DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt mit den Worten

Nur für Gläubige, die die fünf Punkte des Arminianismus ablehnen

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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage.14)

Beitrag von Joschie »

Frage 14. Kann aber irgend eine andere oder bloße Kreatur für uns bezahlen?

„In dieser Frage werden zwei Stücke erörtert: 1. warum keine andere, und 2. warum keine bloße Kreatur oder Geschöpf für uns bezahlen kann?

1. Gott will die Schuld an keiner andern Kreatur strafen, die der Mensch verschuldet hat. Hebr. 2,11. Denn sie alle von Einem kommen, beide, der da heiliget und die da geheiliget werden, d. i. sie müssen eines Fleisches und Blutes sein und also einerlei Todes sterben können, wie der Apostel solches auf Christum zieht, das. V. 14.16.17. Nachdem die Kinder Fleisch und Blut haben, ist Er’s gleichermaßen teilhaftig geworden usw. 1. Mos. 2,17 sagt Gott zu unsern ersten Eltern im Paradies: Welches Tages du davon (von der verbotenen Frucht) essen wirst, wirst du, Mensch, des Todes sterben.

2.
Kann keine bloße Kreatur die Last des ewigen Zornes Gottes wider die Sünde ertragen und andere davon erlösen. Ps. 49,8.9. Kann doch ein Bruder niemand erlösen, noch Gott jemand versöhnen. Ps. 130,3. So du willst Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? Jer. 4,4. des Herrn Grimm fährt aus wie Feuer und brennet, dass niemand löschen mag.“ Gel. de Bouma.
„Sollte man’s aber mit lebendigen Opfertieren nicht können gut machen? So träumten die
fleischlichen Juden. Aber ganz anders lehrt uns die H. Schrift: Hebr. 10,4; Ps. 40,7; Ps. 50,9-13. Mich. 6,6.7. – Sollten denn die Engel nicht tun können? Nein; denn: 1. Ein Engel ist ein endliches Geschöpf und hat demnach keine Kraft noch Vermögen, Gottes Zorn wider die Sünde zu tragen.

2. Ein Engel hat keinen menschlichen Leib, und kann folglich die Strafen für den Sünder, d. i. alles leibliche Leiden und den Tod nicht tragen.

3.
Er kann auch nicht unterworfen sein noch genugtuen dem Gesetz der Liebe des Nächsten.“ Joh. d’ Outrein
.
Kann aber die sog. Mutter Gottes, der h. Petrus oder Bartholomäus für uns bezahlen, da ja die Heiligen, wie die römische Kirche lehrt, überflüssige gute Werke haben? Nein, denn sie sind selbst Sünder und bedürfen der Genugtuung für sich. Wer kann allein erlösen? Christus.
Kohlbrügge.
Gegen Wallfahrtsstätten, Ablässe u. dgl. schreibt Zwingli: Wer dem Menschen die Macht, Sünden zu vergeben, zuschreibt, schmähet Gott. Denn die Abgötterei hat daher diesen Namen, weil sie die göttliche Ehre dem Menschen zuschreibt, oder der Kreatur das gibt, was allein Gottes ist.
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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 15.)

Beitrag von Joschie »

Frage.15 Was müssen wir denn für einen Mittler und Erlöser suchen?
Einen solchen, der ein wahrer und gerechter Mensch und doch stärker als alle Geschöpfe, also auch wahrer Gott ist.

Zu dieser Frage macht Olevian selbst in seinem Festen Grund christlicher Lehre folgende Bemerkung: Dieser (Mittler) aber ist Jesus Christus, um unsertwillen gekreuzigt und zu unserer Gerechtigkeit wieder auferstanden, welcher der einzige Weg zum ewigen Leben ist, den Gott selbst von Anfang dem armen verlorenen Menschengeschlechte aus dem Himmel offenbaret hat. Der barmherzige Vater hat nicht gewartet, bis der Mensch käme und Gnade begehrte, sondern ist demselben, der vor ihm floh, selbst entgegengegangen und hat ihm aus lauter Barmherzigkeit verheißen, dass er ihn wieder zu Gnaden annehmen und zurecht bringen wolle. Diese Verheißung geschah erstlich dem Adam: Ich will Feindschaft setzen usw. 1. Mos. 3,15. Danach noch klarer dem Abraham und seinen Nachkommen: In deinem Samen sollen gesegnet werden alle Völker der Erde. 1.Mos. 22,16-18. Endlich auch dem David. Ps. 89. Daher auch Christus, um der Verheißung willen, die dem David gegeben worden, ein Sohn Davids genannt wird. Dieser von Gott verheißene und nunmehr in die Welt gesandte Heiland ist Christus Jesus, wahrer gerechter Mensch und zugleich stärker als alle Kreaturen, das ist, wahrer ewiger Gott, der sich ans Kreuz zum Opfer gegeben hat zur Bezahlung für alle unsere Sünden. Von ihm gibt der Vater selbst Zeugnis aus dem Himmel: Dies ist mein lieber Sohn usw. Matth. 3,17 und 17,5. Und Christus bestätigt dies Zeugnis des Vaters, da er spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Joh. 14,6.
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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 16 und 17.)

Beitrag von Joschie »

16. Frage: Warum muss er ein wahrer und gerechter Mensch sein?
Die Sünde wird von den Menschen begangen, darum verlangt Gottes Gerechtigkeit, dass ein Mensch für die Sünde bezahlt; wer aber selbst ein Sünder ist, kann nicht für andere bezahlen.

17. Frage: Warum muss er zugleich wahrer Gott sein?
Nur wenn er zugleich wahrer Gott ist, kann ein Mensch die Last des Zornes Gottes ertragen und uns die Gerechtigkeit und das Leben erwerben und wiedergeben.

Warum Christus ein wahrer und gerechter Mensch, und zugleich wahrer Gott sein musste.
Die menschliche Natur, die gesündigt, muss auch für die Sünde bezahlen. Das kannst aber du, Kreatur, in Ewigkeit nicht! Wir machen vielmehr die Schuld noch täglich größer; und doch muss unsere, die menschliche Natur, bezahlen. Da kommt nun Christus vom hohen Himmel herab, von dem Vater gegeben. Er wird bekleidet mit unserer Natur, ist um und um ein Mensch wie wir, doch ohne Sünde um und um ein Mensch wie wir, um zu empfinden, was die Menschen empfinden, namentlich das fürchterliche Elend menschlicher Natur in aller Feindschaft wider Gott, in allerlei Lästerungen und Laster und Greul. Er geht in dieser Natur einher, um ein barmherziger Hoherpriester zu werden, welcher Mitleiden haben könnte und Mitleiden hat, wahrhaftig allein Mitleiden hat mit einem armen Menschenkind, so versunken, wie es da liegt in Sünde und Schande. Er ist der David, welcher Alles wiederbringt, was der Feind geraubt hat, so dass Nichts fehlt. Er geht einher in unserer menschlichen Natur, um Gott Genugtuung zu bringen für sein Gesetz, für seine Ehre, ihm einen völligen Gehorsam zu bringen, obschon er von Allem entkleidet ist. Kohlbrügge.
„Christus musste wahrhaftiger Mensch sein:
1. Um demselben Gesetze unterworfen zu sein, welchen wir unterworfen sind, demselben Gesetz den Gehorsam zu leisten für uns, d. i. an unserer Statt. Sein Gehorsam war derselbe, welchen das Gesetz von uns fordert. Christus hat nicht ein anderes Gesetz gehabt. Sein Gehorsam musste ein derartiger sein, dass er uns konnte zugerechnet werden. Vergessen wir es doch nie auch wo wir an Christi Geburt denken, dass Er in allen Stücken unser Stellvertreter geworden ist. Das Gesetz fordert nicht allein, dass die Strafe der Übertretung wegen getragen werde, es bleibt auf vollkommenem Gehorsam bestehen.
2. Um die Strafe zu tragen, die wir verdient. Wie Gott gesagt: Am Tage, da du davon issest, wirst du des Todes sterben.
3. Gottes Gerechtigkeit lässt es nicht zu, dass eine Natur, die mit der Natur, welche gesündigt, nichts gemein hätte, die Strafe trüge. Dies ist das Recht des Gesetzes, dass die Natur, welche gesündigt, auch für die Sünde Genugtuung bringe und gestraft werde.
4. Die Sünde musste in dem Fleische hingerichtet und zunichte gemacht werden.
5. In den Dingen, die zwischen Gott und Menschen zu tun waren, musste er ein wahrer Hoherpriester sein. Ein solcher wird aus den Menschen genommen. Hebr. 5,1.
6. Dass er wahrer Mensch sein sollte, war im Paradiese verheißen worden.

Christus musste ein heiliger und gerechter Mensch sein:
1. Falls ihm der geringste Flecken angeklebt hätte so hätte er für sich selbst zu bezahlen gehabt.
2. Niemals hätte dann menschliche Natur in die göttliche der Person des Sohnes Gottes können aufgenommen werden.

Christus musste zugleich wahrer Gott sein.
1. Wenn die Missetat muss erkannt und bekannt werden, alle Sünden aller Menschen, der ganzen Welt Sünde, die ganze Verdorbenheit unserer Natur. Er, der diese kennt, erkennt und bekennt actu simplici,1 Er muss zugleich Gott sein. Bleibt eine einzige Sünde nicht anerkannt, so ist die Bezahlung unvollkommen.
2. Die ganze Last des Zornes Gottes, der zeitliche, geistliche und ewige Tod muss getragen werden. Dies übersteigt jede erschaffene Kraft. Das weiß ein jeder für sich selbst, der Gottes Zorn gefühlt. Wie denn nun, wenn der Zorn gegen alle Sünden aller Auserwählten soll getragen werden! Der solche Last des Zornes trägt, muss Gott gegenüber Gott sein.
3. Es muss eine vollkommene Wiederbringung des Verlorenen und Verdorbenen, ein vollkommener Ersatz des erlittenen Schadens da sein, eine restitutio in integrum (eine Wiedereinsetzung in den vorigen Stand), ja mehr noch denn das. Denn es genügt nicht, wenn das Debet bezahlt wird. Auf diese Weise würden wir arm geblieben sein. Wenn ich jemandes Schulden vollkommen für ihn bezahle und ihn nicht zugleich in so viele oder mehr Güter setze, als er verloren hat so sind seine Schulden wohl bezahlt, er hat keine Schulden mehr, aber er kann nicht leben. Die Gerechtigkeit und das Leben müssen uns erworben und wiedergebracht werden, und zwar mit Überfluss, auf dass in diesem Wege des Rechts alle Tugenden und Vollkommenheit Gottes verherrlicht werden. In Adam war alles endlich. Es muss ein Gehorsam, eine Gerechtigkeit da sein, welche von unendlichem Wert ist und in deren Besitz ich gestellt werde. Christi Gehorsam verherrlicht Gott mehr, als wenn das Gesetz durch Adam und uns nie wäre geschändet worden. Nunmehr haben wir mehr, als wir in Adam hatten vor dem Fall. Indem Christus unser wahrhaftiger Gott und das ewige Leben ist, so ist es nunmehr alles ewig, was wir haben. Durch unsere Gemeinschaft mit Christo – ewige Gerechtigkeit, ewiges Leben in Christo Jesu. Unser Leben ist nunmehr herrlicher, denn das Adams und der Engel.
Durch einen einfachen Akt.
a) Die menschliche Natur Christi ist durch die göttliche unterstützt worden, den ewigen Zorn zu tragen.
b) Es ist hier allerlei Mitteilung geschehen von Gaben, Wirkungen und Eigenschaften beider Naturen.
c) Christus als Bundeshaupt und Stellvertreter heißt Immanuel – Gott mit uns.
d) So hat alles, was er für uns getan, einen unendlichen Wert, eine ewige Geltung und Wirkung.
(Aus Kohlbrügges Manuscr.)
„Nur einen Hafen des Heiles gibt es für unsere Seelen“, ruft der für den Herrn gewonnene jugendliche Calvin in Paris aus, „und der ist die Barmherzigkeit Gottes, die uns in Christo dargeboten wird. Denn in ihm sind alle Stücke unserer Seligkeit zu Erfüllung und Wesen geworden. Die eine Gerechtigkeit Christi hat uns alle, die wir durch unsere Sünden alle verloren vor Gott sind, errettet.“
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 18.)

Beitrag von Joschie »

18. Frage: Wer ist denn dieser Mittler, der zugleich wahrer Gott und ein wahrer, gerechter Mensch ist?

Unser Herr Jesus Christus, der uns zur vollkommenen Erlösung und Gerechtigkeit geschenkt ist.

Weil denn die Feindschaft zwischen Gott und dem sündhaften und unbußfertigen Menschen dergestalt beschaffen ist, wie willkommen muss die Nachricht von Gottes Versöhnung mit den Menschen sein! Wie lieblich sind die Füße der Boten, die Frieden verkündigen, Jes. 52,6. Der vornehmste Abgesandte, der diese gute Botschaft vom Frieden mit Gott bringt, ist der, welcher denselben gemacht, nämlich der ewige Sohn Gottes, der aus unendlicher Barmherzigkeit gegen den schuldigen und elenden Menschen sich selbst sehr genau durch die persönliche Vereinigung seiner göttlichen mit der menschlichen Natur verbunden hat. Er hat unsere Natur angenommen und die seinige uns mitgeteilt. Er ist Mensch geworden, die Schuld des Menschen auf sich zu nehmen. Denn weil der Mensch unter Gottes Gerechtigkeit lag, so musste ihm auch durch einen Menschen genug getan werden. Doch war hierzu die menschliche Natur nicht genug, deswegen er sie und ihre Schuld auch mit Gottes Natur und Kraft zusammen vereiniget, und weil die Gerechtigkeit seines Vaters, die vollkommene Genugtuung und den Tod zur Strafe für den Ungehorsam forderte, auch vollkommen genug getan hat. Pet. du Moulin der Jüngere, Londoner Hofprediger um 1690.
Der Märtyrer Aonio Paleario, welcher am 3. Juli 1570 zu Rom wegen des Bekenntnisses der Wahrheit aufgehängt und dann verbrannt wurde, wurde u. a. von den Päpstlern beschuldigt, er lehre die Rechtfertigung des Sünders durch den Glauben allein an das Verdienst Christi. Als man ihn fragte, worauf der Mensch seine Seligkeit bauen könne, antwortete er dreimal: Christus. In seinem herrlichen Büchlein: Von der Wohltat Jesu Christi des Gekreuzigten, schreibt er: Wir glauben nicht, dass die Sünde Adams, die wir ererbt haben, von größerer Wirksamkeit sei, als die Gerechtigkeit Christi, die wir gleicher Maßen durch den Glauben ererbt haben. Da es schien, der Mensch könne sich beklagen darüber, dass er ohne seine Schuld in Sünden geboren und empfangen sei durch den Fall seiner Ureltern, durch welche der Tod in allen Menschen herrschte: so ist jetzt alle Klage zum Schweigen gebracht, denn auf gleiche Weise ist ohne unsere Veranlassung die Gerechtigkeit Christi uns zugekommen, das ewige Leben durch Christum, und durch ihn ist der Tod getötet.
Gott spricht Jer. 31. Er wolle mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund machen, nicht wie der vorige gewesen ist. Mit diesen Worten will Gott dasjenige, darin der Bund des Gesetzes (oder der Schöpfung) und der der Gnade übereinstimmen, nicht aufheben, sondern will nur anzeigen, dass der neue Bund nicht auf die Kräfte und das Verdienst der Menschen, wie der alte Bund des Gesetzes, solle gegründet sein, sondern nur auf seine Gnade, welche leuchtet in dem Angesicht d. i. in dem Verdienst und in der kräftigen Wirkung Jesu Christi des Mittlers. Dieser Bund heißt auch der Gnadenbund, weil, obwohl der Gerechtigkeit Gottes durch den Tod und das Verdienst Christi genug geschehen ist, doch solches Verdienst nur aus lauter Gnade uns von Gott zugerechnet wird, uns zu erkennen gegeben und ein wahres Vertrauen auf diesen Mittler in unseren Herzen gewirkt. Solches aber geschieht alles darum, auf dass Gott dem Herrn allein und nicht den Menschen der Ruhm des großen Werkes der Erlösung zugeschrieben und Er allein dafür geehrt werde. Zum andern, auf dass unsere Herzen und Gewissen eine beständige Ruhe haben, auch Gott dem Herrn mit Freuden zu dienen sich ganz und gar ergeben. Dagegen wenn der Gnadenbund auf der Menschen Verdienst und Kräfte gegründet wäre und nicht auf die lautere Gnade und das Verdienst und die kräftige Wirkung des Seligmachers Christi, so wäre er nicht ein Gnadenbund, würde auch Gott die Ehre unseres Heils nicht allein zugeschrieben, und wir könnten nimmermehr unseres Heils gewiss sein, würden uns auch nimmermehr mit einem rechten Eifer Gott in unserm ganzen Leben zu dienen begeben. B. Textor.
Christus Jesus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit und Gerechtigkeit, zur Heiligung und Erlösung. 1. Kor. 1,30. Vgl. Fr. 60.
Karl Otto Jacobi, gest. den 11. Juli 1705 als Zentgraf zu Steinau an der Straße, tröstete sich auf seinem Totenbette besonders an dem Worte des Apostels 1. Tim. 1,15: das ist je gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort, usw. erwählte sich dasselbe auch zum Texte seiner Leichenrede.
Isaak Newton, der Begründer der mathematischen Physik, antwortete auf eine Frage: Ich bin nur von zwei Seiten sicher überzeugt, die eine, dass ich ein elender Sünder bin, die andere, dass Jesus Christus mich von aller meiner Sünde erlöst hat. Dieses ist die Summe aller rettenden Wissenschaft, und der ist wohlberaten, der sie sich zu Herzen nimmt.
Zuletzt geändert von Joschie am 07.07.2023 16:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Joschie
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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 19.)

Beitrag von Joschie »

DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 19.)

19. Frage: Woher weißt du das?

Aus dem heiligen Evangelium. Gott selbst hat es zuerst im Paradies offenbart, dann durch die heiligen Erzväter und Propheten verkündigen lassen und durch die Opfer und andere Bräuche des Gesetzes vorgebildet, zuletzt aber durch seinen einzig geliebten Sohn erfüllt.


