Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

Beitragvon Jörg » 10.11.2018 09:33

Erläuterungen und Kernworte

Es gibt kein verächtlicheres Wesen auf Erden als solch einen Gottesleugner . Sein Gemüt ist jeder wahren Erhebung und Begeisterung unfähig. Er kann sich nur als eine ganz bedeutungslose Null ansehen. Sein Leben ist nichts als ein Vegetieren, gleich dem der Tiere um ihn her, und wie das Vieh stirbt, so stirbt auch er. Sein Los ist nur dadurch umso trauriger, als er von seinem jämmerlichen Dasein und Verenden ein Bewusstsein hat. In der Not muss er von allen Geschöpfen das elendste sein; er fühlt den ganzen Druck des gegenwärtigen Unglücks, ohne dass ihm die Erinnerung an Vergangenes oder die Aussicht in die Zukunft Erleichterung geben könnte. Vernichtung ist das größte Glück, das er sich denken kann, und ein Strick oder eine Pistole seine einzige Zuflucht. Wenn nur nicht zuzeiten das Gewissen seine Stimme mit unbezwingbarer Macht erheben würde! Das ist das Schrecklichste. Wollt ihr darum einen dieser finstern, glaubenslosen Menschen in der jämmerlichsten Rolle sehen, so müsst ihr ihn unter den Schrecken des herannahenden Todes beobachten. Vor etwa dreißig Jahren fuhr ich mit einem solchen Elenden auf einem Schiffe zusammen, als sich ein frischer Wind erhob, der niemand als jenen in Schrecken setzen konnte. Das Schwanken des Schiffes brachte ihn außer Fassung. Er fiel auf seine Knie und bekannte dem Schiffsprediger, er sei bis dahin ein schnöder Gottesleugner gewesen. Wie ein Lauffeuer ging das Gerücht durch die Mannschaft, auf dem Verdeck sei ein Atheist. Manche der Matrosen, welche dies Wort noch nicht gehört hatten, meinten, es sei vielleicht ein seltener Fisch. Wie erstaunten sie, als sie sahen, dass es ein Mensch sei, und aus seinem eigenen Munde vernahmen, dass er bis zu dem Tage nicht an einen Gott geglaubt habe. Als er sich so in der Angst am Boden wand, flüsterte eine der ehrlichen Teerjacken dem Hochbootsmann zu, es würde ein gutes Werk sein, ihn über Bord zu werfen. Aber der Hafen war nun in Sicht, der Wind legte sich plötzlich, - da legte sich auch auf einmal die Bußangst jenes Mannes. Er bat alle Anwesenden, als Ehrenmänner nichts von der ganzen Sache verlauten zu lassen. Er war noch nicht mehr als zwei Tage an Land, als einer aus der Gesellschaft über ihn spöttelte, dass er an Bord so fromm gewesen sei. Davon wollte er aber nichts wissen und schwur es in so heftiger Weise ab, dass es zu einem ernsten Streite kam, der mit einem Zweikampf endete. Der Gottesleugner erhielt einen Stich in den Leib, und als er sein Blut fließen sah, wurde er ein eben so guter Christ, wie er an Bord gewesen, bis er gewahr wurde, dass seine Wunde nicht tödlich sei. Jetzt ist er einer der frechsten Freidenker und ist eben daran, eine Flugschrift gegen den althergebrachten Aberglauben an Gespenster und Kobolde in die Welt zu senden. Joseph Addison † 1719.

Der berühmte Naturforscher Athanasius Kircher († 1680), Erfinder der Laterna magica, hatte an der Wand seiner Studierstube eine schöne Karte des Sternenhimmels hängen. Eines Morgens trat ein Gottesleugner zum Besuch ein. Kircher arbeitete noch eine Zeitlang an seinem Schreibtische fort. Jener betrachtete inzwischen die Bilder an der Wand und auch die Himmelskarte und als Kircher aufstand, fragte der Gast: "Woher hast du die schöne Karte? Wer hat sie gemacht?" Dieser antwortete: "Es hat sie niemand gemacht, es hat sie auch niemand hingehängt, sie ist von selbst an die Wand gekommen." "Du scherzest," antwortete der Freund, "das ist ja unmöglich." Nun aber antwortete Kircher: "Ja, wie sollte das nicht möglich sein? Hältst du es doch für möglich, dass Sonne, Mond und Sterne selbst, die hier nur abgebildet sind, von niemand gemacht seien." D. Karl Gerok, Die Psalmen, † 1890.

"Es ist kein Gott; ich kann ihn nirgend finden",
So spricht der Tor, "er ist nicht dort noch hier."
O reiß doch ab von deinem Haupt die Binden,
Und Gottes Licht strahlt in dein Auge dir!
Gibt’s keinen Gott? Blick’ auf, es straft dich Lügen
Der ungezählten Sterne funkelnd Licht;
Ja, deines Gottes Bild, mit untilgbaren Zügen
Ist dir’s geprägt ins eigne Angesicht.
Gibt’s keinen Gott? Des Stromes Silberwelle,
Die Luft, die dich umweht, der Erde grüne Flur,
Die Bäume, Blumen, Felsen, Wasserfälle:
Sie preisen all’ mit einer Stimme nur
Des Ew’gen Ehre, der sie alle schuf.
Find’st du in dir ihn nicht: hör’ ihren mächt’gen Ruf!

Nach Giovanni Cotta.

Der Atheismus ist ein Kauz; am Mittag,
Wo hell die Sonne glänzt am Firmament,
Schleicht flatternd er daher und schließt die Augen, Blinzt dann nach ihrem Licht und ruft: Wo ist sie?

Nach Sam. Taylor Coleridge † 1834.

Die Toren sprechen in ihrem Herzen. Intus est os cordis, sagt Augustin († 430), auch das Herz hat einen Mund. Gott, sagt Cyprian († 258), ist cordis auditor, er hört das Herz; - demnach hat es eine Sprache. Silens auditur, sagt Gregor von Nazianz († 390) von Mose (2. Mose 14,15), er wird erhört, ohne dass er ein Wort spricht. Ein Philosoph hat gesagt: Mens vider, mens audit, mens loquitur. Der Geist des Menschen ist es, der durch die Organe sieht, hört und redet, - nicht diese an und für sich. D. Richard Clerke † 1634.

Verderbt, abscheulich handeln sie; da ist keiner, der Gutes tue. Weil die Menschen in ihrem Innern verderbt sind, werden sie auch in ihrem Tun abscheulich. Verderbt sind sie vor Gott, abscheulich vor den Menschen. Es gibt drei Arten von Leuten, von denen keiner Gutes tut . Da sind die, welche Gott weder verstehen noch suchen; die sind tot. Dann kommen die, welche Gott verstehen, aber nicht suchen; die sind gottlos. Und endlich gibt es Leute, welche Gott suchen, aber nicht verstehen; die sind Toren. Bernhard von Clairvaux † 1153.

Origenes († 254) stellt die Frage, wie man das sagen könne, dass unter den Juden und Griechen keiner sei, der Gutes tue , da man doch viele sehe, die die Nackten kleiden, die Hungrigen speisen und andere gute Taten tun. Darauf gibt er selber folgende Antwort: "Wie man von jemand, der einen Grund legt und darauf eine oder zwei Mauern errichtet, noch nicht sagen kann, er habe ein Haus gebaut, bis er es vollendet hat, so erreichen auch jene, obgleich sie manches Gute tun, doch das vollkommene Gute nicht, welches allein durch Christus zu finden ist." Aber es ist nicht die Absicht des Apostels (Röm. 3 , wo er unseren Psalm anführt), den Menschen nur die Vollkommenheit ihrer Gerechtigkeit abzusprechen (denn selbst die Gläubigen des neuen Bundes erreichen durch ihr Tun die erforderliche Gerechtigkeit nicht von ferne), sondern er zeigt, was die Menschen von Natur sind, dass sie nämlich ohne die Gnade und den Glauben an Christus alle unter der Sünde und darum dem gleichen Urteil versagen sind. Tut jemand ein gutes Werk, so geschieht es entweder durch die Gnade, und dann kommt es also nicht von ihm selbst her; oder, wenn er es durch das Licht der Vernunft tut, so ist es nicht wirklich rein und gut, entweder das Werk selbst oder die Beweggründe und Absichten desselben halten die Prüfung nicht aus. Andrew Willett † 1621.

V. 2. Keiner fragt nach Gott in der rechten Weise. Sie suchen Gott nicht um sein selbst willen, oder nicht ihn allein, sondern andere Dinge neben ihm und vor ihm; oder sie fragen nach ihm in kalter, gleichgültiger Weise, oder nicht andauernd, oder sie suchen ihn nicht da, wo er zu finden ist, in seinem Worte, oder nicht zur Zeit, da er zu finden ist. Thomas Wilson 1653.

V. 3. Allesamt verdorben. So beschreibt der römische Satiriker sein Zeitalter:

Längst erfüllt ist das Maß; kaum mögen kommende Zeiten
Ärgeres zeugen als das, was jetzt die Erde befleckt.
Ließen von schlimmen Begierden im Wahne die Väter sich treiben:
Gleichen Wahnes Verderben reißt auch die Söhne dahin;
Schamlos spreizt sich das Laster.

Nach D. J. Juvenal † um 120.

V. 4. Die Unvernünftigkeit der Menschen ist die Ursache, weshalb sie nicht scheuen, was sie scheuen sollten. Warum fürchten sich die Gottlosen nicht zu sündigen? Weil sie die Entsetzlichkeit der Sünde nicht kennen. Es ist offenbar, dass sie keine Einsicht haben, denn sie fressen Gottes Volk, wie sie Brot essen . Solche Bissen würden ihnen den Mund verbrennen, wenn sie noch irgendwelche Empfindung hätten. Sie würden es nimmer wagen, den Augapfel Gottes anzutasten, wenn sie wüssten, was sie tun. Richard Alleine † .68t.

Wie wenige nehmen die Zeugnisse der Schrift über die Feindschaft der ungöttlichen Welt gegen Gottes Volk ernst. Das Wort der Wahrheit sagt uns, dass die Gottlosen voller Gier sind, die Heiligen zu verzehren, und dass es ihnen eben solches Vergnügen bereitet, wie dem Hungrigen ein Mahl . Die Schrift vergleicht sie mit reißenden Löwen und Bären, listigen Füchsen, wilden Stieren, gefräßigen Schweinen, giftigen Skorpionen, stechenden Dornen usw. In den stärksten Ausdrücken wird uns ihre Emsigkeit und Unverdrossenheit in der Ausführung ihrer blutdürstigen Anschläge vorgeführt. Sie finden keinen Schlaf, wenn sie nicht ein Unheil angerichtet haben. Herodias will samt ihrer Tochter lieber das Blut eines Heiligen als ein halbes Königreich. Haman wägt gerne dem König zehntausend Zentner Silbers dar, wenn nur die Juden umgebracht werden. Sein Hass geht gegen das ganze Volk, das anders ist denn alle Völker. (Esther 3,6-9.) "Dieweil ihr nicht von der Welt seid, darum hasset euch die Welt." (Joh. 15,19 .) Könnt ihr eine Natter ohne Gift oder einen Leoparden ohne Flecken finden, dann mögt ihr auch erwarten, eine gottlose Welt ohne Hass gegen Gottes Auserwählte zu finden. Ihr mögt ebenso wohl Himmel und Hölle miteinander aussöhnen, als den Samen der Schlange und den des Weibes. Echte Frömmigkeit ist die Zielscheibe ihrer Pfeile. "Sie setzen sich wider mich, darum dass ich ob dem Guten halte." (Ps. 38, 21.) Die Welt gibt zwar vor, die Frommen aus andern Gründen zu hassen, weil sie stolz seien, sich besser dünken als andere, und was dergleichen Vorwände mehr sind, - allein der wahre Grund des nie und nimmer zu schlichtenden Zwistes ist die Heiligkeit der Knechte Gottes. Gottlose Menschen stürzen lieber ihre eigene Seele in die Verdammnis, als dass sie es lassen könnten, den Dolch gegen Gottes Augapfel zu zücken. Wiewohl sie wissen, was ein Wort sie kosten kann, ist ihnen doch nichts zu niedrig, wenn sie nur damit Gottes Volk umbringen können. Würden wir die Zeugnisse der Schrift über den Hass der Ungläubigen gegen die Gottseligen gebührend werten, wir würden uns nimmer auf unsere Klugheit und Vorsicht verlassen, als könnten wir uns selber vor den überall drohenden Gefahren schützen, sondern würden uns in die Arche retten, um uns vor der Flut ihres Zornes zu bergen. Wir würden, wenn wir je unter sie geworfen und doch mit heiler Haut davongekommen sind, Gott preisen für die Errettung, wie die drei Männer im Feuerofen. Wir würden uns nicht so sehr wundern, wenn wir von neuen Gräueltaten und Bedrückungen hören, als vielmehr darüber, dass Gott sie noch immer so zurückhält. Wir würden die Gesellschaft der Gottlosen scheuen wie die Nähe von Löwen und Skorpionen und ihnen nie etwas anvertrauen. Wir würden uns nicht mit ihnen verbinden, noch unsere Jünglinge und Jungfrauen mit solchen Söhnen und Töchtern Belials paaren oder unsere Kinder gottlosem Gesinde überlassen. Nach Lewis Stuckley † 1687.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps14

Beitragvon Jörg » 14.11.2018 16:36

Erläuterungen und Kernworte

V. 5. Da überfällt sie schrecklicher Schrecken. Nicht immer sehen wir beim Herannahen von Gefahren solche Feigheit und Verzagtheit über vermessene Sünder kommen; denn wenn auch keiner von ihnen wahren Mut besitzt, so haben doch viele von ihnen eine Art verzweifelten Starrsinns und eine frevelhafte Frechheit, sogar angesichts des Todes, wie Agag (1. Samuel 15,32). Es ist das gleichsam die Leichenstarre des geistlichen Todes. Ihr Gewissen ist ganz unempfindlich geworden, zu ihrer eigenen Verdammnis. Aber wenn der Herr sie aus dieser Todesstarre wiedererweckt und der Wurm des Gewissens zu nagen beginnt, dann hat es sich noch immer als wahr erwiesen, dass die frechsten Sünder die erbärmlichsten Feiglinge werden. John Dod † 1645.

