wer ist Christus? und Was hat Christus getan? (Kreuz, aus Gnaden gerettet – ohne Verdienst, in Gnaden bewahrt bis zum Schluss …)

Ich habe Geschwister, die sehr umgewandt sind beim Beten und Bekennen, sicher würden sie viele Fehler machen, wenn ihre "Theologie" geprüft werden würde, und doch haben sie eine innige Beziehung zu Christus und haben durch ihn das Heil erlangt.

Es geht nicht um perfekt. Es geht auch zu Beginn nicht um „komplex“ oder „ausführliche Systeme von Gedanken …“.
Aber wie ich schon mal angemerkt habe: man kann eine sehr innige Beziehung zu „Christus“ haben, der sich aber als „falscher Christus“ entpuppt. Und durch diesen erlangt man nie das Heil, obwohl man sich subjektiv sehr sicher sein kann: „Oh, ja ich habe bei ihm (falscher Christus) Heil gefunden!“

Offb. 2, 24 – 25 : vergiss bitte nicht, dass da steht, dass sie etwas haben, was sie festhalten sollen. Die Frage ist: Was haben sie denn? (Ein falscher Christus kann nicht gemeint sein!)

Lutz

Jose
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Wer sind meine Brüder?

Beitragvon Jose » 29.11.2011 11:22

Peter01 hat geschrieben:Wann gelten Brüder als Brüder?

Über die Thessalonicher schreibt der Apostel Paulus: "Denn von euch aus ist das Wort des Herrn erschollen, nicht allein in Mazedonien und in Achaja, sondern an jeden Ort ist euer Glaube an Gott hinausgedrungen, so dass wir nicht nötig haben, etwas zu sagen. Denn sie selbst erzählen von uns, welchen Eingang wir bei euch hatten und wie ihr euch von den Götzen zu Gott bekehrt habt, dem lebendigen und wahren Gott zu dienen und seinen Sohn aus den Himmeln zu erwarten, den er aus den Toten auferweckt hat - Jesus, der uns rettet von dem kommenden Zorn" 1.Thess 1,8-10. Wer dieses Zeugnis hat, ist mir ein Bruder bzw. eine Schwester im Herrn.

Peter01 hat geschrieben:Heute gibt es unter Christen verschiedene Auffassungen vom Evangelium bzw. verschiedene Auffassungen von Gott. Alle begründen sich scheinbar auf das Wort Gottes, doch im Kern merkt man, dass es Unterschiede gibt, die in ihrer Folge gravierend sind.

Das ist richtig, es gibt leider gravierende Unterschiede zwischen den Gläubigen und nicht jeder, der sich Christ nennt, ist es wirklich. Wenn du aber zuerst auf Galater 1,6-9 verweist, dann sollten wir uns auch die konkrete Gefahr, in der die Galater standen, anschauen. Hierzu habe ich den nachfolgenden Abschnitt, besonders mit Hilfe der "Erklärungen zur Elberfelder Bibel", geschrieben.

Ein anderes Evangelium
Innerhalb kurzer Zeit, nach dem Empfang des Evangeliums vom Gnadenbund Gottes in Christus, hatten sich die Galater wieder von der Wahrheit abbringen lassen, verführt durch sogenannte judaisierende Christen, die forderten, neben dem Glauben an Christus, auch die Beachtung der jüdischen Gesetze und Gebote bis hin zur Beschneidung (Gal. 5,2.6.11) zu beachten. Jüdische Feiertage wurden anscheinend schon wieder gehalten (Gal. 4,10). Bei diesen Regeln handelt es sich jedoch nicht um harmlose Ordnungen, die man einfach dem Leben nach dem Evangelium anfügen kann. Paulus deckt den grundsätzlichen Konflikt auf, der zwischen der Gerechtigkeit aus Glauben und der Gerechtigkeit durch Werke besteht. Wer wieder die Gerechtigkeit durch Erfüllung von Gesetzeswerken sucht, verliert Christus (Gal. 5,4). Paulus ringt seelsorgerlich um die Christen, die in der Gefahr stehen, aus der freien Gnade Christi wieder eine Vorschriftensammlung zu machen (Gal. 4,11-12.19-20).