Das Wort ‚Evangelium‘ heißt eine gute fröhliche Botschaft, dadurch ein betrübt Gewissen und geängstigte Herz wieder aufgerichtet und getröstet wird. Als Adam und Eva Gottes Zorn und Höllen Angst fühlten und ihnen Gott die Verheißung gab, dass sie aus des Teufels Reich sollten erlöset werden, war ihnen das ein Evangelium und tröstliche Botschaft, dadurch sie wieder zur Hoffnung des ewigen Lebens aufgerichtet wurden. So David, da er einen Ehebruch und Totschlag begangen und die Sünde durch Nathans Gesetzespredigt aufgewacht war und ihm Angst und Bangen machte und er von Nathan hörte: der Herr hat deine Sünde weggenommen, du wirst nicht sterben. Das war ihm Evangelium, weil er hörte, dass um des Mittlers willen ihm seine Sünde nicht soll zugerechnet werden. Darum alle Verheißungen Gottes von Christo im alten Testament, den Vätern geschehen, heißen Evangelia, aber im neuen Testament heißt man Evangelium die Erfüllung der Verheißungen Gottes, da Gott alles, was er verheißen, in Christo erfüllet hat. in welchem alle Verheißungen Gottes sind Ja und Amen (2. Kor. 1,20). Aus den Evangelien d. i. Verheißungen Gottes erkennen wir, dass der Herr Jesus der einige Mittler sei, von Gott zu unserer Erlösung verordnet. Denn da Gott im Paradies zur Schlange sagt: Ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe, und zwischen deinem Samen und ihrem Samen, derselbe soll dir den Kopf zertreten und du wirst ihn in die Fersen stechen (1. Mos. 3,15). Da verheißet er, dass er aus menschlichem Geschlecht wolle einen Menschen vom Weibe lassen geboren werden, welcher die Werke des Teufels zerstöre (1. Joh. 3,8), und weil er sagt, dass er dem Teufel sein Reich und Macht zerstören werde, so will er anzeigen, dass er zugleich wahrer Gott sein würde, denn sonst würde er den Feinden nicht stark genug sein. Diese Verheißung hat Gott immer klarer und herrlicher lassen verkündigen und ausbreiten, und saget dem Abraham zu, dass aus seinen Nachkommen sollte geboren werden, in dem alle Völker Vergebung der Sünden und Erlösung von allem Unglück sollten bekommen, und spricht: durch deinen Samen sollen alle Völker auf Erden gesegnet werden (1. Mos. 22,18). Wie er hernach dem Isaak eben dies zusagt und verheißt, dass er seinen Samen mehren wolle wie die Sterne am Himmel, und seinem Samen alle diese Länder geben (1. Mos. 26,4). Daher Jakob, der dritte Patriarch, weissagt, dass die königliche Gewalt von den Juden, Abrahams leiblichem Samen nicht würde genommen werden, noch das Sanhedrin aufhören, bis da kommen würde das Jungfrauenkind, der Schilo und rechte Augustus und Friedefürst, der alles zu einem glücklichen Ende hinaus führen werde. 1. Mos. 49,10. Diese Verheißung hat Gott hernach immer klarer lassen an den Tag geben durch die Propheten, welcher Zeugnis all anzuziehen zu lang wäre. Jesaja zeigt klar an, dass des Weibes Same, der im Paradies verheißen wurde, würde einer Jungfrau Söhnlein sein Kap. 7,14. Und im 9. Kap. sagt er V.6. deutlich, dass dieses Söhnlein würde Gottes Sohn und ein wahres Menschenkind sein und ein trefflicher König, und beschreibt sein Amt sehr herrlich und spricht: denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben usw. Wie herrlich die Propheten allenthalben von seinem priesterlichen und königlichen Amt, als des rechten Mittlers, von seiner allmächtigen Hilfe und Regierung schreiben, wäre wohl sehr nützlich und tröstlich hier anzuziehen. Im 53. Kap. Jesaia wird Christi Leiden und Sterben, und wie er durch den Tod die Schuld, die wir gemacht, bezahlet habe, so tröstlich und herrlich beschrieben, als wenn er ein Evangelist im neuen Testament wäre, und will die erste Verheißung erklären, wie die alte Schlange Christum werde in die Fersen stechen Kap. 53,3 f. Was aber die Propheten von Christo geweissagt haben, das hat Gott im levitischen Priestertum, in Opfer, Blutsprengen, Waschen, Reinigen und viel Zeremonien lassen vorbilden und deuten, wie der Mittler würde ein Opfer werden für der Welt Sünde, sein Blut vergießen und eine ewige Besprengung und Reinigung von Sünden zurichten und uns als der rechte Hohepriester zu einem königlichen Priestertum weihen und salben, dass wir vor Gott treten und unser Rauchwerk anzünden, und Gott im Geist und in der Wahrheit anrufen können und dürfen. G. Spindler.
„Alle Verheißungen des A. T. beziehen sich auch ebenso wohl auf Christum und sein Opfer, und die Menschen sind damals ebenso wohl nur durch ihn selig geworden, als unter dem neuen Testament; denn Christus ist der Eckstein, worauf sich alles stützt, und die Gläubigen des alten Bundes erwarteten ihr Heil ebenso von dem künftigen Erlöser, wie die Gläubigen des neuen Bundes von dem wirklich erschienenen es erwarten. Darum nennt auch Johannes (Offb. 13,8) Christum das Lamm, das vor Grundlegung der Welt geschlachtet ist; weil sein in der Fülle der Zeit dargebrachtes Opfer der Grund aller Gnadenbezeigung ist, sowohl vor- als rückwärts. Das Zeremonial-Gesetz deutete auf Christum, und bildete ihn und sein Erlösungswerk auf eine dunkle Weise ab. Es gab unter dem A. T. mehrere Vorbilder, sowohl Personen als Sachen. Der Priester Melchisedek, Moses, David, Salomo, Jonas waren Vorbilder Christi. So auch das Manna, die eherne Schlange, die Moses errichtete, der Fels, den Moses schlug und der Wasser gab, der Gnadenstuhl im Allerheiligsten und der Vorhang vor demselben, das Osterlamm; vorzüglich aber waren die Opfer und der Hohepriester Vorbilder Christi; der deswegen auch das Lamm Gottes und der wahrhaftige Hohepriester genannt wird. Christus ist also das Ende des Zeremonial-Gesetzes, welches als ein Schattenriss von ihm zu betrachten ist; deswegen hob sich dasselbe mit seiner Erscheinung auch von selbst auf, weil die Absicht seiner Anordnung aufhörte.“ G. D. Krummacher.
Vom Erstevangelium im Paradiese sagt Kohlbrügge: Ich nenne dies Evangelium ewig, weil es
der Inhalt dessen ist, was in dem ewigen Friedensrat beschlossen wurde; ferner, weil nun, nach beinahe sechstausend Jahren, Gott kein anderes hat verkündigen lassen, und endlich, weil es den Gegenstand des ewigen Liebens und Lobens in der Herrlichkeit ausmachen wird.
Im Vorwort zu seiner vortrefflichen Schrift: Wozu das alte Testament? erzählt Kohlbrügge, dass sein seliger Vater, als er noch sehr jung gewesen, zweimal zu ihm gesagt habe: „wenn du die fünf Bücher Mose verstehst, verstehst du die ganze Schrift.“ Solches hätte einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht und ihn zum fleißigen Lesen jener Bücher veranlasst, was ihm eine reiche Frucht getragen habe. Statt der üblichen, von dem Kirchenvater Tertullian stammenden Ausdrücke: Altes und Neues Testament, würden wir uns besser der schriftgemäßen Bezeichnung: „Moses und die Propheten“ und „die Evangelisten und Apostel“ bedienen, wie denn die dritte Frage und Antwort in dem kleinen hessischen Katechismus, Kinderlehre genannt, eine überaus treffliche ist: Welches ist denn die christliche Lehre? die in den Schriften Moses, der Propheten und Evangelisten verfasset und begriffen ist. Der Feldprediger des Königs Heinrich IV. von Navarra nachmaligen Königs von Frankreich, der am 23. Februar 1591 als Professor der Theologie in Genf heimgegangene Anton von Chandieu, auch Sadeel genannt, schreibt in seiner lateinischen Schrift über das einige Hohepriestertum Christi:
„Da der Herr, aus Erbarmen gegen das Menschengeschlecht, Adam nach seinem Falle in die Sünde mit der ganz sicheren Hoffnung des Heiles gestärkt und seinen Geist wiederaufgerichtet hatte in der Erwartung des zukünftigen Erlösers, welcher durch seinen Tod sowohl Adam als dessen Nachkommen, nach dem Wohlgefallen des unerforschlichen Rates Gottes, mit Gott versöhnen und des ewigen Lebens teilhaftig machen sollte: so ist es unzweifelhaft, dass nach seinem Willen solche herrliche Verheißung nicht bloß in den Herzen geschrieben stünden, sondern auch durch ein äußeres Zeichen oder Pfand bestätiget und besiegelt würden. Daher geschah es, dass Adam seine Kinder unterwies in der Furcht und Anbetung Gottes, und besonders in der Darbringung der Opfer, wie man deutlich aus der Geschichte Kains und Abels entnehmen kann. Und dass diese göttliche Einsetzung bei einigen gottesfürchtigen Familien viele Jahre heilig und gewissenhaft bewahrt wurde, bezeugt Noah, da er nach der Sündflut Opfer auf den Alter brachte, deren lieblichen Geruch Gott, nach Moses Zeugnis, roch; wie noch viele andere darauf zielende Dinge aus den Büchern Moses und dem Buche Hiob anzuführen wären. Weiter, da Gott die Kirche in noch deutlicherer Weise sammeln wollte, erweckte er Moses, durch dessen Dienst den Israeliten verschiedene Opferarten und Zeremonien gegeben wurden, versiegelt durch die heiligen Urkunden. In denselben, besonders in den dargebrachten geschlachteten Opfertieren wurde als auf einem Tische nicht nur die durch unsere Sünde verdiente Strafe vorgestellt, sondern auch der zukünftige Moses so abgemalt und sein am Kreuz darzubringendes Opfer so genau ausgedrückt, dass die Sache selbst fast als vor die Augen gestellt zu sein schien. Endlich wurde Christus in den letzten Zeiten, von den Propheten und in dem Gesetze verheißen, als der dargestellt, der das Gesetz erfüllet und durch sein Kommen und besonders durch seinen Tod und die Dahingabe seines Leibes, d. i. durch sein einiges und vorzügliches Opfer am Kreuze (von dem die Opfer im Gesetze nur Vorbilder waren) die äußeren Opfer abgetan hat. Daher waren in den ältesten, dem geschriebenen Gesetze vorangegangenen Zeiten die Opfergebräuche durch göttliche Offenbarung überliefert worden wie ein Schattenriss. Moses aber gab demselben lebhafte Farben, bis endlich Christus selbst in den alten Opfern nicht nur abgeschattet, sondern auch deutlich dargestellt, der Welt geoffenbart wurde, und also der hingegebene Leib und das in Wirklichkeit vollbrachte Opfer Christi den gesetzlichen Zeremonien als Vorbildern ein Ende machte.“
Johann Biermann, Professor in Herborn und Middelburg zu Anf. des vorig. Jahrhundert bekennt: dass das ganze Alte Testament und besonders das Gesetz Moses eine Schatzkammer sehr tiefer Geheimnisse des Glaubens und der Seligkeit, die selbst unter der Decke des geringsten Buchstabens verborgen liegt, ist, ein solches kann zu eines jeglichen Überzeugung aus dem Gesetze selbst sonnenklar erwiesen werden, denn wenn es allein als in der Schale des Buchstabens, ohne eine höhere Bedeutung angemerkt wird, so hat’s weder Nachdruck, noch Weisheit, und scheinet mehr lächerlich und eitel, als vernünftig zu sein: Welche Weisheit steckt doch darin (dass ich nur einige Fürbilder anführe), dass des Hohenpriesters Aaron rechtes Ohr, Daumen und große Zehe zur Zeit seiner Einweihung mit dem Blute eines geschlachteten Widders besprengt wurde? Scheinen die Beschneidung und die Reinigung der Unreinen mit der Asche einer roten Kuh nicht spöttische und lächerliche Dinge zu sein? Ja scheint nicht die ganze Anstalt des Gottesdienstes von damals eine Torheit und ein bloßer Aberglaube gewesen zu sein? Gewisslich, der Gottesdienst der Heiden, wiewohl er von betrügerischen Priestern verrichtet worden, ward mit Erweisung einer größeren Weisheit verrichtet, als dieser der Juden. Daher wurden auch die Juden von den Heiden für törichte und abergläubische Menschen gehalten. Wer sollte denn glauben können, dass der allein weise Gott sein Volk mit solchen bloßen Bespiegelungen und äußerlichen Übungen, die sonst zu wenigen Dingen nütze sind, sollte aufgehalten haben. Sollte er, der überall gegenwärtig ist, wohl in der Enge eines irdischen Tabernakels oder Tempels können beschlossen werden? Damit denn niemand das Gesetz allein als einen bloßen Buchstaben ohne höhere Bedeutung anmerken möchte, hat Gott dessen geistlichen Sinn auch oft durch seine Knechte, die Propheten, angezeigt, welche, so oft durch sie in Gottes Namen geistliche Dinge, die dem Messias und seinem Königreiche zugehören, zuvor verkündigen, dieselben mit solchen Worten, Sinnbildern und Schatten, die dem alten Gesetze entlehnt sind, ausdrücken.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 20.)

Beitrag von Joschie »

DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt(Frage 20.)

20. Frage: Werden denn alle Menschen wieder durch Christus gerettet, so wie sie durch Adam verloren gegangen sind?

Nein, sondern nur diejenigen, die durch wahren Glauben seinem Leib als Glieder eingefügt werden und alle seine Wohltaten annehmen.

„Diese Frage ist“, sagt Georg Spindler in seinen 1607 zu Amberg herausgegebenen Katechismus-Predigten, „sehr nötig um etlicher Leute willen, welche meinen, es müsste ein schlecht gering Ding sein um Christi Verdienst und Gottes Barmherzigkeit, wenn nicht allen Menschen geholfen und die gottlosen Verdammten alle erlöset würden und zu Gnaden kämen. Deswegen geben sie vor, es gehe mit der Leute Gottesdienst und Seligkeit zu, wie mit einer Reise auf die Frankfurter Messe, dass einer diese, der andere jene Straße zieht und kommen doch alle zu Frankfurt zusammen. So würden sie doch alle, obschon einer auf diese, der andere auf jene Weise Gott dienet und glaubet, selig und im ewigen Leben zusammen kommen, weil der Herr Jesus für alle bezahlet hätte. Aber unser Katechismus sagt schlechtweg „nein“ dazu, und zeigt an, dass nicht alle, die in Adam verloren, durch Christum wieder zurecht gebracht und selig werden, denn die Erfahrung bezeugt, dass ihrer viele in unbußfertigem Leben dahinsterben, an Gott verzweifeln und zum Teufel fahren. Und der Herr Christus sagt, dass nicht alle, die zu ihm Herr, Herr sagen, ins Himmelreich kommen, Matth. 7, dass wenige den Weg zum Leben gehen, und dass wenige auserwählt seien; Kap. 22. Wiewohl es nun wahr ist, dass Gott allen Menschen durchs Evangelium seine Gnade anbieten lässt und reichet jedermann seine Hand, so greift er doch zu und zieht die allein kräftig zu seinem Sohne, die er von Ewigkeit erwählet hat (vgl. Apg. 13,48). Denn es ist zu merken, dass zu unserer Erlösung zwei Dinge gehören: erstlich eine vollkommene Bezahlung aller Schuld, und zum andern eine Wiederbringung der Gerechtigkeit und Freiheit zu allen verlorenen und himmlischen Gütern. Die vollkommene genügsame Bezahlung hat der Mittler Jesus durch seinen willigen vollkommenen Gehorsam geleistet, und ewige Gerechtigkeit und Leben erworben, wie geschrieben steht: Er ist um unserer Sünde willen dahingegeben, und um unserer Rechtfertigung willen auferwecket. Solche Gerechtigkeit, Freiheit und Leben stellt er uns zu, wenn er uns durchs Evangelium kräftig beruft und den Glauben durch seinen h. Geist in uns wirket, durch welchen wir ihm einverleibt und in ihn gepflanzt, seines Geistes und seiner Kraft teilhaftig und mit ihm unauflöslich verbunden werden, dass wir seien Glieder seines Leibes und von ihm, als dem Haupt, Kraft und Leben empfangen, wie Paulus Röm. 6,5 bezeuget. Denn die werden durch Christum erlöset, welche seines Opfers, Leidens, Sterbens und Auferstehung teilhaftig werden. Danach die Antwort unseres Katechismus. Denn allein durch den Glauben ergreifen wir Christum und schließen ihn ins Herz und werden mit ihm vereinigt und Glieder seines Leibes, und seines Geistes teilhaftig, welcher uns zum Bilde Gottes wieder erneuert, Licht und Leben in uns anzündet und uns mit Christo unauflöslich also verbindet, dass wir in ihm leben und er in uns.“
Welche sind es aber, die Christi Wohltaten annehmen?
Wo wir nicht arm am Geist sind“, schreibt Thomas Watson, „sind wir nicht bequem, einige Gnade zu empfangen. Wer mit der Einbildung der Selbstgenügsamkeit und Eigenwürdigkeit aufgeblasen ist, ist bereits satt. Wenn die Hand mit etwas anderem gefüllt ist, kann sie kein Gold empfangen. Ein Glas wird erst leer gemacht, und hernach tut man den Wein hinein. Gott leert den Menschen erst aus von ihm selbst, ehe er den köstlichen Wein seiner Gnade in ihn gießt. Es sind allein die Armen am Geist, auf welche Christus Jes. 61,1 blickt, welche durch Empfindung ihrer Unwürdigkeit gebrochen sind. – Wo wir unsere eigenen Gebrechen nicht sehen, werden wir auch Christi Wert nimmermehr erkennen. Armut des Geistes ist das Salz und Gewürz, welches Christum der Seele süß und schmackhaft macht. Die Gnade ist sehr willkommen solchen Armen. Wer selbst sieht, dass er mit unreinen Kleidern angetan ist Sach. 3,5, was wird der nicht geben für die Feierkleider Christi?“
David Brainerd, der als Missionar unter den Indianern Nordamerikas tätig war, hatte vor seiner Bekehrung zu dem Herrn im Winter 1738 allerlei innerliche harte Kämpfe zu bestehen. Besonders stieß er sich an zwei Stellen der h. Schrift, an Röm. 9,11-23 und Mark. 16,16. Erstere vernichtete all sein scheinbares Gute und rief eine feindselige Stimmung gegen Gott in ihm hervor; letztere machte ihm den Gedanken unerträglich, dass sein bisheriges Tun, seine gewissenhaften christlichen Pflichterfüllungen nichts gelten sollten. In dieser Zeit arbeitete aber der Geist Gottes mächtig an ihm. Er wurde gewahr, dass alle seine bisherigen Versuche zu seiner Erlösung vergeblich gewesen und fand, dass er ganz verloren sei. Alles erschien ihm aus Selbstsucht, Heuchelei getan zu sein, was er vorher für Frömmigkeit angesehen. Am 12. Juli 1739 endlich, als er in die Einsamkeit ging, zu beten, empfand er auf einmal eine unaussprechliche göttliche Herrlichkeit und ward innerlich gewiss, dass der Herr Gott ist, und fühlte sich ganz in ihn versunken.
Mein Geist“, erzählt er, „saß in süßer Ruhe und es war mir als wäre ich in einer neuen Welt. Fortan stellte sich mir der Weg zur Seligkeit in solcher Vortrefflichkeit dar, dass ich mich wunderte, wie ich je habe an einen andern denken können und dass nicht die ganze Welt ihn sieht und wandelt den Weg zur Seligkeit durch Christi Gerechtigkeit allein.
Christi Wohltaten sind: Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit (Fr. 21.)

