Kritische Sicht zu Erdmanns "Der Griff zur Macht"

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Joel213
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Kritische Sicht zu Erdmanns "Der Griff zur Macht"

Beitragvon Joel213 » 06.04.2012 11:10

Der von mir sehr geschätzte Prof. Dr. Thomas Schirrmacher setzt sich hier kritisch mit dem Buch "Der Griff zur Macht" von Martin Erdtmann auseinander. Ich fand seinen Beitrag sehr informativ und bereichernd. Ich kannte den sogenannten "Dominionismus" aus einigen Videobeiträge von Herrn Erdtmann und fand das Thema persönlich etwas zu "verschwörerisch". Wie denkt ihr denn darüber?

lutz
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Beitragvon lutz » 06.04.2012 22:52

Seit einigen Tagen kenne ich diese Kritik und versuche sie anhand des Buches zu verfolgen.
(Bei mir sind es 10 Seiten in mein WORD kopiert.)
Ich denke, dass es gut ist, dass eine solche Kontroverse angestoßen wurde. Der Zeitpunkt ist nach M. Erdmanns Möglichkeiten jetzt sehr ungünstig. Er befindet sich gerade auf Vortragsreise im deutschsprachigen Raum und zwei Verax-konferenzen zum Galaterbrief stehen gerade an.
Aber damit darf wohl jeder rechnen: er wird sich dazu äußern und meiner Erfahrung nach haben ihm Fakten noch nie gemangelt. Insgesamt muss ich abwarten. Irgendwie ist es ja doch eine „Expertendiskussion“ wegen der Verflechtung und Fülle der Fakten, denke ich.

„Verschwörung“ ja oder nein, wird sich wohl aus dem „Bauch raus“ auch nicht entscheiden lassen. Da muss ich mich an etwas von Francis Schaeffer erinnern, sinngemäß: wenn alle die gleichen Ideale haben, handeln alle gleich in dieser Weise – dazu braucht es keine Absprache, keine Verschwörung.
Auf der anderen Seite, wenn bestimmte Gedanken in der Ausbildung denen kontinuierlich vermittelt werden, die nun wieder viele andere lehren werden …. – ist es nicht weit ausgeholt zu sagen: wenn oben was abgesprochen wird, dann wird es unten ankommen (ohne dass jeder den Zusammenhang sehen kann) …

Aber momentan zurück zur Kritik von Herrn Schirrmacher und ich bewege mich jetzt ausschließlich unter dieser Überschrift seinerseits (ein Bruchteil der gesamten Ausführungen):

„Die Gesellschaft christlich prägen zu wollen, ist der Fehler schlechthin“.

Was steht als erster Satz auf Seite 9 im Vorwort von Beate Gsell (Journalistin)?
(Mit Zitatfunktion kennzeichne ich die Zitate aus M. Erdmanns Buch: http://www.cbuch.de/Erdmann-Der-Griff-zur-Macht-p3502/ )
„Gottesdienste, die sich attraktiv für Suchende präsentieren, die Gesellschaft mit christlichen Werten prägen, ja – christlicher Einfluss bis in die Etagen der Mächtigen und Reichen.“
Also ich würde sagen, wenn von einem Fehler schlechthin gesprochen werden muss, dann wohl im Gesamtpaket. Es ist nicht nachvollziehbar hier eine Wortgruppe zu isolieren.

Es wird hier darauf hingewiesen, dass die Evangelikalen „damals“:
„wollten … außer der Bibel keine anderen Lehren akzeptieren und grenzten sich gegen „weltliches“ Denken und Handeln ab. Endlich haben sich die Spitzen der evangelikalen Bewegung aus dieser Isolation befreit, denken die einen, und folgen ihnen in Scharen auf dem Weg zu einem neuen Evangelium …“
Die Absicht des Buches besteht darin:
„Das vorliegende Buch zeigt in aller Klarheit auf, dass das biblische Evangelium zugunsten von Einfluss und Anerkennung in den Gremien der Welt verworfen wurde.“


Das ist natürlich ein Anspruch, den das Buch hat – der sich irgendwo niederschlagen muss.
Man müsste jetzt schauen, welche Fakten geliefert werden und welcher Art die Gegenargumentation ist. Das Buch liefert einige Fakten. Dass dies alles ist, davon gehe ich nicht aus. Wer die Vorbemerkung und Danksagung von M. Erdmann selbst liest (Seite 11 - 14), wird mir da vielleicht zustimmen. Wer das Buch nicht in Händen hat, dem werden natürlich die Fakten jetzt nicht zugänglich sein (außer im Rahmen der Leseprobe).


