Das Hohepriesterliche Amt Jesu Christi

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Gast

Beitragvon Gast » 16.07.2009 09:02

Hi,
auch ich sehe im NT einen allgemein-priesterlichen Aspekt der Gläubigen. Übrigens: auch im AT war nur der Hohepriester am Versöhnungstag Mittler. Der ist im NT der Christus. aber die Gläubigen vermitteln sehr wohl das Heil: nicht durch Macht oder Zueignung sondern durch Verkündigung des Heils in Christus. Sie bringen auch Opfer des Dankes.
Gruß
M.

Ralf_Wtal
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Allgemeines Priestertum ?

Beitragvon Ralf_Wtal » 16.07.2009 19:05

Hallo Lutz,

hier entwickelt sich eine wichtige Standortbestimmung. Ich wünsche uns, daß wir noch einige Argumente austauschen und zu einem Konsens kommen. Ich bin es allerdings gewohnt, knallhart zu debattieren und bitte Dich vorweg um Entschuldigung, wenn ich zu hart angreife.

Es geht um die Sache

a) beginnen wir mit Offb.1, 6 und Offb.1,9 (etwas anders übersetzt):

Ich, Johannes, euer Bruder und Teilhaber an der Drangsal und der Regentschaft und im geduldigen Ertragen in Jesus ...

Dieser Vers redet der Königsherrschaft Jesu das Wort. Ich verstehe nicht, warum Du diesen Vers zitierst, da hier nicht von Priestern die Rede ist. Wenn Du hier eine Übertragung der Königsherrschaft im Hier und Jetzt auf die Gemeinde verstehen solltest, würde dies im Widerspruch zu Deiner Auslegung von Offb.5,10 stehen, in der Du die Herrschaft der Könige zukünftig liest.



b) zu Offb. 5,10:

Das von Dir eingeschobene Komma trennt Priester und Könige (in der EÜ finde ich dieses Komma nicht). Das Priestertum im Hier und Jetzt und das Königtum in der Zukunft zu sehen, kann ich mit Off. 20,6 nicht harmonisieren, wo nur vom Priestertum die Rede ist und das Priestertum eindeutig zukünftig zu sehen ist, wenn man nicht gerade gegen den Prämillenianismus eintritt.


"Die Lehre des Prämillenialismus besagt, dass Christus nach seiner Wiederkunft tausend Jahre lang über die Erde herrschen wird, ehe die Heilsgeschichte durch Errichtung des neuen Himmels und der neuen Erde zu ihrem krönenden Abschluss gebracht wird. Das ist das natürlichste Verständnis der Bibelstelle Offenbarung 20,1-6.



1. Petr 2,9-10:
Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft, das heilige Volk, das Volk des Eigentums, dass ihr verkündigen sollt die Wohltaten dessen, der euch berufen hat von der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht; die ihr einst »nicht ein Volk« wart, nun aber »Gottes Volk« seid, und einst nicht in Gnaden wart, nun aber in Gnaden seid.

Die Petrusstelle (königliche Priesterschaft) verbietet geradezu, Königtum und Priestertum zu trennen. Ich verstehe nicht, warum Du hier die kontextbezogene Hermeneutik durchbrichst.


Es gibt nur diese vier Stellen, aus der ein allgemeines Priestertum verstanden werden kann. Daraus eine Übertragung des Königtums oder Priestertums auf die Gemeinde abzuleiten, kann in keinen Zusammenhang mit den Stellen, die vom Amt reden, in Einklang gebracht werden.

Eph. 4,11 Und er hat etliche zu Aposteln gesetzt, etliche aber zu Propheten, etliche zu Evangelisten, etliche zu Hirten und Lehrern, ...

1. Korinther 12,28 Und Gott hat gesetzt in der Gemeinde aufs erste die Apostel, aufs andre die Propheten, aufs dritte die Lehrer, darnach die Wundertäter, darnach die Gaben, gesund zu machen, Helfer, Regierer, mancherlei Sprachen.


Nirgendwo ist im NT von einem Priesteramt, bis auf das Priesteramt Christi die Rede. Jedes Amt, das nicht in der Haltung einer Unterordnung unter Christus ausgeübt wird, ist abzulehnen. Die Einrichtung eines Priesteramtes im NT steht in Konkurrenz zu Christus.

Ich stelle schlichtweg in Frage, ob mit der Vorstellung eines allgemeinen Priestertums eine Ausübung von Ämtern oder eine basisdemokratische Abstimmungswillkür (und damit auch die Kirchenzucht) in einem dem NT angemessenen Sinne ausgeführt wird. Ich glaube eher, daß sich in vielen Fällen Fleisch aufbläst und gerne Gott spielt (wobei wir beim Sündenfall wären) und sich weder dem Willen Gottes noch dem Gehorsam Christi unterwirft.


Wenn ich verstehen würde, was Du unter einem Priester verstehst und welche Aufgabe der Priester im NT haben soll, kann ich auf Deine letzte Frage eine Antwort geben.

Im AT übt nicht das Volk ein Priesteramt aus, sondern für diese Aufgabe nach strengen Regeln eine besonders berufene Personengruppe, die im NT durch das alleinige Priesteramt Christi ersetzt ist.

Zur Opfervorstellung verweise ich an dieser Stelle noch einmal auf „Das gnadenvolle Geheimnis des großen Versöhnungstages“ von H.F. Kohlbrügge.

Ralf

lutz
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Beitragvon lutz » 16.07.2009 20:34

Hallo Ralf,

Offb. 5, 10 redet vom zukünftigen Herrschen als Könige auf der Erde.
Ich sehe keinen Widerspruch zum derzeitigen Königtum (Königreich).
Ich weiß aber, dass es viele Ansichten über "Reiche" und "Evangelien" gibt. Debatten dazu wurden schon geführt.
Die EÜ verwende ich nicht, ich verwende die Menge-übersetzung.
Wir wären also hier auf die Experten in den Sprachen angewiesen.

Auf die Frage nach dem allgemeinen Priestertum wird sich wohl eine Antwort auch finden lassen ohne Großgebäude wie Prämill ... u. ä.

Zur Petrusbriefstelle:
Dazu habe ich mich gar nicht geäußert.

In 1. Petr. 2, 4.5 lesen wir:
"Wenn ihr zu ihm, dem lebendigen Stein, herantretet, ... so werdet auch ihr selbst als lebendige Bausteine zu einem geistlichen Hause, zu einer heiligen Priesterschaft aufgebaut, um geistliche Opfer darzubringen, die Gott durch Jesus Christus wohlgefällig sind."

Es geht jetzt auch nicht um sogenannte Priesterämter und deren Missbräuche.
Es geht darum, ob der Gläubige im Neuen Bund als Priester bezeichnet wird oder nicht.
Und ich sehe es nicht so kompliziert. Priesterschaft ist die Summe der Priester.

Aus dem Hebräerbrief wissen wir:
"Denn mit einer Änderung des Priestertums tritt mit Notwendigkeit auch eine Änderung des Gesetzes ein." (Hebr. 7, 12)
" ... ein andersartiger Priester, ..., der es nicht nach der Bestimmung eines an leibliche Abstammung bindenden Gebotes geworden ist, sondern nach der Kraft unzerstörbaren Lebens." (Hebr. 7, 15. 16)
"Daher vermag er auch denen, die durch seine Vermittlung zu Gott hinzutreten, vollkommene Rettung zu schaffen: er lebt ja immerdar, um fürbittend für sie einzutreten." (Hebr. 7, 25)
"Da wir also, liebe Brüder, die freudige Zuversicht haben, durch das Blut Jesu in das Heiligtum einzugehen - das ist der neue, lebendige Weg, den er uns durch den Vorhang hindurch, das heißt durch sein Fleisch, eingeweiht (=erschlossen) hat -, ..." (Hebr. 10, 19 ff.)

