Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

Beitragvon Jörg » 10.11.2018 09:33

Erläuterungen und Kernworte

Es gibt kein verächtlicheres Wesen auf Erden als solch einen Gottesleugner . Sein Gemüt ist jeder wahren Erhebung und Begeisterung unfähig. Er kann sich nur als eine ganz bedeutungslose Null ansehen. Sein Leben ist nichts als ein Vegetieren, gleich dem der Tiere um ihn her, und wie das Vieh stirbt, so stirbt auch er. Sein Los ist nur dadurch umso trauriger, als er von seinem jämmerlichen Dasein und Verenden ein Bewusstsein hat. In der Not muss er von allen Geschöpfen das elendste sein; er fühlt den ganzen Druck des gegenwärtigen Unglücks, ohne dass ihm die Erinnerung an Vergangenes oder die Aussicht in die Zukunft Erleichterung geben könnte. Vernichtung ist das größte Glück, das er sich denken kann, und ein Strick oder eine Pistole seine einzige Zuflucht. Wenn nur nicht zuzeiten das Gewissen seine Stimme mit unbezwingbarer Macht erheben würde! Das ist das Schrecklichste. Wollt ihr darum einen dieser finstern, glaubenslosen Menschen in der jämmerlichsten Rolle sehen, so müsst ihr ihn unter den Schrecken des herannahenden Todes beobachten. Vor etwa dreißig Jahren fuhr ich mit einem solchen Elenden auf einem Schiffe zusammen, als sich ein frischer Wind erhob, der niemand als jenen in Schrecken setzen konnte. Das Schwanken des Schiffes brachte ihn außer Fassung. Er fiel auf seine Knie und bekannte dem Schiffsprediger, er sei bis dahin ein schnöder Gottesleugner gewesen. Wie ein Lauffeuer ging das Gerücht durch die Mannschaft, auf dem Verdeck sei ein Atheist. Manche der Matrosen, welche dies Wort noch nicht gehört hatten, meinten, es sei vielleicht ein seltener Fisch. Wie erstaunten sie, als sie sahen, dass es ein Mensch sei, und aus seinem eigenen Munde vernahmen, dass er bis zu dem Tage nicht an einen Gott geglaubt habe. Als er sich so in der Angst am Boden wand, flüsterte eine der ehrlichen Teerjacken dem Hochbootsmann zu, es würde ein gutes Werk sein, ihn über Bord zu werfen. Aber der Hafen war nun in Sicht, der Wind legte sich plötzlich, - da legte sich auch auf einmal die Bußangst jenes Mannes. Er bat alle Anwesenden, als Ehrenmänner nichts von der ganzen Sache verlauten zu lassen. Er war noch nicht mehr als zwei Tage an Land, als einer aus der Gesellschaft über ihn spöttelte, dass er an Bord so fromm gewesen sei. Davon wollte er aber nichts wissen und schwur es in so heftiger Weise ab, dass es zu einem ernsten Streite kam, der mit einem Zweikampf endete. Der Gottesleugner erhielt einen Stich in den Leib, und als er sein Blut fließen sah, wurde er ein eben so guter Christ, wie er an Bord gewesen, bis er gewahr wurde, dass seine Wunde nicht tödlich sei. Jetzt ist er einer der frechsten Freidenker und ist eben daran, eine Flugschrift gegen den althergebrachten Aberglauben an Gespenster und Kobolde in die Welt zu senden. Joseph Addison † 1719.

Der berühmte Naturforscher Athanasius Kircher († 1680), Erfinder der Laterna magica, hatte an der Wand seiner Studierstube eine schöne Karte des Sternenhimmels hängen. Eines Morgens trat ein Gottesleugner zum Besuch ein. Kircher arbeitete noch eine Zeitlang an seinem Schreibtische fort. Jener betrachtete inzwischen die Bilder an der Wand und auch die Himmelskarte und als Kircher aufstand, fragte der Gast: "Woher hast du die schöne Karte? Wer hat sie gemacht?" Dieser antwortete: "Es hat sie niemand gemacht, es hat sie auch niemand hingehängt, sie ist von selbst an die Wand gekommen." "Du scherzest," antwortete der Freund, "das ist ja unmöglich." Nun aber antwortete Kircher: "Ja, wie sollte das nicht möglich sein? Hältst du es doch für möglich, dass Sonne, Mond und Sterne selbst, die hier nur abgebildet sind, von niemand gemacht seien." D. Karl Gerok, Die Psalmen, † 1890.

