Von Ephesus bis Laodizäa

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Jose
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Uns zum Vorbild gegeben

Beitragvon Jose » 21.12.2011 16:26

Joel, bitte gestatte mir auf diese deine Aussage einzugehen:
Joel213 hat geschrieben:Grade weil mir die Bibel so wichtig ist bleibe ich auch bei meiner Überzeugung, dass man zuerst wissen muss was der Schreiber dem ursprünglichen Adressaten mitteilen wollte, bevor man auf eine Anwendung für sich kommt.
Kommst du damit nicht sehr oft an den Punkt, dass viele Bibelstellen dir gar nichts zu sagen haben? Sollen wir die Bibel nicht eher so lesen, dass Gott zuerst uns was zu sagen hat, um dann im zweiten Schritt zu fragen, ob hier eine konkrete Situation sehr sorgfältig betrachtet werden muss, falls wir z.B. mit der Aussage gar nicht klarkommen. Vieles sollte bzw. muss ohnehin geistlich gedeutet werden.

So sehe ich es auch mit den Sendschreiben. Auch wenn der Vorsteher der jeweiligen Gemeinde hier ganz konkret von Gott beurteilt wurde und die Gemeinden individuell Gottesurteil über sie empfingen, sollten wir uns doch zuerst persönlich fragen, und dann auch als Gemeinde: Trifft das Urteil auch auf mich zu?

Lasst uns hierbei auch an die Ermahnung an die Korinther denken: "Alles dies aber widerfuhr jenen als Vorbild und ist geschrieben worden zur Ermahnung für uns, über die das Ende der Zeitalter gekommen ist" 1. Korinther 10,11.

Gruß, José

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 21.12.2011 17:29

Christine hat geschrieben:Hallo Joschie,

bist du denn ein Kritiker Darby´s? Das ist mir nicht ganz klar.

Du schreibst, dass Darby die Sicht vertrat, dass die nach dem Tod der Apostel verfallen sei, nicht wiederherstellbar sei und es deshalb nicht mehr um Kirchengründung gehe.
Ich meine, die Sicht Darby zu der Kirche (ecclesia = Versammlung) gut genug zu kennen, um zu wissen, dass er das weder gesagt noch gemeint hat.
Nach Darby gibt es die Kirche im eigentlichen Sinne sehr wohl! Und wie es sie gibt!! Er war geradezu DER Verkündiger und Vertreter der einen und einzigen wahren Kirche, so weit ich unterrichtet bin.

Darf ich dich aber zuerst fragen, was du unter "Kirche" verstehst?
Möglicherweise gibt es hier ganz unterschiedliche Definitionen von dir und Darby.

Mir würde auch ein Thread über das Thema gut gefallen. Wohlgemerkt nicht über Darby (!!) sondern über die Kirche/Gemeinde/Versammlung/ecclesia Jesu Christi, der eine Leib.)


Gruß Christine
Es geht ja in diesem Thread um die sieben Sendschreiben und ihrer Deutung durch die Kirchengeschichte.Ich habe aufgezeigt, wie es zu dieser Sichtweise der sieben Sendschreiben gekommen ist.Der Kasus knaktus ist dabei nunmal John Nelson Darby und die auf ihn zurückgehende Lehre des Dispensationalismus.Ich habe John Nelson Darby nicht kritisiert, sondern ganz schlicht geschichtliche Fakten aufgezeichnet.Christine, du hattest geschrieben "Überhaupt teilt Darby das Los von Calvin, denn beide werden allzu gerne als Totschlagargument missbraucht.Einmal erwähnt was diese Männer angeblich so alles gesagt haben sollen (häufig irren sich die Kritiker nämlich sehr) und schon ist das Thema dann vom Tisch. Ich habe das dutzende vom Male so erlebt". Bleiben wir erst mal bei den sieben Sendschreiben und ihrer Deutung durch die Kirchengeschichte, zeige mir, wo meine Darlegung von John Nelson Darby und dem Dispensationalismus zu diesem Thema falsch ist oder Ungenauigkeiten aufweist.
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

Christine
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Beitragvon Christine » 21.12.2011 17:55

Hallo Joschie,

ich habe die Auslegung von Darby über die Sendschreiben nicht gelesen, darum kann ich darüber auch wenig sagen. Und ob Darby wirklich der erste war, der diese Sendschreiben als prophetische Schau der Kirchengeschichte gedeutet hat, weiß ich nicht. Das kann gut sein, darüber will ich auf keinen Fall streiten.

