Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.9

Beitragvon Jörg » 03.07.2018 15:18

Erläuterungen und Kernworte

V. 14. Der du mich erhebest aus den Toren des Todes. Tod oder Grab gleich einem Kerker. An dessen Eingang und Türe kommt manchmal ein frommes Herz. Da greift Gott zu, errettet’s noch und nimmt’s den Feinden unter den Händen weg und in seinen Schutz. Das rühmt die Kirche an dem Herrn, ihrem Gott. Joh. D. Frisch 1719.

V. 15. Allen Preis Gottes erzählen heißt, von ganzem Herzen und allen Kräften der seligen Pflicht sich hingeben, des Herrn Wunder zu rühmen. Ein gelegentliches "Gott sei Dank" ist keine geziemende Erwiderung auf die ohne Aufhören uns zuströmenden reichen Wohltaten Gottes. D. William S. Plumer 1867.

V. 16. Während sie andern Gruben graben , werden diese Gruben als Gräber für sie selbst zugerichtet. Sie müssen nur erst das Maß ihrer Sünde voll machen. Sie hecken nur ihr eigenes Verderben aus. Nicht einmal Ruhm ist auf diesem Felde zu ernten, denn wenn im Ränkeschmieden irgendetwas Rühmliches läge, so würde Satan, jener große Ränkeschmied, der wahrhaft mit Ingenieurkunst andern Gruben gräbt, uns alle übertreffen und alle Ehre vorwegnehmen. Um den Ruhm wollen wir aber den Satan und seine Helfer nicht beneiden. Mögen sie immerhin an ihrem Treiben Gefallen finden. Der Tag kommt, wo die Tochter Zions sie geringschätzig verlachen wird, wo es heißen wird: Mache dich auf und dresche, du Tochter Zions (Micha 4,13). Und gewöhnlich ist die Befreiung der Kinder Gottes mit der Vernichtung ihrer Feinde verknüpft, wie Sauls Tod und Davids Befreiung, die Rettung der Israeliten und der Ägypter Untergang im Roten Meer. Die Gemeinde des Herrn und ihr Widerpart verhalten sich wie die Schalen einer Wage; wenn die eine steigt, muss die andere fallen. Richard Sibbes † 1635.

V. 17. Der Herr hat sich kundgetan; er hat Gericht geübt. Die Qual der Verdammten wird dadurch sehr gesteigert werden, dass sie sich dann der Erkenntnis Gottes nicht mehr werden verschließen können. Dann werden sie ihr ganzes Leben überschauen und erkennen, was sie verscherzt haben. Die Blindheit, Stumpfheit und Vergesslichkeit wird von ihnen genommen sein; aber es wäre falsch, zu meinen, dass sie deshalb heiliger und glücklicher werden; nein, noch niederträchtiger und daher noch viel elender. Wenn Gottes Gericht über sie ergeht und die Rache über sie ausgegossen wird, dann haben sie keine Wahl mehr, sie müssen es zu Herzen nehmen, ob sie wollen oder nicht. Jetzt nehmen sie sich keine Zeit, an Gott zu denken, noch geben sie Ewigkeitsgedanken Raum; aber ach, dann werden sie Muße genug haben an einem Ort, wo ihre Gedanken durch nichts von ihrem Elend abgezogen werden. Ja es wird auf die Tafeln ihres Herzens eingegraben sein. Könnten sie nur vergessen! Vernichtung würden sie für die größte Wohltat halten. Aber nachdem sie den Rat des Herrn verworfen haben, soll er am Ort ihrer ewigen Gefangenschaft stets vor ihnen geschrieben stehen, damit sie ihn zu ihrer Qual überall finden, wohin sie auch blicken. Nach Richard Baxter † 1691.

Wenn der Herr an dem von ihm ausgeübten Gericht erkannt wird, dann müssen seine Gerichte offenkundig sein. In der Tat vollziehen sich viele Gerichte Gottes wie auf einer Bühne. Dies zunächst, damit hinreichend Zeugen seiner Gerichte vorhanden seien und so eilt urkundlicher Bericht darüber, wenigstens im Gemüt und Gedächtnis treuer Menschen, auf die kommenden Geschlechter sich überliefere. Zweitens, damit seine Gerechtigkeit und sein Gerichtsverfahren eine gute Wirkung auf diejenigen ausübe, welche noch nicht davon betroffen sind. Aus diesem Grunde drohte Gott, Jerusalem vor den Augen aller Völker zu strafen (Hes. 5,6-8.14.15). Jerusalem lag nicht in einem Winkel der Welt, sondern inmitten der bedeutendsten Völker. Wie diese nun all die Beweise göttlicher Gunst, die außerordentlichen Taten des Herrn zum Wohl, zur Befreiung und Rettung Jerusalems wahrgenommen hatten, sollten sie an dieser Stadt auch Gottes Gericht und sein schmerzliches Missfallen über die Sünde erkennen, damit beides, die Güte und der Ernst Gottes, offenkundig werde. Mit seinen öffentlichen Gerichten an etlichen Sündern erweist Gott anderen Gnade und legt ihnen zugleich die Pflicht auf, sich dadurch vor ähnlichem Geschick warnen zu lassen. Drittens straft Gott auch diese und jene Gottlosen vor den Augen der Menschen zum Trost und zur Ermutigung für sein Volk. Ps. 58,11.12 : Der Gerechte wird sich freuen, wenn er solche Rache sieht. Wir sollen uns zwar nicht über die Strafe freuen, sofern unsere Mitgeschöpfe darunter leiden, sondern vielmehr über die Erfüllung der göttlichen Drohung gegen die Sünde und über den Erweis der Heiligkeit Gottes. Nach 2. Mose 14,30 f. hat Gott nach dem Untergang der Ägypter im Roten Meer ihre Leichen an die Küste schwemmen lassen. Dadurch wurde dies furchtbare Gericht des Herrn über die Ägypter dem Volk Israel noch einmal so recht vor Augen geführt, und da, heißt es, fürchtete das Volk Gott und glaubte an ihn und an seinen Knecht Mose. So wurden sie durch Gottes offenkundiges Gericht über die Ägypter in ihrem Glauben gestärkt. Joseph Caryl † 1673.

Wenn Gott seine Hand an den Sünder legt, so erkennen die Frommen mit Zittern seine Große, Majestät und Macht, sowie die Art und Weise seines Richtens ; sie richten sich selbst und räumen aus dem Wege, was Gottes Zorn hervorrufen könnte. Wie das Feuer um sich her Glanz verbreitet, so stellen die Gerichte Gottes der Welt seine Herrlichkeit, Gerechtigkeit und Heiligkeit vor Augen. William Greenhill † 1677.

Das lesen wir nicht nur im Worte Gottes, sondern die ganze Geschichte und die Erfahrung eines jeden gibt davon Zeugnis, wie Gott gerechte Vergeltung übt, indem er den Gottlosen im Werk seiner Hände verstrickt . Gleich nach Haman an seinem eigenen Galgen ist vielleicht das auffälligste Beispiel hiefür eines aus der Schreckenszeit der französischen Revolution. Es wird berichtet, dass innerhalb neun Monaten, nachdem die Königin Marie Antoinette unter dem Richtbeil ihr Leben geendet hatte, alle, die an ihrem frühen Tode schuld waren, ihre Ankläger, die Richter, die Geschworenen und die Zeugen, soweit wenigstens ihr Schicksal bekannt ist, auch unter dem Richtschwert endigten, wie ihr unschuldiges Opfer. Barton Bouchier 1855.