Wenn Paulus also schreibt: "Wenn aber auch wir oder ein Engel aus dem Himmel euch etwas als Evangelium entgegen dem verkündigten, was wir euch als Evangelium verkündigt haben: Er sei verflucht!" Gal 1,8, dann verurteilt er diesen Rückfall in das Gesetz. Es gibt so viele Gefahren diesbezüglich, denken wir in diesem Zusammenhang auch an die Ermahnung an die Kolosser: "Wenn ihr mit Christus den Elementen der Welt gestorben seid, was unterwerft ihr euch Satzungen, als lebtet ihr noch in der Welt: Berühre nicht, koste nicht, betaste nicht!, - was doch alles zur Vernichtung durch den Gebrauch bestimmt ist, nach den Geboten und Lehren der Menschen?" Kol 2,20-22.

Da ich aus dem Katholizismus komme, kenne ich einige Bräuche, aus denen deutlich wird, wie Menschen ihr Vertrauen Gegenständen, Handlungen und Werke schenken, anstatt alleine auf Gott zu vertrauen. Ich befürchte, dass bei vielen dieser Menschen die gleiche Gesinnung vorliegt, wie Paulus am Ende des Briefes an die Galater denen ausstellt, die ein falsches Evangelium verkündigt haben: "So viele im Fleisch gut angesehen sein wollen, die nötigen euch, beschnitten zu werden, nur damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden. Denn auch sie, die beschnitten sind, befolgen selbst das Gesetz nicht, sondern sie wollen, dass ihr beschnitten werdet, damit sie sich eures Fleisches rühmen können" Gal 6,12-13.

Was mir der Galaterbrief sehr deutlich macht ist unsere persönliche Verantwortung, am Wort festzuhalten, denn wir lesen: "Ich wundere mich, dass ihr euch so schnell von dem, der euch durch die Gnade Christi berufen hat, abwendet zu einem anderen Evangelium, wo es doch kein anderes gibt; einige verwirren euch nur und wollen das Evangelium des Christus umkehren" Gal 1,6-7. Paulus war verwundert über diese Geschwister, diese Berufenen, die doch in Gefahr standen, sich vom wahren Evangelium abzuwenden.

José

Christine
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Beitragvon Christine » 29.11.2011 13:24

Hallo Lutz,

Richtige Glaubensbekenntnisse sind die Sprache Kanaans? Erkläre mir mal bitte was du damit meinst.
Entschuldige, aber das verdreht meine Aussage. So was habe ich nicht gesagt, und auch nicht gemeint.
Ich kenne es auch selbst, dass christliche Wortwendungen sich "abnützen" können. Es entstehen Worthülsen ohne persönlichen Bezug. Wie die Bibel es ausdrückt, mit den Lippen ehren, doch das Herz ist fern. Nach einer Zeit kann es passieren, dass man selbst den Unterschied nicht mehr merkt. Ich bin deshalb sehr dafür, möglichst kein "Kanaanäisch" zu benutzen.


„Heuchler“ (umgangssprachlich für "falsche Brüder)
Wieso sind Heuchler denn falsche Brüder? Ein falscher Bruder muss doch kein Heuchler sein und ein Heuchler kein falscher Bruder.

