8. Der die Erstgeburten schlug in Ägypten, beider, der Menschen und des Viehes. Nun besingt der Psalm die machtvollen Offenbarungen Gottes in der Heilsgeschichte Israels. Auch für seine Gerichte ist der HERR zu preisen; denn jene tödlichen Streiche in Ägypten waren eine Handlung der Gerechtigkeit gegen die Bedrücker des Gottesvolkes und eine Handlung der erbarmenden Liebe gegen dieses. Aber was für ein Schlag war es! Alle Erstgeborenen im ganzen Lande in einem und demselben Augenblick eine Beute des Todes! Welch ein Entsetzen muss die ganze Nation da erfasst haben! Da wurden auch die kühnsten Feinde Israels alles Mannesmutes beraubt. Die Tiere, zumal die Haustiere, müssen wegen ihrer nahen Beziehung zu dem Menschen, dem Herrn der Erde, in mannigfaltiger Weise mit dem Menschen leiden. Die Erstgeburten des Viehes mussten geradeso wie die erstgeborenen Söhne ihrer Eigentümer sterben, weil der Schlag das ägyptische Volk in Betäubung und Verwirrung setzen sollte, und das Gericht erreichte in der Tat seinen Zweck. Israel, der erstgeborene Sohn Jehovahs, war arg geschlagen und misshandelt worden, und er wurde befreit dadurch, dass der HERR den Unterdrückern mit gleicher Behandlung vergalt.
9. Und ließ seine Zeichen und Wunder kommen über dich, Ägyptenland, über Pharao und alle seine Knechte. Auch in diesem Vers richtet der Psalmist unser Auge auf das persönliche Handeln Gottes. Je deutlicher Gottes Walten erkannt wird, desto besser. Auch in seinen Gerichten ist er zu schauen, so gut wie in seinen Gnadentaten. Die ägyptischen Plagen waren nicht nur entsetzliche Wundertaten, die die Menschen bestürzt machten, sondern auch mächtige Zeichen, die ihnen eindringliche Lehren vor Augen führten. Es kann kein Zweifel sein, dass die Plagen auf die mancherlei Gottheiten der Ägypter zielten und diese in ihrer ganzen erbärmlichen Ohnmacht an den Pranger stellten. Jede der zehn Plagen hatte da ihre besondere Bedeutung. Die Gerichte des HERRN waren keine harmlosen Seitenstöße; sie trafen das Volk ins Herz: Der HERR sandte seine Pfeile "mitten in dich, Ägyptenland" (wörtl.). Diese Wunder geschahen inmitten der stolzen, durch den Kastengeist beherrschten Nation, die sich über andere Völker hoch erhaben dünkte; und viele der Plagen trafen das Volk an den empfindlichsten Punkten seines Stolzes und Ruhmes. Der Psalmsänger redet die hochmütige Nation an: "mitten in dich, o Ägyptenland", als wollte er es an die demütigenden Zurechtweisungen erinnern, die ihm durch des HERRN rechte Hand zuteil geworden waren. Der befehlshaberische Pharao war der Rädelsführer in der Empörung wider Jehovah gewesen, und er musste persönlich dafür büßen; aber auch seine schmeichlerischen Höflinge entgingen nicht der Strafe, auf jeden von ihnen sauste die göttliche Zuchtrute nieder. Gottes Knechte haben es doch besser als die Knechte Pharaos! Die in den Vorhöfen Jehovahs stehen, erfahren Gottes Heil, während die Hofleute Pharaos samt und sonders von Gottes Gerichten getroffen wurden, weil sie alle sich an seinen bösen Werken mitschuldig gemacht hatten. Preiswürdig ist der HERR, dass er also sein Volk errettet hat, während er dessen grausame Widersacher in des Todes Staub legte. O dass kein Israelit das Lied vom Schilfmeer vergesse! Möge immer wieder neu der Ruf sich hören lassen, der uns zu frohlockendem Lobpreis auffordert: Lasst uns dem HERRN singen, denn er hat eine herrliche Tat getan. (2. Mose 15,21)
10. Der viele Völker schlug und tötete mächtige Könige. Die Völkerschaften Kanaans nahmen teil an dem verzweifelten Widerstande, den ihre Beherrscher Israel und dessen Gott entgegenstellten, und erlitten darum schwere Niederlagen, während ihre Könige, die Anführer in dem Kampfe, getötet wurden. Dass der Völker viele waren und ihre Könige große Macht besaßen, nützte nichts gegenüber dem Allmächtigen. Er ist gerüstet, an allen denen Strafgerechtigkeit zu üben, die sich seinen Ratschlüssen widersetzen; wer da wähnt, der HERR sei zu weichlich, um zuzuschlagen, der täuscht sich in dem Gott Israels! Jehovah hatte die Absicht, die Welt durch sein auserwähltes Volk zu segnen, und von diesem seinem Beschluss ließ er sich nicht abwenden; er war entschlossen, koste es, was es wolle, die Leuchte der Wahrheit, die er angezündet hatte, zu erhalten, und ob auch bei der Verteidigung derselben das Blut von ganzen Völkerschaften vergossen werden musste. Die gegen die kanaanitischen Stämme geführten Kriege waren der Preis, der gezahlt werden musste für die Begründung eines Volkes, das dazu ausersehen war, die Offenbarungen Gottes für die ganze Welt zu bewahren.