V. 18. Solche Leute werden hier Gottlose genannt, welche Gott vergessen , kaum an ihn denken und, wenn es je geschieht, ohne Liebe und ohne Ehrfurcht. Gott vergessen und gottlos sein ist ein und dasselbe. Wer die Allgenugsamkeit und Heiligkeit Gottes nicht schätzt, wer in Gott nicht sein Glück und sein Teil, seine Stärke und seinen Beistand sucht, ihn nicht fürchtet, noch sich seinem Willen und seinen Geboten unterordnet, wer nicht nach der Verherrlichung Gottes als dem höchsten Ziele seines Lebens trachtet, der muss doch gewiss ein Gottloser genannt werden. Gott aus den Gedanken ausschließen, ihm keinen Raum darin lassen, das heißt eben gott-los sein. Wenn man daher auch von einem solchen Menschen nicht sagen kann, dass er ein Trunkenbold sei, fluche oder betrüge oder die Frommen verfolge, wenn man nur sagen muss, dass er sein Leben zubringe, ohne an Gott zu denken, so genügt das für das Urteil, dass er unter dem Zorne Gottes ist und ohne Gnade in die Hölle fahren wird, wenn er sich nicht zu Gott bekehrt. John Howe † 1705.

Die Hölle ihre Wohnung, voll von Feuer,
Das niemand löscht, der Ort der Qual und Pein.
Nach John Milton † 1674.

Machtloser Will’, der Hölle Element,
Unfruchtbar stets, und all sein Mühen kehrt
Nur auf ihn selbst zurück. -- Peinvolle Angst,
Der Selbstsucht wohl verdient’ und eigne Plage!
Bosheit durchbohrte gern den Feind, vor dem sie bebt,
Und der, voll Hohn die Lippe, sucht zu töten;
Doch keiner sieht den andern, keiner hört --
Denn Dunkel hüllt in seinem Kerker jeden ein.
Im Hunger schmachtet Lust, Gram trinkt die eigne Träne,
Einsam für sich ein jedes. Hass führt Krieg
Wider sich selbst und knirscht ob seiner Rette,

Daran die Seele wund sich zerrt und reibt.
Traurig die Öde jedes rasenden Gemüts,
Jedes am eignen Ort, einsam in seinem Kerker;
Keim Mitgefühl darf lindern ihre Qual. Nach
J. A. Heraud 1830.

V. 19. Sogar ein Heide sagte, als ein von einem Habicht verfolgtes Vöglein ihm in den Schoß flog: Weil du zu mir Zuflucht genommen hast, will ich dich nicht deinem Feinde preisgeben! Wie viel weniger wird Gott eine Seele ihrem Feind ausliefern, wenn sie bei ihm Rettung sucht. William Gurnall † 1679.

Gottes Kinder müssen harren und hoffen können. Wie man etwa sagt, Gott erhöre uns manchmal, indem er uns nicht erhöre, so kann man auch sagen, er würde uns manchmal unsere Bitte verweigern müssen, wenn er nicht deren Erfüllung aufschöbe. Es verhält sich damit, um ein Bild von Chrysostomus († 407) zu gebrauchen, wie mit einem Kapital, das lange auf der Bank liegt und zuletzt mit Zins und Zinseszins seinem Besitzer zurückgezahlt wird. Verlassen wir uns aber so auf die Menschen, denen wir Geld ausleihen, können und sollen wir nicht auch dem Herrn vertrauen und auf eine reiche Erfüllung seiner Verheißungen hoffen? Durch Aufschub der Erhörung veranlasst uns Gott zu fleißigerem Beten, und je länger wir warten, je mehr wir anhalten am Gebet, desto mehr Trost wird uns zuteil und um so sicherer können wir sein, zuletzt Erhörung zu finden. Wir wollen zwischen Aufgeschoben und Ausgehoben genau unterscheiden. Gott ist die Liebe: Was tut’s, wenn er uns warten lässt? Er handelt darin nur als weiser Erzieher. Vergessen kann und will er uns nimmer. Wer warten kann, dessen Hoffnung wird nicht ewig ausbleiben, wird also nicht verloren sein. Richard Capel † 1656.

V. 20. Herr, stehe auf! Was bezweckt der Psalmist mit dieser Bitte? Betet er um den Untergang seiner Feinde und spricht er einen Fluch über sie aus? Nein, hier redet nicht ein Mensch, der seinen Feinden Unglück wünscht, sondern ein Prophet, der in der Sprache der heiligen Schrift das Übel vorhersagt, das um ihrer Sünde willen über sie kommen muss. Aurelius Augustinus † 430.

Homiletische Winke
V. 2.
1) Der einzige unseres Lobes Würdige: der Herr. 2) Die überaus zahlreichen Veranlassungen zu seinem Lobe: alle deine Wunder. 3) Die rechte Art des Lobens: von ganzem Herzen. B. Davies 1866.
V. 2 b.
Ich will erzählen usw.: Eine nimmer endende Aufgabe und ein immer währender Genuss.
Deine Wunder. Die Schöpfung, die Vorsehung und die Erlösung sind lauter Wunder, weil Gottes Eigenschaften darin in solchem Grade hervortreten, dass dadurch die Verwunderung des ganzen Weltalls erregt wird. Ein reichhaltiges Thema.
V. 3.
Der geistliche Gesang. Seine Wechselbeziehung zu heiliger Freude.
Die Pflicht, die Unübertrefflichkeit und die Veranlassungen heiligen Frohsinns.
V. 5.
Das Recht des Gerechten wird sicherlich angegriffen, aber eben so gewiss geschützt.
V. 7.
1) Der große Feind. 2) Die Verheerungen, die er angerichtet hat. 3) Die Mittel zu seiner Niederwerfung. 4) Die Ruhe, die daraus folgen wird.
V. 8 a.
Der Herr aber bleibt ewiglich: dies der Trost der Gläubigen und der Schrecken der Sünder.
V. 9.
Die Gerechtigkeit der sittlichen Weltregierung Gottes, besonders in Beziehung auf den jüngsten Tag. Mit Einschluss jenes Tages: die Weltgeschichte das Weltgericht.
V. 10.
Hilfebedürftige Leute, schwere Zeiten, und dennoch eine vollgenugsame Versorgung.
V. 11.
1) Die wichtigste aller Kenntnisse: des Herrn Namen zu kennen. 2) Das selige Ergebnis: hoffen auf den Herrn. 3) Der hinreichende Grund zu solchem Vertrauen: denn du verlassest nicht, die dich, Herr, suchen. T. W. Medhurst.
Erkenntnis, Glaube und Erfahrung und ihre Beziehung zueinander. Der Name Jahwes als unversiegbare Quelle des Hoffens (oder Vertrauens).
V. 12.
1) Das Zion des alten und das des neuen Bundes. 2) Die herrlichen Taten des Herrn, der zu Zion wohnt. 3) Die zwiefache selige Pflicht der Zionskinder: dem Herrn zu lobsingen und unter den Völkern seine großen Taten zu verkündigen.
V. 13.
1) Gott an einem furchtbar ernsten Werke. 2) Er gedenkt der Seinen, um sie zu erhalten, zu erhöhen, zu segnen und zu rächen. 3) Er erhört ihr Schreien, indem er sie rettet und ihre Feinde vernichtet. Eine Trostpredigt in Kriegsfällen und anderer böser Zeit.
V. 14 a.
Herr, sei mir gnädig! Die Bitte des Zöllners. 1) Was ist ihr Inhalt? 2) Wie wird sie vorgebracht? 3) Wie erhört? 4) Ist sie nicht nachahmenswert?
V. 14.
Tiefes Elend, große Erlösung, herrliche Erhöhung.
V. 15.
Fröhlich über deinem Heil : besonders weil es von dir kommt, o Gott, und deshalb dich ehrt; über seine Freiheit, Fülle, Angemessenheit, Gewissheit und ewige Dauer. Wer kann sich darüber freuen? Gründe, warum Gottes Kinder sich stets so freuen sollten.
V. 16.
Lex talionis das göttliche Gesetz der Vergeltung. Denkwürdige Beispiele.
V. 17.
mit V. 11: Zweierlei Erkenntnis; welch furchtbarer Unterschied.
V. 18.
Eine Warnung an solche, die Gottes vergessen.
V. 19.
Aufschub der Hilfe. 1) Wie sieht der Unglaube denselben an? Vergessen, verloren. 2) Gottes Verheißung: nicht für immer. 3) Die Pflicht des Glaubens: Warten.
V. 20.
Dass die Menschen nicht Überhand haben. Ein höchst wirksamer Beweggrund zu der Bitte: Herr, stehe auf . In welchen Fällen wird er in der Schrift angewendet? Die Ursache seiner großen Wirkung. Die geeigneten Zeiten zu seiner Benutzung.
V. 21.
Eine sehr notwendige Lektion und wie Gott sie lehrt.