Denn Gott ist bei dem Geschlecht der Gerechten. Wo der König der Ehren ist, da wird auch etwas von seiner Herrlichkeit sichtbar; und wie Gott sein Wort mit Hoheit umgibt, weil es sein Wort ist, so fällt auch der Schein seiner Herrlichkeit auf seine Kinder, selbst wenn sie in der tiefsten Erniedrigung sind. Als Stephanus als Gefangener vor den hohen Rat geschleppt wurde, offenbarte Gott seine Gegenwart, denn es heißt: Sein Angesicht leuchtete wie eines Engels Angesicht (Apg. 6,15); und in einem gewissen Maße findet sich etwas Ähnliches auch sonst in der Regel bei den Gerechten, wie Salomo sagt: Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht (Pred. 8, 1) So sagt auch Petrus (1. Petr. 4, 14): Selig seid ihr, wenn ihr geschmäht werdet über dem Namen Christi. Denn der Geist, der ein Geist der Herrlichkeit und Gottes ist, ruht auf euch. So war es auch bei den Märtyrern. Welche Majestät prägte sich in ihrer Unschuld und in ihrer ganzen Haltung aus! Welche Anmut spiegelte sich auf ihrem Antlitz! Gerade dadurch wurden oft die gefühllosen Schergen erschreckt und verwirrt, so dass es auch da sich erwies, dass diese Menschen, die Gottes Volk wie Brot aßen (V. 4), von geheimnisvollem Grausen erfasst wurden, und zwar eben darum, weil es offenbar wurde, dass Gott bei dem Geschlecht der Gerechten ist. Gott gibt den Gottlosen oft einen Wink, wie dem Pilatus (Mt. 27, 19), dass sein Volk gerecht sei. Obgleich Saul den David hasste und zu töten suchte, fürchtete er sich doch vor David, denn der Herr war mit diesem und war von Saul gewichen (1. Samuel 18,9-12) Gott offenbarte seine Gegenwart in David und schlug Sauls Gewissen durch dessen gottseliges und weises Verhalten, und das machte ihn furchtsam. Die Charakterstärke der Gläubigen unter den Verfolgungen ist den Widersachern eine Anzeige ihrer eigenen Verdammnis, jenen aber eine Anzeige ihres Heils, und zwar ist es Gott, der diese so verschiedenen Ahnungen erweckt. (Vergleiche Phil. 1, 28.) Thomas Goodwin † 1679

V. 6. Ihr schändet des Armen Rat; aber Gott ist seine Zuversicht. Diese Worte zeigen in lieblicher Weise Gottes Fürsorge für die Armen, Gedrückten und Verfolgten. Gerade diese Eigenschaft Gottes wird in der Schrift so klar hervorgehoben Wir mögen die Schaftras und Vedas der Hindus, den Koran der Mohammedaner, die Gesetze der Griechen und der Römer, ja selbst den Talmud der Juden (der vielleicht von allen die unbarmherzigsten Vorschriften enthält) durchforschen und werden in ihnen allen nicht das Zartgefühl und Mitleid für die Nöte, Trübsale, Bedrückungen und Kümmernisse der Armen finden, das uns in der Bibel fast auf jeder Seite entgegentritt. Barton Bouchier 1855

Jeder Tor, der in seinem Herzen spricht, es gebe keinen Gott, holt aus demselben Köcher einen Pfeil, um ihn auf die Unschuld und Tugend zu schießen. Die unfruchtbare Michal hat nur zu viele Söhne, welche gleich ihrer Mutter den heiligen David verhöhnen John Trapp † 1669

Es gibt nichts, das die Gottlosen so verachten, als wenn jemand seine Zuversicht auf Gott setzt . Das Vertrauen auf Gott erscheint ihnen als das törichtste Ding von der Welt. Die Gründe dafür sind folgende: l) Sie kennen Gott nicht, und es wäre töricht, jemand zu trauen, den man nicht kennt 2) Sie sind Feinde Gottes, und Gott ist ihr Feind, und sie halten es für Torheit, einem Feinde zu trauen. 3) Sie kennen die Art und Weise nicht, in der Gott denen, die auf ihn trauen, beisteht und hilft und 4): Sie suchen solche Hilfe, die bei Gott nicht zu finden ist. Sie wollen Befreiung vom Übel, um ihren Lüsten zu dienen. Sie wünschen Bewahrung, um ihre Torheiten und ihre schmutzigen Pläne auszuführen. Das und nichts anderes sind ihre Wünsche, und die kann und wird Gott ihnen nicht gewähren. Es ist eine Torheit, wenn irgendjemand denkt, Gott werde ihn in der Sünde bewahren. So urteilen sie denn auch ganz richtig von ihrem Standpunkt aus, wenn sie es für Torheit halten, aus Gott zu trauen. Darum rufen sie ihn auch nicht an (V. 4). John Owen † 1683

V. 7. Ach, dass die Hilfe usw. Trübsal und Widerstand entflammen den Geist des Gebets Davon finden wir überall in den Psalmen Beispiele. Die Leiden sind die Würze des Gebets, wie der Hunger für die Speise. Die Gebete von Leuten, die ohne Anfechtung sind, sind oft recht fade, und viele Beter solcher Art beten nicht wirklich, sondern ahmen das Beten nur andern nach oder tun es aus Gewohnheit. Wolfgang Musculus † 1563.

Aus Zion. Zion, die Gemeinde, ist kein Heiland, auch dürfen wir unser Vertrauen nicht auf ihre Prediger und Einrichtungen setzen und doch kommt durch sie das Heil über die Menschen. Die hungrigen Scharen werden gespeist durch die Jünger, die sich freuen, beim Festmahl des Evangeliums zu Tische dienen zu dürfen (Joh. 6, 11). Zion ist der Ort, von wo die Wasser des Heils nach Ost und West fließen, bis alle Nationen davon trinken (Hes. 47 ; Sach. 14, 8). Wahrlich Grund genug, ängstlich darauf bedacht zu sein, dass allem Wirken, das von der Gemeinde des lebendigen Gottes ausgeht, die höchste Reinheit und die Kraft des Geistes bewahrt werde. C. H. Spurgeon 1869.

Wenn der Herr sein gefangen Volk erlösen wird, so werden wir, wie es Ps. 126, 1 heißt, sein wie die Träumenden. Ein herrlicher Traum fürwahr, in dem wir uns aber dennoch mit aller Einbildungskraft nicht annähernd zu der Herrlichkeit, der Schönheit und Pracht der Wirklichkeit werden emporschwingen können. John Mason Neale 1860.

Kein Siechtum bleicht der Jugend frische Farben,
Nicht Sorge mehr noch Kummer trübt den Blick.
Kein Alter beugt das Haupt. Nicht länger darben,
Die Armut plagte hier und widriges Geschick.
Nicht schreckt mehr Todesfurcht; nicht fliehn die Freuden
Vor bittrer Reu’, vor Angst und Gram und Leiden.

Nach einem Zitat von J. M. Neale 1860.

Homiletische Winke

V. 1a.
Die Torheit der Gottesleugner. Der Atheismus des Herzens.
V. 1.
Man beschreibe 1) das Glaubensbekenntnis des Toren; 2) die Torheit dessen, der sich an dieses Glaubensbekenntnis hält. - Oder: Der Atheismus. 1) Seine Quelle; das Herz. 2) Sein Glaubensbekenntnis: Es ist kein Gott. 3) Seine Früchte: Sie taugen nichts usw.
1) Die eine große Quelle der Sünde: die Gottentfremdung. 2) Ihr Herrschaftssitz: das Herz. 3) Ihre Wirkung auf den Verstand: Sie macht den Menschen zum Toren. 4) Ihre Offenbarung im Leben: Begehungs- und Unterlassungssünden.
V. 1b.
Die Laterne des Diogenes. Richte sie auf alle Menschenklassen und beleuchte deren Sünden.
V. 2.
1) Wie der Herr mit forschendem Blicke auf das Menschengeschlecht niederschaut. 2) Was für Leute er finden möchte. 3) Welche wohlwollenden Absichten er dabei hegt.
Wonach Gott ausschaut, und wonach wir ausschauen sollten. Die Menschen haben in der Regel einen schnellen Blick für solches, was mit ihrer Art übereinstimmt.
V. 2-3.
Gottes Umschau nach einem von Natur guten Menschen; das Ergebnis; Lehren, die daraus zu ziehen sind.
V. 3.
Die gänzliche Verderbtheit unseres Geschlechts.
V. 4.
Haben denn keine Einsicht alle die Übeltäter? (Grundt.) Wenn die Menschen Gott und sein Gesetz, die Schlechtigkeit und die schlimmen Folgen der Sünde bis zu den Qualen der Hölle und andere große Wahrheiten richtig erkennen würden, würden sie dann so leichtfertig sündigen, wie sie es tun? Nein - und ja! Erkennen sie aber dies alles, und beharren sie dennoch in ihrer Missetat, wie schuldig und töricht sind sie! Stoff zu einer eindringenden, die Herzen durchforschenden Predigt.
V. 4a.
Das himmelschreiende Verbrechen, wider Licht und Erkenntnis zu sündigen.
V. 4b.
Gebetslosigkeit - ein sicheres Zeichen innerer Gottlosigkeit.
V.5.
Die törichten Befürchtungen derer, die ohne Gottesfurcht sind.
Wie nahe der Herr den Gerechten ist; was diese Nähe Gottes für seine und seines Volkes Feinde bedeutet, und welche Ermutigung darin für die Gerechten liegt.
V. 6.
Wie weise es ist, seine Zuversicht auf den Herrn zu setzen. Beschreibe 1) den Armen, der hier gemeint ist; 2) seinen Rat; 3) seine Schmach; 4) seine Zuflucht.
Gottvertrauen; der Spott der Toren, die Hoffnung der Weisen.
V. 7.
Sehnsüchtige Adventshoffnungen. Oder: Die Sehnsucht des Gottesvolkes nach der Offenbarung des vollen Heils.
Hilfe aus Zion. Gott die Quelle, seine Gemeinde der Kanal der Segnungen für die Menschheit.
Thema für eine Erweckungspredigt. 1) Ein häufiger Zustand der Gemeinde: Gefangenschaft. 2) Das Mittel der Lösung aus den Banden: Das Kommen des Herrn in seiner Gnade. 3) Die Folge: Große Freude.
Die Gefangenschaft der Seele. Was ist darunter zu verstehen? Wie wird die Seele darin am Leben erhalten? Wie herausgeführt? Was für Folgen hat das?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

Beitragvon Jörg » 17.11.2018 14:12

Kommentar & Auslegung zu PSALM 15


Überschrift

Die Überschrift dieses Liedes: Ein Psalm Davids, enthält keinen Hinweis auf die Veranlassung, aus der es gedichtet worden ist. Manche vermuten aber, dass seine Abfassung, gleich der des inhaltlich verwandten 24. Psalms, mit dem Hinaufbringen der Bundeslade nach dem heiligen Berg Zion in irgendeinem Zusammenhang stehe. Es mag sein, dass das Ergrimmen des Zornes Jahwes über Usa, der weggerissen wurde, weil er die Lade Gottes angerührt hatte, so dass der erste Versuch, sie nach dem auf Zion erbauten heiligen Zelt zu bringen, nicht hatte ausgeführt werden können, in David so lebhaft die Frage erweckt hatte, wer würdig sei, dem Herrn zu nahen. Bemerkenswert ist, dass der König bei dem abermaligen Versuch, die Bundeslade nach dem Zion zu führen, nicht nur sorgte, dass alles genau nach den Vorschriften des Gesetzes vor sich ging und den Häuptern der Leviten die ihnen gebührende Stellung gab, sondern auch die heilige Lade in der Obhut des Mannes ließ, dessen Haus der Herr, als sie unter seinem Dache weilte, sichtbar gesegnet hatte, und der nun mit seinen vielen Söhnen am Hause Gottes diente. (1. Chr. 15,24; 26,4-8 .) Bei neutestamentlicher Auslegung haben wir hier eine Beschreibung des Mannes, der als Kind in dem Hause der Gottesgemeinde auf Erden daheim ist und ewiglich in dem Hause des Herrn droben wohnen wird. Das ist in erster Linie Jesus; in ihm aber gewinnen alle, die durch die Gnade seinem Bilde gleich gestaltet werden, dasselbe selige Vorrecht.

Einteilung

Der 1. Vers wirft die Frage auf; die übrigen Verse beantworten sie. Wir überschreiben daher den Psalm: Die Frage und die Antwort.


Auslegung

1.Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte?
Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge?


