Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer Davids von Spurgeon

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Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps28

Beitragvon Jörg » 28.12.2019 13:57

Erläuterungen und Kernworte

Auf dass ich nicht gleich werde denen, die in die Grube fahren. Großer Gott, du siehst meine traurige Lage. Nichts erscheint mir groß und begehrenswert auf dieser Erde wie das Glück, dir dienen zu dürfen und doch bringen mich meine Verhältnisse und Pflichten in Verbindung mit Menschen, welche die Gottseligkeit verurteilen und verspotten. Mit innerem Abscheu höre ich sie Tag für Tag die unaussprechlich herrlichen Gaben deiner Gnade schmähen und lästern und den Glauben und die Inbrunst der Frommen als Geistesschwachheit verspotten. Da ich solcher Gottlosigkeit ausgesetzt bin, ist mein einziger Trost, Gott, der, dass ich mein Herzeleid vor dir ausschütte und zu dir um Hilfe rufe. Obwohl diese gotteslästerlichen Reden jetzt in meiner Seele nur Entrüstung und Mitleid hervorrufen, so fürchte ich doch, sie könnten auf die Länge meine sittliche Kraft schwächen und mich auf die krummen Pfade der Menschengefälligkeit und Nachgiebigkeit bringen. Und doch wäre das deiner Herrlichkeit so unwert und der Dankbarkeit, die ich dir schulde. Ich fürchte, ich möchte, ohne es recht zu wissen, einer von den Feiglingen werden, die erröten, wenn es deinen Namen zu bekennen gilt. Mir graut bei dem Gedanken, dass ich so gottlos werden könnte, den Zügen deiner Gnade hartnäckig zu widerstreben, so treulos, dass ich mit meinem Zeugnis wider die Sünde zurückhalte, so im Selbstbetrug gefangen, dass ich meine strafwürdige Furchtsamkeit mit dem Namen der Klugheit beschönige. Schon fühle ich, wie sich dieses Gift unbemerkt in mein Herz einschleicht; denn obwohl ich von ferne nicht möchte, dass mein Wandel dem der Ruchlosen auch nur im Geringsten ähnlich würde, so befällt mein Herz doch Furcht bei dem Gedanken, sie zu beleidigen. Ich würde mich nicht unterstehen, ihrem Beispiel zu folgen; aber ich bin fast eben so bange, sie zu reizen. Ich weiß, dass es unmöglich ist, beide, eine ungöttliche Welt und einen heiligen Gott, zu befriedigen, und doch verliere ich diese Wahrheit so aus den Augen, dass sie, statt mich in meinem Entschluss zu festigen, nur dazu dient, mein Schwanken desto unentschuldbarer zu machen. Was kann ich anders tun, als dich um Hilfe anzuflehen! Stärke du mich, Herr, gegen diesen Verfall meiner sittlichen Kraft; bewahre mich vor dem Abwärtsgleiten, wodurch deine Ehre verlästert würde. Lass mich deine ermutigende, belebende Stimme vernehmen. Wenn dein Lebensodem mich nicht durchweht und meinen schwachen Glauben anfacht, so ist, das fühle ich, nur ein Schritt zwischen mir und der Verzweiflung. Ich stehe am Rande des Abgrunds, ich bin nahe daran, in eine fluchwürdige Verwicklung mit solchen Leuten zu geraten, denen nichts lieber wäre, als wenn sie mich mit sich in den Höllenschlund hinabreißen könnten. Jean Baptiste Massillon † 1742.

V. 2. Es ist einer der ältesten Gebräuche, so man in dem Volk Gottes findet, dass sie, ein Zeichen der Erhebung ihrer Seelen zu Gott von sich zu geben, ihre Hände im Gebet gen Himmel erhoben. So hielt Mose seine Hände empor, 2. Mose 17,11 f., wie auch vorher 2. Mose 9,33 . Diesen gottseligen Gebrauch hatte David als König auch an sich genommen. Was beschuldigen sich dann heutzutage unsere Staats-, Hof- und Kriegsleute, dass sie sich dieses Gebrauchs beschämen? Hätten sie Herzen, die auf Gott gerichtet, Seelen, die von der Welt gen Himmel erhaben wären, so würden sich die Hände bald auch konfirmieren. J. D. Frisch 1719.

Ein rechtschaffenes Gebet fordert das ganze Herz und alle Kräfte und eine starke, nie zweifelnde Zuversicht zu Gott. So das Herz und Gemüt zu Gott erheben, das ist das rechte Händeaufheben, welches durch die äußerliche Gebärde ausdrückt wird. Aurelius Augustinus † 430.

V. 3. Lass mich nicht einmal mithingenommen werden, wie den unschuldigen Jonathan, mit den Boshaften und mit den Freveltätern: Wenn ich etwa wider meinen Willen vermischt sein muss mit Leuten, die friedlich reden mit ihren. Nächsten und doch das Böse im Herzen haben. F. C. Oetinger 1775.

David hat nicht deswegen so gebetet, weil er wirklich meinte, dass Gott ohne Wahl willkürlich gegen die Menschen wüte, sondern er zieht von der Natur Gottes den Schluss, dass er guter Hoffnung sein dürfe, da es ja sein eigentliches Amt sei, die Frommen und die Verworfenen voneinander zu scheiden und einem jeglichen den Lohn zu geben, den er verdient. Jean Calvin † 1564.

Die freundlich reden mit ihrem Nächsten und haben Böses im Herzen. Wer vor Gott wandelt, dem ist alle Verstellung, auch gegen die Menschen, ein Gräuel. Herz und Zunge gehen bei ihm Hand in Hand; er kann nicht mit dem Munde schmeicheln und mit dem Herzen hassen, ins Angesicht loben und hinter dem Rücken tadeln. Die Liebe sei nicht falsch, sagt der Apostel (Röm. 12,9), sei ungefärbt (1. Petr. 1,22). Heuchlerische Liebe ist schlimmer als offener Hass; verstellte Freundschaft ist nicht besser als eine gemeine Lüge, denn man gibt damit etwas vor, was nicht ist. Viele machen es Joab nach, der zu Amasa sprach: "Friede mit dir, mein Bruder!" und ihn mit der rechten Hand bei seinem Bart fasste, da er ihn küsste, und ihm im selben Augenblick das Schwert in den Leib stieß, da er starb. (2. Samuel 20,9 f.) Man sagt, es gebe in Spanien einen Fluss, in dem alle Fische eine goldene Farbe hätten; nehme man sie aber aus dem Wasser, so seien sie ganz wie andere. Nicht alles ist Gold, was glänzt. Falsche Mäuler bergen Hass (Spr. 10,18). Und wie kann, wer seinem Freund schmeichelt und lügt, gegen Gott aufrichtig sein? Thomas Watson 1660.

Hiermit hat der heilige Geist fein abgemalet aller falschen Heiligen Herz, Mut und Sinn, die alle die Kainische Art (1. Mose 4,8) an ihnen haben. Denn aller Heuchler Art und Natur ist diese, dass sie einen guten Schein führen, reden freundlich, stellen sich demütig, geduldig, geben Almosen und ist doch daneben ihr Herz voll mörderischer, tückischer Anschläge. Martin Luther † 1546.

V. 4. Gib ihnen nach ihrem Tun usw. Hier drängt sich wiederum die Frage auf, ob es denn recht sei, auf jemand Rache herabzuflehen; doch will ich nur kurz davon handeln. Erstens ist es außer allem Zweifel, dass, wo das Fleisch uns reizt, Rache zu suchen, dies Begehren in den Augen Gottes frevelhaft ist. Gott verbietet uns nicht nur, unsern Feinden als Rache für Unbill, die sie uns persönlich zugefügt haben, Böses anzuwünschen, sondern es kann auch gar nicht anders sein, als dass alle die Gelüste, welche aus dem Hass entspringen, sündig sind. Auf Davids Verhalten dürfen sich daher diejenigen nicht berufen, welche ihre ungezügelte Leidenschaft dazu treibt, Rache zu begehren. Nicht seine persönlichen Kümmernisse sind es, durch die der heilige Gottesmann hier entflammt wird, seinen Feinden Verderben anzuwünschen; sondern, ganz abgesehen von den Gelüsten seines Fleisches, fällt er hier ein gerechtes Urteil über die Sache selbst, über die Gottlosigkeit seiner Feinde. Bevor daher jemand Rache über die Bösen verkündigen darf, muss er erst Herz und Sinn von allem Ungehörigen reinigen. Zweitens gilt es Weisheit, dass uns die Verabscheuungswürdigkeit des Bösen, das uns erzürnt, nicht zu leidenschaftlichem Eifer entzünde, wie das sogar Christi Jüngern begegnete, als sie begehrten, dass Feuer vom Himmel fallen möchte, um die zu verzehren, welche ihren geliebten Meister nicht beherbergen wollten (Lk. 9,54). Sie meinten, sich dabei sogar auf das Vorbild des Elia berufen zu können; Jesus aber bedrohte sie und sagte ihnen: Wisset ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Vor allem gilt es, diese Regel zu beobachten, dass wir von Herzen das Wohlergehen des ganzen Menschengeschlechts wünschen und dafür wirken. Dann werden wir nicht nur den Wirkungen der göttlichen Gnade nicht widerstreiten, sondern die Bekehrung derer herzlich begehren, welche hartnäckig ihrem eignen Verderben entgegenzueilen scheinen. Kurz, David ist hier frei von böser Leidenschaft und wird sowohl vom Geist der Besonnenheit als der Gerechtigkeit geleitet. Nicht seine, sondern Gottes Sache ist’s, die er vertritt. Und durch dies Gebet erinnert er sowohl sich als die übrigen Gläubigen, dass die Gottlosen, wenn sie sich auch für eine Zeit ungestraft die Zügel mögen schießen lassen zur Ausübung aller Laster, doch zuletzt vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen müssen. Jean Calvin † 1564.

Es ist in solchen Stellen bei richtiger Erklärung sicherlich nichts zu finden, was die göttliche Autorität dieser alttestamentlichen Schriftstücke auch nur im Geringsten anfechten könnte. Wie deutlich lehrt uns der Herr Jesus selber (Lk. 9,54 f.), dass sein Geist und der Geist eines Elia nicht derselbe sind. Und doch nimmt ohne Zweifel kein Prophet des alten Bundes eine höhere Stelle ein -- als eben der Prophet Elia. Unser Heiland verurteilt den Propheten keineswegs; er verbietet aber seinen Jüngern, einen gleichen Eifer an den Tag zu legen. J. J. Stewart Perowne 1864.