"Es ist kein Gott; ich kann ihn nirgend finden",
So spricht der Tor, "er ist nicht dort noch hier."
O reiß doch ab von deinem Haupt die Binden,
Und Gottes Licht strahlt in dein Auge dir!
Gibt’s keinen Gott? Blick’ auf, es straft dich Lügen
Der ungezählten Sterne funkelnd Licht;
Ja, deines Gottes Bild, mit untilgbaren Zügen
Ist dir’s geprägt ins eigne Angesicht.
Gibt’s keinen Gott? Des Stromes Silberwelle,
Die Luft, die dich umweht, der Erde grüne Flur,
Die Bäume, Blumen, Felsen, Wasserfälle:
Sie preisen all’ mit einer Stimme nur
Des Ew’gen Ehre, der sie alle schuf.
Find’st du in dir ihn nicht: hör’ ihren mächt’gen Ruf!

Nach Giovanni Cotta.

Der Atheismus ist ein Kauz; am Mittag,
Wo hell die Sonne glänzt am Firmament,
Schleicht flatternd er daher und schließt die Augen, Blinzt dann nach ihrem Licht und ruft: Wo ist sie?

Nach Sam. Taylor Coleridge † 1834.

Die Toren sprechen in ihrem Herzen. Intus est os cordis, sagt Augustin († 430), auch das Herz hat einen Mund. Gott, sagt Cyprian († 258), ist cordis auditor, er hört das Herz; - demnach hat es eine Sprache. Silens auditur, sagt Gregor von Nazianz († 390) von Mose (2. Mose 14,15), er wird erhört, ohne dass er ein Wort spricht. Ein Philosoph hat gesagt: Mens vider, mens audit, mens loquitur. Der Geist des Menschen ist es, der durch die Organe sieht, hört und redet, - nicht diese an und für sich. D. Richard Clerke † 1634.

Verderbt, abscheulich handeln sie; da ist keiner, der Gutes tue. Weil die Menschen in ihrem Innern verderbt sind, werden sie auch in ihrem Tun abscheulich. Verderbt sind sie vor Gott, abscheulich vor den Menschen. Es gibt drei Arten von Leuten, von denen keiner Gutes tut . Da sind die, welche Gott weder verstehen noch suchen; die sind tot. Dann kommen die, welche Gott verstehen, aber nicht suchen; die sind gottlos. Und endlich gibt es Leute, welche Gott suchen, aber nicht verstehen; die sind Toren. Bernhard von Clairvaux † 1153.

Origenes († 254) stellt die Frage, wie man das sagen könne, dass unter den Juden und Griechen keiner sei, der Gutes tue , da man doch viele sehe, die die Nackten kleiden, die Hungrigen speisen und andere gute Taten tun. Darauf gibt er selber folgende Antwort: "Wie man von jemand, der einen Grund legt und darauf eine oder zwei Mauern errichtet, noch nicht sagen kann, er habe ein Haus gebaut, bis er es vollendet hat, so erreichen auch jene, obgleich sie manches Gute tun, doch das vollkommene Gute nicht, welches allein durch Christus zu finden ist." Aber es ist nicht die Absicht des Apostels (Röm. 3 , wo er unseren Psalm anführt), den Menschen nur die Vollkommenheit ihrer Gerechtigkeit abzusprechen (denn selbst die Gläubigen des neuen Bundes erreichen durch ihr Tun die erforderliche Gerechtigkeit nicht von ferne), sondern er zeigt, was die Menschen von Natur sind, dass sie nämlich ohne die Gnade und den Glauben an Christus alle unter der Sünde und darum dem gleichen Urteil versagen sind. Tut jemand ein gutes Werk, so geschieht es entweder durch die Gnade, und dann kommt es also nicht von ihm selbst her; oder, wenn er es durch das Licht der Vernunft tut, so ist es nicht wirklich rein und gut, entweder das Werk selbst oder die Beweggründe und Absichten desselben halten die Prüfung nicht aus. Andrew Willett † 1621.

V. 2. Keiner fragt nach Gott in der rechten Weise. Sie suchen Gott nicht um sein selbst willen, oder nicht ihn allein, sondern andere Dinge neben ihm und vor ihm; oder sie fragen nach ihm in kalter, gleichgültiger Weise, oder nicht andauernd, oder sie suchen ihn nicht da, wo er zu finden ist, in seinem Worte, oder nicht zur Zeit, da er zu finden ist. Thomas Wilson 1653.