Die Frage. - 1. Jahwe , du Heiliger und Erhabener, wer wird mit dir traute Gemeinschaft haben dürfen? Die Himmel sind nicht rein in deinen Augen, und deine Engel bezichtigst du der Torheit (Hiob 15,15; 4,18): Welcher Staubgeborene vermag denn bei dir, dem verzehrenden Feuer und der ewigen Glut, zu wohnen? (Jes. 33,14.) Es ist die lebhafte Empfindung der Herrlichkeit des Herrn und der Heiligkeit, die seinem Hause, seinem Dienste und seinen Dienern geziemt, die diese feierlich ernste Frage in der demütigen Seele Davids erweckt. Wenn selbst die Engel sich mit verhülltem Antlitz vor ihm neigen, wie soll da der Mensch würdig sein, irgendwie anbetend vor ihn zu treten? Die gedankenlose Menge hält es freilich für etwas Leichtes, dem Allerhöchsten zu nahen, und manchen, die öffentlich des Gottesdienstes pflegen, ist die Gewissensfrage, ob sie dazu tüchtig seien, fremd. Aber wahrhaft gedemütigte Seelen brechen oft fast zusammen unter dem Gefühl ihrer gänzlichen Unwürdigkeit, und sie würden es nimmer wagen, dem Thron des Heiligen zu nahen, könnten sie es nicht tun im Blick auf den Mittler und Fürsprecher, der im himmlischen Tempel bleiben darf, weil seine Gerechtigkeit ewiglich währt. Herr, wer darf als Gastfreund in deinem Zelte weilen? Wem wird das hohe Vorrecht zuteil werden, als Freund Gottes unter seinem Dache herbergen zu dürfen, dort trauter Gemeinschaft mit dem Höchsten zu pflegen und unter dessen mächtigem Schutz zu weilen? Wer darf wohnen auf deinem heiligen Berge? Wer wird in der Gemeinde des Herrn, die sich um Gottes Thron schart, Hausgenossenrecht haben? Wer wird ein Bürger Zions sein und in dem neuen Jerusalem eine bleibende Stätte haben? Die Frage wird aufgeworfen, weil es in der Tat eine Frage ist. Nicht alle Menschen besitzen dieses Vorrecht. Sind doch sogar unter denen, die sich als rechte Christen ausgeben, solche, die außer der Bürgerschaft Israels stehen und keinen verborgenen Umgang mit Gott haben. Auf Grund des Gesetzes kann kein Mensch bei Gott wohnen; denn es ist nicht einer auf Erden, der die billigen Anforderungen erfüllen könnte, welche die folgenden Verse stellen. Die Fragen unseres Textes werden dem Herrn vorgelegt: Nur Er, der Unendliche, vermag sie dem beunruhigten Gewissen befriedigend zu beantworten. Der Herr der Stiftshütte muss selber uns belehren, was für Eigenschaften zu seinem Dienst befähigen. Im Lichte seiner Unterweisung aber werden wir klar erkennen, dass nur der eine Makellose, unser Heiland Jesus Christus, und außer ihm nur solche, die ihm gleich gestaltet werden, in wohlgefälliger Weise vor der Majestät des Höchsten Dienstes pflegen können.
Ungezügelte Neugierde wünscht oft zu wissen, wer und wie viele zur ewigen Seligkeit gelangen werden. Leute, welche die Frage: Wer wird bleiben auf deinem heiligen Berge? in solcher Gesinnung stellen, würden viel weiser handeln, wenn sie diese Frage sich zur ernsten Selbstprüfung dienen lassen würden. Die Glieder der sichtbaren Kirche, des irdischen Hauses Gottes, sollten mit allem Fleiß danach trachten, dass sie würdig erfunden werden mögen, Gottes Hausgenossen zu sein. Ohne das hochzeitliche Kleid der Gerechtigkeit Christi haben wir schon hienieden kein Recht, bei dem heiligen Mahle zu Tische zu sitzen.

2.Wer ohne Tadel einhergehet, und recht tut,
und redet die Wahrheit von Herzen;
3.wer mit seiner Zunge nicht verleumdet,
und seinem Nächsten kein Arges tut,
und seinen Nächsten nicht schmähet;
4.wer die Gottlosen für nichts achtet,
sondern ehret die Gottesfürchtigen;
wer ihm selbst zum Schaden schwöret, und hält’s;
5.wer sein Geld nicht auf Wucher gibt,
und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen.
Wer das tut, der wird wohl bleiben.

Die Antwort. - 2. Der Herr beantwortet die Frage, indem er uns durch seinen heiligen Geist den Charakter des Mannes schildert, der auf Gottes heiligem Berge wohnen darf. Die hier geforderte Heiligkeit finden wir in vollkommenem Maße einzig bei dem Mann der Schmerzen; aber in gewissem Grade wird sie durch den heiligen Geist in allen gewirkt, die wahrhaft zu den Seinen gehören. Der Glaube und die innerlichen Gnadenwirkungen des Geistes werden nicht erwähnt; es handelt sich hier darum, wie sich die Frömmigkeit nach außen kundgibt. Wo man aber Frucht findet, ist sicher eine Wurzel da, auch wenn man sie nicht sieht. Man beachte Wandel, Wort und Werk des Mannes, der bei Gott Annahme findet.
Wer ohne Tadel einhergeht. (Engl. Übersetzung: Wer aufrichtig wandelt.) Er hält sich schnurgerade aufrecht, gleich den Leuten, welche in der Luft gespannte Seile überschreiten, denn sobald die sich auf eine Seite neigen, stürzen sie hinab; oder gleich solchen, die kostbare, zerbrechliche Waren in einem Korb auf dem Haupte tragen und alles verlieren, wenn sie das Gleichgewicht verlieren. Wahre Gläubige bücken sich nicht wie Schmeichler, sie winden sich nicht wie Schlangen, sie biegen sich nicht ineinander wie Leute, die in der Erde graben, noch krümmen sie sich nach einer Seite wie solche, die krumme Pläne haben. Sie haben ein starkes Rückgrat, dessen Lebensmark die Gnade ist, und da sie selber geraden Wesens sind, können sie auch gerade wandeln. 1 Wie der Mensch auf Erden einhergeht, d. h. wie sein Wandel beschaffen ist, das ist von weit größerer Bedeutung, als was sein Mund redet. Mit dem nur steht es richtig, der aufrichtig wandelt, und dessen Ehrenhaftigkeit durch nichts gekrümmt werden kann. Und Recht tut, oder: Gerechtigkeit übt. Sein Glaube erweist sich in guten Werken, ist also kein toter Glaube (Jak. 2,26). Gottes Haus ist ein Bienenstock für emsige Arbeiter, kein Nest für Drohnen. Gerade diejenigen, welche sich freuen, dass ein anderer, nämlich der Herr Jesus, alles für sie vollbracht hat, und die deshalb alles Bauen aus eigene Werke hassen, führen die Grundsätze des Evangeliums am tatkräftigsten in guten Werken aus. Wenn unser Gottesdienst nicht in Taten, nur in süßen Gefühlen oder leeren Worten besteht und wir Gottes heiligen Willen nicht nach besten Kräften tun, so sollten wir ernstlich darüber in Zweifel geraten, ob wir überhaupt an Gottes Reich teilhaben; denn unfruchtbare Bäume haben keine andere Aussicht, als dass sie abgehauen und ins Feuer geworfen werden. Und redet die Wahrheit von Herzen, wörtlich: in seinem Herzen. Der im vorigen Psalm geschilderte Tor redete trügerisch in seinem Herzen. Man beachte in diesem Zuge, wie auch sonst, den auffallenden Gegensatz beider Psalmen. Die Frommen wünschen nicht nur mit ihrem Munde lautere Wahrheit zu reden, sondern sie reden die Wahrheit in ihrem Herzen, sie suchen in ihrem Innersten wahr zu sein. Sie wollen auch in der verborgenen Herzenskammer nicht lügen; denn Gott ist dort und lauscht. Sie halten alle doppelsinnigen Reden, alle Ausflüchte, alle Not- Geschäfts- oder Scherzlügen, alle Schmeicheleien und Trügereien unter ihrer Würde. Obgleich die Wahrheit, gleich der Rose, Dornen hat, tragen gute Menschen sie dennoch im Busen. Wäre die Wahrheit auch von der ganzen Welt um uns her verbannt und verjagt, soll sie doch in unserem Herzen ein Heiligtum, eine Zufluchtsstätte haben. Mag daraus kommen, was will, wir müssen dem Engel der Wahrheit bei uns Herberge geben; denn die Wahrheit ist des Himmels Tochter. Es gilt allen Ernst, dass unser Herz unerschütterliche Grundsätze gewinne und festhalte. Die Zartheit des Gewissens in Bezug auf Wahrhaftigkeit will, gleich dem Duft auf den Früchten, behutsam behandelt sein. Ist sie einmal geschwunden, so wird es schwer, sie wieder zu gewinnen. Jesus war der klare Spiegel der Aufrichtigkeit und Heiligkeit. Ach, dass wir ihm immer mehr ähnlich würden!

Fußnote
1. Diese Bilder, die sich an die engl. Übersetzung aufrichtig (aufrecht) anschließen, würden passen, wenn nicht , sondern stünde. Vergl. z. B. Pred. 7,29 (30). Das hier gebrauchte schließt zwar Aufrichtigkeit, Redlichkeit ein, geht aber nicht von dem Begriff des Geraden, sondern des Ganzen, Völligen aus. Es wird dann auch von den Opfertieren gesagt, die ohne Fehl sein mussten, daher Luthers Übers. ohne Wandel (d. h. ohne Fehler und Gebrechen, revid. Übers. ohne Tadel) richtig ist. Immerhin mag beachtet werden, dass das hier nachdrucksvoll an die Spitze gestellte nicht etwas Negatives, sondern Positives aussagt. Wer sich ganz und völlig Gott hingibt (vergl. z. B. 1. Mose 17,1) und daher auch gegenüber den Menschen mit ganzer Entschlossenheit und Treue das Gute tut, der wandelt .
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

Beitragvon Jörg » 23.11.2018 16:47

3. Nach den drei bejahenden Aussagen über das Wesen der Zionsbürger kommen nun verneinende. Wer mit seiner Zunge nicht verleumdet. Es gibt auch Gedankensünden der Verleumdung, wenn man nämlich seinen Nächsten im Herzen zu hart beurteilt; aber es ist vor allem die verleumderische Zunge, die so viel Unheil anrichtet. Manche Leute haben eine so scharfe, schneidige Zunge, dass sie damit besser beißen können als mit ihren Zähnen. Die Zunge ist nicht von Stahl, dennoch schneidet sie, und die Wunden, die sie verursacht, sind schwer zu heilen; am schwersten aber solche, die sie uns hinterrücks beibringt. Alle Verleumder sind des Teufels Blasebälge, mit denen er den Hader anfacht; aber das sind die schlimmsten, die das Feuer im Verborgenen anblasen. -- Sehr markig ist der Grundtext, den wir etwa umschreiben können: Wer nicht umherschleicht mit Verleumdung auf seiner Zunge. Aus der Werkstatt und Vorratskammer arger Gedanken, dem Herzen, nimmt der Verleumder die bösen Worte auf seine Zunge und trägt sie dort bei sich, umherschleichend, wo er sie jemand ins Ohr blasen könne.
Und seinem Nächsten kein Arges tut. Wer seine Zunge im Zaum hält, wird auch seiner Hand nicht die Zügel schießen lassen. Lieben wir unsern Nächsten wie uns selbst, so werden wir auch auf seinen guten Namen halten, aber ebenso auch besorgt sein, ihm nicht an Hab und Gut zu schaden oder gar durch böses Beispiel seine Sitten zu verderben. Und seinen Nächsten nicht schmähet, oder: und nicht Schmähung gegen seinen Nächsten aufnimmt. Verleumdungen soll man liegen lassen. Der ist ein Narr, wenn nicht ein Schurke, der gestohlenes Gut an sich nimmt. Aufs Verleumden so gut wie aufs Rauben passt das Sprichwort: Der Hehler ist wie der Stehler. Gäbe es keine begierigen Abnehmer für üble Nachreden, so würde der Handel mit solcher Ware bald ein Ende haben. John Trapp (†1669) sagt: "Der Zuträger hat den Teufel auf seiner Zunge, und der den Klatschereien lauscht, hat ihn im Ohr." "Zeig ihm die Tür!", würden wir von einem Betrunkenen sagen, der in unser Haus eindränge; und doch ist es sehr fraglich, ob sein ungeziemendes Benehmen uns soviel Unheil anrieten würde, als die sich ins Herz einreichenden Geschichten und versteckten Andeutungen des Ohrenbläsers. "Schnell die Polizei herbei!", rufen wir, wenn wir einen Dieb an seiner Arbeit sehen; sollten wir keine Entrüstung fühlen, wenn wir ein Klatschweib an ihrer saubern Arbeit treffen? "Ein toller Hund!". Alles stiebt auseinander, wenn der Ruf durch die Gasse schallt; aber es gibt wenige Köter, die so gefährlich beißen wie die Zunge des Müßiggängers, der sich in alle fremden Angelegenheiten mischt. "Feuer, Feuer!", ist ein beängstigender Alarmruf; aber des Verleumders Zunge ist von der Hölle entzündet (Jak. 3,6), und die dem Verlästern frönen, haben alle Ursache, sich ernstlich zu bekehren, sonst könnten sie zu spät entdecken, dass es in der Hölle ein unauslöschliches Feuer gibt für ungezähmte Zungen. Unser Herr und Heiland sprach von niemand hinterrücks Übles, sondern seufzte sterbend noch für seine Feinde zu Gott. Wir müssen ihm ähnlich werden, oder wir werden nie in seiner Nähe weilen. -- Auch hier ist der Grundtext von großer Schönheit. Man beachte die Assonanz und die Bedeutung von Genosse. Durch beides tritt die Unnatürlichkeit der Sünde, dem Genossen, dem durch die Bande des Bluts oder der Lebensgemeinschaft Verbundenen, Böses zu tun, ins Licht. Man vergleiche das e(taire des Herrn an den Verräter, Mt. 26,50.

4. Wer die Gottlosen nichts achtet, wörtl.: den (von Gott) Verworfenen verachtet, sondern ehret die Gottesfürchtigen (die Jahwe Fürchtenden). Wir müssen im Entrichten dessen, was andern an Ehre zukommt, so pünktlich sein, als wenn es sich um Geld handelt. Ehre, dem Ehre gebührt. Allen Guten gegenüber haben wir eine Ehrenschuld und wir haben kein Recht, die Ehrerbietung, die den Würdigen gebührt, an verworfene Menschen zu verschleudern, die zufällig in hoher Stellung sind. Wenn ein schlechter Mensch, ein Amt bekleidet, ist es unsere Pflicht, das Amt zu ehren; aber wir können unser Gewissen nicht soweit vergewaltigen, anders zu handeln, als dass wir den Mann persönlich verachten. Und anderseits ist es ebenso unsere Pflicht, au der Trübsal ehrenhafter, gottesfürchtiger Leute, die in Armut und Unglück sind, herzlich Anteil zu nehmen und die Personen um nichts weniger zu ehren, trotz ihrer geringen Stellung. Wir mögen das unscheinbarste Kästchen wert halten wegen der Juwelen, die es birgt; aber wir dürfen nicht falsche Steine rühmen wie echte, weil sie in Gold gefasst sind. Ein Sünder mit einer schweren goldenen Kette und prunkenden Gewändern ist mit einem Heiligen in schlechtem Kleide so wenig zu vergleichen, wie ein Kienspanlicht auf silbernem Leuchter mit der Sonne hinter Wolken. Ein Sprichwort sagt, ein hässliches Weib in geputztem Gewand sei nur desto hässlicher; so ist ein verächtlicher Mensch in einer hohen Stellung auch nur umso verächtlicher. Wer ihm selbst zum Schaden schwöret und hält’s, wörtl.: und ändert’s nicht. Bibelchristen, die nach der Regel des neuen Bundes wandeln, meiden das Schwören (Mt. 5,34 ff.; Jak. 5,12), aber ihr Wort ist so gut wie ein Eid. Und die Gottesmänner, welche einen Eid in gewissen Fällen für richtig halten, sind äußerst behutsam und machen es zu einem ernsten Gebetsanliegen, dass sie ja auch nicht den Schein erwecken, als schössen sie übers Ziel. Wenn wahrhaft fromme Leute Verpflichtungen eingegangen sind, die sich als unvorteilhaft erweisen, so bleiben sie dennoch Ehrenmänner. Unser hochgelobter Bürge hatte einen Eid geschworen, der ihm das tiefste Leibes- und Seelenweh bereitete; aber wie ruhmwürdig stand er zu seiner Bürgschaft! Welch ein Trost ist das für uns, dass er sein Wort nicht abändert; aber auch welch ein Vorbild ist es für uns, eben so pünktlich und peinlich genau zu sein in Erfüllung unserer Bündnisse mit andern. Der beste Kaufmann kann Verpflichtungen eingehen, die sich später als schwere Schädigungen herausstellen. Doch was immer er sonst verlieren mag: behält er seine Ehre, so werden seine Verluste erträglich sein; aber Ehre verloren, alles verloren.