Ja, großer Gott, gerade weil du voll Anfang an stets bemüht gewesen bist, die Menschen zu retten, wirst du gewiss mit ewigem Fluch diese Kinder der Ungerechtigkeit treffen, die nur dazu geboren scheinen, sich selbst und andere zu verderben. Gerade deine Freundlichkeit gegen das Menschengeschlecht erfordert es, dass das Unwetter deines Zornes über diese Verführer hereinbreche. Je mehr du für unser Geschlecht getan hast, desto sicherer wird sich die Strenge deiner Gerechtigkeit in der Vertilgung dieser Elenden enthüllen, deren Sinnen einzig daran geht, deiner Güte gegen die Menschen entgegenzuarbeiten. Sie bemühen sich unaufhörlich, die Menschen weit von dir abzubringen und du wirst es ihnen vergelten, indem du sie auf ewig von dir entfernst. Sie achten es für einen großen Gewinn, wenn sie ihre Mitmenschen zu deinen Feinden machen können; so sollen sie denn den verzweifelten Trost haben, dass sie selber deine Feinde sein werden in alle Ewigkeit. Gibt es wohl eine passendere Strafe für diese Elenden, die alle in ihre Empörung wider deine anbetungswürdige Majestät verwickeln möchten, als dass sie, durch die Gemeinheit ihres Wesens, auf ewig unter dem schrecklichen Zwang sein sollen, dich ohne Unterlass zu hassen? Jean Baptiste Massillon †1742.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps28

Beitragvon Jörg » 30.12.2019 15:42

Erläuterungen und Kernworte

Die Ägypter töteten die israelitischen Knäblein, deshalb schlug Gott die Erstgeburt Ägyptens. Sisera , der mit seinen eisernen Wagen Israel zu verderben gedachte, wurde getötet durch den eisernen Nagel, den Jael ihm durch die Schläfe trieb (Richter 4,13.21). Adoni-Besek musste bekennen: Wie ich getan habe, so hat mir Gott wieder vergolten (Richter 1,5-7). Gideon richtete in Sukkoth und Pnuel ein Blutbad an und seine siebzig Söhne wurden von Abimelech erschlagen auf einem Stein (Richter 8,16 f.; 9,5). Abimelech wiederum büßte diese Freveltat, indem ein Weib von dem Turm zu Thebez einen Mühlstein auf seinen Kopf warf und ihm den Schädel zerbrach (Richter 9,53). Simson büßte seine Augenlust durch Blindheit. Über Agag fällte Samuel das Urteil: "Wie dein Schwert Weiber ihrer Kinder beraubt hat, also soll auch deine Mutter der Kinder beraubt sein unter den Weibern", und zerhieb ihn zu Stücken vor dem Herrn in Gilgal (1. Samuel 15,33). Saul hatte die Gibeoniter getötet; um dieser Bluttat willen wurden sieben seiner Söhne gehängt (2. Samuel 21,1-9). Bekannt ist, wie Gott dem Ahab das Blut Naboths auf seinen Kopf vergalt, dass an eben der Stätte, da die Hunde das Blut Naboths geleckt hatten, die Hunde auch sein Blut leckten (1.Kön. 21,19; 2.Kön. 9,25 f.). Dem Jerobeam verdorrte eben die Hand, die er wider den Knecht Gottes ausgereckt hatte (1.Kön. 13,4). Joab, der Abner und Amasa getötet hatte, fand seine Vergeltung nach langer Zeit (1.Kön. 2,28-35). Daniels Ankläger kamen in der Löwengrube um, worin sie Daniel für immer begraben geglaubt hatten (Dan. 6). Haman sehen wir an dem Galgen hangen, den er für Mardochai bestimmt hatte (Esther 7,9 f.). Auch die Geschichte der späteren Zeiten weist viele ähnliche Beispiele auf. Der Sultan Bajazet wurde von dem asiatischen Eroberer Tamerlan i. J. 1402 in einem eisernen Käfig umhergeführt, wie er es mit Tamerlan beabsichtigt hatte. Der Kaiser Maxentius baute i. J. 312 eine Brücke, um Konstantin in einer Schlinge zu fangen, und wurde an eben dem Ort besiegt. Papst Alexander VI. starb i. J. 1503 an Giftwein, den er für andere bestimmt hatte. Karl IX. von Frankreich überschwemmte in der Bartholomäusnacht 1572 die Straßen von Paris mit dem Blut der Hugenotten, und bald nachher drang ihm das Blut aus allen Teilen seines Leibes in blutigem Schweiß. Kardinal Beaton überlieferte den frommen George Wishart dem Feuertode und starb bald darauf (1546) eines gewaltsamen Todes; er wurde im Bett ermordet und seinen Leichnam stellte man an demselben Fenster zur Schau, aus dem er der Hinrichtung Wisharts zugesehen hatte. G. S. Bowes 1860.

Es ist ein wunderlich Ding um die Gerichte und die Gerechtigkeit Gottes, dass Gott alle Dinge richtet und straft nach dem Herzen des Menschen und dass einem Menschen eben das widerfahren muss, was er im Herzen hat. Darum sagt St. Paulus: Lerne doch prüfen, was da sei der gute und wohlgefällige Wille Gottes (Röm. 12,2), und lerne ihn von dem Willen des Satans unterscheiden, auf dass, wenn du das Gute erwählst, du erfüllt werdest mit aller Gottesfülle; wo du das nicht tust, sondern Böses im Herzen hast, so folgt daraus, dass du wirst erfüllt werden mit aller Fülle des Satans, das ist, mit aller seiner Bosheit. Aurelius Augustinus † 430.

V. 5. Denn sie achten nicht auf das Tun des Herrn usw. Dieser Vers deckt die Wurzel der bösen Werke, die Gottlosigkeit, auf: Die Bösen sind deshalb so dreist, andern zu schaden, weil sie nicht bedenken, dass sie mit Gott selbst zu schaffen haben, wenn sie die Menschen feindlich angreifen und vor keiner Schandtat zurückschrecken. Klagt ihr Gewissen sie an, so beruhigen sie sich mit eitler Selbstbespiegelung und werden in ihrer frechen Selbstherrlichkeit endlich ganz verstockt. Zuerst, wenn sie berauscht sind von ihrem Glück, bilden sie sich ein, dass Gott ihr Freund sei und dass er sich um die Guten, weil diese viele Drangsale zu leiden haben, nicht kümmere. Zuletzt kommen sie jedoch dahin, dass sie meinen, dass alles durch Zufall geschehe, und so sind sie durch eigene Schuld bei hellem Lichte blind. Jean Calvin † 1564.

Bei 5a denkt David vorzugsweise daran, dass sie schmählich verkennen, wie so gar herrlich und gnädig sich Gott immer aufs Neue zu ihm als seinem Erwählten bekannt hat. Er hat 2. Samuel 7 die Verheißung empfangen, dass Gott ihm ein Haus bauen , d. i. seinem Königtum ewigen Bestand verleihen wolle. Die Absalomiten sind in Empörung gegen diese göttliche Veranstaltung begriffen. Darum werden sie das Widerspiel der dem David gegebenen Gottesverheißung erleben: Jahwe wird sie niederreißen und nicht bauen; er wird diese widergöttlich aufgerichtete Dynastie in ihrem Entstehen vernichten. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Das Tun Jahwes meint die Zeichen der Zeit, vorläufige Strafgerichte, durch die er seinen Unwillen über jenes gottlose Treiben zu erkennen gibt, vergl. 64,10, über die sich aber die verstockten Sünder leichtsinnig hinwegsetzen. -- Das letzte Versglied: "Mög er sie niederreißen und nicht auferbauen!" ist eine sprichwörtliche Redensart, vergl. Jer. 24,6; 42,10; 45,4. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

V. 6. Er hat erhört ... Das Gebet ist das beste Mittel in der Not. Es ist das rechte Universalheilmittel, kein solches, wie es die Quacksalber anpreisen, sondern auf Grund vieltausendjähriger Erfahrung hat es das Zeugnis: Probatum est, es ist erprobt und bewährt erfunden. Und der beste, weiseste und geschickteste Arzt hat es uns verordnet; es kann nicht fehlschlagen. D. William Gouge † 1653.

V. 7. Der Herr ist meine Stärke. Welch süßer Trost! Wenn jemand eine Last auf sich hat, ihm aber zu der Bürde Kraft gegeben und, wenn die Bürde verdoppelt, seine Kraft verdreifacht wird, so wird ihm die Last nicht schwerer, sondern leichter sein, als zuvor, da er nur seine natürliche Kraft hatte. So mögen unsre Trübsale wohl schwerer werden, dass wir ausrufen müssen: "Ich kann’s nicht tragen"; aber wenn wir unsere Bürden in unserer Kraft auch nicht tragen können, warum sollte uns das in der Kraft des Herrn nicht möglich sein? Meinen wir wirklich, unser Heiland könnte sie nicht tragen? Und wenn dieser Gedanke sich rasch selber richtet, warum sollten wir dann nicht dazu gelangen, sie tragen zu können? Aber können wir denn, möchte jemand fragen, Christi Kraft haben? Ja gewiss, seine Kraft wird uns zu Eigen durch den Glauben; das bezeugt die Schrift oft. Der Herr ist unsere Stärke; Gott ist unsere Stärke; der Herr Zebaoth ist unsere Stärke; Christus ist unsere Stärke. Siehe Ps. 28,7; 43,2; 118,14; Jes. 12,2; Hab. 3,19; Kol. 1,11 . So ist denn Christi Kraft unsere Kraft, sie ergießt sich in uns, so dass wir fähig werden, zu tragen, was immer uns auferlegt wird. Isaac Ambrose † 1674.

Der Herr ist innen meine Stärke und nach außen mein Schild. Der Glaube findet beides, Kraft und Schutz, in Jahwe und das eine nicht ohne das andere; denn was nützte dem Krieger ein Schild, wenn er keine Kraft zum Streiten hätte, und was die Kraft ohne den Schild? D. W. Wilson 1860.

Auf ihn hofft mein Herz und mir ist geholfen. Dem Glauben wird das zur Wirklichkeit, was er doch noch nicht sehen kann. Er hat eine eigne Art des Konjugierens, hat jemand gesagt: Er wandelt die zukünftige Zeit in die Gegenwart. John Trapp † 1669.