Es gibt viele Namenschristen, die überhaupt kein bisschen heucheln, sie haben nur den rettenden Glauben (noch) nicht. Sie sind für mich die biblische Bedeutung für falsche Brüder. Es gibt echte und unechte (=falsche) Brüder nach der Bibel. Wer unecht ist, der kann durch seine Sünde auffallen, muss aber nicht.
Prüft euch selbst, ob ihr im Glauben seid; stellt euch selbst auf die Probe! Oder erkennt ihr euch selbst nicht, daß Jesus Christus in euch ist? Es sei denn, daß ihr unecht wärt!
2.Korinther 13,5

Nun aber habe ich euch geschrieben, keinen Umgang zu haben, wenn jemand, der Bruder genannt wird, ein Hurer ist, oder ein Habsüchtiger oder ein Götzendiener oder ein Schmäher oder ein Trunkenbold oder ein Räuber, mit einem solchen selbst nicht zu essen.
1.Korinther 5,11
Ein Heuchler wird hier interessanterweise nicht einmal genannt.
Ich habe schon so oft Gläubige heucheln gesehen, incl. leider mich selbst, wenn das ein Unterscheidungsmerkmal für einen "falschen" Bruder wäre, dann gäbe es kaum einen echten.




Gefühl? – ausgeschlossen!
Der Verstand musst du dann aber auch ausschließen. Gefühl und Verstand stehen unter dem Sündenfall und irren beide gleicherweise.


Hier im Forum fand ich unter den Worterklärungen über die Frage, wie man einen Wiedergeborenen erkennt, also einen echten Bruder. Folgender Aussage möchte ich mich 100% anschließen:
Antion hat geschrieben:Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass der Heilige Geist selbst uns die Offenheit zu anderen, die vorgeben Christen zu sein, schenkt bzw. diese verhindert.



Lutz hat geschrieben:Es ist ganz vernünftig dort anzufangen, was am leichtesten abklärbar ist. Wer ist Christus? und Was hat Christus getan?
Darüber sind unzählige Bücher und Glaubensbekenntnisse geschrieben worden und die ganze Bibel von vorne bis hinten handelt von nichts anderem. So schwierig ist es, diese Fragen abzuklären.

Dennoch ist es den Ungläubigen verborgen, der Lichtglanz des Evangeliums erreicht sie nicht, es sei denn Gott schenkt es ihnen.
Mit der "Vernunft" ist es erst recht nicht zu fassen. Es ist reine Gnade, durch den Heiligen Geist zu erfassen, wer Christus ist und was er getan hat.

Letztlich geht es darum, dass man ganz persönlich Christus kennt und von Christus erkannt ist.

Gruß Christine

Jose
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Uneinigkeit zwischen den Gläubigen

Beitragvon Jose » 29.11.2011 17:10

Christine hat geschrieben:
Lutz hat geschrieben:Es ist ganz vernünftig dort anzufangen, was am leichtesten abklärbar ist. Wer ist Christus? und Was hat Christus getan?
Darüber sind unzählige Bücher und Glaubensbekenntnisse geschrieben worden und die ganze Bibel von vorne bis hinten handelt von nichts anderem. So schwierig ist es, diese Fragen abzuklären.


Danke für diese so klar formulierte Feststellung, Christine. Leider besteht in der Tat viel Uneinigkeit zwischen den Gläubigen, selbst über Fragen, die eigentlich selbstverständlich sein sollten. Das sollte aber nicht dazu führen, dass wir das Wesentliche vergessen: Durch das Opfer Jesu am Kreuz, durch Sein vergossenes Blut, Sein Tod und Seine Auferstehung, werden wir durch den Glauben gerecht gemacht vor Gott und durch die Wiedergeburt Kinder Gottes. Dann haben wir den gleichen himmlischen Vater, dann sind wir auch Brüder und Schwestern im Herrn.

Im Eröffnungsbeitrag sind im Zitat die Glaubensvorbilder John Wesley und Georg Whitefield erwähnt. Ich frage mich ernstlich, wie wir die Frage dieses Themas: "Wann gelten "Brüder" als Brüder?" beantworten können, wenn wir nicht konkret erwähnen, worüber Uneinigkeit zwischen den beiden bestand. Es ist nicht meine Absicht, hier über Themen zu diskutieren, die an verschiedenen Stellen bereits diskutiert wurden, aber ich möchte mit den nachfolgenden Zitaten daran erinnern, dass es durchaus unter Gotteskindern auch unterschiedliche Überzeugungen über manche Lehrpunkte geben kann.