Wie sieht denn die Gegenargumentation in diesem Teil von Herrn Schirrmacher aus?
„Religionsstatistik“! (Welche Statistik erfasst „Gläubige“?) Also ich habe schon von Statistiken gehört wo „Gläubige“ aufgrund von unterschriebenen Entscheidungszetteln gezählt werden oder der Erfolg an dem „nach vorn kommen“ bemessen wurde …

„Evangelikale verkünden das Wort heute intensiver, globaler und erfolgreicher denn je zuvor“ – wahrscheinlich gehört das auch in „Statistik“. Das ist doch so nicht nachvollziehbar. Welche Evangelikalen, verkünden was und wer misst jetzt den Erfolg wie? Das ist doch keine Argumentation.
(Aber es kann ja sein, dass die wirklichen Argumente noch folgen und das Ganze bis hierher nur den Auftakt darstellt.)
Dann gibt es jetzt natürlich hier einen ganz merkwürdigen Satz:
Wer täglich zum Glauben kommt, der kommt es nicht aufgrund von Absprachen sondern
durch die Verkündigung des Evangeliums. Was das Ganze jetzt hier mit M. Erdmann zu tun haben soll – ist mir schleierhaft. Handelt es sich um Polemik oder ist es eine Art der Beweisführung (Es kommen Menschen zum Glauben. Das ist der Indikator dafür, dass es keine Absprachen oder Annäherungen in gefährlicher Weise geben kann ????)?

Jetzt identifiziert sich Herr Schirrmacher mit der „Weltweiten Ev. Allianz“ indem er für sie sprechen kann und das „unser“ benutzt.
Ich denke diese Behauptung sollte man sich wirklich merken (für weitere Recherchen bzw. bis eine Antwort von M. Erdmann vorliegt, bis die Diskussion so richtig in Gang kommt …): „Der Einsatz gegen Armut, für Religionsfreiheit und Menschenrechte oder gegen Menschenhandel tritt zu unserem missionarischen Eifer hinzu, er löst ihn nicht ab.“
Dass „Dominionismus“ eine Wortschöpfung von M. Erdmann ist, ist mir neu. Da bin ich selbst echt gespannt auf die zu erwartende Antwort.
Bis hierher erst einmal – ist ja wieder lang genug.

Lutz

Servant
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Beitragvon Servant » 10.04.2012 17:41

Hallo Joel,

ich denke es ist ein ziemlich realistisches Buch, es versucht nichts zu beschönigen. Warum soll nicht darauf Hingewiesen werden das hier verschiedene Organisationen und Gruppen unterschiedlichster Prägung auf ein und dasselbe Ziel hinarbeiten (Humanistische, Religiöse und Gutmenschen)

Es ist doch gut zu Wissen das der Direktor der Micha-Initiative International (Dr. Joel Edwards; ex. Ev. Allianz Amerika), ebenso mit der "Tony Blair Faith Foundtion" kooperiert - natürlich im Namen der christlichen Nächsten Liebe. Dort trifft man dann auch auf Rick Warren mit seinem Peace Plan. Ich will diesen Menschen da ja nicht vorwerfen sie Betreiben eine Verschwörung (obwohl sie sich da in der Tony Blair Faith Foundtion ein Stelldichein geben u. durchaus gleiche Ziele verteten), jedoch kann man ihnen Vorwerfen das sie nicht Evangeliumsgemäß handeln, ihr Handeln richtet sich vielmehr gegen das Evangelium Jesu Christi, gegen das Wort Gottes.

Es ist wichtig das man die wirklichen Ziele dieser Gruppierungen u. Organisationen Aufdeckt.

Also ich bin wirklich sehr dankbar für das Buch von Martin Erdmann und ich Hoffe das sich viele "Evangelikale" das mal durchlesen in der Hoffnung das merken das mit ihnen nicht ehrlich ist und sie hinter den Karren der Welt spannt.

Servant

(Habe noch zwei Links nachträglich eingefügt)
Zuletzt geändert von Servant am 10.04.2012 17:59, insgesamt 2-mal geändert.

lutz
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Beitragvon lutz » 10.04.2012 17:53

Und weil ich mich ja sowieso mit der Kritik Schirrmachers gerade auseinandersetze mit dem Buch von Erdmann in der Hand, möchte ich unter diesem Thema auch einfach meine Gedanken Abschnitt für Abschnitt reinstellen. Die Überschriften entsprechen den Abschnitten in Schirrmachers Kritik.

