Falsche Übersetzungen von 1.Tim.4,10

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joseph28
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Beitragvon Joseph28 » 08.04.2012 01:11

Bruder Lutz...

Ich verstehe nicht, warum 1.Timotheus 4,10 im Einvernehmen mit 1.Johannes 2,2 ausgelegt nicht ist, welchen Vers ich hier in verschiedenen deutschen Übersetzungen stelle vor...
Joseph hat geschrieben:1. Johannes 2,2 (Luther Bibel 1545)
Und derselbe ist die Versöhnung für unsre Sünden, nicht allein aber für die unseren sondern auch für die der ganzen Welt.

1. Johannes 2,2 (Neue Genfer Übersetzung)
ist durch seinen Tod zum Sühneopfer für unsere Sünden geworden, und nicht nur für unsere Sünden, sondern für die der ganzen Welt.

1. Johannes 2,2 (Elberfelder)
Und er ist die Sühnung für unsere Sünden, nicht allein aber für die unseren, sondern auch für die ganze Welt.

1. Johannes 2,2 (Schlachter 1951/2000)
und er ist das Sühnopfer für unsere Sünden, aber nicht nur für die unseren, sondern auch für die der ganzen Welt.

1. Johannes 2,2 (Hoffnung für Alle)
Denn Christus hat unsere Sünden, ja, die Sünden der ganzen Welt auf sich genommen; er hat sie gesühnt.

1. Johannes 2,2 (Menge)
Und er ist die Versöhnung (oder: Sühnung = das Sühnopfer) für unsere Sünden, aber nicht nur für die unsrigen, sondern auch für die der ganzen Welt.
Es gibt keine Zweideutigkeiten, dass Christus der Retter aller Menschen ist. Wenn Christus der Retter aller Menschen nicht ist, dann der folgende Vers keinen Sinn machen würde.
2. Petrus 3,9 (Luther Bibel 1545) hat geschrieben:Der HERR verzieht nicht die Verheißung, wie es etliche für einen Verzug achten; sondern er hat Geduld mit uns und will nicht, daß jemand verloren werde, sondern daß sich jedermann zur Buße kehre.
Luthers Übersetzung kommt hier am nächsten dem griechischen Urtext.

Warum dann werden nicht alle Menschen automatisch gerettet, wenn Christus der Retter aller Menschen ist? Weil die Versöhnung mit Gott nicht automatisch ist. Versöhnung mit Gott fällt nur durch Gerechtigkeit vor, die durch Glauben an Gottes Heilsbotschaft vorkommt. Das kostenlose Geschenk des ewigen Lebens (durch das Neue Bund) ist die Folge.

Lass mich dir ein Beispiel aus der Praxis hier zu geben, um diesen schwieregen Begriff besser zu verstehen.

Ich habe meinen leiblichen Vater in der Tat für über 34 Jahre nicht gesehen. Mein jüngerer Bruder begegnete ihn letztes Jahr in Tucson, Arizona, USA. Mein Bruder brachte völlige Vergebung zum Ausdruck, und damit suchte er Versöhnung mit unserem entfremdeten Vater. Überraschenderweise war unser Vater nicht interessiert. Er versuchte Versöhnung mit meinem Bruder nicht, ungeachtet dessen, dass Vergebung von meinem Bruder vorgefallen war. Damit bleibt mein verziehener Vater meinem Bruder und mir immer noch entfremdet. Wenn sich nichts ändert, wird er leben getrennt von uns für das übrige seines (und damit unseres) Lebens.

Mit anderen Worten, kann Vergebung ohne Versöhnung vorfallen, aber... Versöhnung kann nie vorkommen ohne Vergebung.

Christus ist der Retter aller Menschen, aber nicht alle Menschen sind gerettet (das heißt, nicht alle Menschen mit Gott versöhnt sind). Göttliche Erwählung betrifft somit nicht denen, die von Gott durch Christum verziehen sind, sondern denen, die mit Gott durch Christum versöhnt sind. Das letzte Urteil (das Jüngste Gericht) deshalb betrifft unverziehene Sünder nicht, sondern denen, die geistlich tot sind, weil sie nie mit Gott versöhnt wurden.