Fußnoten
1. Luthers Übersetzung beruht auf der auch von LXX, Vulg., Syr. befolgten Lesart tObrfxA Schwerter statt tObrfxF Trümmer.
2. Diese frühere Übersetzung Luthers (1524) in Vers 2.3: Ich will danken, erzählen, mich freuen und fröhlich sein und loben, womit auch Spurgeons Auslegung übereinstimmt, ist entschieden besser.

3. In der engl. Bibel lautet der Vers: For thou hast maintained my right and my cause, etc.

4. Der Wahlspruch der englischen Krone.

5. Manche nehmen hier und 10,1 ein sonst nicht vorkommendes Wort hrfcIfbIa Abgeschnittensein, Klemme, Drangsal (von rcb abschneiden) an; andere fassen das b als Präposition: für Zeiten in der Not.

6. Manche übersetzen den Vers perfektisch, als beziehe er sich auf jüngst Erlebtes: Er hat nach den Blutschulden gefragt, hat ihrer (der Elenden) gedacht, hat nicht vergessen usw. Besser fasst man die Perff. des Grundt. jedoch wohl als Bezeichnung von früher schon erfahrenen und noch immer dann und wann sich zu erfahren gebenden Tatsachen, übersetzt also im Präsens. Die in Spurgeons Auslegung allein hervortretende Beziehung auf die Zukunft liegt nicht direkt im Text, sie tritt erst V. 18 ff. hervor.

7. Die Bedeutung Sinnen, Nachdenken ist für das Wort in Ps. 19,15 und Klagl. 3,62 allgemein anerkannt. In Ps. 92,4 scheint es irgendeine Art Saitenspiel (Delitzsch: sinniges Spiel) zu bedeuten. Was an unserer Stelle sein Sinn sein mag, ist ungewiß.

8. Die Übersetzung Luthers (nach LXX) beruht auf der Vokalisierung hreOm. Diese wird z. B. noch von Bäthgen (1904) vorgezogen.
Die gewöhnliche Lesart hrfOm gleich )rfOm Schrecken, ist aber vollkommen passend.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.10

Beitragvon Jörg » 07.07.2018 12:44

Kommentar & Auslegung zu PSALM 10

Überschrift

Da dieser Psalm keine eigene Überschrift hat, vermuten manche, er sei ein Bruchstück des 9. Psalms, wofür man auch die Spuren alphabetischer Ordnung geltend macht. Man vergleiche hierüber die Vorbemerkung zu Psalm 9. In der griechischen und lateinischen Bibel werden beide als ein Psalm gezählt. Da unser Psalm aber in sich vollständig ist, ziehen wir es vor, ihn als selbständiges Ganzes anzusehen. Wir haben bereits Beispiele von Psalmen gehabt, die offenbar ein Paar bilden, so Psalm 1; 2; Psalm 3; 4; und dieser ist mit dem 9 wiederum ein solcher Doppelpsalm.
Der Hauptgegenstand des Psalms ist die Bedrückung und Verfolgung der Frommen durch die Gottlosen. Wir wollen ihm daher zur Unterstützung unseres Gedächtnisses die Überschrift der Hilferuf eine Unterdrückten geben.

Einteilung

Der 1 . Vers, ein Ausruf des Erstaunens, legt die Absicht des Psalms dar, nämlich Gott zu bewegen, dass er sich zur Errettung seines armen, unterdrückten Volkes aufmache. Vers 2-11 beschreiben in kraftvoller Sprache die Denk- und Handlungsweise des Unterdrückers. Im 12 . Verse bricht der Hilferuf des ersten Verses wiederum durch, aber in bestimmteren, deutlicheren Ausdrücken. In den folgenden Versen, 13-15 , tritt sodann die klare Erkenntnis des Psalmisten zu Tage, dass Gottes Auge all die Grausamkeiten der Feinde sieht, und als eine Folgerung der göttlichen Allwissenheit erschaut er mit Freuden die schließliche Erlösung der Unterdrückten durch den gerechten Richter, Vers 16-18 . Der Psalm bietet sowohl der Gemeine des Herrn in Zeiten der Verfolgung, als dem einzelnen Gläubigen, wenn er unter der Hand stolzer Gottlosen schmachtet, passende Worte zu Gebet und Lobpreisung dar.

Auslegung

1. Herr, warum trittst du so ferne?
verbirgst dich zur Zeit der Not?

1. Warum stehest du fern, Herr? (Grundt.) Dem tränenvollen Auge des Dulders scheint Gott als teilnahmloser Zuschauer ruhig dazustehen, als hätte er für seinen bedrängten Knecht kein Herz. Ja noch mehr, es ist ihm, als sei der Herr ganz ferne, als habe es keine Geltung mehr, dass Gott unsere Zuflucht und Stärke sei, als mächtige Hilfe in Nöten erfunden (Ps. 46,2 Grundt.), sondern als sei er vielmehr ein unzugänglicher Berg, den niemand erklimmen könne. Die Nähe Gottes ist die Wonne der Seinen, und eben darum versetzt sie der leiseste Verdacht, als sei er ferne, in die größte Beunruhigung. Lasst uns denn stets dessen eingedenk sein, dass der Schmelzer nie weit von dem Schmelzofen ist, wenn sich das Gold im Feuer befindet. Der Sohn Gottes wandelt stets inmitten der Flammen, wenn seine Kinder im Feuerofen sind (Dan. 3,25). Wer aber des Menschen Schwachheit kennt, wird sich darüber wenig wundern, dass wir es in Zeiten scharfer Läuterung fast unerträglich finden, dass der Herr uns scheinbar vernachlässigt, indem er unsere Befreiung verzögert.
Warum verbirgst du dich (oder: dein Angesicht) zur Zeit der Not? 1 Was uns so tief ins Fleisch schneidet, ist nicht sowohl die Not an sich, als das Verbergen des väterlichen Angesichts Gottes. Wenn Trübsal und Verlassenheit zusammen über uns hereinbrechen, dann sind wir in so übler Lage wie Paulus, dessen Schiff zwischen zwei Strömungen auf Grund fuhr (Apg. 27,41). Kein Wunder, dass das Schiff zerbrach von der Gewalt der Wellen. Wenn unsere Sonne sich verfinstert, dann ist es wahrlich dunkel. Sollten wir einer Antwort auf die Frage unseres Textes bedürfen, so finden wir sie in der Tatsache, dass es nicht nur für die Anfechtung, sondern auch für das Traurigsein in der Anfechtung ein göttliches Muss gibt (1. Petr. 1,6). Wie könnte es aber zu dieser Traurigkeit kommen, wenn der Herr sein Angesicht bei unsern Prüfungen über uns leuchten ließe? Wenn der Vater sein Kind tröstete, während er es züchtigt, wo bliebe der Nutzen der Bestrafung? Ein lächelndes Angesicht und die Rute passen nicht zueinander. Gott lässt uns die Streiche gründlich fühlen: denn nur solche Prüfungen, die wir empfinden, können gesegnete Trübsale werden. Wenn Gott uns über jeden Strom in seinen Armen trüge, wo bliebe die Prüfung und wo die Erfahrung oder Bewährung, zu der wir eben durch die Trübsal heranreifen sollen?

