Stellen wir uns nicht so an

Aktuelle Entwicklungen und Vorkommnisse in der Christenheit

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Joschie
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Stellen wir uns nicht so an

Beitragvon Joschie » 23.01.2009 08:43

Stellen wir uns nicht so an

Ein Gespenst geht um in Europas christlichen Kreisen - das Gespenst der von atheistischen Horden finanzierten Werbebussen, auf denen die verdammenswerte Botschaft steht: "Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Hört auf, auch zu sorgen und genießt das Leben." Millionen von Menschen im christlichen Europa werden diese Botschaft lesen und sofort ihren Glauben über Bord werfen - jedenfalls, wenn man bestimmten christlichen Magazinen, Zeitschriften und Rundfunksendern glaubt.

Schon werden Gegenmaßnahmen überlegt und unternommen: Klagen vor Gericht, Busse mit christlichen Botschaften etc. sind der Anfang. Und es ist nur eine Frage der Zeit, wann es zu den ersten Ausschreitungen kommt, die z.B. durch ähnliche Busse vor dem Vatikan provoziert werden sollen.

Und es ist schon eine gelungene Provokation, diese Aussage - trotz des einschränkenden "wahrscheinlich". Und natürlich ist diese Aussage auch nicht gegen alle Religionen gerichtet, sondern dezidiert gegen die christliche. Denn kein Atheist käme auf die Idee, durch London Busse mit der Aufschrift "There is no Allah" oder "Buddah sucks" zu senden - das wäre politisch inkorrekt, und die Reaktion könnte "wahrscheinlich" noch deutlicher ausfallen als die der Christen. Da vermeidet man lieber eine Bezeichnung für Gott, die von anderen Religionen als Angriff verstanden werden könnte, man demonstriert seinen Atheismus lieber vor dem Vatikan als vor der Kaaba - denn da könnten die Reaktionen leicht überzogen sein.

Aber ganz im Ernst: Ist unsere Reaktion als Christen nicht genauso überzogen? Das Rauschen im christlichen Blätterwald wertet diese Aktion gewaltig auf - mehr als sie es verdient. Und je mehr wir uns aufregen, um so mehr reagieren auch Zeitschriften wie Spiegel, Focus und Stern mit klammheimlicher Freude über die Christen, die mal wieder eins ausgewischt bekommen.

Dabei gehen die Reaktionen aus christlichen Kreisen von einigen - sagen wir mal: irrigen - Voraussetzungen aus:
- Die erste Voraussetzung ist, dass es ein christliches Europa gibt. Diese Voraussetzung wird immer genau dann herangezogen, wenn es uns nutzt - ansonsten wird immer wieder (jedenfalls von evangelikaler Seite) betont, dass ja nur 0,5% in Europa wirklich Christen seien (oder 1,3 oder 2,1 - wie auch immer, eine schön niedrige Zahl).
- Die zweite Voraussetzung ist, dass jede kritische Äußerung über die Christenheit oder den Glauben gleich eine Gefahr sei. Gerade in diesem Fall sehe ich hier eher eine Chance statt einer Gefahr: Der medienrechtliche Eiertanz der ach so aufgeklärten Atheisten, die sich aus rechtlichen Gründen um eine klare Aussage gedrückt haben, ist für offene Gespräche eine Steilvorlage.
- Die dritte Voraussetzung ist der Glaube an solche Slogans. Ganz im Ernst: Die meisten Leser dieses Spruches werden allerhöchstens schmunzeln - oder sich sagen: Ihr habt gut reden - ich habe Sorgen, und da hilft mir so ein Spruch gar nicht. Denn seien wir ehrlich: Der Slogan ist die Antwort auf eine Frage, die sich kaum ein Mensch stellt.

Hören wir auf, uns verrückt zu machen. Hören wir auf, bei jedem atheistischen Flatus gleich einen Giftgasangriff auf den Glauben zu vermuten. Hören wir lieber auf Gott, der sowohl uns als auch sie in Händen hält und der schon mehr Atheisten zum Glauben bekehrt hat als alle Atheisten der Welt Menschen zum Unglauben.

Quelle: http://glaubensstimme.blogspot.com/2009 ... ht-so.html
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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