Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 02.03.2019 12:28

Erläuterungen und Kernworte

Oft erquickt und tröstet der Herr die Seinen im Offenbaren und Verborgenen durch liebliche, herzbelebende Erweisungen seiner Fürsorge. Es gibt ebenso wohl Zeiten, wo die Hand der Vorsehung uns aufrichtet, als Zeiten, wo sie uns niederwirft. Die Szene ändert sich, der Himmel wird heiter, der Winter ist vergangen, Lenzeslüfte säuseln um uns, wir legen die düstern Trauergewänder beiseite, und o welch reicher Ersatz für alles Leid wird in solchen Zeiten begnadeten Seelen zuteil, und welch liebliches Echo findet Gottes Liebe in ihren Herzen! Gott erhebt sie aus dem Staube; so erheben sie ihn in Lobgesängen. Siehe, wie Mose und die Kinder Israel mit ihm nach der Errettung aus Pharaos Gewalt ihren Gott in einem Danklied besingen, das wegen seiner Anmut und geistlichen Tiefe zum Vorbild der Lobgesänge wird, mit denen die Heiligen in der himmlischen Herrlichkeit Gott preisen (Off. 15,3). John Flavel † 1691.

Für die Lehre vom Messias, sofern David ein Abbild desselben war, ergeben sich hauptsächlich folgende Gesichtspunkte aus diesem Psalm. 1) Einen solchen hat Gott zum Haupt seiner Gemeinde verordnet, welcher in sich selbst ganz ohnmächtig ist, sein Vertrauen aber auf seinen himmlischen Vater setzt und in aller Not zu ihm seine Gebete emporsendet. 2) Durch die Übermacht und Verfolgung der Feinde wird derselbe in eine Tiefe der Not hinabgestürzt, wo er in den Ängsten des Todes und den Schrecken der Hölle gebunden liegt. Nachdem er so bis in die tiefsten Örter der Erde (Eph. 4,9), in die äußerste Verlassenheit von Gott versunken ist, hebt ihn Gott selbst durch eine unmittelbare Manifestation seiner allmächtigen Hilfe aus der tiefsten Tiefe zur höchsten Höhe empor, weil er den Gehorsam und Glauben in allen Leiden bewahrt hat. 3) Und gleichwie es keinen Gott gibt ohne den einen Gott, so bekleidet er seinen Gesalbten mit einer unwiderstehlichen Kraft, so dass er zum Segen seines wehrlosen Volks alle Feinde aufreibt und besiegt und sein Königreich für die Ewigkeit bestätigt wird. Prof. Joh. Wichelhaus † 1858.

Überschrift. Des Herrn Knecht. So nennt sich David zu der Zeit, als er in großen Ehren lebte und seine Herrlichkeit aufs höchste gebracht hatte. J. D. Frisch 1719.

Dieser Ehrenname "Des Herrn Knecht" wird Mose (Josua 1,1. 13. 15 und noch an neun Stellen desselben Buches) und Josua (Josua 24,29; Richt. 2,8) beigelegt, dann aber keinem andern bis auf David (hier und öfters). Vergl. Apg. 13,36 . Das ist bedeutsam und erinnert uns an die Stelle, welche David in der Geschichte Israels entnimmt. Er war der verordnete Nachfolger Moses und Josuas, der die Herrschaft Israels auf das ganze Gebiet ausdehnte, das dem Volk durch die göttliche Verheißung zugeteilt war. W. Kay 1871.

V. 2. Das Wort, womit David seiner herzlichen Liebe zu Gott Ausdruck gibt, erscheint in der Hauptwortform als Bezeichnung des Mutterleibes und bedeutet eine solche Zuneigung, die aus dem Innersten kommt, von Herzensgrund, wie wir sagen. (Vergl. griechisch ta` spla/gcna, engl. the bowels, franz. les entrailles.) William Gouge † 1653.

Racham ist ein sehnlich Wort und bedeutet dieselbige herzliche und zärtliche Liebe der Eltern gegen ihre Kinder und der Kinder gegen die Eltern. So saget er nun: Ich habe eine herzliche und kindliche Sehnlichkeit und Neigung zu dir. Also bekennet er seine höchste Liebe, dass er eine Lust an unserm Herrn Gott habe gehabt. Denn er befindet, dass seine Wohltaten unaussprechlich sind, und aus dieser überschwänglichen Lust und Liebe kommt, dass er ihm so viel Namen gibt, wie folget. Und hierin ist die hebräische Sprache sehr reich. Martin Luther 1530.

Das sind Worte eines, der wieder aufsteht und in die Höhe kommt und der die Kraft Gottes in der Trübsal erfahren hat. Denn so pflegt uns unser süßer und freudiger Affekt mit großer Gewalt zu denjenigen zu treiben, welchen wir es zu danken haben, dass wir durch ihre Gütigkeit aus großem Übel und Unglück herausgerissen worden. Denn dass seine Liebe rein und unverfälscht gewesen, das drückt er damit aus, wenn er spricht: Herr, dich will ich lieben, nicht irgendeine Kreatur. Martin Luther 1519.

Herzog Ernst III. von Sachsen-Gotha, der unter den Fahnen Gustav Adolfs gekämpft hat und dann viele Jahre lang als gottesfürchtiger und väterlicher Fürst sein Land regierte, hatte sich das von M. Schalling auf unsern Psalm gedichtete Lied: Herzlich lieb hab’ ich dich, o Herr , zu seinem Lieblingslied erwählt. Als er, 73 Jahre alt, sein Ende herannahen fühlte, da erquickte er sich täglich an diesem Liede, das man ihm vorlesen, vorsingen und vorspielen musste, sprach am liebsten von der Süßigkeit der Liebe Gottes und Jesu Christi und betete noch sterbend mit schwacher Stimme:

Herzlich lieb habe ich dich, o Herr,
Ich bitt’, wollst sein von mir nicht fern
Mit deiner Hilf und Gnaden.
D. K. Gerok, Die Psalmen, † 1890.

Meine Stärke, das scheinet mir diejenige zu sein, da ein Mensch mit Kraft aus der Höhe angetan und dadurch inwendig gestärkt und befestigt wird, diejenige Festigkeit, welche die weichen und zärtlichen Gemüter abhärtet. Diese Stärke aber haben wir nicht, außer von Gott. Denn wenn es auf uns selbst ankommt, so werden wir gar leicht weich, sowohl bei guten als bösen Tagen, und zerfließen wie Wachs in der Sonne. Martin Luther 1519.

V. 2-3. David sagt nicht: Gott wird mir Heil verleihen, sondern: Er ist meines Heiles Horn . Gott selber ist das Heil, er ist das Teil der Seinen. Fleischlich gesinnte Leute möchten wohl Befreiung vom Erdenleid und himmlische Herrlichkeit haben, aber an den Heiland kehren sie sich nicht. Der Glaube dagegen haftet an Gott selber und spricht: Er ist mein Heil, mein Leben, mein Trost, mein Reichtum, meine Ehre, mein alles. So zielte auch Davids Herz unmittelbar auf Gott: Herzlich lieb habe ich dich, Herr, meine Stärke, Herr, mein Fels usw. Es vergnügte ihn mehr, dass Gott seine Stärke, sein Erretter usw. war, als dass Gott ihm Stärke gab, ihn errettete usw. Joseph Caryl † 1673.

V. 3. Mein Erretter . Wer sich an einen dieser unzugänglichen Zufluchtsorte begab, wurde manchmal durch den Hunger gezwungen, sich dem Feind zu übergeben, der unten auf ihn lauerte. Jahwe aber gab David nicht nur Sicherheit, sondern Freiheit; er beschützte ihn nicht nur in einem unerreichbaren Bergungsort, sondern setzte ihn auch instand, in Sicherheit daraus hervorzugehen. Rabbi Salomon ben Isaak (Jarchi) † 1105.

Das Horn ist sowohl in der religiösen als auch in der Profan-Literatur ein oft gebrauchtes Sinnbild der Kraft. Das Bild ist vom Stier und andern gehörnten Tieren genommen, deren Stärke zum Angriff wie zur Abwehr hauptsächlich in ihren Hörnern liegt. James Bruce († 1794) erzählt von einem merkwürdigen Kopfschmuck, den die Regenten der Landschaften Abessiniens tragen. Er besteht aus einem breiten Stirnband, aus dessen Mitte ein Horn, ein kegelförmiges, etwa vier Zoll langes vergoldetes Stück Silber herausragt. Er wird kirn , d. h. Horn, genannt und wird nur bei Musterungen oder Paraden nach einem Sieg getragen. Bruce vermutet, diese Sitte sei gleich andern abessinischen Gebräuchen von den Juden entlehnt. Richard Mant † 1849.

V. 4. Was wird aber vor eine Kunst dazu erfordert, wenn wir es dahin bringen wollen, dass bei dieser Menge, Größe, Macht und Hartnäckigkeit solcher Feinde der Herr unsere Stärke, unsere Burg, unsere Zuflucht, unser Erretter, unser Helfer sein möge? Der Text antwortet: Also wird es geschehen, wenn du den Herrn loben und anrufen wirst. Denn durch dieses mit seinem Lobe verbundene Anrufen wirst du voll allen deinen Feinden errettet werden, vergl. Röm. 10,13 u. Spr. 18,10 . Gewiss, diese Lehre ist in der Trübsal die alleredelste und ganz gülden. Das ist der beste Rat, durch welchen wir aus allem Unglück können herausgerissen werden, wenn wir in Trübsalen Gott können rechtfertigen, segnen und preisen. Man kann nicht glauben, was dergleichen Lob Gottes für ein kräftiges Mittel bei zustoßender Gefahr sei. Denn sobald du anfangen wirst, Gott zu loben, so bald wird das Übel gemildert, der getroste Mut wächst, und es folgt die Anrufung Gottes mit Zuversicht. Niemand wird vom Bösen dadurch befreit, wenn er nur auf seine Übel sieht und vor denselben erschrickt, sondern dadurch, wenn er dieselben überwindet und an dem Herrn hängt und auf dessen Güte sieht. O gewiss ein schwerer Rat! Und das ist etwas Seltsames, mitten in dem Unglück sich Gott süß und lobenswürdig einbilden und ihn, wenn er sich von uns entfernet hat und unbegreiflich ist, stärker ansehen als unser gegenwärtiges Unglück, das uns abhält, ihn anzusehen. Ich kann die Annehmlichkeit und Kraft dieses sehr schönen Verses, in welchem die Worte so geschickt und nachdrücklich gesetzt sein, nicht genug anpreisen. Martin Luther 1519.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 05.03.2019 15:41

Erläuterungen und Kernworte

V. 5. Des Todes Bande . Nach der Meinung mancher wird hier auf die Art, wie man im Altertum auf die wilden Tiere Jagd machte, angespielt. Ein größerer Landstrich wurde mit starken Stricken eingeschlossen; dann wurde der Kreis immer enger gezogen, bis das verfolgte Tier so eingeschlossen war, dass es mit leichter Mühe eine Beute des Jägers wurde. Diese Stricke waren Bande des Todes; es gab kein Entrinnen aus dem Verderben. D. John Brown 1853.