Wie würde man die bezeichnen, die ins Heiligtum eingehen dürfen?
Priester.
Wer sind denn die?
Alle die, für die Offb. 5, 9 gilt.
Ist dieses Eingehen etwas Zukünftiges?
Nein. Hebr. 10, 22.

Die Änderung des Priestertums bedeutet nicht die Abschaffung des priesterlichen Volkes im Neuen Bund. Es bedeutet auch nicht die Gleichstellung mit dem einzigartigen Hohepriester.

Wie gestaltete sich der Priesterdienst im Alten Bund?
" ... Priester ..., welche die Gaben nach dem (mosaischen) Gesetz darbringen." (Hebr. 8, 4)
Wie gestaltet sich der Priesterdienst im Neuen Bund?
Hebr. 8, 10
"Traget einer des anderen Lasten, so werdet ihr dadurch das Gesetz Christi erfüllen." (Gal. 6, 2)
1. Petr. 2, 9. 10

Bei allem ist mir aber wichtig, dass jeder Gläubige Zutritt zum Heiligtum hat auf der Basis von Christi Blut, dem Dienst des einzigen Hohepriesters.
Jeder der sich anmaßt, eine diesbezügliche zusätzliche Vermittlerrolle zu spielen oder zusätzliche Regeln erfindet um hineinzugelangen, steht in Opposition zum Herrn. Solches Ansinnen darf und muss mutig abgewiesen werden.

Lutz

Ralf_Wtal
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Das Amt Christi

Beitragvon Ralf_Wtal » 17.07.2009 10:16

Jeder der sich anmaßt, eine diesbezügliche zusätzliche Vermittlerrolle zu spielen oder zusätzliche Regeln erfindet um hineinzugelangen, steht in Opposition zum Herrn. Solches Ansinnen darf und muss mutig abgewiesen werden.
Hallo Lutz,

diesem Satz kann ich voll zustimmen. Ich danke Dir, das wir dieses Thema so gründlich behandeln. Möge es manchem zum Nutzen sein.

Bei allem ist mir aber wichtig, dass jeder Gläubige Zutritt zum Heiligtum hat auf der Basis von Christi Blut, dem Dienst des einzigen Hohepriesters.

Es geht darum, ob der Gläubige im Neuen Bund als Priester bezeichnet wird oder nicht.
Und ich sehe es nicht so kompliziert. Priesterschaft ist die Summe der Priester.
Das verstehe ich nun eben anders.

Exodus 19, 4 Ihr habt gesehen, was ich den Ägyptern getan habe, und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und habe euch zu mir gebracht. 5 Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 6 Und ihr sollt mir ein priesterlich Königreich und ein heiliges Volk sein.

Nicht das ganze Volk Israel bestand aus Priestern. Nur die Leviten und hier besonders die Söhne Aarons übten das Priesteramt aus. Ein priesterliches Volk zu sein bedeutet, einen Priester und König über sich zu haben. Die aaronitische Ordnung „sollte“ den einzigen und wahren Priester und König darstellen, konnte es aber nie selber sein.

Hier lehrt uns das AT, daß in Analogie zu den von Dir zitierten Stellen aus dem Petrusbrief das ganze Volk Priesterschaft ist, so sie denn den Bund halten. In der Gesamtheit sind sie ein priesterliches Königreich, aber den Priesterdienst üben nur die Amtsträger aus. Wir haben also eine allgemeine Priesterschaft, einen Priesterdienst und das Amt des Hohenpriesters. Der Priesterdienst ist im NT durch das ein für allemal auf Christus übertragene hohepriesterliche Amt abgeschafft. Wir sind uns vollkommen einig darin, daß alle Gläubigen eine Priesterschaft und ein Königtum bilden. Die Ausübung des königlichen Priesteramtes obliegt aber in der jetzigen Heilszeit allein Christus. Wir sind zum Priesteramt und Königsamt designiert, aber deren Übertragung und Ausübung ist zukünftig und würde mit der Ordnung am Versöhnungstag kollidieren.
1. Petr. 2, 4.5 ..., die Gott durch Jesus Christus wohlgefällig sind."
Der Unterschied in unserer Betrachtung ist das Wort durch, das mir einen Mittlerdienst anzeigt. Im alten Bund gab es genug Anlässe, dem Herrn ein Opfer darzubringen. Aber der Opferdienst wird nicht durch den zum Opferdienst Verpflichteten ausgeführt, sondern durch den berufenen und eingesetzten Priester. Nicht der Gläubige geht in das Heiligtum, sondern der Priester und wenn der Priester zurückkehrt, weiß der Gläubige, das für ihn Sühnung getan ist, weil der Mittler und Stellvertreter das Opfer dargebracht hat. Das ist unsere Freimütigkeit gegenüber dem AT, daß der Hohepriester nicht nur einmal im Jahr, sondern immerdar für uns vor dem HEILIGEN GOTT erscheint.



Die Grundbedeutung des hebräischen Wortes Korban (Opfer), was von Karab abgeleitet wird, ist: nahen, nahe bringen. Wenn wir beim Propheten Jeremia 30,21 lesen: „Ihr Fürst soll aus ihnen hervorgehen, und ich werde ihn mir nahen machen, und er soll zu mir nahen; denn wer ist der, der mit seinem Herzen willig ist (sich verbürgt) mir zu nahen? spricht der Herr“, so ist das ganz dasselbe, was der Apostel Paulus so ausdrückt: daß Er, der Herzog unserer Seligkeit, sich selbst durch ewigen Geist unsträflich geopfert habe. Opfern ist also eine Handlung des Hinzunahens zu Gott. Gott selbst in seiner zuvorkommenden Gnade hat dem Menschen, der sich von ihm durch mutwilligen Ungehorsam entfernt und entfremdet
hat, die Opfer angeordnet und eingesetzt, um mittelst derselben ihm zu nahen.

(Kohlbrügge)

Jeremia 30,21 klärt hier eindeutig den Sachverhalt. Gott selber hat festgelegt, wer sich ihm nahen darf.

Indem dann der Opferer sich mit seinen Händen auf das Opfertier stützen mußte, bekannte er mit dieser sinnbildlichen Handlung, daß er an und für sich in dem Abgrund seiner Verloren-heit versinken müsse. Sah nunmehr der Opferer, wie das Tier getötet, auf das Holz hinausge-hoben wurde und verbrannte, so war ihm das die Predigt: Siehe, so bist du des Todes schul-dig; du liegst unter gleichem Fluch und gleicher Strafe; so verdienst du ans Holz geschlagen zu werden und die Pein der Hölle und der Flammen des Zornes Gottes auszustehen. Betrach-tete er dagegen, wie an seine Stelle das Opfer eintrat, während er verdient hätte, daß seine Seele, sein Leben, sein Innerstes ausgegossen und aus dem Mittel getan werde; daß das Op-fer, welches nichts Todeswürdiges getan, nur eine fremde Schuld und Strafe trug: so hatte er eine handgreifliche Lehre von Gottes Gerechtigkeit, und daß derselben müsse genug getan werden; zugleich eine Lehre von der gnädigen Versöhnung und von der Vergebung seiner Sünden, indem Gott durch das Opfer befriedigt, und der Opferer dem Herrn dadurch ange-nehm gemacht war.
(Kohlbrügge)