Und aus meinem Liede lasse ich sein Lob ertönen. (Grundt.) Aus dem Leide quillt das Lied und aus dem Liede quillt das Lob des, der das Leid gewendet, wie V. 6. 8 es anstimmen. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 8. Der Herr ist ihre Stärke : nicht meine Stärke allein, sondern die Stärke eines jeden Gläubigen. Merke: Gottes Kinder freuen sich ebenso sehr über die Tröstung und Hilfe, die ihren Nächsten widerfährt, wie über die, welche sie selbst erfahren. Denn wie wir die Wohltat des Sonnenlichtes nicht weniger genießen, weil andere auch daran teilhaben, so wäre es auch töricht, wenn wir andere deshalb beneideten, weil ihnen das Licht des göttlichen Angesichts leuchtet: Es ist des Lichtes genug für alle, genug für jeden Einzelnen. Matthew Henry †1714.

V. 9. Erhöhe sie, richtiger: trage sie -- wie der Hirt die Schwachen, die Kleinen und die Kranken seiner Herde emporhebt und in den Armen trägt. Albert Barnes † 1870.

Homiletische Winke

V. 1. Zu dir, Herr, rufe ich, mein Hort. Des Gläubigen Zuflucht in der Stunde des Zagens.
Des Frommen Furcht, den Gottlosen gleich zu werden.
Gottes Schweigen - wie schrecklich es sein kann.
Gleich denen, die in die Grube fahren. Wie tief eine Seele sinken kann, wenn Gott sich schweigend von ihr abkehrt.
V. 1-2. Das Gebet. 1) Seine Natur: ein Schreien zu Gott. Der Schrei a) Äußerung des Lebens (neugeborenes Kind); b) Ausdruck des Schmerzes; c) Ruf um Hilfe. 2) An wen es sich richtet: Jahwe, mein Hort. Gott ist unseres Lebens Grund, unsere Zuflucht und unser unwandelbarer Freund. 3) Was es erstrebt: Höre mich, schweige mir nicht. Wir erwarten eine Antwort und zwar eine klare und bestimmte, eine baldige, unseren Nöten angemessene und wirksame Antwort. 4) Worauf es sich gründet: auf Gottes Gnade in Christus Jesus. (Zu deinem heiligen Chor: Gottes Thronen im Allerheiligsten über dem blutbesprengten Gnadenstuhl, vergl. Röm. 3,25; Hebr. 4,16; Eph. 1,7; Röm. 5,2.)
V. 3. 1) Das Wesen der Gottlosen, das wir meiden sollen. (Sie sind gottlos, nach dem Wort des Grundtextes sittlich haltlos, charakterlos; verüben Unheil; heucheln mit der Zunge; haben Böses im Herzen.) 2) Ihr Schicksal, das wir fürchten sollen. (Sie werden hingerafft ins Verderben.) 3) Die Gnade, die uns vor beidem, ihrem Wesen und ihrem Schicksal, bewahren kann.
V. 4. Maß für Maß, oder: Wie der Frevel, so die Strafe.
V. 5. Eine sträfliche Vernachlässigung, in der viele beharren und durch die sie sich reichen Segens verlustig und schrecklicher Verdammnis teilhaftig machen.
V. 6. Gebetserhörungen sind es wert, dass wir sie im Herzen bewahren, anderen bezeugen und den Herrn dafür preisen.
V. 7. Des Gläubigen Reichtum in Gott (Lk. 12,21). 1) Im Blick auf die Gegenwart ist der Herr a) seine Stärke im Wirken und Dulden; b) sein Schild wider jede Gefahr Leibes und der Seele. 2) Im Blick auf die Vergangenheit (Auf ihn traute mein Herz und mir wurde geholfen) ist er reich an Erfahrungen des Trostes, der Hilfe, der Erquickung von Gottes Angesicht. 3) Im Blick auf die Zukunft ist seine Seele fröhlich und still in Gott und sein Herz erklingt von Gottes Lob. (Kol. 3,16 f.)
Die Anbetung Gottes auf Grund seiner Gnade. 1) Was der Herr dem Gläubigen ist. 2) Wie unsere Herzen gegen ihn gestimmt sein sollen.
V. 8. Die Allmacht Gottes steht den Gläubigen zur Verfügung auf Grund ihrer Einheit mit dem Gesalbten des Herrn.
V. 9. Ein Gebet für die streitende Gemeinde Gottes auf Erden.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 04.01.2020 13:47

PSALM 29 (Auslegung & Kommentar)



Überschrift

Die Überschrift sagt uns nur, dass wir wiederum einen Psalm Davids vor uns haben.

Inhalt

Der Psalm preist die Herrlichkeit Gottes, wie sie sich im Hallen des Donners und im Toben des Sturmes kundgibt. Siebenmal erschallt die Stimme des Herrn in diesem Psalm, daher man ihn den Psalm der sieben Donner nennt. Wie man den achten Psalm beim Mondlicht und Sternenglanze lesen muss und wie zum 19. , wenn man seine Schönheit voll empfinden will, der Strahl der aufgehenden Sonne gehört, so fühlt man die Kraft des 29. am gewaltigsten, wenn auf dunklem Flügel der Orkan daherbraust und ringsumher Blitze aufleuchten oder das zweifelhafte Zwielicht den Krieg der Elemente ankündigt. Die Verse schreiten im Grundtext nach dem Schall der Donnerschläge einher. Überall gibt der Herr seine Nähe kund und die ganze Erde verstummt vor der Majestät seiner Gegenwart. Wir mögen in der erhabenen Naturoffenbarung Gottes auch sein Wort in Gesetz und Evangelium nach der Herrlichkeit seiner Macht gleichsam abgespiegelt sehen, wie Luther den Psalm überschreibt: "Vom Donner göttlichen Worts." Rechte Prediger sind "Donnersöhne" (Mk. 3,17), und die Stimme Gottes in Jesus Christus ist voller Majestät. Vielleicht zeigt uns ein prophetischer Durchblick in diesem Psalm auch die furchtbaren Stürme der letzten Tage (vergl. die sieben Donner Off. 10,3) und wie Gottes Volk darin gesichert sein wird.

Einteilung

Die beiden ersten Verse sind ein Aufruf zur Anbetung. Von V. 3-10 wird der Lauf des Wetters geschildert und zwar so, dass Gott dadurch in all der furchtbaren Erhabenheit seiner Macht verherrlicht wird. Der letzte Vers gibt einen lieblichen Abschluss mit der Versicherung, dass der allmächtige Gott seinem Volk beides, Stärke und Frieden, geben werde. Mögen Himmel und Erde vergehen, der Segen des Herrn wird seinem Volke bleiben.

Auslegung

1. Bringt her dem Herrn. ihr Gewaltigen,
bringt her dem Herrn Ehre und Stärke!
2. Bringt dem Herrn die Ehre seines Namens;
betet an den Herrn in heiligem Schmuck!

1. Bringet her dem Herrn, ihr Gewaltigen, Grundt. ihr Gottessöhne , bringet her dem Herrn Ehre (Herrlichkeit) und Stärke , d. h. erkennet sie ihm preisend zu. Weder Menschen noch Engel können Jahwe etwas geben; aber sie sollen seine Herrlichkeit und Macht erkennen und sie in ihren Liedern wie in ihren Herzen rühmen. Dem Herrn, und ihm allein, soll die Ehre dargebracht werden. Was die Menschen Naturkräfte nennen, das ist Gottes Walten, und wir dürfen nicht ihnen die Macht zuschreiben, sondern nur dem unendlichen, unsichtbaren Wesen, dem alles sein Dasein verdankt. Ihr Gewaltigen (Luther). Ihr Großen der Erde und des Himmels, ihr Könige und ihr Engel, betet miteinander den Seligen und allein Gewaltigen (1.Tim. 6,15) an. Ihr Herren auf Erden bedürft dieser Mahnung; denn ihr fehlt oft da, wo eure geringeren Brüder in Inbrunst anbeten. Lasst euch nicht länger da vermissen. Beugt sogleich eure Häupter und leistet dem König der Könige die Huldigung, die auch ihr ihm schuldet. Wie oft halten es die Großen und Mächtigen der Erde unter ihrer Würde, den Herrn zu fürchten! Kommen sie aber dahin, Jahwe die Ehre zu geben, so ist ihre Frömmigkeit der schönste Edelstein in ihrer Krone. Bringet her dem Herrn Ehre (Herrlichkeit) und Stärke . Beides sind die Menschen nur allzu willig für sich selbst in Anspruch zu nehmen, obwohl beides das ausschließliche Vorrecht dessen ist, der das Leben in ihm selber hat (Joh. 5,26). Mögen Kronen und Schwerter ihre Abhängigkeit von Gott anerkennen! Nicht euren Waffen, ihr Könige, gebt die Ehre noch sucht eure Stärke in euren Kriegsheeren; denn all euer Glanz ist wie die welkende Blume und eure Macht ein hinschwindender Schatten. Wann wird der Tag kommen, da die Könige und Fürsten es für ihre Wonne achten werden, ihrem Gott die Ehre zu geben? "Du sollst anbeten Gott, deinen Herrn, und ihm allein dienen"; das sollte das Wappenzeichen auf jedem Waffenrock sein.