John Wesley vertrat entschieden das Konzept der allgemeinen Gnade Gottes im Gegensatz zur calvinistischen Lehre von der doppelten Prädestination - dieser Punkt war es auch, der John Wesley und George Whitefield, theologisch trennte, obwohl sie sich menschlich Zeit ihres Lebens die größte Hochachtung entgegenbrachten. Nach John Wesley gilt Gottes Gnade allen Menschen ohne Unterschiede, bedingungslos, ohne irgendwelche Vorleistungen. Beim Menschen wird dabei nur vorausgesetzt, dass er Ja sagt zu dieser Gnade, die Gott ihm in Jesus Christus zeigt, obwohl der Mensch diese Gnade nicht verdient hat.
Quelle: http://encyclopedie-de.snyke.com/articl ... esley.html


Theologisch war Whitefield, im Gegensatz zu John Wesley ein strenger Calvinist. Wegen Differenzen bezüglich der Prädestinationslehre trennte sich Whitefield von den Wesleyanern und gründete einen eigenen Zweig des calvinistischen Methodismus. Er knüpfte Kontakte zum Kreis um Selina Countess of Huntingdon (1707-1791), die sich ab 1748, nach dem Tod ihres Mannes, intensivierten. Dies änderte jedoch nichts an der gegenseitigen Hochachtung zwischen Wesley und Whitefield.
Quelle: http://encyclopedie-de.snyke.com/articl ... field.html


Es gibt ganz besondere Bibelstellen, die mich immer wieder zum Nachdenken bringen. So z.B. diese: "Johannes aber antwortete und sprach: Meister, wir sahen jemand Dämonen austreiben in deinem Namen, und wir wehrten ihm, weil er dir nicht mit uns nachfolgt. Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt nicht! Denn wer nicht gegen euch ist, ist für euch" Lk 9,49-50.

An einer anderen Stelle lesen wir: "Petrus wandte sich um und sieht den Jünger nachfolgen, den Jesus liebte, der sich auch bei dem Abendessen an seine Brust gelehnt und gesagt hatte: Herr, wer ist es, der dich überliefert? Als nun Petrus diesen sah, spricht er zu Jesus: Herr, was soll aber dieser? Jesus spricht zu ihm: Wenn ich will, dass er bleibe, bis ich komme, was geht es dich an? Folge du mir nach!" Joh 21,20-22.

Niemand kann gegen seine persönliche Überzeugung handeln, wenn er trotz ernstem Beten und Ringen und Suchen im Wort zu keiner anderen Überzeugen kommt, aber wir sollten uns dennoch die Weisheit schenken lassen, zu unterscheiden zwischen den Lehren die wirklich Heilsnotwendig sind und solche, die nur zu Spaltungen führen.

Und wenn es doch zu Trennungen kommt, wie zwischen George Whitefield und John Wesley, so lasst und dennoch darauf achten, ob Sünde vorliegt oder nur eine unterschiedliche Erkenntnis über bestimmte, aber nicht heilsentscheidende Lehrpunkte. Viel schlimmer als Lehrunterschiede, kann m.E. die fehlende Liebe zueinander sein.

Ich hoffe, mit diesem Beitrag niemand verletzt zu haben.

José

lutz
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Beitragvon lutz » 29.11.2011 18:01

Hallo zusammen,

Bruder ist man ab dem Moment der Zeugung durch das Wort der Wahrheit oder wie es bspw. im Epheser steht (1, 13): „ … nachdem ihr das Wort der Wahrheit, die Heilsbotschaft von eurer Rettung, vernommen habt und zum Glauben gekommen seid, …“. Danach wird man auch nicht „mehr Bruder“ als vorher oder „weniger Bruder“ als vorher … Es mag unterschiedliche Aufgabenfelder geben – aber „Bruder ist Bruder – alle gleich vor dem Herrn“.

