Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit, wie erreiche ich es ?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Joschie
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Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit, wie erreiche ich es ?

Beitragvon Joschie » 01.08.2009 11:26

Hallo Ihr
In Titus1.8 steht
,
8 sondern gastfrei, das Gute liebend, besonnen, gerecht, heilig, enthaltsam
Mir geht um das Wort enthaltsam, dieses wird auch mit Selbstbeherrschung, Selbstdiziplin und Enthaltsamkeit übersetzt. Wenn ihr noch andere wißt, schreibt bitte. Sind dies verschiedene Übersetzungen oder sind verschiedene Grundtexte? Im Galater 5, 23 ist die Enthaltsamkeit eine Frucht des Geistes, aber in 2. Petrus 1, 6, Titus 1, 8 werden wir zur Enthaltsamkeit oder Selbstdiziplin aufgefordert. Da mich dieses Thema sehr bewegt, ist dies für mich eine Schwierigkeit. Ist die Selbstbeherrschung etwas was von Gott kommt und ich dabei passiv bin oder ist aktiv mein Mitwirken erforderlich.
Gruß und Segen von Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

PvE
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Beitragvon PvE » 02.08.2009 13:27

Hallo Joschie,

zu der Frage nach (1.) Enthaltsamkeit und (2.) der Quelle der Selbstbeherrschung folgendes:


(1.) Enthaltsamkeit

Zum Thema Enthaltsamkeit möchte ich aus der heutigen Predigt von B. Kaiser (Leiter des Institus für Reformatorische Theologie) zitieren:

"[...] Doch worin sind die Christen anders? Das Anderssein der Christen besteht wesentlich darin, daß sie die Welt gebrauchen in der Zucht, die aus der Erkenntnis Christi kommt. Paulus sagt: „Denn es ist erschienen die heilsame Gnade Gottes allen Menschen und nimmt uns in Zucht, daß wir absagen dem ungöttlichen Wesen und den weltlichen Begierden und besonnen, gerecht und fromm in dieser Welt leben und warten auf die selige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit des großen Gottes und unseres Heilands Jesus Christus“ (Tit 2,11-13).

Zucht ist für den postmodernen Menschen ein Fremdwort. Doch sie ist heilsam, weil sie gerade der manipulierten Glücksgefräßigkeit unserer Kultur widersteht. Der Christ will und muß die Welt gebrauchen – Arbeitsplatz, Geld, Haus- und Grundbesitz, Ehe, Familie, Auto, Urlaub, Essen und Trinken. Er kann und darf sich dem nicht entziehen. Er wird auch nicht heiliger, indem er auf etwas verzichtet. Er soll sich an diesen Dingen als den Gaben Gottes freuen und ihm dafür danken. Aber er wird keines dieser Dinge vergöttern und wird sie alle als etwas Vorläufiges und Vorletztes behandeln. Er weiß, daß er ein höheres Ziel hat, auf das hin er lebt.

Diese Art von Besonnenheit wird ihn im Umgang mit den Dingen dieser Welt leiten. Deshalb wird er zufrieden sein mit dem, was Gott ihm gibt, auch wenn es weniger ist als das, was der Kollege hat. Er wird nicht danach streben, sein Gut endlos zu vermehren, auch wenn Gott ihm vielleicht Reichtum zukommen läßt. Er wird nicht in den Alkohol oder in eine andere Sucht flüchten, wenn er seine Arbeit und das Leben ätzend findet. Er wird nicht die Scheidung einreichen, wenn er feststellt, daß seine Ehe nicht das Paradies auf Erden ist.

Er wird sich aber, um einige Beispiele zu nennen, um seine Familie kümmern, seine Finanzen in Ordnung halten, seine Arbeit gewissenhaft tun und sich darum mühen, mit seinen Nachbarn und Kollegen im Frieden zu leben. Er wird nach Gottes Willen fragen und ihn tun. Der Glaube an Christus und die Gesinnung Christi haben so eine unmittelbare Bedeutung für sein Leben in der Welt. [...]"

