Die Beschneidung des Herzens

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Joseph28
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Die Beschneidung des Herzens

Beitragvon Joseph28 » 13.02.2012 07:52

Was ist die Beschneidung des Herzens? Zum Beispiel, ermahnt Mose die Israeliten, ihre Herzen zum Herrn zu beschneiden (5. Mose 10,16 und 5. Mose 30,6).

In der Bibel, Widerstand und Ablehnung des Wortes Gottes ergeben sich die Härte des Herzens. (Zum Beispiel, als Pharao das Wort Gottes von Moses wiederholt ablehnte, wurde sein Herz immer mehr verstockt.) Wenn man die Aussagen und Verheißungen Gottes durch den Glauben nimmt und glaubt, ist das Ergebnis Gottes Gerechtigkeit. Sowohl im Alten als auch Neuen Testament, entfernt diese Gerechtigkeit die Härte des Herzens, und damit wir sagen, dass man von Herzen beschnitten ist (Apg 7,51 und Kolosser 2,11).

Nach dem Apostel Paulus, erhielt Abraham Gerechtigkeit, als er Gott glaubte, dass er einen Sohn namens Isaak haben würde. (Bitte vergleicht Römer 4,19-22 mit 1. Mose 17,21). Zu dem Zeitpunkt waren weder Abraham noch Sarah fähig zur sexuellen Fortpflanzung, und damit die Beschneidung, die Abraham damals erhielt, hatte diese Leblosigkeit entfernt, die ihnen von sexuellen Fortpflanzung ausgeschlossen hat. Im folgenden Jahr, zeugte Abraham Isaak, weil er Gottes Versprechen geglaubt hatte.

Könnte dieser Begriff uns helfen, um die schwierigen Passagen zu verstehen, die man im Hebräerbrief findet?

Hebräer 3, 7; Schlachter 2000 hat geschrieben:Darum, wie der Heilige Geist spricht: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht, wie in der Auflehnung, am Tag der Versuchung in der Wüste, wo mich eure Väter versuchten; sie prüften mich und sahen meine Werke 40 Jahre lang. Darum wurde ich zornig über jenes Geschlecht und sprach: Immer gehen sie in ihrem Herzen in die Irre, und sie haben meine Wege nicht erkannt, so daß ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen!« Habt acht, ihr Brüder, daß nicht in einem von euch ein böses, ungläubiges Herz sei, das im Begriff ist, von dem lebendigen Gott abzufallen!

Hebräer 4, 7; Schlachter 2000 hat geschrieben:so bestimmt er wiederum einen Tag, ein »Heute«, indem er nach so langer Zeit durch David sagt, wie es gesagt worden ist: »Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht!« Denn wenn Josua sie zur Ruhe gebracht hätte, so würde nicht danach von einem anderen Tag gesprochen. Also bleibt dem Volk Gottes noch eine Sabbatruhe vorbehalten; denn wer in seine Ruhe eingegangen ist, der ruht auch selbst von seinen Werken, gleichwie Gott von den seinen.

Die dritte Textstelle ist in Hebräer 6,7 gefunden, wo der Erdboden das „Wasser“ nicht trinkt, weil es hart ist.

Oder anders gesagt, der sogenannte „Christ“ mit dem verstockten Herzen ist eine Person, die Gottes Gerechtigkeit durch Glauben nie empfangen hat. Die Annahme dabei ist, dass die Beschneidung umkehrbar nicht ist, und damit ist das verstockte Herz ein Anzeiger, dass der sogenannte „Christ“ nie wiedergeboren wurde.

Man kann daher verstehen, dass die beschnittenen Israeliten, die mit Moses aus Ägypten weggegangen sind, unbeschnitte Herzen wegen des Unglaubens hatten, damit sie in die Ruhe Gottes nie eingingen.

Können sogenannte „Christen“ unbeschnitte Herzen auch haben? Das ist die Warnung in dem Hebräerbrief, oder?

Liebe Grüße,
Joseph
„Und dies schreiben wir euch, damit eure Freude vollkommen sei.“ (1.Johannes 1,4)

mahu
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Beitragvon mahu » 15.02.2012 20:02

Hallo Joseph,

dein Beitrag trifft ziemlich exakt das Problem, welches hier im Hebräerbrief thematisiert wird:
Das Herz des Menschen ist das Problem, nicht der Abfall vom wahren Gott und die Rückbekehrung (wie viele es vertreten, die für die Abfallslehre sind). Wie viele Israeliten so sind auch viele andere Menschen im Herzen unbekehrt und haben nie Christus angenommen. Sie sind äußerlich Bekehrte, äußerlich "Israeliten" und äußerlich Beschnittene. Aber in ihrem Herzen sind sie nicht beschnitten, sind nach wie vor nicht umgekehrt und haben daher auch nicht den Hl. Geist als Kinder Gottes.
Das Beispiel des Saul im AT trifft dies auch gut. Saul hatte auch Geistwirkungen, war Gesalbter und Berufener. Aber in seinem Herzen war er nie dem Herrn zugewandt.

Jose
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Re: Die Beschneidung des Herzens

Beitragvon Jose » 03.03.2012 21:08

Joseph28 hat geschrieben:Was ist die Beschneidung des Herzens?...