Der englische Gottesgelehrte Arthur Denton sagt:
Die Ursachen der Gnadenwahl muss man allein in Gott suchen. Denn seine Wahl hängt weder an dem Menschen noch an irgend einem Dinge im Menschen, sondern wird von Gott selbst beschlossen und bestätigt in Christo, in welchem wir erwählet sind, wie klar der Apostel Eph. 2,5.6 erklärt, woraus wir merken können, dass die unverdiente Gnade und das gnädige Wohlgefallen Gottes die erste Hauptursache sei, die ihn zu unserem Heile und zu unserer Seligkeit bewegt hat, nicht unser Verdienst und unsere von Gott vorhergesehnen Werke, wie die Papisten lehren. Denn die Schrift gar oft dieses wiederholt, es sei nichts in uns gewesen, das Gott zur Liebe gegen uns reizen oder ihn, uns zu erwählen, bestimmen konnte, sondern dass er nur in sich die Ursache fand, wie geschrieben steht. Röm. 9,16.18. So liegt es nun nicht an jemandes Wollen usw. Und eben dieses bezeugt Gott der Herr selbst, dass er sein Volk erwählet habe nicht um einer Ursache willen, die er in ihnen gefunden hätte, sondern weil er dasselbe geliebt. 5. Mos. 7,7. Daher ohne allen Zweifel wahr ist, dass die Gnadenwahl alle Verdienste der Menschen und alle Kräfte des menschlichen Willens, durch welche er hoffen könnte das ewige Leben zu erlangen, ausschließe und dass seine gnädige Barmherzigkeit und unverdiente Huld und Gunst sei der Anfang, Mittel und Ende unserer Seligkeit, d. i. dass alles von ihm allein herkomme und dass auch nicht das geringste von uns verrichtet werde. Aber hängt denn der Glaube an der Wahl, oder die Wahl am Glauben, d. i. hat uns Gott erwählet darum, weil wir glauben, oder glauben wir darum, weil wir erwählet sind? Ohne allen Zweifel ruht der Glaube und alle Früchte desselben auf der Gnadenwahl. Denn darum glauben wir, weil wir erwählt sind. Apg. 13,48. Es wurden gläubig, wie viele ihrer verordnet waren zum ewigen Leben.
Georg Spindler:
Also hält der Glaube unser Schifflein aufrecht, dass die Winde und Wellen es
nicht umstürzen oder in die Syrten, in die Verzweiflung werfen, daher die Epistel an die Hebräer 6,19 den Glauben und die gewisse Hoffnung des ewigen Lebens, die aus dem Glauben entspringet, einen sichern und festen Anker unserer Seele nennt, darum dass der Glaube sich an Gottes Wort hält und daran das Schifflein aufrechthält, denn gleichwie das Seil, daran der Anker hänget, ein Schiff mit dem Lande, das doch davon entfernt ist und das man nicht sieht, zusammenbindet, dass es von den Winden und Wellen nicht umgestürzt wird: also ist Gottes Wort von ewiger Erwählung, daran sich der Glaube hält, das Band, welches uns mit Gott verbindet, dass wir an ihm fest hängen, ob wir ihn wohl in dieser Finsternis nicht sehen. Und weil wir also mit Gott verbunden sind, kann uns kein Ungestüm schaden; denn mit Gott können wir nicht Schiffbruch leiden, wie wir auch ohne ihn nicht können an das Land kommen. Wiewohl aber auch die Verworfenen viele natürliche und zeitliche Gaben und Gnade haben, so wird ihnen doch die rechte und ewige Gnade nicht gegeben. Denn sie werden nicht kräftig zu Christo berufen, gerecht, heilig und herrlich gemacht, bleiben in ihrer verderbten Natur liegen und können nicht anders denn verdammt werden. Solches soll dazu dienen, dass wir daraus Gottes treffliche Gnade und Liebe gegen die Auserwählten lernen erkennen und Gott von Herzen dafür dankbar seien, und da uns Gott hier zeitlich nicht so viele und große Wohltaten erzeigt, wie den Verworfenen, welche er hier in Ehren und Wollust der Welt leben und schweben lässt, dass wir nicht darüber zürnen, murren, ungeduldig werden, noch ihnen ihre zeitlichen guten Tage missgönnen, sondern uns an Gottes Gnade genügen lassen und uns dessen trösten, dass es uns im andern Leben soll ewig wohl gehen. Auch dienet es dazu, dass wir die Verworfenen kennen lernen und wissen, dass es die seien, die Gott übergehet und ihnen seine Gnadenhand nicht bietet. Denn obwohl Gottes heimlicher Rat unerforschlich ist, so können wir doch zum Teil etliche maßen denselben sehen, wenn wir achtgeben, wie Gott die Verwerfung ins Werk richtet und was nach derselben folget. Die Verwerfung ist nichts anders denn ein Vorsatz Gottes, sich etlicher nicht zu erbarmen, noch ihnen seine Gnade zu erzeigen. Welche Gott in ihrer verderbten Art liegen lässt, sie nicht zu Christo beruft und zieht, sie nicht gerecht macht und heiliget, sondern lässt sie in ihrer Blindheit stecken und ohne Buße dahinsterben, an denen erkennen wir den Rat Gottes, der sie verworfen hat. Leicht kann man von einem Menschen vor seinem Tode nicht sagen, ob er einer der Erwählten oder Verworfenen sei, weil Gott den einen bald, den andern langsam beruft. Der eine Schächer am Kreuze wird langsam und erst an seinem Ende zu Christo gezogen, daraus zu schließen, dass er von Ewigkeit erwählt war. Denn was
Gott in der Zeit tut, hat er von Ewigkeit beschlossen und ihm vorgesetzt zu tun. Wer deshalb aus der Kreuzigung des Schächers geschlossen hätte, er wäre der Verworfenen einer, der hätte gefehlt. An dem andern Schächer aber, der ohne Buße mit Gotteslästerung dahinstirbt, sieht man öffentlich, dass er der Verworfenen einer sei.
Manchem wird vorgewendet: das sei ja eine schreckliche Lehre, dass Gott so unbarmherzig sei und nicht alle Menschen sollte selig haben wollen. Aber darauf sollt ihr wissen, dass nicht allein nichts Schreckliches oder Unbarmherziges Gott dem Herrn deshalb zuzumessen, sondern vielmehr seine große Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Weisheit hoch zu preisen sei. Denn ich frage euer aller Herzen und Gewissen, wenn Gott alle Menschen, wie sie in Adam und Eva alle gesündigt haben, also auch in Adam und Eva ewig verstoßen hätte, wie sie es verdienet hatten, könnte man auch Gott darüber beschuldigen? Nein, sondern wir müssten bekennen, Gott habe getan, was seine Gerechtigkeit und unsere Sünde erfordert haben. Dass aber nun Gott nicht alle Menschen, wie sie doch verdienet hatten, verstoßen, sondern noch etliche zu Gnaden angenommen, ist das nicht eine große Barmherzigkeit und Gnade? Und wer kann sie genug preisen? Wer kann ihm genug dafür danken? Dass er aber die Übrigen, die er nicht erwählet, übergehet und in ihrem Verderben, darin sich die Menschen selbst Mutwillig gebracht haben, stecken lässt, daran beweist er seine Gerechtigkeit. Ja, es ist noch eine große Milderung seines Rechts dabei, dass er nicht alle Menschen mit einander, wie sie verdienet hatten, von seinem Angesicht verwirft und ewig verloren sein lässt. Wer ist denn nun, der hierüber mit dem lieben Gott noch rechtfertigen und ihn einiger Unbarmherzigkeit beschuldigen wollte, dass er nicht alle, sondern wenige auserwählt hat, da er doch Fug und Recht gehabt hätte, gar keinen zu erwählen, sondern das ganze gefallene menschliche Geschlecht, wie es dieses verdient hatte, gar zu verstoßen und ein anderes zu erschaffen? Wir erkennen vielmehr und preisen von Herzen die wunderbare Weisheit und herzliche Barmherzigkeit Gottes, dass er noch etliche erwählet hat in Christo zum ewigen Leben (Luk. 12,32). Der kräftige Beruf oder der Beruf nach dem Vorsatze geschieht durch die Predigt des göttlichen Wortes ordentlicher Weise 1. Kor. 1,21, außer der Ordnung, aber bei kleinen Kindern oder gebrechlichen Leuten, welche durch die Predigt nicht unterrichtet werden können und doch zur Seligkeit erwählt sind, auf besondere Weise, Gott allein bekannt, durch Wirkung des H. Geistes. Theophyl Neuberger.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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DER HEIDELBERGER KATECHISMUS erklärt mit den Worten

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21. Frage: Was ist wahrer Glaube?

Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis, durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, sondern auch ein herzliches Vertrauen, welches der Heilige Geist durchs Evangelium in mir wirkt, dass nicht allein anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden, ewige Gerechtigkeit und Seligkeit von Gott geschenkt ist, aus lauter Gnade, allein um des Verdienstes Christi willen.


Warum ist die Erkenntnis als ein unzertrennliches Stück mit der wesentlichen Eigenschaft des wahren Glaubens so notwendig verknüpfet? Gleich wie niemand ohne Erkenntnis und Empfindung leiblicher Gefahr und der Kraft und Willfährigkeit des Erretters zu helfen, wie auch ohne den Weg zu seiner Gemeinschaft zu erkennen, wahre Errettung bei demselben begehren oder suchen kann; also kann auch niemand ohne gedachte Erkenntnis bei Gott in Christo geistliche Errettung und Erlösung seiner Seele begehren und suchen. Ist denn die Erkenntnis und Fürwahr Haltung der seligmachenden Wahrheit an dem wahren Glauben auch ein Teil seiner wesentlichen Art und Eigenschaft? Mitnichten. Aber es müssen zweierlei Arten, die seligmachende Wahrheit zu erkennen, wohl unterschieden werden. Die eine ist den Zeitgläubigen und vielen groben Heuchlern mit den Teufeln gemein (Hebr. 10,26; 2. Petr. 2,20) und wird dem Menschen teils durch die Natur (Röm. 1,19.20; 2,15), teils durch eine allgemeine Erleuchtung des h. Geistes mitgeteilt (Hebr. 6,4). Diese wirkt, wo sie für sich ist, bei dem Menschen keine gründliche Erneuerung oder Reinigung des Herzens, sondern lässt ihn unter der Herrschaft seiner Lüste stehen (Luk. 11,47), und kann darum auch, so lange sie in dem nicht wiedergeborenen Sünder ist, kein Teil der wesentlichen Art des seligmachenden Glaubens sein, obschon der gewöhnlichen Ordnung Gottes nach ohne solche vorhergehende Erkenntnis die wesentliche Art des Glaubens niemand gegeben wird (2. Tim. 3,15). – Die andere Gattung ist eine seligmachende Erkenntnis und von solcher Beschaffenheit und Art, dass sie so wahr ein wesentlicher Teil des wahren Glaubens sein muss, den Sünder mit Christo zu vereinigen, dass man ohne dieselbe Erkenntnis schwerlich einen rechten Begriff oder Verstand von dem völligen Wesen des gerecht und seligmachenden Glaubens haben kann (Jes. 53,11; Joh. 17,3; Ps. 19,11; 1. Joh. 2,3.4; Phil. 3,8). Theod. Undereyck.
Was ist Glauben? Alles für wahr halten, was Gott uns, wie allen Vätern und Vollendeten vor uns verheißen, was er gesagt hat in seinem Worte von seinem Sohne: dies ist mein lieber Sohn, an welchem ich Wohlgefallen habe, den sollt ihr hören. Gewiss, auch alles für wahr halten, was Er, der da tot war und siehe er lebt, der zuverlässige Heiland gesagt in seinem h. Evangelium durch seine Apostel und Propheten: Wendet euch zu mir, so werdet ihr selig, aller Welt Ende (Jes. 45). Kommet zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken (Matth. 11,20); Niemand kennt den Vater, denn nur der Sohn, und wem es der Sohn will offenbaren (Matth 11,27); Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht (Joh. 3). Glaubet mir, dass ich vom Vater bin ausgegangen; Er selbst der Vater hat euch lieb (Joh. 16,27); und daneben ein herzliches Vertrauen auf den Herrn, als auf unsern vollkommenen Heiland und Seligmacher, auf ihn, den uns von Gott gegebenen einzigen Lehrer, genügsamen Hohenpriester und allmächtigen König, den Bürgen eines bessern Bundes, den treusten Anwalt und mächtigen Stellvertreter. Ja das ist Glauben! Es ist das sich auf ihn verlassen, auf sein Wort, das sich auf ihn lehnen, sich an ihn halten, ihn nicht lassen, die Zuflucht zu ihm nehmen, seinen Namen herbei rufen in Not der Seele, im Nu des Todes. Wer also ein armer Sünder ist, ein grundverdorbener, und sieht nichts denn den klaffenden Abgrund zu seinen Füßen, hat auch nichts, woran sonst sich zu halten – sei es denn alles dahin, alles vergeudet, und dem Gefühl nach keine Träne mehr, kein Seufzer mehr – so lehne er sich auf Jesus, den einzigen, der es versteht mit Zorn, Sünde und Tod umzugehen; das wird Gott gefallen. Sprich du: Ich lasse dich nicht, du bist mein Herr und mein Heiland, mein Mittler und mein Bürge: ich halte mich an dich, im Leben und im Sterben. Ich wage es, Herr Jesu, in deinem Namen, was aus mir wird, wird draus, komme ich um, so komme ich um. Du kannst nicht fallen, o mein Herr und mein Gott! Ob da alle Teufel schreien: „Nein, nein, so kommst du um, das ist nicht für dich“; so klammere dich um so fester an ihn. Wir hätten ewig in unserm Verderben liegen bleiben und umkommen müssen, hätte nicht Gott der Geist uns durch das Evangelium krafttätig gerufen aus der Finsternis der Höllenmacht zu Gottes wunderbarem Licht. Er, der h. Geist gab uns zuvor erleuchtete Augen und schloss uns das Herz auf, dass wir acht hatten auf die Predigt der freien Gnade. Er wirkte in uns den Glauben des Herzens, um dem Herrn Hand und Herz zu geben und uns Ihm für Zeit und Ewigkeit zu vertrauen, um uns zu verlassen auf das Zeugnis von der Liebe des Vaters, auf das Zeugnis was Gott gezeugt hat von seinem Sohne (vgl. Fr. 53 und 60).
Dass nicht allein Anderen, sondern auch mir Vergebung der Sünden (vgl. Fr. 56), ewige Gerechtigkeit (Fr. 59 und 60) und Seligkeit von Gott geschenkt sei, aus lauter Gnaden, allein um des Verdienstes Christi willen (Fr. 61). Das nehme ich armer Sünder mit herzlichem Vertrauen auf Gottes Verheißung an; einen andern Grund habe ich nicht und will ich nicht haben; dieser Grund allein hält in Ewigkeit. Aller meiner Sünden, ja meiner Sünden, die so groß sind, so schwer, so abscheulich wird Gott nimmermehr gedenken. Er wird ihrer nicht gedenken allein um der Genugtuung Christi willen; nicht um meines Glaubens willen, nicht um irgend einer Würdigkeit willen auf meiner Seite, auch nicht um aller meiner Werke willen, seien sie denn gut oder böse: sondern ganz allein aus Gnaden ist’s, es ist seine freie Gunst, dass Er mir die Gerechtigkeit Christi schenkt, damit ich nimmermehr in Gottes Gericht komme. Die Genugtuung, Gerechtigkeit und Heiligkeit Christi ist allein meine Gerechtigkeit vor Gott. Gott selbst ist es, der aus lauter Barmherzigkeit durch seinen h. Geist, auf Grund seines Worts und seiner Verheißung, worin er dem in sich selbst Verlorenen Christum zusagt und vorhält, indem er mich gezogen hat und zieht mit allmächtiger Liebe und unwiderstehlicher Gnade und väterlicher Güte; Gott, sage ich, ist es, der mich das „mein“ aussprechen lehrt, so dass ich, obschon zitternd und bebend, mit Seelenfreude Christum und seine Heilsverdienste in mich aufnehme, empfange, und mir zugeeignet finde, und Ihn bekennend mir zueigne. So verhält es sich mit dem seligmachenden Glauben. Als wahre Gläubigen glauben wir also in Übereinstimmung mit dem 23. Artikel des niederländischen Bekenntnisses, dass unsere Glückseligkeit darin liegt, dass uns um Jesu Christi willen unsere Sünden vergeben sind, und dass darin unser Gerecht sein vor Gott eingeschlossen ist. Dieses Fundament unserer Seligkeit halten wir unverrückt fest, indem wir Gott allein die Ehre geben, uns selbst demütigen und uns bekennen als das, was wir sind; ohne uns etwas in Bezug auf uns oder auf unsere Verdienste anzumaßen, stützen wir uns und ruhen auf dem Gehorsam des gekreuzigten Christus, welcher der unsrige ist. Der ist genugsam, alle unsere Ungerechtigkeiten zu bedecken, und indem er das Gewissen von Furcht, Angst und Schrecken frei macht, uns Freimütigkeit zu geben, um zu Gott zu nahen. Die überall geschäftige Wirksamkeit des seligmachenden Glaubens ist, Christum im Glauben annehmen. stets wieder aufs neue annehmen und in wiederholter Verlegenheit aufs neue umfassen. Allein in der Barmherzigkeit Gottes und in der Gnade des Herrn Jesu, allein in der Person Christi sieht der Glaube das, was Wert und Bestand hat. Nichts kann für ihn Wert oder Bestand haben außer Gott. Für die erlöste Seele kann der Herr allein das einzige und allgenügsame Teil sein und muss es auch sein, darum ist auch das Allerheiligste versöhnende und stellvertretende Leiden und Sterben des Herrn Jesu der einige Trost der Gläubigen wider die Sünde. Der Scheinglaube dagegen (von dem gottlosen Unglauben, der keine Versöhnung will und in seinem gespreizten Dünkel alle geoffenbarte Wahrheit verleugnet, ist hier gar nicht die Rede) bebt im entferntesten nicht vor dem Worte: Ohne Glaube ist’s unmöglich Gott zu gefallen; alle die eben geschilderten Wahrheiten nennt er teure Wahrheiten, glaubt sie, aber wozu? um sich Kissen davon zu machen unter die Achseln, während man auf den Krücken seiner Ungerechtigkeit sich voran hilft, anstatt dass man zum Herrn Jesu gehen sollte um Heilung der lahmen Füße. Man glaubt sie, ja, aber es ist nur ein Wissen, viel Kenntnis und Aufgeblasenheit. Es glaubt sich leicht und an einem fort; es spricht sich leicht davon, wie lieblich und liebenswürdig der Herr Jesus ist: aber ist’s auch Herzenssache? Darum, weil es nicht ist, darum ist kein Bedürfnis für Erlösung von Sünden, für Befreiung von allen Banden. Das Geringste lässt man’s sich nicht kosten; von Selbstverleugnung und Drangeben der geringsten Lust weiß man nicht. Das „Ich“ wird festgehalten samt allem, was daran klebt. Das Herz geht nicht zu Christo hin als zu dem einigen Lehrer und Prophet, und bedarf seiner nicht täglich und immerdar als Mittler, Hohepriester und Bürge. Der Scheinglaube glaubt ohne Gott den hl. Geist. Wird ihm seine Blöße offenbar und wird er bestraft, so ärgert er sich, will Gott und Menschen mit Opfern und Gaben betrügen, oder aber er lästert und rächt sich, gepanzert sich in Scheinheiligkeit, gelangt noch zu der Zauberin von Endor und endigt mit Verzweiflung, oder geht wie gewöhnlich in der Welt unter. Die Vögel des Himmels kommen und fressen es auf; es verdorret, weil es keine Wurzel hat; es erstickt unter den Dornen: das ist der Scheinglaube. Kohlbrügge.
Es ist zu wissen, dass der Glaube nicht ein schlechter Wahn oder gemeiner Glaube ist, sondern eine vortreffliche Gottes und solche Wirkung des h. Geistes in uns durch die Predigt des h. Evangeliums, da wir aufs allergewisseste den gnädigen Willen Gottes gegen uns erkennen, und uns in herzlicher Zuversicht und standhaftem Vertrauen des Herzens an Christum Jesus und an seine Gnade halten und Gott dem Herrn die Ehre geben, dass er allein wahrhaftig, barmherzig und gnädig ist, und sind gewiss, dass er uns unsere Beilage bewahren kann bis an jenen Tag (Röm. 4; 2. Tim. 1). Aus solchem Vertrauen, dass Gott durch Christum Sünde vergibt und das ewige Leben schenket, folget Friede und Freude des Herzens, also dass wir dadurch alle Anfechtungen überwinden und uns auch der Trübsale rühmen, demnach wir nicht zweifeln, es müsse uns Alles zum Besten dienen. Dan. Testanus
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Fürst Wolfgang von Anhalt trat mit dem Markgrafen Georg von Brandenburg auf dem Reichstag zu Augsburg 1530 vor den Kaiser, da der Markgraf erklärte: Ehe er seinen Gott und sein Evangelium verleugnen wolle, ehe wollte er vor s. kais. Majestät niederknien und sich den Kopf abschlagen lassen. Die augsburgische Konfession unterschrieb Wolfgang indem er sprach: Ich habe manchen schönen Ritt Andern zu Gefallen getan, warum sollte ich denn nicht, wenn es von Nöten wäre, auch meinem Herrn und Erlöser Jesu Christo zu Ehren mein Pferd satteln, und mit Darsetzung meines Leibes und Lebens zu dem ewigen Ehrenkränzlein im himmlischen Leben eilen. An seine Mutter schrieb er voller Zuversicht: Ich hoffe zu Gott, er wird sein göttliches Wort erhalten; der Teufel hat jetzt viel zu schaffen, aber wir haben einen Trost, dass Gott sein Herr und Meister ist, der wird ihm seine Anschläge wohl zu Trümmern stoßen. An unserem Reformator Zwingli wird gerühmt, dass er nie mit seinem Verstande die h. Schrift gemeistert oder an dem Inhalte einzelner Bücher, wie das Luther getan, Kritik geübt, sondern sich stets mit tiefster Ehrerbietung derselben hingegeben und keinen Zweifel an einer darin bezeugten Tatsache oder an einem erzählten Wunder gehegt habe. Es sei denn, sprach Luther in Worms vor Kaiser und Fürsten, dass ich mit Zeugnissen der h. Schrift, oder mit öffentlichen, klaren und hellen Gründen und Ursachen überwunden und überwiesen werde (denn ich glaube dem Papste, noch den Konzilien alleine nicht, weil es am Tage und offenbar ist, dass sie sich oft geirrt haben, und ihnen selbst widersprechend sind) und ich also mit den Sprüchen, so von mir angezogen und angeführt sind, überzeuget und mein Gewissen in Gottes Wort gefangen ist, so kann und will ich nichts widerrufen, weil weder sicher noch geraten ist, etwas wider das Gewissen zu tun. Hie stehe ich, ich kann nicht anders, Gott helfe mir. Amen.

