Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 08.01.2019 17:08

3. Du prüfest mein Herz , wie das Gold im Feuer erprobt wird. Wie Petrus, so beruft sich David darauf: Du weißt alle Dinge, du weißt, dass ich dich lieb habe (Joh. 21, 17). Es ist ein herrliches Ding, wenn man sich geradezu auf den Herrn berufen kann und wir den Richter selber auffordern können, zu unserer Verteidigung Zeuge zu sein. "Ihr Lieben, so uns unser Herz nicht verdammt, so haben nur eine Freudigkeit zu Gott." (1.Joh. 3, 21.) Du stehest nach ihm (oder suchst es heim) des Nachts. Es ist, als wollte er sagen: Herr, du bist ja zu allen Stunden in mein Haus getreten. Du hast mich gesehen, wenn niemand sonst in der Nähe war. Du kommst unversehens und merkst auf alle, auch auf die durch keine Rücksicht auf Menschen gezügelten Handlungen, und du weißt, ob ich der Verbrechen, die man mir zum Vorwurf macht, schuldig bin oder nicht. Wohl dem, der so des allwissenden Auges, der Nähe des Allgegenwärtigen gedenken und in diesem Gedanken seinen Trost finden kann. Wir glauben sagen zu dürfen, dass auch wir solche mitternächtlichen Heimsuchungen erlebt haben, und sie waren köstlich, so köstlich, dass die Erinnerung daran unsere Sehnsucht erweckt nach der Wiederkehr solcher Gnadenstunden. Herr, vor dir sagen wir’s: Würden wir, wenn wir wirklich Heuchler gewesen wären, solch trauten Umgang mit dir gehabt haben, oder könnten nur ein so glühendes Verlangen nach Erneuerung desselben empfinden? Du läuterst (oder schmelzest) mich und findest nicht ... (Grundt.) Sicherlich meint der Psalmist: irgendetwas Heuchlerisches oder Böses in dem Sinne, in welchem die Lästerer ihn anklagten. Denn wenn der Herr unser ganzes Wesen zur Prüfung in den Schmelztiegel werfen würde, so würden auch bei den Besten die Schlacken schrecklich anzusehen sein, und die Reue würde ihre Schleusen weit auftun müssen. Münzprüfer entdecken schlechte Legierungen schnell, und wenn der Oberste aller Prüfer zuletzt von uns sagen wird, dass er nichts gefunden, so wird das wahrlich eine glorreiche Stunde sein. "Sie sind unsträflich vor dem Stuhl Gottes" (Off. 14, 5). Sogar jetzt schon kann der alles enthüllende Blick der Allwissenheit da keinen Flecken sehen, wo der große Mittler alles mit Schönheit und Vollkommenheit bedeckt.
Ich habe mir vorgesetzt, dass mein Mund nicht soll übertreten. 1 O dieser böse Mund! Ein Vorsatz um den andern wäre nötig, ihn in Schranken zu halten. Die Zahl der Zungenübel ist größer, als die aller andern Übel zusammen, und sie sind tiefer gewurzelt. Hände und Füße kann man binden; selbst einen Tobsüchtigen mag man mit der Zwangsjacke bändigen; aber wer fesselt die Zunge? Mehr als ein Vorsatz tut Not, sie, die im Sündigen so flink ist, zu beherrschen. Löwen zu zähmen und Schlangen zu beschwören ist ein Kinderspiel gegen dieses Vornehmen, denn "die Zunge kann kein Mensch zähmen" (Jak. 3, 8). Wer unter den Lügen anderer zu leiden hat, sollte umso wachsamer sein über sich selbst. Eben das hat den Psalmisten wohl bewogen, den heiligen Vorsatz aufzuzeichnen, um ihn sich desto besser ins Herz zu prägen. Auch wollte er damit vielleicht beteuern, dass, wenn er etwa in seiner Selbstverteidigung zu viel gesagt hätte, dies nicht mit Absicht geschehen sei; denn er wünschte in jeder Hinsicht seine Lippen auf den lieblichen und schlichten Ton der Wahrheit zu stimmen. Trotz alledem wurde David verleumdet, als sollte gezeigt werden, dass auch die reinste Unschuld sich von der Bosheit mit Schmutz bewerfen lassen muss. Es gibt hienieden keinen Sonnenschein ohne Schatten, keine reife Frucht, an der nicht die Vögel picken.

