Wenn Gott nicht heilt ?!

Lehrfragen in Theorie und Praxis - also alles von Bibelverständnis über Heilslehre und Gemeindelehre bis Zukunftslehre

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Jose
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Re: Wenn Gott nicht heilt ?!

Beitragvon Jose » 12.06.2010 00:25

Joschie hat geschrieben:Ich glaube das Gott heute noch heilt, aber wie gehe ich damit um ohne das es banal wird, wenn er nicht heilt.
Es ist für mich immer etwas beklemmend, wenn ich in einer Versammlung bin, in der für Kranke gebeten wird - ich meine jetzt ganz konkret für Gläubige die um Gebet ersucht haben - und es geschieht danach leider nichts bzw. nichts auffallendes. Ich sehe darin einen Grund, mich zu beugen und mich ernstlich vor dem Herrn zu prüfen. Ich freue mich aber über alle Zeugnisse, wo ich sehen kann, dass der Herr geheilt hat.

Im Mose lesen wir: „Und er sprach: Wenn du willig auf die Stimme des HERRN, deines Gottes, hörst und tust, was in seinen Augen recht ist, seinen Geboten gehorchst und all seine Ordnungen hältst, dann werde ich dir keine der Krankheiten auferlegen, die ich den Ägyptern auferlegt habe; denn ich bin der HERR, der dich heilt.2.Mose 15,26. Wenn Gott hier von auferlegen spricht, dann meint Er sicherlich zulassen, denn die Krankheit ist eine Folge der Sünde.

Und im Propheten Jesaja lesen wir, dass Jesus am Kreuz sowohl unsere Sünden als auch unsere Krankheiten getragen hat: "Unsere Leiden - er hat sie getragen, und unsere Schmerzen - er hat sie auf sich geladen.“ Jes 53,4a. Und dies wird uns in Matthäus bestätigt: „Als es aber Abend geworden war, brachten sie viele Besessene zu ihm; und er trieb die Geister aus mit seinem Wort, und er heilte alle Leidenden, damit erfüllt würde, was durch den Propheten Jesaja geredet ist, der spricht: "Er selbst nahm unsere Schwachheiten und trug unsere Krankheiten." Mt 8,16.17. Wie freue ich mich darüber, dass dieser Bezug in der Bibel steht, so dass wir klar erkennen, Jesus ist für unsere Sünden aber auch für unsere Krankheiten am Kreuz gestorben.


Aber warum heilt Gott oft nicht?

Lasst uns zuerst lesen was im Jakobus steht: „Ist jemand krank unter euch? Er rufe die Ältesten der Gemeinde zu sich, und sie mögen über ihm beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden. Bekennt nun einander die Sünden und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung." Jak 5,14-16.

Liegt hier vielleicht eine Antwort? Haben wir Glauben, haben wir unsere Sünden bekannt? Im 1. Korintherbrief lesen wir von der Gabe der Heilung. Glauben wir, dass Gottes Verheißungen, besonders was die Geistesgaben anbetrifft, auch für unsere Tage gelten: „Denn dem einen wird durch den Geist das Wort der Weisheit gegeben, einem anderen aber das Wort der Erkenntnis nach demselben Geist; einem anderen aber Glauben in demselben Geist, einem anderen aber Gnadengaben der Heilungen in dem einen Geist“ 1.Kor 12,8.9. Gott hat sich nicht geändert.

Vor einigen Tagen erhielt ich eine E-Mail aus Afrika, in der eine Glaubensschwester bezeugte, dass der Herr sie von Epilepsie geheilt hat, wie im Januar bereits auch von Rheumatoider Arthritis. Ich freue mich über solche Zeugnisse. Ein Erlebnis blieb mir bis heute in Erinnerung: Vor Jahren hat ein Bruder wegen seinem kranken Knie über sich beten lassen. Er bezeugte später, dass während für ihn gebeten wurde er spürte, wie eine Kraft durch seinen Körper floss, aber ausgerechnet vor dem kranken Knie Halt machte. Er wusste nicht, wie er das verstehen sollte, aber Tatsache ist, dass er nun seit Jahren erfahren darf, dass der Herr seine Hand über sein Knie hält.

