Zwei verschiedene Evangelien?

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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H.W.Deppe
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Zwei verschiedene Evangelien?

Beitragvon H.W.Deppe » 06.04.2009 14:38

Unter manchen Christen ist die Auffassung verbreitet, man müsse zwischen einem „Evangelium des Reiches“ und einem „Evangelium der Gnade“ unterscheiden.

Ich habe dazu einen Artikel online gestellt:
http://www.betanien.de/verlag/material/ ... php?id=127

Ich würde mich freuen, wenn an dieser Stelle Ergänzungen, Korrekturen, Kommentare, Gegenargumente etc. beigetragen würden.
"Der Prophet, der einen Traum hat, erzähle den Traum! Wer aber mein Wort hat, rede mein Wort in Wahrheit! Was hat das Stroh mit dem Korn gemeinsam? spricht der HERR." (Jer 23,28)
Lasst uns bei dem bleiben, was geschrieben steht! Sola Scriptura!

Gast

Beitragvon Gast » 06.04.2009 20:24

Hallo H. W. Deppe,

es kann nur ein "Evangelium" geben, würden wir an zwei Glauben dann würde wirklich das Wort von Paulus an die Galater uns Treffen...

Aber es gibt nach wie vor die zwei Leuchter... die Juden (das irdische Volk Gottes) und die aus den Heiden (das Himmlische Volk Gottes) - welche eins sind in Jesus Christus zusammengefügt zu einem neuen Menschen...

Oder gibt es das Volk Gottes der Juden nicht mehr ?

Da können sich sicher auch manch falsche Sichtweise einschleichen...

Gast

Beitragvon Gast » 06.04.2009 20:26

Arne hat geschrieben:
Aber es gibt nach wie vor die zwei Leuchter... die Juden (das irdische Volk Gottes) und die aus den Heiden (das Himmlische Volk Gottes) - welche eins sind in Jesus Christus zusammengefügt zu einem neuen Menschen...



IN DER GEMEINDE ZU EINEM NEUEN MENSCHEN ZUSAMMENGEFUEGT :!: :!: :!:

In der Gemeinde, im Glauben an Jesus Christus!

Gott hat nur ein Volk.

Gast

Beitragvon Gast » 06.04.2009 21:12

Das Problem ist m.E. nicht so einfach und kurz zu beantworten. Die Juden haben die Verheißung, die Heiden nicht (Eph.2). Folglich erwarteten die Juden, dass eben nur innerhalb der Verheißungslinie (dem jüdischen Kontext) sich die Verheißung erfüllt. Genau das aber ist nicht erfüllt, sondern wir haben Juden, die im jüdischen Kontext die Erfüllung der Verheißung (neuer Bund) bekamen als auch Heiden, die ohne Verheißung eben auch diesen (auch neuen Bund genannt) Stand erreichen.
Es gibt nur ein Heil, jedoch es gibt den Weg der Juden (aus dem jüdischen Kontext) zum Heil als auch den Weg der Heiden außerhalb des jüdischen Kontexts.

Leider, und darin sehe ich den Hauptirrtum des Dispensionalismus, hat man diesen unterschiedlichen Weg zu 2 Evangelien hochgedeutet, ohne zu bedenken, dass es um ein Evangelien in 2 unterschiedlichen Kontexten handelt.

Das, was noch mehr zu einem Problem für viele ist, dass man behauptet hat, dass Juden, wenn sie das Heil in Christus haben, dann nicht mehr Juden sein müssten (also das gesamte Gesetz lassen sollten). Dazu finden wir im Wort nichts, sondern vielmehr 2 deutliche Beispiele des Paulus, dass dem nicht so ist (Beschneidung Timotheus als auch Gelübde in Apg.). Genauso absurd ist es, wenn man verlangt, dass Heiden dann jüdisch werden müssen, um das Heil komplett zu bekommen (siehe 2. Kor. Galaterbrief usw.).

Der Irrtum bei Hans Werner ist m.E. darin, dass er meint, dass das jüdische mit der Gemeinde völlig beendet sei. Dem ist m.E. nicht, sondern die Erfüllung vieler Verheißungen stehen eben noch aus. Doch dies ist ein Weg des irdischen Volkes Israel, nicht der Gemeinde aus Heiden und Juden.

Jedoch ist der Artikel von Hans Werner sicherlich zutreffend und die Behauptung dieser 2 Evangelien (auch das Thema des verworfenen Christus bei den Juden) gut dargestellt.