4. Beim Tun der Menschen. (Wörtl.) Solange wir mitten unter den Menschen sind, wird uns ihr Tun und Treiben unter die Augen kommen, und wir werden genötigt sein, in unserm Tagebuch eine Rubrik "Menschenwerk" offen zu halten. Völlig frei zu sein von den toten Werken der fleischlich gesinnten Menschheit, das ist das demütige Verlangen der Seelen, die durch den heiligen Geist lebendig geworden sind. Bei dem Tun der Menschen habe ich durch das Wort deiner Lippen gemieden die Wege der Gewalttätigen . (Wörtl.) Er hatte sich auf der Heerstraße der Schrift gehalten und nicht die Nebenpfade der Bosheit erwählt. Wir würden bald dem Beispiel der Schlechtesten folgen, wenn Gottes Gnade nicht die heilige Schrift als das rechte Mittel gebrauchte, um uns vor dem Argen zu bewahren. Die Wege der Gewalttätigen haben uns oft in Versuchung geführt. Wir wurden gereizt, Gewalttat mit Gewalttat abzuwehren oder zu vergelten; das Verlangen wurde in uns mächtig, unsere Feinde mit ihrer Münze zu bezahlen. Aber da erinnerten wir uns an das Vorbild unseres Heilands, der auf seine Feinde nicht Feuer vom Himmel herabrufen wollte, sondern sanftmütig betete: Vater, vergib ihnen! Jenes göttliche Buch, das verstaubt auf so manchem Gesims steht, ist der einzige Führer für alle, welche die verführerischen und verwirrenden Irrgärten der Sünde meiden wollen, und es ist das beste Mittel, den jugendlichen Pilger davor zu bewahren, dass er je diese gefahrvollen Wege betritt. Wer dem Buche des Lebens nicht folgt, wird ein Spielball in der Hand der Menschen, wird von ihrem gottlosen Tun und Treiben fortgerissen. David konnte als Beweis seiner Aufrichtigkeit geltend machen, dass er mit den Gottlosen auf deren verderblichen Wegen keinerlei Gemeinschaft habe. Wie dürfen wir es wagen, unsere Sache vor Gott zu bringen, wenn wir unsere Hände nicht in Unschuld waschen können bezüglich aller Verbindung mit den Feinden des erhabenen Königs?



5.Erhalte meinen Gang auf deinen Fußsteigen,
dass meine Tritte nicht gleiten.
6.Ich rufe zu dir, dass du, Gott, wollest mich erhören;
neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede.

5. In der Anfechtung ist es nicht leicht, die rechte Haltung zu bewahren. Es ist schwer, ein Licht brennend zu erhalten, wenn viele Neider es auszublasen suchen. In schlimmen Zeiten ist das Gebet besonders notwendig; darum nehmen weise Leute dazu sogleich ihre Zuflucht. Der heidnische Philosoph Plato († 384 v. Ehr.) sagte zu einem seiner Schüler; "Wenn die Menschen von dir übel reden, so lebe derart, dass ihnen niemand glaubt." Der Rat ist gut; nur hat Plato uns nicht gesagt, wie man ihn ausführen soll. Hier dagegen haben wir eine Lehre in einem Vorbild verkörpert: Wenn wir behütet sein möchten, so müssen wir zu dem Hüter Israels rufen und um den göttlichen Beistand für unsere Sache werben. Erhalte meinen Gang 2 : halte meine Schritte fest, wie ein vorsichtiger Wagenlenker seine Pferde fest am Zügel hält, wenn es bergab geht. Wir schreiten bald schnell, bald langsam, und auch der Weg ist nie lang der gleiche; aber ist Gott bei uns, unsern Gang zu erhalten, so kann uns nichts in der Beschaffenheit des Weges oder unserer Schritte zu Fall bringen. Wer schon einmal gestrauchelt ist und sich die Knie arg verletzt hat, der sollte wohl mit zweifacher Inbrunst so beten. Und wir alle, die wir infolge von Adams Fall auf so schwachen Füßen stehen, sollten jede Stunde des Tages genauso beten. Wenn ein sündloser Vater solchen Fall getan, wie sollte ein sündiger Sohn sich brüsten dürfen? Auf deinen Fußsteigen. Wir können uns des Bösen nicht enthalten, ohne uns zum Guten zu halten. Wird der Scheffel nicht mit Weizen gefüllt, so mag er bald wieder voll Spreu sein. Wolle der Herr uns tüchtig machen, in allen Regeln und Pflichten unseres allerheiligsten Glaubens festen Schrittes zu wandeln, vermöge seiner bewahrenden Gnade! Dass meine Tritte nicht gleiten. Wie? Gleiten auf Gottes Wegen? Ja, der Weg ist freilich gut, aber unsere Füße sind schlecht; darum gleiten sie leicht, selbst auf des Königs Heerstraße. Wen wundert’s, wenn fleischlich gesinnte Menschen gleiten und fallen auf ihren selbst erwählten Wegen, die gleich dem Tal Siddim voll verderblicher Gruben sind (1. Mose 14, 10)? Straucheln kann man über ein Gebot sowohl als über eine Anfechtung. Jesus Christus selbst ist vielen ein Stein des Anstoßens (Jes. 8, 14), und die Lehre von der Gnade ist schon manchem ein Ärgernis geworden. Der Herr allein kann unsern Gang in den Fußsteigen der Wahrheit bewahren.