Quelle: http://www.irt-ggmbh.de/downloads/salzundlicht.pdf (Seite 3 unten)


(2.) Die Quelle der Selbstbeherrschung

Hierzu muss man m. E. etwas tiefer ansetzen, und zwar auf der Ebene der Wirkweise des Hl. Geistes. Dieser wird ja oftmals als (vom Wort Gottes) selbständige, mystische Kraft verstanden, der einem ab dem Zeitpunkt der Bekehrung innewohnt und einem die Kraft gibt, dem Gesetz Gottes zu folgen. Danach drängt einen der Geist förmlich zu dem, was in der Schrift gutgeheißen wird.

Dass es hier aber wesentlich "unmystischer" zugeht, zeigen z.B. Roland Senk in seinem ausführlichen Artikel "Der Zusammenhang von Wort und Geist in der Heiligen Schrift" (http://www.betanien.de/Material/wortundgeist.pdf) und der bereits genannte Bernhard Kaiser in einer Predigt über das Neue Leben in Christus (http://www.irt-ggmbh.de/downloads/neues ... ristus.pdf).

Beide haben auch Bücher zur Vertiefung der Materie verfasst, die man über Betanien bestellen kann:

http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... istes.html

und

http://www.cbuch.de/product_info.php/in ... llein.html

Gerade das Buch "Christus allein" kann ich nur wärmstens empfehlen, es ist sehr ruhig und sachlich geschrieben und hat bei mir mit allerhand Fehlvorstellungen vom Wirken des Geistes aufgeräumt.

Ich hoffe, dass Dir das hilft.

Viele Grüße
Oliver

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 02.08.2009 16:44

Hallo Oliver
Vielen Dank für deinen Beitrag :idea:
Hier der Text der mich bewegt.
Wisst ihr nicht, dass die, welche in der Rennbahn laufen, zwar
alle laufen, aber einer den Preis empfängt? Lauft so, dass ihr ihn
erlangt. Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich,
damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir
aber einen unvergänglichen. Ich laufe nun so, nicht wie ins Ungewisse;
ich kämpfe so, nicht wie einer, der in die Luft schlägt;
sondern ich zerschlage meinen Leib und knechte ihn, damit ich
nicht, nachdem ich anderen gepredigt, selbst verwerflich werde.
1. Korinther 9,24-27
Wie Entwickelt man Selbstdisziplin :?:
Gruß und Segen von Joschie
Zuletzt geändert von Joschie am 03.08.2009 11:10, insgesamt 1-mal geändert.
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PvE
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Beitragvon PvE » 02.08.2009 18:38

Wie Entwickelt man Selbstdisziplin
Genau hier liegt der Hund begraben, hier zeigt sich, wie man die Wirkung des Geistes versteht. Daran hängt nämlich mehr, als man vielleicht zunächst vermuten würde:

Ich darf hierzu aus dem genannten Buch "Christus allein" zitieren (S. 134 ff.), wo auf 1Kor 9,25-27 und Kol 3,5-6 Bezug genommen wird (Hervorhebungen in fett durch mich):


"[...] Das Töten der Glieder, die auf Erden sind, und das Betäuben des Leibes mit Faustschlägen wird weder auf dem Wege der Selbstkasteiung, noch mit religiösen Techniken und Praktiken, noch auf dem Wege der mystischen Entwerdung erreicht, sondern durch den Glauben. Der Christ verneint aus der Einsicht heraus, dass er in Christus das Bessere hat, der Sünde ihre Ansprüche. Er erkennt, dass Gott ihn mit den Geboten nicht ärgern, benachteiligen oder ihm etwas vorenthalten will, sondern ihm zeigen möchte, welche Gestalt das Leben im Heil hat. Er erkennt auch den Schaden, den die Sünde mit sich bringt. Darauf heben es unter anderem verschiedene Aussagen der Sprüche ab. Sehr anschaulich vergleichen sie etwa denjenigen, der zu einer fremden Frau geht, mit einem Stier, der zur Schlachtbank geführt wird, oder mit einem Hirsch, der ins Netz rennt (Spr 7,22). Solche Einsichten halten den Christen ab, der Sünde zuzustimmen. [...]"