Was mich immer nachdenklich macht, ist wenn ich lese oder berichtet bekomme, wie Gott in anderen Ländern, unter Menschen die zum ersten Mal das Evangelium gehört haben, große Wunder tut. Fehlt uns vielleicht die Einfalt, den kindlichen Glauben und das Vertrauen, Gott beim Wort zu nehmen?


Was ist meine persönliche Erfahrung mit Krankenheilung?

Der Herr hat mich im Alter von 10 Jahren bewahrt bei einem Verkehrsunfall. Ich hätte, wegen Wirbelsäulenbruch, Querschnittsgelähmt sein müssen. Bin ich aber nicht, sondern habe eine inkomplette parese, d.h. meine Beine sind sehr schwach. Erst seit 3 Jahren, 33 Jahre nach meinem Unfall, kam ich in den Rollstuhl, kam aber noch etwas mit Unterarmstützen laufen.

Nachdem ich zum Glauben gekommen war (1984), passierte es, dass wenn sich mein Zustand gravierend verschlechterte, auch mein Glaube zunächst nach unten gezogen wurde. Das geschah zwei, drei Male. Bis ich irgendwann lernte die Gegenrichtung einzuschlagen: Ging der Zustand nach unten, klammerte ich mich um so mehr an den Herrn: Jesus, du weißt es!

Ich bin übrigens verheiratet, habe zwei Kinder (zwischenzeitlich schon erwachsen) und stehe voll im Beruf. Vielen Menschen und Ärzten bin ich ein Wunder, dem Herrn sei die Ehre dafür.
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)

Jörg
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Beitragvon Jörg » 14.06.2010 07:38

Hallo José, auch ich freue mich, wenn Gott auch heute noch Krankheiten heilt und glaube auch, dass er es tut, wenn es sein Wille ist.

Was wir aber keinesfalls tun sollten, dass wir aufgrund unserer gemachten Erfahrungen (Heilungen) eine Theologie zimmern, die besagt: Gott will immer heilen. Tut er es nicht, liegt es an uns, weil wir entweder zuwenig glauben oder irgendeine Sünde zwischen mir und Gott steht. Das ist eher die Theologie der Freunde Hiobs, die sich zwar sehr fromm anhört, letztlich aber ein geistlicher Missbrauch ist, der den ohnehin schon Leidenden noch mehr Schmerzen zufügt.

Martyn Lloyd-Jones sagte sehr treffend: “Wenn Sie in irgendeine Häresie abgleiten, wenn Sie an irgendeinem Punkt irregehen, wenn Sie zum Beispiel glauben, dass körperliche Heilung im Sühneopfer Christi mit inbegriffen sei, dass es niemals Gottes Wille sei, dass eines seiner Kinder krank sein solle, dass es immer Gottes Wille sei, dass alle seine Kinder gesund seien und dass kein Christ je an einer Krankheit sterbe; wenn Sie das glauben und dann sich selbst oder jemanden, der Ihnen lieb und teuer ist, an irgendeiner unheilbaren Krankheit sterben sehen, werden Sie sich elend und unglücklich fühlen. Wahrscheinlich werden gewisse Leute dann zu Ihnen sagen: “Irgendetwas stimmt mit deinem Glauben nicht, du versagst irgendwo, du vertraust nicht wirklich so, wie du es eigentlich solltest”, und Sie werden in die Tiefen der Verzweiflung und des Elends und des Unglücks gestürzt. Sie werden in Ihrem geistlichen Leben depressiv sein, und Sie werden hier und da nach Trost Ausschau halten. Der Zustand einer solchen Person ist auf Irrtum oder Irrlehre in Bezug auf eine erstrangige, zentrale Lehre zurückzuführen. Er oder sie hat etwas in den christlichen Glauben hineingeschoben, was nicht wirklich dort hineingehört.” (aus “Der geistliche Kampf”, S. 132f, 3L Verlag)

Lieben Gruß

Jörg
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jose
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Re: Wenn Gott nicht heilt ?!