6. Ich nun, dem nach dem Vorhergehenden das Gewissen ein gutes Zeugnis gibt, rufe zu dir; denn die Not treibt mich. Ich habe dich angerufen (V. 1) und nahe jetzt deinem Altar aufs Neue mit derselben Bitte in größter Zuversicht; denn du wirst mich erhören (wörtl.), wie du, o Gott, es allezeit tust denen, die auf dich trauen. Die Erfahrung ist eine treffliche Lehrmeisterin. Wer in Stunden der Not die Treue Gottes erfahren hat, der kommt mit großer Freudigkeit, sein Anliegen vor Gottes Thron zu bringen. Nach dem Quell von Bethlehem, aus dem wir in vergangenen Jahren so manchen erfrischenden Trunk tun durften, verlangt es unsere Seelen immer wieder (2. Samuel 23, 15); auch wollen wir von ihm nicht den löcherigen Zisternen der Erde zuliebe lassen. Neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede. Du Hoher und Erhabener, der du auf das Niedrige siehst, beuge dich vom Himmel hernieder und lege dein Ohr an meinen Mund. Gewähre mir dein volles Gehör, wie es Menschen tun, wenn sie sich hinüberlehnen, um jedes Wort des Freundes aufzufangen. Der Psalmist kommt hier zu seiner ersten Bitte zurück und gibt uns damit das Beispiel, wie wir unsere Sache wieder und wieder treiben sollen, bis wir volle Gewissheit haben, dass unser Ziel erreicht ist.

Fußnoten
1. Der Sinn des Satzes wird verschieden aufgefasst, etwa: Denke ich Arges, nicht überschreitet es (oder. nicht soll es überschreiten meinen Mund. Luthers Übersetzung, mit der Spurgeons Auslegung übereinstimmt, ist immerhin möglich.

2. Gegen diese Fassung als Bitte spricht das Perf. im 2. Glied. Es ist zu übersetzen: Meine Schritte hielten fest an deinen Geleisen - da wankten meine Füße nicht. Demnach gehört V. 5. noch zu dem I Abschnitt des Psalms.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 12.01.2019 12:20

7.Beweise deine wunderbare Güte, du Heiland derer, die dir vertrauen,
wider die, so sich wider deine rechte Hand setzen.
8.Behüte mich wie einen Augapfel im Auge,
beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel
9.vor den Gottlosen, die mich verstören,
vor meinen Feinden, die um und um nach meiner Seele stehen.
10.Ihr Herz schließen sie zu,
mit ihrem Munde reden sie stolz.
11.Wo wir gehen, so umgeben sie uns;
ihre Augen richten sie dahin, dass sie uns zur Erde stürzen;
12.gleichwie ein Löwe, der des Raubs begehrt,
wie ein junger Löwe, der in der Höhle sitzt.