Guido de Bres, der Verfasser des vortrefflichen Glaubensbekenntnisses der reformierten Kirche der Niederlande, hat sieh auch dem offenen Bekenntnis desselben nicht entzogen, als sein Leben deswegen in Gefahr stand nach Einnahme der Stadt Valenciennes im Frühjahre 1567. In Banden gelegt von den Spaniern, stärkte er diejenigen, welche mit ihm nicht von dem Evangelium abfielen, um sich das Leben zu retten, mit den Worten: Meine Herren und lieben Brüder, meine Freude und meine Krone, seid fest in dem Wege unseres Gottes. Seid nicht wie das Schilfrohr, das jedem Winde sich beuget. An seine Gemeine, an seine Mutter und an seine Frau richtete er noch köstliche Worte in Briefen, worin er sie auf den Herrn hinwies, zu dem sie ohne Unterlass für diejenigen beten sollen, welche matt und schwach sind im Glauben. Zu einer vornehmen Dame, welche ihn im Gefängnis besuchte und sich verwunderte, wie er in seinen Ketten nur schlafen, essen und trinken könne, sprach er: Die gute Sache, für die ich leide, und das gute Gewissen, das mir der Herr gibt, machen, dass ich besser schlafen, essen und trinken kann, als diejenigen, welche mir Böses wünschen und antun. Was meine Ketten betrifft, so halte ich sie höher denn alle goldenen Ringe, Ketten und Kleinodien. Höre ich ihren Klang, so meine ich ein lieblich Instrument oder Saitenspiel erfüllt meine Ohren. Am Abend des 31. Mai wurde Bres mit seinem Amtsbruder La Grange zur Richtstätte geführt. Von der Leiter herab, auf der er zum Galgen stieg, ermahnte er noch das umstehende Volk zur Dankbarkeit in der Lehre, die er gepredigt, und zum Gehorsam gegen die Obrigkeit. Vor der Abführung aus dem Gefängnisse hatte er mit Freude geäußert: ich bin zur Hochzeit des Lammes geladen. So endete dieser Heilige des Herrn Jesu, indem er die Wahrheit, welche er im Leben bekannt, mit seinem Blute besiegelte.
Ich bin alt im Unglauben und alt im Glauben geworden,
gesteht Theoph. Passavant, und muss mit jenem alten Manne sagen allezeit: Ich glaube, Herr, hilf meinem Unglauben (Mark. 9,24). Doch hat mir mein armes Glaubens-Gebet oft Großes gewähret; es hat mich selige Wunder lassen sehen; es hat mir gegeben Kraft in der Schwachheit, Licht in Finsternissen, in Sünden Vergebung, in Leiden und Tränen einen überirdischen Trost, und Gottes Frieden in vielen Stürmen. In diesem Glauben habe ich Berge von Sorgen und Traurigkeiten versetzt; habe Fülle gefunden in der Wüste, in der Irre einen Führer, in der Einsamkeit einen Freund, oft einen Himmel auf der Erde, im Tode das Leben; – und ist doch all mein Glaube nicht, was Abrahams Glaube gewesen.“
Ein kleiner Glaube ist auch ein Glaube, wie ein Funken auch Feuer ist.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Beitrag von Joschie »

22. Frage: Was ist für einen Christen notwendig zu glauben?

Alles, was uns im Evangelium zugesagt wird, wie es uns unser allgemeines, wahrhaftiges, christliches Glaubensbekenntnis zusammengefasst lehrt.



Der Herr Jesus, da er seine Apostel in die Welt aussendet, befiehlt er ihnen: Lehret sie halten alles, was ich euch gesagt habe. Und St. Johannes der Evangelist saget, dass die Geschichte und der Apostel Lehre von Christo aufgeschrieben sei, dass man glaube, Jesus sei Christ der Sohn Gottes, und dass wir durch den Glauben das Leben haben in seinem Namen (Joh. 20,31). Es ist ja wahr, dass ‚glauben‘ heißt alle Worte Gottes von Herzen annehmen, sie für gewiss und wahrhaftig halten, es sei gleich Zorn- oder Gnaden-Wort, und alles, was uns das Gesetz Gottes vorhält. Aber hier redet unser Katechismus allein von dem seligmachenden Glauben, der aus dem Evangelium entspringt, welches ist eine Erfüllung aller Verheißung Gottes im alten Testament und uns vorhält die ganze Historie von unserer Erlösung. Auf dass aber ein jeder wisse, was uns in einer Summe im Evangelium verheißen werde, so ist solches in Artikel des christlichen Glaubens verfasset, welches ein ‚katholischer‘ oder allgemeiner Glaube genannt wird, darum dass nur ein einiger Glaube ist aller Christen in der Welt, und ein unzweifelhafter Glaube, an dem niemand zweifeln darf, welche Artikel man nennt das Symbolum Apostolicum, darum dass apostolische Männer (im 3. Jahrhundert) solche zusammengetragen und in eine kurze Summa verfasst haben, dass es sei ein Kennzeichen, daran man die Christen kennen und von den Ungläubigen unterscheiden kann. Denn gleichwie die Krieger ihr Symbolum oder Losung haben, daran sie im Treffen sich kennen: also haben die Apostel als die Hauptleute allen frommen Christen, die unter Christi Fähnlein streiten, eine Losung gegeben, daran sie sich kennen und von den Feinden unterscheiden können. G. Spindler.
In den zwölf Artikeln dieses Bekenntnisses sind die vornehmsten Wahrheiten enthalten, die aus dem ungegweifelten Wort Gottes von gottseligen Menschen gezogen sind (Christoph Stähelin). damit man daraus auf einmal sehen könnte, was höchst nötig sei zu glauben (D’Outrein); daher nennt man solche Artikel auch Fundamental-Artikel der christlichen Lehre.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Beitrag von Joschie »

23. Frage: Wie lautet dieses Glaubensbekenntnis?

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigenVaters, von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige allgemeine christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das Ewige Leben.

Wer das Wort Gottes“, schreibt Dan. Testanus, „mit Nutzen und Trost betrachten will, muss vor Augen haben ein Vorbild der ganzen heilsamen Lehre, wie denn ein solches sind die drei Artikel unseres allgemeinen christlichen Glaubens, daher auch St. Paulus redet 1. Kor. 15: Ich habe euch zuvörderst gegeben, welches ich auch empfangen habe, dass Christus gestorben sei für unsere Sünden nach der Schrift usw. Diese Artikel aber sind von der Zeit der Apostel her also begriffen und von den Christen bekannt worden: Ich glaube in Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Und in Jesus Christum usw.
Obschon später noch andere Glaubensbekenntnisse von den altern Vätern und Konzilien aufgestellt worden sind, so sind diese doch im Grunde nichts anderes als Erklärungen des apostolischen Glaubens wider die Ketzer. So das Glaubensbekenntnis von Nicäa in Bithynien wider die Arianer gemacht, welche vorgaben und lästerten, dass der Sohn Gottes nicht gleichen Wesens wäre mit dem Vater. Ebenso sind von dem Konzil zu Ephesus 450 etliche Artikel wider den Ketzer Nestorius aufgestellt worden, welcher die beiden Naturen in Christo getrennt und die persönliche Vereinigung beider nicht anerkannt hatte. Endlich als der Mönch Eutyches zu weit gehen und die beiden Naturen in Christo nicht bloß vereinigen, sondern einander gleich machen und vermischen wollte, wurde, ihm zu begegnen, unter dem Kaiser Martianus ein besonderes Glaubensbekenntnis auf dem Konzil zu Chalcedon abgefasst. Solche Bekenntnisse sind von der allgemeinen Christenheit angenommen worden, aber nicht allenthalben mit dem rechten Ernste. Daher haben sich vielfach die alten Irrtümer von der Person Christi erneuert. Andere haben die Lehre vom Amte Christi zunichte gemacht, indem sie Götzen neben dem wahren Gott anbeten. Nach der Reformation der Kirche wurden von den deutschen reformierten Kirchen, mit Beibehaltung der genannten Bekenntnisse, als besondere Bekenntnisschriften angenommen die veränderte Augsburgische Konfession von 1540 und der Heidelberger Katechismus. Die einzelnen Landeskirchen nahmen teilweise noch eigene Bekenntnisse zu jenen beiden an, als Anhalt, Hessen-Kassel, Bremen, Nassau, Brandenburg, die aber keine bleibende Bedeutung erlangten. Die außerdeutschen reformierten Kirchen haben außer dem Heidelberger Katechismus, den die meisten angenommen haben, noch ihre besonderen Bekenntnisse, unter welchen wir vorzüglich nennen: das niederländische, französische und die zwei schottischen, als solche, die mit dem Blute vieler tausend Märtyrer besiegelt sind. Eine wertvolle Sammlung der reformierten Bekenntnisschriften ist die von Böckel 1847 bei Brockhaus in Leipzig herausgegebene. Ebenso wichtig sind die Bekenntnisschriften der reformierten Kirchen Deutschlands, von Professor Heppe, 1860 bei Friderichs in Elberfeld erschienen.

Über die Bedeutung dieser kirchlichen Symbole hat Kohlbrügge also sich ausgesprochen:
Die reformierte Kirche besitzt nicht und hat nie besessen ein allgemein anerkanntes normatives Glaubensbekenntnis: das ist und sollte ausschließlich sein die heilige Schrift. In den einzelnen Ländern, zu verschiedenen Zeiten und unter Manning fachen Umständen sind Bekenntnisschriften hervorgetreten, die alle nur in mehr oder minder beschränkten Kreisen Anerkennung und verbindliche Geltung gefunden haben. Es ist dies keineswegs ein Mangel für die reformierte Kirche. Anstatt einer engen verbauten Kammer ohne das gehörige Licht und Luft besitzt die reformierte Kirche in diesen ihren verschiedenen, einen bestimmten menschlichen Namen verleugnenden Bekenntnissen ein auf dem Felsen des göttlichen Wortes, auf dem Fundament der Propheten und Apostel in sich fest verbundenes unerschütterliches Haus, dessen Bewohner, in welchem Geschoss und nach welcher Himmelsgegend hin sie sich aufhalten mögen, als eine durch Glauben und Liebe vereinigte Familie sich betrachten mögen
.
Und Zach. Ursinus sagt in seiner Christl. Erinnerung:
So sind denn solche Schriften zu halten nicht für Schriften, die Glauben verdienen aus sich selbst, wie die heilige Schrift noch für Schriften, die eine unbewegliche und allgemeine Regel des Glaubens und der Wahrheit sind, wie die Symbole der allgemeinen Kirche; sondern sie sind allein eine Norm oder Regel, aus der man sehen kann, was mit der Ansicht der Kirche übereinkommt, welche dieses Bekenntnis ausgegeben hat. So muss man sich denn beim Annehmen und Verwerfen von solchen kirchlichen Schriften hüten vor allzu großer Freiheit: damit, wenn es jedem erlaubt sein sollte, nach seinem Wohlgefallen zu verändern das, was mit allgemeiner Zustimmung, ja auch mit seiner eignen angenommen ist, daraus nicht Spaltungen und unzählige Ärgernisse in der Kirche erfolgen, so dass, außer dem, dass neue Arten zu sprechen eingeführt werden, auch neue Meinungen und Lehren sich einschleichen. Wie viele nach dieser Regel einher gehen, über die sei Friede und Barmherzigkeit, und über den Israel Gottes. Gal. 6,16.
Es ist ein großer Segen
spricht Lucas Gernler,
wenn die Lehrer in der Kirche nach einer Regel wandeln, einmütig zusammen stimmen und alle sprechen: Wir sagen euch (1. Thes. 4,15). Wenn die Ärzte sich nicht miteinander bei einer Kur vergleichen können, so geht’s über den Patienten aus. Also geht’s über die Kirche aus, bringt Ärgernis und Verwirrung im Glauben, wenn die Lehrer ungleich gesinnt sind in der Lehr, und einer asdodisch, der andere jüdisch redet. Darum alle Lehrer die Worte Pauli in ihrem Herzen sollen erklingen lassen. 1. Kor. 1,10.
Die Männer Gottes, von denen unsere Symbole herrühren, haben, auf die Schrift sich stellend, die Summe des glaubensvollen Verständnisses derselben in den Bekenntnissen zum Ausdruck gebracht und damit bewiesen, dass sie nicht eine Kirche des willkürlichen Beliebens wollten, sondern eine solche die im Glauben mit dem Worte Gottes übereinstimme. Daher bilden die Bekenntnisse die Lehrgrundlage der Kirche, und ist diese ohne solche nicht denkbar. Ein französischer Offizier kam durch fleißiges und ernstes Lesen der heiligen Schrift zu dem Entschluss, aus der römischen Kirche zu treten. Als ihm seine Freunde darüber Vorwürfe machten, antwortete er ihnen: ich tu weiter nichts, als was mein Kriegskamerad Bernadotte (König von Schweden) auch getan hat. Ja, entgegneten jene, das ist etwas anderes; denn Bernadotte hat sich dafür eine Krone gekauft. Gerade das ist auch meine Absicht, erwiderte der Offizier, nur mit dem Unterschiede, dass jener eine irdische und vergängliche Krone erwarb ich dagegen eine ewige und himmlische erstrebe.

Als Graf Johann Ludwig von Nassau Hadamar 1629 in Wien sich von den Jesuiten hatte verführen lassen, von der guten Lehre der reformierten Kirche abzufallen, suchte er in die Heimat zurückgekehrt die Prediger seines Landes zu überreden, seinem schmachvollen Beispiele nachzufolgen. Sie wüssten wohl, dass sie wegen ihrer Ehen unter den Römischen einer geistlichen Bedienung unfähig seien, doch wolle er sie gern mit einer politischen Bedienung versorgen, wenn sie ihre Religion wechseln würden; widrigenfalls müssten sie ihre Gemeinden und das Land verlassen. Auf diese schnöde Zumutung erwiderte Pastor Niesener von Rennerod im Namen der übrigen reformierten Prediger des Landes: Was Ew. gräfliche Gnaden uns, als die wir die göttliche Wahrheit so lange unverfälscht von allen Kanzeln gepredigt, zuzumuten belieben, ist eine Sache, die nicht uns, sondern Gott im Himmel angehöret, dem man mehr als Menschen gehorchen muss. Und wenn wir hierin Ew. Gnaden Folge leisteten, so würden wir eine Lästerung gegen die göttliche Majestät und eine in alle Ewigkeit unvergebliche Sünde begehen. Der Heiland sagte Matth. 6,23: Wenn das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann die Finsternis selber sein. Und die fromme Gemahlin des Grafen, Ursula, eine Tochter des Grafen Simon zur Lippe, bekannte, dass niemand erleben solle, dass sie abfalle von der Wahrheit, indem sie eher ihren Eheherrn und das Land verlassen wollte, als ein solches tun.