Liebe Grüße,
Joseph

lutz
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Beitragvon lutz » 08.04.2012 19:53

Joseph28 hat geschrieben:
Mit anderen Worten, kann Vergebung ohne Versöhnung vorfallen, aber... Versöhnung kann nie vorkommen ohne Vergebung.
Bruder Joseph,
sieh es mir bitte nach - ich komme bei deinen Ausführungen nicht immer mit. Soll heißen: ich verstehe sie schlichtweg einfach nicht, ich verstehe nicht was du sagen willst.

Nur mal das obige Zitat - wie würdest du so etwas mit Blick auf das Kreuzesgeschehen meinen?
Vielleicht ist es besser mal alle Verse zu listen, die "Versöhnung" diesbezüglich (Kreuz) im Blick haben.

Lieben Gruß Lutz

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Joseph28
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Beitragvon Joseph28 » 14.04.2012 05:44

Bruder Lutz...

Als Johannes der Täufer den Herrn Jesus am Fluss Jordans sah, identifizierte er ihn als das Lamm Gottes, der die Sünde der Welt hinwegnimmt (Johannes 1, 29). In der Offenbarung des Johannes wird Jesus Christus dargestellt wie auferstanden und verherrlicht im Himmel, und da wieder heißt er das Lamm Gottes, das „geschlachtet“ wurde (Offenbarung 5, 6).

Das Lamm, der am Kreuz starb, war eine Person, der in seiner menschlichen Natur und seiner göttlichen Natur bestand. Entweder während seines irdischen Lebens auf der Erde, oder in seinem auferstandenen Körper im Himmel, wird er genannt „das Lamm Gottes“. Der Körper seiner menschlichen Natur wurde gemacht, um die Sünde der ganzen Welt zu sein (2. Korinther 5, 21 und 1.Johannes 2, 2). Die Person deshalb starb, weil sein Körper gebrochen wurde: Sünde hatte seine menschliche Natur und göttliche Natur getrennt, weil der Tod eine Trennung ist. Das Lamm deshalb starb.

Wie bereits erwähnt, besaß das Lamm nicht nur eine menschliche Natur, sondern eine göttliche Natur ebenso. Als das Lamm Gottes am Kreuz starb, trat seine menschliche Natur in geistlicher Finsternis ein, aber nicht auf unbestimmte Zeit (Apg 2, 27 und Apg 2, 31). Doch dieser Tod konnte nicht endlos sein, das heißt, es war unmöglich, dass der Tod ihn festhalten könnte (Apg 2, 24), weil das Leben von seiner göttlichen Natur unzerstörbar war, das die wörtliche Übersetzung von „ἀκατάλυτος“ in Hebräer 7, 16 ist. Mit anderen Worten wurde er gleichzeitig sowohl das sterbliche Opfer als auch der ewige Priester (Hebräer 9, 11-12). Er wird damit die Tür, durch die der Sünder Vergebung und Versöhnung mit Gott finden kann (Johannes 10, 7-10)

Zum Beispiel, bedeutete das an den Türpfosten gestrichene Lammesblut die „Tür“, durch die Mose und die Israeliten aus der Knechtschaft in Ägypten flohen. Das Lamm war der Stellvertreter, der an Stelle der ersten geborenen Männer unter den Israeliten starb. Wenn das Blut nicht auf die Türpfosten gestrichen wurde, dann die erstgeborenen Männer des jeweiligen Haushalts würden gestorben sein. So durch einen Akt des Glaubens, wurde dieses Blut an die Türpfosten aufgetragen (Hebräer 11, 28), und damit führte Moses die Israeliten aus Ägypten nach dem Gelobten Land.

In gleicher Weise muss man den Glaube ausüben, um durch die Blutstür des Lammes hindurchzugehen, da Christus für Sünden gestorben ist. Wenn ein Ungläubiger lehnt Jesum Christum ab, dann ist er nicht anders als die Ägypter, die kein Blut an die Türpfosten gelegt hatten. Auch als das Lamm getötet wurde, leiteten die Ägypter keinen Vorteil von dem Blut des Lammes her, weil das Herz des Pharao verstockt (verhärtet) war. Es ist interessant festzustellen, dass nicht-Hebräer wie Kaleb der Kenisiter (4.Mose 32, 12, Josua 14, 6, und Josua 14, 14) mit der Israeliten verbanden hatten, und so entgingen sie Ägypten auch durch das Blut des Lammes.