11. Sihon, der Amoriter König, und Og, den König zu Basan. Diese beiden Könige waren die ersten, die Widerstand leisteten, und gehörten zu den Angesehensten unter den Widersachern; dass sie geschlagen wurden, ist deshalb ein besonderer Anlass zum Lobpreis für treugesinnte Israeliten. Die Feindschaft dieser beiden Könige war mutwillig und durch keinerlei Reizung begründet; darum war ihr Sturz Israel desto willkommener. Sihon war in seinem Kriege mit Moab siegreich gewesen und gedachte mit Israel schnell fertig zu werden; Og war von dem Geschlecht der Riesen und flößte den Israeliten daher besonderen Schrecken ein; aber der vorhergehende Sieg über Sihon hatte ihren Mut belebt, und bald fiel auch dieser Recke unter ihrem Schwert. Und alle Königreiche in Kanaan. Groß war die Zahl dieser kleinen Herrscherreiche, und etliche von ihnen waren stark bevölkert und hatten mächtige Festungen; aber sie alle fielen unter der erobernden Hand Josuas, denn der HERR war mit ihm. Geradeso, ob auch mit anderen Waffen, werden die Feinde des Volkes des HERRN in unseren Tagen aufs Haupt geschlagen werden; Satan und die widergöttliche Welt werden gestürzt und all die Heere der Sünde vernichtet werden; denn unser Josua, ein größerer denn jener, zieht aus vor unserem Heer, sieghaft und dass er siege (Off. 6,2).
Achten wir darauf, dass wir in diesem Vers die Einzelheiten von dem vor uns haben, was im vorigen Vers im Allgemeinen erwähnt war. Wenn wir von Gottes Gnadentaten im Großen und Ganzen gesungen haben, tun wir gut, sie einzeln eine nach der andern zu betrachten und jeder Hilfe und jeder Segnung, die wir erfahren haben, einen besonderen Raum in unserem Liede zu geben. Es dient uns zur Stärkung des Glaubens, wenn wir von Gottes Erlösungswerk umfassende Denkschriften bewahren, so dass wir nicht nur im Allgemeinen von mächtigen Königen singen, sondern auch von Sihon, der Amoriter König, und Og, dem König von Basan, im Einzelnen.
12. Und gab ihr Land zum Erbe, zum Erbe seinem Volk Israel. Jehovah ist der Oberlehnsherr der ganzen Welt, der den Völkern ihr Land zu Lehen gibt, und zwar so, dass er die Lehensfrist jederzeit nach seinem Belieben aufhören lassen kann. Die Völkerschaften Kanaans waren durch schändliche Laster dem HERRN unerträglich geworden; darum erging über sie von ihm, dem Richter aller Welt, das Urteil, dass sie ausgerottet werden sollten aus dem Lande, das sie verunreinigten. Die zwölf Stämme wurden beauftragt, als Scharfrichter an ihnen das Urteil zu vollstrecken, und als Entgelt sollten sie Kanaan zum Besitz erhalten. Vor alters schon hatte der HERR dies Land Abraham und seinem Samen verliehen, aber er gestattete den Amoritern und den anderen kanaanitischen Völkern noch darin zu wohnen, bis ihre Missetat voll war; dann befahl er seinem auserwählten Volke, das Land, das diesem gehörte, aus den Händen der Inhaber zu nehmen. Das Land Kanaan war Israels Erbteil, weil Israel des HERRN Erbteil war, und er gab es dem Volke nun tatsächlich, weil er es ihm längst schon durch Verheißung gegeben hatte.