Weiter heißt es dann auf S. 136:

"[...] Indem der Christ dem Evangelium glaubt, hat er den Sieg über die Sünde. Dieser Sieg ist nicht selten schmerzlich, weil die Sünde so vielversprechend und vorteilhaft erscheint. Sie verspricht in der Übertretung des Gebotes Gottes sehr konkret, sichtbar und greifbar einen Lustgewinn, sei er gefühlsmäßig oder materiell, und dieser Lustgewinn ist fürs erste durchaus real. In dieser Situation ist es wesentlich, dass der Christ die Lüge hinter der Sünde erkennt und ihr mit der Wahrheit, dem Wort Gottes, begegnet.

[...] Indem der Christ aus der von Gott durch sein Wort bewirkten Einsicht heraus handelt, handelt er frei und ungezwungen. Diese Freiheit ist ein wesentliches Kennzeichen des Heiligen Geistes. In ihr kann er sich selbst, seine natürliche sündige Disposition, ohne Zwang verleugnen, weil er auf die unsichtbare Wirklichkeit sieht. In dieser Freiheit kann er auf ein selbstherrliches Überschreiten der Grenzen, die Gott geschöpflicherweise gesetzt hat, verzichten und zugleich Christus und das Heil für sein Leben gewinnen. [...]"


Es geht also primär um das rein rationale Verstehen und Anwenden einer Erkenntnis, die man aus der Schrift gewonnen hat.

Mit Rücksicht auf das Urheberrecht will ich mal nicht mehr zitieren, obwohl sich praktisch der Großteil des Buches letztlich mit Deiner Problematik befasst.

Es wird dort systematisch gezeigt, wie die biblische (im Gegensatz zur verbreiteten evangelikalen) Rechtfertigung und Heiligung in all ihren Zusammenhängen funktioniert und was für ganz konkrete Folgen für das Leben des Christen hieraus erwachsen. Dieses Buch prägte meinen Glauben wie sonst kaum ein anderes, indem es vieles vom nebulös-mystischen ("Vom Geist erfüllt!") auf die rational-verständliche Sachebene zurückholte bzw. korrigierte.

Gruß
Oliver

P.S.: Nein, ich bekomme von Betanien keine Provision oder so... :wink: Ich empfehle nur gerne Bücher, die ich selbst als sehr erbaulich und hilfreich empfand.

Gast

Beitragvon Gast » 03.08.2009 09:13

Guten Morgen
also ich werde nicht so recht schlau aus der Sache. Und auch nicht aus der redundanten Betonung, man mache den hl. Geist zu einer vom Wort getrennten "Kraft". Ist dies eine Abwehrreaktion gegen die Charismatik?

Nach meinem Schriftverständnis (man korrigiere mich bitte, wo nötig) ist der hl. Geist ganz sicher NICHT das Wort Gottes. Wort und Geist sind distinkt, verschieden. Sie wirken aber niemals gegeneinander sondern der hl. Geist wirkte sowohl in der Inspiration (damals) als auch in der Predigt des Wortes (heute). Im AT kam der Geist bei der Salbung durch Samuel auf David und verließ ihn nicht mehr. Er wurde der Autor inspirierten Wort Gottes, von 75 Psalmen. Er war Prophet. Er war ein Mann der Demut, der sich unter Sünde beugen konnte, der seine Feinde ehren und lieben konnte. Er vergriff sich nicht im Wort und Werk am gesalbten Saul. Alles "Wirkungen" des Geistes, nicht der "tolle" Charakter Davids. Einmal kam der Geist auch auf Saul und er geriet in Verzückung. Doch er demütigte sich nicht, wir lesen keinen einzigen Psalm von Saul. Sattdessen suchte er statt Gottes Ehre seine eigene. Der eine hatte den Geist, der andere nicht.
Auch heute kann man m.E. (!) nicht sagen, der hl. Geist wäre nicht als vom Wort getrennte Person im Gläubigen. Natürlich ist es nicht möglich zu fantasieren, wo er genau denn sitze, ob im Großhirn oder im "Herzen". Gott gab uns bei unserer Bekehrung auf unerklärliche Weise seinen Geist und erfüllt und versiegelt uns mit dem Geist . Dann geht es weiter: "Laßt euch erfüllen mit hl. Geiste statt mit Wein" heißt es. Das, was daraus folgt ist das Reden in Psalmen, das dankbare Loben Gottes. Es ist nicht so, daß das Reden von Psalmen uns mit Geist erfülle. Das behaupten die Schwärmer und halten stundenlange Lobpreisgottesdienste, damit sie "voll" werden.
Paulus schreibt in 1. thess. 1,5: denn unsere Predigt ...kam nicht allein im Wort sondern auch in der Kraft und in dem hl. Geiste und in großer Gewißheit". Ich zitiere das nicht, um irgendwelche "Kräfte" zu beschwören, die sich vom Wort losgelöst haben sondern nur, um deutlich zu machen, daß der hl. Geist vom Apostel nach der Erwähnung des Wortes extra betont wird. War das lediglich ein Synonym für das Wort?