Die Bäche der Bosheit. Keine bildliche Redeweise ist den heiligen Dichtern der Schrift so geläufig als die, schreckliche und plötzlich hereinbrechende Unglücksfälle unter dem Bild von überwältigenden Wassern darzustellen. Das Bild scheint den Israeliten besonders geläufig gewesen zu sein; war es doch der eigentümlichen Natur ihres Landes entnommen. Sie hatten den Jordan ständig vor Augen, der alljährlich zu Beginn des Sommers "voll wurde an allen seinen Ufern" (Jos. 3,15), wenn der Schnee des Libanon und der benachbarten Gebirge schmolz und sich plötzlich in Sturzbächen in den Jordan ergoss. Überhaupt gab es in ganz Palästina, wiewohl das Land an Flüssen, die das ganze Jahr hindurch Wasser hatten, arm war, doch zufolge seiner vorwiegend gebirgigen Beschaffenheit zahlreiche Gießbäche, die sich in den regelmäßig wiederkehrenden Regenzeiten durch die engen Bergschluchten niederstürzten. Bischof Robert Lowth † 1787.

V. 7. Da mir angst war. Wenn du auf Davids Harfe lauschst, wirst du ebenso oft Trauerweisen wie Jubellieder hören, und der Griffel des heiligen Geistes hat mehr Mühe darauf verwandt, die Leiden eines Hiob, als die Glückseligkeit eines Salomos zu beschreiben. Wohlergehen ist nicht ohne manche Sorgen und Verdrießlichkeiten und Unglück nicht ohne Trost und Hoffnung. Wir finden bei kunstvollen Handarbeiten eine lebhafte Stickerei auf dunklem, ernstem Grunde schöner, als eine düstere Stickerei auf lichtem Grunde. Schließe denn von dem, was das Auge erfreut, auf das, was zur wahren Freude des Herzens dient. Die Tugend gleicht köstlichen Wohlgerüchen, die am stärksten duften, wenn sie zerstoßen werden. Denn wie der Wohlstand das Laster am besten enthüllt, so das Unglück die Tugend. Franz Baco von Verulam † 1626.

Rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott. Das Wesen des Gebets ist nicht Beredsamkeit, sondern Inbrunst und Ernst; es handelt sich nicht um eine Definition der Hilflosigkeit, sondern um ein tiefes Gefühl derselben. Es ist der Ruf, der Schrei des Glaubens, der zu den Ohren der göttlichen Barmherzigkeit empordringt. Hannah Moore † 1833.

David stellt hier sein Exempel dar. Ich bin oft, will er sagen, in Trübsal und Not gewesen; ich habe aber gehabt eine Arznei, nämlich das Gebet oder Anrufung, sonst ist kein Trost nicht. Auf einen Menschen hoffen, das tut es nicht, sondern das Hoffen auf Gott. Nun ist es aber unmöglich, in der Not ohne den heiligen Geist Gott anrufen. Denn so bläut das Herz vor: Der Gott, den du anrufen willst, zürnet mit dir, hat dir dies getan und schickt dir solche Trübsal zu. Und demnach muss es sein; es gilt nicht fliehen vor dem, der dich schlägt, sondern sich nur schlecht frei in Spieß und Stich geben, so zieht er hinter sich. Martin Luther 1530.

Da erhörte er meine Stimme von seinem Tempel (oder Palast). Die Ädilen, die Magistratspersonen im alten Rom, hatten ihre Türen allezeit offen stehen, damit jeder, der eine Bitte oder Klage vorzubringen hatte, freien Zutritt zu ihnen finde. Gottes Türen der Barmherzigkeit sind stets weit geöffnet für die Bitten seiner Getreuen. Die persischen Könige hielten es für ein Stück ihrer törichten Ehre, auch ihren höchsten Untertanen den freien Zugang zu sich zu weigern. Des Todes war, wer bei ihnen ungerufen um etwas nachsuchte. Selbst Esther, die Königin, fürchtete sich, zu Ahasverus zu nahen. Der König des Himmels aber offenbart sich seinem Volke. Trotzdem es im Alten Bunde zum Ausdruck kommen musste, dass Gott dem Sünder unnahbar ist, war die Stiftshütte doch nicht mit ehernen Türen verriegelt; nur ein leicht zu lüftender Vorhang verhüllte das Heiligtum Gottes. Uns aber ist als Priestern Gottes das Vorrecht gegeben, im Tempel und am Altar anzubeten (Off. 11,1). Darum lasst uns hinzugehen mit wahrhaftigem Herzen in völligem Glauben, lasst uns hinzutreten mit Freudigkeit zu dem Gnadenstuhl, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden (Hebr. 10,22; 4,16). Charles Bradbury 1785.

Wie wahr ist das Wort, dass der Glaube sicher sei, wenn er sich in Gefahr fühle, und in Gefahr, wenn er sich sicher wähnt, und dass das Gebet brünstig sei in Zeiten der Trübsal, aber in Freude und Glück, wenn nicht ganz kalt und tot, so doch lau und lässig. Gesegnete Drangsale, die unser Gemüt hindern, sich in den Dingen dieser Erde zu zerstreuen und sich mit ihrem Schlamm zu beflecken, und die uns zu trauterem Verkehr mit dem Himmel helfen und unsere Liebe zum Göttlichen beleben, ohne welche das, was wir Leben nennen, eher den Namen Tod verdient. Erzbischof D. Robert Leighton † 1684.

V. 7ff. Das Gebet eines einzelnen Gläubigen hat manchmal die wunderbarsten Wirkungen zur Folge, wie wir es hier an David sehen; was wird denn eine legio fulminatrix. 8 von solchen Betern ausrichten? Von Luther ward gesagt: Iste vir potuit cum Deo quicquid voluit, der Mann konnte von Gott haben, was er wollte. Seine Feinde fühlten die Wucht seiner Gebete und die Kirche Gottes erntete die Früchte derselben. Die schottische Königin (Maria Stuart) bekannte, dass sie vor den Gebeten des John Knox (des Reformators von Schottland, † 1572) mehr Furcht habe, als vor einem Heer von zehntausend Mann. Diese beiden Kämpfer waren Helden im Ringen mit Gott, so verächtlich und schimpflich sie auch von ihren Feinden behandelt wurden. Es kommt die Zeit, wo Gott das Flehen seiner Auserwählten hört, die Tag und Nacht zu ihm rufen: Wie lange, Herr, wie lange? (Lk. 18,7; Ps. 13; Off. 6,10.) John Flavel † 1691.

Lass dich durch keine scheinbare Unmöglichkeit dazu verleiten, die Erfüllung irgendeiner gnädigen Zusage Gottes in Frage zu stellen. Ob du auch keine Möglichkeit siehst, wie das Verheißene geschehen könnte, es ist genug, dass Gott gesagt hat, er wolle es tun. Er, der Gott des Heils und der Urheber der Verheißung, wird sich den Weg zur Ausführung seiner Werke selber zubereiten. Ob die Täler auch so tief wären, dass wir den Grund nicht sehen könnten, und die Berge so hoch, dass die Gipfel unserm Auge unerreichbar wären, - Gott weiß wohl, wie er die einen erhöhen und die andern erniedrigen kann. "Ich bin ein Meister zu helfen" (Jes. 63,1). Wenn irgendetwas das Kommen des Reiches Christi zurückzuhalten vermöchte, so wäre es unser Unglaube; aber des Menschen Sohn wird erscheinen, ob er auch bei seinem Kommen kaum Glauben auf Erden finden wird (Lk. 18,8; Röm. 3,3). Wirf dein Vertrauen nicht weg, weil Gott mit der Erfüllung zögert. Mögen die Wege der Vorsehung auch kreuz und quer, vorwärts und rückwärts gehen, du hast dennoch ein gewisses und zuverlässiges Wort, auf das du dich stützen kannst. Was nicht zu deiner Zeit kommt, wird doch mit Eile ausgeführt werden zu seiner Zeit, und das ist stets die rechte Zeit. Timothy Cruso † 1697.

Es gab zu Davids Zeiten weder Flinten noch Kanonen; aber Davids Gebete richteten wider seine Feinde mehr aus, als die besten Gewehre und schwersten Geschütze der Welt je ausgerichtet haben. David hatte dennoch donnernde Geschütze und zerstreute damit seine Feinde, lange Zeit bevor Pulver und Kanonen erfunden wurden. Jeremiah Dyke 1639.

Die geologischen Erscheinungen Palästinas regen in dem Naturforscher Fragen an, zu deren Erörterung die vorhandenen Tatsachen zu ungenügend sind. Doch enthält die Geschichte und die Literatur des Volkes hinreichende Beweise dafür, dass vulkanische Naturgewalten dort einst in Tätigkeit gewesen sind. Das Jordantal, das noch heute fortwährend in Unruhe ist, war ein ständiges Zeichen gewaltiger Naturereignisse; und von seinen Spalten verzweigten sich bis in das Innere des Landes die bestürzenden Erscheinungen, wo nicht mehr von vulkanischen Kräften, so doch von Erdbeben. Die geschichtlichen Wirkungen dieser Gewalten auf ihrem vornehmlichen Schauplatz (dem Becken des Toten Meeres) werden wir im Verlauf unserer Untersuchung beleuchten; hier aber wollen wir darauf hinweisen, wie sie das Empfinden des Volkes ständig beeinflusst haben. Die schriftlichen Erzeugnisse der Psalmdichter und Propheten sind voll von Andeutungen, welche dem oberflächlichen Leser entgehen. Gleich dem Boden ihres Heimatlandes keuchen und arbeiten sie gleichsam unter den Erschütterungen des Innern und den feurigen Kräften, die unter der Oberfläche glühen. "Der Sinai und Palästina", D. Arthur Penrhyn Stanley 1864.