Der Gottesmann a Lasco musste wegen des reformierten Bekenntnisses mit seiner Gemeine von Land zu Land ziehen. In England musste er im Herbste 1553 vor den Verfolgungen der römischen Königin Maria der Blutigen, welche selbst der Asche der treuen Glaubenszeugen nicht Ruhe gönnte, flüchten. Sie nahmen den Weg nach Dänemark, wo der aller christlichste König regierte, an den sie empfohlen waren. Bei ihm flehten sie um Schutz und Obdach. Freundlich empfing derselbe a Lasco, reichte ihm die Hand und gab ihm gute Versprechungen. Aber die Lutheraner, besonders der Hofprediger des Königs, meinten, es sei doch besser papistisch als reformiert, es sei die reformierte Abendmahlslehre doch eine gefährlichere Ketzerei als die papistische. Sie sollten alles haben, wenn sie ihre Lehre drangeben würden. Dies konnten sie jedoch nicht. Aber sie hatten Vertrauen auf Gott, der sein Volk nicht ganz verlässt. Manchmal schon hatten sie vor des Kaiphas Rat stehen müssen, wo ihnen die Frage vorgelegt wurde: Du ein Kind Gottes? Du bist ein Ketzer. Aber getrost hatten sie es vor Fürsten und Mächtigen bekannt: Wir sind Könige und Priester des Allerhöchsten. So taten sie es auch hier. Und da der König sein Wort brach, mussten sie, mitten im Dezember, in die offene See aufbrechen, samt ihren armen Frauen und Kindern. Ja, wo das Bekenntnis der Wahrheit lebt, da bleibt das Kreuz nicht aus. Aber ohne das Kreuz kein wahres Bekenntnis. Wo aber das Kreuz kommt, da kommt auch die Bewahrung bei diesem Bekenntnis, und erfährt man es, dass man einen lebendigen und wahrhaftigen Gott hat. Die Gräfin Anna von Ostfriesland nahm die Flüchtlinge auf. An diese hatte sie Bullinger mit den Worten empfohlen: die frommen Leute, wo sie hätten wollen Abgötterei treiben, von erkannter Wahrheit abtrünnig werden und dem h. Evangelium lästern, hätten sie in ihrem Vaterlande in Ehre und Gut bleiben mögen und sicher gesetzt werden. Da sie aber solche große Laster und Sünde nicht haben begehen wollen, sondern sich allein gehalten an Christum und sein Evangelium, haben sie keinen Platz mehr gehabt in ihrem Vaterlande. Sie haben, wie schwer es auch gewesen, verlassen Haus und Heimat und sind mit Weib und Kind ins Elend gefahren, und haben es aus wahrem Glauben mit unserm Vater Abraham auf Gott gewagt.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Joschie
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24. Frage: Wie wird das Glaubensbekenntnis eingeteilt?

In drei Teile: der erste handelt von Gott dem Vater und unserer Erschaffung; der zweite von Gott dem Sohn und unserer Erlösung; der dritte von Gott dem Heiligen Geist und unserer Heiligung.

Diese Artikel werden in drei Teile geteilt nach den drei unterschiedlichen Personen in der Gottheit und ihren Wohltaten. Erstlich wird gesetzt der Vater, weil er uns von Ewigkeit in seinem Sohne erwählet hat zu seinen Kindern und Erben des ewigen Lebens, ehe der Welt Grund gelegt, worden. Denn weil seine große Liebe gegen uns die Quelle und der Ursprung unserer Erlösung ist, welche eine Ursache ist, dass er seinen Sohn der Welt gegeben und zum Opfer verordnet hat, so wird er billig zuerst gesetzt. Danach der ewige Sohn Gottes, der Gottes Rat und Beschluss ins Werk gesetzt, die Erlösung und Bezahlung getan, uns mit dem Vater versöhnet und ewige Gerechtigkeit und Leben erworben hat. Zum dritten der h. Geist, welcher durch die Predigt des Evangeliums den Glauben in uns wirket, durch welchen wir Christo einverleibet, neu geboren und Glieder seines Leibes, in ihm geheiligt, seines Opfers und Verdienstes und aller Wohltaten Gottes teilhaftig werden. Also richtig werden diese Artikel gesetzt und abgeteilt, dass wir daraus die ganze Ordnung unserer Erlösung fein verstehen und die großen Wohltaten Gottes erkennen können. Dem Vater wird zugeschrieben die Erschaffung der Welt und Erhaltung aller Kreaturen in ihrer Ordnung. Denn obwohl die Erschaffung ein Werk ist aller drei Personen, wird sie doch dem Vater beigelegt, zum Unterschied der Personen. Denn wie der Vater die Quelle und der Ursprung unserer Erlösung ist und von Ewigkeit beschlossen hat, uns durch den Sohn zu erlösen, so ist er auch der Anfang der Erschaffung der Welt. Denn weil er uns von Ewigkeit erwählet hatte, ehe der Welt Grund gelegt war, so greift er auch zum Werke und schafft um unsertwillen durch den Sohn und h. Geist Himmel, Erde und alle Kreaturen und uns zu seinem Ebenbilde, auf dass wir seine großen Wohltaten könnten erkennen, ihm dafür dankbar sein und ihn ewig loben und preisen. Dem Sohne wird die Erlösung zugeschrieben. Denn obwohl der Vater auch unser Erlöser ist, wie auch der h. Geist, denn der Vater, nachdem er von Ewigkeit gesehen, dass der Mensch in seiner Unschuld nicht bestehen würde, verordnete seinen Sohn zum Mittler und Erlöser und sandte ihn, Fleisch und Blut an sich zu nehmen und ein wahrer Mensch zu werden, damit er uns Menschen erlösen könnte; und der h. Geist, der den Glauben in uns wirket, macht uns, solcher Erlösung teilhaftig – so wird doch die Erlösung dem Sohne zugeschrieben, denn er hat die Bezahlung getan für unsere Sünde, uns mit Gott versöhnet, die Feinde erlegt, ewige Gerechtigkeit und Leben erworben, und wir werden ewiglich in ihm erhalten. Dem h. Geist wird die Heiligung zugelegt. Denn ob es wohl auch ein Werk ist der ganzen h. Dreieinigkeit, so geschieht es doch in der Ordnung, dass der Vater durch den Sohn und um des Sohnes willen den h. Geist in der Gläubigen Herzen ausgießt, der sie von neuem gebiert. Licht und Erkenntnis und das Feuer der Liebe und Furcht Gottes in ihnen anzündet, und ihren Willen dahin lenkt, dass sie Gott gehorsam sind, ja er schaffet neu Gemüt, Sinn, Verstand und Willen, und neue Bewegung im Herzen und heiliget und erneuert sie wieder zum Bilde Gottes, dass sie etlicher maß Gott ähnlich werden, bis sie am jüngsten Tag ein vollkommenes Bild Gottes sein werden. Hieraus sehet ihr die schöne Ordnung unserer Erlösung, wie wir erlöset sind, und könnet erkennen die großen Wohltaten Gottes, von denen die h. Schrift erzählet, und darinnen alle Wohltaten Gottes begriffen sind und daraus erkannt werden. Darum ihr diesen Dingen sollt fleißig nachdenken, so werdet ihr die h. Schrift verstehen lernen und sie mit großem Nutzen lesen können, auch inne werden, dass wir nicht anders, denn auf diese Weise und in solcher Ordnung haben können erlöset werden. – Wer dieser schönen Ordnung unserer Erlösung fleißig jeden Tag nachdenket, der lernt je länger je mehr Gottes Liebe und große Wohltaten erkennen, Gott herzlich fürchten und lieben und dem Nächsten um Gottes willen dienen, auch Gott für alle Wohltaten danken, und fröhlich in seinem Gott alles Zeitliche verlassen und seinem lieben Gott anhangen, wie St. Johannes ermahnet: Lasset uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt. 1. Joh. 4,19. S. auch V. 9 und 11.
G. Spindler.
„Was den Umstand betrifft, dass auch die römische Kirche dieselben Grundwahrheiten, dem
Wortlaute des apostolischen Symbolums nach, bekennt, weshalb manche vermeinen, es sei auf Grundlage derselben eine Einigung der evangelischen Kirchen mit jener möglich, so ist darauf zu erwidern: Wir verstehen unter diesen Grundwahrheiten etwas völlig anderes. Wenn der Evangelische bekennt: ich glaube eine Vergebung der Sünden, so hat dieses herrliche Wort eine andere Kraft, Harmonie und geistige Bedeutung in seinem Ohr, als wenn es aus dem kalten Herzen eines Römischen kommt, der nichts glaubt von Vergebung der Sünden, als was er sich verdienet hat und seinen Werken selbstzufrieden absehen kann. Welchen Trost hat ein erschrockenes Gewissen von dem Glauben an einen Sohn Gottes, der nicht ‚völlig für alle meine Sünden bezahlt hat,‘ sondern der noch immerdar schwach genug in sich und seinem Tun meine Zutaten zu seinem Heile verlangt? Die Reformatoren haben sich nicht geirrt, wenn sie in ihren Erklärungen des Apostolicums wiederholt den Nachweis lieferten, wie eine ganz andere Dreieinigkeit sie glaubten, als die Römischen. A. Zahn.
Heißt denn das glauben, nichts verstehen, nur dass du deine Meinung der Kirche Gehorsams
unterwirfst? Nicht in der Unwissenheit, sondern in der Erkenntnis besteht der Glaube. Denn wir erlangen daraus nicht das ewige Heil, dass wir bereit sind, für wahr zu halten, was die Kirche vorschreibt, sondern dass wir erkennen, Gott sei unser gnädiger Vater wegen der Versöhnung, durch Jesus Christum geschehen, und Christum annehmen, als der uns zur Gerechtigkeit, Heiligung und zum Leben geschenkt ist. Calvin.
Es geht kein Schiff so groß auf dem Meer, das allein die Hauptbücher, so des Papsts Kirchen zu regieren geschrieben sind, tragen könnte. Noch soll man in denen allen kaum zwei reiner Zeilen von Christo und dem Glauben finden, das andere alles ist wider Christum. Luther.
Philipp Eilbracht, welcher bis 1627 als Pastor die reformierte Gemeinde zu Dürren bedient hatte, kam durch Erwägung des Gedankens, ob nicht eine Einigung mit der römischen Kirche möglich sei, um dem schrecklichen Ungemach der Verfolgung jener Zeit zu entgehen, zu der Meinung, die Grundwahrheiten christlicher Lehre, welche zur Erlangung des Heils notwendig seien, werden auch jetzt von derselben festgehalten. Daher sei die Gemeinschaft mit ihr nicht verwerflich. Nun war es eine leichte Sache den Jesuiten zu Köln, ihn in ihre Netze zu ziehen. Es fehle ihm nur noch das Eine, dass er sein Urteil der Autorität der Kirche unterwerfe. Aber nicht lange hielt er es in den Banden des Papsttums aus. Gott führte ihn aus diesem Diensthause aus.
Hütet euch, schreibt Eilbracht an seine Glaubensgenossen, wie vor den Bänken des Satans, so auch vor nämlich vor jenem gefährlichen Friedensschlusse. Wenn etwas, so sei euch dieses gewiss, dass zwischen der rechtgläubigen und der päpstlichen Kirche kein Friede, kein Vergleich, keine Eintracht zu erwarten ist.
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Joschie
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25. Frage: Warum nennst du denn drei: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, wo doch Gott nur einer ist?

Weil Gott sich in seinem Wort so offenbart hat, dass diese drei Personen unterschieden und doch der eine, wahre und ewige Gott sind.


Der rechte uralte apostolische und katholische Glaube, wie der alte Lehrer Athanasius in seinem Symbolum erinnert, erfordert von uns, dass wir vor allen Dingen den einigen Gott in der Dreieinigkeit und die Dreieinigkeit in der Einheit anbeten d. i. den Vater, Sohn und hl. Geist, doch also, dass wir weder die Personen durcheinander mengen, noch das einige göttliche Wesen zertrennen. Und solches darum, weil Gott also erkannt und geehrt sein muss, wie er sich in seinem h. Worte hat geoffenbart; sonst beten wir ein Gedicht an statt des wahren Gottes. Nun hat sich die aller höchste göttliche Majestät in der h. Schrift, wie auch in den vornehmsten Werken also geoffenbart, dass der einige wahre Gott ist der Vater, Sohn und h. Geist, und ist doch keineswegs ein dreifacher Gott, sondern bleibt dieser Grund fest und unbeweglich, dass der wahre Gott ein einiger Gott ist (5. Mos. 6; Eph. 1,4) der die Ehre, die ihm gebührt, keinem andern gibt (Jes. 42). Denn er allein ist unsterblich, ewig, allmächtig und alleinweise, ihm sei Ehre und Preis in Ewigkeit (1. Tim. 6). Wenn man aber fragt: was ist dasselbe einige göttliche Wesen? so antworten wir mit den Artikeln unseres christlichen Glaubens: Es ist der Vater, Sohn und h. Geist, wie solches in der h. Schrift und aus den vornehmsten Werken Gottes erscheint. Denn Gott schuf Alles durch sein ewiges Wort, welches bei ihm war von Anfang an und ohne welches nicht erschaffen ist; der h. Geist aber schwebte auf dem Wasser, der auch mit war, da der Herr sein Volk aus Ägypten führte, wie Jes. 63 spricht, dass ihn die Israeliten in der Wüste entrüsteten. Und Haggai tröstet der Herr, er wolle mit dem Wort und Geist bei den Seinen bleiben (Kap. 2,6). Im Werke der Erlösung sehen wir, dass der Vater den Sohn sendet, der unsere Natur annimmt; der h. Geist gibt Zeugnis dem Sohne, und ob er schon ein einiger Geist ist, erweckt er doch mancherlei Gaben, womit die Gläubigen geziert werden 1. Kor. 12. D. Tossanus.
Gott ist dem Wesen nach einfach, der Person nach dreifach. Die Dreifachheit der Personen finden wir auch im hohen priesterlichen Segensspruch 4. Mos. 6,24-27. Hier ist eine Dreifachheit der Person, in dem dreimal gesagt wird: Der Herr. Es ist aber doch Einfachheit und Einheit des Wesens da, in dem es heißt: Du sollst meinen Namen legen usw. – Wer war die Hauptperson im Volke Israel, da es aus Ägypten zog? Christus, Hos. 11,1, wo er als das Haupt des Volkes allein genannt wird. Der Herr Zebaoth Jes. 6,1 ff. der dreimal heilig genannt wird, ist der dreieinige Gott. Der Herr, den der Prophet auf dem Stuhl sitzen sah, war Jesus, wie Joh. 12,41 bezeuget wird. Da er nun den Herrn Jesus sah, sah er zugleich Gott den Vater. Wer mich sieht, der sieht den Vater. Gott selbst können wir nicht sehen, weil wir Menschen sind und er ein Geist ist. Er hat sich aber sichtbar gemacht in seinem Sohne. Nun hörte der Prophet eine Stimme: wen soll ich senden? Gott der Vater spricht nicht zum Menschen denn durch den Sohn oder heil. Geist. So ist es hier der h. Geist Apg. 28,25 f. Ähnlich Jes. 48,16. – Bei der Taufe Jesu haben wir ebenso die drei Personen der hl. Dreieinigkeit. Matth. 3,16.17. Nenne mir ein Wort des Herrn Jesu für die Dreieinigkeit? Joh. 15,26. Wenn aber der Tröster kommen wird usw. vgl. Joh. 20,22. Der Herr Jesus hat auch befohlen, die Heiden zu taufen im Namen des Vaters, des Sohnes und des h. Geistes Matth. 28,19 warum? Derjenige, welcher für die Ewigkeit getauft wird, muss ein dreifaches Zeugnis in sich haben, darum ist auch der apostolischen Segen 2. Kor. 13,13 dreifach. Darum sind auch drei, die da zeugen im Himmel 1. Joh. 5,7. Der Vater, das Wort und der h. Geist; wie auch drei auf Erden sind, die da zeugen: der Geist, das Wasser und das Blut. Wie zeugt nun der Geist auf Erden d. i. in der Gemeine? Er zeugt mit unserm Geiste, dass wir Kinder Gottes sind und erhält in der Gemeine die Einigkeit. Als äußeres Zeugnis ist da: das Wasserbad und im Abendmahl das Blut Jesu. Blicken wir nun in der Angst und Not in den Himmel hinein, so sind wieder drei Zeugen: der Vater, das Wort und der h. Geist. Nach Kohlbrügges Kinderlehre.
Der berühmte Rechtsgelehrte Pütter zu Göttingen sagte, als er in einer Vorlesung über Kirchenrecht den Begriff der christlichen Religion anzugeben hatte:
Meine Herren! Ich rede von einer Sache, die jedem unter uns wichtig sein muss. Was ich hier öffentlich als Wahrheit bekenne, das bekenne ich deswegen als solche, weil Jesus Christus sie gelehrt und sie in diesem Buche steht! Bei letzteren Worten hob er eine Bibel in die Höhe. Ich habe keinen Beruf, dies zu verkündigen, aber ich muss es zur Ehre der Wahrheit bezeugen, dass in den 40 Jahren, in welchen ich das Bibelstudium zu meinem täglichen Geschäfte machte, weder Ehre noch Reichtum, noch irgend ein Gut der eitlen Welt die Seligkeit mir verschaffte, die das einzige aller Bücher, die Bibel, mir gewährte.
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Joschie
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Frage 26.
Was glaubst du, wenn du sprichst: Ich glaube in Gott Vater, den allmächtigen Schöpfer
Himmels und der Erden?


Ich glaube, dass der ewige Vater unseres Herrn Jesus Christus um seines Sohnes willen mein Gott und mein Vater ist. Er hat Himmel und Erde mit allem, was darin ist, aus nichts erschaffen und erhält und regiert sie noch immer durch seinen ewigen Rat und seine Vorsehung. Auf ihn vertraue ich und zweifle nicht, dass er mich mit allem versorgt, was ich für Leib und Seele nötig habe, und auch alle Lasten, die er mir in diesem Leben auferlegt, mir zum Besten wendet. Er kann es tun als ein allmächtiger Gott und will es auch tun als ein getreuer Vater.