2. Bringt dem Herrn die Ehre (Herrlichkeit) seines Namens . Zum dritten Mal dieselbe Mahnung; denn die Menschen sind träge, Gott die Ehre zu geben, und zumal die Großen sind oft von der eignen Herrlichkeit allzu sehr eingenommen, als dass sie Zeit hätten, Gott das ihm gebührende Lob darzubringen, obwohl nichts von ihnen gefordert wird, als was durchaus recht und billig ist. Es sollte wahrlich nicht nötig sein, die Menschen so oft zu drängen, dass sie geben, was sie schuldig sind, zumal wo die Zahlung so leicht, die geforderte Huldigung so beseligend ist. Auch Unglaube und Misstrauen, Klagen und Murren rauben dem Herrn die Ehre. In dieser Hinsicht lassen es auch die Gläubigen noch oft daran fehlen, ihrem König die schuldige Ehre zu geben. Betet an den Herrn. Beugt euch vor ihm in tiefer Ehrfurcht und heiliger Scheu und lasst eure huldigende Anbetung den Ordnungen entsprechen, die er selber aufgestellt hat. Einst erforderte der Gottesdienst viele Zeremonien und die Menschen sammelten sich um ein Gotteshaus, dessen feierliche Pracht tiefbedeutsam war und dessen Priester und Sänger in sinnbildlichem heiligem Schmuck dem Herrn dienten. (2. Mose 28,2; 3. Mose 16,4; 2. Chr. 20,21; Ps. 110,3.) Nun aber beten wir an im Geist und in der Wahrheit (Joh. 4,24), und der Baustil der Kirche und die Kleidung der Anbeter sind jetzt unwesentliche Dinge, da die geistige Schönheit der Herzensreinheit und der Heiligkeit im Wandel in den Augen des dreimal heiligen Gottes von weit höherem Wert sind. O dass wir stets in dem heiligen Schmucke anbeteten, der den Heiligen ziemt! In den Ruf zur Anbetung, der in diesen beiden Versen ertönt, stimmt der laut hallende Donner ein, -- das Glockengeläute des Weltalls, das Könige und Engel und alle Erdensöhne zur Anbetung lädt.

3. Die Stimme des Herrn gehet über den Wassern,
der Gott der Ehren donnert,
der Herr über großen Wassern;
4. die Stimme des Herrn geht mit Macht,
die Stimme des Herrn geht herrlich.
5. Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern,
der Herr zerbricht die Zedern im Libanon;
6. und macht sie mit den Füßen ausschlagen wie ein Kalb,
den Libanon und Sirjon wie ein junges Einhorn;
7. die Stimme des Herrn sprüht Feuerflammen.
8. Die Stimme des Herrn erregt die Wüste,
der Herr erregt die Wüste Kades;
9. die Stimme des Herrn erregt die Hirschkühe,
und entblößt die Wälder;
und in seinem Tempel sagt ihm alles Ehre.
10. Der Herr sitzt, eine Sintflut anzurichten;
und der Herr bleibt ein König in Ewigkeit.

3. Die Stimme des Herrn (ergeht) über den Wassern. Dass der Donner die Stimme des Herrn genannt wird, ist nicht nur dichterischer Redeschmuck; der Ausdruck ist von tiefer Wahrheit. Der Donner hallt von oben her; er übertönt alle andern Laute; er flößt Schauer ein; er ist vom Tun der Menschen völlig unabhängig und hat je und je als die gewaltige Begleitung gedient, wo Gott zu den Adamssöhnen redete. Seine besondern Schrecken hat ein Meeressturm, wenn eine Tiefe der anderen zuruft und die tobende See dem zornigen Himmel antwortet. Kein Anblick kann mehr erschüttern als das Zucken des Blitzes rings um den Schiffsmast her und kein Ton ist mehr dazu angetan, ehrfurchtsvolle Scheu zu erwecken, als das Krachen des Donners auf der weiten Flut. Kinder Gottes haben oft mit der anbetenden Freude, die nur die Heiligen kennen, dies erhabene Schauspiel genossen, -- und selbst solche, die Gott fern standen, sind wider Willen von Ehrfurcht erfüllt worden, solange der Sturm tobte.
Der Gott der Ehren oder der Herrlichkeit donnert. Der Donner ist in Wahrheit nicht lediglich eine elektrische Erscheinung, der Herr sendet ihn. Selbst die alten Heiden redeten vom donnernden Zeus; aber unsere modernen Weisen wissen nur von Gesetzen und Kräften. An alles oder nichts sollen wir glauben, um nur von Gott loszukommen. Die Elektrizität kann aus sich selbst nichts tun. Sie wirkt, wenn sie gerufen und gesandt wird, ihre Botschaft auszurichten. Solange der allmächtige Gott ihr nicht den Auftrag gibt, ist ihr Feuerstrahl macht- und wirkungslos. Ebenso gut könnte ein Granitblock oder eine Eisenstange mitten in den Himmel fliegen, als der Blitz treffen kann, ohne dass der große Urheber aller Dinge ihn sendet. Der Herr (donnert) über großen Wassern . Noch hört das Ohr des Sängers keine Stimme, außer der Stimme Jahwes, wie sie aus den vielgestaltigen und dunkeln Wassern des obern Ozeans der Wolken hervorbricht und von den unzähligen Wogen der sturmgepeitschten See drunten widerhallt. Die Wasser über und unter der Feste staunen wegen der Stimme des Ewigen. Und wo der heilige Geist die göttlichen Verheißungen über den Trübsalsfluten unserer Seele erschallen lässt, da offenbart sich Gott so herrlich in der Welt des Geistes, wie nur je in der sichtbaren Welt. Über uns, unter uns und um uns ist lauter Friede, wenn der Herr uns Frieden zuspricht.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 08.01.2020 16:45

4. Die Stimme des Herrn (ergeht) mit Macht. Eine unwiderstehliche Macht begleitet den Blitz, welcher der Donner Ausdruck gibt. In einem Augenblick richtet die Kraft der Elektrizität, wenn es des Herrn Wille ist, die wunderbarsten Dinge aus. Ein Schriftsteller, der diesen Gegenstand behandelt, sagt, es sei im Blitz ein Licht enthalten von der Intensität der Sonne in ihrer vollen Leuchtkraft, eine Hitze, fähig, die härtesten Metalle zu schmelzen, eine Gewalt, die augenblicklich die der mächtigsten Tiere lähme, eine Macht, die die alles durchdringende Schwerkraft der Erde aufhebe, und eine Energie, die die innigsten chemischen Verbindungen auflösen und wiederherstellen könne. Mit Recht spricht der Dichter 2 von dem "unwiderstehlichen Blitz"; denn dieser ist die höchste der von Gott geschaffenen Naturkräfte, gegen deren Gewalt wir alle ohnmächtig sind.
Machtvoll, wie in der Natur, ist die Stimme Gottes auch im Reich der Gnade. Der Leser wolle den Vergleich durchführen. Er wird im Evangelium vieles finden, davon der Donner Gottes im Wetter ein Gleichnis ist. Gottes Stimme, sei es in der Natur, sei es in der besondern Offenbarung, erschüttert Himmel und Erde. Sehet zu, dass ihr den nicht abweist, der da redet! (Hebr. 12,25.) Ist seine Stimme so gewaltig, wie muss erst seine Hand sein! Hüten wir uns, sie wider uns zu reizen!
Die Stimme des Herrn geht herrlich, oder (ergeht) mit Majestät. Der König der Könige redet eine königliche Sprache. Gleichwie, wenn der Löwe brüllt, alle Tiere des Waldes verstummen, so wird die Erde still und stumm, wenn Jahwes gewaltiger Donner rollt; alles ringsumher wird in bebende Furcht und banges Staunen versetzt. Und was das geschriebene Gotteswort betrifft, so tritt seine Majestät hervor in der Art, wie es redet, wie auch in seinem Inhalt und in seiner Gewalt über das Menschenherz. Gott sei Dank, es ist die Majestät der Gnade; sie schwingt ein silbernes Zepter. Solcher Majestät ist das Wort von unserer Erlösung bis zum Überfließen voll.

5. Die Stimme des Herrn zerbricht (die) Zedern.

Vom Blitz zersplittert, steht die prächt’ge Tanne, -
Ein rauchgeschwärzter Stumpf.

Mächtige Baumriesen fallen krachend nieder unter der Macht des geheimnisvollen Geschosses oder stehen verdorrt als Gedenkzeichen seiner Macht. Der Libanon selbst ist nicht sicher, so hoch er sich erhebt und so uralt seine ehrwürdigen Wälder sind: Der Herr zerbricht die Zedern im Libanon . Die höchsten und ansehnlichsten unter den Bäumen wie unter den Menschen dürfen nicht darauf rechnen, frei auszugehen, wenn sich der Herr in seinem Zorn naht. Das Evangelium Jesu hat eine gleiche Herrschaft über die Unzugänglichsten unter den Sterblichen; und wenn der Herr sein Wort sendet, so zerbricht es Herzen, die stolzer sind als die Zedern des Libanon.

6. Und machet sie mit den Füßen ausschlagen wie ein Kalb, den Libanon und Sirjon 3 wie einen jungen Wildochsen 4. Nicht nur die Bäume (V. 6 a), sondern die Berge selbst (V. 6 b) bewegen sich, als wenn sie hüpften und sprängen, wie junge Wildochsen oder Antilopen. Das glorreiche Evangelium Gottes hat mehr als die gleiche Macht über felsenhartes Widerstreben und bergehohen Stolz des Menschen. Die Stimme unseres sterbenden Herrn hat die Felsen zerrissen und die Gräber aufgetan; die Stimme des erhöhten Heilands wirkt noch die gleichen Wunder, gepriesen sei sein Name! Die Berge unserer Sünden stürzen in sein Grab und versinken in dem roten Meer seines Blutes, wenn seine Mittlerstimme sich vernehmen lässt.

7. Die Stimme des Herrn sprüht Feuerflammen. Wie bei den Schlägen eines schweren Hammers die Funken vom Amboss fliegen, so begleitet das Flammen des Blitzes Jahwes Donnerschläge. Dass die Blitzstrahlen wirkliche Feuerflammen sind, erweist sich ja, sooft der Blitz Häuser oder Kirchen trifft, dass sie in Flammen auflodern. Wie leicht wäre es dem Herrn, mit seinen feurigen Geschossen die aufrührerischen Geschöpfe zu vernichten, -- und wie gnädig ist die Hand, die so große Frevler verschont, da es ihr doch so leicht wäre, sie zu zerschmettern!
Feuerflammen begleiten die Stimme Gottes auch im Evangelium und erleuchten und schmelzen die Menschenherzen; durch sie verzehrt er unsre Lüste und entzündet er in uns die Gluten stets lodernder Liebe und Heiligkeit. Das Pfingstfest gibt zu diesem Vers eine schöne geistliche Auslegung.

8. Nun braust der Sturm über die Wüste dahin. Die Stimme des Herrn erregt 5 die Wüste; der Herr erregt die Wüste Kades. Gott wirbt nicht um den Beifall der Menschen; -- seine größten Werke kommen zustande, wo kein forschendes Menschenauge sie sieht. Wo kein menschlicher Laut vernommen wird, da ertönt die Stimme Gottes erschreckend deutlich. Die weiten, schweigenden Ebenen erzittern vor Furcht. Ihr Schweigen huldigt der Stimme des Allmächtigen. Durch die niedern Ebenen hallt Gottes Stimme, wie über die hohen Berge. Die Armen wie die Mächtigen müssen die Herrlichkeit des Herrn erkennen. Auch öde und unfruchtbare Lande sollen durch den himmlischen Klang des Evangeliums erfreut werden. Welch eine erschütternde und überwältigende Kraft ist in Gottes Wort! Selbst die starre Wüste des toten Formalismus wird in Bewegung gebracht, wenn es der Herr so beschließt.