Vergleiche zu diesen Versen Mt. 27,45. 51-53. D. John Brown 1853.

In der Nacht, als die Idumäer vor Jerusalem lagen, erhob sich ein schreckliches Ungewitter und ein gewaltiger Sturm mit überaus heftigen Regengüssen, unaufhörlichen Blitzen, betäubenden Donnerschlägen und starkem Krachen der wankenden Erde. Es war offenbar das Weltall in Aufregung gekommen ob dem Menschengemetzel, so dass man schließen konnte, es seien dies Vorzeichen eines außerordentlichen Unglücks. Am Tage der Pfingsten, als die Priester bei Nacht ihrer Gewohnheit gemäß in den inneren Tempel gingen, um ihres Amtes zu pflegen, vernahmen sie zuerst eine Erschütterung und ein Getöse, und dann plötzlich eine Stimme, die sprach: "Lasst uns von dannen gehen." Etliche Tage nach dem Fest der ungesäuerten Brote gab sich ein seltsamer, fast unglaublicher Anblick zu schauen (man würde es wohl für eine Fabel halten, wenn es nicht Augenzeugen berichtet hätten und die darauf folgenden Jammerszenen nicht eben als Antwort auf diese Zeichen erschienen wären): Vor Sonnenuntergang sah man hoch in der Luft, über das ganze Land hin, Kriegswagen und bewaffnete Heere, die eilend in den Wolken einherzogen und die Stadt umringten. Flavius Josephus † 103.

Fußnote
8. hwfnf(A ist nicht die Beugung (Demütigung), welche Gott an ihm vollzogen hat wie Luther es ausgesagt hat, sondern die eigene Beugung (Herablassung) Gottes.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 09.03.2019 13:58

Erläuterungen und Kernworte

V. 8-9. Die ganze Kraft des dichterischen Bildes ruft David zu Hilfe, um nach Würden zu beschreiben, welche Wunder der Errettung er erfahren hat. So augenscheinlich, will er sagen, ist seine Errettung gewesen, wie die Zeichen an Himmel und Erde, so unerwartet und gewaltig wie jene Erscheinungen, welche im Reiche der Natur die erschreckten Sterblichen überraschen. Nun hätte er, da er von Erlösung spricht, von friedlichen Himmelserscheinungen das Bild hernehmen können; aber da die Sterblichen sich eher nach dem Himmel umsehen, wenn er zürnt, als wenn er segnet, da sie eher aus Gott merken, wenn er in Gewitterwolken, als wenn er im Regenbogen sich zur Erde herabneigt, so beschreibt er auch die segnende Herablassung Gottes unter dem Bilde des Ungewitters. Die ganze Gewalt eines morgenländischen Ungewitters, wie sie etwa Psalm 29 geschildert wird, müssen wir uns vergegenwärtigen, um dieses Bild in seiner Schönheit und Wahrheit zu fühlen. Einzelnes Wetterleuchten geht dem Ausbruche voraus, das sind die Kohlen, von denen Vers 9 redet; näher den Spitzen der Gebirge zieht das Gewölk - "es neigt sich der Himmel", wie es V. 10 heißt. Der Gewittersturm schwingt seinen Fittich, V. 11 ; in schweres Regengewölk wie in ein Zelt gehüllt, kommt Gott zur Erde; Hagel, wie er nicht selten im Morgenlande mit schweren Ungewittern verknüpft ist (Ps. 78,48), und Blitze dringen aus dem schwarzen Gewölk, durch dessen zerfahrende Schichten der Feuerglanz offenbar wird, der in ihrem Innern den Herrn der Natur birgt, V. 12. 13. Er spricht, und seine Stimme ist der Donner; er schießt, und seine Pfeile sind die Blitze. Da weicht die Erde vor seinem Schelten und Schnauben, das Meer braust auf, so dass des Wassers Betten sich zeigen, das Land berstet, so dass der Erde Grundfesten offenbar werden, V. 14-16 . Und siehe, aus dem schwarzen Gewölk und aus dem verderblichen Feuer streckt ein errettender Arm sich hervor und er greift nach dem Elenden, der ans der Tiefe schrie, und er zieht ihn heraus -- und errettet ihn von allen seinen Feinden! Ja, des Herrn Hand ist es gewesen, die so große Wunder in Davids Leben ausgeübt hat, und doch war es das Glaubensauge, und nur dieses, das in dem allen des Herrn Hand wahrgenommen hat, und tausend andere, ob sie schon nicht mindere Erfahrungen der Errettung durch Gottes Hand machten, werden doch nur bei den Kräften der Natur stehen bleiben, und statt vor einem erbarmenden Gotte aufs Knie zu fallen, werden sie sich damit begnügen, kaltherzig sich über die Wechselfälle des menschlichen Geschicks zu verwundern. Prof. D. August Tholuck 1843.

Die Gesamtnatur steht zum Menschen in sympathischem Verhältnis, indem sie dessen Fluch und Segen, Verderben und Herrlichkeit teilt, und zu Gott in sozusagen synergischem (mitwirkendem) Verhältnis, indem sie seine gewaltigen Taten vorlaufend ankündigt und werkzeuglich vermittelt. Deshalb erscheint hier das Einschreiten Jahves zu Davids Hilfe von furchtbaren Naturerscheinungen begleitet. Wie die Befreiung Israels aus Ägypten Ps. 68 und Ps. 77 und die sinaitische Gesetzgebung 2. Mose 19, wie nach dem prophetisch-apostolischen Wort die schließliche Parusie (Zukunft) Jahves und Jesu Christi, Hab. 3; 2.Thess. 1, 7 f., so hat auch die Erscheinung Jahves zu Davids Hilfe außerordentliche Naturerscheinungen in ihrem Gefolge. Zwar wird uns innerhalb des Lebens Davids nicht dergleichen wie 1. Samuel 7,10 ausdrücklich berichtet; aber ein wirkliches Erlebnis muss es sein, welches David hier idealisiert, d. h. wurzelhaft erfasst und zu einem großen, majestätischen Gemälde seiner Wunderrettung verallgemeinert. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Es gibt denkwürdige Exempel in der Schrift, was Gott den Seinen für wunderbare Hilfe auch durch Wetter verschafft habe; desto weniger darf es einem unglaublich vorkommen, dass auch bei dem an David bewiesenen Heil Gottes solche Umstände vorgefallen, wie er im Psalm beschreibt. David ist auch nicht der letzte gewesen, dem zuliebe Gott sein Zeughaus so ausgeschlossen hat. Off. 8,5 steht, wie aus die Gebete der Heiligen Stimmen, Donner, Blitze und Erdbeben geschehen seien, und nach dem 16. Kap., V. 17-21, stehen noch mehr dergleichen bevor. Daher darf ein gläubiges Kind Gottes auch die gewöhnlichen Wetter als ein Angeld auf seine und aller Auserwählten zukünftige Erlösung ansehen. K. H. Rieger † 1791.

V. 8. An den Gründen und Wurzeln der Berge, sagt er, hat man das Beben gehört; Berg und Tal sind davon erschrocken, da er zornig war. Er hat wohl lange genug Geduld mit denen Gottlosen; aber wenn er hinter sie kommt, so gehet es über und über. Martin Luther 1530.

V. 10. Er neigte den Himmel und fuhr herab. Wenn sich ein Wetter entlädt, kommen die Wolken tiefer zur Erde herab und senken sich von den Bergen in die Täler. Dies Bild wendet der Psalmist an, um Gottes Niederfahren zum Gericht zu beschreiben. (Vergl. Ps. 144,5 ff.) Und Dunkel war unter seinen Füßen. Immer schrecklicher wird das Wetter, in dem der Höchste herniederfährt, immer näher kommt es heran; aber noch enthüllt sich Gott nicht, tiefschwarzes Wolkendunkel ist unter seinen Füßen. Solch finsteres Gewölk umkleidete Gott auch bei seinem Herabfahren auf den Berg Sinai (2. Mose 20,21; 5. Mose 4,11) und umgibt seinen Thron (Ps. 97,2), um die überwältigende Majestät der Gottheit vor uns zu verschleiern. Dieses Dunkel aber, das Gottes Kommen zum Gericht verhüllt, verkündet Trübsal und Angst denen, wider die sein Zorn entbrannt ist. (Vergl. Lk. 21,25 f.) D. W. Wilson 1860.

V. 11. Der Cherub , (nach Hesekiel) mit dem Antlitz von Mensch, Löwe, Stier, Adler -- gleichsam in sich vereinend, was die Natur an Intelligenz, Majestät, Kraft und Lebendigkeit besitzt --, war ein Sinnbild der Naturkräfte. Wo mächtige Naturkräfte, wie beim Ungewitter, Gott dienen müssen, heißt es, er fahre auf dem Cherub daher. Prof. D. August Tholuck 1843.

Sooft Gott zur Bestrafung seiner Feinde und zur Errettung seiner Auserwählten gekommen ist, hat nichts seine Freunde und Feinde so sehr in Erstaunen gesetzt, als die wunderbare Schnelligkeit, womit er erscheint und handelt: Er flog daher... auf den Fittichen des Windes. D. William S. Plumer 1867.