Ich lese vom Dämpfen des Geistes, von Erfüllung mit dem Geist usw. Wollte Gott, daß hier vom Glauben und vom Wort die Rede wäre- er hätte es vermutlich auch so ausgedrückt. Also: Wort und Geist wirken zusammen Glauben, sie sind aber voneinander zu unterscheiden. Glauben ersetzt nicht eine Innewohnung des Geistes. So sehe ich das.

Bitte seht den Beitrag als Selbstreflexion, Strohmänner sollen hier nicht fabriziert werden.
M.

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Beitragvon PvE » 03.08.2009 10:39

Moin,

Ist dies eine Abwehrreaktion gegen die Charismatik?

Nicht primär, es soll mehr eine Klarstellung dahingehend sein, dass man nicht durch eine innere Kraft dabei unterstützt wird, das Gesetz Gottes zu erfüllen. Das wird ja nicht nur von Charismatikern vertreten, sondern ist ja fast schon evangelikales Allgemeingut.

Nach meinem Schriftverständnis (man korrigiere mich bitte, wo nötig) ist der hl. Geist ganz sicher NICHT das Wort Gottes.
Nein, das sollte auch nicht die Botschaft sein, sorry. Durch meine zusammenhanglose Wiedergabe eines kleinen Teils von sehr viel komplexeren Ausführungen kam das vielleicht so rüber, natürlich werden Wort und Geist unterschieden.

Wort und Geist wirken zusammen Glauben, sie sind aber voneinander zu unterscheiden.

Keine Einwände.

Glauben ersetzt nicht eine Innewohnung des Geistes. So sehe ich das.

Eine solche "Innewohnung" des Geistes ist aber gar nicht notwendig, wenn Wort und Geist bereits (durch Hören/Lesen und geistgewirktes Verstehen des Evangeliums -> Wiedergeburt) den Glauben bewirkt haben. Denn der Glaube gibt uns dann (1.) Anteil am rechtfertigenden Opfer Christi und ermöglicht uns (2.) ein Leben nach Gottes Willen dadurch, dass wir die Schrift und das Evangelium verstehen und aus den gewonnenen Einsichten (siehe mein Posting oben) handeln.

Siehe hierzu auch die MP3-Predigt von Ronald Senk zum Thema "Vater, Sohn und Heilige Schrift?": http://www.begowl.de/predigten/20081214 ... latrie.mp3

Ferner zum Thema: "Beziehung zu Gott durch sein Wort": http://www.begowl.de/predigten/20071230-beziehung.mp3

Gruß
Oliver

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 03.08.2009 11:08

Olly hat mir folgenden Beitrag zugesendet.Ich.setze ihn mal rein-
Zu Deiner Frage im Bifo-Forum zum Wort „enthaltsam“ in Titus 1,8:

Das Wort „enthaltsam“ steht in Titus 1,8 mit „egkratēs“ und kommt nur dort vor.
Dagegen kommt „ egkrateuomai “ in 1. Korinther 7,9 und 1. Korinther 9,25 für „enthaltsam“ vor.