5. Wer sein Geld nicht aus Wucher gibt. Wucher ist Gott und Menschen verhasst und ist es je und je gewesen. Dass jemand, der einem andern Geld leiht, an dem Gewinn Anteil habe, der durch sein Geld erworben worden, ist recht und billig; aber dass ein Reicher den Armen verschlingt, der unglücklicherweise ein Darlehen von ihm bekommen hat, ist ein Gräuel. Solche, die kleine Handelsleute oder Handwerker, dürftige Witwen und andere derartige Leute aussaugen, indem sie ihnen unerträgliche Zinsen aufladen, werden entdecken, dass ihr Gold und Silber verrostet (Jak. 5,3). Wer auf den Berg des Herrn gehen will, muss diese Sünde von sich abschüttelt, wie Paulus die Otter ins Feuer schlenkerte (Apg. 28,5). Und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen , um ihn zu verurteilen. Es ist ebenso wohl Sünde, jemand zu bestechen, als sich bestechen zu lassen. Die Bestechung war an den morgenländischen Gerichtshöfen sehr üblich. In dieser Form ist die genannte Sünde bei unseren trefflichen Richtern jetzt fast etwas Unerhörtes. Dennoch lebt sie fort in den verschiedensten Gestalten, die dem Leser vorzuführen unnötig sein wird, und in jeder Form ist sie einem Gottesmenschen verhasst und ekelhaft. Der Christ ist dessen eingedenk, dass der Herr Jesus, statt den Unschuldigen um schnöden Gewinnes willen zu verurteilen, vielmehr für die Schuldigen sein Leben hingegeben hat.
Wer das tut, der wird wohl bleiben, wörtlich: nimmermehr wanken. Kein Sturm wird ihn von seinem Felsen wehen, von seinem Ankergrund losreißen oder aus seiner Stätte auswurzeln. Gleich dem Herrn Jesus, dessen Herrschaft ewig währt, verliert der wahre Christ nie seine Krone. Er wird nicht nur auf Zion weilen, sondern dem Berge Zion gleich fest und unbeweglich sein. (Vergl. Ps. 125,1.) Er wird im heiligen Zelt des Höchsten wohnen, und weder Tod noch Gericht werden ihn von diesem hohen, alle Fülle der Seligkeit verbürgenden Platze vertreiben.
Lasst uns zu Gebet und ernster Selbstprüfung in die Stille gehen; denn wie das Feuer Silber und der Ofen Gold, so prüft dieser Psalm unser Leben. Können wir die Feuerglut der Wahrheit ertragen?
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

Beitragvon Jörg » 26.11.2018 16:04

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Dieser Psalm folgt auf den vorhergehenden in der schönsten Ordnung. Denn gleichwie in jenem die Gestalt und das Muster derer Gottlosen ist beschrieben worden, also wird in diesem Psalm das Muster derer Frommen beschrieben. Martin Luther 1519.

V. 1. Da das Bleiben und Wohnen im Hause Gottes nicht im eigentlichen Sinne von einem fortwährenden Aufenthalt daselbst verstanden werden kann, so ist anzunehmen, dass die Gemeinschaft mit dem Hause Gottes, wo der Fromme die Weihestunden des Lebens feierte und Gottes Nähe am innigsten empfand, für den Sänger zum Bilde der Gemeinschaft Gottes überhaupt und ihrer Segnungen wurde, so dass von der Hütte oder dem Hause getrennt werden nichts anderes für ihn sagen wollte als: ausgeschlossen werden aus der wahren Gemeinde Israels, aus der Gemeinschaft mit dem Herrn, aus allen Gnadenvorrechten, die damit verbunden sind. Dafür spricht unverkennbar sowohl der Schluss unseres Psalms ("der wird ewiglich nicht wanken"), als namentlich die Vergleichung von Ps. 23,6; 27,5; 31,21; 36,9; 61,5; 65,5. Prof. D. A. F. Tholuck 1843.

Wie das heilige Zelt in der Wüste und später im Lande hin und her wanderte und keine bleibende Stätte fand, bis es (in neuer Gestalt) auf Zion errichtet wurde, so wandert auch die Kirche Gottes als Pilgrim in der Wüste dieser Welt, bis sie auf Gottes heiligen Berg verpflanzt wird. -- Die Gemeinde der Heiligen ist ein Zelt, keine mit starken Wällen ausgerüstete, durch menschliche Kunst bewaffnete Festung; und doch finden alle, die sich in ihr bergen, eine sichere Zufluchtsstätte. Ihre Stärke ist nicht irdischer Art. Sie ist ein Zelthaus, aber Gottes Zelt: Er wohnt darinnen. D. John Boys † 1625.

Die Verstellungskunst und Frömmelei der Heuchler hat David wohl zu dieser Frage veranlasst. Denn es sind, wie Paulus sagt, nicht alle Israeliten, die von Israel sind (Röm. 9,6), oder, wie unsere Theologen es ausgedrückt haben: multi sunt corpore qui non sunt fide, multi nomine qui non sunt omine. Das hat Davids Geistesblick auch erkannt, wie allerlei Leute sich zu Gottes Heiligtum drängten, die zwar auswendig, aber nicht inwendig Juden waren (Röm. 2,28 f.) und andere, manchmal auch sich selber, mit bloß äußerlichem gottesdienstlichem Eifer und falschen Meinungen über das Wesen der Frömmigkeit betrogen. Da kommt er denn zu Gott, dem Herzenskündiger, und bittet ihn um Erleuchtung, um Anzeige solcher Erkennungszeichen, daran man die echten Hausgenossen Gottes von den Kindern dieser Welt unterscheiden mag. Wie Not tut die Beachtung dieses Psalms auch in unserer Zeit, wo so manche gleich den Juden vor alters schreien: Hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel, hier ist des Herrn Tempel (Jer. 7,4). Viele, die eine Weile in Gottes Haus zu wohnen scheinen, werden niemals auf seinem heiligen Berge eine Wohnstätte finden, wie der Inhalt dieses Psalms auch durch das Wort des Herrn Jesus bestätigt wird, dass nicht die Herr- Herr- Sager, mögen sie auch weissagen und Wunder tun, sondern die den Willen tun seines Vaters im Himmel, in das Himmelreich kommen werden (Mt. 7,21). D. John Boys † 1625

V. 2. Wen weder die Herrlichkeit und Erhabenheit, noch die Glückseligkeit der Reinheit in Herz und Leben zu locken vermag, den sollte wenigstens die Furcht, die Notwendigkeit derselben für den Eingang ins himmlische Reich, treiben, nach ihr zu trachten. - Simulata aequitas, sagt der Kirchenvater Augustin († 430), est duplex iniquitas, quia et iniquitas est st simulatio. Erheuchelte Gerechtigkeit ist zwiefache Ungerechtigkeit, erstens weil sie sich an und für sich als Ungerechtigkeit erweist, zweitens wegen der Heuchelei. D. George Downame 1604.

Wiewohl David in diesem Psalm den Zionsbürger nicht sowohl nach dem Glauben, als vielmehr nach den Werken beschreibt, so ist doch der Glaube, die rechte Herzensstellung zu Gott, hier wie überall in der Schrift, wo gute Werke empfohlen oder besohlen werden, vorausgesetzt; denn, wie Paulinus (von Mailand, Anhänger Augustins) sinnig sagt: Fides est operum fomes, der Glaube ist der Zunder der guten Werke; oder wir können auch sagen: Der Glaube ist das Nest, aus dem die guten Werke ausschlüpfen. Aber der Glaube ist etwas innerlich Verborgenes, und viele täuschen sich und andere mit einem äußerlichen Bekenntnis des Glaubens. Darum will der heilige Geist, dass eines jeden Glaube all seinen Früchten geprüft und erkannt werde, und wiewohl das ewige Leben dem Glauben verheißen und die ewige Verdammnis dem Unglauben angedroht ist, wird dennoch der Urteilsspruch zur Seligkeit oder Verdammnis nach den Werken, als den klarsten Erweisen von beidem, Glauben und Unglauben, gefällt werden. Man hat nach Bernhard von Clairvaux († 1153) richtig bemerkt, dass unsere guten Werke, wiewohl nicht causa regnandi doch via regni seien, der Weg, auf welchem, wenn auch nicht der Grund, weshalb wir auf Gottes heiligen Berg gehen. - Warum aber werden hier nicht sowohl unsere Pflichten gegen Gott, als die gegen unsere Mitmenschen erwähnt? Weil der Prüfstein unserer Frömmigkeit gegen Gott die Redlichkeit und Liebe gegen den Nächsten ist. Daran wird offenbar, welche die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels sind. Wer nicht Recht tut, der ist nicht von Gott, und wer nicht seinen Bruder lieb hat (1.Joh. 3,10). D. John Boys † 1625.

Wenn die Räder einer Uhr drinnen in Tätigkeit sind, werden sich auch die Zeiger draußen auf dem Zifferblatt bewegen. Hat jemand eine wirkliche Herzenserneuerung erfahren, so wird auch sein Wandel das Evangelium zieren. Wie sollen wir die Güte einer eingemauerten Quelle prüfen, wenn nicht nach dem Wasser, das ans der Röhre fließt? William Secker 1660.

Erst muss der Mensch selber gerecht sein, ehe er Gerechtigkeit wirken kann. Der Baum bringt die Frucht hervor, darum muss der Baum gut sein, ehe die Frucht gut sein kann. (Mt. 7,18 .) Der Gerechte erzeugt gerechte Werke; aber keine Tat eines ungerechten Menschen kann ihn gerecht machen. Es mag einer ebenso wohl aus einem von seinem Stamm gerissenen und verdorrten Zweige Frucht hervortreiben, als Gerechtigkeit wirken ohne Glauben an Christus und ohne Lebensgemeinschaft mit ihm. Thomas Boston † 1732.

Nachdem David gesagt hat: Herr, wer wird wohnen in deiner Hütte, fügt er hinzu, nicht: der ehedem Gerechtigkeit geübt hat, sondern: der Gerechtigkeit übet (jetzt und immerdar), wie Christus spricht: Mein Vater wirkt bis auf diesen Augenblick, und ich wirke auch (Joh. 5,17). Basilius der Große † 379.
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

Beitragvon Jörg » 29.11.2018 15:53

Erläuterungen und Kernworte

Merke aber hier, dass der Prophet sagt: Wer Gerechtigkeit schaffet oder wirket; er saget nicht, wer Gerechtigkeit redet, denket und höret, darum, weil nicht die Hörer, sondern die Täter des Gesetzes sollen gerechtfertiget werden. Was sind wir aber andern Leuten zu tun schuldig? Das, was Christus saget in dem 7. Kap. Mt. V. 12. Was ihr wollet, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen, nämlich auch euren Feinden. Nach diesen Worten sollen wir niemand Schaden, keinem Böses mit Bösem vergelten, denen, die Unrecht leiden, helfen, jedermann Gutes tun. Jedoch, wie ich gesagt habe, hat der Prophet damit seine Absicht mehr darauf gerichtet, dass man dabei nicht auf die Person und auf das äußerliche Werk bloß sehen solle. Als wollte er sagen: Nicht deswegen, weil du ein Priester oder ein heiliger Mönch bist, nicht deswegen, weil du viel betest, weil du Wunder tust, weil du vortrefflich lehrest, weil du mit dem Titel eines Vaters prangest; und endlich um keines einigen Werkes willen, außer der Gerechtigkeit , wirst du wohnen auf dem heiligen Berge Gottes. Wo dir diese fehlet, werden dir alle andere Werke nichts nütze sein, weder der Ablass, noch Heiligsprechung, noch die Fürbitten der Heiligen. Es bleibt dabei: Wer ohne Wandel einhergehet und die Gerechtigkeit tut, der wird wohnen in der Hütte des Herrn. Denn wie viel sind derer, die da Kirchen, Klöster, Altäre, heilige Gefäße und Kleider bauen, vermehren, bereichern und zieren, die doch unterdessen nicht einmal an die Gerechtigkeit gedenken; ja damit sie jenes verrichten können, treten sie die Gerechtigkeit mit Füßen und hoffen durch jene Werke, ihrer Ungerechtigkeit halben, Vergebung zu erlangen. O zu wie vielen, die durch dergleichen Werke betrogen worden, wird der Herr an jenem Tage sagen: Ich bin durstig, hungrig, nackt, gefangen, schwach, krank gewesen (Mt. 25,42 f.); nichts aber wird er sagen von denen Werken, davon man heutiges Tages so viel Rühmens und Aussehens machet. Hingegen liegt daran nichts, ob du ein Laie, arm, krank, veracht und sehr geringe seist, wenn du nur die Gerechtigkeit wirkest, so wirst du selig werden. Einzig und allein auf dieses Schauspiel müssen wir schauen, nämlich auf die Wirkung oder Erweisung der Gerechtigkeit; das übrige alles mag uns unter dem eiteln Schein der Frömmigkeit reizen und locken, wie es wolle, es ist vergeblich. Martin Luther 1519.