2. Weil der Gottlose Übermut treibt, muss der Elende leiden.
Sie hängen sich aneinander und erdenken böse Tücke.
3. Denn der Gottlose rühmet sich seines Mutwillens,
und der Geizige saget dem Herrn ab und lästert ihn.
4. Der Gottlose meint in seinem Stolz, er frage nicht danach;
in allen seinen Tücken hält er Gott für nichts.
5. Er fährt fort mit seinem Tun immerdar;
deine Gerichte sind ferne von ihm;
er handelt trotzig mit allen seinen Feinden.
6. Er spricht in seinem Herzen: Ich werde nimmermehr
danieder liegen;
es wird für und für keine Not haben.
7. Sein Mund ist voll Fluchens, Falsches und Trugs;
seine Zunge richtet Mühe und Arbeit an.
8. Er sitzt und lauert in den Dörfern;
er erwürget die Unschuldigen heimlich; seine Augen halten auf die Armen.
9. Er lauert im Verborgenen wie ein Löwe in der Höhle;
er lauert, dass er den Elenden erhasche,
und er haschet ihn, wenn er ihn in sein Netz zieht.
10. Er zerschlägt und drücket nieder,
und stößt zu Boden den Armen mit Gewalt.
11. Er spricht in seinem Herzen: Gott hat’s vergessen;
er hat sein Antlitz verborgen, er wird’s nimmermehr sehen.

2. Dieser Vers enthält die förmliche Anklage gegen die Gottlosen: Der Gottlose verfolget in seinem Übermut (hitzig) den Armen. (And. Übers. 2 Die Anschuldigung teilt sich in zwei Anklagen: Hochmut und Gewalttätigkeit. Das eine ist die Wurzel und Ursache des anderen. Der zweite Satz enthält den Wunsch oder die Bitte des Unterdrückten: Möchten sie ergriffen werden in den bösen Tücken, die sie erdacht haben. (Grundt., ähnlich schon Luther 1519. 3 Solche Bitte ist vernünftig, gerecht und natürlich. Sogar nach dem Urteil unserer Feinde ist es billig, dass den Leuten geschehe, wie sie andern haben tun wollen. Wir wollen nur, dass euch auf eurer eigenen Waage zugewogen und euer Korn mit eurem eigenen Scheffel gemessen werde. Schrecklich wird dein Tag sein, Babel, du Verfolgerin des Volkes Gottes, wenn du aus dem Kelch wirst trinken müssen, den du selbst bis an den Rand gefüllt hast mit dem Blute der Heiligen (Off. 17,6). Niemand wird Gottes Gerechtigkeit in Frage stellen, wenn er jeden Haman an seinen eigenen Galgen hängen (Esther 7,10) und alle Feinde Daniels in ihre eigene Löwengrube werfen wird (Dan. 6,25).

3. Die Anklage ist verlesen und die Klageschrift vorgelegt; nun wird der Beweis über den ersten Punkt der Klage angetreten. Was den Hochmut betrifft, ist der Beweis von entscheidender Kraft, und kein Geschworenengericht könnte zögern, seinen Wahrspruch gegen den vor den Schranken des Gerichts stehenden Gefangenen abzugeben. Doch lasst uns die Zeugen, einen nach dem andern, vernehmen. Der erste bezeugt dass der Angeklagte ein Prahler ist. Der Gottlose rühmet sich seines Mutwillens, wörtlich: des Gelüstes seiner Seele . Sein Prahlen ist sehr einfältig, denn nicht mit Taten, sondern mit bloßen Wünschen brüstet er sich. Und er offenbart damit seine freche Unverschämtheit; denn wonach ihn gelüstet, das sind Bubenstücke. Ja er ist ein verworfener Mensch, denn er rühmt sich seiner Schande. Großsprecherische Sünder sind die allerschlechtesten und verabscheuungswürdigsten, zumal wenn ihre schmutzigen Gelüste -- zu schmutzig, als dass sie sie ausführen könnten -- der Gegenstand ihrer Prahlereien werden. Wenn Herr Hasse-das-Gute und Herr Eigendünkel Handelsgenossen werden, machen sie flotte Geschäfte mit des Teufels Waren. Dieser eine Beweis reicht hin, den Angeklagten zu verdammen. Kerkermeister, führ’ ihn ab! Doch halt, noch ein Zeuge meldet sich, um eidlich vernommen zu werden. Diesmal tritt die Frechheit des stolzen Aufrührers noch klarer zu Tage: Er segnet den Habgierigen und verachtet den Herrn. (And. Übers. 4 Schon eben das, dass er den, der bei jedem Geschäft, einerlei wie, seinen Schnitt zu machen versteht, beglückwünscht und auch in dem Räuber und Betrüger, wenn er nur an den Gesetzen vorbeizukommen weiß, nur den "smart man " sieht und ihn als solchen preist, das zeigt, welch ein Verächter des heiligen Gottes er ist. Das ist die höchste Frechheit, dass er sich nicht entblödet, in offenem Widerstreit mit dem Urteile des Richters aller Welt den zu segnen, welchen Gott verflucht. Solches tat das verkehrte Geschlecht zu Maleachis Zeiten, da sie die Verächter glücklich priesen (Mal. 3,15). Wie oft haben wir Gottlose in ehrenden Ausdrücken von Habgierigen, Leuteschindern und schlauen Betrügern reden hören! Ja, wir wissen wohl, wie die Welt die Menschen wägt. Der ist ihr am liebsten, der den vollsten Beutel hat. Herr Hochmut ist mit Frau Habgier gut Freund und beglückwünscht sie wegen ihrer Vorsicht, Sparsamkeit und Klugheit. Zu unserem Schmerze müssen wir sagen, dass deren sogar nicht wenige sind, die sich für fromm ausgeben und dennoch einen reichen Mann wertschätzen und ihm schmeicheln, auch wenn sie wohl wissen, dass er sich an dem Fleisch und Blut der Armen gemästet hat. Die einzigen lasterhaften Menschen, die aller Ehren wert gelten, sind die habgierigen Leute. Ist jemand ein Ehebrecher oder ein Trunkenbold, so schließt man ihn aus der Gemeinde aus; aber wer hat je davon gelesen, dass an solch einem elenden Götzendiener, einem Habgierigen und Geizigen, Kirchenzucht geübt worden wäre? Lasst uns vor dem Gedanken erbeben, dass wir etwa erfunden werden könnten als solche, die der frechen Sünde mitschuldig wären, den Habgierigen zu segnen, den der Herr verabscheut, und also den Herrn zu verachten.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.10