9. Die Stimme des Herrn macht die Hirschkühe kreißen , d. i. Geburtswehen empfinden. (Grundt.) Diese schüchternen Tiere werfen, von dem Donner zu Tode erschreckt, vorzeitig ihre Last ab. Einige Ausleger lesen mit einer kleinen Änderung: macht die Eichen erbeben, was uns zu der zweiten Vershälfte: und entblößet die Wälder, besser zu passen scheint. 6 Des Waldes dichte Schatten lichten sich 7 in dem unheimlichen Glanz des Blitzes und selbst die dunkelsten Schluchten werden für den Augenblick bloßgelegt.

Durch düstre Wälder zuckt
Der Flammenschein bis in die tiefsten Gründe
Und schreckt das Reh von seinem Lager auf.

Unsere ersten Eltern suchten eine Zuflucht unter den Bäumen, aber die Stimme des Herrn fand sie bald heraus und ließ ihre Herzen erzittern. Vor dem Lichtglanz des Allmächtigen gibt es kein Verbergen; ein Strahl aus seinem zürnenden Auge wandelt die Mitternacht in hellen Mittag. Das Evangelium hat gleiche Kraft über die finstern Herzen; in einem Augenblick erhellt es jeden dunkeln Schlupfwinkel der Gottlosigkeit im Herzen und erfüllt die Seele mit Schrecken vor dem Herrn.
Und in seinem Tempel sagt ihm alles Ehre (oder Herrlichkeit). Die im Tempel anbetend weilten, fühlten sich getrieben, die Herrlichkeit Jahwes zu preisen, als sie die wiederholten Donnerschläge vernahmen. So ist die ganze Welt ein Tempel Gottes und wenn er auf den Fittichen des Windes einherfährt, so ertönt alles von seinem Preis. Auch wir, die Erlösten des Herrn, die wir lebendige Tempel seines Geistes sind, stimmen in den Lobpreis seines Namens ein, da wir die Wunder seiner Macht in der Schöpfung sehen und eben so große Wunder der Gnade an unsern Herzen erfahren. Keine Zunge darf stumm sein in Gottes Tempel, wo es gilt, die Ehre des Herrn zu preisen. Der Grundtext ist kräftig: Und in seinem Tempel (oder Palast 8 sagt (ruft) alles (ein jedes von den Wesen dort, OlIkIu): Herrlichkeit (Glorie). Wir sehen, unsere methodistischen Brüder brauchen sich des nicht zu schämen, wenn sie in feuriger Begeisterung dem Herrn ihr "Gloria, Gloria!" anstimmen. Möchte das Feuer nur stets heiliges Feuer sein!

10. Der Herr thront über der Flut. (Andere Übers. 9 Die Flut des Gewitterregens folgt dem Sturm; aber keine Sintflut kann das Fundament des göttlichen Throns unterwühlen. Der Allmächtige ist ruhig und unbekümmert, wie sehr immer die Tiefe brüllen und toben mag: Sein Regiment waltet auch über dem unbeständigsten und ungestümsten Element. Über der weiten, wilden Wasserwüste wandelt Jahwe als Herrscher und in königlicher Herrlichkeit fährt er daher auf dem Sturm. Der Herr bleibt ein König, Grundt. thront als König, in Ewigkeit . Jesus hat die Herrschaft auf seiner Schulter ewiglich; unser Wohl ruht auch in stürmischen Zeiten sicher in seiner Hand. Nicht Satan ist König, sondern Jahwe-Jesus ist’s. Darum lasst uns ihn anbeten und uns immer über ihn freuen.

11. Der Herr wird seinem Volk Kraft geben ;
der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden.

Eine große Macht hat sich in dem Orkan entfaltet, dessen Verlauf der Psalm so gewaltig schildert. Und nun, in der kühlen Stille nach dem Sturm, wird diese Macht den Auserwählten als ihre Stärke verheißen. Er, der den nie fehlenden Pfeil entsendet, will seinen Erlösten Adlersflügel geben; er, der mit seiner Stimme die Erde erschüttert, wird die Feinde seiner Heiligen erschrecken und seinen Kindern Frieden geben. Warum sind wir schwach, wenn es doch eine göttliche Kraft gibt, zu der wir unsre Zuflucht nehmen können? Warum sind wir voller Sorgen, da doch des Herrn eigener Friede unser ist? Jesus, der starke Gott, ist unser Friede. Welch eine Seligkeit liegt darin schon jetzt! Welch eine Seligkeit wird es uns bringen an jenem Tage, der den Gottlosen Finsternis sein wird und kein Licht!
Lieber Leser, ist das nicht ein köstlicher Psalm, bei Sturm und Wetter zu singen? Kannst du mitten im Donner ein Loblied anstimmen? Wirst du singen können, wenn die letzten Donner erschallen (Off. 10,3) und Jesus die Lebendigen und die Toten richtet? Gehörst du in Wahrheit zu Gottes Volk, so ist der letzte Vers dein Erbteil: Dies mag dir wahrlich zum Singen Mut machen.

Fußnoten
1. Zu dem Ausdruck vergl. die Erläuter. und Kernw. S 538. Gemeint sind jedenfalls die Engel (u. zwar diese ausschließlich), wofür hier V. 9 (wo, gegen Spurgeons Auslegung, der himmlische Tempel gemeint sein wird), sowie Ps. 89,7 (vergl. dort V. 6-8) spricht. Spurgeons Auslegung schießt sich an die alte Übersetzung Söhne der Gewaltigen = Gewaltige an, der auch Luther gefolgt ist. Die Ausdehnung des Begriffs auf die Großen des Himmels und der Erde bei Spurgeon und andern ist keine Bereicherung der Auslegung; vielmehr wird dadurch gerade eine der besondern Schönheiten des Psalms, nämlich der über der irdischen Machtoffenbarung Jahwes im Himmel erschallende Lobgesang der Himmlischen, abgeschwächt.

2. James Thomson († 1748), dem auch die hernach angeführten Zeilen entnommen sind.

3. "Der Schimmernde, Funkelnde," nach 5. Mose 3,9 der phönizische Name des schneebedeckten Hermon.

4. Über Luthers Übersetzung Einhorn siehe die 8. Anm. zu Ps. 22,22.

5. Entweder: macht vor Schrecken erzittern, oder: macht aufwirbeln (vergl. lOx der im Kreise aufwirbelnde Sand).

6. Lowth, Venema u. lesen tOly)" , Eichen oder eigentlich Terebinthen. Diese weibliche Pluralform kommt jedoch nur als Eigenname vor; auch ist die gewöhnliche Übers. des Wortes. für unseren Vers durch Hiob 39,1 verbürgt.

7. Spurgeon denkt hier kaum mit Recht an das Aufdecken des Waldesdunkels durch die Blitzeshelle. Die meisten Ausleger erklären: Der Blitz schält die Bäume, der Sturm entblößt sie von Ästen, Laub und Krone. Vergl. zu dem hebr. Wort Joel 1,7; 1. Mose 30,37.

8. Nach unserer Auffassung von V. 1 ist hier der himmlische Tempel oder Palast gemeint.

9. Grundt. Der Herr thronte (einst) zur Sintflut (= sie anzurichten), oder: über der Sintflut, und so thront der Herr als König in Ewigkeit. Über den Sinn siehe den Auszug aus Delitzsch Seite 543.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Jörg
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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 11.01.2020 14:14

Erläuterungen und Kernworte

Zum ganzen Psalm. Der Psalm gehört zu den erhabensten Denkmälern altisraelitischer Lyrik. Der furchtbarschöne Anblick eines Gewitters begeistert den Dichter zu einem Hymnus auf den, dessen Herrlichkeit im Gewitter zu Tage tritt. Über dem rollenden Donner auf der Erde, dessen Widerhall in dem siebenmaligen "die Stimme des Herrn" vernommen wird, ertönt hoch oben im himmlischen Palast der Lobgesang der Engel, die bewundernd die unbegreiflich hohen Werke ihres Herrn anbeten. Der Sänger aber weiß, dass der Gott, dem eine solche Gewalt über die Natur zusteht, seinem auserwählten Volke Kraft verleihen kann und wird. Wie furchtbar auch sein Walten in der Natur ist, mit seinem Volke hat er Gedanken des Friedens. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Um die Schönheit des Grundtextes, der z. B. das Rollen des Donners (V. 3-9) und das Zucken des Blitzes (V. 7) wunderbar malt, den des Hebräischen unkundigen Leser einigermaßen nachempfinden zu lassen, geben wir hier die Übersetzung von Franz Delitzsch mit einigen Bemerkungen desselben wieder.
Der Psalm gilt einer Machtoffenbarung des im Himmel thronenden und von da die Welt regierenden Gottes. Darum richtet sich der Eingang des Psalms an die himmlischen Geister in der Umgebung des Weltregenten: Sie sollen seinen glorreichen Namen gebührend preisen.
1. Gebet Jahwe, ihr Gottessöhne,
Gebet Jahwe Glorie und Macht!
2. Gebet Jahwe die Glorie seines Namens,
Huldiget Jahwe in heiligem Schmuck!
Sogleich folgt die Schilderung des Gewitters. Die Stimme Jahwes ertönt im Donner und Sturmgebrause, zunächst noch in der Ferne, über den obern Wassern. In V. 3 lassen sich die ersten Donner vernehmen; in V. 4 kommt das Gewitter näher und die Schläge werden stärker.
3. Gedröhn Jahwes über den Wassern,
Der Gott der Glorie donnert,
Jahwe über großen Wassern.
4. Gedröhn Jahwes ergeht in Kraft,
Gedröhn Jahwes ergeht in Pracht.
Nun entlädt sich das Wetter in seiner ganzen Gewalt über den nördlichen Gebirgen.
5. Gedröhn Jahwes zerbricht Zedern,
Es zerbricht Jahwe die Zedern Libanons,
6. Und macht sie aufhüpfen gleich einem Kalbe,
Libanon und Sirjon wie ein Wildochsen-Junges.
Auf jeden Donner folgt sofort der Blitz:
7. Gedröhn Jahwes flammt aus zuckendes Feu’r.
Vom Norden her zieht das Gewitter nach dem Süden Palästinas, in die arabische Wüste, oder es sind zwei Gewitter, die aufeinander stoßen:
8. Gedröhn Jahwes bringt ins Kreisen die Wüste,
Ins Kreisen bringt Jahwe die Wüste Kades.
9. Gedröhn Jahwes versetzt Hirschkühe ins Kreißen,
Es entästet die Wälder -
Und in seinem Tempel sagt alles: "Glorie!"
Dies (V. 9c) ist das himmlische Echo der Machtoffenbarung Gottes auf Erden. Es geschieht, wozu der Dichter V. 1-2 aufgefordert hatte.
Der Regen strömt herab, an die große Flut erinnernd: Gott sitzt auf dem Throne in Gericht und Gnade. Letztere erfahren seine Auserwählten. Die Macht Jahwes wird ihnen als Siegeskraft zuteil, und Friede folgt auf den Sturm.
10. Jahwe ist zur Sintflut gesessen,
Und es sitzet Jahwe ein König auf ewig.
11. Jahwe wird Macht seinem Volk verleihen,
Jahwe wird segnen sein Volk mit Frieden. -- J. M.