V. 15. Er schoss seine Strahlen usw. Ach, dass ihr, die ihr jetzt Gott fremd und feindlich gegenübersteht, doch über diese Dinge nachsinnen und den Ausgang des ungleichen Kampfes bedenken wollet! Sonne, stehe stille zu Gibeon, und Mond im Tal Ajalon (Josua 10,12), bis der Herr an seinen Feinden Rache geübt hat! Stellt euch in Schlachtordnung, ihr Sterne, und kämpft in euren Bahnen gegen diese Elenden, die sich wider ihren Schöpfer empört haben. Pflanzt eure gewaltigen Geschütze auf, schießt herab mächtige Schlossen, feurige Pfeile und zündende Donnerkeile. Weh, wie die Feinde verwundet werden und fallen! Da liegen die Erschlagenen des Herrn von einem Ende der Erde bis ans andere Ende (Jer. 25,33). Siehe, wie Gottes Feinde zu Tausenden fallen, siehe die blutüberströmten Gewänder, höre das Rasseln und Prasseln der Streiterscharen. Die Berge sind bedeckt mit feurigen Wagen und Rossen. Haufen über Haufen erscheinen im Tal des Urteils (Joel 4,14 [3,19]), denn des Herrn Tag ist erschrecklich. Gottes Krieger eilen daher, hierhin und dorthin, mit zuckenden Schwertern, bewaffnet mit Gottes Gerechtigkeit, seinem Eifer, seiner Macht und seinem Zorn. Tausendmal tausend sinken dahin; sie können sich nicht aufrecht halten; nicht einer vermag auch nur die Hand zu erheben; das Herz entfällt ihnen; Erbleichen und Zittern hat die Stärksten ergriffen. Der Bogen des Herrn ist stark; er fehlt nicht, er kommt nicht leer wieder von dem Blut der Erschlagenen, vom Fett der Helden. Wer ist der, so von Edom kommt, mit rötlichen Kleidern von Bozra? Der geschmückt ist in seinen Kleidern und einhertritt in seiner großen Kraft, und sein Kleid ist rotfarben wie eines Keltertreters? "Ich trete die Kelter allein, und ist niemand unter den Völkern mit mir. Ich keltere sie in meinem Zorn und zertrete sie in meinem Grimm und schütte ihr Blut auf die Erde." (Jes. 63,1 ff.) Da wird man erkennen die Hand des Herrn an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden. Denn siehe, der Herr wird kommen mit Feuer und seine Wagen wie ein Wetter, dass er vergelte im Grimm seines Zornes und mit Schelten in Feuerflammen. Denn der Herr wird durchs Feuer richten und durch sein Schwert alles Fleisch; und der Getöteten des Herrn wird viel sein. Und die Heiligen werden hinausgehen und schauen die Leichname der Leute, die an mir missgehandelt haben; denn ihr Wurm wird nicht sterben, und ihr Feuer wird nicht verlöschen, und werden allem Fleisch ein Gräuel sein. (Jes. 66,14-16. 24.) Über die Gottlosen wird er regnen lassen Wurfschlingen; Feuer und Schwefel und Glutwind ist ihres Bechers Teil (Ps. 11,6). Siehe, das heißt wider Gott kämpfen, das heißt, den Herrn der Heerscharen herausfordern! James Janeway † 1674.
Zuletzt geändert von Jörg am 09.03.2019 14:05, insgesamt 4-mal geändert.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Beitragvon Jörg » 12.03.2019 16:14

Erläuterungen und Kernworte

V. 16. Die Grundfesten des Erdkreises legten sich bloß (Grundt.), d. h. das heftige Erdbeben riss so weite und tiefe Spalten, dass man beinahe die Gründe der Berge (Jona 2,7) in den Tiefen des Meeres sah. D. Samuel Chandler † 1766.

Der Herr trat ins Mittel mit derselben Offenkundigkeit seiner Gegenwart wie damals, als er die Gewässer des Meeres durch einen starken Ostwind hinwegfahren ließ und den Meeresgrund trocken machte (2. Mose 14,21 f.), um die Kinder Israel auf gebahntem Pfade aus der Knechtschaft zu führen und die Ägypter zu vertilgen. Henry Hammond † 1660.

Das Donnern nennt er ein Schelten. Unser Herr Gott murrt ein wenig, wenn er donnert. Martin Luther 1530.

V. 17. Er holte mich, wörtlich: er ergriff mich. Gottes Griff ist fest. Niemand kann ihm die Seinen aus der Hand reißen. D. W. S. Plumer 1867.

V. 18ff. O siehe aus diesem allem, was der Teufel immer für einen Zorn gehabt und wie sich die Feindschaft des Schlangensamens wider den Weibessamen immer an die Personen und Häuser vornehmlich gehängt hat, an welche Gott seine Verheißungen anknüpfte. Siehe aber auch, wie beim Weibessamen, bei David und seinem Samen, mitten unter erlittenen Fersenstichen es sich doch immer zum Sieg hinübergelenkt hat. Halleluja! K. H. Sieger † 1791.

V. 19. Sie warfen sich mir entgegen an meinem Unglückstag (wörtl., zum Zeitwort vergl. V. 6 u. 17,13); boshaft benutzten sie meine Schwäche und Hilflosigkeit, um mich plötzlich anzufallen, und sie hätten mich unfehlbar vernichtet, wenn Gott mich nicht aufrecht erhalten und gestützt hätte, mir nicht ein Stab gewesen wäre. Was der Stab ist für den, der im Begriff ist zu fallen, nämlich das Mittel, durch das er sich wieder aufrichtet und aufrecht hält, das war Gott für David in der Zeit seiner äußersten Not. Denn mehr als einmal bewahrte er ihn vor Saul, als David selbst seinen Untergang fast für unvermeidlich hielt. Siehe z. B. 1. Samuel 23,26 f. D. Samuel Chandler † 1766.

Als Heinrich VIII. von England 1522 in seiner Streitschrift zu Gunsten der katholischen Sakramentslehre Luther mit bitterem Hohn entgegengetreten war, erwiderte der Reformator: "Saget den Heinrichen, den Bischöfen, den Türken und dem Teufel selber: Sie mögen tun, was sie können, wir sind die Kinder des Reichs, die den rechten Gott anbeten, den sie und ihresgleichen angespielt und gekreuzigt haben". Und der gleichen Gesinnung waren viele Blutzeugen. Basil der Große († 379) bezeugt von den ersten Christen, sie hätten so viel Tapferkeit und Zuversicht in ihren Leiden bewiesen, dass viele Heiden, die ihren Heldenmut und ihre Standhaftigkeit gesehen, Christen geworden seien. Charles Bradbury 1785.

V. 21. Falscher Beurteilung gegenüber gilt es seinen Platz fest zu behaupten. Es wäre törichte Eitelkeit, wenn wir nach Ruhm in der Welt trachteten und gleich jenen Riesen der Vorzeit (1. Mose 6,4) berühmte Männer oder, wie es wörtlich heißt, Männer von Namen werden wollten; aber unsern guten Namen zu beschützen und zu erhalten, ist eine wichtige und notwendige Pflicht. Joseph Caryl † 1673.

Es ist dem David, wie auch aus dem siebenten Psalm zu sehen ist, dieses eine sehr schwere Anfechtung gewesen, dass sie ihm Schuld gegeben haben, als wäre er ein Aufrührer. Wie jener (Nabal) sagte (1. Samuel 25, 10): Es werden jetzt der Knechte viel, die sich von ihren Herren reißen. Solche Worte tun aus der Maßen wehe. Gott habe Lob, sagt er, es ist an Tag gekommen. Gott sieht, dass ich gerecht bin, ich habe das Königreich weder gestohlen noch mich desselben mit Gewalt angemaßt, sondern Gott hat es mir gegeben. Und ist solches ein großer und starker Trost und Zuversicht des Gewissens. Welches aber nicht also zu verstehen ist, als pochte er mit unserm Herrn Gott; da es denn nicht Pochens gilt, sondern Sprechens: Vergib uns unsere Schuld. Dennoch aber haben wir bei denen Menschen den Trotz, dass wir sagen können: Das hat Gott gesagt und gefällt ihm (V. 20). Ist ein Mangel an mir, dass ich es nicht ausrichte, wie ich sollte, liegt nichts daran; es ist Gottes Gebot und Wort nichtsdestoweniger wahr. Martin Luther 1530.

V. 22. Und wich nicht gottlos von meinem Gott. (Wörtl.) Auch der Aufrichtige mag von einer Versuchung übernommen werden; aber er ist fern davon, seinen Gott verlassen und an der Sünde hangen, in der Sünde leben zu wollen. Er hat keine Ruhe bei der Sünde, er schont und begünstigt sie nicht; denn das hieße, von Gott abtrünnig werden, ein doppeltes Herz (12,3 Grundt.) und ein schielendes Auge haben, wie es bei allen Unaufrichtigen der Fall ist, mögen sie noch so große Frömmigkeit zur Schau tragen. Die sehen nicht auf Gott allein, sondern noch auf etwas anderes neben Gott, wie Herodes, der viel auf den Täufer hielt, aber noch mehr auf seine Herodias; wie der reiche Jüngling, der zu Christus kam und dennoch auf seine vielen Güter blickte; und wie Judas, der dem Herrn nachfolgte, aber doch sein Herz an den Beutel hängte. Das heißt freventlich von Gott weichen. William Strong 1650.

Es mag wohl einmal geschehen -- wiewohl nie, ohne dass hernach bittere Reue dafür kommt --, dass ein sonst frommer Mensch das eine und andere Gebot wieder und wieder, gegen besseres Wissen, übertritt; aber sobald es ihm zum Bewusstsein kommt, dass er mit Gott brechen und ihn verlieren muss, wenn er darin fortfährt, bringt ihn diese Erkenntnis zum Stillstehen und zur Umkehr; denn das hieße, freventlich von Gott abtrünnig werden, und das kann er nicht. Thomas Goodwin † 1679.

V. 23. Die Rechte Gottes vor Augen haben bedeutet dieselbigen zu lieben. Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (Mt. 6,21). Es ist uns aber nötig, dass wir das Gesetz Gottes stets vor unsern Augen haben, weil wir durch viel Dinge und Zufälle beunruhigt und bald da-, bald dorthin gerissen werden. Wer aber Lust hat am Gesetz des Herrn, der wird dieses auch von freien Stücken tun. Denn wo die Lust nicht da ist, so werden wir gar bald die Worte Gottes hinter uns zurückwerfen. Darauf wird sodann bald folgen eine Geringschätzung derer Wege des Herrn, und endlich gar ein vorsätzliches Sündigen wider Gott und dergleichen. Martin Luther 1519.