Beitragvon Jörg » 10.07.2018 15:40

4. Die Zeugnisse von dem stolzen Prahlen des Gottlosen und seiner sträflichen Sympathie mit den von Gott Verworfenen sind zu Protokoll genommen, und nun bestätigt sein eigenes Antlitz die Anklage. Der Gottlose (wähnt) in seiner Hochnäsigkeit: Mit nichten wird er ahnden. (Wörtl.) Ein stolzes Herz erzeugt ein stolzes Angesicht und steife Knie. Es ist trefflich so geordnet, dass des Herzens Gedanken so oft in dem Gesicht geschrieben stehen, gerade wie die Bewegungen der Räder einer Uhr auf dem Zifferblatt jedermann kund werden. Eine freche Stirn und ein zerbrochenes Herz sind nicht beieinander. Wir bezweifeln sehr, dass die Athener weise handelten, als sie beschlossen, die Angeklagten sollten im Dunkeln verhört werden, damit ihr Gesichtsausdruck nicht etwa auf die Richter bestimmend einwirke; denn man kann von den Bewegungen der Gesichtsmuskeln viel mehr entnehmen, als von dem, was der Mund redet. Die Ehrlichkeit leuchtet dem Menschen aus dem Angesicht, und ebenso guckt die Niederträchtigkeit einem aus den Augen heraus.
Siehe, was der Stolz vermag. Er blendet dem Menschen die Augen, dass er Gottes Gerichte nicht sieht. Ja er brütet die Leugnung Gottes aus. In allen seinen Tücken hält er Gott für nichts. Wörtlicher übersetzen wir: Es gibt keinen Gott, ist die Summe seiner Gedanken, oder: (darauf gründen sich) alle seine Tücken . Sein Herz ist voll tückischer Gedanken-Gespinste, aber an Gott denkt er dabei nicht und will er nicht denken: und wenn er an ihn denkt, dann so, dass er sich vorredet, es gebe keinen Gott. Unter Haufen von Gedankenspreu nicht ein Weizenkörnlein. Die einzige Stätte, wo Gott nicht ist, sind die Gedanken des Gottlosen. Das ist eine vernichtende Anklage; denn wo der Gott vom Himmel nicht ist, da herrscht und wütet der Herr der Hölle. Leugnen wir Gott in unsern Gedanken und Plänen, so werden diese uns ins Verderben bringen.

5. Die Bedeutung des ersten Satzes unterliegt Zweifeln. Meist deutet man (nach Hiob 20,21): Stark sind seine Wege allezeit , d. h.: Was er unternimmt, hat jederzeit Bestand. Das war und ist ja je und je für die Redlichen und Gottesfürchtigen eine schwere Anfechtung, dass es oft den Anschein hat, als wären die frechen Übeltäter besondere Günstlinge des Himmels, weil ihre Unternehmungen gedeihen. Luther und andere verstanden das Wort "Weg" hier im sittlichen Sinn von der Handlungsweise des Gottlosen, von seinem bösen Treiben: Er fährt fort mit seinem Tun immerdar . Was fragt er nach Gesetz und Recht? Und ob sein Tun andern Herzeleid und Qual bereitet, was kümmert ihn das? Er sitzt gleich Dschaggernaut auf seinem ungeheuren Götzenwagen, gänzlich ohne Mitgefühl für die Menschenmassen, die unter den Rädern zermalmt werden.
Deine Gerichte sind hoch droben (Grundt.) von ihm ferne. Ob er gleich seine Nase hoch trägt, so ist sein Blick doch nicht in die Höhe gerichtet. 5 Wie er Gott zu leugnen sucht, so auch Gottes Gerichte. Er hat nicht das geringste Verständnis für die göttlichen Dinge. Ein Schwein wäre wohl eher noch fähig, die Sterne durch ein Fernrohr zu betrachten, als solch ein Mensch, das Wort Gottes zu erforschen und die Gerechtigkeit des Herrn zu verstehen. Er handelt trotzig mit allen seinen Feinden. Wörtlich: Er bläst sie geringschätzig an. (Andere übersetzen: Er schnaubt sie an .) Er gebärdet sich trotzig und übermütig. Und wenn Leute seinem schändlichen Treiben entgegentreten, nimmt er eine höhnische Miene an und droht. sie mit einem Puh! zu zerstieben und zu vernichten. Wehe dir, Prahler; du hast einen Feind, der sich um dein Trotzen nicht kümmert. Der Tod wird dir mit seinem Puh! das Lebenslicht ausblasen, und im Grabe wirst du schwerlich noch ans Prahlen denken.

6. Das Zeugnis dieses Verses schließt die Aufnahme des Beweises gegen den Angeklagten hinsichtlich der ersten Anschuldigung, die auf Hochmut lautete, und dies Zeugnis ist von entscheidendem Gewicht. Der Zeuge, der jetzt zu Wort kommt, hat nämlich an der geheimsten Kammer des Herzens gelauscht, und er tritt auf, um uns zu sagen, was er da gehört hat.-- Er spricht in seinem Herzen: Nicht werd’ ich wanken; in alle Zukunft werde ich ein solcher sein, der nicht in Unglück gerät. (Grundt.) Seht, wie seine Unverschämtheit in den Samen schießt! Dieser Mensch hält sich für unbeweglich, für allmächtig. Er, er wird nie ins Unglück kommen. Er hält sich für den Günstling des Glücks. Ihm wird’s nicht gehen wie gewöhnlichen Menschen, ihm wird kein Kummer nahen. Er hat sein Nest zwischen den Sternen gemacht (Obadja 1,4), und es kommt ihm nicht im Traume in den Sinn, dass irgendjemand ihn von dannen hinunterstürzen könnte. Aber lasst uns bedenken, dass dieses Mannes Haus auf den Sand gebaut ist, auf einen Untergrund, so unbeständig wie die rollenden Wogen der See. Wer zu sicher ist, ist gar nie sicher. Die luftigen Bogen der Prahlerei sind schlechte Fundamentgewölbe, und das Selbstvertrauen ist ein armseliges Bollwerk. Das ist das Verderben der Narren, dass sie, wenn es ihnen gut geht, im Selbstbetrug sich aufblähen und vor Hochmut platzen. Sie wähnen, ihr Sommer werde ohne Ende währen und ihre Blumen ewig in der Blüte stehen. Sei demütig, Mensch, denn du bist sterblich und dein Geschick so veränderlich, dass es vor Abend leicht anders werden kann, als es am frühen Morgen ist.
Nun ist die zweite Beschuldigung an der Reihe der Prüfung. Die erwiesene Tatsache, dass dieser Mensch stolz und anmaßend ist, lässt schon vermuten, dass es auch mit der Anklage auf Rachsucht und Grausamkeit seine Richtigkeit habe. Hamans Stolz war der Vater seines grausamen Planes, alle Juden zu ermorden (Esther 3). Nebukadnezar lässt ein goldenes Bild machen und befiehlt im Hochmut, dass alle davor niederfallen und anbeten; da steht auch schon die Grausamkeit bereit, den Ofen für die, welche sich dem königlichen Willen nicht fügen wollen, siebenmal heißer zu machen, als man sonst zu tun pflegte (Dan. 3). Jeder hochmütige Gedanke ist der Zwillingsbruder eines grausamen. Wer sich selbst erhöht, verachtet andere; ein Schritt weiter, und er wird ’zum Tyrannen.

7. Lasst uns nun wieder die Zeugen hören. Der Schurke möge für sich selber sprechen; denn aus seinem eigenen Munde wird er verdammt werden. Sein Mund ist voll Fluchens, Falsches und Trugs oder Gewalttätigkeit. Nicht nur ein wenig Böses findet sich bei ihm, sondern sein Mund ist voll davon. Eine dreiköpfige Schlange hat sich in der Höhle seines bösen Maules zusammengeringelt, bereit, ihr Gift auf alle zu schießen. Verwünschungen speit er aus, beides gegen Gott und Menschen; mit Falschheit bestrickt er die Unbedachtsamen, und durch Bedrückung beraubt er auch in seinen ganz gewöhnlichen Handlungen seine Nachbarn. Hüte du dich vor einem solchen; habe nichts mit ihm zu schaffen! Sogar unter den Gänsen wollten nur die dümmsten Reineckes Rede hören; und nur die Erznarren begeben sich in die Gesellschaft von Schurken. Doch weiter! Wir müssen dem Mann nicht nur in den Mund, sondern auch noch unter die Zunge gucken: Unter seiner Zunge (birgt sich) Unheil und Verderben. (Grundt.) Da stecken die noch ungeborenen Worte, die, wenn sie herauskommen, Unheil und Verderben anrichten werden.