Wie gestaltet sich der Priesterdienst im Neuen Bund?
Hebr. 8, 10
"Traget einer des anderen Lasten, so werdet ihr dadurch das Gesetz Christi erfüllen." (Gal. 6, 2)

Jetzt kommen wir zur letzten Schwierigkeit:

Nehmen wir einmal an, ich besorge mir Handschellen und gehe auf Verbrecherjagd. Wenn ich jemanden fange und damit vor einen Richter trete, werden ich keineswegs Lob ernten, sondern wegen Amtsanmaßung belangt, auch wenn ich es noch so gut gemeint habe. Nicht die Vorstellung einer durchaus richtigen Tat macht mich zum Amtsträger, sondern die unmissverständliche Bestellung zum Amt (Das Priestertum nach der Ordnung Melchisedeks, das Wort des Eidschwurs, bestellt einen Sohn, vollendet in Ewigkeit (Heb. 7,25-28). Niemand der Apostel bezeichnet sich als Priester und eine Bestellung zum Priesteramt kann ich bis auf das Hohepriesterliche Amt Jesu dem NT nicht entnehmen.

Das ist die Botschaft des Hebräerbriefes. Wir müssen in aller Ehrfurcht vor Gott wahrnehmen, wer sich ihm nahen darf, damit wir uns nicht wie die Söhne Aarons (3. Mose 10) in eine für uns nicht bestimmte Haltung verstricken. Der Hebräerbrief erklärt uns die Größe und Bedeutung des Amtes Christi, damit wir uns vor ihm demütigen.

(Joh. 14,6) ... niemand kommt zum Vater, denn durch mich, welchen er uns bereitet hat zum neuen und lebendigen Wege durch den Vorhang, das ist durch sein Fleisch, und haben einen Hohenpriester über das Haus Gottes (Heb. 10,20).


(Psalm 25,10) Alle Pfade JWHW´s sind Güte und Wahrheit für die, welche seinen Bund und seine Zeugnisse bewahren.


Ralf

lutz
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Beitragvon lutz » 17.07.2009 17:39

Hallo Ralf,

einen Unterschied kann ich nicht gelten lassen.
Das Wort "durch" in 1. Petr. 2, 5 zeigt mir aber freilich einen Mittlerdienst.

Eine Interpretation zu meinen letzten Ausführungen möchte ich nicht stehen lassen.
Der Gläubige macht sich nicht selbst zum Priester, noch erwirbt er sich dieses kraft seiner "guten" Taten.

Dieses "durch IHN" gilt immer.
Hebr. 13, 15. 16
"So wollen wir also durch ihn Gott allezeit ein Lobopfer darbringen, ... Wohlzutun und mitzuteilen vergesst nicht, denn das sind Opfer an denen Gott Wohlgefallen hat."
Der Gläubige braucht also keine Zwischeninstanz mehr, die für ihn hingeht, darbringt und zurückkommt, um ihm bspw. "Heiligung zu leiblicher Reinheit" (Hebr. 9, 13) zuzusprechen.
Insofern kann ich hier die Ruhe am Versöhnungstag gut sehen.

Zu deinen Ausführungen den Petrusbrief betreffend, habe ich doch noch einige Fragen.
Du schreibst:
"Hier lehrt uns das AT, dass in Analogie zu den von Dir zitierten Stellen aus dem Petrusbrief das ganze Volk Priesterschaft ist, so sie den Bund halten."
Welcher Bund muss als Voraussetzung zur Priesterschaft (im Petrusbrief) gehalten werden?
Meint die Priesterschaft im Petrusbrief dasselbe Priestertum wie in 2. Mo. 19, 4?


"Die Ausübung des königlichen Priesteramtes obliegt aber in der jetzigen Heilszeit allein Christus."
Was umfasst dieses königliche Priesteramt?
Was davon überträgt Christus in Zukunft? Auf wen?


Lutz

Ralf_Wtal
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Mittlerdienst

Beitragvon Ralf_Wtal » 18.07.2009 21:23

Hallo Lutz,

jetzt haben wir uns ein wenig festgefahren. Ich gehe gerne auf Deine Fragen ein.

... zu Deinem 1. Satz: Welchen Unterschied kannst Du nicht gelten lassen ?

... zu Deinem 2. Satz: Welche Interpretation möchtest Du nicht stehen lassen?


3.Mose 10,1-3 (Schlachter) Aber die Söhne Aarons, Nadab und Abihu, nahmen ein jeder seine Räucherpfanne und taten Feuer hinein und legten Räucherwerk darauf und brachten fremdes Feuer vor den HERRN, das er ihnen nicht geboten hatte. Da ging Feuer aus von dem HERRN und verzehrte sie, daß sie starben vor dem HERRN. Da sprach Mose zu Aaron: Das hat der HERR gemeint, als er sprach: Ich will geheiligt werden durch die, welche zu mir nahen, und geehrt werden vor allem Volk!


Sowohl im Bund des AT als auch im Bund des NT wird durch Gott eine doppelte Ordnung festgelegt: WAS darf vor den Herrn gebracht werden und WER darf sich ihm nahen.
"Die Ausübung des königlichen Priesteramtes obliegt aber in der jetzigen Heilszeit allein Christus."
Was umfasst dieses königliche Priesteramt?
Was davon überträgt Christus in Zukunft? Auf wen?
Was geopfert wird, ist durch den Hebräerbrief festgelegt. Das Opfer ist einmalig (Heb. 9,28), aber die Wirkung ist dauerhaft:

Christus ist das Opfer und der Opfernde

Heb. 7,25 Daher vermag er auch völlig zu erretten, die durch ihn Gott nahen, indem er immerdar lebt, um sich für sie zu verwenden.

Damit ist die Frage nach der Aufgabe des Priesteramtes beantwortet: ER naht sich Gott, um sich für uns dauernd zu verwenden.

Ein Priester ist von Gott und für Gott geheiligt und geweiht und darf sich Gott nahen. Das meint zunächst unsere Zukunft: Wir dürfen Gott schauen. Welche Aufgaben damit verbunden sind, geht aus den Stellen der Offenbarung nicht hervor. Es geht um das Vorrecht derjenigen, die Christus durch sein Blut erkauft hat.

Damit ist die Frage nach der Zukunft beantwortet.

Meint die Priesterschaft im Petrusbrief dasselbe Priestertum wie in 2. Mo. 19, 4?


Die Lehre des Petrusbriefes wird im Kontext verstanden. Als Apostel der Juden ist er die Erklärung schuldig, was aus den Opfern des alten Bundes geworden ist. Er spricht deshalb von den geistlichen Schlachtopfern. Die Erklärung hierzu findet sich in

Heb. 9, 14 ... wie viel mehr wird das Blut des Christus, der durch den ewigen Geist sich selbst ohne Flecken Gott geopfert hat, euer Gewissen reinigen von toten Werken, um dem lebendigen Gott zu dienen!

Das Opfer des Christus ist das geistliche Schlachtopfer und durch den ständigen Dienst des Hohenpriester darf sich die Gemeinde dafür halten, daß geistliche Schlachtopfer (Metapher) die immerwährenden Opfer des Alten Bundes ersetzen. Petrus verwendet die Metapher der Steine, weil nichts naheliegender ist, als das Steine passiv sind. Was sollen denn sonst geistliche Schlachtopfer sein?