V. 23-24. Ein unredlicher Mensch beachtet solche Worte nicht, die sich wider seine (besondere) Sünde richten. Derartige Vorschriften sind für ihn ein leeres Blatt, das er beiseite legt. Er will nicht daran denken; nur, dass das Gewissen ihn hie und da daran erinnert, er mag wollen oder nicht. Aber so hält es der Aufrichtige nicht. Er trachtet solchen Geboten, die sich wider die Sünde richten, zu der er von Natur am meisten neigt, gerade so pünktlich zu gehorchen, wie irgendwelchen andern. Ein unaufrichtiger Mensch setzt sich von Gottes Rechten und Satzungen nur so viele als Lebensregeln vor Augen , als seiner Natur, seinen Umständen und den Anschauungen seiner Zeit scheinbar anzupassen sind; weiter geht er nicht. Dagegen solche Vorschriften, die seinen besondern bösen Neigungen widerstreben oder dem Zeitgeist sonderlich missliebig sind und ihn so dem Leiden aussetzen, die übergeht er und schiebt er beiseite , wie es hier heißt, und hält sie für gering und nebensächlich. Der Aufrichtige dagegen macht keinen Unterschied unter Gottes Geboten, sondern setzt sie sich alle vor Augen als Richtschnur seines Lebens. "Dann werde ich nicht zuschanden werden, wenn ich schaue auf alle deine Gebote." (Ps. 119, 6 Grundt.) Nicholas Lockyer 1649.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 16.03.2019 13:06

Erläuterungen und Kernworte

V. 24. Und so (gemäß V. 23) war ich vollkommen (im Wandel) mit ihm . (Grundt.) Beachten wir: Ein gottesfürchtiger Mensch kann, wiewohl ihm noch Unvollkommensten anhaften, doch völligen Herzens sein, sich in ungeteilter Aufrichtigkeit Gott hingeben, und das ist es, worauf der Herr sieht. Und diese Aufrichtigkeit macht ihn, trotz vieler Mängel, kühn, sogar in der Gegenwart Gottes. Der Herr bezichtigt seine Engel selbst der Torheit, wie viel mehr die in Lehmhäusern wohnen und deren Sein im Staube wurzelt! (Hiob 4,18 f.) David, dessen Glaube einmal gewankt hatte, dass er sprach: Ich werde der Tage einen Saul in die Hände fallen (1. Samuel 27,1), David, dessen Zunge sich wider den Priester Ahimelech verfehlt hatte (1. Samuel 21,3) und der auch sonst dreimal oder viermal eine Unwahrheit gesagt hatte, kann dennoch vor Gott bezeugen, dass er vollkommen gewesen sei im Wandel mit Gott. [Allerdings gilt es hierbei nicht zu übersehen, dass David trotz seiner tiefen Sündenerkenntnis doch noch nicht das volle Licht des Geistes des neuen Bundes besaß] William Strong 1650.

Ein Christ, der vollkommen ist im Wandel mit Gott, erlaubt sich nichts, was er als Sünde erkannt hat. Er wagt es nicht, die verbotene Frucht auch nur anzurühren. Er spricht mit Joseph. Wie sollte ich ein solch großes Übel tun und wider Gott sündigen? (1. Mose 39,9 .) Mag es auch eine angeerbte Sünde sein, er enterbt sie. Es gibt niemand, der nicht zu einer Sünde mehr Hang und Neigung hätte als zu andern. Jeder Mensch hat von Natur eine Sünde, die ihm so teuer ist wie sein rechtes Auge. Diese Sünde ist Satans Hauptbollwerk, all seine Macht liegt in ihr. Er lässt es sich gefallen, dass wir die Außenwerke -- grobe Sünden -- niederreißen, wenn wir ihn nur im Besitz dieser Festung unserer Temperamentssünde lassen; das ist alles, was er begehrt. Er weiß, dass er den Menschen an diesem einen Glied eben so fest hat, wie an einer ganzen Kette voll Lastern. Der Vogelfänger hat das Vöglein all einem Flügel fest genug. Der aufrichtige Christ aber lässt sich gerade in diesem seinem Temperamentsfehler nicht gehen. Er zückt das Messer und durchbohrt damit seine Lieblingssünde. (Vergl. Mt. 5,29 f.) Herodes gehorchte dem Täufer in vielen Stücken; aber eine Sünde war ihm so ans Herz gewachsen, dass er eher dem Propheten das Haupt abschlug als dieser Sünde. Wenn Johannes ihm nur ein Hinterpförtchen für seine ehebrecherische Lust gelassen hätte! Der aufrichtige Mensch hasst die Sünde mit unversöhnlichem Hass; und ob er sieht, dass diese Schlange ihm in den Busen kriecht, -- je näher sie seinem Herzen ist, desto mehr hasst er sie. Thomas Watson 1660.

Ich hütete mich. Hütete mich! Wer hat den Menschen zu seinem eignen Hüter gemacht? Der Herr ist sein Hüter. Wir können uns nicht einmal vor den Sorgen schützen; wie viel weniger vor der Sünde! Gott wirkt in der Tat zuerst an uns; er macht uns lebendig. Es offenbart sich da eine Macht, gleich der, welche Christus an Lazarus erwies; denn wir sind tot in Übertretungen und Sünden. Aber haben wir das Leben, so müssen wir selber wandeln und handeln (wiewohl nur in der Kraft der Gnade); der Herr will, dass wir mit ihm zusammenwirken. Die Macht der Gnade, durch die wir lebendig gemacht werden, ist sein, und er ist es, der in uns wirket beides, das Wollen und das Vollbringen, wo wir etwas ausrichten; und doch tun wir selber es, in Kraft der Gnade. Ille facit, ut nos faciamus, quae praecepit (Augustinus). Vergl. 1.Joh. 5,18. William Strong 1650.

Des Menschen Lieblingssünde kann mit seinen Umständen wechseln. Fleischeslust mag das Schoßkind eines Mannes in seiner Jugend sein, und Geiz und Eigennutz das seines Alters. Wenn jemand zu Ehren kommt und Veranlassungen zur Sünde hat, die er früher nicht kannte, nimmt die böse Lust wohl etwa einen andern Lauf; das Herz aber bleibt das gleiche, böse von Jugend auf und immerdar. William Strong 1650.

Es gibt für jeden eine Sünde, zu der er mehr geneigt ist als zu andern, von der er mit Nachdruck sagen kann; ’s ist meine Sünde , auf die er mit dem Finger weisen kann und sagen: Das ist’s. Je nach dem Beruf und Lebensgang der einzelnen gibt es für sie mehr Anfechtungen zu gewissen Sünden als zu andern. Ich brauche euch nicht zu sagen, was für Versuchungen und Fangstricke verschiedener Sünden z. B. das Hofleben mit sich bringt und wie groß und mannigfach die Gefahren, in diese zu fallen, sind, es sei denn, dass man, im Glauben an Gottes bewahrende Gnade, der Tugend unverbrüchliche Treue gelobe und die Rücksicht auf die Ehre bei Gott einen aufrecht halte. Wer im Kriegsdienst steht, der ist versucht zu Plünderung und Gewalttat, Vernachlässigung des Gottesdienstes und Ruchlosigkeit. Das Handelsleben hat besondere Verführungen zu Lug und Trug, Übervorteilung und Ungerechtigkeit, und das Geheimnis so manches gewinnreichen Handels böser Leute ist recht eigentlich ein "Geheimnis der Ungerechtigkeit". Der Ackersmann wird versucht zu ängstlichem Sorgen um irdische Dinge und zu Misstrauen oder Murren gegen Gottes Vorsehung. Und was endlich den heiligsten Beruf von allen betrifft, so möchte ich wohl wünschen, dass der in diesem Stück eine Ausnahme machte; aber Paulus sagt uns, dass schon zu seiner Zeit etliche Christus predigten um Neides und Haders willen und etliche aus schmutziger Gewinnsucht, so gut wie andere aus guter Meinung. Henry Dove 1690.

Man kann sich über seine Fortschritte in der Abtötung des Fleisches leicht täuschen, wenn man sie nach der Überwindung solcher Lüste und Begierden beurteilt, zu denen man nach seiner Natur nicht besonders hinneigt. Das sicherste Urteil über sich selbst gewinnt man, wenn man das Verhalten zu der Lieblingssünde zum Maßstab nimmt, wie David die Völligkeit seiner Hingabe darnach bemaß, dass er sich vor seiner Sünde hütete. Thomas Goodwin † 1679.

V. 25-27. Wie du ein Verhältnis zwischen der Sünde und der Strafe als deren Lohn wahrzunehmen vermagst, so dass du etwa sagen kannst: "Die und die Sünde hat diese Trübsal hervorgebracht, die Tochter trägt die Züge der Mutter deutlich an sich", so kannst du auch das gleiche Verhältnis zwischen deinem Gebetsleben und deinem Wandel mit Gott einerseits und Gottes Antworten an dich und seinem Handeln gegen dich anderseits wahrnehmen. Thomas Goodwin † 1679.

V. 26.27. Gerade wie das Sonnenlicht gesunden Augen angenehm und wohltätig, denselben Augen aber, wenn sie schwach, entzündet oder krank sind, überaus lästig und schmerzlich ist, wiewohl es doch stets ein und dieselbe Sonne ist, so hat sich auch Gott von jeher denen mild und gütig erwiesen, die gegen die Seinen liebreich und wohlwollend sind, und barmherzig denen, so Barmherzigkeit üben; aber gegen dieselben Menschen erweist er sich, wenn sie in Gottlosigkeit fallen und hartherzig werden, voller Zorn und Grimm; und doch ist er der eine und selbe von Ewigkeit zu Ewigkeit unveränderliche Gott. Robert Cawdray 1609.

Du kannst den Herrn, deinen Gott, haben wie du willst, nur nach dem, wie du dich gegen ihn hältst. Wie du mit ihm umgehst, so geht er auch mit dir um; wie du dich gegen ihn bezeugest, so hast du ihn entweder gnädig oder ungnädig, entweder zum reichen Belohner oder zu einem strengen Widersacher. J. D. Frisch 1719.

Es ist Gottes Art, sich gegen die Menschen zu verhalten, wie sie sich gegen ihn verhalten. Wer offen und ehrlich gegen Gott ist, gegen den handelt er auch so. Wer mit ganzer Treue seine Pflicht gegen Gott zu erfüllen bestrebt ist, der wird Gott auch ganz treu finden in der Erfüllung seiner Verheißungen. Ist es deine Lust, ihm wohlzugefallen, so ist es auch seine Lust, dich zu führen, "wie es dir selber gefällt". Hörst du, wenn er ruft, so wird er auch hören, wenn du rufst. Kämpft dagegen jemand wider Gott, so wird Gott auch wider ihn kämpfen. Meinst du, Gott hintergehen zu können, wandelst du verkehrt gegen ihn, so wirst du mit gleicher Münze bezahlt werden. Forderst du ihn heraus mit Sündigen ohne Ende, so wird auch er dich verfolgen mit Strafen ohne Ende. -- Das redliche, wahrhaft fromme Herz ist einfältig, ungeteilt. Für den Heuchler gibt es viele Götter und viele Herren (1.Kor. 8,5), und für jeden von ihnen muss er ein Herz haben; aber für den Aufrichtigen gibt es nur einen Gott, den Vater, und einen Herrn, Jesum Christ (V. 6), und mit einem Herzen dient er ihnen. Wer sein Herz an die Geschöpfe hängt, muss für jedes derselben ein Herz haben, und diese Zertrennung seines Herzens (Hos. 10,2) bringt ihn um. Irdischer Gewinn klopft all seine Tür -- er muss sein Herz ihm hingeben; sachliche Lüste stellen sich ein - auch ihnen muss er sein Herz dienstbar machen; sündliche Liebhabereien machen Ansprüche -- auch ihnen muss er huldigen (denn so gering die Zahl der notwendigen Dinge ist, so endlos die der unnötigen Eitelkeiten). Der Mann ungeteilten Herzens aber hat Gott als sein einiges Teil erwählt und hat all ihm volle Genüge. Richard Steele † 1692.