Wollen wir die Wahrheit reden, so ist es erstens nötig, dass unsere Worte mit unserem Herzen , unserer Gesinnung übereinstimmen. Wir müssen reden, wie wir denken. Unsere Zunge muss der getreue Dolmetscher unserer Gesinnung sein, sonst lügen wir. So mag es sein, dass jemand etwas sagt, was an und für sich wahr ist, und er dennoch ein Lügner ist; nämlich, wenn er anders denkt, als er spricht. Zweitens aber müssen unsere Worte mit der Wirklichkeit der Dinge im Einklang stehen. Wenn wir auch meinen, etwas verhalte sich so, wie wir sagen, während es tatsächlich anders ist, so reden wir nicht die Wahrheit, wenn wir versichern, dass es so sei. Denn unsere irrtümliche Meinung über den Sachverhalt kann nie eine Unwahrheit zur Wahrheit stempeln. (2.Thess. 2,11.) Thomas Boston † 1732.

Heute habe ich eine Predigt gehört über Psalm 15,2: Und redet die Wahrheit in seinem Herzen . O meine Seele, beherzige die Ermahnungen, die dir zuteil geworden sind! Befleißige dich lauterer Wahrheit in deinem Innern, lass Redlichkeit und Wahrhaftigkeit dich allezeit geleiten und behüten. Ich bin dankbar für jede sich in mir bahnbrechende Überzeugung und Empfindung von der Schlechtigkeit der Lüge. Herr, vertiefe du meinen Abscheu vor ihr! Und zur weiteren Hilfe wider dies gemeine und verderbliche Laster will ich mit unwandelbarer Entschlossenheit alles in den Tod geben, was eine Quelle oder Veranlassung dieser Sünde sein könnte. So den Stolz, der so oft uns die Sprache vorschreibt und Lügen schmiedet; den Neid, die Habsucht, die Bosheit usw. Denn wie kann ich meine Zunge bändigen mit einem ungebändigten Herzen? Wenn ich das Irdische in ungebührlicher Weise liebe, so gilt es tausend gegen eins, dass ich oft etwas übertreiben werde, um dadurch irdischen Vorteil zu gewinnen; und wenn ich meinen Nächsten hasse, ist es eben so wahrscheinlich, dass ich ihn schmähen werde. Herr, hilf mir, dass die Quelle rein werde, dann wird der Strom klar sein. Ich bin entschlossen, nichts zu tun, was eine Lüge nötig machen könnte. Hätte Gehasi nicht wegen seiner Habsucht erröten müssen, wäre er auch nicht dazu gekommen, sich durch eine Lüge helfen zu wollen (2.Kön. 5,25). Herr, wirke du in mir eine lebhafte Empfindung davon, dass dein Auge allezeit auf mich gerichtet ist und also all mein Tun und Wedelt in deiner Gegenwart geschieht. Ja, du verstehst meine Gedanken so völlig, wie andere meine Worte. Ich will mich sammeln und bedenken, ehe ich den Mund öffne, und will nicht viel noch übereilt reden. (Spr. 29,20 .) Ich will mich oft an die Strenge des zukünftigen Gerichts erinnern, da alles Heimliche wird offenbar werden und die Heuchler und Lügner vor Engeln und Menschen in ihrer Schande dastehen werden. Und ich will mir oft den göttlichen Beistand erflehen: Den Weg der Lüge halte fern von mir (Ps. 119,29 Grundt.; Spr. 30,8). Ich beklage meine Vergehungen in diesem Stück und nehme meine Zuflucht zu deiner Gnade auf Grund des Opfers Christi. Lass kein Unrecht über mich herrschen; bewahre mich vor Vermessenheiten und verzeihe mir auch meine verborgenen Fehler. (Ps. 19,13 f.) Ich übergebe meine Gedanken, meine Triebe und meine Zunge deiner Leitung und Herrschaft; möge ich in deiner Furcht denken und handeln und allezeit die Wahrheit in meinem Herzen reden. Benjamin Bennet 1728.

V. 3. Wo sind Tränen genug, diese so schrecklich im Schwange gehende Sünde des Afterredens und Verleumdens zu beweinen! Wie regnet es doch allerwärts harte Urteile, Schmähreden und Verleumdungen, an jedem Tische, in jeder Gesellschaft, überall, wo nur Menschen zusammenkommen. Es wäre noch erträglich, wenn dieser Fehler nur bei gottlosen Leuten, die dem Christentum gleichgültig oder feindlich gegenüberstehen, zu finden wäre; denn so sagt das alte Sprichwort: Vom Gottlosen kommt Untugend (1. Samuel 24,14). Wenn in eines Menschen Herzen die Hölle ist, so kann man vernünftigerweise nichts anderes erwarten, als dass auch seine Zunge vom Feuer der Hölle entzündet ist (Jak. 3,6), und es ist demnach gar nicht zu verwundern, wenn solche Menschen die Guten schmähen, ja sie eben, weil sie gut sind, schmähen. Aber ach, das Übel ist nicht auf solche beschränkt; diese Plage herrscht nicht nur unter den Ägyptern, sondern ist auch unter Israel zu finden. Es ist äußerst betrübend, wahrzunehmen, wie solche, die sich zum Herrn bekennen, ihre Zungen gleich Schwertern wetzen gegen andere Bekenner Christi, wie ein braver Mann den andern richtet und tadelt und ein Prediger den andern durchhechelt und schlecht macht. Und wer kann sagen: Ich bin rein von dieser Sünde? Ich bitte euch um Gottes willen, erbarmt euch eurer armen Seele und befleckt und verwundet euer Gewissen nicht mit diesem Laster! Habt Mitleid mit euern Brüdern; lasst es doch daran genug sein, dass die gottseligen Christen und die Diener am Wort von den Gottlosen mit Schmähungen überhäuft werden, - es ist wahrlich nicht Not, dass ihr euch mit diesen in solchem Teufelswerk (denn Teufel heißt Verleumder) verbindet. Ihr solltet vielmehr, gleich Jonathan (1. Samuel 23,16), eurer Brüder Hand stärken gegen die Verlästerungen der ungläubigen Welt und nicht den ohnehin Betrübten noch mehr Trübsal bereiten. Bedenkt, was Christus spricht: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan (Mt. 25,40). Habt Mitleid mit der unglücklichen, betörten Welt und helft ihr wider diese Sünde; stillt die blutende Wunde; wehret dieser gottlosen Gewohnheit unter den Menschen, soviel ihr vermögt; beklagt sie vor Gott und lasst nicht ab, ihn anzuflehen, dass er dem Übel Einhalt tue, da eure Kräfte nicht zureichen. Matthew Pool † 1679.

Wir dürfen über die Sünde des Afterredens und Verleumdens nicht deshalb oberflächlich hinweggehen, weil wir in diesem Stück so leicht fehlen. Denn der gute Ruf eines Mannes, sagt Salomo (Spr. 22,1), ist köstlicher denn großer Reichtum. Es ist nicht weniger schlimm, jemand mit der Zunge zu verwunden, als mit dem Schwert; ja oft sind die Stiche, die einem die böse Zunge beibringt, schwerer heilbar als die Wunden des Schwertes, wie das französische Sprichwort sagt. D. Peter Baro 1560.

Das hier für Verleumden gebrauchte Wort lgr von lgere, Fuß) und das verwandte lkr bedeuten: umhergehen, hin und her gehen, und werden vom Umherstreichen als Kaufmann, Hausierer (lkOr) oder als Kundschafter gebraucht -- beides treffliche Bilder für die übertragene Bedeutung verleumden . Wie der Hausierer seine Ware von Haus zu Haus trägt, um sie zu verkaufen, so sammelt der Verleumder Geschichten und Gerüchte, die er entweder selbst erfunden oder sich bei andern geholt hat, und geht damit, als wären es Waren, von einem zum andern. Und gleich dem Spion schleicht er, ohne seine Absichten merken zu lassen, hin und her, um die Fehler und Gebrechen anderer zu erkunden und auszuspähen und sie dann in boshafter Weise solchen zu hinterbringen, die seinen Schmähungen Gehör schenken. Das Gesetz verbietet das streng. 3. Mose 19,16 (wörtlich): Du sollst nicht als Verleumder unter deinen Volksgenossen umgehen. Ps. 50,19 ff. wird das boshafte und verleumderische Reden als ein Verbrechen hervorgehoben, das Gott, ob er auch eine Weile dazu schweige, endlich schwer heimsuchen werde. Hes. 22,9 wird es unter den Gräueln Jerusalems aufgezählt, um derentwillen Zerstreuung, Verstoßung und Fluch über das Volk kommen werde, und Röm. 1,29 f. wird bei der Aufzählung der Laster der Heiden, die Gott dahingegeben habe in verkehrten Sinn, zu tun, das nicht taugt, auch dies erwähnt, dass sie Ohrenbläser und Verleumder seien. D. George Downame 1604.

Ist das Böse, das du von deinem Nächsten hinter seinem Rücken aussagst, falsch , so bist du des Lügens schuldig, und die Lügner gehen nicht in Gottes Reich ein. Ist es aber wahr, so fehlt dir die Liebe; sonst würdest du nicht deine Lust daran finden, ihn zu schmähen. Denn die Liebe deckt die Sünden zu; sie tut ihr Möglichstes darin. Wo aber die Liebe fehlt, da wäre es eitel, die Seligkeit zu erwarten (1.Kor. 13; 1.Joh. 3,14 f.). Christopher Cartwright † 1658.

Dies Laster ist eine ganze Verkettung von Übeln und richtet unsagbar viel Unheil an. Es zerstört den Frieden und untergrabt die Grundlagen der Freundschaft; es zerreißt die zartesten Bande, verwüstet ganze Familien und zehrt am Lebensmark der Liebe und Achtung; es macht eitlen bösen Menschen zum Ankläger und zugleich zum Zeugen, Richter und Henker des Unschuldigen. Bischof Jeremy Taylor † 1667.

Der Skorpion schadet niemand, als wen er mit seinem Stachel berührt; Krokodil und Basilisk verschlingen niemand, außer wen ihr scharfer Blick oder der Hauch ihres Atems erreicht; die Otter verwundet niemand, außer wen sie beißt; die giftigen Kräuter und Wurzeln töten niemand, außer wer sie anfasst oder daran riecht oder sie isst und so mit ihnen in Berührung kommt; -- aber das Gift verleumderischer Zungen ist weit stärker, weit tödlicher. Denn dieses beschädigt und verschlingt und verwundet und tötet nicht nur in der Nähe, sondern in der Ferne; nicht nur daheim, sondern draußen; nicht nur im eigenen Volk und Land, sondern auch in fremden Gegenden, und schont weder Tote noch Lebendige. Richard Turnbull 1606.

Die Heiligen Gottes dürfen nicht leichthin allen Erzählungen und Gerüchten über ihre Brüder ihr Ohr leihen, geschweige denn ihnen Glauben schenken . Die Liebe fordert es, dass wir bösen Gerüchten entgegentreten und sie untersuchen, ehe wir sie glauben. Beispiele von solchen, die üble Nachreden ohne Prüfung geglaubt haben, sind Saul (gegenüber David, vergl. 1. Samuel 24,10), aber auch David selbst (gegenüber Mephiboseth, 2. Samuel 16,3, vergl. 19,27 f.). Richard Turnbull 1606.

Was gebe ich darum, dass jemand in eine Predigt nach der andern läuft, wenn er klatscht und betrügt, sobald er heimkommt? John Seldon † 1654.
Zuletzt geändert von Jörg am 08.12.2018 13:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Jörg » 04.12.2018 18:28

Erläuterungen und Kernworte

V. 4. Wer die (von Gott) Verworfenen verachtet, ehret aber die Gottesfürchtigen. Als der gottlose König Joram von Israel in Begleitung des rechtschaffenen Königs Josaphat von Juda zu dem Propheten Elisa kam, um den Herrn durch ihn zu fragen und Wasser zu erbitten, zeigte der Prophet seine Verachtung gegen den einen und seine Ehrerbietung gegen den andern, indem er sagte: So wahr der Herr Zebaoth lebt, vor dem ich stehe, wenn ich nicht Josaphat, den König Judas, ansähe, ich wollte dich nicht ansehen noch achten (2.Kön. 3,14). Auch das ist ein Ehren der Gottlosen, wenn man gegen ihre bösen Taten ein Auge zudrückt und sie so in ihrem Unrecht bestärkt, oder wenn man vor ihnen kriecht, ihnen schmeichelt und sie rühmt, wo sie Tadel verdienen. Dies alles ist eine schwere Sünde, wider die der Prophet Jesaja (5,20) den Fluch verkündet: Weh denen, die Böses gut und Gutes böse heißen, die ans Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen! Richard Turnbull 1606.

Bei Albrecht Bengel († 1752) war einst ein eben nicht gar frommer Dekan auf Besuch, als ein christlicher Bruder von geringem Stande ins Zimmer trat. Bengel ging dem Manne freundlich entgegen, grüßte und küsste ihn und wandte sich hierauf an den Dekan mit den Worten: ".....sondern ehret die Gottesfürchtigen" die Ergänzung des Vordersatzes (Wer die Gottlosen nichts achtet) ihm überlassend. J. Chr. F. Burk † 1880.

Wer mit kränkendem Wort hinterrücks den Nächsten verlästert,
Weile, wo ihm es beliebt; doch diesem Tisch bleibe er fern.
Über Augustins Tisch geschrieben, nach Posidonius.

Als John Foxe († 1587) gefragt wurde, ob er sich eines gewissen armen Dieners am Wort erinnere, dem er in einer Notlage geholfen habe, antwortete er: Ja, ich erinnere mich sein gar wohl. Ich will’s euch sagen: Ich vergesse Grafen und Gräfinnen über solchen. John Trapp † 1669.

Auch wenn gottesfürchtige Leute uns in der einen oder andern Weise kränken oder uns unrecht tun, sollen wir sie dennoch ehren und nicht geringschätzig behandeln. Ein leuchtendes Vorbild gab darin Calvin. Luther und die Reformierten waren sehr verschiedener Ansicht über die Art und Weise, wie Christus im heiligen Abendmahl gegenwärtig sei, und Luther, der leicht aufbrauste, schrieb in heftiger Weise gegen die, welche es in diesem Stück anders hielten als er. Dies veranlasse einige, die enger in die Sache verwickelt waren, eine Antwort an Luther vorzubereiten. Als Calvin es vernahm, fürchtete er, sie würden, durch Luthers Schärfe gereizt, diesem Gleiches mit Gleichem vergelten, und schrieb darum an Bullinger, den Nachfolger Zwinglis: "O Bullinger, ich beschwöre Euch, daran zu denken, was für ein großer Mann Luther ist und welche außerordentlichen Gaben ihn auszeichnen. Bedenket, mit welcher Seelenstärke, mit welch unerschütterlicher Beharrlichkeit, mit welcher Kraft er bis auf diesen Tag durch seine Lehre so glücklich gekämpft hat, um das Reich des Antichrists zu stürzen, und zugleich bemüht gewesen ist, die Lehre des Heils zu verbreiten. Ich habe es schon oft gesagt, und wiederhole es wieder, dass, wenn er mich auch einen Teufel schelten sollte, ich ihn doch immer ehrfurchtsvoll als einen großen Diener Gottes anerkennen würde." Christopher Cartwright † 1658.