Wie der Wille Gottes nicht unwirksam ist, so auch nicht sein Ratschluss, da Gott alles tut nach dem Rate seines Willens Eph. 1,11. Die Ordnung erfordert nun, dass wir betrachten, wie Gott nach seinem Ratschluss gehandelt hat in der Zeit oder vielmehr das Ausgeführte verordnet hat in der Zeit. Nach den verschiedenen Beziehungen zu dem Ausgeführten erhält die Ausführung des göttlichen Willens verschiedene Benennungen, je nachdem die Kreaturen gedacht werden im Entstehen, im Sein oder im Wirken. Die erste Gattung dieser Ausführung heißt Schöpfung, die zweite Erhaltung, die dritte Regierung. Die zwei letzten Gattungen kommen auch vor unter dem gemeinsamen Namen der Vorsehung. Sal. van Til
Allmächtig wird Gott genannt darum, dass er alle Dinge vermag, aller Dinge Herr ist und ihm alles unterworfen ist. Darum er auch ein Herr der Heerscharen genannt wird. Denn Himmel und Erde und was darin ist, das Gestirn, alle Elemente, Menschen, Engel, Teufel, alle Tiere, alle Geschöpfe sind in der Gewalt des höchsten und ewigen Gottes. Was er heißt, das müssen sie tun. Dass aber Gott unser Vater gut, gnädig und barmherzig, auch stark, allmächtig, aller Dinge Herr, unser Schirmer und Erretter sei, das wird in seinen wunderbaren Werken erklärt, denn er ist ein Schöpfer des Himmels und der Erde. Mit welcher Schöpfung des Himmels und der Erde er gar eigentlich erklärt hat, wie er gegen den Menschen gesinnt sei. Denn da sie noch nicht waren und deshalb mit keinen Werken nach Verdiensten um ihn beschuldigen mochten, dass er ihnen gutes täte, da hat er aus seiner lauteren Gnade und natürlichen Güte Himmel und Erde erschaffen, ja den herrlichen schönen Palast, und ihnen den zu bewohnen gegeben, auch alle Kreaturen dieser ganzen Welt dem Menschen unterworfen. Was große Kraft und Gewalt er aber erzeigt und geübt habe in der Schöpfung aller Dinge, das erscheint aus dem, dass er allein geredet und es ist alles geworden. Er hat allein geboten und es ist alles erschaffen, welches so man’s eigentlich besieht und bedenkt, was ehe die sechs Tage einander nach erschaffen, wie ordentlich, wie zierlich alles, wie nützlich dem Menschen, wie auch ohne alle Arbeit, als denn solches nach der Länge von Moses beschrieben wird Gen. am ersten Kapitel, so muss man ganz erstaunen ob der unsäglichen Güte und Kraft Gottes. Dabei müssen wir aber von Gott dem Schöpfer auch also halten, dass er nicht nur alles durch seinen Sohn, der die ewige Weisheit ist, erschaffen habe, Sichtbares und Unsichtbares, und das aus nichts, sondern dass er auch jetzt alles nichts weniger durch seinen ewigen Geist erhalte, schirme, treibe und regiere, ohne welchen Geist es alles bald zerfallen und zunichte würde. Darum so bekennen wir in diesen Worten auch die Vorsichtigkeit und Weisheit des ewigen Gottes, durch welche alle Dinge erhalten werden. Dies ist nun von dem ersten Teil und von dem ersten Artikel des Glaubens, in welchem erklärt ist, was da betrifft die Eigenschaft Gottes des Vaters. Denn er ist ein Vater, ja ein Vater unseres Herrn Jesu Christi, und auch ein Vater und Herr unser aller, ein Schöpfer des Himmels und der Erde, ein Verwalter und Erhalter aller Dinge, aus dem alle Dinge sind und in dem alle Dinge bestehen. H. Bullinger, Hausbuch.


Joh. Piscator sagt: Das Wort „Schöpfer“ bedeutet Einen, der etwas, das zuvor nichts war, erschaffet und macht, entweder aus nichts, wie Gott, den obersten Himmel, die Erde, das Wasser und das Licht erschaffen hat, oder aus etwas, wie Gott den Adam erschaffen hat aus dem Staub der Erde und die Eva aus der Rippe Adams.

Der im März 1874 zu Hannover heimgegangene große Astronom Johann Heinrich Mädler war ein entschieden gläubiger Christ. Wiederholt hatte er geäußert: Ein echter Naturforscher kann kein Gotteslästerer sein; denn wer so tief wie wir in Gottes Werkstatt schaut und wie wir Gelegenheit hat, seine Allweisheit und ewige Ordnung zu bewundern, muss in Demut seine Knien vor dem Walten eines höheren Geistes beugen. Noch auf seinem Sterbebette schrieb er die Worte nieder:
Es ist nur Menschentreiben, wenn man den Ruhm anschaut, Doch ewig ist und bleibet, was Gott selbst aufgebaut. Während der traurigen Zeiten der französischen Revolution begegnet einst eine ungläubige Magistratsperson einem Bauer, dessen wahre Frömmigkeit bekannt war. „Nun, mein Freund“, sagte der Herr zum Landmann, „ich will eure alte Kirche niederreißen lassen, und ich hoffe, dass bald nichts mehr bleiben wird von allem, was an euren alten Aberglauben erinnern könnte.
Ihr könnt in der Tat
, erwiderte der Bauer,
unsere Kirche abbrechen, aber an die Sterne, die noch viel älter sind, als dies Gebäude von Stein, könnt Ihr euch doch nicht heranmachen, und die kann man aus viel größerer Entfernung sehen, als den alten Kirchturm, und die verkündigen noch lauter die große Macht und Güte Gottes!
Der Engländer Arthur Denton, der gegen Ende des 16. Jahrh. eine prächtige Schrift: der Einfältigen Fußpfad oder Himmelspfad, in Form eines Gespräches veröffentlicht hat, schreibt darin: Derjenige, der niemals gezweifelt, hat auch niemals wahrhaftig geglaubt. Wer wahrhaftig glaubt, der erfährt bisweilen in seinem Herzen großen Zweifel und Verwirrungen. Denn gleichwie ein gesunder Leib viele verborgene Krankheiten bei sich fühlet, die der Kranke nicht so bald fühlen kann: also spüret auch eine gesunde und frische Seele etliche Zweifel, die sie in krankem Zustande nicht merkt. Denn wir merken eine Verderbnis nicht aus der anderen, sondern wir erkennen aus Gnaden unsere Mängel und Gebrechen. Je mehr wir der Gnade haben, je besser können wir unsere Unart sehen und empfinden. Etliche Leute, deren Haut sehr zart und gefühlvoll ist, werden auch das leichteste Federlein, welches ihnen still und sanft aufgelegt wird, alsbald fühlen, während andere, deren fühlen stumpf ist und die Schwielen an den Gliedern haben, es so schnell nicht merken. Daher erhellt, dass diese Zweifel und Wankelmütigkeit, womit auch die Kinder Gottes bisweilen zu streiten haben, die Gewissheit ihres Keiles und ihrer Seligkeit nicht hindern, ja die Gesundheit ihrer Seele
vielmehr klar erweisen. Denn wenn solche anklebende Zweifel an der Seele gespürt werden, so setzen die Kinder Gottes denselben entgegen die unzweifelhafte Sicherheit und Gewissheit der göttlichen Wahrheit und Verheißung. und also überwinden sie und behalten das Feld.
Olevian lehrt: Gott nennen wir Vater aus zwei Ursachen: 1. in Ansehung seines Sohnes Christi, der die ewige Weisheit des Vaters ist, (Sprüche 8,23), von Ewigkeit von ihm geboren, und, nachdem er menschliche Natur an sich genommen, offenbart worden, dass er der Sohn Gottes sei (Röm. 1,4; Luk. 1,52) 2. dass er verheißen hat und mit der Tat bewiesen, dass er auch unser Vater sein wolle, da er seinen wahren Sohn uns zum Bruder gegeben und uns durch den Glauben als wahre Glieder seinem Sohne eingeleibt und also uns zu seinen Kindern angenommen hat. Joh. 20,17. Also werden wir durch den Namen Vater ermahnet, dass ein festes Bündnis zwischen Gott und uns in Christo bestätiget, und dass seine Liebe gegen uns als seine Kinder unwandelbar sei Joh. 17,11.23. Alexius Brosnerus, Prediger am Hofe des dem Papst sehr zugetanen Herzogs Georg von Sachsen, hatte einst sehr hart wider die papistische Lehre gepredigt und wurde deshalb entlassen. Als er eben im Begriffe stand, sich zur Abreise zu rüsten, ging Hieronymus Embser, ein großer Feind Luthers, vorüber und sagte: Ich habe nun des ketzerischen Predigers Ende erlebt, er muss in des Teufels Namen noch bei Sonnenschein davon und aus der Stadt, ich aber bleibe darinnen. Darauf antwortete Alexius: In Gottes Namen ist auch ein Wort, Herr Embser. Ich bin in Meißen gewesen, ehe ihr es waret, werde auch darinnen bleiben, wenn ihr nicht mehr sein werdet. Und also ist es geschehen. Denn Embser starb noch denselben Abend plötzlich bei einer Gasterei, die er gehalten. Einem Elternpaare war ihr einziges Kind gestorben, worüber sie nun mit Gott haderten, ja meinten, es könne derselbe, wenn überhaupt einer sei, so etwas gar nicht tun. Der Pastor sprach deshalb am Grabe des Kindes: Ihr wollt wissen, warum Gott euer Kind zu sich genommen hat. Ich antworte: Er will aus eurer Familie noch eins in dem Himmel haben. Ihr wolltet nicht in denselben und hättet das Kind auch nicht hineingelassen. Da nahm er denn dasselbe zu sich, damit ihr ihm möget nachlaufen. So macht der Herr bald auf diese, bald auf jene Weise uns Widerspenstige ihm zu dienen bereit, und zieht uns zu sich, als ein getreuer Vater.
Tobias Andreae, Inspektor und Pastor zu Braunfels, Schwiegersohn Piscators, tröstete, als er vor seinem Ende sein tiefbetrübtes Weib und seine zahlreiche Kinderschar um sich stehen sah, mit den Worten:
Hausfrau, bekümmert euch nicht allzusehr um meinen Tod; hinterlass’ ich euch nicht groß Geld und Gut, so hinterlass’ ich euch doch einen gnädigen und barmherzigen Gott, der euch und eure Kinder versorgen wird.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Frage 27.
Was verstehst du durch die Vorsehung Gottes?

Die allmächtige und gegenwärtige Kraft Gottes, durch die er Himmel und Erde mit allen Geschöpfen wie durch seine Hand noch erhält und so regiert, dass Laub und Gras, Regen und Dürre, fruchtbare und unfruchtbare Jahre, Essen und Trinken, Gesundheit und Krankheit, Reichtum und Armut und alles andere uns nicht durch Zufall, sondern aus seiner väterlichen Hand zukommt.

Die Vorsehung ist die unbegrenzte Weisheit Gottes, durch welche alle zukünftigen Dinge, die
allgemeinen im allgemeinen und die besonderen im besonderen, ehe sie geschehen sind, in ganz uneingeschränkter Weise gesehen und besorgt werden. Ein Teil derselben ist die göttliche Vorherbestimmung (Prädestination). Franz. Junius.
Conrad Mel schreibt in den Geistl. Reden zu seiner Zeit: Findet man in der Schrift einige merkwürdige Exempel der göttlichen Providenz und Vorsehung? Ja, an Joseph, der nach Ägypten musste geführt werden, durch allerhand Zufälle zum Thron kommen, dass seines Vaters Haus erhalten wurde 1. Mos. 41. So führte auch Gottes Vorsehung wunderlich, doch weislich den Moses, Hiob, David u. a. Wie weit erstreckt sich die göttliche Vorsehung? Über alle Dinge, sowohl große als kleine, notwendige als zufällige, gute als böse. – Wie kann bewiesen werden, dass Gottes Vorsehung gehet über große Dinge? Unter Gottes Vorsehung steht:
1) Himmel und Erde; Ps. 19,1.8; Hiob 38,8.13.
2) Könige und Königreiche; Sprüche 21,l.
3) Das Leben der Menschen; denn Gott hat einem jeden Menschen sein Ziel gesetzt, das kann er nicht überschreiten; 1. Sam. 26,9; Hiob 14,5; Joh. 7,30.
4) Regen und dürre Zeit; 5. Mos. 11,17.
5) Speise und Trank; Ps. 104,14.
6) Gesundheit und Krankheit; Hiob 5,18.
7) Reichtum und Armut; 1. Sam. 2,7. Geht auch Gottes Vorsehung über kleine Dinge? Ja, denn die Schrift gedenkt der Heuschrecken, welche seinen strafenden Befehl ausrichten; 2. Mos. 10,4; der Löwen, Ps. 104,2; Sperlinge, Matth. 10,29; Haare, Matth. 10,30; Tränen, Ps. 56,9. Werden von seiner Vorsehung auch regiert die Gedanken des Menschen? Ja freilich; Sprüche 21,1; Phil. 2,13; Ps. 51,12.

Wie weit erstreckt sich die Vorsehung Gottes über die bösen Taten der Menschen?
1) Lässt Gott zuweilen aus gerechten Ursachen den Sünder in seiner Bosheit hingehen: Apg. 14,16.
2) Er entziehet aus wohlverdienten Strafen die Gnadenmittel, wie also die undankbaren Juden verstockt wurden; Jes. 6,9.
3) Er lässt auch wohl aus heiligen Ursachen zu, dass Sünder ihre bösen Anschläge ausführen, wie er nicht hinderte, dass Judas Jesum verriet, die Juden ihn töteten. Apg. 4,27.
4) Gott strafet Sünden mit Sünden, wie den David durch einen fluchenden Simei; 2. Sam. 16,5, die Juden durch Assur, die Rute des göttlichen Zornes Jes. 10,5.
5) Er setzt dem Bösen Grenze und Ziel, Hiob 1,12.
6) Er regieret das Böse zu einem guten Ende. 1. Mos. 50,20.
Ursinus sagt zu unserer Frage: Mit der Lehre von der Schöpfung der Welt hängt zusammen die von der Vorsehung Gottes, welche nichts anders ist als die Fortsetzung der Schöpfung, weil die Regierung die Erhaltung der geschaffenen Dinge ist. Denn wir haben uns keine solche Schöpfung vorzustellen, wie der Aufbau eines Schiffes ist, welches der Baumeister nach Vollendung dem Schiffsherrn zur Leitung übergibt; sondern haben für gewisser als gewiss zu halten, dass wie keine Dinge da wären, wenn Gott sie nicht erschaffen hätte, ebenso die erschaffenen Dinge keinen Augenblick bestehen könnten, wenn Gott sie durch seine Vorsehung nicht leiten und erhalten würde. Deshalb können wir die Schöpfung nicht recht verstehen, wenn wir sie von der Lehre der Vorsehung trennen wollten.
Vorherwissen, Vorsehung und Vorherbestimmung sind verschiedene Begriffe.

Das Vorherwissen (praescientia) ist die Erkenntnis Gottes, in welcher er zum voraus von Ewigkeit gewusst hat, was er selbst tun würde und was nach seiner Zulassung andere tun würden, wie Sünden. Die Vorsehung und Vorherbestimmung beziehen sich zwar nur auf das, was Gott selbst tun würde, doch darin sind sie von einander unterschieden, dass die Vorsehung sich auf alle Dinge und Werke Gottes, die Vorherbestimmung sich aber nur auf vernünftige Kreaturen erstreckt.
Denn die Vorherbestimmung ist der Allweise, ewige und unveränderliche Beschluss Gottes, wonach er einen Menschen, ehe er ihn erschaffen hat, zu seinem gewissen Gebrauch und Zweck bestimmt und verordnet hat. Die Vorsehung aber ist der ewige, ganz freie, unveränderliche, weiseste, gerechteste und beste Ratschluss, wonach Gott alles Gute in allen Kreaturen wirkt und auch das Böse zulässt, und Gutes und Böses zu seiner Ehre und der Auserwählten Heil lenkt.
Der Pfälzer Lucas Stöckle schreibt in seiner 1613 erschienenen Schrift „Patientia“: Gott ist ein
allgemeiner und oberster Regent im Himmel und auf Erden und unter der Erden, d. i. er herrschet und regieret über die Engel, Menschen und Teufel. Nun bedenke, ob Gott dieses sein Regiment erhalten und solche Kreaturen, keine ausgenommen, recht regieren könnte, wenn er nicht große Geduld gegen sie allesamt erzeigete?

Franz Capsius, † 1662 als Pastor zu Eisenrod bei Dillenburg, lässt sich in einer Predigt über Ps. 90,3 also vernehmen: Nicht das blinde Glück regiert der Menschen Tun und Wesen, Leben und Sterben. Der Menschen Leben und Sterben, Glück und Unglück, Krankheit und Gesundheit, Armut und Reichtum steht alles in Gottes Hand. Wie er es lässet kommen, so kommt es. Er weiß, wann wir noch nicht sein, er weiß, wann wir sollen geboren werden, er weiß, wie es uns in unserm ganzen Leben ergehen soll. Er weiß, wie lang unser Leben währen, wann, wo und wie es ein Ende nehmen soll. Alles kommt von Gott, Glück und Unglück, Amos 3, Leben und Tod, Reichtum und Armut, Syr. 11. Wenn denn dem also ist, wie es in Wahrheit anders nicht ist, so ist es christlich und rühmlich, wenn wir unsern Willen dem Willen Gottes mit Geduld in allerlei Zufällen unterwerfen und sagen mit Hiob, David und andern gläubigen Christen: Meine Zeit steht in deinen Händen, die Tage unserer Monden sind bei dir schon gezählt, ich weiß und bin gewiss, dass kein Unglück, keine Krankheit, keine Trübsal, keine Not, kein Tod eine einzige Minute an meinem Leben abkürzen kann, ehe ich meinen Lauf, den mir der Herr bestimmt, vollendet habe. Darum was mein Gott will, das geschehe allezeit: sein Wille ist der beste. Es hat mir der Herr einen lieben Ehemann, fromme Kinder, gute Freunde beschert. Nimmt er mir solche wieder, so wird er wohl wissen, wozu es ihn mir und meinen Kindern nützen soll, denn ich weiß doch, dass denen, die Gott lieben, alles, alles, und also auch dieses Kreuz zum besten dienen muss. Er hat’s gegeben, er hat’s wieder genommen, und hat es auch alles Macht gehabt. Der Name des Herrn sei gelobt und gebenedeit. Ja wenn mich der Herr selbst töten wollte, will ich doch in kindlichem Vertrauen dem lieben Gott still halten, der ungezweifelten tröstlichen Hoffnung, dass es der Herr alles wohl machen wird, was zu seiner göttlichen Ehre rühmlich, auch zu meiner ewigen Wohlfahrt nützlich ist.
Über Matth. 6,34 bis 3. Schluss sagt Johann von Münster zu Vortlage: Dieser Text ist eine von den Predigten Christi, welche viele Theologen der ersten und letzten reformierten Kirche, als Augustinus, Scultetus, Simon Pauli u. a. neben der Luk. 24 im Stande seiner Herrlichkeit, und der Luk. 4,16 gehaltenen Predigt gewünscht haben, vom Herrn Christo selbst gehört zu haben.