Robert
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Beitragvon Robert » 07.04.2009 08:36

Auch ich stimme dem Artikel von Hans Werner zu, aber wir müssen doch erkennen, wie sehr menschliches theol.Denken in die Aussagen der Bibel ( hier von Dispensionalisten) hineingedeutet werden.
Klar ist, daß es NIE zwei Wege zu Gott gegeben hat, also zu keiner Zeit.
Es konnte und kann NIE zwei unterschiedliche Evangelien geben.
Aber daß Gott einen besonderen irdischen ( nicht Heilsweg!) Weg mit SEINEM Volk Israel geht, ist auch deutlich in der Schrift zu erkennen.
Wer die AT Prophetien über die Zukunft Israels als veraltet abtut, verkennt die Treue Gottes zu diesem Volk.
Wer die Rückkehr Israels nur auf die Zeit nach dem babyl.Reich beschränkt, übersieht, daß nur ganz wenige Israeliten tatsächlich zurückkamen , das ist unmöglich die echte Rückkehr ins Land ALLER Stämme , wobei die Grenzen des Landes ( Mosebuch) nie erreicht wurden und dann erreicht werden.
Die Fragen, die sich aus dem kommenden 1000 igen Reich ergeben, können wir nicht beantworten und sollen es auch nicht versuchen ( wo sind die Entrückten, wo ist Christus usw.).

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Enrico
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Beitragvon Enrico » 10.04.2009 09:05

Interessant ist übrigens dass auch im alten Testament selbst vom Grundtext her immer von "Gemeinde" gesprochen wird... :wink:

die orthodoxen Juden tun deswegen immer uns Christen belächeln wenn wir das Wort "Gemeinde" für die Christen selbst beanspruchen.

Nicht umsonst steht ja in der Bibel im neuen Testament dass wir eingepropft sind.

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 11.04.2009 08:26

Hallo Enrico
Würdest du deine Aussagen bitte belegen :!:
Gruß Joschie
Tod, wo ist dein Stachel? Totenreich, wo ist dein Sieg? 1Kor 15,55

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Enrico
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Beitragvon Enrico » 11.04.2009 17:56

Hallo lieber Joschie,

hierzu ist es notwendig wenn du dir eine Textübersetzung des alten Testaments von möglichst orthodoxen Juden selbst besorgst.
Ich habe so eine.

Übersetzer:Naftali Herz Tur-Sinai

Nach einem kurzen Studienaufenthalt in Berlin wurde Tur-Sinai Lehrer am neu gegründeten hebräischen Gymnasium in Jerusalem (1910–1912), Privatdozent für semitische Sprachen an der Wiener Universität (1912–1919) und Dozent an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums in Berlin (1919–1933). In dieser Zeit entstand die erste Auflage seiner Übersetzung der Hebräischen Bibel. Ab 1933 wirkte Tur-Sinai an der Hebräischen Universität Jerusalem. Als Professor für Hebräisch galt er nach Gründung des Staates Israel 1948 als einer der besten Kenner der hebräischen Sprache in Israel.


Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Tur-Sinai

Dieser Mann war kein Christ, auch kein messianischer Jude.

Besagtes altes Testament die sogenannte "Hebräische Bibel" kannst du hier bestellen:
http://www.amazon.de/Bibelausgaben-Die- ... 3775120408

Immer dann wenn wir im AT lesen von Kinder Israels und Volk Gottes ect... steht dort "die Gemeinde des Ewgen" oder nur "Gemeinde" oder "Kinder des Ewgen die Gemeinde" oder "die Gemeinde der Kinder Israels"

Und Tur Sinai hat wahrlich extra die jüdischen Traditionen berücksichtigt.

Als Kenner des Talmuds ließ sich Tur-Sinai bei der Übersetzung bewusst von traditionellen jüdischen Auslegungen leiten.


Aber du kannst auch herkömmliche Übersetzungen hernehmen.
Gebe dazu in der Suchmaske auf der Webseite :

http://www.bibel-online.de

das Wort : Gemeinde ein.

Dann kannst du schaun wieviele oder wie oft dies Wort "Gemeinde" auch schon im alten Testament drinsteht.

Hiermal ein kleines Beispiel:

und versammle die ganze Gemeinde vor die Tür der Hütte des Stifts. (3. Mose 8 vers 3)


Aber wie ich ja zuvor schon schrieb, nicht umsonst schreibt der Apostel Paulus dass wir selbst die wir zuvor Heiden waren nun eingepropft sind., aber Gott kann die "Ausgebrochenen" durchaus wieder einpropfen in ihren natürlichen Ölbaum.

Denn so du aus dem Ölbaum, der von Natur aus wild war, bist abgehauen und wider die Natur in den guten Ölbaum gepropft, wie viel mehr werden die natürlichen eingepropft in ihren eigenen Ölbaum
(Römer 11 vers 24)

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Beitragvon PDVoth » 27.04.2009 13:33

Also ich sehe diese Sache hier nicht ganz so einfach.
Ein Wort zu HW Deppe:

In Römer 11 können wir doch ganz klar nachlesen dass erst, nachdem die Vollzahl der "Heiden" eingegangen sind, die Verstockung der Juden aufghoben ist. Warum bestreitest du das? Selbst J. MacA bestreitet das nicht.