Grundlage 1: Das traditionelle Christentum

Hier handelt es sich offensichtlich um eine theologische und kirchenhistorische Kritik.

Auch ich habe mich gefragt, was „traditionelles Christentum“ eigentlich sein soll. Dazu finde ich auch keine nähere Bestimmung. Schirrmacher platziert seine Kritik richtig, wenn er auf unterschiedliche Positionen in allen Zeiten hinweist. Damit ist aber noch nichts über den Wahrheitsgehalt der jeweiligen Positionen ausgesagt.

Ist die Position von Erdmann (hier als „traditionelles Christentum“ bezeichnet) konform der Schrift, wäre es Unsinn andere Positionen in Erwägung zu ziehen, um ein Abweichen deutlich zu machen.

Dass es einen wichtigen Zusammenhang gibt zwischen der Vorstellung darüber, was das Reich Gottes jetzt nun ist, und machtpolitischen Ambitionen – sehe ich auch. Schirrmacher ist zuzustimmen, wenn Theologie nicht ausgeklammert werden darf.

Dass nun aber nur die Gewinn aus dem Buch ziehen, die Erdmanns Theologie teilen – ist schon überzogen. Die Einzelbeispiele in Menge verschwinden ja nicht, weil man anderer Ansicht ist. Die Bewertung derselben kann verschieden ausfallen. Die Einen werden solche Bestrebungen kritisieren, bei Anderen stoßen sie auf Zustimmung …

Ebenso wird hier über das Ziel hinausgeschossen: „Wer über die bei allen Evangelikalen selbstverständlich immer an erster Stelle stehende Verkündigung hinaus etwas Weiteres tut, ist für Erdmann vom traditionellen Christentum abgewichen. (Wenn man das zu Ende denkt, dürfte sich ein Christ auch nicht für seine Familie engagieren, da die eine soziale, sichtbare Größe und kein unsichtbares Reich Gottes darstellt.)“

Mal abgesehen jetzt davon „was bei allen Evangelikalen“ jetzt so selbstverständlich ist – Erdmann schreibt auf Seite 28:
Es muss deutlich gesagt werden, dass es sich beim Dominionismus um ein gravierendes Abweichen von der christlichen Lehre handelt.
Dass Erdmann „Dominionismus“ genau definiert, ist auch Schirrmacher nicht entgangen. Daraus in Konsequenz nun diesen Vorwurf zu konstruieren, ist unverständlich.
Auf Seite 181 schreibt Erdmann bspw.:
Evangelikale haben traditionell das Gebot der Schrift ernstgenommen, als „Salz“ und „Licht“ (Matth. 5, 12 – 13) in der Welt zu wirken. Diese Worte besaßen ursprünglich keine dominionistische Färbung. Sie bedeuteten einfach, dass Christen durch individuelle oder gemeinschaftliche Wohltaten das Leben von Menschen positiv beeinflussen können. Dank eines heiligen und gerechten Lebensstils, der übereinstimmt mit einem biblischen Glaubensbekenntnis, können Christen auch in ihrer kulturellen Umgebung Gutes leisten. „Salz und Licht“ zu sein, bringt nach Römer 16, 19 auch die Verpflichtung mit sich, angesichts von Bosheit Gutes zu tun.
Also hier ist doch überdeutlich zu sehen, dass es einen Unterschied zum Dominionismus geben muss. Nach Schirrmachers Kritik könnte ich auf die Idee kommen, Erdmann habe ein Buch mit dem Titel: Die Irrlehre von den guten Werken – geschrieben. Dem ist freilich nicht so.

Ebenso unangebracht ist diese Kritik: „Es ist überhaupt so, dass Erdmann keine biblisch-exegetische Untermauerung seiner Aussagen und eine Auseinandersetzung mit anderen Bibelauslegungen vorlegt.“ Erdmann sagt doch selbst:
Es geht uns dabei nicht um eine theologische Abhandlung, sondern um historische Fakten. (S. 27)
und in seiner Vorbemerkung auf Seite 12:
Das vorliegende Buch „Der Griff zur Macht“ erwuchs aus all diesen Tätigkeiten. Doch ist es nur eine Einführung in das Thema des Dominionismus und keine profunde theologische Auseinandersetzung damit.
Der Schwerpunkt dieses Buches ist eindeutig erkennbar.