Wer ihm selbst zum Schaden schwöret und hält’s:

Sein Wort ist Brief und Siegel, ein Götterspruch sein Eid,
Aufrichtig seine Treu, sein Sinnen unbefleckt.
Aus lautern Herzens Quell entströmen seine Tränen.
Dem Trug ist fern sein Sinn, wie von der Erd’ der Himmel.

Nach William Shakespeare † 1616.



V. 5. Die puritanischen Gottesgelehrten eifern fast ohne Ausnahme dagegen, dass man irgendwie auf verliehenes Geld Zinsen nehme, und ergehen sich lang und breit darüber, dass eins vom Hundert im Jahr zu nehmen schon genüge, den, der darin beharre, vom Himmel auszuschließen. Es scheint mir keinen Nutzen zu haben, diese Ansichten weiter anzuführen, die ich nicht teilen kann, umso mehr, als es den Raum für Besseres wegnehmen würde. Übermäßige, die Armen auf reisende Zinsen zu fordern, ist verabscheuungswürdiges Unrecht: dagegen verstößt es nicht gegen das Gebot der Liebe, in einem vom Handel lebenden Volke, wie dem unsern, die gewöhnlichen, allgemein üblichen Zinsen zu nehmen. Die Juden trieben (wenigstens bis auf Salomos Zeit) keinen Handel, sondern lebten vom Ackerbau auf dem väterlichen Erbe. Es konnte also nur durch besondere Not jemand dazu geführt werden, ein Darlehen aufzunehmen. In solchen Fällen würde auch der geringste Zinsfuß schon wucherisch gewesen sein. Darum verbietet das Gesetz es dem Israeliten aufs strengste, von seinen Volksgenossen Zinsen zu nehmen. (2. Mose 22,24; 3. Mose 25,35-38; 5. Mose 23,20; vergl. Spr. 28,8; Hes. 18,8.) Diese Gesetzesvorschriften setzen alle den Fall des Geldleihens aus Verarmung voraus. Dagegen den Fremden, die sich meist nur als Handelsleute im Lande aufhielten, durften die Israeliten Geld um Zinsen leihen (5. Mose 23,21), weil in der Handelswelt das Geld ein Mittel des Gewinnes ist und so der Darleiher ein Recht hat an einen Teil dessen, was damit gewonnen wird. Ein Darlehen an jemand, der nicht Handelsmann ist, zu dem Zweck, ihm das Überstehen einer Zeit des Mangels zu ermöglichen, ist eine ganz andere Sache. C. H. Spurgeon 1869.

Bezeichnend ist, dass das hebräische Wort für Wucher oder Zins von einem Wurzelwort beißen kommt: Es sind solche Zinsen, durch die der Arme gequält und ausgesogen wird. Ähnlich ist es im Aramäischen und Arabischen. Auch der römische Dichter Lukanus († 65) nennt den Wucher gefräßig. In Neh. 5 finden wir ein bemerkenswertes Beispiel, was für traurige Wirkungen die hartherzige Ausbeutung der Rechte des Gläubigers gegenüber dem Schuldner hat. Die Juden hatten zum großen Teil nicht nur ihre Äcker, Weinberge und Häuser verpfändet, sondern sogar ihre Söhne und Töchter in Knechtschaft verkaufen müssen, um die Forderungen ihrer unbarmherzigen Gläubiger zu befriedigen. Und diese waren ihre Volksgenossen, ihre Brüder! In dieser Notlage nahm sich Nehemia aufs kräftigste der Sache der Armen an und drang in die Reichen, wider die er eine große Gemeine zusammenbrachte, die ganzen durch die Not der Zeit entstandenen Schulden zu erlassen. Ja er forderte ihnen einen feierlichen Eid ab, dass sie auch in späterer Zeit ihre armen Brüder nie wegen jener Schulden bedrücken würden. George Bush 1856.

Diese Sünde ist so niederträchtig, dass schon das Wort Wucher überall verabscheut wird. Aber schlaue Menschen haben für dieselbe Sache andere Namen erfunden, die nicht einen so schlechten Klang haben und unter denen sie das Laster verbergen können. Auf diese listige Weise plündern viele ihre Mitmenschen noch grausamer aus, als wenn sie offen und ohne Rückhalt ihr Geld auf Wucher leihen würden. Gott aber kann man mit Sophistereien (Worttäuschereien) und falschen Vorwänden nicht hinters Licht führen. Er sieht die Dinge, wie sie sind. Lasst uns denn eingedenk sein, dass jeder Handel, möge er einen Namen haben wie immer, bei dem der eine Teil darauf ausgeht, zum Schaden des andern Teiles Gewinn zu machen, durch dieses und andere Worte Gottes verurteilt wird. Niemand bilde sich ein, dass irgendetwas erlaubt sein könne, was einen andern schädigt. Wäre die Regel der Gerechtigkeit, welche Christus Mt. 7,12 vorschreibt: "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch" uns ins Herz gegraben, so brauchte es nicht langer Erörterungen über das, was Wucher und dergleichen, oder überhaupt, was recht und unrecht sei. Johann Calvin † 1564.
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps15

Beitragvon Jörg » 08.12.2018 13:04

Erläuterungen und Kernworte

Wie der Holzwurm sich sehr weich anfühlt, aber ein so scharfes Gebiss hat, dass er sich an das harte Holz wagt und es zermalmt und verzehrt, so lässt sich auch der Wucherer , dieses Untier in Menschengestalt, zuerst gar sanft an; aber nach und nach wird er dich mit seinen scharfen Zähnen verschlingen, Fleisch und Knochen und alles, wenn du nicht auf deiner Hut bist. Er schützt vor, dass er dir helfen wolle; aber er will dir nur von dem helfen, was du noch hast. Denn wie der Efeu die Eiche gleich eitlem zärtlichen Liebhaber umarmt, dabei aber emporwächst, bis er die Eiche überholt hat, und ihr Saft und Kraft aussaugt, dass sie nicht mehr wachsen noch gedeihen kann, so umschlingt auch der Wucherer den Schuldner, um sich an ihm zu bereichern und ihn völlig auszusaugen, dass er später nie wieder aufkommen und gedeihen kann. Der Wucherer spielt mit dem Schuldner, wie die Katze mit der Maus. Der Wucherer ist dem Entlehner zu Gefallen; aber seine Gefälligkeit bringt diesen um, und daran hat er seine Herzensfreude. Der listige Fuchs schleicht sachte, er kriecht auf dem Boden und macht viele Umwege, bis er die Beute hat; dann verzehrt er sie. Der Wucherer macht viele artige Redensarten, gibt schöne Besprechungen und heuchelt große Freundlichkeit, bis du in seinen Händen bist; dann drückt und foltert und verschlingt er dich. Der Wucherer lauert auf die Armen, er bereichert sich an der Not seiner Mitmenschen, er kleidet sich mit dem Kleid der Nackten, mästet sich an dem Brot der Hungrigen und verschlingt seinen dürftigen Bruder, wie die großen Tiere die kleinen. Darum gibt es, wie der Kirchenvater Ambrosius († 397) sagt, keine größere Unmenschlichkeit und Grausamkeit, keine größere Niederträchtigkeit und Ungerechtigkeit als den Wucher, wie auch Chrysostomus († 407) und Basilius der Große († 379) in den schärfsten Ausdrücken wider diese Sünde zeugen. Richard Turnbull 1606.

Er, der gesagt hat: Es soll kein Bettler (d. h. kein Bettelarmer) unter dir sein (5. Mose 15,4), hat auch gesagt: Es soll kein Wucherer unter dir sein. Gibt es Wucherer in Israel, so gibt es auch Bettler; denn Wucherer machen Bettler, gerade wie die Advokaten Prozessierer. -- Wohl dem, der auf dem Sterbebett zu seinen Kindern redlich sagen kann: Ich hinterlasse euch mein Eigentum. Der Wucherer müsste sagen: Ich hinterlasse euch fremdes Gut. Darum kann der Wucherer nicht im Frieden sterben; denn wenn er stirbt, ohne sein Unrecht eingesehen und nach Kräften wieder gutgemacht zu haben, stirbt er in seinen Sünden. Henry Smith † 1591.

Solch "beißende" Wucherer waren in der Kirche der ersten Zeiten so verabscheut, dass man nicht nur jeden, der Wucher trieb, in den Bann tat, sondern auch die Schreiber, welche die Schuldscheine aussetzten, und solche, die als Zeugen in derartigen Rechtshändeln auftraten, aller Wohltaten der Kirche verlustig erklärte. Alle von solchen Leuten geschriebenen Vermächtnisurkunden sollten ungültig sein. Das Haus des Wucherers nannte matt domus Satanae, ein Teufelshaus. Man verordnete, dass niemand mit einem Wucherer essen und trinken, noch Feuer bei ihm holen dürfe. Starben sie, so war ihnen ein christliches Begräbnis versagt. John Weemse 1636.

Und nimmt nicht Geschenke wider den Unschuldigen. Fürwahr, dies ist scala inferni , der gerade Weg zur Hölle: habsüchtig sein, Geschenke nehmen und das Recht verkehren. Wenn ein Richter mich um den Weg zur Hölle fragte, so würde ich ihm diesen wiesen: Er möge erstens ein habsüchtiger Mensch sein, er lasse sein Herz durch die Geldgier vergiften. Dann gehe er einen Schritt weiter und nehme Bestechung an. Endlich fälle er ungerechte Urteile. Seht, da habt ihr Mutter und Tochter und Tochterstochter. Habsucht ist die Mutter; sie erzeugt die Bestechlichkeit, und diese die Rechtsverdrehung. Es bleibt noch eins übrig, das vierblättrige Kleeblatt voll zu machen. Das sollte, so wahr mir Gott helfe, wenn ich Richter wäre, ein hangum tuum 2, eine Tyburne - Halskrause (d. h. ein Henkerstrick) sein. Hugh Latimer, Bischof und Märtyrer, † 1555.

Ich komme nun zu den schlechten Juristen und Rechtsanwälten, die so oft Geschenke nehmen wider den Unschuldigen , indem sie die Verteidigung solcher Rechtsfälle übernehmen, von deren Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit sie in ihrem eigenen Gewissen überzeugt sind. Diese Sünde ist unter den Verteidigern so weit verbreitet, dass nur wenige sich ein Gewissen daraus zu machen scheinen. Es ist ihnen alles Fisch, was in ihr Netz kommt. Darum tut es Not, dass man die Advokaten mahne, solche Worte der Schrift zu beherzigen. D. George Downame 1604.

Wer das tut. Es steht nicht da: wer dies und das bekennt oder für wahr hält; oder wer diese und jene religiöse Meinung oder Art des Gottesdienstes hat; oder wer viele Predigten hört oder viel von frommen Dingen redet; nicht einmal, wer viel predigt und betet, oder wer viel an die vorher genannten Dinge denkt und es wohl meint; sondern: wer das tut, wer tatsächlich im Leben diese Tugenden (V. 2) ausübt und diese Laster (V. 3-5) meidet, -- der ist ein wirklich frommer Mann und wird wohl bleiben. Es ist, sage ich, nicht der äußerliche Bekenner, oder der Eiferer für das sola fide (allein durch den Glauben), oder der begeisterte Anhänger von dieser oder jener Meinung, oder der in den Lüften schwebende Vollkommenheits - Schwärmer, nicht der regelmäßige Hörer oder mächtige Redner oder eifrige Lehrer oder "begabte Bruder" oder einer, der "das Beste will", der hier durchkommt; sondern einzig der redliche und aufrichtige Täter des Willens Gottes wird die Feuerprobe bestehen, wenn alle die andern schimmernden Vorwände von den alles durchdringenden Flammen gleich Heu und Stoppeln werden verbrannt und verzehrt werden. Christi Uniform zu tragen und ihm nicht zu dienen, ist nichts anderes, als ihn gleich Judas mit einem Kuss zu verraten, gleich den rohen Kriegsknechten die Knie vor ihm zu beugen und unterdessen sein heiliges Haupt mit dem Zepter von Rohr zu schlagen, oder gleich Pilatus ihn mit Dornen zu krönen, ihn zu kreuzigen und über das Kreuz zu schreiben: Der König der Juden, -- kurz gesagt, ihn mit unsern Ehrenbezeugungen zu kränken und mit unsern Huldigungen zu verwunden. Ein christliches Bekenntnis ohne einen entsprechenden Wandel ist so weit davon entfernt, jemand selig zu machen, dass es vielmehr seine Verdammnis steigern wird an jenem Tage der Enthüllung alles Verborgenen, wo verstellte Freundschaft als die allerschlimmste Feindschaft wird angesehen werden. Eine bloß äußerliche Frömmigkeit ist im besten Falle ein Prometheus-Opfer von Knochen, ein frommer Betrug. Ein harmloses Gemüt, das "niemand was zuleide tut", ein bloßes Wohlmeinen genügt nicht, eines Menschen geistlichen Zustand zu bewähren, seine Verpflichtungen als erfüllt und seine Erwartungen als berechtigt darzutun. Denn er, der uns mahnt, das Arge zu hassen (Röm. 12,9), fügt alsbald hinzu, dass es gelte, dem Guten anzuhangen. Die Unterlassung großer Sünden wird die Unterlassung großer Pflichten nicht entschuldigen. In dem geschäftigen Reich der Bienen wird die stachellose Drohne, wiewohl sie keine Waffe hat, mit der sie Unheil stiften könnte, doch mit Fug und Recht aus dem Stock entfernt, weil sie nebst dem Stachel auch des Werkzeugs zum Schaffen und Wirken entbehrt. D. Adam Littleton † 1694.