Für meinen Geschmack scheint hier das Wort „enthaltsam“ in Titus 1,8
zunächst im Zusammenhang mit der Gesetzmäßigkeit zu stehen und dann mit dem Wort „gut“, so z.B. 2. Tim 2,3.5:

„Nimm teil an den Leiden als ein guter Streiter Christi Jesu !“ (2. Tim 2,3)

„ Wenn aber auch jemand am Wettkampf teilnimmt, so erhält er nicht den Siegeskranz, er habe denn gesetzmäßig gekämpft "(2. Tim 2,5)

[gut = kalos = wesenhaft gut in Harmonie mit Gott]

Der Bibelvers in 1. Korinther 7,9 kann da vielleicht etwas aufhelfen:

„Wenn sie sich aber nicht enthalten können, so sollen sie heiraten, denn es ist besser, zu heiraten, als vor Verlangen zu brennen.“

„bist du frei von einer Frau, so suche keine Frau!“ ( 1. Kor 7,27)
„Wenn du aber doch heiratest, so sündigst du nicht;“ (1. Kor 7,28).

Bist Du also beschäftigt für die Sache des Herrn ?
„Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge;“
(1. Kor 7,32)

Oder bist Du beschäftigt, Deiner Frau zu gefallen ?
„der Verheiratete aber ist um die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge,“
( 1. Kor 7,33)

Die Gesetzmäßigkeit, sich nicht mit der Welt beschäftigen zu dürfen, steht nach meiner Auffassung hier im Vordergrund zum Wort „Enthaltsamkeit“.

Wer demnach „enthaltsam“ ist, sündigt nicht und wer es aber nicht lassen kann, der sündigt auch nicht.

Aus diesem Grunde scheinen mir doch die Verse in 2. Timotheus 2,3-5 sehr wichtig für unser Unterscheidungsvermögen zu sein. Diesbezüglich möchte ich noch auf 1. Timotheus 4,3 hinweisen, denn es ist nicht richtig, auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen zu achten, „ die verbieten, zu heiraten, und gebieten, sich von Speisen zu enthalten, die Gott geschaffen hat zur Annahme mit Danksagung für die, welche glauben und die Wahrheit erkennen“

Fragen:

1.) Wie bist Du „gut“ als ein guter Streiter Gottes bzw. von Jesus Christus?

2.) Bist Du dazu fähig, ein solches „gut“ im Wesen zu erfassen ?

3.) Was bedeutet für Dich Johannes 15,5 in Bezug auf das „gut“ betreffend des Bibelverses
in Johannes 15,5 „…denn getrennt von mir könnt ihr nichts tun.“ ?

4.) Wer tut etwas in Johannes 15, 5 – wir selber oder doch nur Jesus allein ?

5.) Wem gegenüber soll denn das hier mit kalos angesprochene „Gut“ getan werden?
Gruß Joschie
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Gast

Beitragvon Gast » 03.08.2009 12:22

Moin Oliver,
ich bin froh, daß die Antwort gelinde ausfiel. Danke!
Nun ist natürlich das, was die Schrift sagt entscheidender als eine Aussage wie "Eine solche "Innewohnung" des Geistes ist aber gar nicht notwendig, wenn...". Ich möchte damit sagen, daß wenn ich Passagen lese wie "wer Christi Geist nicht HAT, der ist nicht sein..." und andere bereits zitierte Aussagen, dann denke ich nicht an "Glauben haben" oder "Das Wort und die Sakramente recht verstehen" sondern dann denke ich als Otto Normalchrist an einen innewohnenden hl. Geist.
Reines Verstehen- das mag eine Komponente sein, aber dann wäre Errettung primär an rechtes Verstehen gebunden und eine ziemlich intellektuelle Geschichte.
"Jesus wohnt in meinem Herzen" ist vielleicht kindlich inadäquat aber die Schrift zeigt mir zumindest, daß Gott seinen Geist, sein Leben mit uns verbindet. Wir werden keine Supermänner. Aber wir werden Dinge tun, die wir vor unserer Bekehrung nicht wollten und konnten. Verändertes Denken-verändertes Leben. Gerade der Joelvers zeigt, daß da ein Wunder geschieht.
M.

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Beitragvon PvE » 03.08.2009 19:04

ich bin froh, daß die Antwort gelinde ausfiel. Danke!

Naja, wir sind Brüder im Herrn und außerdem sollte man sich in einem Forum IMHO halbwegs zivilisiert verhalten :wink:

Reines Verstehen- das mag eine Komponente sein, aber dann wäre Errettung primär an rechtes Verstehen gebunden und eine ziemlich intellektuelle Geschichte.