Damit wurde das Blut des Lammes für alle Menschen vergossen, und somit der Wert des Blutes ausreichend ist, um alle Sünder zu erretten. Jedoch nur diejenigen, die die gute Nachricht (Heilsbotschaft) des Wortes Gottes glauben, werden gerettet. Das Blut des Lammes ist die Tür der Freiheit von der Knechtschaft der Sünde, welche in das Gelobte Land des Himmels führt.

Lass mich schließen mit den Worten, dass, wann der Ungläubige in den Feuersee eingehen wird, wird er nicht wegen derselben Sünden zweimal vor Gericht gestellt werden, um einer zweiten Zahlung für Sünden zu leiden. Nein, Christus starb für seine Sünden, aber da das Blut nicht wie die „Tür“ verwendet wurde, um ins Gelobte Land zu eingehen, bleibt dieser Sünder daher in seinem geistlichen Tode mit nichts mehr als seine Selbstgerechtigkeit, um ihn zu erretten. Auf dem letzten Urteil (das Jüngste Gericht), werden die Bücher der Taten eröffnet. Diese Taten sind nicht Sünden, sondern Taten der Selbstgerechtigkeit („totene Werken“), was erklären, dass die Person nicht geistlich lebendig an Gott war, sondern geistlich tot, und damit sind ihre Namen in dem Lebensbuch des Lammes nicht gefunden.

Liebe Grüße,
Joseph

lutz
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Beitragvon lutz » 14.04.2012 20:26

Bruder Joseph …

danke für deine ausführlichen Bemerkungen. Dazu könnte ich jetzt sicher hier und da konkreter einsteigen. Mir ist es aber unter diesem Thema hier zu weit gegriffen.

Dazu gab es schon mehrere Diskussionen. Eine ausführliche und längere findest du hier:
viewtopic.php?t=699
(Archiv, momentan Seite 1, Thema: Was hat Jesus wirklich vollbracht?, 15 Seiten, Diskussion von Juli 2008 bis: letzter Beitrag im September 2011)

Wenn du der Ansicht bist, dass bestimmte Gegenargumente oder Positionen nicht ausreichend bedacht wurden, kannst du es ja bei Bedarf extra hier thematisieren und dann sehen wir weiter.

Liebe Grüße,
Lutz

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Joseph28
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Beitragvon Joseph28 » 16.04.2012 02:27

Bruder Lutz...