V. 3. Allesamt verdorben. So beschreibt der römische Satiriker sein Zeitalter:

Längst erfüllt ist das Maß; kaum mögen kommende Zeiten
Ärgeres zeugen als das, was jetzt die Erde befleckt.
Ließen von schlimmen Begierden im Wahne die Väter sich treiben:
Gleichen Wahnes Verderben reißt auch die Söhne dahin;
Schamlos spreizt sich das Laster.

Nach D. J. Juvenal † um 120.

V. 4. Die Unvernünftigkeit der Menschen ist die Ursache, weshalb sie nicht scheuen, was sie scheuen sollten. Warum fürchten sich die Gottlosen nicht zu sündigen? Weil sie die Entsetzlichkeit der Sünde nicht kennen. Es ist offenbar, dass sie keine Einsicht haben, denn sie fressen Gottes Volk, wie sie Brot essen . Solche Bissen würden ihnen den Mund verbrennen, wenn sie noch irgendwelche Empfindung hätten. Sie würden es nimmer wagen, den Augapfel Gottes anzutasten, wenn sie wüssten, was sie tun. Richard Alleine † .68t.

Wie wenige nehmen die Zeugnisse der Schrift über die Feindschaft der ungöttlichen Welt gegen Gottes Volk ernst. Das Wort der Wahrheit sagt uns, dass die Gottlosen voller Gier sind, die Heiligen zu verzehren, und dass es ihnen eben solches Vergnügen bereitet, wie dem Hungrigen ein Mahl . Die Schrift vergleicht sie mit reißenden Löwen und Bären, listigen Füchsen, wilden Stieren, gefräßigen Schweinen, giftigen Skorpionen, stechenden Dornen usw. In den stärksten Ausdrücken wird uns ihre Emsigkeit und Unverdrossenheit in der Ausführung ihrer blutdürstigen Anschläge vorgeführt. Sie finden keinen Schlaf, wenn sie nicht ein Unheil angerichtet haben. Herodias will samt ihrer Tochter lieber das Blut eines Heiligen als ein halbes Königreich. Haman wägt gerne dem König zehntausend Zentner Silbers dar, wenn nur die Juden umgebracht werden. Sein Hass geht gegen das ganze Volk, das anders ist denn alle Völker. (Esther 3,6-9.) "Dieweil ihr nicht von der Welt seid, darum hasset euch die Welt." (Joh. 15,19 .) Könnt ihr eine Natter ohne Gift oder einen Leoparden ohne Flecken finden, dann mögt ihr auch erwarten, eine gottlose Welt ohne Hass gegen Gottes Auserwählte zu finden. Ihr mögt ebenso wohl Himmel und Hölle miteinander aussöhnen, als den Samen der Schlange und den des Weibes. Echte Frömmigkeit ist die Zielscheibe ihrer Pfeile. "Sie setzen sich wider mich, darum dass ich ob dem Guten halte." (Ps. 38, 21.) Die Welt gibt zwar vor, die Frommen aus andern Gründen zu hassen, weil sie stolz seien, sich besser dünken als andere, und was dergleichen Vorwände mehr sind, - allein der wahre Grund des nie und nimmer zu schlichtenden Zwistes ist die Heiligkeit der Knechte Gottes. Gottlose Menschen stürzen lieber ihre eigene Seele in die Verdammnis, als dass sie es lassen könnten, den Dolch gegen Gottes Augapfel zu zücken. Wiewohl sie wissen, was ein Wort sie kosten kann, ist ihnen doch nichts zu niedrig, wenn sie nur damit Gottes Volk umbringen können. Würden wir die Zeugnisse der Schrift über den Hass der Ungläubigen gegen die Gottseligen gebührend werten, wir würden uns nimmer auf unsere Klugheit und Vorsicht verlassen, als könnten wir uns selber vor den überall drohenden Gefahren schützen, sondern würden uns in die Arche retten, um uns vor der Flut ihres Zornes zu bergen. Wir würden, wenn wir je unter sie geworfen und doch mit heiler Haut davongekommen sind, Gott preisen für die Errettung, wie die drei Männer im Feuerofen. Wir würden uns nicht so sehr wundern, wenn wir von neuen Gräueltaten und Bedrückungen hören, als vielmehr darüber, dass Gott sie noch immer so zurückhält. Wir würden die Gesellschaft der Gottlosen scheuen wie die Nähe von Löwen und Skorpionen und ihnen nie etwas anvertrauen. Wir würden uns nicht mit ihnen verbinden, noch unsere Jünglinge und Jungfrauen mit solchen Söhnen und Töchtern Belials paaren oder unsere Kinder gottlosem Gesinde überlassen. Nach Lewis Stuckley † 1687.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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