8. Trotz all seinem Prahlen scheint der Niederträchtige eben so feige als grausam zu sein. Er sitzt und lauert in den Dörfern; er erwürget die Unschuldigen heimlich: seine Augen halten (spähend) auf den Unglücklichen. (Grundt.) Er spielt die Rolle des Wegelagerers, der sich plötzlich aus seinem Versteck auf den arglosen Wanderer stürzt. Es lauern immer böse Menschen im Hinterhalt auf die Frommen. Hier auf Erden sind wir im Land der Räuber und Diebe. Lasst uns wohl bewaffnet reisen, denn in jedem Gebüsch ist ein Feind versteckt. Überall sind Fallen für uns gestellt; überall gibt es Feinde, die nach unserm Blut dürsten, sogar an unserem eigenen Tisch. Nie und nirgends sind wir sicher, es sei denn der Herr bei uns.

9. Das Bild wird immer schwärzer. Der Gottlose ist zum Raubtier geworden. Er lauert im Verborgnen wie ein Löwe in seinem Dickicht, um auf die Beute zu springen. Im zweiten Versglied wird er mit einem listigen Jäger verglichen: Er lauert, dass er den Elenden erhasche; er erhaschet den Elenden, wenn er ihn in sein Netz zieht, oder: indem er ihn fortschleppt mit seinem Netz . Fürwahr, es gibt Menschen, auf welche diese ganze Beschreibung buchstäblich passt. Mit Argusaugen bewachen sie den Gerechten und bringen ihn mit Verdrehungen und Verleumdungen, mit heimlichen Verdächtigungen, ja, wenn’s nötig ist, mit falschen Schwüren um seinen guten Namen und morden so den Unschuldigen: oder aber, sie fangen mit Rechtsklaubereien, mit Pfand- und Schuldbriefen, mit Vollziehungsbefehlen und ähnlichen Mitteln die Armen und schleppen sie fort mit ihrem Netz. Der Kirchenvater Chrysostomus († 407) eiferte besonders streng gegen die letztgenannte Erscheinungsform der Grausamkeit, aber sicherlich nicht mehr, als sie es verdient. Nehmt euch in Acht, meine Brüder, denn es gibt noch andere Schlingen außer diesen. Francis Quarles († 1644) schildert unsere Gefahr in folgenden Zeilen:

Sieh’, der Versucher sucht dich zu fäll’n,
Überall Netze und Stricke zu stell’n,
Netze im Elend, Stricke im Sieg,
Netze im Frieden, Stricke im Krieg,
In den Gedanken, in deinem Wort,
Netze und Stricke an jeglichem Ort.

Netze im Fasten und im Genuss,
Netze und Stricke für Hand und für Fuß,
Netze am Wege, Stricke im Herzen,
Netze im Hoffen, Stricke in Schmerzen,
Netze im Jubeln, Stricke in Not,
Netze in Krankheit, Stricke im Tod.


O Herr, behüte deine Knechte und schirme uns vor allen unsern Feinden!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps.10

Beitragvon Jörg » 14.07.2018 14:01

10. Er duckt sich und kauert, liegt nach Raubtierart tief sich bückend auf der Spähe, damit die wehrlosen Unglücklichen in seine Klauen (wörtl.: seine Starken) fallen 6 . Schein-Demut ist oft der Waffenträger der Bosheit. Der Löwe duckt sich, um mit desto größerer Kraft auf die Beute zu springen und seine starken Krallen in sein Opfer zu schlagen. Als der Wolf alt geworden war und Menschenblut gekostet hatte, da rief der alte Sachse: Hütet euch! Ein Wolf! Und wir haben auch Ursache zu rufen: Hütet euch vor dem Fuchs! Wer uns vor die Füße kriecht, will uns zu Fall bringen. Nehmt euch wohl in Acht vor kriechenden Schmeichlern, denn Freundschaft und Schmeichelei sind Todfeinde.

11. Wie bei dem früheren Anklagepunkt, so steht auch bei diesem ein Zeuge auf, der den Angeklagten an dem Schlüsselloch seines Herzens belauscht hat. Sprich heraus, Freund: lass uns hören, was du zu berichten hast! -- Er spricht in seinem Herzen: Gott hat’s vergessen; er hat sein Antlitz verborgen, er wird’s nimmermehr sehen. Dieser gewalttätige Mensch tröstet sich mit der Einbildung, Gott sei blind, oder wenigstens habe er ein schlechtes Gedächtnis. Welch läppische, törichte Einbildung! Die Menschen bezweifeln Gottes Allwissenheit, während sie die Heiligen verfolgen! Hätten wir eine Empfindung für die Nähe Gottes, so wäre es uns unmöglich, seine Kinder schlecht zu behandeln. Es gibt in der Tat kein besseres Mittel, uns vor der Sünde zu bewahren, als den steten Gedanken: Du, Gott, siehest mich.
Das Verhör ist zu Ende. Die Anklage hat sich in ihrem vollen Umfang bestätigt. So ist es denn kein Wunder, dass der Kläger, der so viel Bedrückung hat leiden müssen, seine Stimme erhebt und um ein gerechtes Urteil über seinen Verfolger bittet, wie wir es in dem nun folgenden Verse finden.

12. Stehe auf, Herr; Gott, erhebe deine Hand;vergiss der Elenden nicht!

12. Mit welch kühner Sprache wendet sich der Glaube an seinen Gott! Und doch, wie viel Unglaube ist nicht selbst mit unserem stärksten Vertrauen vermischt. Furchtlos bestürmt der Psalmist den Herrn, aufzustehen und seine Hand zu erheben , um den Seinen zu helfen und deren Verfolger zu bestrafen; und zu gleicher Zeit bittet er zaghaft, der Herr möge doch der Elenden und Gebeugten nicht vergessen -- als ob es je geschehen könnte, dass der treue Bundesgott nicht an die Seinen denke! Dieser Vers ist der unaufhörliche Ruf der streitenden Gemeinde, von dem sie nicht ablassen wird, bis ihr Herr in seiner Herrlichkeit kommt, um sie an allen ihren Widersachern zu rächen.

13. Warum soll der Gottlose Gott lästern,
und in seinem Herzen sprechen: Du fragest nicht darnach?
14. Du siehst ja, denn Du schauest das Elend und Jammer; es
stehet in deinen Händen;
die Armen befehlen’s dir;
Du bist der Waisen Helfer.
15.Zerbrich den Arm des Gottlosen,
und suche heim das Böse, so wird man sein gottlos Wesen immer finden.