Laut Wikipedia gibt es diese Sicht seit dem Hochmittelalter, ca 1300 nach Christus. Auch ein Calvinist, Thomas Brightman (1557–1607), soll die Sendschreiben als Epochen der Kirchengeschichte gedeutet haben. Ebenso reformierte Theologen des 16. Jahrhunderts.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Sen ... geschichte
Aber Wikipedia hat ja nicht immer recht, nicht wahr.


Wenn ich die Offenbarung lese, dann komme ich von ganz allein darauf, dass dies ein prophetisches Buch ist. Und wenn ich die Briefe an die Gemeinden lese, dann komme ich auch von ganz allein darauf, dass sich der Geist Gottes hier an mehr als nur an diese sieben historischen Gemeinden wendet. Das ist -wenn man es mal so sagen will- meine persönliche Sicht dieser Stellen.

Liebe Grüße, Christine

Joel213
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Beitragvon Joel213 » 21.12.2011 19:09

Jose hat geschrieben:Kommst du damit nicht sehr oft an den Punkt, dass viele Bibelstellen dir gar nichts zu sagen haben? Sollen wir die Bibel nicht eher so lesen, dass Gott zuerst uns was zu sagen hat, um dann im zweiten Schritt zu fragen, ob hier eine konkrete Situation sehr sorgfältig betrachtet werden muss, falls wir z.B. mit der Aussage gar nicht klarkommen. Vieles sollte bzw. muss ohnehin geistlich gedeutet werden.
Hi Jose. Hm, um wen geht es denn in der Bibel? Nicht um mich, sondern um Gott. Gott offenbart sich hier den Menschen. Jeder Textabschnitt trifft mehr oder weniger eine Aussage über Gott, über sein Wesen und über seinen Plan mit seiner Schöpfung. Demnach haben mir alle Bibelstellen auch was zu sagen. Du hast dabei natürlich recht, dass Gott uns zuerst was zu sagen hat. Mir ging es ja insgesamt darum, dass man die Bibel nicht beliebig auslegen, sondern schon gewisse hermeneutische Regeln beachten sollte. Ich muss mir nicht zuerst die Frage stellen: "Was sagt der Text mir?" sondern "Wie ist der Text ursprünglich gemeint gewesen und was sagt er dabei über Gott aus?". Wenn ich nicht weiß was der Text den Leuten damals zu sagen hatte, dann komm ich unter Umständen zu falschen Schlüssen über Aussagen die Gott usw. betreffen. Und hier konkret ist mir die Auslegung, dass die Kirchengeschichte in den Sendschreiben prophetisch hinterlegt ist, einfach zu weit hergeholt. :roll:

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 21.12.2011 20:13

Christine hat geschrieben:ich habe die Auslegung von Darby über die Sendschreiben nicht gelesen, darum kann ich darüber auch wenig sagen. Und ob Darby wirklich der erste war, der diese Sendschreiben als prophetische Schau der ich habe die Auslegung von Darby über die Sendschreiben nicht gelesen, darum kann ich darüber auch wenig sagen. Und ob Darby wirklich der erste war, der diese Sendschreiben als prophetische Schau der Kirchengeschichte gedeutet hat, weiß ich nicht. Das kann gut sein, darüber will ich auf keinen Fall streiten.

Laut Wikipedia gibt es diese Sicht seit dem Hochmittelalter, ca 1300 nach Christus. Auch ein Calvinist, Thomas Brightman (1557–1607), soll die Sendschreiben als Epochen der Kirchengeschichte gedeutet haben. Ebenso reformierte Theologen des 16. Jahrhunderts.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Sieben_Sen ... geschichte
Aber Wikipedia hat ja nicht immer recht, nicht wahr.
Ja es wurden schon früher vereinzelt die sieben Sendschreiben kirchengeschichtlich gedeutet. Bei John Nelson Darby war diese Deutung der sieben Sendschreiben, (in seiner Lehre) welche die Heilsgeschichte in mehreren Heilszeitaltern (Dispensationen) zu unterteilen sei, eingebunden.Das daraus entstandene Lehrgebäude des Dispensationalismus, bekam erst durch die Scofield Studienbibel seine Breitenwirkung.Bei den verschiedenen Deutungen der sieben Sendschreiben durch die Kirchengeschichte, sollte man nicht vergessen, das diese Ausleger zu einer bestimmten Zeit und an einem Ort gelebt haben.Genau dieser Sachverhalt macht für mich diese Deutung, für sehr eigenwillige Ansichten, so anfällig. Mir ganz persönlich, ist diese Sicht der Kirchengeschichte zu eng, zur Kirchengeschichte zählen auch Afrika, Asien, Lateinamerika und nicht nur Europa!
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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