Ich habe in einer Versammlung gehört, daß am Tisch des Herrn Christus Gott dargebracht wird. Hallo, wie heidnisch-katholisch ist denn eine solche Vorstellung. Etwas wird doch nicht dadurch geistlich, weil ich mir eine mystische Vorstellung mache. Hier kann nur das Opfer durch den ewigen Geist gemeint sein und weil der Geist ewig ist, hat auch das Opfer eine ewige Wirkung. Das Opfer dient der Reinigung, um dem lebendigen Gott zu dienen, nicht um ein neutestamentliches Priestertum einzurichten. Darin besteht der Zirkelschluss. Nicht die Opfervorstellung macht den Priester, sondern die Bestellung (Heb. 7,28). Den Nachweis einer Bestellung bist Du mir schuldig geblieben.
Welcher Bund muss als Voraussetzung zur Priesterschaft (im Petrusbrief) gehalten werden?
Gal. 3,17 Dieses aber sage ich: Einen vorher von Gott bestätigten Bund macht das vierhundertdreißig Jahre danach entstandene Gesetz nicht ungültig, um die Verheißung aufzuheben.

Als Basis gilt immer der Bund mit Abraham. Am Horeb wird die Ausübung dieses Bundes bis auf Christus festgelegt. Für uns gilt der Bund, der in der Hohepriesterlichen Ordnung Melchisedeks ausgeübt wird. Wer diese Anordnung schmälert, bricht den Bund.

Heb. 13, 15-16 (EÜ)
So lasset uns nun opfern durch ihn das Lobopfer Gott allezeit, das ist die Frucht der Lippen, die seinen Namen bekennen und mitzuteilen vergesset nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl.

Hast Du schon mal versucht, Psalmen als Gebete Christi zu lesen und zu verstehen.
Nur von Christus wird bezeugt, daß Gott an ihm Wohlgefallen hat. Am Anfang des Hebräerbriefes finden sich viele Zitate aus dem Psalmen.

Heb. 2,12 ... und spricht: "Ich will verkündigen deinen Namen meinen Brüdern und mitten in der Gemeinde dir lobsingen. (Zitat aus Psalm 22 – auf Christus bezogen)

(Psalm 22)
22 Verkündigen will ich deinen Namen meinen Brüdern; inmitten der Versammlung will ich dich loben. 23 Ihr, die ihr JHWH fürchtet, lobet ihn; aller Same Jakobs, verherrlichet ihn, und scheuet euch vor ihm, aller Same Israels! verachtet hat er, noch verabscheut das Elend des Elenden (Christus), noch sein Angesicht vor ihm verborgen; und als er zu ihm schrie (Golgatha) , hörte er. 25 Von dir kommt mein Lobgesang in der großen Versammlung; bezahlen will ich meine Gelübde vor denen, die ihn fürchten ...

In Hebräer 13 wird bezeugt, daß Christus seine Gelübde (Opfer) für uns bezahlt hat und Gott Gefallen an seinem Lobgesang hat, in den die Gemeinde einstimmen darf. Damit bleibt auch dieses Opfer bei Christus.

Andere Übersetzung zu Vers 15 und 16:

15 Durch ihn sollten wir ein Opfer des Lobens hinaufbringen, fortwährend dem Gott (! kann nur im Amt Christi geschehen), dies ist die Frucht der sich zu Gott bekennenden Lippen in seinem Namen.

16 Aber das Wohltun und die Gemeinschaft vergesset nicht, denn in solchen Opfern ist dem Gott Wohlgefallen.

Christus hat uns den Vater bekanntgemacht, durch ihn haben wir Wohltun und Gemeinschaft. Sein Kommen und alles heilsgeschichtliches Werk ist das Opfer, an dem Gott Wohlgefallen hat.

Heb.10, 5 Darum, als er in die Welt kommt, spricht er: Schlachtopfer und Speisopfer hast du nicht gewollt, ... Siehe ich komme, um deinen Willen, o Gott zu tun.


Er hat den Willen Gottes und alle Gelübde und Opfer erfüllt.

Gott sei es gedankt !

Ralf

lutz
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Beitragvon lutz » 19.07.2009 16:52

Hallo Ralf,

wir drehen uns im Kreis, solange du mit den Vorstellungen des Priesterdienstes aus dem Alten Bund in den Priesterdienst im Neuen Bund hineingehst, solange du Alles was den Hohepriester betrifft auf den allgemeinen Priesterdienst im Neuen Bund anwendest, um diesen Dienst auszuhebeln.
Solange wirst du auch von mir immer dasselbe hören:

"Denn mit einer Änderung des Priestertums tritt mit Notwendigkeit auch eine Änderung des Gesetzes ein." (Hebr. 7, 12)
"Indem er hier von einem "neuen" redet, hat er den ersten für veraltet erklärt; ..." (Hebr. 8, 13)

Hebr. 9, 14 bringst du selbst und brauchst noch Belege für eine Bestellung zum Priesterdienst?
"um dem lebendigen Gott zu dienen" ist Bestellung zum Dienst.
Paulus verwendet sogar die Begrifflichkeit des "priesterlichen Dienstes" in Lehrbriefen an die Gemeinde (Röm. 15, 16; Phil. 2, 17), den Begriff "Opfer", "Gottesdienst" (Röm. 12, 1).

Dagegen finde ich kein Priestertum mit dem Gesetz: Sei passiv und warte aufs Schauen.
"Ohne Glauben aber kann man (Gott) unmöglich wohlgefallen; denn wer sich Gott nahen will, muss glauben, dass ..." (Hebr. 11, 6)
Es steht nicht: Wer sich Gott nahen will, muss warten bis er IHN schaut.

Lutz

Ralf_Wtal
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Dienst = Priesterdienst ?

Beitragvon Ralf_Wtal » 20.07.2009 20:21

Hallo Lutz,

das Thema entwickelt sich zu einer echten Herausforderung.

Priesterdienst ist Mittlerdienst. Wenn ich den Dienst im AT als Anschauung heranziehe, dann deshalb, weil der Dienst Christi für uns im Verborgenen stattfindet. Wie sollten wir denn sonst einen Vorstellung davon haben, wie der Dienst geschieht. Der Hebräerbrief macht im Grunde nichts anderes ( siehe z.B. Heb. 9). Der Priesterdienst im AT ist für den Juden eine klare Anschauung von der Gerechtigkeit Gottes.

Als Kajaphas seine Kleider zerreißt (Matth. 26,65) wird das Hohepriesteramt auf Christus übertragen. Kajaphas verstößt gegen das Gesetz (3. Mose 10,6), wodurch der Heilige Geist anzeigt, daß die Änderung des Priestertums eingetreten ist und Jesus Christus als nunmehr Hoherpriester (Opfernder) mit seinem Blut (Opfer) einen neuen Bund einrichtet.


Deshalb habe ich Heb. 9,10 „ Es sind nur — neben Speisen und Getränken und verschiedenen Waschungen — Satzungen des Fleisches, die bis zur Zeit einer richtigen Ordnung auferlegt sind.“ im ersten Posting zitiert.

Hier sehe ich keinen Unterschied in unserer Argumentation. Ich habe auch nie etwas anderes behauptet. Der Unterschied zwischen uns besteht darin, daß ich sage: Mit der Bestellung Jesu Christi zum Hohenpriester wird der ganze Priesterdienst des AT abbestellt und im NT nur der Priesterdienst Jesu aufgerichtet.