13.14. In diesen Versen ist die Beschreibung des Gottlosen in wenige Worte zusammengedrängt. Seine Bosheit wird auf ihre Quelle zurückgeführt, nämlich auf seine gottesleugnerischen Gedanken über die Regierung der Welt. Wir merken alsbald, dass diese Darstellung den Zweck hat, Gott in neuer, noch dringenderer Weise aufzurufen, dass er seine Macht zeige und seine Gerechtigkeit offenbare. Wenn die Ruchlosen Gottes Gerechtigkeit in Frage stellen, mögen wir wohl den Herrn bitten, sie zu lehren, wie schrecklich seine Gerechtigkeit für den Sünder ist. Im 13. Verse wird dargelegt, was der Ungläubige hofft und wünscht. Warum verachtet der Gottlose Gott? Weil er nicht glaubt, dass auf die Sünde Strafe folge. Er spricht in seinem Herzen: Du fragest nicht darnach. Wenn es für andere Menschen keine Hölle gäbe, sollte doch eine da sein für solche, die in Zweifel ziehen, dass es eine vergeltende Gerechtigkeit gebe. Dieser niederträchtige Gedanke findet seine Antwort im 14. Verse: Du hast es wohl gesehen! Denn Du schauest immer auf Leid und Kummer, sie in deine Hand zu nehmen. (Grundt.) Gott ist ganz Auge für das Herzeleid, das seinen Kindern widerfährt, und ganz Hand, um ihre Feinde zu züchtigen. Vor Gottes allsehendem Blick gibt es kein Verbergen und vor der göttlichen Gerechtigkeit kein Entrinnen. Wer die Elenden unterdrückt, wird selbst vom Elend unterdrückt werden; wer wider Gottes Kinder mit den Zähnen knirscht, wird bald an dem Ort sein, wo ewiges Zähneknirschen ist; und wer Tücken in seinem Innern aufspeichert, wird schon hienieden ein reiches Erbteil an Kummer bekommen. Ja wahrlich, es gibt einen Gott, der auf Erden Gericht übt. Auch ist das nicht der einzige Erweis der Gegenwart Gottes auf Erden; denn während er die Unterdrücker züchtigt, erzeigt er den Unterdrückten hilfreich sein Wohlwollen. Die Armen oder Hilflosen befehlen dir ; sie übergeben sich ganz der treuen, mächtigen Hand ihres Gottes. Indem sie ihr Urteil seiner klaren Einsicht, ihren Willen seiner Oberhoheit unterwerfen, beseligt sie die Gewissheit, dass er alles zu ihrem Besten ordnen werde. Und er täuscht ihre Hoffnung nicht. Er erhält sie in Zeiten der Not und lässt sie frohlocken über seine Güte. Du bist der Waisen Helfer. Gott ist der Vater aller Vaterlosen. Wenn dein irdischer Vater unter dem Rasen schläft, lächelt dir deines himmlischen Vaters Angesicht aus der Höhe. Irgendwie finden die Waisen ihre Versorgung, und das ist ganz natürlich, da sie einen solchen Vater haben.

15. In diesem Verse hören wir von neuem die Bitte, der Herr möge doch der Gottlosigkeit ein Ende machen. Zerbrich den Arm des Gottlosen, und der Böse -- suche sein gottloses Wesen (rächend) heim, bis du nichts mehr findest. (And. Übers. 7 Nimm dem Sünder seine Macht zu sündigen, tue dem Tyrannen Einhalt, lege den Unterdrücker in Fesseln. Beraube den Gewaltigen seiner Macht und zerbrich den Arm des Wüterichs. Sie leugnen deine Gerechtigkeit; lass sie dieselbe im Vollmaß erfahren. Ja fürwahr, sie werden sie zu fühlen bekommen; denn Gott wird den Sünder ewig verfolgen. Bis aufs winzigste Körnchen wird die Sünde aufgespürt und bestraft werden. Es ist höchst beachtenswert, dass nur sehr wenige von den großen Verfolgern in ihrem Bette gestorben sind. Der Fluch hat sie augenscheinlich verfolgt, und ihre entsetzlichen Leiden haben sie dazu gebracht, die göttliche Gerechtigkeit anzuerkennen, gegen die sie einst ihren Hohn geschleudert hatten. Gott lässt es zu, dass Tyrannen sich erheben -- als Dornhecken, die seine Gemeinde vor dem Eindringen von Heuchlern schützen, und um seine abtrünnigen Kinder durch sie zu züchtigen, wie Gideon die Leute zu Sukkoth die Dornen der Wüste fühlen ließ (Richter 8,16); aber bald rottet er solche Herodesse aus gleich den Dornen und wirft sie ins Feuer. Als Thales von Milet, einer der sieben Weisen Griechenlands, einst gefragt wurde, was er für die größte Seltenheit in der Welt achte, antwortete er: einen Tyrannen alt werden zu sehen. Siehe, wie der Herr stolzen Unterdrückern nicht nur den Arm, sondern das Genick bricht. Wer Gottes Kindern weder Gerechtigkeit noch Barmherzigkeit erwiesen hat, dem wird ein gerüttelt und geschüttelt Maß von vergeltender Gerechtigkeit, aber nicht ein Körnlein Barmherzigkeit zuteil werden.

16. Der Herr ist König immer und ewiglich;
die Heiden müssen 8 aus seinem Land umkommen.
17. Das Verlangen der Elenden hörest 9 du, Herr;
ihr Herz ist gewiss, dass dein Ohr drauf merket,
18. dass du Recht schaffest dem Waisen und Armen,
dass der Mensch nicht mehr trotze auf Erden. 10

Der Psalm endet mit lobpreisendem Dank an den großen, ewigen König dafür, dass er das Verlangen seines gebeugten und unterdrückten Volkes gestillt, die Vaterlosen verteidigt und die Heiden, die seine armen, betrübten Kinder mit Füßen getreten haben, gezüchtigt hat. Lasst uns daraus die Lehre entnehmen, dass wir sicherlich wohl fahren werden, wenn wir unsere Klagen vor dem König aller Könige vorbringen. An seinem Thron wird unser Recht beschützt und das uns widerfahrene Unrecht wieder gut gemacht werden. Seine Regierung vernachlässigt nicht die Interessen der Dürftigen, noch duldet sie Bedrückung von Seiten der Mächtigen. Großer Gott, wir überlassen uns deiner Hand. Dir befehlen wir aufs Neue deine Gemeine. Stehe auf, Herr, und lass den Menschen von der Erde, diese Eintagsfliege, zerbrochen werden vor der Majestät deiner Macht. Komm, Herr Jesu, und führe dein Volk zur Herrlichkeit. Amen, ja Amen!
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 17.07.2018 15:08

Erläuterungen und Kernworte

V. 1. Es ist meines Erachtens kein einziger Psalm, der die Art und Neigung, Sitten, Werke, Worte, Gedanken, Zustand und Gestalt derer Gottlosen eigentlicher, weitläufiger und deutlicher abmale und beschreibe, als eben dieser; so dass, wenn hiervon bisher noch zu wenig gesagt worden, oder auch zukünftig nicht möchte gesagt werden, man hier ein vollkommenes Muster und Abbildung der Gottlosigkeit haben kann. Es gibt uns demnach dieser Psalm den vollkommenen Abriss von einem Gottlosen und der Gottlosigkeit, das ist, einem solchen Menschen, der zwar in seinen und anderer Leute Augen frömmer als Petrus scheinet, aber vor Gott ein rechter Gräuel ist. Welches denn auch den heiligen Augustinus und andere, so ihm gefolgt, bewogen, dass sie diesen Psalm von dem Antichrist ausgelegt haben. Allein, dieweil dieser Psalm ohne Titel und Überschrift ist, so wollen wir ihn in dem allerweitläuftigsten Verstande nehmen und darin ein allgemeines Bild der Gottlosigkeit betrachten; doch schließen wir den Antichrist zugleich mit ein. Martin Luther 1519.

Herr, warum verbirgst du dich zur Zeit der Not? Die Antwort darauf ist nicht weit zu suchen; denn wenn der Herr sich nicht verbergen würde, gäbe es überhaupt eigentlich keine Zeit der Not . Man könnte ebenso wohl fragen, warum die Sonne nicht in der Nacht scheine; dann gäbe es ja gar keine Nacht. Es ist zu unserer gründlichen Züchtigung ganz wesentlich notwendig, dass der himmlische Vater uns das Lächeln seines Angesichts entzieht. Es gibt ein göttliches Muss nicht nur für unsere mannigfaltigen Anfechtungen, sondern auch dafür, dass wir durch sie innerlich bedruckt werden. Dem Zweck der Rute wird nur dadurch entsprochen, dass sie uns Schmerzen verursacht. Kommen wir durch die Züchtigungen nicht in innere Not, so tragen wir auch keinen Gewinn davon. Verbirgt Gott sich nicht, so ist das Leiden kein bitterer Trank und hat daher auch keine reinigende Wirkung. C. H. Spurgeon 1869.