Keine Naturerscheinung ist so furchtbar wie das Gewitter und fast alte Dichter, von Homer und Virgil bis zu Dante und Milton und bis in unsre Tage, haben es zu schildern versucht. Auch in der Bibel haben wir eine ergreifende Schilderung eines Gewittersturmes, die außer durch ihre Naturwahrheit besonders durch die Empfindung der Gegenwart Jahwes in jedem der aufeinander folgenden Schläge eine heilige Lebendigkeit und Kraft besitzt. D. James Hamilton 1849.

Im Mittelalter wurde dieser Psalm fleißig gebetet als Mittel gegen das Einschlagen. G. T. 1881.

Ein herrlicher Lobpsalm bei einem Ungewitter, dessen Majestät die ganze Natur erschüttert, so dass im Himmel und au Erden alles die Größe der Macht Gottes fühlt. Dieser Herr ist der Gott seines Volkes, der gibt ihm Kraft und verleiht ihm Frieden. -- Um des Sängers Gefühle recht mitzuempfinden, muss man sich ein Gewitter des Morgenlandes, namentlich des gebirgigen Palästina, denken, welches mit entsetzlichem Schall in den ringsumher liegenden Gebirgen, auch häufig mit wolkenbruchähnlichem Regenguss verbunden, Schrecken über Menschen und Tiere, Zerstörung über Städte und Felder verbreitet. Der Reisende Wilson beschreibt ein solches Ungewitter in der Gegend von Baalbek: "Ich wurde von einem Ungewitter betroffen, als wenn die Schleusen des Himmels sich geöffnet hätten; in einem Augenblick kam es heran und wütete mit einer Gewalt, die das Ende alter Dinge ins Gedächtnis rief. Über das ganze Land war ein feierliches Dunkel verbreitet; in Strömen goss der Regen herab und von den Bergen herunterstürzend wurde er durch die entsetzliche Gewalt des Sturmes in dicke Nebelwolken verwandelt." Vergl. auch das aus dem Leben gegriffene Gleichnis des Herrn, Mt. 7,27. Prof. D. August Tholuck 1843.

V. 2. $deqo trad:ha ist heiliger Ornat, schmuckvolles Feiergewand, 2. Chr. 20,21, vergl. Ps. 110,3 . Eine Machtoffenbarung Gottes steht bevor. Die himmlischen Geister sollen in ihrer ganzen äußern Erscheinung sich dazu rüsten. Wenn V. 2 Aufforderung an die Gemeinde hier auf Erden oder, wie 96,9, an die Erdbewohner wäre, so müsste der Wechsel der Angeredeten ausgedrückt sein; sie ist also, V. 2 wie V. 1, an die Priester des himmlischen lkfyh" (Tempels oder Palastes) gerichtet. Die in den Psalmen betende Gemeine fühlt sich so verbunden den Geistern vor Gottes Thron, dass sie zu diesen redet und wie in dem hohen Selbstbewusstsein einer Vertreterin der Sache Gottes und einer Chorführerin des Gottesdienstes im Himmel und auf Erden diese Geister zum Lobpreise Gottes auffordert (103,20; 148,2). Auch in der Apokalypse (der Offenbarung Johannis) gehen Gottes Gerichten Lobgesänge und Trompetenschall der Engel vorher. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 3. Die Stimme des Herrn geht über den Wassern. Während manche Ausleger unter den Wassern die in den Gewitterwolken angesammelten Wassermassen verstehen, denken andre an das Mittelmeer, von welchem das Wetter heraufziehe. Als Beispiel der Macht des Gewitters auf der See teilen wir folgende Schilderung des Missionars Emil R. Süvern mit, die uns gerade zukommt.
"Wie schnell unser Leben ein Ende haben kann, das wurde mir in der Nacht vom 30. auf den 31. Mai (1894) recht klar. Wir waren in der Nähe der Libyerischen Küste. Schon abends wetterleuchtete es fortwährend die ganze Küste entlang und nachts entfaltete sich ein furchtbares Gewitter. Wer einen solchen Gewittersturm auf dem Meere noch nicht durchgemacht hat, kann sich keinen Begriff davon machen. Furchtbar zuckten die Blitze und entsetzliche Donnerschläge folgten einer nach dem andern. Plötzlich gab es einen Knall, der das ganze Schiff, welches fortwährend hin und her geschaukelt wurde, erschütterte: Es hatte etwa fünfzehn Fuß vom Schiff eingeschlagen. Nun folgte Schlag auf Schlag, einer noch schlimmer als der andere, und wir glaubten jeden Augenblick, dass das Schiff getroffen werde. Was uns einen solchen Gedanken noch entsetzlicher machte, war die Nachricht, dass die beiden Blitzableiter an den Masten nicht in Ordnung seien, sowie die Tatsache, dass wir so viel Pulver und Petroleum an Bord hatten und folglich durch einen einzigen zündenden Schlag hundert und vierzig Personen dem Tode preisgegeben sein würden. Doch der Herr erhörte die Gebete seiner Kinder auf dem Schiff und bewahrte uns in Gnaden vor einem so plötzlichen Ende, wofür wir ihm auch von Herzen dankten. Wir hatten keine Furcht vor dem Tod; aber unser Sehnen ging nach Kamerun und außerdem machte uns das Bewusstsein, dass so viele Menschen unvorbereitet zum Sterben waren, den Gedanken an ein solches Ende zu einem schrecklichen. Drei volle Stunden währte das Gewitter, dann ließ es nach und es blieb nur eine sehr unruhige See zurück. Die Verheißung Jes. 43,2 hatte sich an uns in jeder Beziehung verwirklicht: Wir waren in Feuer- und Wassergefahr gewesen, aber es hatte uns nichts geschadet. Dankbaren Herzens und voller Zuversicht setzten wir unsere Reise fort, im Bewusstsein, dass es gut ist, auf den Herrn vertrauen." -- J. M. 1894.

Die Stimme des Herrn geht über den Wassern. Ja, großer Gott, die Tränenfluten, die meinen Augen entströmen, verkünden deine göttliche Gegenwart in meiner Seele. Dies Herz, bisher so trocken, so dürr, so hart, dieser Fels, den du zum zweiten Male geschlagen hast, wird dir nicht länger widerstehen, denn aus ihm ergießen sich nun Heil bringende Wasser in Fülle. Die gleiche Gottesstimme, welche die Berge umstürzt, sie donnert und blitzt und öffnet den Himmel über dem Sünder; sie gebietet nun den Wolken, Schauer der Segnungen auszugießen und wandelt die Einöde seiner Seele in ein Gefilde, das hundertfältige Frucht bringt. Diese Stimme höre ich. Jean Baptiste Massillon † 1742.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 14.01.2020 16:08

Erläuterungen und Kernworte

V. 3-10. Alle Dinge, die wir gewöhnlich als Wirkungen der natürlichen Kräfte des Stoffes und der Gesetze der Bewegung bezeichnen, sind in der Tat (genau und eigentlich gesprochen) die Wirkungen von Gottes Walten, das beständig und in jedem Augenblick auf den Stoff einwirkt, sei es unmittelbar, sei es mittelbar durch irgendein geschaffenes Wesen, dem Intelligenz verliehen ist. Folglich gibt es nichts derart wie "natürliche Ursachen" oder "Naturkräfte". Samuel Clarke (Freund und Schüler des berühmten Mathematikers und Astronomen Isaak Newton) † 1729.

Die Stimme des Herrn rollt über die See,
Des Ewigen Donner hallt über die Flur.
Die Stimme des Herrn aus verborgener Höh’
Tönt Schrecken und Macht: Es erbebt die Natur.
Durch den schweigenden Wald hallt wider sein Ruf;
In den Schluchten lodert feurige Glut;
Über Wasserströmen thront Er, der sie schuf;
Denn sein ist der Sturm, wie die brausende Flut.
Nach James Montgomery † 1854.

Des Höchsten Ruf durch die Wolken rollt,
Des ewigen Gottes Donner grollt.
Der König tritt auf den Wogen einher,
Er fährt auf der Wolken fliegendem Heer.
Laut tönt des Herrschers Ruf durch die Stille,
Sein Blitz zuckt durch des Sturmes Gebrülle.
Entwurzelt liegen die Zedern schon,
In den Grundfesten wanket der Libanon.
Des Allherrschers Stimme bringt Berge zu Fall,
Zum reißenden Strom ist verwandelt das Tal.
Wenn einst der sterbende Gottessohn ruft,
Da erbeben die Felsen; auf tut sich die Gruft.
Berg Zion und Berg Sirion
Werden hüpfen, wie auch der Libanon.
Des Messias Ruf wird die Erde erschüttern,
Und in Wehen werden die Gräber erzittern:
Zehntausendmal Tausende wird man sehn
Lebend aus ihren Grüften erstehn.
Vom Frieden Gottes die Kunde erschallt,
Gottesfrieden die Erde widerhallt,
Ein ewiges Evangelium, ein Licht,
Das da leuchtet von Gottes Angesicht.
Dies selige Licht will Jahwe senden,
Zu erleuchten die Welt an allen Enden.
Nach John Barclay † 1798.