Auch in diesem Abschnitt befindet sich wieder ein für mich merkwürdiger Satz: „Eine solche Funktion steht nur dem Heiligen Geist und der Heiligen Schrift in ihrer Gesamtheit zu und letztere übermittelt uns die Offenbarung in einer enormen Breite und Vielfalt, die bei Erdmann völlig fehlt.“ Er steht im Zusammenhang mit der Vielfalt der Positionen zum „Reich-Gottes-Verständnis“. Eine Vielfalt von Positionen übermittelt uns die Heilige Schrift in enormer Breite? Wahrscheinlich sehe ich es denn dann doch anders als Schirrmacher, wenn es darum geht, welche Rolle Theologie eigentlich innehaben sollte.

Lutz

lutz
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Beitragvon lutz » 16.04.2012 17:18

In Fortsetzung:
Grundlage 2: Dominionismus

Was kritisiert Schirrmacher hier?

So wie ich es verstehe, geht es darum, dass im „entweder-oder“- Raster präsentiert wird. Irgendwie scheint es kein „dazwischen“ oder „daneben“ oder … (Schirrmacher vermisst eine „dritte Größe“) zu geben. Was soll ich als Leser mit einer solchen Kritik anfangen? Das Buch hat einen Schwerpunkt und themenrelevante Größen sind zu erwarten. Was Anderes würde ich als Leser auch nicht suchen, zumal das Buch ja als Einführung gedacht ist auch für Laien.

Dann nimmt Schirrmacher entsprechend seiner Einschätzung vom Anfang (die Seiten 28 – 31 seien zentral für das Verständnis und den Gewinn des Buches) die Charakterisierung der Seiten 28 und 29.

Seine Kritik bezieht sich ausschließlich auf eine eingegrenzte Gruppe (Position):
Einige Dominionisten vergleichen das Königreich des Neuen Testaments mit dem Israel des Alten Testaments. Sie fühlen sich demnach berechtigt, das Schwert zu ergreifen oder andere Methoden …
Im Buch Erdmanns wird es in Fußnote 23 auf Seite 67 konkreter:
Christian Reconstructionism … Sie wird der religiösen Rechten zugeordnet … das kulturelle Mandat, ihre religiöse Herrschaft auf die gesamte Erde auszudehnen und die göttliche Autorität in allen Aspekten des Lebens zu etablieren. Dabei soll das Zivilrecht so gestaltet werden, dass es die Menschen dazu ermutigt, Jesus als ihren Heilsbringer zu akzeptieren und aus biblischer Sicht unmoralisches Verhalten bestraft. Für Homosexuelle fordern …. aufgrund der Interpretation der Bibel die Anwendung der Todesstrafe.
Erdmann schreibt in der gleichen Erläuterung aber auch:
Wegen der radikalen Ansichten wird der Christian Reconstructionism sowohl von säkularer, wie auch von christlicher Seite heftig kritisiert.
Mir scheint es so, dass diese Strömung mit ihren Ansichten nicht mehrheitsfähig ist – aber mir scheint es nicht so, dass es dieses Gedankengut gar nicht mehr gibt. Mir ist keine Äußerung von Erdmann aufgefallen, in der er das für repräsentativ halten würde. Nichtsdestotrotz wird man solche Ausuferungen (zumal, wenn sie sich zwangsläufig aus der Theologie ergeben) thematisieren müssen, wenn auch nicht ausführlich.

Wenn dieses spezielle Gedankengut auf breite Kritik aus unterschiedlichen Richtungen stößt, würde ich es auch nicht erwarten, dass evangelikale Führungspersönlichkeiten so etwas öffentlich vertreten.