Die Errettung geschieht durch den Glauben und der Glaube kommt von der Annahme des Evangeliums, das wiederum ist uns im Wort gegeben. Ob aus dem Lesen des Wortes oder aus einer Predigt (die sich ja im Wort gründet) tatsächlich Glaube entsteht, hängt nun davon ab, ob der Geist wirkt. Die Botschaft des Evangeliums ist ja nun nicht allzu intellektuell herausfordernd (1. Kor 1,21), vielmehr ist sie so anstößig (1. Kor 1,18.23) dass sie nicht angenommen wird. Und das überwindet der Geist, wenn ein Mensch zu Glauben kommt. Das meine ich mit "Verstehen".

"Jesus wohnt in meinem Herzen" ist vielleicht kindlich inadäquat aber die Schrift zeigt mir zumindest, daß Gott seinen Geist, sein Leben mit uns verbindet.
Durch die geistgewirkte Umkehr und Sinnesänderung glauben wir. Und durch den Glauben haben wir Anteil am Werk Christi. In Eph 3,17 heißt es wörtlich: "...daß Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen und ihr durch die Liebe eingewurzelt und gegründet werdet,..."

Ich werde mich aber demnächst noch tiefer mit der Materie befassen und kann dann vielleicht noch etwas Erhellendes beisteuern.

Grüße und eine weiterhin hoffentlich gute Woche
Oliver

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Beitragvon Joschie » 04.08.2009 07:41

Hier noch ein Beitrag von Olly :!:
Hallo Joschie,

Du Schreibst im Bifo-Forum in Deinem Eingangs-Thread zu Titus 1,8:

„Mir geht um das Wort enthaltsam, dieses wird auch mit Selbstbeherrschung, Selbstdiziplin und Enthaltsamkeit übersetzt. Wenn ihr noch andere wißt, schreibt bitte. Sind dies verschiedene Übersetzungen oder sind verschiedene Grundtexte? Im Galater 5, 23 ist die Enthaltsamkeit eine Frucht des Geistes, aber in 2. Petrus 1, 6, Titus 1, 8 werden wir zur Enthaltsamkeit oder Selbstdisziplin aufgefordert. Da mich dieses Thema sehr bewegt, ist dies für mich eine Schwierigkeit. Ist die Selbstbeherrschung etwas was von Gott kommt und ich dabei passiv bin oder ist aktiv mein Mitwirken erforderlich. „


1.) [ Galater 5, 22 ; Enthaltsamkeit = egkrateia (ebenso in Apg 24,25 und 2. Petr 1,6) ]
2.) [ Titus 1,8 ; enthaltsam = egkratēs ]
3.) [ 1. Korinther 7,9 und 1. Korinther 9,25; enthalten bzw. enthaltsam = egkrateuomai ]


Deine Vermutungen sind für mein Empfinden richtig, dass es sich bei dem Thema „Enthaltsamkeit“ um unterschiedliche Dinge geht – und zwar um Aktivität und Passivität.

Abgesehen davon wäre hier zu erörtern, um welchen Kampf es denn geht:


[ kämpfen, ringen = agōnizomai = Joh 18,36; 1. Korinther 9,25; 2. Tim 4,7; Kol 1,29; Kol 4,12; Lk 13,24; 1. Tim 6,12 ]

[ kämpfen, streiten, tun (Kriegsdienste und Kriegsleute) = strateuomai = 2. Kor 10,3; 1. Tim 1,18; Jak 4,1; 1. Petr 2,11; 1. Kor. 9,7; 2. Tim 2,4; Lk 3,14 ]


Ich nehme jetzt Bezug auf meine Äußerung zu 2. Tim 2,3.5 und möchte dies in Verhältnis zu dem einen Vers ansprechen, den Du zuletzt im Komplex von 1. Korinther 9,24-27 zitiert hast und zwar meine ich den Vers in 1. Korinther 9, 25 :

„Jeder aber, der kämpft, ist enthaltsam in allem; jene freilich, damit sie einen vergänglichen Siegeskranz empfangen, wir aber einen unvergänglichen.“

Demnach steht die Aufforderung, enthaltsam zu sein, im Kontext mit dem Kämpfen.