7. Beweise deine wunderbare Güte. Wunderbar ist Gottes Gnade, weil sie einzigartig, uralt und unwandelbar ist, und zumal wegen der Wunder, die sie wirkt. Der Grundtext spricht von den Gnaden Gottes in der Mehrzahl. Sie sind in der Tat sehr mannigfach; wer könnte sie zählen? Die Krone aller ist unsere Erlösung durch das teure Blut des Eingebornen. Gottes Gnade ist aber manchmal verborgen. Der Psalmist bittet: Erweise sie! Erweisungen der göttlichen Liebe sind unvergleichliche Herzstärkungen für die Ermattenden. Welch köstliche Bitte! Lasst uns sie recht im Herzen bewegen. Nach dem Grundtext gehört das "wunderbar" eigentlich zu dem Zeitwort; es steht hier das gleiche Zeitwort, das wir Ps. 4, 4 übertragen haben; "Der Herr hat sich einen Frommen wundersam ausgesondert." So hier: Erweise wunderbar deine (vielfache) Gnade, erzeige sie mir auf besondere Weise in dieser Stunde schwerer Trübsal und mache sie dadurch auch vor andern herrlich.
Überaus tröstlich ist der Name, der hier unserm gnadenreichen Gott beigelegt wird: Du Heiland derer, die dir vertrauen . Er ist der Gott des Heils. Es ist jetzt und immer seine Gewohnheit, die Gläubigen zu retten. Manche ziehen die Worte "durch deine rechte Hand" zu dem Wort "Heiland", also: Der du durch deine rechte Hand rettest, die sich bei dir bergen oder bei dir Zuflucht suchen, von (ihren) Widersachern. 3 Jahwe setzt seine beste und herrlichste Kraft ein, indem er seine rechte Hand der Weisheit und Macht dazu gebraucht, um alle die zu retten, die bei ihm Zuflucht suchen, wer immer sie sein mögen. Welch seliger Glaube, der uns den allmächtigen Schutz des Himmels sichert! Gepriesen seist du, Gott, der du dich gegen unwürdige Sterbliche so gnadenreich erweisest, wenn ihnen nur die Gnade geworden ist, auf dich zu trauen. Die rechte Hand Gottes streckt sich aus, um allen Schaden von den Heiligen fern zu halten. Gott ist um Mittel nie verlegen. Seine Hand genügt. Er wirkt ohne Mittel und Werkzeuge so gut wie mit denselben.

8. Behüte mich wie einen Augapfel im Auge (wörtl.: wie das Männchen, die Tochter des Auges -- zwei bildliche Bezeichnungen des Augensterns). Kein Teil des Leibes ist kostbarer und empfindlicher und wird sorgsamer gehütet als das Auge. Und wieder ist kein Teil des Auges so besonders des Schutzes bedürftig wie der Augenstern, die Pupille. Der Allweise hat dem Auge eine wohl beschützte Stellung gegeben; es ist von vorstehenden Knochen umringt, wie Jerusalem von Bergen. Dazu hat sein erhabener Schöpfer es mit mancherlei Hüllen innerer Bedeckung versehen, außer dem Wall der Augenbrauen, dem Vorhang der Augenlider und dem Zaun der Wimpern. Und über das alles ist jedem Menschenkind eine so große Wertschätzung für sein Auge eingegeben und eine so rasche Empfindung jeglicher Gefahr, dass für kein Glied des Leibes treuer gesorgt ist als für das Sehorgan. Eben so sorgsam, Herr, behüte du mich; denn dein Wort (5. Mose 32, 10) gibt mir zu der kühnen Bitte ein Recht. Wie viel mehr noch dürfen wir, die Glieder des mystischen Leibes Jesu, so beten! Beschirme mich unter dem Schatten deiner Flügel. Wie die Vogelmutter (es ist hier zunächst an den Adler zu denken, vergl. 5. Mose 32, 11) ihre Brut völlig vor Schaden beschirmt und sie unterdessen an ihrem warmen Herzen hegt und pflegt, indem sie sie mit ihren Flügeln deckt, so mache du es mit mir, du treuer Gott; denn ich bin dein Küken und deine Liebe übertrifft an Wärme und Zärtlichkeit alle andere.