Die Stimme des Herrn. Die siebenmalige Wiederholung dieses Ausdrucks ist wie eine Folge von Donnerschlägen. Man meint, die furchtbare Artillerie des Himmels eine Salve nach der andern abfeuern zu hören, wobei das Echo Schlag auf Schlag dem Schalle folgt. C. H. Spurgeon 1870.

V. 4. Die Stimme des Herrn geht mit Macht. Ich möchte Gott die Ehre geben, die seinem Namen gebührt, um des wunderbaren Wandels willen, den er in meinem Herzen gewirkt hat. Nichts war in mir zu finden, als rohe Gottlosigkeit und eingewurzelte Leidenschaft. Aus diesem heillosen Zustande wandelte er mich um in einen neuen Menschen und verherrlichte an mir die Ehre seines Namens und die Macht seiner Gnade. Er allein vermag solche Wunder zu wirken. Ungläubige, die die Hand Gottes in der Schöpfung nicht erkennen wollen, müssen gewiss in diesem Falle zugestehen: "Das ist Gottes Finger!" Ja, großer Gott, das Chaos vermag dir nicht zu widerstehen. Es hört deine Stimme und gehorcht. Aber das verhärtete Herz stößt dich zurück und deine mächtige Stimme ruft nur zu oft vergeblich ihm zu. Du bist nicht so groß und wunderbar, wenn du Welten aus dem Nichts ins Dasein rufst, als du es bist, wenn du einem rebellischen Herzen mit Macht gebietest, sich aus dem Abgrund seiner Sünde zu erheben und in den Wegen deiner Gebote zu wandeln. Ein Chaos des Frevels und der Unwissenheit zu zerstreuen durch die Majestät deines Wortes, Licht zu ergießen in die schauerlichste Finsternis und durch den heiligen Geist harmonische Ordnung herzustellen, wo alles Verwirrung war: Das offenbart in weit höherem Maße deine Allmacht, als dass du himmlische Gesetze und überirdische Sonnen aus dem ersten Chaos hervorgerufen hast. Jean Baptiste Massillon † 1742.

Mehr noch als der gewaltige Donner, der in unser Ohr tönt, oder der zuckende Blitz, der in unser Auge leuchtet, treibt Gottes Wort in Gesetz und Evangelium den Menschen zur Anerkennung der Herrlichkeit Gottes. Es ist mehr von königlicher Macht in dem Donner des Worts, als in dem Wort des Donners . Dieses schreckt und überführt; jenes schreckt und beseligt. Wenn Gott durch seine Drohungen erschreckt hat, so tröstet er durch seine Verheißungen. Und hat er uns geängstigt durch die Erkenntnis unserer Sünden und eines Zornes über dieselben, wie durch ein furchtbares Wetter, so erquickt er uns sogleich durch das sanfte Wehen der geoffenbarten Gnade und durch den lieblichen und freundlichen Sonnenschein seiner Huld in Christus Jesus. Joseph Caryl † 1673.

O möchten die Donnersöhne (Mk. 3,17) des Evangeliums sich so mächtig unter dem ganzen Himmel vernehmen lassen, dass die Welt wieder darauf merkte, ehe die Stimme des Menschensohnes, die so oft die Sünder zur Buße gemahnt hat, sie zum Gericht ruft! Bischof D. George Horne † 1792.

Wo eines Königs Wort ergeht, da offenbart sich Macht. Aber welche kaiserliche Stimme kann man dem majestätischen Donner des Herrn vergleichen? C. H. Spurgeon 1870.

V. 5. Die Philosophen meinen, bei der Erforschung der Mittelursachen nicht wissenschaftlich zu verfahren, wenn sie Gott nicht weit von seinen Werken trennen. Das ist indes eine teuflische Wissenschaft, die unsre Betrachtung auf die Werke der Natur festbannt und von Gott abwendet. Wenn jemand einen Menschen kennen lernen wollte und sich dabei um sein Antlitz nicht kümmerte, sondern lediglich die Spitzen seiner Fingernägel ins Auge fasste, würde man mit Recht über solche Torheit lachen. Aber viel größer noch ist die Torheit jener Philosophen, die sich aus den unserem Erkennen zunächstliegenden Mittelursachen gleichsam einen Schleier weben, damit sie nur ja nicht die Hand Gottes erkennen müssen, die sich so deutlich in seinen Werken kundgibt. Jean Calvin † 1564.

Wie Sturm und Blitz im Nu herabfahren und die Berge und höchsten Bäume umstürzen, so bringt der Herr die Stolzen, Hoffärtigen und Anmaßenden zu Fall, die sich wider Gott setzen und das Verderben der Stillen und Frommen suchen. Robert Cawdray 1609.

Die alten Ausleger Hieronymus und Basil erinnern uns daran, dass der Sturm, der die Zedern zerbricht, ein Bild des brausenden Gottesgeistes ist, der die hohen und stolzen Gedanken dieser Welt in den Staub legt. Christopher Wordsworth 1868.

Der Herr zerbricht die Zedern. Wie schändlich ist es dann, dass unsere harten Herzen nicht brechen und nicht nachgeben, ob auch der Donner der furchtbaren Drohungen aus Gottes Mund sie trifft! John Trapp † 1669.

Die Zedern des Libanon. Diese mächtigen Bäume Gottes, die Jahrtausende hindurch der Macht der Stürme getrotzt haben (wie man in der Tat auf dem Libanon in unsrer Zeit noch Zedern gefunden hat, deren Jahresringe ihnen ein dreitausendjähriges Alter bezeugen) und die ihre immergrünen, gewaltigen Äste bis in die Region des ewigen Schnees erheben, sind die ersten Opfer der Wut des Blitzes. Man weiß ja, da der Blitz die höchsten Spitzen zuerst trifft. Robert Murray Mac-Cheyne †1843.

Wenn ich auch die Weise derer nicht liebe, die überall darauf aus sind, die heilige Schrift zu allegorisieren, so zweifle ich doch nicht, dass wir diese und manche andere Schriftstelle mit Nutzen allegorisch deuten können. Eine unleugbare Wahrheit liegt hier zugrunde, nämlich die, dass der Herr in der Predigt seines Wortes gleichsam die Gewalt des Donners und des Blitzes offenbart. Beides ist der Beachtung wert. Joseph Caryl † 1673.

V. 6. Er macht sie mit den Füßen ausschlagen wie ein Kalb, das will sagen: Er macht die Splitter und Bruchstücke von Bäumen, die der Blitz getroffen, auffliegen, -- oder es bezieht sich darauf, dass die Bäume von Wind, Sturm oder Erdbeben geschüttelt werden. Joh. Diodati † 1649.

Die gewaltigen Bäume, die einen Umfang von 36 Fuß erreichen, stürzen, vom Blitz getroffen, nieder; beim Aufschlagen brechen die Äste und schnellen noch einmal zurück, um wieder zur Erde zu fallen. Dieses Auf- und Niederschlagen der gestürzten Bäume vergleicht der Dichter mit den ungeschlachten Sprüngen eines Kalbes oder eines jungen Wisent (Ps. 22,22). Im zweiten Glied nennt der Dichter statt der einzelnen Bäume den ganzen Wald; denn diesen, nicht aber die Berge selbst, meint er mit Libanon und Sirjon; vergl. Jes. 10, 34;40,16. Prof. D. F. Bäthgen 1904.

Auf den ersten Blick kann es scheinen, als seien auch im zweiten Versglied noch die Zedern gemeint und als stünden Libanon und Sirjon metonymisch für die Zedern, die auf ihnen wachsen. Doch hören wir nie davon, dass Zedern auf dem Sirjon oder Schenir oder Sion oder Hermon (das Gebirge hat alle diese Namen) wüchsen; und sodann gibt es eine Parallelstelle, wo diese Auslegung schwer anwendbar ist, Ps. 114,4 . Dort heißt es in der Schilderung des Auszugs der Kinder Israel: Die Berge hüpften wie die Lämmer, die Hügel wie die jungen Schafe. Robert Murray MacCheyne † 1843.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

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Regelmäßige Lesung aus der Schatzkammer David Ps29

Beitragvon Jörg » 18.01.2020 13:35

Erläuterungen und Kernworte

V. 7. Die Stimme des Herrn spaltet Feuerflammen. (Andre Übers.) Durch Gottes Macht werden die Feuerflammen geteilt und aus den Wolken auf die Erde herabgesandt in der furchtbaren Gestalt des vielgezackten Blitzes, dieses schrecklichen blinkenden Schwertes des Allmächtigen, dem nichts widerstehen kann. Die gleiche Gotteskraft offenbart sich in seinem Wort, das da ist lebendig und kräftig und schärfer als ein zweischneidig Schwert, das die Herzen der Menschen durchbohrt, schmelzt, erleuchtet und entflammt. (Apg. 2,3; Ebr. 4,12.) Bischof D. George Horne † 1792.

Dieser Vers ist, wie Theodoret († 457) bemerkt, recht bezeichnend für Gottes Tun am Pfingstfest, da er geteilte Flammen sandte in den Feuerzungen, die sich aus einem himmlischen Quell oder Brunnen der Flamme verteilten und auf die Häupter der Apostel niederließen und die Jüngerherzen mit dem Feuer heiligen Eifers und heiliger Liebe erfüllten. Chr. Wordsworth 1868.

Hier wird unzweifelhaft auf den Blitz angespielt und das Bild will entweder sagen, der Blitz scheine gespalten oder zerhauen zu sein in Zungen und Lichtstreifen oder, was wahrscheinlicher ist: Die Wolken erscheinen als zerschnitten oder zerhauen, wie um Öffnungen oder Pfade für den Blitz zu machen. Albert Barnes † 1870.

V. 8. Die Stimme des Herrn erregt die Wüste. Großer Gott, wie habe ich mich bemüht, dir zu entrinnen! Für meine Unruhe suchte ich Schutz in einem Schlupfwinkel, wo nichts mich meinem Gott verraten könnte. Weit hinweg von allen Hilfsmitteln der Religion, fern von allen den Kanälen, die mir die Wasser der Gnade zuführen konnten, getrennt von allen. deren überführendes Zeugnis mich von der Sünde hätte zurückhalten sollen, -- und doch, eben dort, großer Gott, wo ich glaubte, eine Zuflucht gefunden zu haben, dahin deine ewige Gnade nicht reichte, wo ich straflos sündigen dürfte, -- eben dort in jener Wüste ergriff mich deine Stimme und warf mich dir zu Füßen! Jean Baptiste Massillon † 1742.