Deshalb ist also zuerst zu fragen, gegen wen wir kämpfen bzw. wo denn der Kampf stattfindet.

A)

Meine Vermutung geht in die Richtung, dass Galater 5,22 den Kampf meint, der gegenüber anderen Menschen gemeint ist – wobei dieser Kampf relativ in seinen Intensivität zu sehen ist, denn gemeint ist hier das Miteinander, welches durchaus auch ein Kampfplatz sein kann. Hinsichtlich der von Gott bewirkten Frucht des Geistes würde ich meinen wollen, dass die eigene Person hierbei passiv ist und ohne ein Dazutun die Frucht / die Früchte des Geistes empfängt.

B)

Dagegen scheinen mir die anderen Verse – insbesondere 1. Petrus 2,11 – auf einen Kampf im inneren eines Menschen hinzuweisen:

„Geliebte, ich ermahne euch als Beisassen und Fremdlinge, dass ihr euch der fleischlichen Begierden, die gegen die Seele streiten, enthaltet,“ (1. Petrus 2,11)

„sondern zieht den Herrn Jesus Christus an, und treibt nicht Vorsorge für das Fleisch, dass Begierden wach werden“ (Römer 13,14)

Nun gut, wie können wir aber den Kampf bekämpfen, der gegen die eigene Seele streitet ?

Eigentlich gar nicht, aber wir können den Kämpf zurückdrängen:

„An jenem Tag wird der HERR der Heerscharen für den Rest seines Volkes zur herrlichen Krone und zum prächtigen Kranz und zum Geist des Rechts dem, der zu Gericht sitzt, und zur Heldenkraft denen, die den Kampf zurückdrängen ans Tor.“ (Jesaja 28,5.6)

„der HERR wird zur Heldenkraft denen, die den Kampf zurückdrängen ans Tor“

Wenn wir wirklich verstehen sollten, dass der Herr ein „Gott des Rechts ist“ (Jesaja 30,18) und dass Gott unsere Kämpfe kämpft (2. Mose 14,14), so können wir unsere Sorgen auf Jesus werfen (1. Petrus 5,7).

Durch ein geschultes Herz und „die infolge der Gewöhnung geübten Sinne“ (Hebräer 5,14) befähigen uns, nicht nur zur Unterscheidung des Guten wie auch des Bösen, sondern auch den Kampf zurückzudrängen ans Tor – das Tor der Gerechtigkeit – denn alle Kämpfe in uns spielen im Bereich der Selbsterkenntnis ab.

Bin ich so sehr gerecht, dieses oder jenes zu bekommen, dieses oder jenes zu beanspruchen, dieses oder jenes zu verlangen ?

„Denn das Fleisch begehrt gegen den Geist auf, der Geist aber gegen das Fleisch; denn diese sind einander entgegengesetzt, damit ihr nicht das tut, was ihr wollt.“ (Galater 5,17).

Aber:

„Und die Fürsten von Juda werden in ihrem Herzen sagen: Die Bewohner von Jerusalem sollen Stärke nur in dem HERRN der Heerscharen, ihrem Gott, haben.“ (Sacharja 12,5)

Demnach wieder ein Problem, der schwachen Gemeindeleiter, die versäumt haben, auf Gott hinzuweisen.

„mit meinem Recht werde ich sie weiden“ (Hesekiel 34,16)

Aber:

„Ja, ich kenne eure vielen Verbrechen und eure zahlreichen Sünden. - Sie bedrängen den Gerechten, nehmen Bestechungsgeld und drängen im Tor den Armen zur Seite“
(Amos 5,12.13)

„ … und drängen im Tor den Armen zur Seite “

Die Verbrecher von gestern sind die Fundamentalisten von heute, die meinen bibeltreu zu sein, aber keine Ahnung vom Wort Gottes haben. Angebliche Christen, die vergessen ihren Brüdern zu helfen !