9. Vor den Gottlosen usw. Die Feinde, von denen David errettet zu werden trachtete, waren gottlose Menschen. Es ist für uns hoffnungsvoll, wenn unsere Feinde Gottes Feinde sind. Sie waren ihm in innerster Seele Feind 4, waren seine Todfeinde , denen nichts als sein Tod genügen wollte. Die Feinde unserer Seele sind im höchsten Sinne unsere Todfeinde; denn die wider unsern Glauben Krieg führen, trachten uns nach dem Leben unsers Lebens. Auch die Todsünden sind unsere Todfeinde, und welche Sünde trüge nicht den Tod in sich? Die Feinde verstörten David: Sie gingen darauf aus (perf. conatus), Leben und Besitz ihm gewaltsam zu zerstören; noch mehr, sie suchten sein geistliches Leben zu verheeren, wie fremde Heere eine Landschaft plündern oder wilde Tiere ein Land verwüsten. Er vergleicht sich selbst mit einer belagerten Stadt (vergl. 2.Kön. 6, 14 , Grundt.) und klagt, dass seine Feinde um und um wider ihn stehen. Es mag uns wohl drängen, um so angelegentlicher unsern Trost über uns zu suchen, wenn rings um uns her alles von Todfeinden starrt. Dies ist unsere tägliche Lage, denn ringsum lauern Gefahren und Sünden. O Gott, behüte Du uns vor ihnen allen!

10. Ihr Fettherz verschließen sie. (Nach dem Grundt.) Üppigkeit und Wohlleben erzeugen eine Verfettung des Herzens in Hochmut und prahlerischem Eigendünkel, so dass es seine Tore gegen jede Regung des Mitleids und alles vernünftige Urteil verschließt. Das alte Sprichwort sagt; "Volle Bäuche machen leere Schädel", und es ist noch mehr wahr, dass sie häufig leere Herzen machen. Das üppigste Unkraut wächst auf dem fettesten Boden. Reichtum und Selbstgenügsamkeit sind der Brennstoff, mit dem manche Sünden ihre Flammen unterhalten. Hoffart und alles vollauf, das waren Sodoms Zwillingssünden (Hes. 16,49). Wenn die Falken satt sind, vergessen sie ihren Herrn und der volle Mond ist von der Sonne am weitesten entfernt. Mit ihrem Munde reden sie stolz. Wer sich selbst anbetet, wird keinen Trieb haben, den Herrn anzubeten. Eben weil der Gottlose in seinem Herzen voller Selbstgefälligkeit ist, füllt er seinen Mund mit prahlerischen und anmaßenden Worten. Glück und Eitelkeit wohnen oft beieinander. Wehe dem fetten Ochsen, wenn er gegen seinen Herrn brüllt: Das Beil ist nicht weit.

11. Wo wir gehen, so umgeben sie uns. 5 Der Grimm der Gottlosen ist nicht gegen einen Gläubigen allein gerichtet, sondern gegen die ganze Gemeinschaft. Das ganze Judenvolk war nur ein Bissen für Hamans Rachgier, und das alles wegen des einen Mardochai (Esther 3, 6). Der Fürst der Finsternis hasst alle Heiligen um ihres Meisters willen. Der Herr Jesus ist in dem uns mit enthalten und darin steht unsere Hoffnung. Er ist der Durchbrecher (Micha 2, 13) und wird für uns einen Weg bahnen durch die uns umringenden Feinde. Der Hass der Mächte des Bösen ist beständig und nachdrücklich. Sie bewachen jeden unserer Schritte, in der Hoffnung, dass der Augenblick komme, da sie sich auf uns stürzen können. Wenn unsere geistlichen Feinde uns so auf Schritt und Tritt bewachen, wie ängstlich sollten wir da alle unsere Bewegungen hüten, damit wir nicht zum Bösen verführt werden. Ihre Augen richten sie dahin, dass sie uns zur Erde stürzen. Wie würden sie frohlocken, wenn es ihnen gelänge!

12. Er gleicht (so Luther 1519) einem Löwen, der des Raubs begehrt, und einem jungen Löwen, der in der Höhle sitzt. Aus der Schar der Feinde wird jetzt (wie 7,3) einer hervorgehoben, der ihr Haupt ist. Löwen sind nicht gieriger oder listiger, als Satan und seine Helfer es sind, wo sie gegen die Kinder Gottes etwas vorhaben. Es dürstet den Feind nach dem Blut der Seelen, und er spannt alle seine Macht und List aufs Äußerste an, um seine scheußliche Begierde zu stillen. Wir sind schwach und töricht wie Schafe; aber wir haben einen Hirten, der weise und stark ist, der die Schliche des alten Löwen kennt und seiner Stärke mehr als gewachsen ist. Darum wollen wir uns nicht fürchten, sondern sicher in der Hürde ruhen. Hüten wir uns indes vor dem lauernden Feind, und gerade dann, wenn wir uns am sichersten fühlen, lasst uns Umschau halten, damit sich der Feind nicht etwa unversehens auf uns stürze.