Gast

Beitragvon Gast » 27.04.2009 13:55

PDVoth hat geschrieben:
In Römer 11 können wir doch ganz klar nachlesen dass erst, nachdem die Vollzahl der "Heiden" eingegangen sind, die Verstockung der Juden aufghoben ist.


Nein, das steht da nicht. Kann so klar nicht sein wie du meinst.

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Beitragvon PDVoth » 27.04.2009 22:02

Nein, das steht da nicht. Kann so klar nicht sein wie du meinst.


Römer 11, 25 (die 2te hälfte):
"...Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis die Vollzahl der Heiden eingegangen ist."

Gruß
Peter

Gast

Beitragvon Gast » 28.04.2009 08:07

PDVoth hat geschrieben:
Nein, das steht da nicht. Kann so klar nicht sein wie du meinst.


Römer 11, 25 (die 2te hälfte):
"...Israel ist zum Teil Verstockung widerfahren, bis die Vollzahl der Heiden eingegangen ist."

Gruß
Peter


Roemer 11,25 beschreibt nicht eine zeitliche Abfolgen nach dem Motto:

1. Jetzt sind die Juden verstocket und nur Heiden werden bekehrt.
2. Irgendwann werden alle Heiden bekehrt sein.
3. Dann wird die Verstockung aufgehoben.
4. Dann bekehren sich viele Juden.


Das "bis" bedeutet waehrend. Vers 26 beginnte nicht "und dann" sondern "und so", d.h. auf diese art und weise.

Aus der Wuppertaler Studienbibel:

Das »bis« zeigt an;
a) dass dies göttliche Verhärten anhält, solange die Mission durch die Völker läuft, ja damit sie läuft. Durch dieses Verhärten widerfährt ja auf der anderen Seite den Heiden das Heil, wie Paulus V. 11 erklärt hatte;
b) zugleich gilt umgekehrt: Die Völkermission hält an um Israels willen bis ans Ende dieser Zeit, und zwar als Treuezeichen für Israel und Ansporn zur Rettung von Juden, wie Paulus V. 13-14 den Heiden ausdrücklich versicherte (vgl. 10,19; 11,11). So geht »jetzt in dieser Zeit«A der Strom der Gnade hinüber und herüber. Keine Barmherzigkeit für die Heiden ohne Israel, keine Barmherzigkeit für Israel ohne die Heiden, »damit er sich aller erbarme« (V. 32).
......(und zu Vers 26)......
Jetzt legt Paulus das ganze »Geheimnis« frei. Unter der dargestellten göttlichen Doppelstrategie geschieht ein Drittes. Dieses begann schon damals und ist noch heute im Gange. Aber erst mit dem Ende der Missions- und Gnadenzeit wird es vollendet sein. Darum wechselt Paulus jetzt in die Form der Zukunft: und so wird ganz Israel gerettet werden. Ein typischer Ergebnissatz! Mit und soA knüpft er an die soeben beschriebene Verfahrensweise Gottes an. Gott wird also im Rahmen der Weltmission zum verheißenen Ergebnis führen: »Ganz Israel wird gerettet werden«.

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Beitragvon H.W.Deppe » 30.04.2009 13:09

PDVoth hat geschrieben:Also ich sehe diese Sache hier nicht ganz so einfach.
Ein Wort zu HW Deppe:

In Römer 11 können wir doch ganz klar nachlesen dass erst, nachdem die Vollzahl der "Heiden" eingegangen sind, die Verstockung der Juden aufghoben ist. Warum bestreitest du das? Selbst J. MacA bestreitet das nicht.


Tut mir leid, aber in meiner Bibel habe ich immer noch nicht die Stelle gefunden, wo angeblich steht, dass die teilweise Verstockung der Juden aufgehoben wird. In Röm 11,25.26 lese ich das jedenfalls nicht.

Grüße, Werner
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Beitragvon PDVoth » 01.05.2009 12:19

Hallo Werner,
vielleicht schaust du mal in der Schlachter 2000 nach und dann vielleicht noch den Kommentar in der JMA-Study-Bible (die du ja mitübersetzt hast:)

PDVoth
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Beitragvon PDVoth » 01.05.2009 12:22

An den "GAST", wir sind uns doch vollkommen einig. Die Wuppertaler Studienbibel spiegelt genau die biblische Wahrheit wieder, die ich vertrete. Ich weiss nicht warum du mir wiedersprichst.

Bis die "erwählte" Volzahl der Heiden eingegangen ist!
Dann wird das bestehende Israel GANZ gerettet werden!

Gruß
Peter


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