Zu diesem Zeitpunkt sieht man doch aber nicht viel. Da sieht man noch kein Gebets„verhalten“, keine großen „Lebensveränderungen“ (vielleicht war einer vorher ein Spötter … - da sieht man dann mehr), keine Beharrlichkeit …
Also alle die Früchte, die Zeit brauchen – können zu dem Zeitpunkt gar nicht als Erkennungsgrundlage dienen. (Ein Abweichen kann auch noch nicht gesehen werden …)

In Apostelgeschichte sehen wir, dass die „Anerkennung“ sehr schnell ging.
In der Apostelgeschichte steht auch der bemerkenswerte Vorgang, wie der Jünger Ananias „Bruder Saul“ erkannte. Der Herr selbst versorgte Ananias mit den notwendigen Informationen.
Nun finden wir in den Briefen an die Gemeinde keinerlei Aufforderungen sich Infos direkt vom Herrn zu holen, um zu erkennen. Paulus selbst stellt sich darin immer wieder mal mehr mal weniger ausführlich vor in Worten.

Emotionen sind nirgends Grundlage – es geht um Lehre, es geht um konkrete Inhalte, die verkündigt und geglaubt werden. Es geht auch nicht ausschließlich um Lehre – nur wie ich eingangs schon sagte: für Frucht muss Zeit eingeräumt werden. Die Zustände in den einzelnen Gemeinden lassen auch darauf schließen, dass man sich ausschließlich anhand der Werke, ziemlich täuschen müsste. Es wurden erhebliche Missstände gerügt.

Jetzt zum Ausgangsvers in diesem Thema:
2Joh 9-11: Jeder, der abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt, der hat Gott nicht; wer in der Lehre des Christus bleibt, der hat den Vater und den Sohn. Wenn jemand zu euch kommt und diese Lehre nicht bringt, den nehmt nicht auf ins Haus und grüßt ihn nicht! Denn wer ihn grüßt, macht sich seiner bösen Werke teilhaftig.

Es muss uns doch allen klar und verständlich vor Augen liegen, dass hier eine verbindliche Forderung des Herrn vorliegt.
Da können wir doch nicht einfach so drüber weg gehen.
Auch ich war nicht direkt dabei, sondern habe Vorüberlegungen angestellt, die ich aber in der praktischen Anwendung dann später sicher noch brauchen werde.

Lasst uns dann doch erst einmal direkt bei dem bleiben, woher man Ansichten für Problem X und Y holt:
Wie soll man der Forderung nachkommen, wenn man nicht weiß und auch nicht nachforscht, was dieses „abweicht und nicht in der Lehre des Christus bleibt“ bedeutet.
Zuerst muss das doch abgeklärt sein, bevor man das überhaupt mit konkreten Personen und was sie so verstanden, verkündigt haben in Beziehung setzt.

Wenn dazu schon ausführliche Glaubensbekenntnisse vorliegen bzw. ausführliche Besprechungen vorhanden sind – dann verlinkt sie doch bitte mal! Danke!

Lutz

PS: Peter hatte bereits darauf hingewiesen, dass ihm zu wenig auf seine Bibelstellen eingegangen wird. Es wäre normal zuerst einmal seinem Anliegen zu entsprechen und dann ist immer noch Raum für konkrete Namen und konkrete Ansichten. So denke ich. Andernfalls müssten wir uns alle hier (mit Ausnahme Peter) fragen, ob wir nicht bewusst ausweichen wollen???

Jose
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Hinweis

Beitragvon Jose » 29.11.2011 18:24

Lutz hat geschrieben:PS: Peter hatte bereits darauf hingewiesen, dass ihm zu wenig auf seine Bibelstellen eingegangen wird. Es wäre normal zuerst einmal seinem Anliegen zu entsprechen und dann ist immer noch Raum für konkrete Namen und konkrete Ansichten. So denke ich. Andernfalls müssten wir uns alle hier (mit Ausnahme Peter) fragen, ob wir nicht bewusst ausweichen wollen???

Hattest du meinen heutigen Beitrag gelesen, in dem ich z.B. sehr konkret auf die Galaterstelle eingegangen bin?

José


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