Beitragvon Jose » 26.06.2010 17:26

Jörg hat geschrieben:Auch ich freue mich, wenn Gott auch heute noch Krankheiten heilt und glaube auch, dass er es tut, wenn es sein Wille ist. … Was wir aber keinesfalls tun sollten, dass wir aufgrund unserer gemachten Erfahrungen (Heilungen) eine Theologie zimmern, die besagt: Gott will immer heilen.
Danke Jörg, für deine Ergänzung. So hatte ich es auch gemeint, mich aber nicht deutlich ausgedrückt. Es gibt Gläubige die erst zum Arzt gehen, wenn es gar nicht mehr anders geht. Andere werden getadelt wenn sie zum Arzt gehen und des Unglaubens bezichtigt. Ich denke aber, hier soll doch jeder handeln wie er innerlich geführt wird.

Meine persönliche Erfahrung ist ja, dass Gott, auch nachdem ich Sein Kind wurde, mich nicht geheilt hat. Jedoch hat Er wunderbar hindurchgetragen und geholfen und gerade durch meine Schwerbehinderung mir herrliche Segnungen geschenkt. Persönlich bin ich überzeugt, dass ich nicht Sein Kind geworden wäre, wenn Gott mich nicht diesen Weg geführt hätte. Er hat es zugelassen, damit ich auf Seine Stimme höre.

Der Herr hat uns Seine Verheißungen gegeben und nirgends aufgehoben, daher bin ich davon überzeugt, dass Gott auch heute noch heilt. Etliche Bibelstellen, die das belegen, sind in den Antworten bereits erwähnt. Die Not unserer Zeit liegt eher darin, dass die Gläubigen vieles von Gott erwarten, aber nicht bereit sind, sich Gott ganz hinzugeben. Wenn ich an die Situation in den sogenannten charismatischen Kreisen denke, da erschrecke ich, weil dort viel von Geistesgaben die Rede ist aber wenig von Buße, Bekehrung und Wandel in Heiligung. Zeichen und Wunder sind auf jeden Fall nicht das entscheidende, wenn man in den Himmel will. Jesus sagt: "Viele werden an jenem Tage zu mir sagen: Herr, Herr! Haben wir nicht durch deinen Namen geweissagt und durch deinen Namen Dämonen ausgetrieben und durch deinen Namen viele Wunderwerke getan? Und dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch niemals gekannt. Weicht von mir, ihr Übeltäter!" Mt 7,22.23. Damit sagt Jesus sicherlich nicht, dass alle Zeichen und Wunder Sünde sind, aber wir sollen sehr wohl achtgeben, dass wir nicht Zeichen und Wundern nachlaufen.

In meinem Bekanntenkreis sagte eine Person: "Lasst uns in jene Veranstaltung gehen, dort wird für kranke gebetet und vielleicht wird meine Tochter gesund". Die andere antwortete: "Nein, da war ich schon mal. Dort geht es so laut zu. Ich denke nicht, dass es so richtig ist". Mir persönlich geht es auch so: Ich suche nicht nach Gesundheit um jeden Preis!

Als ich anfing Gott zu suchen, Ihn also noch nicht gefunden hatte, da betete ich auch mal: Herr, schenke mir meine Gesundheit für einen Tag und lass mich dann sterben. Ich wollte so einfach nicht weiter leben. Später, nachdem ich Sein Kind geworden war, betete ich: Herr, lieber tausendmal kränker als ohne Dich in der Welt. Das sage ich nicht, um mich damit zu rühmen, sondern will dadurch nur bezeugen, wie der Herr mir gnädig war und bis hierher noch ist!
Bibelzitate sind, wenn nicht anders angegeben, nach der rev. Elberfelder (PC-Ausgabe)


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