„Und dieses Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben soll.“
(1. Johannes 4, 21) – „ … in Tat und Wahrheit ! „ (1. Johannes 3,18).
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Gast

Beitragvon Gast » 04.08.2009 08:22

PvE hat geschrieben: In Eph 3,17 heißt es wörtlich: "...daß Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen und ihr durch die Liebe eingewurzelt und gegründet werdet,..."
Guten Morgen,
ich merke, daß in diesem thread durch meinen Einwand zwei Dinge parallel laufen. Von daher brechen wir das vielleicht ab oder eröffnen einen neuen thread.
Nur kurz zu Deinem Vers: dieses Zitat wird von Kaiser gebraucht, um zu erklären, daß Jesus eben nicht im Herzen wohne. Tatsächlich sitze er zur Rechten des Vaters. Dazu habe ich zwei Einwände:

Erstens: Für mich klingt das ungefähr so: wenn Jesus zur Rechten des Vaters sitzt, kann er also nicht in mir sein. Das mag von der Logik her richtig sein. Baal war ja laut Elia auch "beiseite" gegangen und man mußte ihn rufen. Unser Gott ist aber überall. Er ist immer bei mir, alle Tage, bis an der Welt Ende. Er ist allgegenwärtig. Darum kann HP Royer in seinem Buch "Nach dem Amen bete weiter" auch etwas salopp behaupten, er gehe mit Jesus spazieren und habe dann mit ihm Gemeinschaft. W. Busch antwortete einmal auf Juri Gagarins blödsinnige Aussage, er habe Gott im Weltall nicht gesehen also gäbe es ihn wohl nicht: zu dumm, Gott wäre ja hier. Jesus ist überall. Ok, die Schrift sagt: ich bin BEI Euch... strenggenommen also nicht IN uns.

Zweitens: Nun gibt es aber noch den Tröster, den er senden wird. Und eben: von dem finde ich etliche Stellen, die mich glauben machen, er sei IN uns- wie auch immer ich dieses göttliche Geheimnis erklären soll. Wer ihn HAT, der ist Christi. wer ihn nicht HAT, der ist nicht sein.
ER wirkt IN mir Wollen, Vollbringen, Sehnsucht nach Gott, Haß auf die Sünde, Drang zur Bruderliebe, den Willen zur Enthaltsamkeit (wo vorher nur Wille zur Triebbefriedigung war). Oliver, wenn ich ehrlich bin, dann hat reines ERKENNEN überhaupt keine Kraft, mich enthaltsam zu machen. Dann habe ich wohl den Willen, das Gute zu tun, aber die Kraft nicht (Typische Römer-7- Situation). Oh ich elender Mensch!
Nu aber genug threadstörung, lieber Joschie.
Ich finds aber wichtig, mal darüber auszutauschen.
M.

P.S.: ich verweise noch auf den Kommentar zum NT von William MacDonald und dem, was er über Rö 7-8 schreibt und einen Artikel von Hudson Taylor: Das ausgetauschte Leben.
Zuletzt geändert von Gast am 04.08.2009 10:57, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Joschie » 04.08.2009 08:29

Hallo Mephiboscheth
Ich finde den Austausch sehr wichtig.Ich bin der Meinung das der Thread nicht geteilt werden muß. :idea:
Liebe Grüße Joschie
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Beitragvon PvE » 04.08.2009 12:50

Hallo Mephiboscheth,

wie gesagt werde ich mich noch weiter mit der Materie befassen um dann noch einmal auf die Sache zurück zu kommen.

Übrigens habe ich gesehen, dass das komplette Kapitel (24 Seiten) über Schwärmerei (gerade in diesem Kapitel geht es thematisch um die Innewohnung des Geistes als wirksame, verändernde Kraft im Leben) online verfügbar ist:

http://www.betanien.de/verlag/material/ca-leseprobe.pdf

Bis dahin mal.

Gruß
Oliver

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Beitragvon Joschie » 12.08.2009 09:31

Hallo Ihr
Wenn Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit zu einen christlichen Charakter zählt,was noch :?:
Gruß und Segen vo $:P n Joschie
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Beitragvon Joschie » 18.08.2009 08:30

Zählt das erringen von Selbstbeherrschung, Enthaltsamkeit zu einen christlichen Charakter gleich Heiligung ??! ??! ??!
Gruß Joschie
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