In Jupiters Vorhalle stehen zwei Gefäße mit Geschenken; das eine ist voll guter Gaben oder Segnungen, das andere voll böser Gaben oder Plagen. So hat Homer von Jupiter gefabelt; von dem wahren Gott, Jahwe, mag man es mit Recht sagen. Wenn es aber hier heißt, Gott erweise sich den Verkehrten verkehrt , so besagt das nicht, Gott sei der Urheber von Bösem, sondern: Er sei der Urheber gerechter Vergeltung, und das ist etwas Heiliges, wie Augustinus († 430) sagt: Quorum Deus non est auctor, eorum est justus ultor. Bischof Miles Smith † 1624.

Gegen den Verkehrten stellt Gott sich nicht nur als verkehrt, sondern er verkehrt sich in der Tat nicht nach Menschenweise vom Guten ins Böse, sondern nach göttlicher, unbegreiflicher Weise von der Barmherzigkeit ins Gericht der Verstockung. Friedr. Christoph Oetinger 1775.

Die beiden Wörter für verkehrt, welche der Grundtext hier hat, bezeichnen etwas Gekrümmtes, Verflochtenes, Verdrehtes. Das zweite wird auch vom Ringen gebraucht (1. Mose 30,8), weil der listige Ringkämpfer seinen Körper dreht und windet, um seinem Gegner einen Vorteil abzuringen. Solcher Art sind die verdrehten Menschen; sie drehen und winden sich nach allen Seiten und lügen und betrügen um irgendeines Vorteils willen. Man kann sie nirgends fassen, aus allem winden sie sich heraus; niemand weiß, was sie meinen, wenn sie noch so deutliche Sprache führen, noch so feierliche Eide schwören. Wenn man schon meint, ihnen ins Gesicht zu blicken, so ist es nur ihre Maske. Wie aber kann das Wort verdreht vom Herrn ausgesagt werde? Wenn die Menschen sich winden und drehen und darauf sinnen, mit Kniffen und Winkelzügen andere zu fangen oder gar den Herrn selber anzuführen, so begegnet der Herr ihnen auf ihre Weise und bezahlt ihnen mit ihrer Münze. Er kann sich wenden so schnell wie sie; er kann sich in so verworrenen Labyrinthen unfassbarer Weisheit und heiliger List verbergen, dass auch der listigste all der Lügner und Betrüger darin verstrickt und gefangen wird. Joseph Caryl † 1673.

Man vergleiche 5. Mose 32,5 "die verkehrte und böse Art", wo im Hebräischen dieselben beiden Wörter gebraucht sind. Siehe ferner 1. Samuel 2,30; 15,23; Jes. 3,16 ff.; 28,9.21; 29,9 ff.; 31,2; Spr. 3,34; 19,29; Hiob 5,13 f.; Röm. 1,18 ff. usw. John Trapp † 1669.
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Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps18

Beitragvon Jörg » 19.03.2019 16:09

Erläuterungen und Kernworte

V. 29. Ja, du erleuchtest usw. -- wenn kein anderer es kann. Man beachte, wie der Psalmist hier und sonst oft, damit beginnt, von Gott zu sprechen, und damit endet, zu Gott zu sprechen. So sagt auch die Braut im Hohen Liede: Er küsse mich mit dem Kusse seines Mundes; denn deine Liebe ist lieblicher denn Wein (Hohel. 1,2.) Dionysius der Kartäuser 1471.

V. 30. Über die Maueren springen. Bezieht sich wohl auf das Erklettern und Erstürmen der feindlichen Wälle. John Kitto † 1854.

In einem Briefe aus Genf, März 1784: "Die schönste halbe Stunde macht mir jeden Tag David. Ich bin bald wieder so im Hebräischen, wie ich im Griechischen bin. Es ist nichts Griechisches, nichts Römisches; im ganzen Abendland und im Land gegen Mitternacht ist nichts gleich dem David, welchen sich der Gott Israels ausersah, ihn höher zu singen als die Götter von Nationen. Vom Geist geht, schallt er tief in das Gefühl, und nie, seit ich lebe, nie ist Gott mir so vor Augen gewesen."
In einem Briefe aus Mainz, Dezember 1788, tröstet er sich mit dem Psalm 18,30 : Denn mit dir kann ich Kriegsvolk zerschmeißen und mit meinem Gott über die Mauern springen. "Die Psalmen macht einem ein vielversuchtes Leben sehr lieb." Der Geschichtschreiber Joh. von Müller, † 1809.

V. 31. Das Wort und die Rede Gottes wird uns im Leiden gegeben, und da leidet es gleichsam mit uns und beweist sich bei allen demütigenden Erfahrungen als durchläutert. K. H. Sieger † 1791.

Der Herzog und Kurfürst Maximilian von Bayern hat im Jahr 1627 in grobem Missbrauch der heiligen Schrift silberne Gulden schlagen lassen mit dem Bild der Jungfrau Maria und der Umschrift: Cycleus omnibus in te sperantibus, Du bist ein Schild allen, die auf dich vertrauen. Der nächste Vers schon hätte ihn eines Besseren belehren können, denn der heißt: Denn wo ist ein Gott, ohne der Herr, oder ein Hort, ohne unser Gott? Freimund 1885.

V. 33. Gott, der mich gürtet mit Kraft. (Grundt.) Eines der morgenländischen Bekleidungsstücke, die ich in jenen Gegenden trug, war der Gürtel. Er war mir eine wesentliche Hilfe bei den langen, ermüdenden Kamelritten durch die Wüste. Die Hilfe und Stärkung, die ich auf diese Weise empfing, gaben mir eine bessere Vorstellung von dem, was der Psalmist mit diesen Worten meint. John Andersen 1856.

V. 34. Er macht meine Füße gleich den Hirschkühen. (Grundt.) Schnelligkeit der Bewegung galt als eine wesentliche Eigenschaft des Helden im Altertum. Achilles wird gefeiert als schnellfüßig. Virgil schildert den Nisus mit dichterischer Übertreibung: et ventis et fulminis ocior alis, schneller als Wind und Blitz. Und die Gaditer, die zu David kamen, "starke Helden und Kriegsleute, die Schild und Spieß führten, und ihr Angesicht wie der Löwen", waren "schnell wie die Rehe (die Gazellen) aus den Bergen" (1. Chr. 12,8). Ebenso wird Asahel geschildert als leichtfüßig wie eine Gazelle auf dem Felde (2. Samuel 2,18). Auch 2. Samuel 1,19 übersetzen manche: Die Gazelle Israels (mit Bezug auf Saul oder Jonathan), vergl. V. 23. Warum die Hirschkuh genannt ist, mag sich entweder nach Thomas Gataker († 1654) daraus erklären, dass die weibliche Form im Hebräischen oft gebraucht wird, um die Gattung zu bezeichnen (vergl. Eselin Hiob 1,3; 42,12), oder aus der Annahme Samuel Bocharts († 1667) und anderer, dass der Huf der Hirschkuh von besonderer Härte sei, was sie befähige, an den rauhesten und felsigsten Orten sicher zu wandeln. So nennt auch Virgil die Hirschkuh aeripes, erzfüßig. Andere stellen die Hirschkuh als das Bild der Gewandtheit und Schnelligkeit hin. Es hindert uns nichts, hier einen Hinweis auf beides, die Kraft und die Schnelligkeit der Füße der Hirschkuh, anzunehmen. D. John Brown 1853.

V. 40. Ja, Du gürtest (Luther: rüstest) mich mit Stärke zum Streit. (Grundt.) Wohlgegürtet sein heißt auch nach lateinischer und griechischer Ausdrucksweise, wie im Hebräischen, wohlgerüstet sein. Dr. jur. Alexander Geddes † 1802.

V. 42. Sie rufen, aber da ist kein Helfer; zum Herrn, aber er antwortet ihnen nicht. Der traurigen Beispiele gibt es genug, die die Wahrheit dieses Wortes bestätigen. Von Esau steht geschrieben: Er fand keinen Raum zur Buße, wiewohl er sie mit Tränen suchte (Ebr. 12,17). Von Antiochus Epiphanes erzählt der Geschichtschreiber (2.Makk. 9,17 f.), obwohl er in seiner letzten Krankheit gelobt habe, selber ein Jude zu werden und in aller Welt die Gewalt Gottes zu preisen und zu verkündigen, habe dennoch die Krankheit nicht nachgelassen, denn es sei Gottes gerechter Zorn über ihn gekommen. Aber am genauesten entspricht diesem Wort, was von Saul geschrieben steht (1. Samuel 28,6): Er fragte den Herrn um Rat; aber der Herr antwortete ihm nicht , weder durch Träume noch durchs Licht noch durch Propheten. Darum warnt uns der Prophet: Gebt dem Herrn, eurem Gott, die Ehre, ehe denn es finster werde und ehe eure Füße sich an den dunkeln Bergen stoßen (Jer. 13,16), wie Sauls Füße in der Tat zu Fall kamen auf den dunkeln Bergen Gilboas. Johannes Lorinus † 1634.

Der Selbsterhaltungstrieb drängt den Menschen dazu, in der äußersten Not Hilfe suchend nach oben zu blicken; da aber solche Gebete nur aus dem Begehren des Fleisches nach Erleichterung und Behagen stammen, nicht aber ein geistliches Verlangen nach Gnade und Segen aus der Trübsal sind, auch nur aus der äußersten Verzweiflung an anderer Hilfe geboren werden, hört Gott sie nicht. In der Parallelstelle 2. Samuel 22 steht: Sie sehen sich um (nach Hilfe, oder: nach andern Göttern); aber da ist kein Helfer ; wenn sie also irgendeine andere Ausflucht gehabt hätten, würde Gott nie einen Laut des Flehens von ihren Lippen vernommen haben. John Trapp † 1669.