Man muß auf das Alte Testament schauen, um den Umfang der Sühne des Lammesblut zu verstehen. Zum Beispiel liest man in 3. Mose 16, 15-20 das Folgende—
3. Mose 16, 15-20 (Schlachter 2000) hat geschrieben:Danach soll er den Bock des Sündopfers, das für das Volk bestimmt ist, schächten und sein Blut hineinbringen hinter den Vorhang, und er soll mit dessen Blut tun, wie er mit dem Blut des Jungstiers getan hat, und er soll es auf den Sühnedeckel und vor den Sühnedeckel sprengen. So soll er Sühnung erwirken für das Heiligtum wegen der Unreinheiten der Kinder Israels und wegen ihrer Übertretungen und aller ihrer Sünden, und er soll dasselbe tun mit der Stiftshütte, die sich mitten unter ihren Unreinheiten befindet. Und kein Mensch soll in der Stiftshütte sein, wenn er hineingeht, um die Sühnung zu erwirken im Heiligtum, bis er wieder hinausgeht. Und so soll er Sühnung erwirken für sich und sein Haus und die ganze Gemeinde Israels. Und er soll hinausgehen zu dem Altar, der vor dem Herrn steht, und für ihn Sühnung erwirken. Und er soll von dem Blut des Jungstieres und von dem Blut des Bockes nehmen und auf die Hörner des Altars tun, ringsum, und er soll mit seinem Finger von dem Blut siebenmal darauf sprengen und ihn reinigen und heiligen von der Unreinheit der Kinder Israels. Und wenn er die Sühnung vollendet hat für das Heiligtum und die Stiftshütte und den Altar, so soll er den lebendigen Bock herzubringen.
Durch diesen Vers liest man, dass das Blut des Sündopfers die umfassende Umwelt der Stifthütte in Israel gereinigt hatte, die von der Gegenwart der Sünde verunreinigt war. Das Neue Testament zeigt, dass die irdische Stifthütte tatsächlich der Schatten oder das Bild der Stiftshütte da im Himmel war (Hebräer 8, 5). So, wenn wir auf das Neue Testament für das Gegenbild (gemäß dem Hebräerbrief) betrachten, sehen wir, dass das Blut Christi den Himmel gereinigt.
Hebräer 9, 23 (Schlachter 2000) hat geschrieben:So ist es also notwendig, dass die Abbilder der im Himmel befindlichen Dinge hierdurch gereinigt werden, die himmlischen Dinge selbst aber durch bessere Opfer als diese.
Der Apostel Paulus verstärkt diesen Punkt in den folgenden zwei Versen.
Kolosser 1, 20 (Schlachter 2000) hat geschrieben:und durch ihn alles mit sich selbst zu versöhnen, indem er Frieden machte durch das Blut seines Kreuzes — durch ihn, sowohl was auf Erden als auch was im Himmel ist.
Epheser 1, 10 (Schlachter 2000) hat geschrieben:zur Ausführung in der Fülle der Zeiten: alles unter einem Haupt zusammenzufassen in dem Christus, sowohl was im Himmel als auch was auf Erden ist.
Oder anders gesagt, mußte das Blut Christi einen gewissen Einfluss auf die Sünden der gefallenen Engel gehabt haben, denn nur gefallene Engel, die in den Evangelien als „unreine Geister“ beschrieben werden, die Himmelskugel mit auserwälten Engeln bewohnen. So schließen wir, dass das Blut Christi einen Einfluss nicht nur auf die Sünden der Welt der Menschen, sondern auch auf die Welt der Engel. Da Christus NICHT für die gefallenen Engel gestorben ist (um sie zu erretten), scheint es immer so, dass sein Blut noch eine gewisse reinigende Wirkung auf den Himmel tat.

Mit anderen Worten, müssen wir an der Typologie des Alten Testaments betrachten, um die Sühne des Blut des Lammes zu verstehen, und deshalb, wie das Blut Christi Sühne stellt, und wie sein Blut Tragweite auf sowohl die irdische Kugel von Menschen als auch die himmlische Kugel von Engeln ist. Das Blut Christi somit neutralisiert oder entwaffnet Sünde in beiden Sphären. In den Diskussionen und Beiträge über das Thema, Was hat Jesus wirklich vollbracht?, leider habe ich festgestellt keine Hinweise auf alttestamentliche Typologien überall, was meiner Meinung nach unentbehrlich für das Verständnis des Versöhnungswerks Christi am Kreuz ist.

Liebe Grüße,
Joseph

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 14.05.2012 18:10

Bibelfundi hat geschrieben:Eine kleine Zusammenstellung:

Zur griech. Wortfamilie von SOo´ŞOo retten gehören:

[SOo´ŞOo] retten, erretten
[DIASOo´ŞOo] hindurchretten
[SOoTE´R] Retthüter
[SOoTERI´A] Retthütung
[SOoTE´RIOS] retthütend
[SOoPhRONÄ´Oo] vernünftig sn, - wd, w: rettsinnen
[SOoPhRONI´ŞOo] vernünftig anleiten
[SOoPhRONISMO´S] Vernunft, w: Rettsinnen
[SOoPhRO´NOoS] vernünftig, w: rettsinnend
[SOo´PhROoN] vernünftig
[SOoPhROSY´NE] Vernünftigkeit, w: Gesamtvernunft,
Gesamtrettsinnen

Ein Wort für "Heilung oder heilen" fehlt in der Wortfamilie.
Aus: Wortkunde zur Bibel von F.H. Baader

Bibelfundi
Nur als Info: Das Buch "Wortkunde zur Bibel" hat F.H. Baader geschrieben.
Es sollte nicht der Eindruck entstehen, dass hier im Forum für die Bücher oder Lehren von F.H. Baader geworben wird.Bei weiteren Fragen zu F.H. Baader, wendet euch bitte per P.N. an Joschie.
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55


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