Priesteramt ist ein Dienst, da hast Du recht, aber Dienst ist nicht gleich Priesterdienst:
(Heb 9,14) „um dem lebendigen Gott zu dienen“ ist Bestellung zum Dienst, das lasse ich gelten, aber hierin eine Bestellung zum Priesterdienst zu sehen, lasse ich nicht gelten.

Es gibt Gaben, es gibt Ämter und es gibt Dienste. Dienen wird sehr häufig in Verbindung mit Dienst am Heiligen verwendet, aber eben nicht ausschließlich. Dienen ist eine freiwillige oder unfreiwillige Leistung für jemand anderes.

Du verwendest die Formel Dienst = Priesterdienst, das unterscheidet uns. Zum Priesterdienst gehört für mich die Bestellung dazu (Heb. 7,28). Die Bestellung durch den Eidschwur ist die Änderung des Gesetzes (Heb.7,12) und bestellt alle anderen ab.

Kommen wir zu Römer 12,1: Stellet Euch als Opfer dar (verkürzt - das Wort als steht übrigens nicht im Grundtext). Nach Deiner Auslegung bin ich jetzt tot. Alle Opfer sind tot, wenn sie geschlachtet werden. So kann es also nicht gemeint sein.

So wie das Lobopfer ein Loben des Opfers unserer Versöhnung ist, so soll uns Röm. 12,1 darin erinnern, daß Christus an unserer Stelle geopfert wurde. Es ist eine Frage der Gesinnung, daß wir uns im Opfer Christi als diejenigen betrachten sollen, die als Opfer hätten enden müssen. Wir sollen uns mit Christus als geopfert betrachten und den Leib der Sünde als geschlachtet ansehen. Weg vom alten Menschen, hin zum neuen Menschen. Weg mit dem Fleisch, betrachte es als geopfert, dann kann unser Sinn erneuert werden, um den Willen Gottes zu erkennen. Das Kainsopfer will Gott nicht, es ist fremdes Blut (das Blut Christi), das Versöhnung schafft.

Röm. 15,16 und Phil. 2,17 sind Metaphern und implizieren keineswegs, daß sich Paulus als Priester versteht. Es heißt ja deshalb auch priesterlich und nicht als Priester.

Es bleibt noch Heb. 11,6:

Dazu ein Zitat von Calvin:

„Aber ohne das Wort ist alles, was wir über Gottes Macht und Gottes Werke erdenken, inhaltslos, und deshalb ist es nicht unbedacht, wenn wir behaupten, daß es keine Glauben gibt, ehe uns Gott selber mit dem Zeugnis seiner Gnade voranleuchtet."
(Institutio III,2,31)

Deshalb heißt es auch in Röm. 1,17 Der Gerechte (Christus) wird aus Glauben leben und aus Glauben (auf der Grundlage des Glaubens Christi) (gelangen wir) zu Glauben.

Also nähern wir uns nur mit einem geschenkten Glauben (dem Glauben Christi) zu Gott.

Ralf

lutz
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Beitragvon lutz » 22.07.2009 14:36

Hallo Ralf,

deine Argumentation verläuft doch so:
Christus ist der einzige Mittler, es gibt keinen Anderen. Also tut ER nur diesen einen Mittlerdienst. Nur ER ist der einzig wahre Hohepriester.
Es gibt keinen anderen Priesterdienst im Heute.

Nach dieser Argumentation hat überhaupt kein anderer Priesterdienst seine Berechtigung, weder im Alten Bund, noch im Neuen Bund, noch in Zukunft.

Nun gibst du aber zu verstehen, dass die Priester im Alten Bund doch einen Mittlerdienst taten. Du schreibst: "Priesterdienst ist Mittlerdienst".
Was vermittelte ein Priester im Alten Bund?
Vergebung? Gerechtigkeit Gottes? Erfüllung von Verheißung? ...

War der Glaube Bedingung für einen Priester im Alten Bund?
Waren alle Priester im Alten Bund (nach leiblicher Abstammung) Gläubige?
Ist Priesterdienst ungläubiger Mittlerdienst?
Inwiefern sollte dieser Priesterdienst den Mittlerdienst Christi darstellen?
Konnte oder sollte dieser Priesterdienst im Alten Bund mit dem Mittlerdienst Christi gleichgesetzt werden?

Wenn der Priesterdienst und die Bestellung im Alten Bund gar nicht die Bedeutung einer Gleichsetzung mit dem Mittlerdienst und der Bestellung Christi hatte, wie kommst du ständig dazu, den allgemeinen Priesterdienst im Neuen Bund mit dem Mittlerdienst und der Bestellung Christi zu identifizieren, um diesen Dienst auszuhebeln?

Lutz

Ralf_Wtal
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Mittlerdienst

Beitragvon Ralf_Wtal » 23.07.2009 21:03

Hallo Lutz,

einmal abgesehen davon, wie wir Glauben definieren, ob als Werk des Heiligen Geistes oder als Zustimmung zu einer konfessionell-dogmatischen Lehrmeinung mit Verstand oder mit Herz und Verstand, versuche ich Deine Gedanken einzusortieren.

Nach Deinem Verständnis ist der Gläubige befreit, aufgefordert oder verpflichtet zum Dienst = Priesterdienst. Alle Gläubigen bilden im NT das allgemeine Priestertum und bringen Opfer. Wer zur allgemeinen Priesterschaft (Summe aller Priester) gehört, ist gläubig, oder anders gesagt, wer nicht gläubig ist, kann nicht dem „allgemeinen Priesterdienst“ angehören. Anders kann ich Deine Frage nach den Priestern im Alten Bund und der Infragestellung ihres Glauben nicht verstehen.

Was ist ein (heidnischer) Priester?
Der Priester (lat.: Sacerdos) existiert in einem Großteil der religiösen Gemeinschaften als eine aus der Allgemeinheit herausgehobene Amtsperson, die sich vorgeblich durch eine besondere religiöse oder göttliche Kraft auszeichnet und in seiner Eigenschaft als Kultvorsteher eine Mittlerrolle zwischen der Gottheit und den Menschen einnimmt. ... Religionsphänomenologisch und soziologisch steht der Priesterbegriff jedoch im Bedeutungsfeld von griech. hieros — „heilig, geweiht“ und lat. sacerdos — „Priester“.
(Quelle. Wikepedia)

... und weiter


Der Titel des Kohen, (hebräisch כהן, deutsch Priester) ist ein Status des Judentums. Die Kohanim (hebräisch כהנים, Plural von Kohen) sind eine Untergruppe der Leviten, des priesterlichen unter den Zwölf Stämmen Israels. Sie gelten als direkte Nachfahren des Aaron, eines Bruders des Mose. Die Kohanim übten im Tempel den priesterlichen Dienst am Altar aus. Der Kohen Gadol (wörtlich „Großer Priester“) war als Hoherpriester die höchste religiöse Autorität des Judentums.
Die Kohanim sind keine Mittler zwischen jüdischen Menschen und Gott oder der Menschheit und Gott. Ihr Status geht allein auf die Gebote Gottes zurück. Damit ist heute wie schon in „biblischer“ Zeit der Unterschied gegenüber anderen Religionen bestimmt, die Vermittler zwischen Gott (bzw. Göttern) und den Menschen vorsehen. Jeder Jude ist Gott direkt verantwortlich. Der Tempelkult hatte keine vermittelnde Funktion. Das Volk Israel – ein Königreich von Priestern – hat die Aufgabe, den am Sinai geschnittenen Bund oder „Vertrag“ einzuhalten. Davon hängt das Wohl jedes Juden bzw. Israeliten, des Volkes Israel, ja sogar das der Menschheit und der Erde ab.
... soweit Wikipedia : Das entscheidende fehlt allerdings, die vermittelnde Rolle des Opfers.