Fußnoten
3. So die engl. Bibel, Geier, Hupfeld, Moll u.a. Diese lassen also das "von (ihren) Widersachern" noch von "retten" abhängig sein. Zu der Wortstellung bemerkt Moll: "Die Angst der Stunde versetzt mit dem Atem auch die Worte." -- Noch besser ist es aber wohl hsfxf mit Nmi und b:I zu verbinden: Du Retter derer die vor (ihren) Widersachern bei deiner Rechten Zuflucht suchen. So die meisten Neueren.

4. Nach den Akzenten gehört $peneb:I zu "Feinde": Feinde mit der Seele = Todfeinde. Man kann es aber auch zu dem Zeitwort ziehen. Sinn dann: die mich mit Gier umgeben.

5. Grundt.: Unsere Schritte -- -- (abgebrochene Redeweise, Baethgen ergänzt: beobachten sie, - nein,) schon haben sie mich umgeben. Andere fassen Wnr"W$I)a als Akk. = "auf Schritt und Tritt." Das Keri "umgeben sie uns" ist unnötige Korrektur. Der Wechsel der Zahl erklärt sich aus der Stellung Davids als Haupt seiner Getreuen.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps17

Beitragvon Jörg » 15.01.2019 16:49

13.Herr, mache dich auf, überwältige ihn und demütige ihn;
errette meine Seele von dem Gottlosen mit deinem Schwert,
14.von den Leuten mit deiner Hand, Herr,
von den Leuten dieser Welt, welche ihr Teil haben in ihrem Leben,
welchen du den Bauch füllest mit deinem Schatz,
die da Söhne die Fülle haben, und lassen ihr Übriges ihren Kindern.

13. Herr, mache dich auf. Je wütender der Angriff ist, desto inbrünstiger wird des Psalmisten Gebet. Sein Auge ist allein auf den Allmächtigen gerichtet, und er fühlt: Gott braucht sich nur zu erheben von dem Sitz, da er geduldig wartet, so wird alle Macht des Feindes alsbald gebunden sein. Mag der Löwe auf uns losspringen: Wenn Jahwe dazwischen tritt, brauchen wir keinen besseren Schutz. Wenn Gott unserm Feinde Auge in Auge in der Schlacht begegnet, so wird der Kampf bald vorüber sein. Tritt ihm entgegen, komm ihm zuvor, überliste und überwältige ihn, wirf ihn nieder! (Wörtl.) Zwinge ihn nieder, den starken Löwen, dass er mit gebeugten Knien (vergl. den Grundt. hier und 1. Mose 49, 9; 4. Mose 24, 9) am Boden liegt. Lass den Feind sich beugen, wie der Besiegte sich vor dem Sieger duckt. Was für ein glorreicher Anblick wird es sein, den Satan zu den Füßen unseres großen Herrn niedergeworfen zu sehen! Komm bald, du Tag des Triumphes! - Errette meine Seele von dem Gottlosen mit deinem Schwert. David vertraut auf das Schwert des Herrn, im Gegensatz gegen alle Menschenhilfe. Er ist gewiss, dass er unter Gottes Schutz sicher genug ist.