Schirrmacher hat eingangs seiner Kritik bereits festgestellt, dass in Erdmanns Buch der Dominionismus vier Sonderlehren (Bewegungen) einschließt.
Es gibt vier Sonderlehren bzw. Bewegungen des Dominionismus, die einen großen Einfluss auf den weltweiten Evangelikalismus ausüben:
1.) die „Neue Apostolische Reformation“,
2.) die „Ganzheitliche Mission“,
3.) die „Globale Transformation“ und
4.) die „Emergent Church“. (S. 43)
Unter dem Kapitel “Neue Apostolische Reformation” wird man Abschnitte finden wie “Herrschafts-Theologie”, “Militante Kirche”. Also hier werden evangelikale Persönlichkeiten benannt …

Schirrmacher weist darauf hin, dass Amerika nicht Europa und dass nicht jede Gruppierung als repräsentativ für „die“ Evangelikalen gelten kann. Also ich als Leser der Kritik bleibe nun im Regen stehen, weil hier nichts Konstruktives und Erhellendes dabei ist. Unter einer konstruktiven Kritik verstehe ich etwas Anderes. Was ich habe sind Erdmanns Ausführungen auf Seite 78 und die entsprechenden Erläuterungen in den Fußnoten (wenn es um konkrete Namen im europäischen Kontext geht)
Fußnote 66: …Es wäre nötig, ein ganzes Buch über den Dominionismus in Deutschland und der Schweiz zu schreiben. …
Lutz

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Joschie
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Beitragvon Joschie » 17.04.2012 08:14

Um den Dominionismus zu verstehen muß man auch die Christian Reconstructionism betrachten:
Der Dominionismus ist auch als Dominion Theology oder in der Selbstbezeichnung der Anhänger einer spezifischen dominionistischen Denkrichtung als Christian Reconstructionism bekannt. Die genaue Bedeutung und Anwendung des Begriffes wird unterschiedlich behandelt. Dominionismus und Christian Reconstructionism tauchen in der Literatur teilweise auch als austauschbare Begriffe auf. Dominionismus ist eher der Oberbegriff. Christian Reconstructionism ist ein von der Chalcedon Foundation propagiertes Gedankenmodell des christlichen Dominionismus.In der Literatur tauchen im Zusammenhang mit Dominionismus auch die Begriffe Triumphalismus und Theonomie auf, im Umfeld des charismatischen Protestantismus auch der Begriff Kingdom-Now-Theology (Reich-Gottes-Jetzt-Theologie) Quelle

Im Jahr 2001 erschien das Buch von Thomas Schirrmacher "Anfang und Ende von 'Christian Reconstruction" 1959-1995: Geschichte, Theologie und Aufsplitterung einer reformierten Bewegung in den USA : eine (unvollendete) Materialsammlung(577.Seiten, Din.4).In der VorbemerkungII (1997) auf der Seite.19/20 wehrt sich Th.Schirrmacher gegen den Vorwurf, dass er die Lehren des "Reconstructionsmus" propagiert. Es folgt eine Auflistung einiger Unterschiede zwischen Th.Schirrmacher und den "Christian Reconstruction". In der VorbemerkungI (2001) auf der Seite.19 schreibt Th.Schirrmacher "So wird diese Arbeit, trotz aller Detailforschung und -kritik an Christian Reconstruction, der Gemeinde Jesus Anregung geben, darüber nachzudenken, wie wir alle Lebensbereiche der Schöpfung mit dem Willen Gottes durchdringen können". Christian Reconstruction hat sich ja aufgesplittert und ist wie Th.Schirrmacher schreibt, 2001 im wesentlichen zu einem Ende gekommen. Damit ist nicht das Gedankengut von Christian Reconstruction verschwunden, es lebt und es ist sehr virulent.
Gruß Joschie
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Servant
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Beitragvon Servant » 17.04.2012 19:21

Hallo Joschie,

es wird sicher eine Endlosschleife. :) Ich wünschte Herr Schirrmacher das er sich korrigieren lassen würde - wo doch alle schon wissen welchen weg die "Evangelische Allianz" eingeschlagen hat, Inklusive die ganze Religiöse Welt. (Konziel der Religionen) Eine Warnung wurde ausgegeben, doch man weißt sie als unbegründet zurück. Das ist für mich vergleichbar mit einem Mahnenden Hinweis - "Sir, die Titanic steuert auf einen Eisberg zu, wir müssen den Kurs korrigieren", worauf die Antwort auf dem Fuße folgt: "Unmöglich denn dieses Schiff ist unsinkbar und wir sind auf dem rechten Kurs (Ökumene, UNO, Weltgemeinschaft)" ... wir Wissen wie es aus ging.

Das Herr Schirrmacher so reagiert ist für mich nicht verwunderlich, denn er ist überzeugt von dem Weg den die weltweite Evangelische Allianz eingeschlagen hat - dessen Vision ist eine gerechtere Welt u eine große Glückliche Weltgemeinschaft zu werden - ja, eben die Welt zu Retten - auch hier Wissen die Gläubigen in Christus Jesus wie es ausgehen wird - oder ?