Gottes Zeit ist die allerbeste Zeit.
Ein alter Matrose war zugegen und sah, wie ein betrunkener Mann taumelnd ins Wasser fiel. Dieser suchte sich herauszuarbeiten, doch umsonst, er sank wieder unter. So erschien der Unglückliche mehrere Male auf der Oberfläche des Wassers; aber immer wieder versank er nach verzweifelten, vergeblichen Anstrengungen, die immer schwächer und schwächer wurden, bis es schien, der Arme habe geendet. Indessen war eine Menge Menschen am Ufer zusammen gekommen und schaute neugierig zu. Ohne selbst zu helfen, erhoben sie doch ein Murren gegen den alten, „hartherzigen“ Matrosen den für Lebensrettungen schon mehrere Medaillen schmückten, und dem nun die Leute zumuteten, er sollte schon längst den Ertrinkenden gerettet haben, dieser aber, erfuhren in solcher Arbeit, war indessen nicht untätig geblieben; mit vorgebeugtem Kopf und scharf beobachtenden Augen hatte er jede Bewegung des Untersinkenden wahrgenommen, aber erst, als dieser alle Anstrengung, sich selbst zu helfen, aufgab, als seine Kraft ausging, verlor der treue Matrose keinen Augenblick und stürzte sieh mit Blitzesschnelle ins Wasser, fasste mit starkem Arm den Ohnmächtigen und brachte ihn aufs Trockene und bald war der von der Menge Aufgegebene bei Besinnung. „Hätte ich“, belehrte der Matrose die Menge, die rat- und tatenlos, aber murrend daneben gestanden, „hätte ich den Untersinkenden sogleich, wie ihr es wolltet, herausziehen wollen, so hätte er mich mit seiner ganzen Kraft gefasst, und statt, dass ich ihn gerettet hätte, würde er mich in die Tiefe hinab gezogen haben.“ So weiß Gott auch ganz genau, wann er dir erst helfen kann! wenn’s nämlich mit deinen eigenen Rettungsversuchen zu Ende ist.
Ein Mann, welcher zum zweiten Mal sein Haus und Hof durch eine Feuersbrunst in Asche gelegt sah, hatte in seiner Betrübnis fast alle Freudigkeit und alles Vertrauen zu Gott verloren. Er fing an, traurig und schwermütig zu werden, und glaubte an keine Errettung aus der Not. In dieser großen Bekümmernis des Herzens stand er eines Tages vor seiner Brandstätte und fragte Gott: wie er sie wieder aufbauen solle. Da fing er an zu zagen und meinte, Gott könne ihm nicht helfen. Als er nun eben in die größte Traurigkeit versinken wollte, lenkte Gott seine Augen auf die Kinder des ärmsten Mannes im Dorfe, in dessen Haus die Brot not oft einkehrte. Diese Kinderchen sangen und sprangen so fröhlich umher und wussten von keiner Not. Da ging der traurige Mann in sich und sprach: „Diese Kinder haben einen armen Vater und sind froh, und du hast einen so reichen Vater dort oben und willst doch verzagen? Nein!“ Er ging fröhlich an seine Arbeit, fing alles mit Gott an, und die göttliche Hilfe ließ ihn nicht zuschanden werden, sondern segnete seine Arbeit und ersetzte allen Verlust reichlich denn des Herrn Segen macht reich ohne Mühe.
Vor mehreren Jahren machte eine Frau von England aus eine Seereise. Unterwegs fragte sie einen Matrosen: „Wie lange wird die Fahrt noch dauern?“ – „Wenn’s Gott gefällt, sind wir in 14 Tagen an Ort und Stelle“, war die Antwort: „Wenn’s Gott gefällt? Das ist mir ein dummes Geschwätz“, erwiderte die ungläubige Frau. „Wisst ihr denn nicht, dass Alles, was geschieht, vom Zufall abhängt?“ Der Matrose suchte zwar seinen Glauben zu verteidigen, aber die gelehrte Dame wusste ihn mit ihren Spitzfindigkeiten bald zum Schweigen zu bringen. Nach einiger Zeit brach ein schrecklicher Orkan aus und das Schiff kam in große Gefahr. Gerade als der Sturm aufs fürchterlichste tobte und die Frau in Todesangst in der Kajüte saß, ging der Matrose ruhig an derselben vorüber. „Was meint ihr“, fragte sie, „wird der Sturm nicht bald vorübergehen?“ „Nach den bisherigen Vorzeichen nicht so schnell.“ „Ach, so betet doch, dass wir nicht umkommen.“ Da sah sie der Matrose bedeutungsvoll an und sagte: „Soll ich zum Zufall beten?“
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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28. Frage:
Was nützt uns die Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes?

Gott will damit, dass wir in aller Widerwärtigkeit geduldig, in Glückseligkeit dankbar und auf die Zukunft hin voller Vertrauen zu unserem treuen Gott und Vater sind, dass uns nichts von seiner Liebe scheiden wird, weil alle Geschöpfe so in seiner Hand sind, dass sie sich ohne seinen Willen weder regen noch bewegen können.

Lasst uns ja nicht murren gegen die Führungen Gottes, die er mit uns vornimmt. Denn er leitet uns auf lauter von seinen Heiligen, ja von Jesus selbst gebahnten Wegen, auf welchen wir wie jene zwei säugende Kühe unverrückt gerade vor uns hin nach Bethsemes, dem Sonnenhaus, müssen fortgehen und durch keine Widerwärtigkeit uns auf der Reise nach Kanaan stören lassen. Es ist wahr, auf dieser Wallfahrt sind viele rauhe Tritte zu tun durch die heulende Wüste, in welcher uns hier ein Amalek, dort ein falscher Edoms-Bruder auf den Dienst lauert und den Eintritt in das gelobte Land sauer zu machen sucht. Allein man kommt nicht besser durch, als mit Geduld.
Joh. Heinr. Schramm, Prof. zu Herborn, † 1753.
Casparus Sibelius aus Elberfeld, Pastor zu Deventer, wo er den 1. Januar 1658 starb, hat vier
starke Quartbände vortrefflicher katechetischer Betrachtungen (Meditationum Catecheticarum) über den Heidelberger veröffentlicht, worin er u. a. zu unserer Frage schreibt: Mit diesem Troste sollen wir uns in Widerwärtigkeiten waffnen zur Geduld, damit wir nicht mit dem Hunde den Stein beißen, sondern auf Gott allein blicken und mit David sprechen: Ich schweige und tue meinen Mund nicht auf, weil du es getan hast. Ps. 39,10. Aus dieser Quelle sollen auch wir Geduld schöpfen. Erfahren wir, dass solche, um welche wir uns höchst verdient gemacht, undankbar gegen uns sind, so sollen wir nicht heftig gegen dieselben losziehen, keinen Hass gegen sie tragen und nicht Böses mit Bösem vergelten, sondern uns am Wasser dieser Quelle wieder erquicken: Du Herr hast es getan. Beispiel: Joseph gegen seine Brüder 1. Mos. 45,5.7.8. Wenn durch den Tod Gattin, Kinder, Freundeuns geraubt werden, lasst uns das Glück nicht anklagen noch Menschen zürnen, durch welche jene vernachlässigt oder verletzt worden sind, sondern bescheiden und ergeben mit Hiob seufzen Kap. 1,21: Der Herr hat’s gegeben usw. Durch diesen Trost erhielt und stärkte Gott den Ezechiel, dass er nicht trauerte noch ein Zeichen davon vor dem Volke über den Verlust seines so teuren Weibes zeigte Kap. 24,16-18. Haben wir einen Verlust an Gütern durch Wasser, Feuer, Krieg oder sonst wie zu erleiden, so soll uns der Gedanke an die göttliche Vorsehung trösten. Wir sollen mit Hanna, Samuels Mutter, sprechen: Der Herr machet arm und reich. 1. Sam. 2,7. Wie aber die Erkenntnis der Schöpfung und Vorsehung Gottes uns in Widerwärtigkeit zur Geduld treiben soll, so soll sie uns auch in Glückseligkeit zum Dank gegen Gott leiten. Hier auf dieser Erde wechseln nämlich beständig Unglück und Glück. Glück nennen wir, was uns nach Wunsch und Herzen ist. Dankbar sind wir gegen Gott, wenn wir uns der von Gott empfangenen Wohltaten in Gottesfurcht erinnern, fleißig über sie nachdenken, sie recht schätzen und von Herzen, mit Wort und Tat Gott für dieselbe loben und preisen; z. B. von Herzen, wie David Ps. 111,1; mit Wort, Ps. 51,17; und Tat, Joh. 15,8; Matth. 5,16.

In Summa, schreibt Lucas Stöckle, die Geduld ist das rechte und einzige Kennzeichen der Christen.

Gottfried Cornelius Udemans, um 1612 Prediger zu Zierikzen, zählt unter die Punkte des Glaubens an den ersten Artikel des apost. Glaubensbekenntnisses auch den, ob wir auch dankbar seien in allen Dingen, besonders in glücklichen. Wo wir glauben, dass Gott alle Dinge geschaffen und dass er uns alles schenkt, was wir haben, von einem Bissen Brot an, so folgt daraus, dass Gott Meister darüber ist Ps. 24,1; 50,10. Darum müssen wir die Gaben Gottes gebrauchen mit Danksagung zu seiner Ehre 1. Tim. 4,4; 1. Kor 10,31. Aber alle diejenigen, welche die Gaben Gottes missbrauchen zu ihrer Hoffahrt, Gierigkeit und Wollust, oder diejenigen, welche ihre eigene Hand küssen, d. i. die ihr Glück ihrer eigenen Weisheit zuschreiben, glauben diesen Artikel nicht recht.

Wer diese Lehre recht versteht und zu Herzen nimmt, schreibt J. H. Heidegger, ist sehr glückselig, denn sie bringt überaus großen Nutzen. Aber dieselbe nicht kennen und nicht achten, ist ein Brunn alles Elends. Wer darauf achtet, der ist versichert, dass ihm nichts begegnen kann, das ihm Gott nicht zur Seligkeit leiten wird. Wirf dein Anliegen auf den Herrn, der wird dich versorgen Ps. 55,23; 91,1.2.4; 1. Petr. 5,7. Wenn kein Haar von unserm Haupt kann fallen ohne seinen Willen, Matth. 10,29, was darf dann wohl hoffen die Kirche und jegliches Glied derselben, der Leib des Hauptes Christi in Freud und Leid! Und weil Gott aller Menschen Herzen, auch der ärgsten Feinde wunderbarer Weise regiert und leitet, so haben wir sie nicht zu fürchten, denn ihre Ratschläge wider der Kirche Wohlfahrt werden allezeit zuschanden. Das soll sein die Stütze unserer Geduld, dass das Gute und Böse, ja die Guten und Bösen selbst sind in der Hand des Herrn. Ich gestalte das Licht und schaffe die Finsternis, ich mache den Frieden und schaffe das Übel Jes. 45,7. Wenn dann unsere Seligkeit von dem Teufel und Gottlosen wird angefochten, da soll uns in den Sinn kommen, dass diese Feinde an allen Seiten mit der Hand Gottes als mit einem Zaun umgeben sind, der sie hindere, dass sie nichts böses wider die Frommen weder denken noch tun, ja auch keinen Finger regen können ohne seine Verhängnis und Zulassung. Es soll auch der Mensch sich selbst nichts zuschreiben, darin er Lob suche, sondern allein ruhig auf Gott sehen, den Urheber alles Guten. Endlich soll er im Glück sich nicht überheben und im Unglück nicht verzagen, sondern allenthalben gleiche Stärke und unüberwindliche Standhaftigkeit zeigen.

Keine Kreatur kann uns von seiner Liebe scheiden. Dies Kapitel ist ein Stück von der Beharrung der Gläubigen (perseverantia sanctorum), über welche ein Altmeister in der Lehre von der Prädestination, der gelehrte Hieronymus Zanchius schreibt: Die Erwählten werden unfehlbar bewahret und können deshalb nicht verloren gehen.

Der ausgezeichnete englische Gottesgelehrte Christoph Ness, † 1705, sagt: Durch Christi Liebe sind alle Glieder Christi mit Christus ihrem Haupte vereinigt. Weder die Fürstentümer noch die Gewalten können sie scheiden von der Liebe Gottes in Christo Röm. 8,38. Und die Pforten der Höllen können seine Kirche nicht überwältigen Matth. 16,18. Wenn ein Glied kann getrennt werden von Christo, dann können es auch alle werden. Der eine hat nicht mehr Vorrecht als die andern in Betreff ihres Standes und ihrer Sicherheit. Ebenso kann Christus nicht gedacht werden als ein Haupt ohne Leib oder Glieder, und sein Tod als vergeblich: zwei Dinge, welche im Allgemeinen ganz ungereimt sind. Christus hat gebetet für die Beharrung der Seinen, und dass der Glaube des Petrus nicht aufhöre Luk. 22,32, und dass seine Jünger bewahret würden vor dem Übel Joh. 17,14; auch für alle Gläubige V. 20. Und was er bittet, das wird ihm stets gewährt Joh. 11,41.42. Christus verspricht auch die Beharrung den Seinigen Joh. 6,37: Alle, welche mir der Vater gibt, werden zu mir kommen. Er wird seine Barmherzigkeit nicht von ihnen nehmen in den schwersten Strafen. Ps. 89,31-33. Wie er die Seinen geliebt usw. Joh. 13,1. Ich habe derer keins verloren Joh. 6,39. Er ist ein Heiland für alle Teile des Leibes Eph. 5,23. Die Heiligen sind in Christi Händen 5. Mos. 33,3, und es ist ebenso leicht, einen Stern von dem Himmel zu reißen, als einen Heiligen aus den Händen Christi Joh. 10,28. Sie sind und werden alle durch die Macht Gottes, durch den Glauben zum ewigen Leben erhalten.

Daniel Spanheim erzählt auf seinem Sterbelager: Ich war zu Leuwarden einst krank, da besuchte mich der Pastor Vicius. Als derselbe wieder nach Hause gehen wollte, bat ich ihn, er möchte doch ein Gebet sprechen. Solches tat er denn auch und sprach u. a. diese Worte: Herr, so du willst, gib ihm Schlaf, wo nicht, so gib ihm nicht einen Augenblick Schlaf; so du willst, mach’ ihn zu einem Gefäß deiner Ehre, so du nicht willst, so bleibe er immer in Unehren.

An Samuel Elsner in Berlin schrieb einmal ein junger Prediger und klagte, dass er in seiner Gemeine so gar keine Frucht seiner Arbeit sehe. „Mein lieber Jeremias“, erwiderte Elsner, der schofelste Soldat in Napoleons Armee wurde von dem Bewusstsein getragen: vive l’empereur, es lebe der Kaiser! Das hielt ihn und gab ihm Mut in den heißesten Schlachten Sie haben einen noch ganz Andern zum Feldherrn; also nur Mut gehabt und nicht verzagt die Frucht wird nicht ausbleiben.“ Als ihn einmal eine Frau besuchte und lauter Klagen, Not und Sorgen vor ihm auskramte sagte er plötzlich: Ja wohl, der liebe Gott ist nachgerade alt geworden und hat jetzt ein schwaches Gedächtnis, da hat er Sie vergessen. Auch hat er natürlich zu viel zu tun, um sich mit Ihren kleinen Sachen abzugeben. Darum werden Sie ihm wohl helfen müssen, da er das Regieren nicht mehr versteht. Die Frau erschrak über sich selbst und stimmte einen anderen Ton an.

Ein vornehmer Herr wollte aus Irland nach England fahren und in ein Postschiff steigen. Die Strickleiter zerriss aber, er fiel ins Boot und brach ein Bein. „Es ist gut, sagte er, es dient alles zu meinem Besten.“ Seine Freunde konnten das nicht verstehen und fragten, wie der Beinbruch und die Vereitelung der Reise ihm zum Besten gereichen könnte? „Die Vorsehung“, erwiderte er, „weiß es am besten; ich bleibe dabei, es dient zu meinem Guten.“ Er wurde zurückgebracht, das Schiff segelte ab, erlitt einen Sturm, ging unter und nur ein einziger Mensch wurde erhalten.
Der große Gottesgelehrte Gisbert Voet zu Utrecht pflegte zu seinen Freunden, welche über die Bedrückungen der Franzosen im Jahre 1672, die auch die dortige Domkirche den Reformierten abgenommen und den Römischen eingeräumt hatten, betrübt waren, zu sagen: Es ist das nur ein Wölkchen, das vorübergehen wird.
„Sehen Sie diese Haarlocke!“ sagte ein alter Mann zu mir. „Ja, aber was soll das? Sie ist wahrscheinlich die Locke von dem Haar eines geliebten Kindes, welches vor langer Zeit gestorben ist.“
„Das ist sie nicht. Sie ist eine Locke meines eigenen Haares, und es ist nun beinahe siebenzig Jahre, seitdem sie mir abgeschnitten ist.“
„Aber warum schätzen Sie diese Locke von Ihrem Haar so sehr?“
„Es knüpft sich eine Geschichte daran und zwar eine wunderbare. Ich hebe sie sorgfältig auf, weil sie zu mir von Gott und seiner besonderen Vorsorge mehr als irgend sonst etwas, das ich in meinem Besitze habe, redet.

Ich war ein kleines Kind von vier Jahren mit langem, lockigen Haar, welches in Sonnenschein und Regen mir auf die Schultern herabhing. Eines Tages ging mein Vater in den Wald, um einen Block abzuhauen, und ich ging mit ihm. Ich stand ein wenig hinter ihm oder vielmehr an seiner Seite, indem ich mit Interesse die Streiche der schweren Axt beobachtete welche auf und ab gingen und bei jedem Streiche Splitter nach allen Richtungen schickte. Einige der Splitter fielen vor meine Füße, und ich bückte mich schnell, um sie aufzuheben. Indem ich dies tat, strauchelte ich, und in einem Augenblick lag mein Kopf auf dem Block. Ich war gerade gefallen, als die Axt mit aller Gewalt herabkam. Es war zu spät, sie zurückzuhalten. Ich schrie und mein Vater fiel vor Schreck zu Boden. Er hatte den Streich nicht inne halten können, und in der Blindheit welche der plötzliche Schrecken verursachte, glaubte er, er habe sein Kind getötet. Wir erholten uns beide von unserem Schrecken. Er schloss mich in seine Arme und besah mich von Kopf bis zu Fuß, um zu entdecken, wo er mich verletzt habe. Nicht ein Tropfen Blut war zu sehen. Er kniete nieder und dankte dem barmherzigen Gott. Darauf nahm er seine Axt, an deren Scheide er einige Haare fand. Er wandte sich zu dem Block, welchen er gespaltet hatte, und auf demselben lag, gerade abgeschnitten, eine Locke seines Kindes. Wie groß war die Bewahrung! Es war, als wenn ein Engel die Schneide in dem Augenblick, als sie auf mein Haupt herabkam, auf die Seite gewendet habe. Mit neuem Dank auf den Lippen nahm er die Locke auf und ging mit mir in den Armen heim.
Die Locke behielt er sein Lebenslang als ein Zeichen von Gottes Fürsorge und Liebe. Auf seinem Sterbebett hinterließ er sie mir. Ich bewahre sie mit Sorgfalt. Sie erzählt mir von meines Vaters Gott und von meinem Gott.
Sie tadelt Unglaube und Furcht und heißt mich, ihm immer zu vertrauen. Ich habe viele Zeichen seiner väterlichen Liebe in meinen siebenzig Jahren erfahren, aber dieses spricht am meisten zu meinem Herzen. Es pflegte zu meines Vaters Herzen zu sprechen, und nun spricht es zu dem meinigen.“
Ein Mann, der in großem Reichtum, in Wohlleben und Müßiggang gelebt hatte, verlor all sein Gut, und wurde darob ganz missmutig Um sich zu zerstreuen und zu erholen, verließ er die Stadt und ging so auf das Land. Er kam zuerst in ein Dorf; da sah er einen Bauer, der in seiner Scheune mit einer Schaufel das Getreide umwendete.
Den fragte er, warum er das tue. Der Bauer antwortete: Damit das Getreide nicht Schaden leide und in Fäulnis übergehe. Darauf kam er auf das Feld und sah einen Bauer, der pflügte. Den fragte er auch, warum er das tue. Der Bauer antwortete: damit das Erdreich locker werde und Regen und Sonnenschein aufnehmen könne. Er ging weiter und kam in einen Weingarten; da sah er einen Bauer, der die Reben beschnitt. Er fragte ihn gleichfalls, warum er das tue. Der Bauer antwortete: er beschneide die Reben, damit sie viele und gute Früchte tragen. Da ging der Missmutige in sich und sagte: Warum ängstigt sich meine Seele so hart? Ich bin der Weizen, der geworfelt werden muss, damit er nicht faule. Ich bin das Erdreich, das aufgerissen wird, damit es Segen empfangen könne vom Himmel. Ich bin die Rebe, die beschnitten werden muss, damit sie gute Früchte trage für die Ewigkeit. Demütig trug er fortan sein Ungemach als eine Züchtigung des Himmels.
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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Beitrag von Joschie »

29. Frage:
Warum wird der Sohn Gottes Jesus, das heißt Heiland, genannt?

Weil er uns heilt von unseren Sünden, und weil bei keinem anderen ein solches Heil zu suchen noch zu finden ist.