V. 9. Das Furchtbare des Gewitters wird erhöht durch die Schilderung, wie der Donner durch seine Schrecken die Hirschkühe zu vorzeitigem Kreißen bringt ; obwohl nach unserem poetischen Gefühl dies nicht so gut zu den übrigen Gleichnissen der Stelle stimmen, noch so schön und erhaben erscheinen mag, als das Bild der vor der Stimme Jahwes erbebenden Eichen (nach veränderter Lesart). Jean Calvin † 1564.

Wir brauchen uns nicht zu wundern, dass ein so furchtsames Geschöpf, wie die Hirschkuh, durch die furchtbare Erschütterung der Atmosphäre so mächtig erregt wird, wenn man weiß, dass manche der stolzesten Männer, die es je gegeben hat, dabei gezittert haben. Der römische Kaiser Augustus war, nach Suetonius, so erschrocken, wenn es donnerte, dass er sich ein Seehundsfell um den Leib wickelte, um sich gegen den Blitz zu schützen, und sich in eine entlegene Ecke verkroch, bis sich das Wetter verzog. Der Tyrann Caligula, der sich zuweilen die Miene gab, Jupiter selbst zu drohen, verhüllte sein Haupt oder versteckte sich unter sein Bett; und Horaz bekennt, er sei vom Atheismus bekehrt worden durch die Schrecken des Donners und des Blitzes, deren Wirkungen er mit gewohnter Anschaulichkeit schildert (Oden I, 34). D. George Paxton † 1837.

Und in seinem Tempel sagt ihm alles: Ehre. Man nimmt an, dieser Psalm sei von David bestimmt worden, während des Gewitters im Tempel gesungen zu werden, was nicht unwahrscheinlich ist. John Trapp † 1669.

Während Jahwe sich in dieser Form vom Himmel herab auf Erden in seiner unwiderstehlichen Allgewalt offenbart, sagt in seinem himmlischen Palast (11,4; 18,7) jedes von den Wesen dort: "Glorie!" Es geschieht, wozu der Dichter V. 1-2 aufgefordert hat. Jahwe empfängt seine inweltliche Glorie in tausendstimmigem Echo der Anbetung zurück. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

V. 10.11. An die Gerichtskatastrophe der Sintflut und ihren gnädigen Ausgang erinnert jedes Gewitter; denn sie erscheint in der heiligen Geschichte als erster Eintritt des Gewitterregens und des Friede verkündenden Bogens in den Wolken. Jahwe, sagt der Dichter, ist zur Sintflut (sie auszurichten) hingesessen (auf seinen Thron) und sitzt (thront) infolgedessen oder seitdem, wie diese seine gegenwärtige Offenbarung im Gewitter zeigt, als König auf immer, indem er, in Zorn und Gnade richtend und segnend, vom Himmel (Ps. 115,16) auf die Erde hernieder wirkt. Hier auf Erden hat er ein Volk, welches er von oben mit Anteil an seiner eigenen Macht ausrüstet und mit Frieden segnet, während über dessen Feinde seine Zornwetter ergehen. Der Artikel im Hebr.: mit dem Frieden, ist wie V. 4 der gattungsbegriffliche: Er segnet sein Volk mit voller Verwirklichung des Friedens. Wie so eindrucksvoll ist gerade für diesen Psalm das Schlusswort: mit Frieden . Es wölbt sich wie ein Regenbogen darüber. Der Anfang des Psalms zeigt uns den Himmel offen und den Thron Gottes inmitten von Lobgesängen der Engel und der Schluss des Psalms zeigt uns auf der Erde inmitten des allerschütternden Zornrufs Jahwes sein sieghaftes und mit Frieden gesegnetes Volk. Gloria in excelsis ist der Anfang und pax in terris das Ende. Prof. D. Franz Delitzsch † 1890.

Der Herr hat an der ersten Welt seine richterliche Übermacht bewiesen und es hat ihn keiner der Riesen vom Throne gestoßen. Die heutigen Feinde seines Reichs werden ihn auch müssen sitzen lassen. Wohl allen, die auf ihn trauen. Wenn er auch noch das Fürchterlichste aus seinen Schätzen wird offenbar werden lassen müssen, zur Zeit, wenn sein Zorn und der Menschen Zorn noch einmal aufeinander stoßen werden, so wird er doch darunter alles zu der Seinigen Bestem wenden und sein Volk segnen mit Frieden. K. H. Rieger † 1791.

V. 11. Der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden. Es gibt einen dreifachen Frieden: einen zeitlichen Frieden, den äußern Segen Gottes; einen geistlichen und innern Frieden, die Gnade, und einen ewigen Frieden, die Herrlichkeit. Und wie ein herrschaftliches Haus eine Diele oder eine Halle hat, die in die innern Räume einführt, so ist der äußere Friede der Vorsaal zu den innern Wohnungen eines seligen Gewissensfriedens und jener ewigen Ruhe, die im Himmel auf uns wartet; wie ja auch der äußere Friede uns manche Gelegenheit und Beihilfe gewährt, beides, den innern und den ewigen Frieden, zu erwerben und zu ergreifen. Ephraim Udall 1642.

Obwohl manche Seelen, die Christus im Glauben erfasst haben, nicht sofort gänzlich von Unruhe und Druck des Gemüts befreit werden, haben sie doch den Frieden in pretio, in promisso und in semine -- den Preis dafür, die Verheißung und den Anfang desselben. 1) Der Preis ist Christi Blut. Gott kann den nicht von sich weisen, der ihn anfleht: Herr, gib mir den Frieden des Gewissens; hier ist Christi Blut, der Preis dafür. Was die Schuld abzahlen konnte, kann uns zuverlässig auch die Quittung verschaffen. Der Friede des Gewissens ist Gottes eigenhändige Quittung, dass die Schuld getilgt ist. Gäbe es einen Trank, der jede Krankheit unfehlbar heilte, so dürften wir getrost sagen: Sobald der Kranke ihn hinabschluckt, hat er sich gesund getrunken; er ist gesund, obwohl er es im Augenblick noch nicht fühlt. 2) In der Verheißung hat jeder wahre Gläubige den Gottesfrieden. "Der Herr wird sein Volk segnen mit Frieden." Er ist dazu entschlossen; wer wird es hindern? Dem aufgeweckten Gewissen will allerdings nichts schwerer eingehen als die Hoffnung des Friedens. Nun ist es ja aber ein Zweck dieses Psalms zu zeigen, was für große Dinge Gott tun kann, und zwar ohne dass es ihn mehr kostet als ein Wort. Lies V. 3-10 aufmerksam. Der Gott, der sich so majestätisch erweist, verheißt, sein Volk zu segnen mit Frieden. Dies äußerlich und innerlich. Denn wäre es nicht ein elender Friede, wenn’s auf den Straßen ruhig wäre, aber Kampf auf Leben und Tod in den Häusern? Und eine noch viel elendere Sache wäre es, Frieden auf den Straßen und in den Häusern zu haben, aber Krieg und Blut in unserm schuldbeladenen Gewissen. Was für Frieden kann ein armes Geschöpf schmecken oder genießen, solange das Schwert des göttlichen Zorns wider das Gewissen aufgehoben ist? Aber Christus hat den Frieden der Vergebung erkauft und seinen Begnadigten in seiner Verheißung hinterlassen, Joh. 14,27 . Er ist beides, der Erblasser, der sein Gut vermacht, und der Testamentsvollstrecker, der austeilt, was seine Liebe den Gläubigen hinterließ. 3) Jeder Gläubige hat diesen Frieden im Anfang und Keim im Besitz. Die Frucht des Friedens geht so natürlich aus der Rechtfertigung und Heiligung hervor, wie jede Frucht aus ihrem Samen. Allerdings treibt und reift die Saat in dem einen früher als in dem andern zur Frucht. Aber jeder, über dessen Seele eine Saatzeit der Gnade geht, wird auch seine Erntezeit der Freude haben. William Gurnall † 1679.

Homiletische Winke

V. 1-11. Die Offenbarung der Herrlichkeit des Herrn im Gewitter.
V. 1. Gott allein die Ehre! Eine heilige Pflicht, für die Großen (auch im Reiche des Geistes) zumal. Sträflich ist die Versäumnis dieser Pflicht, selig ihre Erfüllung.
Auch Nationalruhm sollte eine Verherrlichung Gottes sein.
V. 2a. Unsre Steuerpflicht gegen den König der Könige: 1) Die Gefälle des Königs; 2) die königliche Schatzkammer; 3) die Untertanen, die ihre Steuer zahlen; 4) der König selbst der Einnehmer. Wer sind die Schmuggler und wer die Zollwächter?
V. 2b. Anbetung in Geist und Wahrheit. Was will sie? Anbeten. Wen? Den Herrn. Wie? Im Schmuck der Heiligkeit.
V. 3. Gottes Stimme, wie sie sich vernehmen lässt im Leid und über dem Leid, -- in großen persönlichen und nationalen Heimsuchungen.
V. 4. Die Macht und Majestät des Evangeliums, durch die folgenden Verse zu illustrieren.
V. 5. Die zerbrechende Macht des Evangeliums.
V. 6. Die erschütternde Macht des Evangeliums.
V. 7. Das Feuer, das das Wort begleitet. (Ein inhaltreiches Thema.)
V. 8. Die Predigt des Evangeliums will die Wüsten der Gottlosigkeit erregen und beleben.
V. 9. Die Macht des Gotteswortes, die Geheimnisse des Menschenherzens zu enthüllen und die Herzen zu erneuern.
V. 9c. 1) Ein makelloser Tempel. 2) Einmütige Anbetung. 3) Mächtige Beweggründe. 4) Das Halleluja aller.
V. 10. Gottes allgegenwärtiges und unerschütterliches Regiment.
V. 11. Zweifache Segnungen aus gleicher Quelle; ihre Verbindung unter sich; ihre Vollendung.
Zweifache Segnung, aber ein Volk und ein Herr.
V. 11b. Gott segnet mit Frieden 1) in zeitlichen Dingen:2) mit geistlichen Gütern; 3) mit ewiger Ruhe und Freude.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)


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