1. Tim.2,3 Denn dieses ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott, 4welcher will, daß alle Menschen (sowohl Juden als auch Heiden) errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen 5Denn Gott ist einer, und einer Mittler zwischen Gott und Menschen, der Mensch Christus Jesus, 6der sich selbst gab zum Lösegeld für alle (sowohl Juden als auch Heiden), wovon das Zeugnis zu seiner Zeit verkündigt werden sollte, 7wozu ich bestellt (!) worden bin als Herold und Apostel (ich sage die Wahrheit, ich lüge nicht), ein Lehrer der Nationen, in Glauben und Wahrheit.

Deine Fragestellung zeigt mir, daß ich ungenau argumentiert habe. Nur Christus ist zugleich Priester und Mittler. Der Priesterdienst im AT ist kein Mittlerdienst in dem Sinne, daß irgendein Priester Mittler ist, sondern im AT soll der zum Priesteramt bestellte die Anschauung der Gerechtigkeit Gottes nach dem Gesetz, nämlich das vermittelnde Opfer vermitteln. Mit der Bestellung Christi zum Hohenpriester verkündigen wir im Abendmahl Christi Tod und Opfer. Hier ist die Anschauung von der Gerechtigkeit Gottes. Das Abendmahl ist keine Opferzeremonie wie die Messe. Dieser heidnische Budenzauber braucht Priester. Wer Gott opfern will, hat die Gesinnung des KAIN, des heidnischen, vom Menschen ausgehenden Opfers. Im Opfer des ABEL ist bereits das Opfer Christi eingeschlossen, nämlich der Dienst, den Gott selber an und für uns tut. Entweder lebe ich unter dem Opfer Christi, dann gibt es keine anderen Opfer und somit auch keinen anderen Priesterdienst oder ich erkläre mit meinem eigenwilligen opfern das Opfer Christi für ergänzungsbedürftig, womit ich die Gnade Gottes schmähe.

Heb.9,15 Und darum ist er auch ein Mittler des neuen Testaments, auf daß durch den Tod, so ge-schehen ist zur Erlösung von den Übertretungen, die unter dem ersten Testament waren, die, so beru-fen sind, das verheißene ewige Erbe empfangen.

Von Adam und Eva bis zum letzten Menschen, der errettet wird, gibt es keine andere Erlösung, als die Erlösung durch das Opfer Christi, deshalb heißt es auch in Heb. 9,15, daß auch alle, die unter dem ersten Testament waren, durch den Mittlerdienst Christi von den Übertretungen erlöst sind. Das gilt auch für Abel, Abraham, David, ...

Eph.4,8 Darum sagt er: "Hinaufgestiegen in die Höhe, hat er die Gefangenschaft gefangen geführt und den Menschen Gaben gegeben".

Er ist erschienen und hat durch seinen Sieg über die Macht des Todes die Berufen als großer Herold befreit und als Beute dem Feind, das ist der Satan, entrissen. Das war der Glaube der Alten, auf diesen Erlöser haben sie gewartet und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt (auch die pseudo-fromme Welt) überwunden hat.

An dieser Stelle sollte ich noch etwas zur Lehre der Heilszeiten schreiben.
Ich akzeptiere, daß Paulus in Röm. 11 einen ethnischen Unterscheid zwischen den Juden und den Nationen aufrechterhält. Gott wird alle seine Verheißungen, sowohl die himmlischen als auch die noch ausstehenden irdischen Verheißungen (Jesaja 65, 20 redet von Hundertjährigen, die sterben, hier wird das Millennium (1000-Jahr-Reich) beschrieben – In der Ewigkeit stirbt keiner mehr) erfüllen. Aber das es außerhalb Christi Heil und Ewiges Leben gibt, wie es die Lehre der Heilszeiten in letzter Konsequenz vermittelt, kann ich hermeneutisch nicht nachvollziehen.

Somit bleibe ich dabei: JESUS CHRISTUS ist für alle Menschen (sowohl Juden als auch für die Nationen) der Opfernde und das Opfer, und als Mittler des Neuen Testaments der einzige Priester, der von Gott auf ewig bestellt und mit einem ewigen Amt anerkannt ist.

Ralf

lutz
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Beitragvon lutz » 24.07.2009 17:13

Hallo Ralf,

vorab möchte ich dir noch etwas Persönliches sagen, damit kein falscher Eindruck entsteht.
Ich freue mich sehr darüber, wie du über die Bedeutung und ewige Gültigkeit des Opfers des Herrn Jesus Christus denkst.
Ohne deine Präzisierung ist es für mich schwierig, zu erfassen, was du meinst.
Danke!

Du schreibst:
" ... sondern im AT soll der zum Priesteramt Bestellte die Anschauung der Gerechtigkeit Gottes nach dem Gesetz, nämlich das vermittelnde Opfer vermitteln."
Es ist also nicht der Priester, der vermittelt, sondern das Opfer vermittelt was.
Nun bin ich wieder im Unklaren.
Vermittelt nun das Opfer des AT die Anschauung oder die Gerechtigkeit Gottes selbst?
Wir wissen, dass das Blut von Böcken und Stieren etwas bewirkt hat (Hebr. 9, 13), wir wissen auch, dass diesem Blut etwas unmöglich war, dass es aber trotzdem zu etwas führen sollte (z. B. Hebr. 10, 3. 4).

Du schreibst über Abel:
"Im Opfer des ABEL ist bereits das Opfer Christi eingeschlossen, nämlich der Dienst, ..."
Was bedeutet "das Opfer Christi eingeschlossen"?
Hebr. 11, 4 weist mich nicht auf das Opfer, sondern auf den Glauben und in Folge dessen hat Gott auch Zeugnis für seine Opfergaben abgelegt.

Hebr. 9, 15 sagt mir, dass auch die Übertretungen der Gläubigen, die in der Zeit lebten, in der das Opfer Christi noch nicht geschah, nur durch dieses (für sie in Zukunft) erlassen sind.

Nun ist aber das Opfer des Christus Vergangenheit, eine einmalige, historisch abgeschlossene, vollgültige Tatsache. Christus wird nicht laufend geopfert.
(Und Christus wurde auch im AT nicht laufend geopfert in einer irgendwie "eingeschlossenen Form".)
Insofern kann Keiner unter dem Opfer Christi leben.
Dieses Opfer kann nicht wiederholt, ergänzt oder ... werden.
Erinnern kann man sich daran.

Wenn in den Lehrbriefen von "Opfern der Gläubigen", "priesterlichen Dienst des Gläubigen" ... geredet wird, dann ist damit nicht das Opfer des Christus gemeint.
Ich sehe es ganz einfach:
Es ist die "Lebensart" des Gläubigen schon hier: der Glaube, der durch die Liebe tätig ist. Dieser wird ganz konkret beschrieben, besonders in den Versen danach, bspw.: 1. Petr. 2, 11 ff. oder Röm. 12, 2 ff.
Das hat nichts mit herausgehobenen Amtspersonen mit besonderer religiöser oder göttlicher Kraft zu tun.
Damit suchen sich die Gläubigen auch nicht einen "gnädigen Gott" zu erkaufen, oder einen "Gott" milde zu stimmen, sie suchen auch nicht den verdienstlichen Segen, als wäre Gott ihnen etwas schuldig ...
Sondern so soll das Leben der von Gott berufenen Heiligen aussehen.
So dient ein Gläubiger dem lebendigen Gott (Hebr. 9, 14) an der Stelle, an die Gott ihn hingestellt hat, mit dem Maß, welches Gott ihm verliehen hat.
Dies ist nichts Eigenwilliges, sondern im Gegenteil Ausdruck der Selbstverleugnung auf Basis der Anordnungen seines Herrn und durch seine beständige Fürsprache sind diese Dienste auch wohlgefällig vor Gott - eben durch Jesus Christus den einst Gekreuzigten und Auferstandenen.