V. 43. Im Morgenland wird aller Abgang und Kehricht der Haushaltungen auf die Gasse geworfen, wo alles, was davon essbar ist, alsbald von den Vögeln und Hunden vertilgt wird, während das übrige sehr schnell an der Sonne vertrocknet oder verwest. Jemand hinschütten wie Straßenunrat (Grundt.) ist demnach ein starkes Bild der Verachtung und Verweisung. Vergl. Jes. 10,6; Sach. 10,5. John Kitto † 1854.

V. 47. Der Herr lebet, und gelobet sei mein Hort; und erhoben werde der Gott meines Heils. Lasst uns unsere Herzen in diesem Lobgesang vereinigen. Ehren und Würden, Vergnügungen und alles, was in der Welt ist, stirbt und vergeht; aber der Herr lebt . Mein Fleisch ist nichts als Staub; mein irdisches Leben, meine fleischliche Kraft und Herrlichkeit sind nichts als in den Sand geschriebene Worte; aber gelobt sei mein Fels. Jene währen einen Augenblick, dieser steht auf ewig. Niemand anders werde erhoben. Dieser Herr ist mein Fels; dieser Gott ist mein Heil. Peter Sterry 1649.

Der Herr lebt. Warum stellt ihr nicht diesen einen Gott all den Heeren von Übeln entgegen, die euch rings umgeben? Warum lasst ihr nicht desto mehr Gott eures Herzens Freude und Genüge sein, je weniger ihr diese im Geschöpf findet? Warum rühmt ihr euch nicht Gottes, warum richtet ihr euch nicht auf an dem, was ihr von ihm zu hoffen und zu erwarten habt? Seht ihr nicht die jungen Erben großer Reichtümer ihrem Stande gemäß handeln und leben? Warum solltet denn ihr, die ihr doch Söhne des himmlischen Königs seid, tagaus, tagein hungrig und in Lumpen einhergehen, als hättet ihr keinen Groschen Vermögen? O ihr Fürstenkinder, lebt doch von eurer fürstlichen Apanage. Schämt euch doch, so ärmlich zu tun! Ihr habt große, köstliche Verheißungen, reiche und immer reicher werdende Gnaden; ihr könnt von der vollen Genüge, die in Gott ist, unumschränkten Gebrauch machen. Ihr habt es niemand als euch selbst zuzuschreiben, wenn ihr in Mangel und Kleinmut dahingeht. Eine von Herzen gottselige Frau hatte eben ein Kind unter den Rasen gebettet und saß nun da in ihrer Einsamkeit und tiefen Betrübnis; aber sie richtete ihr Herz auf, indem sie rief: Gott lebt. Sie musste sich von einem zweiten Kindlein trennen; dennoch wiederholte sie das Glaubenswort: Das Liebste auf Erden mag sterben; Gott lebt. Endlich starb ihr heiß geliebter Gatte und sie war tief gebeugt und ganz überwältigt vom Kummer. Da kommt ihr jüngstes Kind, das ihr noch geblieben war und das beobachtet hatte, womit sie sich vordem Trost zugesprochen hatte, zu ihr und sagt: Mutter, ist Gott tot? Das traf ihr ins Herz und belebte durch Gottes Gnade ihre frühere Zuversicht zu ihrem Gott, dem lebendigen Gott. Auf solche Weise mögt auch ihr euch zurecht helfen. Fragt euren unter dem Druck der Sorgen und des Kummers dahinsinkenden Mut: Lebt denn dein Gott nicht mehr? Warum denn so verzagt? Was ist’s, dass dein Herz in dir erstirbt, wenn dir Irdisches genommen wird? Kann der Ewiglebendige nicht deine ersterbenden Hoffnungen mit Ewigkeitsleben erfüllen? Oliver Heywood 1672.

V. 48f. Engl. Übers.: Es ist Gott, der usw. "Mein Herr, dies ist nichts anders denn Gottes Hand, und ihm allein gebührt die Ehre, in die kein anderer mit ihm sich teilen soll. Der Heerführer diente Euch mit ganzer Treue und ist Eures vollen Dankes würdig; aber das beste Lob, das ich ihm geben kann, ist dies, dass ich es wagen darf zu sagen, dass er alles Gott zuschreibt und lieber umkommen, als sich die Ehre zueignen wollte." -- Schreiben Oliver Cromwells an den Sprecher (Präsidenten) des Unterhauses nach der Schlacht von Naseby, am 14. Juni 1645.

V. 50. Ich bewundere den König David viel mehr noch in diesem Lobgesang, als bei seinen Heldentaten. Denn im Kampf überwand er alle seine Feinde; aber in solchem Lobgesang zu Ehren seines Gottes überwand er sein eigenes Ich. Thomas Playfere 1604.

Homiletische Winke

V. 2. Der Liebe Entschluss, der Liebe Logik, der Liebe Anfechtung, der Liebe Sieg.
V. 3. Die Vortrefflichkeit Jahwes in der Mannigfaltigkeit ihrer Erweisungen gegen die Seinen.
Gott das allgenugsame Teil der Seinen.
V. 4. Gebet und Lobpreis; ihr Erfolg, im Glauben vorausgenommen.
V. 5-7. Treffendes Bild einer bedrängten Seele; ihre Zuflucht in der Stunde der höchsten Angst.
V. 6a. Der Zustand der Seele unter der Überzeugung der Sünde.
V. 6b. Wie uns überall Fangstricke entgegenstarren, die satanische List uns legt, um uns den Tod zu geben. (Wörtl.: Es starrten mir die Schlingen des Todes entgegen)
V. 7. Die rechte Zeit und rechte Weise des Gebets; Gottes Hören und Erhören.
V. 8. Wie vor dem Zorne Gottes alles erbebt.
V. 11. Himmlische und irdische Kräfte den göttlichen Zwecken dienstbar.
V. 13. Hagel und Feuerkohlen. Das Schreckliche in seiner Beziehung zu Jahwe.
V. 17. Der Christ gleich Mose aus dem Wasser gezogen. Der ganze Vers ein feiner Predigttext, den man auch sonst mit Bildern aus dem Leben Moses erläutern kann.
V. 18. Des Gläubigen Triumphlied über Satan, den starken oder grimmen Feind (Grundt. Einzahl), und alle andern Widersacher.
V. 18b. Denn sie waren mir zu mächtig. (Grundt.) Ein seltsamer, aber stichhaltiger Grund, göttliche Hilfe zu erwarten.
V. 19. Des Feindes List: Sie fielen mich an zur Zeit meines Unglücks. Des Feindes Ohnmacht: Aber der Herr ward meine Stütze.
V. 20. Der Grund der Gnade, und der Stand, in den die Gnade ihre Auserwählten versetzt.
V. 21f. Reinheit des Wandels, ihr Maß, ihre Quelle, ihr Segen und ihre Gefahren.
V. 23. Die Notwendigkeit, das Heilige heilig zu halten, und die Gottlosigkeit, es gleichgültig zu vernachlässigen.
V. 24. Der redliche Christ und sein Verhalten zur Sünde.
Peccata in deliciis. Eine Predigt über Schoßsünden.
Der sichere Prüfstein völliger Hingabe an Gott.
V. 26-27. Das Echo der Vorsehung, der Gnade und des Gerichts. Die Gerechtigkeit des göttlichen Handelns gegen die Menschenkinder.
V. 28. Tröstliche Aussicht für die Elenden, trostlose für die Stolzen.
V. 28b. Wie der Herr die hohen Augen erniedrigt -- in Gnade und Gericht - bei Frommen und bei Sündern, usw. Ein umfassendes Thema.
V. 29. Eine tröstliche Hoffnung für eine traurige Lage.
V. 30. Heldentaten des Glaubens. Ihre Verschiedenheit, ihre Schwierigkeit und Leichtigkeit, ihre Vollkommenheit und Tadellosigkeit.
V. 31. Gottes Weg, Gottes Wort und Gottes Wehr.
V. 32. Eine Herausforderung 1) an die Götzen: Welt, Lust, Mammon usw. Wer unter diesen verdient den Namen eines Gottes? 2) an die Felsen: Selbstvertrauen, Aberglauben usw. Worauf darf man trauen?
V. 33-35. Harte Proben, gnädige Unterweisungen, wertvolle Fähigkeiten, sichere Stätten, dankerfülltes Bekenntnis.
V. 36. Der Schild deines Heils . 1) Was ist darunter zu verstehen? Der Glaube. 2) Woher stammt er? Du gibst mir usw. 3) Was sichert er? Das Heil. 4) Wer empfängt ihn?
V. 37. Die Freundlichkeit des Herrn in der Zuteilung unseres Loses.
V. 40. Der Ritter vom roten Kreuz, gewappnet zum Kampfe.
V. 42. Nutzlose Gebete -- auf Erden und in der Hölle.
V. 43. Der sichere Untergang und die schließliche Schmach alles Bösen.
V. 44b. Unsere natürliche sündliche Entfremdung von Christus - kein Hindernis für die Gnade.
V. 45. Die schnellen Fortschritte des Evangeliums an manchen Orten, verglichen mit den langsamen an andern Orten. Ernste Erwägungen.
V. 47. Der lebendige Gott. Wie wir ihn loben und erheben sollen.
V. 51. Die Größe des Heils. Sein Vermittler; der König. Seine Dauer: ewig.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps19

Beitragvon Jörg » 24.03.2019 07:28

Kommentar & Auslegung zu PSALM 19


Inhalt

Es wäre ein müßiges Beginnen, darüber Untersuchungen anzustellen, in welchem Lebensabschnitt David dies köstliche Gedicht abgefasst haben mag; denn weder in der Überschrift, noch im Inhalt ist ein Anhaltspunkt für derartige Nachforschungen zu finden. Die Überschrift: Ein Psalm Davids, vorzusingen , meldet uns, dass David es verfasst und dem Sangmeister des Heiligtums zur Verwendung im öffentlichen Gottesdienste übergeben hat. Der königliche Psalmsänger hatte sich in seinen jungen Jahren, als er noch die Schafe seines Vaters hütete, dem Studium der beiden großen göttlichen Bücher -- der Natur und der heiligen Schrift -- hingegeben, und er war so völlig in den Geist dieser beiden einzigen Bände seiner Bibliothek eingedrungen, dass er, wie kaum einer, befähigt war, sie in heiliger Kritik miteinander zu vergleichen und eins dem andern gegenüberzustellen und zwar zur Verherrlichung ihres gemeinsamen Verfassers, der seine Erhabenheit in beiden zu erkennen gibt. Wie töricht und gottlos ist es doch, statt die beiden ehrwürdigen Bände dankbar entgegenzunehmen und mit Freuden in beiden dieselbe göttliche Hand zu erkennen, allen Scharfsinn daran zu wenden, um Verschiedenheiten und Widersprüche zwischen ihnen aufzufinden. Wir mögen ganz gewiss sein, dass die wahren "Spuren der Schöpfung" der Genesis (dem 1. Buche Mose) in keinem Stück widersprechen und ein richtiger "Kosmos" niemals in irgendetwas Wesentlichem von dem Schöpfungsbericht des Mose abweichen wird. Gelehrt sein heißt nicht immer weise sein. Wahre Weisheit legt der an den Tag, der beide, das Buch der Welt und das Buch des Wortes, als zwei Bände eines Werkes liest und dabei von der Empfindung durchdrungen wird: Mein Vater in den Himmeln hat sie beide geschrieben.