Wir haben klare Proben, dass Jesus Christus ist der Messias und dass er uns erlösen kann.
(Matth. 11,4.5) Wenn es seine Wunder nicht beweisen, kann es nichts beweisen. Derjenige, welcher die Augen der Blinden öffnen konnte, kann den Sünder erleuchten; derjenige, welcher den Tauben das Gehör gab, kann auch uns die Ohren öffnen. Jesus heilte die leiblich Kranken, er kann unsere geistlichen Schwächen heilen. Er hat Tote aus ihrem Grabe erweckt; möge er uns aus dem Grabe unserer Sünden ziehen und uns geben den Kuss des ewigen Lebens! Haben wir nur das volle Vertrauen zu ihm, dass er, was er für den vergänglichen Leib getan, auch tun wird für unsterbliche Seelen. Albert Barnes (Notes on the Gospels of Matthew.)

Der gottesfürchtige Edelmann Johann von Münster der Ältere, Erbgesass zu Wortlage in der Grafschaft Tecklenburg, † 1632, welcher in mehreren deutschen Landen die reformierte Lehre einführen half, schreibt in seiner 1618 erschienenen Hauskirchen-Postille, Winterteil: Obwohl alle Engel und Menschen vor Gott gewisse und für uns Menschen oft noch unbekannte herrliche Namen, dadurch sie unterschieden werden, führen: so ist doch kein höherer, vortrefflicher, würdiger, auch kein heiliger Name als der Name Jesu gegeben worden. Denn unter andern schönen Namen ist dieser Name die Schönheit selbst, nämlich der Name dieses Jesu, Gottes und Mariä Sohn, welcher allein den Namen mit der Tat hat, und weit zu unterscheiden ist von andern, welche auch Jesus genannt worden sind im A. und N. T. Diese haben ihren Namen gehabt von dem hebr. Jehoschua, d. i. vom Helfen, Erlösen; unser Jesus aber hat seinen Namen von Jeschua, d. i. von der Hilfe und Erlösung selbst bekommen. Dieses Erlösers und seiner Erlösung sind jene nur Vorbilder gewesen Hebr. 4,8. Aber dieser Name Jesu ist kein Name eines bloßen Unterschieds oder Vorbildes, sondern ein Name der Wahrheit selbst, und ist ein Name voller Sachen und gewisser Belohnung aller unserer Seligkeit, durch welches Namens Aufnehmung der himmlische Vater ihn versiegelt und verbunden hat dazu, dass er uns aus aller Gewalt des Teufels erlöset. Und damit ich alles mit einem Wort begreife: dieser Name ist ein herrlicher Auszug des ganzen h. Evangelium, welches uns eine fröhliche Botschaft wider die Furcht des Zornes Gottes und alle Schrecken der Hölle an- und zubringet. Es soll aber ein frommer Christ nicht meinen, dass die Kraft dieses Allerheiligsten Namens in den Buchstaben, der äußerlichen Aussprache oder Nennung bestehe (wie denn die irren, welche vermeinen, Jesu einen Dienst zu tun, wenn sie aus Gewohnheit bei Nennung seines Namens den Hut abnehmen, das Knie beugen), sondern dieser Name bedeutet das, was die Person selbst ist, das, was er mit seiner unüberwindlichen Allmacht aller kräftigst wirket. Auf diesen Jesus soll der Glaube durch das Gehör und den Verstand des Wortes auferweckt werden, auf dass durch den Schatten des ausgesprochenen Wortes er zu dem Leibe und der Wahrheit des Herrn geführt werde. Und weil um dieses Namens willen ein Engel vom Himmel herabgesendet worden ist, deswegen soll niemand meinen, dass die heilsame, fleißige und gottselige Betrachtung dieses holdseligen Namens Jesu unnütz oder überflüssig sei. Wie es denn vielmehr eine große Schande ist, die Kraft des Namens nicht zu wissen, welchen doch jeder stets im Munde führt. – Damit, dass dieser Name ihm aber vom Engel gegeben worden, ehe er im Mutterleibe empfangen ward, wird angezeigt, dass er diesen Namen nicht von ungefähr, sondern aus dem Ratschlusse Gottes, der den Engel gesandt hatte, bekommen habe. Sein Name war vorhin der Sohn Gottes. Als er ein Mensch ward, blieb er, was er war, und waren keine mehr Söhne Gottes, von welchen er musste unterschieden werden. Aber in Betreff unser, der armen Sünder, war ihm noch ein anderer Name nötig. Denn ein Sohn Gottes und Mariä allein bleibend hätte er die Welt verdammen können. Kein Name von diesen beiden war bequemer, unser Elend aufzuheben, als nur allein der Name Jesu. Darum musste er auch Jesus heißen. Und damit niemand meine, dass dieser Name ein eitler, bloßer Titel sei, so steht der Engel Gabriel all da vor dem Angesicht Gottes, und sein Gesandter und spricht: Fürchte dich nicht Maria usw. Luk. 1,26 ff. Und warum? Das sagt derselbe Engel Matth. 1,21: Denn er wird sein Volk selig machen von ihren Sünden. Dieses sagt auch der Engel Luk. 2,10: Denn euch ist heute usw. Hat demnach dieser Jesus den Namen mit der Tat. Denn er erlöset uns von dem ungerechten und von dem gerechten Feinde. Der ungerechte Feind ist der Teufel. Darum sagt Paulus Hebr. 2,14.15: Nachdem nun die Kinder Fleisch und Blut haben usw. Der gerechte Feind ist Gott: von wegen unserer Sünde, wie Röm. 5,10 geschrieben ist. Mit diesem sind wir versöhnt durch den Tod seines Sohnes, wie Paulus 3,25 bezeugt vgl. Röm. 5,9.10, also dass wir rufen mögen mit dem heidnischen Poeten Ovid: Placato possum non miser esse Deo, d. i. weil ich mit Gott versöhnet bin, kann ich nicht elend sein, oder besser mit Paulus Röm. 8,31: Ist Gott für uns, wer mag wider uns sein? Denn er ist die Versöhnung für unsere Sünde 1. Joh. 2,2 vgl. 1. Joh. 4,10; Röm. 5,11; 6,23. Die Sünde nimmt er weg, weil er durch seinen Gehorsam unsern Gehorsam aufhebet; den Tod nimmt er weg, weil er die Ursache des Todes die Sünde aufhebt Röm. 6,28; 5,19. Dieser Jesus ist auch unser Seligmacher zur Gerechtigkeit 1. Kor. 1,30. und zum Leben Joh. 14,5; zur Gerechtigkeit, indem er für uns bezahlt hat, das er nicht geraubt Ps. 69,5; Jes. 53,4 ff.; zum Leben, indem er durch die Kraft seiner Gottheit unsere Natur gleichsam erneuert und gerecht macht, wovon Paulus schreibt Röm. 5,19. Also ist auch dieser Jesus derselbe, welcher uns mit seinem h. Geiste heiliget, wie Paulus bezeugt 1. Kor. 6,11. Wenn denn also die Gerechtigkeit wiedergegeben ist, so folgt auch darauf das Leben und die Seligkeit Röm. 5,21.

Die Kraft des Namens Jesu gibt der Engel Gabriel an Matth. 3,21: Er wird sein Volk selig machen von seinen Sünden. Die Ursache dieses herrlichen Namens leitet er aber aus folgenden Wirkungen her: a) aus einer gewissen; denn er wird sein Volk selig machen. Fürchtet euch nicht, siehe usw. Luk. 2,10. b) aus einer wahrhaftigen; denn was im Paradiese geweissagt ist: der Same des Weibes soll der Schlange den Kopf zertreten, ist in diesem Jesu vollbracht. c) aus einer gnädigen; denn er wird selig machen die Verlorenen und ihnen Gnade erzeugen. Lieblich ist der Name der Seligkeit; aber Jesus ist noch lieblicher und die Seligkeit selbst. Darum wird er auch in beiden Testamenten das Heil geheißen. d) aus einer großen; denn er nicht allein mich oder dich, diese oder jene Stadt, sondern sein Volk erlösen und selig machen will. Dieses Volk aber ist die ganze Welt. So viel aus derselben, sie seien Juden oder Heiden, die Gnade der Wiedergeburt in dem anderen Adam auf und annehmen. e) aus einer gerechten; denn er erlöset sein Volk, d. i. das er gemacht hat und ihm gegeben ist Joh. 6,37, wie Joh. 1,10.11 schreibt. Darum wird er auch geheißen das Haupt der Kirche Eph. 5,23. f) aus einer mächtigen; denn die Sünde ist mächtig, als die uns von Gottes Angesicht absondert Jes. 59,2. Nun ist Christus mächtiger denn die Sünde, Tod, Hölle und Teufel. Hos. 13,14.
Dieser Name Jesus ist so mächtig, dass durch ihn alle im Schuldregister angeschriebene Namen ausgewischt und im Buch des Lebens in Ewigkeit angeschrieben werden. Außer ihm ist kein Heil und keine Seligkeit zu finden. Apg. 4,12.

Wie lieblich dieser Name dem Volk Israel, welches Josua, Jesu Vorbild, aus Ägypten geführt, im Herzen gewesen, kann kein Mensch aussprechen. Denn es werden allda Gläubige gewesen sein, denen der zukünftige Jesus lieblicher in den Augen der Seele war, als ihnen Josua in den Augen des Fleisches immer sein konnte. In diesen Namen haben die Gläubigen zu allen Zeiten ihre höchste Freude gesetzt und ist kein Name also ihnen lieb, edel und teuer gewesen. Außerhalb dieses Namens ist aller Name sauer und eine betrübte Freude: Unsere Namen sind verfluchte Namen der Sünden; dieser Name aber heilet alle andern und macht, dass sie würdig werden, der Gerechten Namen zu sein.

Von Jesu Namen rühmt die Kirche: dein Name ist eine ausgeschüttete Salbe. Der h. Berhardinus sagt hiervon: O der gebenedeite Name! O das weit und breit ausgeschüttete Öl! Wie weit? Vom Himmel bis nach Judäa, und von dannen läuft es in die ganze Welt hinaus, und von der ganzen Welt rufet die Kirche: Dein Name ist ein ausgeschüttetes Öl, nicht allein über den Himmel und die Erde, sondern auch über die Hölle, also dass im Namen Jesu alle Kniee im Himmel, auf Erden und unter der Erde sich beugen müssen. O wie lieb ist dieses Öl! wie gering ist es! Es ist zwar gering, aber gesund. Wäre es nicht gering, dann würde es mir nicht vergossen; wäre es nicht gesund, dann würde es mich nicht gewinnen.

Der Name Jesus ist nicht allein ein Licht, sondern auch eine Speise. Werdet ihr nicht so oft im Herzen gestärkt, als ihr an den Namen gedenket? Alle Speise der Seele ist trocken, wofern sie nicht mit diesem Öle begossen wird. Ohne Geschmack ist die Speise ohne dieses Salz. Wenn du etwas schreibst, schmeckt es mir nicht, wenn ich in deinem Schreiben nicht Jesus lesen mag. Wenn du disputierst oder redest, schmeckt es mir nicht, wenn du Jesus nicht hören lassest. Jesus ist mir Honig in den Ohren, im Munde ein lieblicher Gesang und im Herzen ein Jauchzen, und ist doch auch eine Arznei. Ist einer unter uns betrübt, dem komme Jesus in das Herz und von dannen in den Mund, und siehe, aller Nebel des Herzens vergeht, sobald das Licht des Namens aufgegangen ist und es wird helles Wetter und Sonnenschein. Fällt jemand in ein Laster, läuft er nicht aus Verzweiflung darüber zum Strick? Aber sobald er den Namen Jesu anrufet, den Namen des Lebens, so wird er zur Stunde eine Erquickung zum Leben finden.

Kohlbrügge lehrt zu Apg. 10,43: durch seinen Jesusnamen. Soll ich es noch deutlicher machen, was das besagt? Denken wir an einen hohen und höchsten menschlichen Namen. Alle Verhältnisse unserer Gesellschaft und des bürgerlichen Lebens, alle Vermächtnisse und Eigentums Übergang werden durch einen solchen geregelt.

Und nun, hier ist der Name des Königs aller Könige, des Herrn aller Herren, der Name über alle Namen uns Menschen von Gott gegeben, dass wir durch denselben Vergebung von Sünden, sicheres Durchkommen durch dieses Tränental, Frieden und Freude und ein ewiges Leben empfangen bei Gott. Dieser Name allein gilt im Himmel, auf Erden und in der Hölle. Vor ihm weicht die Hölle, erzittert die Welt, eröffnet sich dem weinenden Kinde des himmlischen Vaters Schoß.

Und als Kohlbrügge, dieser treue Zeuge des Namens Jesu, zum Sterben kam, da rief er noch in seinen letzten Stunden aus: „Der Sohn Gottes ist es, der mich erlöst und erkauft hat! Ich habe nichts zu sagen, Gott alles! der treue Gott! In dem Namen Jesu ist Vergebung der Sünden. Sagt es doch allen, dass in dem Namen Jesu Vergebung der Sünden ist!“

Um die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts suchte Missionar Rauch, von der Brüdergemeinde, unter den Indianern in Pennsylvanien Seelen für den Heiland zu gewinnen. Seine Bemühungen waren nicht umsonst; zwei Häuptlinge, Tschoop und Schaoosch, wurden gläubig, und nach ihnen mehrere Andere. Bei Tschoop war die mit ihm vorgegangene Veränderung besonders auffallend, weil er zuvor der Wildeste und Ausschweifendste unter seinem Volke gewesen war. In einer Rede sprach er sich über seine Bekehrung also aus: „Brüder! ich bin ein Heide gewesen, bin unter den Heiden alt geworden, und weiß also sehr wohl, wie es mit den Heiden ist. Es kam einmal ein Prediger zu uns, der wollte uns lehren, und fing an zu beweisen, dass ein Gott sei. Da sagten wir: „Ei, meinst du denn, dass wir das nicht wissen? Geh’ nur wieder hin, wo du hergekommen bist.“ Ein anderes Mal kam ein Prediger, und wollte uns lehren: „Ihr dürft nicht stehlen, nicht saufen, nicht lügen“ etc. Wir antworteten ihm: „Du Narr! denkst du denn, dass wir das nicht wissen? Geh’ hin und lehre das deine weißen Landsleute! Denn wer stiehlt, säuft und lügt mehr als sie?“ Und so schickten wir ihn fort. Nach einiger Zeit kam Rauch in meine Hütte und sagte: „Ich komme zu dir im Namen des Herrn Himmels und der Erde, der lässt dir sagen, dass Er dich gern selig machen will. Zu dem Ende ist Er Mensch geworden, hat Sein
Blut für alle Menschen vergossen, für die roten Leute sowohl wie für die weißen, für mich und auch für dich.“ Diese Worte konnte ich nicht los werden, sie fielen mir immer wieder ein, und wenn ich schlief träumte ich von dem Blute, das Christus für uns vergossen hat. Verdolmetschte dann den Indianern die Worte, die Rauch noch ferner mit uns redete. So ist die Erweckung durch Gottes Gnade unter uns entstanden. Daher sage ich euch, Brüder! predigt den Heiden Christum, und Sein Blut und seinen Tod, wenn ihr wollt Segen unter ihnen schaffen.“

Ein in der Schlacht bei Waterloo am 18. Juni 1815 tödlich verwundeter Soldat wurde von einem Kameraden
einige Schritte hinter die Front unter einen Baum getragen. Da bat er seinen Lebensretter aus seiner im
Tornister befindlichen Bibel ihm noch einmal den Spruch vorzulesen Evang. Joh. 14,27: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch, nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt, euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.“ Als dieser Wunsch ihm erfüllt worden war, rief er aus: „Ja, das ist es, was ich noch einmal hören musste: nun sterbe ich ruhig, ich habe den Frieden Christi; ich bin durch ihn im Frieden mit Gott, im Frieden, der über alle Begriffe ist.“ Da sprengte ein Offizier heran und fragte ihn, warum er daliege? „Ich sterbe“, erwiderte er, „aber ich sterbe ruhig im Frieden mit Gott durch den Glauben an das Evangelium seines Sohnes Jesu Christi.“ Der Offizier eilte wieder in die Schlacht, und ehe sie noch zu Ende war, hatte auch ihn ein Schuss tödlich getroffen. Als er nun sterbend dalag, bekannte er seinen um ihn stehenden Kameraden, dass er von großer Angst gequält werde. „Auch ich sterbe“, rief er, „aber wie sieht es so ganz anders mit mir aus, als mit einem Soldaten, den ich heute unter einem Baume sterben sah. Er starb ruhig, weil er, wie er sagte, den Frieden Gottes hatte, und diesen Frieden hatte er durch die Bibel erhalten. Ach, auch ich hatte eine Bibel, aber ich las sie nicht, sondern verwarf sie nun bin ich des Friedens beraubt, den sie in die Seele spricht, und sterbe, ein Raub der Verzweiflung.“
Das Pferd wird gerüstet für den Tag des Kampfes, aber der Sieg kommt von dem HERRN. Spr. 21,31

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