In unsern Tagen vermögen viele herrlich zu reden von Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit und Wahrheit, bei denen trotzdem weder aufrichtiges Handeln, noch rechtschaffene Gerechtigkeit, noch unbestechliche Wahrhaftigkeit zu finden ist. Viele können sagen, dass Verleumdung eine Sünde, seinem Nächsten Arges zu tun ein Unrecht, Afterreden anzunehmen eine Lieblosigkeit sei, dass es dem Christen nicht zieme, den Gottlosen zu schmeicheln, dass Versprechungen zu brechen oder einen Eidschwur zu verletzen unverantwortlich sei, dass Geld aus Wucher zu leihen seinen Mitmenschen berauben heiße und Bestechung wider den Unschuldigen anzunehmen unmenschliche Grausamkeit sei; -- aber sie selber verleumden und schädigen ihre Nachbarn, sie glauben jedes Gerücht, das ihnen hinterbracht wird, sie schmeicheln und schwänzeln den Gottlosen, wo es ihnen Vorteil bringt, sie schwören leichtfertige und falsche Eide um Gewinnes willen, sie bedrücken durch Wucher und lassen sich bestechen wider den Unschuldigen; mit einem Wort gesagt, sie reden vom Guten, aber sie tun es nicht. Ja, wenn es sich ums Reden oder Predigen handelte, dann würde, nebst vielen andern gottlosen Leuten, die von der Tugend predigen können, auch Bileam einen sichern Platz in Gottes Hütte haben; denn er konnte sagen: Wenn mir Balak sein Hans voll Silbers und Goldes gäbe, so könnte ich doch nicht übertreten das Wort des Herrn, meines Gottes, Kleines oder Großes zu tun (4. Mose 22,18). Dennoch nahm er Geschenk an, dennoch ließ er sich von der Habsucht verführen, mit wahrhaft satanischer List den Versuch zu machen, Israel, das Volk des Herrn, ins Verderben zu stürzen (Vergl. 4. Mose 25 mit 31,16.) Richard Turnbull 1606

Homiletische Winke

V. 1.
Die Eigenschaften, welche für solche erforderlich sind, die Glieder der Gemeinde Gottes auf Erden und im Himmel sein wollen. Eine Frage zur Selbstprüfung.
Das heilige Zelt ein Bild der Gemeinde Gottes 1) Hier wie dort Gottes Gegenwart, Opfer, Heils- und Gnaden- Mittel (Äußerlich unscheinbar, drinnen Herrlichkeit.) 2) Hier wie dort ein Fortschreiten von dem Wandelbaren zum Beständigen: Wandern - Wohnen. 3) Hier wie dort die gleichen Bedingungen des Zutritts: V. 1-5. Man kann dazu auch die Gesetzesbestimmungen über die Priester heranziehen.
Die große Frage -- aufgestellt von müßiger Neugierde, von der Verzweiflung, von heiliger Furcht, von ernstlich suchenden Seelen, von solchen, die durch den Fall anderer beunruhigt sind, und von heiliger Glaubenszuversicht Man gebe jedem die ihm gebührende Antwort.
Schilderung des wahren Zionsbürgers.
Inwieweit ist das Begehren, zu wissen, wer die wahren Heiligen seien, erlaubt und nützlich?
Gott der einzige unfehlbare Beurteiler darüber, wer zu den Seinen gehöre.
V. 2.
Wer ist ein ganzer Christ? 1) Wem es ganzer Ernst ist, auf dem schmalen Weg nach Gottes Wort zu wandeln, nicht der Welt zu folgen 2) Wer nach dem Ziele von ganzer Seele trachtet: Ihr sollt vollkommen sein (Mt. 5,48) Ein ganzes Leben, nicht zwischen Gott und Welt geteilt, Gegenstand des täglichen Ringens und Flehens 3) Ganz aus Gottes, nicht aus eigner Kraft rechtschaffen = geschaffen in Christo Jesu zu guten Werken (Eph. 2,8-10). Eine neue Kreatur (2.Kor. 5,17); sonst bleibt es Stückwerk und Flickwerk.
Redet die Wahrheit in seinem Herzen (Grundt.) Thema: Herzensfalschheit und Herzenswahrheit.
Des Zionsbürgers Wandel, Werk und Wort.
V. 1-2.
Der Gast- und Hausgenosse Gottes 1) Sein makelloser Wandel; 2) sein nach Gottes Willen gerichtetes Handeln; 3) seine wahrheitsliebende Denkungsart. Nach Prof. Franz Delitzsch † 1890.
V. 3.
Das Übel der Verleumdung. Es schadet allen dreien, dem Verleumder, dem unter der Schmach seufzenden Nächsten und dem, der die Schmähung aufgreift und weiterträgt.
Die Unnatürlichkeit der Sünde, dem durch die Bande des Blutes oder der Freundschaft und Gemeinschaft Verbundenen Böses zu tun.
V. 4.
Die Pflicht, solche, die den Herrn fürchten, durch die Tat -- durch Ehrerbietung, herzliche Empfehlung an Mitchristen, Hilfeleistung, Nacheiferung usw. -- zu ehren.
Es ist eine Sünde, die Menschen nach andern Dingen als den in ihrem Leben hervortretenden Merkmalen ihres Charakters zu schätzen.
V. 4c.
Die Heiligkeit der Versprechungen.
V. 5.
Die Kennzeichen und die Vorrechte gottseliger Menschen.
V. 5c.
Die Gottesfürchtigen die einzigen, die ewiglich nicht wanken (Grundt.). Vergl. Joh. 2,17.


Fußnoten
1. Diese Bilder, die sich an die engl. Übersetzung aufrichtig (aufrecht) anschließen, würden passen, wenn nicht , sondern stünde. Vergl. z. B. Pred. 7,29 (30). Das hier gebrauchte schließt zwar Aufrichtigkeit, Redlichkeit ein, geht aber nicht von dem Begriff des Geraden, sondern des Ganzen, Völligen aus. Es wird dann auch von den Opfertieren gesagt, die ohne Fehl sein mussten, daher Luthers Übers. ohne Wandel (d. h. ohne Fehler und Gebrechen, revid. Übers. ohne Tadel) richtig ist. Immerhin mag beachtet werden, dass das hier nachdrucksvoll an die Spitze gestellte nicht etwas Negatives, sondern Positives aussagt. Wer sich ganz und völlig Gott hingibt (vergl. z. B. 1. Mose 17,1) und daher auch gegenüber den Menschen mit ganzer Entschlossenheit und Treue das Gute tut, der wandelt .

2. Scherzhafte Latinisierung von hängen. -- Tyburne ein alter Richtplatz in London.
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps16

Beitragvon Jörg » 11.12.2018 16:49

Kommentar & Auslegung zu PSALM 16

Überschrift

Das Wort mikhtam kommt hier zum ersten Mal vor. In den Psalmen 56-60 werden wir ihm wieder begegnen, und wir werden finden, dass diese fünf Psalmen ebenso wie der vorliegende, wiewohl sie mit Gebet und Flehen beginnen und von Leiden Kunde geben, doch von seligem Gottvertrauen überströmen und in frohlockenden Tönen der Glaubenszuversicht, ja der höchsten Gewissheit und Freude im Herrn ausklingen. Mag die Ableitung und Bedeutung des Wortes mikhtam auch sehr zweifelhaft sein, so trifft die Übersetzung Luthers (der es von Gold ketem ableitet): "Ein gülden Kleinod Davids" jedenfalls sachlich zu; denn das Lied ist ein Kleinod und sein Gehalt vom feinsten Golde. Auch neuere Ausleger vermuten die Bedeutung Kleinod, während andere 1 das Wort von einer Wurzel herleiten, die Verbergen bedeutet, wonach es also ein Mysterium oder Geheimnis bezeichnen würde, nämlich den unerschöpflichen Lehrgehalt dieser heiligen Dichtungen und die Tiefe ihrer geistlichen Bedeutung. Diese Deutung stimmt recht wohl mit der andern überein, und fassen wir beide zusammen, so ergibt sich ein Name, der sich dem Gedächtnis des Lesers einprägen und zugleich den herrschen Inhalt des Liedes gut andeuten wird: Der Psalm von dem köstlichen Geheimnis.

Gegenstand. Wir sind nicht auf menschliche Ausleger angewiesen, um den Schlüssel zu diesem goldenen Geheimnis zu finden; denn Petrus sagt, kraft der Erleuchtung des Pfingstgeistes, David rede in diesem Psalm ei)j au)to/n, d. h. mit Beziehung auf Ihn (Apg. 2, 25). Man erwäge sorgfältig die Ausführung dieses Gedankens im Folgenden (V. 25-31). Auch ist Petrus darin nicht unser einziger Führer; denn auch der Apostel Paulus führt, durch dieselbe Eingebung des Geistes geleitet, eine Stelle aus diesem Psalm an und bezeugt, Gott habe darin durch David auf den Mann gewiesen, durch den nun die Vergebung der Sünden verkündigt werde. (Apg. 13, 35 ff.) Es ist der gewöhnliche Gedankengang der Ausleger gewesen, den Psalm auf David, auf die Heiligen und auf den Herrn Jesus anzuwenden. 2 Aber wir wollen es getrost wagen, zu glauben, dass in demselben Christus alles ist, weil wir in den Versen 9.10, wie die Jünger auf dem Berge, niemand sehen denn Jesum allein.

Einteilung. Das Ganze hängt so in sich zusammen, dass es schwer ist, scharfe Linien der Einteilung zu ziehen. Es mag genügen, auf unseres Herrn Glaubensgebet V. 1, sein Bekenntnis des Glaubens an Jahwe allein V. 2-5, den gegenwärtigen Frieden seines Glaubens V. 6.7 und dessen frohe Zuversicht für die Zukunft V. 8-11 hinzuweisen.


Auslegung

1.Bewahre mich, Gott; denn ich traue auf dich.

Bewahre mich. Wie Leibwachen ihren Monarchen umgeben oder wie ein Hirt seine Herde beschützt, so sei du, Allvermögender, mein Hüter. Da Jesus als Mensch versucht wurde allenthalben gleichwie wir, bedurfte er der Bewahrung vor der Gewalt des Bösen; und wiewohl er von Natur vollkommen sündlos war, setzte er sein Vertrauen doch nicht auf seine natürliche Unschuld und die Reinheit seiner Gesinnung, sondern schaute, seinen Nachfolgern zum Vorbild, zu dem Herrn, seinem Gott, auf und erwartete seine Bewahrung von ihm. Einer der schönsten Namen Gottes ist "der Menschenhüter" (Hiob 7, 20), und als solcher hat sich der Vater gegen unsern Mittler und Bürgen bewährt. Es war dem Herrn Jesus ausdrücklich verheißen, dass er behütet werden sollte. Jesaja 49, 7. 8; "So spricht der Herr, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu der verachteten Seele, zu dem, des das Volk einen Greuel hat, zu dem Knechte von Tyrannen: Ich behüte dich und mache dich zum Bund des Volks." Diese Verheißung hat sich an unserem Herrn buchstäblich erfüllt, sowohl durch errettende Fürsorge, als durch erhaltende Gotteskraft. Da er selbst behütet worden ist, hat er auch Macht, die Seinen zu behüten, denn wir, die Berufenen, werden bewahret in Jesus Christus (Judas V. 1). Als solche, die mit ihm eins sind, werden die Auserwählten auch zugleich mit ihm bewahrt, und wir dürfen daher dies Flehen als die Fürbitte des großen Hohenpriesters für alle, die in ihm sind, ansehen. Das hohepriesterliche Gebet Jesu: "Heiliger Vater, erhalte sie in deinem Namen, die du mir gegeben hast, dass sie eins seien, gleichwie wir" (Joh. 17, 11), ist nur eine weitere Ausführung davon. Wenn er sagt: Bewahre mich , so denkt er auch an seine Glieder, seinen mystischen Leib, an sich selbst und alle, die in ihm sind. Doch während wir über die Tatsache frohlocken, dass der Herr Jesus so für seine Glieder gebetet hat, dürfen wir nicht vergessen, dass er mit diesen Worten zunächst für sich selber zum Vater flehte. Er hatte sich so völlig entäußert und so in Wahrheit Knechtsgestalt angenommen, dass er als Mensch des göttlichen Schutzes ebenso bedurfte, wie wir, und oft zu dem Starken um Stärke rufen musste. Häufig gab er auf einsamen Bergeshöhen diesem Verlangen Ausdruck und bei einer Gelegenheit betete er mit ganz ähnlichen Worten öffentlich: Vater, hilf mir aus dieser Stunde! (Joh. 12, 27.) Wenn Jesus den Schutz außer sich suchte, wie sehr ist das für uns, seine schwachen Nachfolger, nötig!
Gott. Hier steht der Gottesname El, mit dem der Herr Jesus, wenn er unter dem Druck großer Schwachheit stand, wie z. B. am Kreuz, den allmächtigen Gott und Helfer der Seinen anzurufen pflegte. Auch wir dürfen uns in allen Stunden der Gefahr an El den Allvermögenden, wenden, mit der Zuversicht, dass er, der einst das starke Geschrei und die Tränen (Hebr. 5, 7) unseres treuen Hohenpriesters erhörte, die Macht und den Willen habe, uns in ihm zu segnen. Wir tun wohl daran, über die Namen und das Wesen Gottes nachzusinnen, damit wir in unsern Bedrängnissen wissen, wie und mit welchen Namen wir unsern himmlischen Helfer anrufen sollen.
Denn auf dich traue ich, oder bei dir berge ich mich, suche ich Zuflucht , wie die Küken sich unter die Glucke fluchten. Du bist mein starker Schutz und Schirm, und unter deiner Allmacht finde ich volle Sicherheit. Das ist ein starker Appell an das Herz Gottes und Jesus wusste nicht nur selber vor Gott davon Gebrauch zu machen, sondern es auch zu würdigen, wenn andere diesen Beweggrund wiederum vor ihm geltend machten. "Dir geschehe nach deinem Glauben", das ist ein wichtiges Gesetz des Himmels bei der Austeilung von Gnaden, und wenn wir aufrichtig sagen dürfen, dass wir für die Gnade, die wir begehren, Glauben haben an den allmächtigen Gott, so können wir der Erhörung unseres Flehens gewiss sein. Der Glaube kehrt, wie Sauls Schwert (2. Samuel 1, 22), nie leer zurück. Diese Waffe hat Macht über den Himmel, wenn die Hand des Gebets sie führt. Wie der Heiland betete, so wollen wir beten, und wie er größere Siege erfocht, als irgendein irdischer Eroberer, so wird es auch uns durch ihn gelingen. Wenn wir von Stürmen hin und her geworfen werden, lasst uns, wie er es tat, wacker zu dem Herrn rufen: Auf dich traue ich.