Hallo Joseph.
Ich sehe es so, dass Gott im Alten Bund den Israeliten das sichtbare Gebot der Beschneidung gegeben hatte: "Dies ist mein Bund, den ihr halten sollt, zwischen mir und euch und deinen Nachkommen nach dir: Alles, was männlich ist, soll bei euch beschnitten werden" 1.Mose 17,10, allerdings war die äußere Beschneidung auch im AT nicht das entscheidende und was Gott wirklich bei den Juden sehen wollte. Paulus stellte fest: "Denn Beschneidung ist wohl nütze, wenn du das Gesetz befolgst; wenn du aber ein Gesetzesübertreter bist, so ist deine Beschneidung Unbeschnittensein geworden" Röm 2,25.

Nach meiner Überzeugung nutzen alle äußeren Zeichen letztlich nichts, selbst wenn sie von Gott verordnet wurden, weil dazu auch der Glaube kommen muss. Das entnehme ich auch aus der weiteren Argumentation des Paulus: "Wenn nun der Unbeschnittene die Rechtsforderungen des Gesetzes befolgt, wird nicht sein Unbeschnittensein für Beschneidung gerechnet werden, und das Unbeschnittensein von Natur, das das Gesetz erfüllt, dich richten, der du mit Buchstaben und Beschneidung ein Gesetzesübertreter bist?" Röm 2,26.27.

Aus der erwähnte Bibelstelle im Römerbrief erkenne ich außerdem, dass die wahre Beschneidung damit gleich zu setzen ist, dass man den Willen Gottes tut. Daher folgert Paulus: "Denn nicht der ist ein Jude, der es äußerlich ist, noch ist die äußerliche Beschneidung im Fleisch Beschneidung; sondern der ist ein Jude, der es innerlich ist, und Beschneidung ist die des Herzens, im Geist, nicht im Buchstaben. Sein Lob kommt nicht von Menschen, sondern von Gott" Röm 2,28.29. Dass ein Mensch äußerlich beschnitten wurde, das konnte man sehen, aber die Beschneidung des Herzens, die sieht Gott und die kann auch nur ER wirken. Aber auch nur die zählt letztlich vor IHM.

Joseph28 hat geschrieben:Können sogenannte „Christen“ unbeschnitte Herzen auch haben? Das ist die Warnung in dem Hebräerbrief, oder?...

Du hast Kolosser 2,11 erwähnt und dort steht es deutlich: "In ihm seid ihr auch beschnitten worden mit einer Beschneidung, die nicht mit Händen geschehen ist, sondern im Ausziehen des fleischlichen Leibes, in der Beschneidung des Christus" Kol 2,11. Ich bin überzeugt, das gilt für alle Gotteskinder, denn Gott schenkt uns in der Wiedergeburt ein neues "beschnittenes" Herz.

Der Hinweis auf die Hebräerstelle ist m.E. aber insofern richtig, weil nach meinem Verständnis die Beschneidung des Herzens ein Zustand ist, den wir uns durch Gott bewahren lassen müssen, im Gehorsam Gott gegenüber und im Glauben an Sein Wort.

Gottes Segen,
José
Zuletzt geändert von Jose am 03.03.2012 21:35, insgesamt 1-mal geändert.

Jose
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War Saul nie Gott zugewandt?

Beitragvon Jose » 03.03.2012 21:10

mahu hat geschrieben:Das Beispiel des Saul im AT trifft dies auch gut. Saul hatte auch Geistwirkungen, war Gesalbter und Berufener. Aber in seinem Herzen war er nie dem Herrn zugewandt.

Hallo Mahu.
Ob Saul nie dem Herrn zugewandt war kann ich persönlich aus der Schrift nicht erkennen, denn Gott selbst sagte, dass Saul sich von Ihm abgewandt hatte: "Da geschah das Wort des HERRN zu Samuel: Es reut mich, dass ich Saul zum König gemacht habe; denn er hat sich von mir abgewandt und hat meine Worte nicht ausgeführt" 1.Sam 15,10.11a. Und später hielt Samuel Saul vor: "Wurdest du nicht, als du gering in deinen Augen warst, das Oberhaupt der Stämme Israels? Und der HERR salbte dich zum König über Israel" 1.Sam 15,17. Ich finde diese Aussage persönlich sehr wichtig und erkenne darin, dass das danach folgende Gericht Gottes über Saul, von Saul selbst verschuldet wurde, denn Samuel sagte zu ihm: "Warum hast du denn der Stimme des HERRN nicht gehorcht und bist über die Beute hergefallen und hast getan, was in den Augen des HERRN böse ist?" 1.Sam 15,19.

Das ist mein persönliches Verständnis dieser Begebenheit und wenn ich über die Eingangsfrage von Joseph nachdenke: "Was ist die Beschneidung des Herzens?", dann auf jeden Fall nicht der Zustand, der beim Saul am Ende zu finden war. Bereits im Alten Bund galt, trotz der ganzen Gesetzes- und Opfervorschriften: "Samuel aber sprach: Hat der HERR so viel Lust an Brandopfern und Schlachtopfern wie daran, dass man der Stimme des HERRN gehorcht? Siehe, Gehorchen ist besser als Schlachtopfer, Aufmerken besser als das Fett der Widder" 1.Sam 15,22.

Gottes Segen,
José


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