An der Stelle möchte ich dich auf eine Predigt von H. W. Deppe aufmerksam machen: "Geistliche Priester und Opfer" vom 6. 1. 2008. Er geht dort im Rahmen seiner Predigtreihe über den Petrusbrief auch auf die Bildersprache (Stein, Haus, Opfer) ein.
Hier zu finden unter Predigtdownload:
www.begowl.de

Lutz

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Opferverständnis

Beitragvon Ralf_Wtal » 25.07.2009 21:16

Hallo Lutz,

es tut mir leid, daß ich nicht sofort antworten konnte. Ich war die letzten beiden Tage sehr eingespannt. Über deine persönlichen Worte habe ich mich sehr gefreut. Ich habe bisher auch nicht den Eindruck gewonnen, daß es hier zwischen uns um rechthaberisches Gezänk geht. Wir setzen uns ziemlich intensiv mit dem Hohenpriester nach Heb. 8,1 auseinander, einem Thema, daß in der christlichen Literatur selten anzutreffen ist. Ob wir das auf einem ansprechenden Niveau betreiben, sollen andere beurteilen.

Ich sehe schon einen Unterschied im Opferverständnis, wie es der reformierte Theologe H.F. Kohlbrügge beschreibt und dem Opferverständnis, wie es weit verbreitet anzutreffen ist.

Ich werde mir erstmal die Predigt von H.W. Deppe anhören und dann antworten (Gedanken dazu sind schon da, ich muss sie nur noch ausformulieren) und kann Dir parallel dazu die Predigt über den "Großen Versöhnungstag" von Kohlbrügge (falls noch nicht gelesen) empfehlen. Ein Link befindet sich im ersten Posting.

Ralf

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Der große Versöhnungstag

Beitragvon Ralf_Wtal » 26.07.2009 21:03

Hallo Lutz,


Glaube ist nicht nur die Zustimmung zur Person unseres Herrn Jesus Christus, sondern die höchstmögliche Verbundenheit, die höchstmögliche Ehrerbietung und die höchstmögliche Anerkennung seines Dienstes und die Ablehnung aller Bestrebungen des Menschen, die einen Anlass zum Rühmen des Fleisches bieten.

Beschäftigen wir uns zuerst mit dem reformierten Amtsverständnis und der Bestellung zum Amt.

(Calvin – Institutio IV,3,1)

Jetzt müssen wir über die Ordnung sprechen, in der die Kirche nach dem Willen des Herrn regiert werden soll. Allerdings soll in der Kirche er allein regieren und herrschen, er allein soll in ihr auch die Führung und den höchsten Platz innehaben und diese Herrschergewalt allein durch sein Wort ausüben und walten lassen. Aber er wohnt ja nicht in sichtbarer Gegenwart unter uns, um uns seinen Willen in eigener Person mündlich zu eröffnen, und deshalb gebraucht er dabei, wie ich bereits ausführte, den Dienst und gleichsam die vertretungsweise Tätigkeit von Menschen. Das tut er freilich nicht, um sein Recht und seine Ehre auf sie zu übertragen, sondern nur, um durch ihren Mund selbst sein Werk zu tun, wie auch ein Handwerker zur Verrichtung seiner Arbeit ein Werkzeug verwendet. Ich bin nun genötigt, abermals zu wiederholen, was ich bereits oben auseinandergesetzt habe. Gott könnte dies sein Werk zwar auch rein aus sich selber, ohne jedes andere Hilfsmittel oder Werkzeug tun, könnte es ebenso auch durch die Engel verrichten; aber es gibt eine ganze Anzahl von Ursachen, weshalb er es lieber durch Menschen tut.

Und ferner: Es ist eine sehr gute und höchst nutzbringende Übung zur Demut, wenn er uns daran gewöhnt, seinem Wort zu gehorchen ...


Ich habe die Predigt gehört und möchte H.W.Deppe nicht zu nahe treten. Wuppertal ist eine Hochburg von Freikirchen und der Brüderbewegung, und auch in dieser Predigt erkenne ich ein hohes Selbstverständnis dieser Bewegung. Es ist eingänglich, wenn durch Sonderlehren die Mitglieder einer Denomination, die sich in ihrer exklusiven Form gerne abgrenzen, aufgewertet werden. (etwas spitz formuliert)

Zum Amtsverständnis von Calvin gehört die Berufung, die Bestellung und die Einsetzungszeremonie. Da sehe ich zwischen dem AT und dem NT keinen Unterschied. Eine Einsetzungszeremonie zum Priester kann ich der Schrift für die neutestamentliche Gemeinde nicht ent-nehmen und eine Ableitung aus dem 1. Petrusbrief nicht erkennen.

1. Petr. 2,9 bezieht sich auf Exodus 19,6. Die Gemeinde wird damit ausdrücklich mit dem „Eigentumsvolk Gottes“ identifiziert. Ein priesterliches Volk zu sein bedeutet, einen Priester und König über sich zu haben. Hier ruft Petrus aus: Ihr seid ein königliches Priestertum, weil Christus das Amt des Priester und Königs angetreten hat. Im alten Bund haben die Söhne Aarons nach einer Einweihungszeremonie vertretungsweise nach dem Gesetz als Satzung für das Fleisch einen Priesterdienst verrichtet, aber wie Du schon richtig aus Heb. 10 zitierst, es war nur ein alljährliches (Jom Kippur) Erinnern an die Sünden. Aber hierin wurde der gläubige Jude auch getröstet, denn das Kommen des Erlösers war allgegenwärtig.

(Jakobus 2,21): Ist nicht Abraham, unser Vater, durch die Werke gerecht geworden, da er seinen Sohn Isaak auf dem Altar opferte?

Über diese Stelle bin ich oft gestolpert, denn Abraham hat Isaak nicht geopfert. Es war eine Lektion: Abraham war bereit, Isaak zu opfern, er war zu einem Gehorsam bereit, der mich beschämt macht. Gott will uns hier zeigen, daß er auch unsere allergrößte Anstrengung nicht will. Er allein sucht das Opfer aus und entscheidet, welches Opfer ihm angenehm ist. Im Gehorsam Abrahams wird Isaak so dargestellt, als wenn er geopfert wäre, obwohl tatsächlich ein Widder an Sohnes statt geopfert wurde. Isaak war der Sohn der Verheißung und der eingeborene Sohn ist an unserer Statt geopfert worden. Das meint Römer 12 mit der Darbringung unserer Leiber. Niemals akzeptiert Gott uns als Opfer. Die Formulierung vom Leben unter dem Opfer habe ich dem sprachlichen Schlüssel von Fritz Rienecker entnommen: „das neue Leben steht unter dem Zeichen des Opfers – siehe auch die Darstellung Jesu Christi bei Lukas 2,22-24. Das griech. Wort für darstellen ist der Fachausdruck für Opferung der Opfertiere. Für die Gemeinde ist dies das stellvertretende Schlachtopfer Christi. Nicht mehr an das stellvertretende alttestamentliche Schlachtopfer, sondern an das stellvertretende Opfer Christi wird die Gemeinde erinnert. Nur das Schlachtopfer ist zu loben, im Opfer ist das Heil, nicht im Opferwillen des Glaubenden.

