Fragen über das Gebet

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Anton
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Beitragvon Anton » 21.06.2008 23:56

Die Sünde

Stellen wir uns einen Bogenschützen vor, der mit seinem Bogen einen Pfeil losschießt und das Ziel verfehlt, und wir haben eine anschauliche Darstellung von Sünde. Nun ist es natürlich keine gravierende moralische Sache, wenn beim Schießen nicht ins Schwarze getroffen wird. Vielmehr ist die simpelste biblische Definition von Sünde: „sein Ziel verfehlen". In biblischen Begriffen heißt das: Das Ziel, das verfehlt wurde, ist keine Zielscheibe aus Stroh; es ist das Ziel oder die „Norm" des Gesetzes Gottes. Gottes Gesetz bringt seine eigene Gerechtigkeit zum Ausdruck und ist der letztgültige Standard für unser Verhalten. Wenn wir versagen, diesen Standard zu erreichen, sündigen wir. [...]
Sünde wurde definiert als „jeder Mangel an Übereinstimmung mit oder jede Übertretung irgendeines Gebotes Gottes, das der vernünftigen Kreatur als Gesetz gegeben ist" (18). In dieser Definition gibt es drei entscheidende Dimensionen. Erstens, Sünde ist das Fehlen oder der Mangel an Übereinstimmung. Sie stimmt mit dem Gesetz Gottes nicht überein. Eine Unterlassungssünde ist ein Versäumnis. Wir unterlassen, das zu tun, was Gott gebietet. Wenn Gott uns gebietet, unseren Nächsten zu lieben, und wir versagen, es zu tun, dann ist das Sünde.
Zweitens ist Sünde als Übertretung des Gesetzes definiert. Das Gesetz zu übertreten, heißt, seine Grenzen zu passieren, seine Beschränkungen zu überschreiten. Deshalb beschreiben wir Sünde manchmal mit „Übertretung". Wir gehen, wo es uns nicht erlaubt ist zu gehen. Hier sprechen wir von der Vergehenssünde, wo wir Taten zulassen, die Gott verboten hat. Wenn das Gesetz Gottes in Negativform verkündigt ist: „Du sollst nicht", und wir tun, was nicht erlaubt ist, dann sündigen wir. [...]
Die Bibel nimmt Sünde ernst, weil sie Gott und den Menschen ernst nimmt. Wenn wir gegen Gott sündigen, verletzen wir seine Heiligkeit. Wenn wir gegen unseren Nächsten sündigen, verletzen wir sein oder ihr Menschsein. [...]

Bibelstellen zum Nachlesen
Römer 2,1-11
Römer 3,10-26
Römer 5,12-19
Jakobus 1,12-15
1.Johannes 1,8-10

Fußnoten
18 Westminster Larger Catechism, Frage 24, Committee for Christian Education and Publication, Presbyterian Church in America, 1990.

Quelle: Sproul, Glauben von A-Z, 3L Verlag, S. 179-181.
Liebe Grüße,
Anton
»Meine Gnade muss dir genügen, denn meine Kraft gelangt in der Schwachheit zur Vollendung.«
2.Korinther 12,9 | -> "Best Message"

Jörg
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Beitragvon Jörg » 22.06.2008 07:21

Oswald Chambers schreibt: "Mit welchem Rechte werden wir zu einer "königlichen Priesterschar"? Durch das Anrecht auf die Versöhnung. Sind wir bereit, uns durchaus nicht mehr um uns selbst zu kümmern und uns an die priesterliche Arbeit der Fürbitte zu begeben? Das fortwährende Grübeln in unserem Inneren, um nachzuforschen, ob wir so sind, wie wir sein sollten, bringt eine ungesunde Art des Christentums hervor, in der wir uns ewig um uns selbst drehen. Das ist nicht das gesunde einfache Leben eines Gotteskindes. Ehe wir in dieses Verhältnis zu Gott kommen, befinden wir uns in einem Zustande, in dem wir uns an Nichtigkeiten klammern; wir sagen: "O welch herrlicher Sieg ist mir zuteil geworden!" Nichts deutet hierbei auf das Wunder der Erlösung. Gib dich unbekümmert dem Glauben hin, dass die Erlösung vollzogen ist, und befasse dich nicht mehr mit dir selbst. Fange an zu tun, was Jesus Christus gesagt hat - bete für den Freund, der um Mitternacht zu dir kommt, bete für die Heiligen, bete für alle Menschen! Bete auf Grund der Erkenntnis, dass du einzig und allein in Jesus Christus vollkommen bist, und nicht auf Grund der Selbstrechtfertigung: "O Herr, ich habe mein Bestes getan, erhöre mich!"
Wie lange wird es dauern, bis Gott uns von der ungesunden Angewohnheit, über uns selbst nachzudenken, frei machen kann? Wir müssen uns selbst bis zum Überdruß satt haben, bis wir soweit sind, dass wir uns über nichts mehr verwundern, was Gott uns über uns selbst sagt. Wir können gar nicht bis auf den Grund unserer eigenen Niedrigkeit gelangen. Nur in Einem sind wir richtig: in Jesus Christus. Wenn wir in Ihm sind, dann müssen wir uns in diesem Priesteramte ausgeben bis zum Letzten." (aus Oswald Chambers "Mein Äusserstes für sein Höchstes", S. 173, Blaukreuz-Verlag Wuppertal). Aus meinem Leben kann ich sagen, dass ich ein sehr empfindliches Gewissen habe. Es gab Zeiten, in denen ich in allem, was ich tat, nur Sünde gesehen habe. Wenn ich die Bibel aufschlug, hat mich jeder Vers angeklagt. Dadurch konnte ich nicht zur Freude gelangen. Der Teufel verklagte mich den ganzen Tag über und ich traute mich nicht durch Gebet in die Gegenwart Gottes zu kommen. Wie sehr hätte ich den Zuspruch gehabt: so laßt uns hinzutreten mit wahrhaftigem Herzen in vollkommenem Glauben, besprengt in unsern Herzen und los von dem bösen Gewissen und gewaschen am Leib mit reinem Wasser. (Hebräer 10, 22). Es ist mir auch wichtig zu sagen, dass mir zuweilen auch formulierte Gebeten von anderen geholfen haben. Ich schließe mit Worten von Augustinus: "Die Sehnsucht betet stets, auch wenn die Zunge schweigt. Hast du immer rechte Sehnsucht, so betest du auch immer. Wann schläft das Gebet ein? Wenn die Sehnsucht erkaltet ist." Jörg
Zuletzt geändert von Jörg am 22.06.2008 19:58, insgesamt 2-mal geändert.
Es muß alles erst einmal an Gott vorüber, bevor es mich treffen kann. (Helmut Thielicke)

Gast

Beitragvon Gast » 22.06.2008 12:19

Hi Jörg,
guter Beitrag. Danke.
M


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