Einteilung

Der Psalm zerfällt in drei Abschnitte: Die Schöpfung offenbart Gottes Herrlichkeit V. 2-7, das Wort offenbart seine Gnade V. 8-12; V. 13-15 ; erbittet David sich Gnade. So verbinden sich in dem Psalm Lobpreis und Bitte miteinander; der Dichter, der die Werke Gottes in der Welt um ihn her besungen hat, fleht am Schluss, dass die göttliche Gnade in seinem Herzen ihr herrlichstes Werk treibe.

Auslegung

2. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes,
und die Feste verkündigt seiner Hände Werk.
3. Ein Tag sagt’s dem andern,
und eine Nacht tut’s kund der andern.
4. Es ist keine Sprache noch Rede,
da man nicht ihre Stimme höre.
5. Ihre Schnur gehet aus in alle Lande,
und ihre Rede an der Welt Ende;
er hat der Sonne eine Hütte an ihnen gemacht;
6. und dieselbe gehet heraus, wie ein Bräutigam
aus seiner Kammer,
und freut sich, wie ein Held zu laufen den Weg.
7. Sie gehet auf an einem Ende des Himmels
und läuft um bis wieder an sein Ende
und bleibt nichts vor ihrer Hitze verborgen.


2. Die Himmel erzählen die Ehre Gottes. Das Buch der Natur hat drei Blätter: Himmel, Erde und Meer; von diesen dreien ist der Himmel das erste und herrlichste Blatt, und mit seiner Hilfe vermögen wir die Schönheiten der beiden andern recht zu erkennen. Jedes Buch würde ohne sein erstes Blatt in bedenklicher Weise unvollständig sein, insonderheit aber die große Bibel der Natur, da ihre erste Seite, Sonne, Mond und Sterne, auf den ganzen übrigen Teil des Werkes Licht wirft und so der Schlüssel zu diesem Buche ist, ohne den die Schrift auf den folgenden Blättern dunkel bliebe und nicht zu entziffern wäre. Der Mensch ist mit seinem aufrechten Gang offenbar dazu geschaffen, den Himmel, der sich über ihm wölbt, zu erforschen und wer im Buche der Schöpfung zu lesen beginnt, indem er die Sterne durchforscht, fängt das Buch an der rechten Stelle an.

Das Wort die Himmel steht im Hebräischen stets in der Mehrzahl wegen der Mannigfaltigkeit der überirdischen Schöpfungsgebiete. Es sind darin begriffen der Wasserhimmel mit seinen Wolken von unzählig mannigfaltiger Gestaltung, der Lufthimmel mit seiner Abwechslung von Stille und Sturm, der Sonnenhimmel mit an dem Glanz des Tages und der Sternenhimmel mit all den Wundern der Nacht. Was aber erst der Himmel Himmel sein mag, das ist in keines Menschen Herz gekommen; doch erzählt dort in vollendetster Weise alles die Ehre Gottes. Jeder Teil der Schöpfung hat mehr Belehrung in sich, als der Menschengeist je ausschöpfen wird; aber das Gebiet der Himmel ist eine besonders reiche Fundgrube geistlicher Wissenschaft. Die beiden Zeitwörter des Verses stehen im Hebräischen in der Partizipialform, um anzudeuten, dass es sich um ununterbrochen fortdauernde Bezeugungen handelt. Fort und fort lassen die himmlischen Herolde, die hoch droben über der Welt dahinwandeln, ihren Ruf erschallen und bezeugen Gottes Dasein und seine Macht, Weisheit und Güte. Wer Gottes Erhabenheit ahnen möchte, der blicke zu dem sternbesäten Gewölbe über sich empor; wer die göttliche Weisheit zu sehen begehrt, erwäge das wunderbare Gleichgewicht der Himmelskörper; wer Gottes Treue erkennen möchte, beachte die Regelmäßigkeit des Ganges der Planeten; und wer einen Begriff von Gottes Macht, Größe und Majestät gewinnen will, der suche die geheimnisvolle Anziehungskraft und Abstoßungskraft dieser Welten, die unermessliche Größe der Fixsternwelt und den hehren Schönheitsglanz des ganzen himmlischen Heeres abzuschätzen und zu würdigen. Die Himmel erzählen aber nicht nur von Herrlichkeit, sondern von Gottes Herrlichkeit. Sie liefern uns so unumstößliche Beweise für das Dasein eines selbstbewussten und anweisen Schöpfers, der dies wunderbare Weltall geplant hat und es am Zügel hält und regiert, dass jeder, der nicht in Vorurteilen befangen ist, dadurch überzeugt werden muss. Das Zeugnis der Himmel ist nicht ein bloßer Wink, sondern eine deutliche, unmissverständliche Verkündigung: Sie erzählen als lebendige Zeugen die Schöpferehre Gottes und zwar beständig, ununterbrochen. Aber was für Nutzen hat auch das lauteste Zeugnis für einen Tauben oder der deutlichste Hinweis für einen geistlich Blinden? Der heilige Geist muss uns erleuchten; sonst werden alle die Millionen von Sonnen, die die Milchstraße dem Auge durchs Fernrohr zeigt, uns Gott nicht näher bringen.

Und die Feste verkündigt seiner Hände Werk, das ist, was seine Hände geschaffen haben und schaffen können. Das weithin über die Erde ausgebreitete Himmelsgewölbe tut Gottes Meisterschaft kund; denn der unermessliche Raum ist voll von unnachahmlichen Kunstwerken der göttlichen Schöpferhand. Dem großen schaffenden Geist werden Hände zugeschrieben, um damit die Sorgfältigkeit und Kunstmäßigkeit seines Wirkens anzuzeigen und der armseligen Fassungskraft von uns Sterblichen entgegenzukommen. Es ist demütigend zu sehen, dass selbst die frömmsten und erleuchtetsten Geister, wenn sie ihren erhabensten Gedanken über Gott Ausdruck zu geben wünschen, dazu Worte und Bilder gebrauchen müssen, die der Erde entnommen sind. Wir sind Kinder am Verständnis und müssen ein jeder für sich bekennen: Ach, ich urteile und rede wie ein Kind (vergl. 1.Kor. 13,11)! -- Am Himmelszelt droben lässt Gott gleichsam sein Sternenbanner wehen, als Zeichen, dass der König in seinem Palast ist; dort ist sein Wappenschild ausgehängt, dass die Gottesleugner sehen mögen, wie er ihre Kriegserklärung gegen ihn verachtet. Wer zum Sternenzelt aufblickt und sich dennoch für einen Atheisten ausgibt, brandmarkt sich im selben Augenblick entweder als Blödsinnigen oder als Lügner. Es ist zu sonderbar, dass es unter denen, die Gott lieben, Leute gibt, die sich davor fürchten, das herrliche Buch der Natur, das doch Gottes Schöpferehre und seine Meisterschaft verkündet, zu erforschen. Die falsche Geistlichkeit etlicher Gläubigen, die zu himmlisch sind, um die Himmel zu betrachten, hat dazu beigetragen, dem prahlerischen Geschwätz der Ungläubigen, als ob die Natur der Offenbarung widerspräche, einen Anstrich von Berechtigung zu geben. Die weisesten Menschen sind die, welche mit frommem Eifer den Fußspuren des Ewigen sowohl im Reich der Schöpfung als im Reich der Gnade nachgehen; nur Toren haben Angst, es könnte ein ehrliches Erforschen der Natur dem Glauben an Gottes Offenbarung im Wort schädlich sein. D. James Mac Cosh sagt (1850) gut: "Die Bemühungen, Gottes Werke gegen sein Wort aufzuspielen und dadurch Eifersüchteleien zu erregen, auszubreiten und zu verewigen, die geeignet sind, Parteien zu trennen, welche in engster Gemeinschaft leben sollten, haben uns oft mit Trauer erfüllt. Ganz besonders haben wir es stets bedauert, dass es Leute gibt, welche die Natur herabsetzen zu sollen glauben, um dadurch das Wort Gottes zu erheben; wir haben darin nie etwas anderes sehen können als das Herabwürdigen eines Teils der Werke Gottes in der Hoffnung, dadurch den andern Teil im Werte zu erhöhen und zu empfehlen. Man sehe Wissenschaft und Glauben doch nicht als zwei feindliche Burgen an, die sich gegenseitig Trotz bieten und deren Besatzungen gegeneinander drohend die Waffen schwenken. Sie haben zu viele gemeinsame Feinde -- wenn sie nur daran denken wollten -- wie Unwissenheit und Vorurteile, Leidenschaften und Laster in allen ihren Gestalten, als dass sie ihre Kraft in nutzloser gegenseitiger Befehdung vergeuden dürften. Die Wissenschaft hat eine feste Grundlage und der Glaube desgleichen; vereinigen sie sich miteinander, so wird die Basis breiter und Wissenschaft und Glaube bilden dann zwei Teile eines mächtigen, Gott zu Ehren errichteten Baues. Der eine sei der äußere, der andere der innere Vorhof. In dem einen mögen alle schauen und bewundern und anbeten; im andern mögen die, welche im kindlichen Verhältnis des Glaubens stehen, niederknien und beten und lobpreisen. Das eine sei das Heiligtum, wo menschliche Gelehrsamkeit ihren köstlichsten Weihrauch Gott als Opfer darbringt; das andere sei das von jenem durch den nun zerrissenen Vorhang getrennte Allerheiligste, wo wir die Liebe unserer versöhnten Herzen auf dem blutbesprengten Gnadenthron ausschütten und die Offenbarungen des lebendigen Gottes mit geöffnetem Ohr vernehmen."
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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