14. Fast jedes Wort dieses Verses hat den Gelehrten Anlass zu weitläufigen Untersuchungen gegeben, denn er ist sehr dunkel. 6 Von den Leuten - mit deiner Hand, Herr (nämlich: rette mein Leben, V. 13), von den Leuten dieser Welt , diesen Erdenwürmern, die keine andere Heimat haben als dieses enge Gebiet der Sterblichkeit und keine Hoffnungen und Wünsche kennen, die über dieses zeitliche, sichtbare Leben hinausgehen. Ihre Seele klebt an dem Staube, auf den ihre Füße treten. Welche ihr Teil haben in ihrem Leben. Gleich dem verlorenen Sohne haben sie ihr Teil und haben keine Geduld, des Vaters Zeit abzuwarten. Luther war stets in Sorge, er möchte sein Teil hienieden haben, und gab darum häufig Summen Geldes weg, die man ihm schenkte. Wir können nicht die Erde haben und den Himmel dazu als unsre Wahl und unser Teil. Weise Menschen wählen, was am längsten währt. Welchen du den Bauch füllest mit deinem Schatz. Ihre sinnliche Begierde erlangt, was sie fordert, und zwar reichlich. Gott gibt diesen Säuen die Treber, nach denen sie hungern. Ein freigebiger Mann weigert den Hunden ihre Knochen nicht und unser großmütiger Gott gibt selbst seinen Feinden genug, sie zu sättigen -- wären sie nicht so unvernünftig, nimmer satt zu sein. Gold und Silber, die in den dunkeln Schatzkammern der Erde verschlossen liegen, werden den Gottlosen reichlich zuteil, und so wälzen sie sich denn in fleischlichen Genüssen allerart. Jeder Hund hat seinen guten Tag, so haben sie den ihrigen; und er erscheint als ein heiterer Sommertag voll Glanz und Pracht. Doch ach, wie bald endet er in Nacht und Grauen! Sie haben Söhne die Fülle. Das ist ihre liebste Hoffnung, dass eine zahlreiche Nachkommenschaft ihren Namen hinaustragen werde in ferne Zeiten. Auch dies gewährt ihnen Gott; so haben sie denn alles, was das Herz sich wünschen kann. Was für beneidenswerte Kreaturen scheinen sie zu sein! Aber es ist nur Schein. Sie lassen ihr Übriges ihren Kindern. Sie haben ein flottes Haus gehalten und hinterlassen dennoch kein ärmliches Erbgut. Im Leben und im Sterben mangelt ihnen nichts -- als Gottes Gnade. Ach, der Mangel verdirbt alles. Sie hatten ein schönes Teil in der kurzen Erdenzeit, aber die Ewigkeit haben sie in ihre Berechnungen nicht aufgenommen. Im Kleinen waren sie klug, im Großen töricht. Sie dachten an die Gegenwart und vergaßen die Zukunft. Sie stritten um die Schale und verloren den Kern. Wie fein passt diese Schilderung auf so manchen glücklichen Kaufmann oder beliebten Staatsmann, und sie ist auf den ersten Blick sehr einleuchtend und verführerisch; aber was sind diese armseligen Maulwurfsfreuden gegen die Seligkeiten der Ewigkeit! Selbst, selbst, selbst, -- alle diese Freuden beginnen und enden in der niedrigsten Selbstsucht. Doch wie reich, Herr, sind, die in dir beginnen und enden! Erlöse du uns von aller Befleckung und allem Schaden, die uns die Gemeinschaft mit weltlich gesinnten Menschen bringen müsste!

15.Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit;
ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde.

Ich aber. Ich beneide diese Menschen nicht um ihr Glück, noch begehre ich es, sondern ich habe und erhoffe ein weit besseres. Gottes Angesicht zu schauen und durch dieses Anschauen verwandelt zu werden in sein Bild 7 , so dass ich teilhabe an seiner Gerechtigkeit: das ist mein hoher Ehrgeiz. Und im Blick darauf lasse ich alle gegenwärtigen Freuden willig fahren. Meine Befriedigung liegt in der Zukunft; ich erwarte sie nicht in der Gegenwart. Ich will eine Weile schlafen, aber einst werde ich erwachen, erwachen zu ewiger Freude, weil ich in deinem Bilde, mein Gott und König, aufstehen werde. Lichtblicke in die ewige Herrlichkeit werden hienieden den Frommen zuteil, ihren heiligen Hunger zu stillen; aber das Fest erwartet sie in der obern Heimat. Dieser tiefen, unaussprechlichen, ewigen Fülle der Seligkeit gegenüber sind die Freuden der Weltmenschen, wie der Glühwurm, mit der Sonne oder wie der Tropfen am Eimer, mit dem Ozean verglichen.


Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Psalm 17 schließt ebenso wie Psalm 16 mit der Hoffnung auf das selige, genussreiche Anschauen Gottes, und auch sonst haben beide Psalmen hervorstechend Gemeinsames, aber bei übrigens sehr ungleichem Ton. Denn Ps. 17 ist in der Reihe der Davidischen Psalmen der erste derer, die wir Psalmen in grollendem Stil nennen. Die sonst so geflügelte und durchsichtige Sprache der Psalmen Davids wird da, wo er das wüste Treiben seiner Feinde und überhaupt der Gottlosen schildert, härter und in Gemäßheit des Gegenstandes und der Stimmung gleichsam voll unaufgelöster Dissonanzen (Ps. 17; 140; 58; 36,2 f., vergl. 10, 2-11); sie ist da rauer, unförmiger und ermangelt ihrer sonstigen Klarheit und Verklärung. Auch der Ton der Sprache wird dunkler und wie in dumpfem Gemurmel; sie rollt, indem sie die Suffixe mo, āmo und ēmo häuft, donnerartig dahin, wie Ps. 17,10; 35,16; 64,6.9, wo David schilderungsweise von seinen Feinden spricht, oder 59,12-14; 56,8; 21,10-13; 140,10; 58,7 , wo er ihnen wie prophetisch das Gericht Gottes verkündigt. Die heftigere, regellosere Bewegung der Sprache ist hier die Folge innerer stürmischer Erregung. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 1. Das Wort qdece bezeichnet hier nicht eine subjektive Eigenschaft (Gerechtigkeit), sondern einen objektiven Tatbestand, eine gerechte Sache, wie 35,27 u. ö. Der Sänger sagt absichtlich nicht yqid:ci (meine ...), weil er nicht die Person, sondern die Gerechtigkeit der Sache in den Vordergrund stellen will. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Höre -- merke -- vernimm. Die dreifach wiederholte und verdoppelte Bitte zeiget einen großen Affekt und viel Tränen an; weil in der Tat die geistlichen Menschen mehr die List als die Gewalt dieser Gottlosen schmerzt. Denn offenbare Gewalt kann man doch sehen und wenn man die Gefahr weiß, dieser auf einige Maße begegnen; allein die List verderbet eher, als man’s inne wird. Martin Luther 1519.

Das nicht aus falschem Munde geht. Dergleichen gibt’s -- einen Widerspruch zwischen dem Herzen und der Zunge, ein Rufen mit der Stimme und Spotten mit der Seele, ein Schreien zu Gott: "Lieber Vater, du Meister meiner Jugend", wobei man doch Böses tut (Jer. 3,4 f.), -- als ließe Gott sich durch gleißenden Schein täuschen, als nähme er, wie der alternde Isaak, einen Jakob für einen Esau und ließe er sich durch den Geruch der Kleider betrügen, als könnte er das schwarze Herz unter dem Engelsgewand nicht erkennen. Das ist eine unwürdige Vorstellung von Gott, wenn wir uns einbilden, wir könnten für innere Sünden genugtun und nahende Gerichte abwenden durch äußere Opfer, durch eine laute Stimme aus falschem Herzen, als ob Gott sich (gleich den Kindern) an dem Glänzen einer leeren Schale, an dem Gerassel von Steinen oder dem Klingen des Geldes ergötzte, - an der bloßen Stimme ohne Stimmung und Absicht der Anbetung. Stephen Charnock † 1680.

Der Adler schwingt sich wohl hoch in die Lüfte, aber er hat dabei durchaus nicht die Absicht, zum Himmel zu fliegen; er will vielmehr seine Beute erhaschen. Ebenso zeigen viele einen guten Teil scheinbare Frömmigkeit, indem sie ihre Augen gen Himmel erheben, tun das aber nur, um mit mehr Leichtigkeit, Sicherheit und Beifall ihre bösen Pläne hier auf Erden auszuführen, - Leute, die außen einem Cato, innen einem Nero gleichen. Hört man sie, so ist keiner besser; erforscht und erprobt man sie, so ist keiner schlechter. Sie haben Jakobs Stimme, aber Esaus Hände. Sie sprechen wie Heilige, handeln jedoch wie Teufel. Sie haben lange Gebete, aber wenig Gebet. Ihre heuchlerische Heiligkeit ist ihnen nur der Deckmantel für Schlechtigkeiten allerart und die Hebamme, die ihren teuflischen Absichten zur Geburt verhelfen soll. Peter Bales † 1610.

Fußnoten
6. Die revid. Übers. wird von Delitzsch, Lange - Moll u. a. bestätigt. -- Moll sagt: Auch hier erscheinen Ton und Folge der Worte als Sprache der Angst und Hast.

7. Wie wohl die ihm vorliegende eng. Übersetzung mit der revidierten Lutherbibel übereinkommt, fasst Spurgeon doch den Schluss-Satz nach Hieronymus: "Ich werde satt werden, wenn ich erwache in deinem Bilde." Ebenso der gewöhnliche Luthertext. Vergl. 1.Joh. 3,2. Luther selbst schwankte, übersetzte aber schon 1519 richtig so, wie es jetzt in der revidierten Übersetzung steht.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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