Die Auserwählten des HERRN haben auch heute noch ein Erbteil, das niemand ihnen vorenthalten kann. Bundessegnungen von unschätzbarem Wert sind ihnen verbürgt, und so wahr Gott ein Volk hat, das ihm zu Eigen gehört, so wahr soll sein Volk auch ein Erbteil haben. Es fällt ihnen zu als Geschenk, wiewohl sie darum zu kämpfen haben. Oft ereignet es sich, dass sie, wenn sie eine Sünde niedergestreckt oder eine Schwierigkeit überwunden haben, mit reicher Beute belohnt werden; ihnen dient auch das Übel zum Guten, und Anfechtungen sind ihnen Vorboten von Siegen. Kein Feind soll so übermächtig werden, dass er ihnen wirklich schaden kann; denn sie werden da ein Erbteil für sich bereitet finden, wo sich ihnen einst "alle Königreiche Kanaans" entgegengestellt hatten.
13. HERR, dein Name währet ewiglich. Gottes geoffenbartes Wesen, seine Denk- und Handlungsweise sind unwandelbar; und auch sein Ruhm und seine Ehre werden bleiben in alle Ewigkeit. Immerdar wird in dem Namen Jesu für uns das Leben sein und Freude und Trost. Und diejenigen, über welchen der Name des HERRN genannt ist, werden durch diesen erhalten werden und bewahrt vor allem Übel, auch dann noch, wenn die gegenwärtige Weltzeit zu Ende ist. Jehovah ist ein Name, der die Jahrtausende überdauert und die Fülle seiner Herrlichkeit und Macht ewiglich behalten wird. Dein Gedächtnis, HERR, währet für und für. Nie werden die Menschen dich, unseren HERRN und Meister, vergessen. Die heiligen Verordnungen deines Hauses werden dich in der Menschen Gedächtnis erhalten, und dein ewiges Evangelium und die Gnade, die es begleitet, werden die Menschenkinder stets an dich erinnern. Für und für werden dankbare Herzen zu deinem Preise schlagen und erleuchtete Gemüter fortfahren, über deine wunderbaren Werke und Taten zu staunen. Die Denksteine der Menschen zerbröckeln, aber des HERRN Gedächtnis bleibt für und für. Was für kräftiger Trost ist das für zaghafte Gemüter, denen das Herz bangt um die Lade Gottes (1. Samuel 4,13). Nein, o du köstlicher Name, du wirst niemals untergehen! Du Ruhm des Ewigen, du wirst niemals erlöschen!
Dieser Vers ist in seinem Zusammenhang auszulegen; dann führt er uns die Wahrheit vor, dass die Ehre und der Ruhm, die der HERR sich durch den Umsturz der mächtigen Könige erobert hat, niemals ersterben werden. Israel erntete lange Zeit die Früchte von dem Ansehen, das die Siege Jehovahs dem Volke erworben hatten. Und indem der HERR so seinen mit Abraham geschlossenen Bund hielt, darin er versprochen hatte, seinem Samen das Land zu geben, machte er es überdies ganz klar und gewiss, dass sein Bund und seine Verheißungen ihm allezeit vor Augen sein, niemals aus seinem Gedächtnisse schwinden würden. Sein Name währet für und für in all seiner Wahrhaftigkeit und Zuverlässigkeit; davon ist Beweis, dass diejenigen, die das Israel gelobte Land innehatten, ausgetrieben wurden, damit die rechtmäßigen Erben desselben darin im Frieden wohnen könnten.
Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon
Moderatoren: Der Pilgrim, Anton, Peter01