Fußnoten
1. Es sei noch erwähnt, dass manche Neuere auf die Übersetzung der LXX zurückgreifen und darnach das Wort entweder als Inschriftgedicht fassen oder als Stichwortgedicht worin denkwürdige Worte 16,2; 58,12; 60,8 vorgeführt oder refrainartig wiederholt werden, Ps. 56; 57; 59). Wieder andere übersetzen einfach Schrift gleich Lied.

2. Diese Auslegung wird sich schwerlich widerlegen lassen. Zumal der Psalm auch nicht den leisesten Wink enthält, dass David hier, wo er doch in der ersten Person spricht, mit Ausschluss seiner selbst einzig von dem kommenden Messias habe reden wollen. Und bei richtiger Erwägung des typischen Charakters der Persönlichkeit Davids steht auch die apostolische Auslegung von Vers 9.10 mit der eben genannten Auffassung keineswegs im Widerspruch.
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps16

Beitragvon Jörg » 14.12.2018 17:12

2.Ich habe gesagt zu dem Herrn: Du bist ja der Herr,
ich weiß von keinem Gute außer dir.
3.An den Heiligen, so auf Erden sind,
und den Herrlichen, an denen hab ich an mein Gefallen.
4.Aber jene, die einem andern nacheilen, werden groß
Herzeleid haben.
Ich will ihres Trankopfers mit Blut nicht opfern,
noch ihren Namen in meinem Munde führen.
5.Der Herr aber ist mein Gut und mein Teil;
Du erhältst mein Erbteil.

2-3. Ich habe gesagt 3 (oder: Ich sage) zu dem Herrn (Jahwe): Du bist mein Herr. 4 Von tiefstem Herzensgrund gab sich der Herr Jesus dem Dienste seines himmlischen Vaters hin, und vor Jahwes Thron gelobte seine Seele Gott die Treue zu unserem Bestell. Wir werden ihm ähnlich, wenn auch wir aufrichtig und fest in der Gegenwart des Herzenskündigers unsere volle Zustimmung zu dem Willen und dem Walten des Ewigen geben und zu Jahwe sagen: Du und kein anderer bist mein Herr . Dies mit den Lippen zu bekennen, ist wenig; aber wenn unser Herz es sagt, zumal auch in Zeiten der Anfechtung, so ist es ein Beweis geistlicher Gesundheit. Es vor Menschen zu bezeugen, ist ein kleines Ding; aber es vor Gott selbst zu beteuern, ist von weit größerer Bedeutung. Die Worte sind der Ausdruck des die göttlichen Zusagen sich aneignenden Glaubens, der sich den Herrn auf Grund seines Bundes ganz persönlich mit seliger Freude zu Eigen macht. Möge es in diesem Sinne auch unser tägliches Lied sein im Lande unserer Wallfahrt: Du bist mein Herr.
Mein Gutes reicht nicht bis zu dir, d. h. es kann dir nichts nützen und ist für dich kein Bedürfnis, es kommt nicht dir zugute, sondern den Heiligen. (Alte Übers. 5 Das Werk Jesu entsprang nicht aus irgendeinem Bedürfnis des göttlichen Wesens. Jahwe würde unaussprechlich groß und herrlich geblieben sein, wenn auch das Menschengeschlecht untergegangen wäre. Wiewohl das Lebenswerk und der Todeskampf des Sohnes tatsächlich unvergleichlichen Ruhmesglanz auf Gottes Wesen nach allen seinen Eigenschaften geworfen hat, so war doch für den allseligen Gott selbst der Gehorsam und der Tod der Sohnes in keiner Weise notwendig; nicht um seinet-, sondern um unsertwillen ist das Erlösungswerk unternommen worden. Die Heiligen, so auf Erden sind, die, wiewohl sie noch in der Welt sind, doch von der Welt ausgesondert und Gott geheiligt sind, diese genießen die Früchte des Versöhnungswerkes Jesu, und durch seine Gerechtigkeit sind sie geworden, was sie sind. Sie empfangen ihre Heiligkeit aus dem Schatze, der in ihm gesammelt ist. Sie sind es, denen das Werk des Menschensohnes zugute kommt. Dagegen hat dies Werk nichts zu der Natur, Tugend oder Glückseligkeit Gottes hinzugefügt. Wie viel zwingendere Kraft hat diese Wahrheit für uns arme, unwürdige Knechte, die nicht wert sind, neben dem treuen Sohne Gottes erwähnt zu werden! Unsere Hoffnung kann immer nur dahin gehen, dass wir etwa einigen armen Gotteskindern Dienste erweisen dürfen; denn der ewige Vater kann nie unserer Beihilfe bedürfen. Die armen Gläubigen sind unsere Gläubiger. Sie haben eine Vollmacht der Krone, den Tribut unserer Opfer in des Königs Namen zu empfangen. Den abgeschiedenen Heiligen können wir nichts Gutes tun. Nicht einmal das Gebet für sie hat irgendeinen Nutzen. Aber solange sie hier auf Erden sind, sollten wir unsere Liebe zu ihnen mit der Tat erweisen, wie es unser Meister getan hat. Denn sie sind die Herrlichen der Erde . Trotz ihren Schwachheiten denkt der Herr groß von ihnen und achtet sie für die Edeln unter den Menschen. Der Titel "Seine Herrlichkeit" kommt dem geringsten Heiligen mit größerem Recht zu, als dem gewaltigsten Herrscher. Der höchste Adel sind die Gläubigen. Sie sind die wahrhaft Hochgeborenen und Durchlauchtigen. Sterne und Orden sind armselige Auszeichnungen, verglichen mit den Gnadengaben des Geistes. Der, welcher die Heiligen Gottes am besten kennt, sagt von ihnen: An denen habe ich all mein Gefallen. Ihre eigene Meinung von sich ist eine gar andere als die ihres himmlischen Freundes. Sie achten sich für weniger als nichts; er aber schätzt sie hoch und hat seine Lust an ihnen (Jes. 62, 4). Was für Wunder sehen doch die Augen der göttlichen Liebe da, wo die Hand der allmächtigen Barmherzigkeit am Werk ist! Es war diese hellsehende Liebe, die Jesus dazu führte, in uns einen Lohn für all sein Ringen zu sehen, und die ihn unter allen Leiden aufrecht erhielt im Blick auf die Freude, dass er uns vom Verderben der Hölle loskaufen konnte.

4. Dasselbe liebende Herz, das sich gegen die Auserwählten weit auftut, ist fest verschlossen gegen diejenigen, welche in der Empörung wider Gott beharren. Jesus hasst alle Gottlosigkeit und zumal den Hochverrat der Abgötterei. Wie der Vers uns den Abscheu unseres Herrn und Meisters wider die Sünde zeigt, so aber auch des Sünders gieriges Verlangen nach derselben. Die sich als Gläubige bekennen, sind oft träge, dem treuen Herrn zu dienen; aber die Sünder eilen einem andern (Gott) nach. 6 Sie rennen wie Wahnsinnige; wir kriechen wie die Schnecken. Möchte doch ihr Eifer unsere Langsamkeit beschämen! Doch steht es mit ihnen so, dass sie, je mehr sie eilen, desto weniger vorankommen. Denn ihrer Schmerzen werden viel gerade durch ihren Eifer, ihre Sünden zu vervielfältigen. Matthew Henry , († 1714) drückt dies markig aus: "Diejenigen, welche die Götter vermehren, vermehren ihre eigenen Nöte. Denn wer einen Gott für zu wenig achtet, wird an zweien zu viel finden und doch an Hunderten nicht genug." Es ist wunderlich zu sehen, was für Mühsale, ja was für entsetzliche Schmerzen Menschen für ihre falschen Götter erdulden. Unsere Missionsberichte geben merkwürdige Belege zu dieser Stelle. Vielleicht aber ist unsere eigne Erfahrung eine gleich lebendige Erläuterung; denn wann immer wir unser Herz falschen Göttern ergeben hatten, mussten wir früher oder später erfahren, welch großes Herzeleid wir uns dadurch bereitet hatten. Nahe bei den Wurzeln unserer Eigenliebe liegen die Quellen aller unserer Nöte, und wenn dieser Götze zerbrochen ist, so hat das Leid seinen Stachel verloren. Mose nahm das goldene Kalb, zerschmolz es mit Feuer, zermalmte es zu Pulver und stäubte es aufs Wasser und gab’s den Kindern Israel zu trinken (2. Mose 32, 20). So werden auch unsere Lieblingsgötzen uns ein bitterer Trank werden, wenn wir ihnen nicht alsbald völlig entsagen. Unser Heiland hatte nichts Selbstisches. Er diente nur einem Herrn und ihm völlig. Von denen, die sich von Jahwe abwenden, war er geschieden; von ihnen litt er Schmach außen vor dem Lager. Die Sünde und der Heiland hatten keine Gemeinschaft. Er kam, die Werke des Teufels zu zerstören, nicht, sie zu beschützen oder sich mit ihnen zu verbinden. Darum wies er das Zeugnis unreiner Geister zu Gunsten seiner Gottheit von sich ab; denn in keinem Stück wollte er mit der Finsternis etwas zu tun haben. Wir sollten überaus vorsichtig sein, uns in religiösen Dingen auch nicht im entferntesten Grade mit irgendetwas Falschem einzulassen. Auch die feierlichsten römischen Zeremonien müssen wir verabscheuen. Ich will ihres Trankopfers von Blut (Grundt.) nicht opfern . Ein altes Sprichwort sagt: Es tut nicht gut, an des Teufels Tisch zu essen, mag der Löffel noch so lang sein. Es ist besser, selbst den Namen schlimmer Dinge zu vermeiden: noch will ich ihre Namen auf meine Lippen nehmen . (Grundt.) Lassen wir Gift auf die Lippen kommen, so kann es bald ins Innere dringen. Es ist ratsam, das aus dem Munde zu lassen, was wir im Herzen nicht dulden wollen. Wünscht die Kirche Gemeinschaft mit Christus zu haben, so muss sie alle Bande der Gottlosigkeit brechen und sich von allen Befleckungen fleischlicher, selbst erwählter Gottesdienstlichkeit rein halten, die jetzt den Dienst des Herrn verunreinigen.

5. Der Herr ist mein Besitz- und mein Becherteil. (Grundt.) Mit welcher Zuversicht und sprudelnden Freude wendet sich Jesus zu Jahwe, der seiner Seele Gut und Wonne ist! Er ist mehr denn zufrieden mit seinem Anteil an dem Herrn, seinem Gott, und hat darum keinerlei Verlangen, andern Göttern nachzujagen. Sein Becher ist voll und auch sein Herz. Selbst in seinem bittersten Leiden hält er sich mit beiden Händen an seinem Vater fest und ruft: Mein Gott, mein Gott! Es ist ihm nicht einmal der Gedanke gekommen, vor dem Fürsten dieser Welt niederzufallen und ihn anzubeten, wie sehr dieser ihn mit seinem "Dies alles will ich dir geben" versuchen mochte. Auch wir dürfen uns des Herrn rühmen. Er ist Speise und Trank unserer Seelen. Er ist unser köstliches Erbgut (vergl. 4. Mose 18, 20; Jer. 10, 16; 51, 19), das alle unsere Bedürfnisse stillt, und unser Becher (vergl. Ps. 23, 5 Grundt.), der königlichen Überfluss darbietet; unser Becher, d. h. unsere Wonne schon in diesem Leben, und unser ewiges Erbe in dem zukünftigen. Als Kinder des himmlischen Vaters erben wir, kraft unserer Erbgemeinschaft mit Jesus, alle Reichtümer des Bundes der Gnade. Und das Teil, das uns zufällt, bringt das Himmelsbrot und den neuen Wein des Gottesreiches auf unsern Tisch. Wer wollte nicht mit so guter Kost zufrieden sein? Die flache Schale der Leiden, die uns dargereicht wird, mögen wir wohl mit Ergebung schlürfen, nun der unergründlich tiefe Becher der Liebe dicht dabei steht, der nie leer werden wird. Du erhältst mein Erbteil, mein aus Gottes Hand mir zugefallenes Los. (Grundt.) Manche Pächter haben in ihrem Pachtvertrage die Bedingung, dass sie selbst die Gebäude im Stande erhalten und ausbessern müssen; unser Erbteil aber erhält Jahwe selbst. Unser Herr Jesus war dieser Wahrheit froh, dass der Vater auf seiner Seite stehe und sein Recht gegen alle Ungerechtigkeit der Menschen aufrechterhalten werde. Er wusste, dass die göttliche Allmacht ihm seine Auserwählten als Erbe und Lohn für immer erhalten würde. Auch wir dürfen froh sein, weil der Richter der ganzen Welt unsere gerechte Sache führen und uns unser Erbe erhalten wird.

Fußnoten

3. tI:r:ma)f ist schwerlich Anrede an die Seele (Targ.) sondern wohl verkürzte Form der Ps. 1, oder es ist .tI:r:ma)f (mit altertümlicher Scriptio defektiva, wie z. B. Ps. 140, 13) zu lesen.

4. Adonai ist hier (wie 35,23 u.) wohl in der ursprünglichen Bedeutung "mein Herr" zu nehmen.

5. Diese alte, allerdings z. B. von Stier, noch warm verteidigte Übersetzung ist jetzt völlig aufgegeben. Es entging ihren Urhebern, dass ytibfO+ hier nicht mein Wohlverhalten, sondern mein Glück bedeutet. Wir ließen sie aber stehen, weil wir sonst die Auslegung Spurgeons ganz hätten ändern müssen, was uns bei diesem Psalm nicht angebracht schien. - Wir halten die revidierte Lutherübers., "Ich weiß von keinem Gute außer dir" dem Sinne nach für richtig. Man vergl. die Erläuterungen und Kernworte S. 243.

6. Die Bedeutung des betr. Zeitwortes ist fraglich (vergl. die Erläut. und Kernworte S. 244), nicht aber der allgemeine Sinn des Satzes. Es ist jedenfalls von der Eingebung an den Götzendienst und deren Unsegen die Rede.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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