Der Heilige Geist hat bereits Abel dazu angeleitet, ein Gott wohlgefälliges Opfer dazubringen. Nicht der gläubige Abel ist zu loben, sondern der Glaube, der Abel gegeben wurde. Nicht Abel als ein Opfer Darbringender ist zu loben, sondern das Opfer, durch das sich Gott nahen kann, ist zu loben. Nicht der Priester im alten Bund ist zu loben, sondern das Opfer, als Vorschattung auf das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinfortträgt. Die Aufgabe des Priesters war, von diesem Opfer eine Anschauung zu vermitteln, denn der Erlöser war noch nicht gekommen.

Das Opfer Christi ist eine einmalige heilsgeschichtliche Tat (Heb. 9,25), aber mit diesem Opfer beginnt sein hohepriesterlicher Dienst. Was ist das Erscheinen vor dem Angesicht Gottes (Heb.9,24) anderes als der große Versöhnungstag. Solange Christus sich noch nicht vom Throne Gottes aufgemacht macht, um seine Braut zu holen, stehen wir unter der Gnade des großen Versöhnungstages mit Jesu Christus im Amt des Hohenpriesters. Ich denke, das Aufhaltende in Thess. 2,6 ist dieser Dienst, der mit dem Tag des Herrn, des Tages des Zornes Gottes und der Finsternis und Drangsal endet.

Wenn der Hohepriester im Allerheiligsten seinen Dienst tut, ruht der priesterliche Dienst im Heiligtum (3. Mose 16,17). Wenn doch der große Versöhnungstag bereits unter dem alten Bund jeden anderen priesterlichen Dienst ausschließt, wie kann dann eine Denomination einen Priesterdienst wieder einführen?



Ralf

lutz
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Beitragvon lutz » 26.07.2009 22:30

Hallo Ralf,

ich werde erst einmal die Auslegung von Calvin zu 3. Mose 16, 17 reinstellen:

"V. 17. Kein Mensch soll in der Hütte des Stifts sein usw. Dass während des Sühnaktes jedem Israeliten der Zutritt zum Heiligtum verwehrt wird, ist gleichsam eine Strafe zeitweiliger Verbannung: die Kinder Israel sollen wissen, dass Gott sie so lange von seinem Angesichte verstößt, bis die Stätte, die sie mit ihren Sünden befleckt haben, wiederum gereinigt ist. Welch trauriges Schauspiel, dass alle, um deren willen die Stiftshütte errichtet war, sie nun verlassen mussten! Aber auf diese Weise wurde ihnen eingeprägt, dass ihr ganzes Heil durchaus an Gottes Erbarmen hing: selbst von dem Mittel, welches ihnen die Vergebung verschaffen sollte, blieben sie ausgeschlossen, und es musste noch eine neue Vergebung hierfür eröffnet werden; so weit hatten sie sich von der Hoffnung auf Versöhnung entfernt."

(Johannes Calvins Auslegung der Heiligen Schrift in deutscher Übersetzung, 2. Band, 2. - 5. Buch Mose, 1. Hälfte; Verlag der Buchhandlung des Erziehungsvereins; Neukirchen; Kreis Moers.)

Lutz

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Beitragvon lutz » 27.07.2009 15:30

Hallo Ralf,

Zum Versöhnungstag.
In Hebr. 9, 24 steht: " ..., um jetzt uns zum Heil vor dem Angesicht Gottes zu erscheinen;".
In Hebr. 9, 25 steht, wie er jetzt nicht vor dem Angesicht Gottes erscheint.
Er erscheint nicht in der Weise, dass er sich oftmals als Opfer darbringt oder fremdes Blut hineinträgt (kein Blutopfer mehr).
Hier versagt doch die Übertragung des Schattens vom Versöhnungstag auf unsere Zeit völlig. Der Hohepriester opfert heute nicht mehr, um Sünden wegzunehmen.
Trotzdem möchtest du das Gesetz vom Nichtbetreten des Offenbarungszeltes übertragen wissen.
Dann hätten wir eine Menge Priester, die nicht in die Gegenwart Gottes dürfen, bzw. die einzig gültige Anweisung: Naht euch nicht zu Gott!
Diese Übertragung des Schattens ergibt doch keinerlei vernünftigen Sinn.

Zum Amtsverständnis Calvins.
Hier geht es um die Ordnung der Kirche (die Frage nach der Verteilung der Dienste).
Calvin sieht hier keinen Konflikt mit dem allgemeinen Priestertum.
"...Unter dem Gesetz musste der Priester nach Gottes Befehl Tiere opfern; bei Christus ist es ganz anders, ganz neu: er, der Hohepriester, ist selbst das Opfer. ... Nun trägt also Christus das Priesteramt, und er vollführt es nicht nur, um uns durch eine ewige Versöhnung Gottes Wohlgefallen und Freundlichkeit zu gewinnen, sondern auch um uns der gleichen Würde mit teilhaftig zu machen (Offb. 1, 6). Denn wir sind zwar in uns befleckt; aber in ihm sind wir Priester, bringen wir uns selbst und alles, was wir sind und haben, Gott zum Opfer dar, haben wir freien Zugang zum Allerheiligsten im Himmel, so dass all unsere Opfer an Gebet und Lobpreis, die wir zu bringen haben, vor Gott ein guter Geruch sind! Das alles umfasst Christi Wort: "Ich heilige mich selbst für sie" (Joh. 17, 19) ..." (Institutio, II, 15, 6)

Röm. 12, 1
Was mit "Darbringung unserer Leiber" gemeint ist, wird im 12. Kapitel und den folgenden genau umrissen. Es ist keineswegs eine bloße Erinnerung oder eine bloße Bereitwilligkeit ...
Nach deinen Ausführungen müssten die vielen Stellen eine ausschließliche Beschreibung des Opfers Christi sein und uns davon überzeugen, dass Gott alle unsere Anstrengungen nicht will.
Allein schon Kapitel 12 in dieser Art zu lesen, ist unsinnig.

1. Petr.:
Da verweise ich erneut auf die Predigt von H. W. Deppe und an die entsprechende Fortsetzung.
Er geht darin auf die Kontinuität des allgemeinen Priestertums im AT (2. Mo. 19, 6) und NT ein und berücksichtigt dabei den nicht zu vernachlässigenden Unterschied von: "Ihr sollt sein!" und "Ihr seid!".
Du schreibst:
"Hier ruft Petrus aus: Ihr seid ein königliches Priestertum, weil Christus das Amt des Priesters und Königs angetreten hat."
Damit ist das Priestertum nicht ausreichend beschrieben, weil über das entsprechende Volk auch Folgendes gelten muss:
1. Petr. 1, 2
1. Petr. 1, 14. 15.

Das Ganze hat nichts mit einer Selbstaufwertung im Sinne von: "Ich will mehr sein, als ich tatsächlich bin." zu tun.
Ganz im Gegenteil, wenn wir nicht erfassen, wer der Gläubige in Gottes Augen ist und wie Gott die Dienste eines Gläubigen ansieht - dann missachten wir die von Gott verliehene Gnade und somit auch das zu diesem Zweck vergossene Blut Christi.

Lutz


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