Zeiten der Not sollten Zeiten des Trauens auf Gott sein. Ist das Herz fest in Gott, so kommt die Furcht nicht auf. "Vor schlimmer Kunde fürchtet der Gerechte sich nicht: getrost ist sein Herz, voller Vertrauen auf den Herrn. Sein Herz ist fest, er fürchtet nichts." (Ps. 112,7 f. wörtl.) Ohne festes Gottvertrauen dagegen sind wir veränderlich wie eine Wetterfahne, von jedem Hauch böser Botschaft bewegt; dann ist unsere Hoffnung bald obenauf, bald tief drunten, je nach den Nachrichten, die wir bekommen. Es scheint oft, als schliefe die Vorsehung, und als müssten Glaube und Gebet sie aufwecken. Die Jünger hatten nach ihres Meisters Urteil nur einen kleinen Glauben; dennoch erweckte dieser ihr kleiner Glaube ihn in dem Sturm, und er errettete sie. Der Unglaube aber entmutigt gleichsam Gott, seine Macht zu unserm Heil zu zeigen. Steph. Charnock † 1680.

V. 2. Bei dem Hochmut des Gottlosen muss der Arme brennen. (Grundt.) Jener berüchtigte Christenverfolger, Domitian, beanspruchte gleich andern der römischen Kaiser göttliche Ehre und heizte den Ofen siebenmal heißer für die Christen, weil sie sich weigerten, sein Bild anzubeten. So war es auch mit den römischen Päpsten. Als sie sich mit den lästerlichen Titeln schmückten, als seien sie die Herren der Welt und aller Väter, da ließen sie die Bluthunde gegen die wahren Jünger Jesu los. Hochmut ist das Ei, woraus die Verfolgungswut ausschlüpft. C. H. Spurgeon 1869.

V. 3. Der Gottlose rühmet sich seines Mutwillens, und der Geizige segnet sich (Übers. Luthers und anderer) und lästert den Herrn. Höre, wie der Gottlose sich rechtfertigt, wenn er den Gerechten aussaugt: Ich verlange nur, was nach dem Gesetz mir gehört. Es war ja seine freie Tat, warum hat er sich mir verpfändet? Ich kann nach dem Recht ihm Hab und Gut pfänden oder ihn in den Schuldturm werfen lassen; und das eine oder andere soll geschehen, oder ich will mein Geld bar wieder haben. Was geht das mich an, ob seine bettelnden Kinder abzehren oder sein stolzes Weib zu Grunde geht? Ich will bezahlt sein, oder er soll dafür sitzen, bis ich den letzten Heller habe oder aber seine Knochen. Das Gesetz ist gerecht und gut; und wie kann mein Vorgehen, wenn ich doch nach dem Gesetz handle, für ungerecht gelten? Dreißig vom Hundert, was ist das für einen Handelsmann? Bin ich dazu geboren, Mützen zu nähen oder Stroh aufzulesen? Soll ich mein Vermögen für ein paar Tränen und ein weinerliches Gesicht verkaufen? Ich danke Gott, dass das mich nicht so viel kümmert, als wenn ein Hund um Mitternacht heult. Ich gebe keinen Tag Frist, wenn auch der Himmel selber mir Bürgschaft stellte. Ich muss bares Geld haben, oder seine Knochen müssen herhalten! Was, ich soll mich mit der Zahlung von fünfundsiebzig fürs Hundert abfinden lassen? Zum Henker! Gewissen? Sprecht mir nicht davon. Gewissen führe ich nicht unter meinen Waren. Dieses Gewissen, ja, das hat mehr Leute bankrott gemacht, als all die feilen Dirnen in der Hauptstadt. Mein Gewissen ist kein Narr. Es sagt mir, dass, was mein ist, mir gehört, und dass ein gut gespickter Beutel kein betrügerischer Freund ist, sondern mir treu anhangen wird, wenn all meine Freunde mich verlassen. Wenn das das Kennzeichen eines schlechten Gewissens ist, ein gutes Vermögen aus nichts zu gewinnen und eine zweifelhafte Schuld, die so gut wie nichts ist, wiederzuerlangen, dann helfe Gott den Guten. Schwätzt mir doch nicht von Knickerei und Unterdrückung. Die Welt ist nun einmal hart, und wer emporkommen will, muss fest zugreifen. Was ich verschenke, verschenke ich, und was ich leihe, leihe ich. Wenn das der Weg zum Himmel ist, dass man auf Erden ein Bettler wird, dann gehe den Weg, wer dazu Lust hat. Ich weiß gar nicht, was ihr immer von Bedrückung der Armen redet. Das Gesetz ist meine Richtschnur. Aber wenn ich nur die Wahl habe, entweder zu unterdrücken oder unterdrückt zu werden, so wähle ich natürlich das erstere, das ist nützlicher. Wenn die Schuldner ehrlich sein und zahlen wollten, wären uns die Hände gebunden: aber wenn ihre Zahlungsunfähigkeit meinem Beutel zu Leibe geht, so tasten sie meinen Augapfel an, und dann muss ich mir zu meinem Recht verhelfen. Francis Quarles † 1644.

Habgier ist das lüsterne Begehren, das zu besitzen, was man nicht hat, und großen Reichtum an Geld und Gut zu erlangen. Ich wende mich an das Urteil meiner Mitmenschen, die selber im geschäftlichen Leben stehen, ob Habgier nicht die Seele des Handels jederart ist und die Hauptursache all der Schäden des Geschäftslebens, über die man überall klagt. Im Vergleich mit dem geordneten, stillen Fleiß unserer Väter, die mit einem kleinen, aber sicheren Gewinn zufrieden waren, enthüllen die wilde, weitschweifende Spekulation auf große Gewinne, das unbesonnene, hastige und abenteuerliche Geschäftsgebaren, worauf wir täglich stoßen, und die verzweifelten, dem Hazardspiel ähnlichen Wagnisse, die man unternimmt, ganz unzweifelhaft, dass sich ein Geist der Habsucht unser bemächtigt hat. Das aufkommende Geschlecht tritt nicht mehr von dem Bestreben erfüllt ins Leben, in ehrbarem Wettbewerb treuen Fleißes und unter Gottes Segen ihre Familien zu ernähren und ihr geschäftliches Ansehen zu erhalten, sondern unsere jungen Leute tragen sich von vornherein mit der Absicht, schnell ein Vermögen zu erringen und es sich dann bequem zu machen und alle Genüsse der Welt zu kosten. Ich muss euch, meine teuren Brüder, mit allem Ernst aufrufen, gegen diese himmelschreiende Sünde der Habsucht einen guten Kampf zu kämpfen. Die großen Weltstädte und Handelsplätze sind die Residenzorte und Festungen der Habsucht. Und ihr, die ihr durch Gottes Gnade in solchen Mittelpunkten des Mammonsdienstes aus der Welt in Christi Reich seid berufen worden, ihr seid zu dem ausdrücklichen Zweck auserwählt worden, dass ihr, wie gegen jeden anderen, so vornehmlich gegen diesen Abfall der Kirche zeuget, der meiner Meinung nach so besonders klar vor Augen liegt und so allgemein ist wie keine andere Verirrung. Denn wer entgeht heutzutage der Schlinge der Habsucht? Edward Irving 1828.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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