Arne
Zuletzt geändert von Servant am 17.04.2012 19:28, insgesamt 1-mal geändert.

lutz
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Beitragvon lutz » 17.04.2012 19:28

Hallo Joschie,
danke für deine Zusatzinfo.

Hallo Arne,
kann schon sein, dass das eine „Endlosschleife“ wird – wäre ja nicht das erste Mal, wenn ich an die Auseinandersetzungen bzgl. „Evangelische Allianz Deutschland“ (EAD) denke.

Aber hier weiter in dem, was ich für Gedanken dazu habe:
in Fortsetzung (zur Erinnerung: die Überschriften entsprechen den Abschnitten in Schirrmachers Kritik):

Diesen Dominionismus gibt es nicht

Als Leser der Kritik ist es unzweifelhaft, dass Schirrmacher auch hier bei dieser einen Spezialposition verbleibt:
Einige Dominionisten vergleichen das Königreich des Neuen Testaments mit dem Israel des Alten Testaments. Sie fühlen sich demnach berechtigt, das Schwert zu ergreifen oder andere Methoden …

Man muss einfach den Eindruck gewinnen, dass für Erdmann Dominionismus und diese Spezialposition Gleichsetzungen sind. Ist vom Dominionismus die Rede muss diese Spezialposition drin sein … Das ist schlichtweg falsch!

Auch wenn Erdmann deutlich macht, welche Komponenten letztlich dazu gehören, bedeutet es keinesfalls, dass er in dieser „Zusammenschau“ (wie Schirrmacher es nennt) jeweils immer jedes Detail voraussetzt.
Wichtig ist zu beachten, dass Teilaspekte dieser Sonderlehren [und dabei bezieht sich Erdmann auf die vier Sonderlehren bzw. Bewegungen siehe oben zitiert] von Dominionisten mehr oder weniger aller Schattierungen aufgegriffen werden …(S. 43)
Es ist durchaus möglich, dass der eine oder andere bestimmte Aspekte des Dominionismus verwirft, während er andere besonders befürwortet. (S. 78)
Also ich kann nur wiederholen: Als Leser kann ich mit einer solchen Kritik nichts anfangen. Schirrmacher behauptet einfach: es gibt durchaus Grund zur Sorge bei bestimmten … - aber das Ganze betrifft andere Bereiche und nicht den Dominionismus von Erdmann?

Wie versteht Schirrmacher den Dominionismus von Erdmann? Genau so, wie er (Schirrmacher) selbst zu verstehen gibt: „ Das Evangelium mit Schwert und Strafrecht zu verbreiten, ist schlicht und einfach und offensichtlich falsch.“ Damit verkürzt er die Position Erdmanns unzulässig.

Wenn Schirrmacher schon von Seite 30 in seinem Sinne zitiert, dann möchte ich auch einige Ausführungen von eben derselben Seite zitieren:
Deshalb haben viele Evangelikale bedenkenlos Teilaspekte des Dominionismus angenommen, ohne sich dessen bewusst zu sein. Um ihre verdrehten Ansichten effektiv zu verbreiten, entwickelten die dominionistischen Führer neue Lehren über die Gemeinde (Ekklesiologie), die zukünftigen Dinge (Eschatologie) und das Heil (Soteriologie). Sie passten die lehrmäßigen Abweichungen den Zielgruppen in den verschiedenen evangelikalen Gruppierungen an. Schritt für Schritt wurden althergebrachte theologische Ansichten in etwas völlig Neues umgewandelt.
Kaum glaubhaft, dass Erdmann hier eine offensive Verbreitung von: „Evangelium mit Schwert und Strafrecht“ meint. So ein „Kern“ muss freilich nicht herausgeschält werden. Schirrmachers Verkürzung kann nur als Polemik aufgefasst werden, die zudem nicht ernstzunehmende Kritik darstellt. Der Abschnitt insgesamt ist befremdlich für mich, weil ich Herrn Schirrmacher als Autor theologischer Literatur durchaus als genau und detailliert in Erinnerung habe. Genau diese Verfahrensweise vermisse ich hier.

Trotzdem freue ich mich natürlich darüber, dass Schirrmacher eine Position: „Evangelium mit Schwert und Strafrecht“ als grundfalsch und unchristlich bezeichnet und darüber hinaus auch Anlass dazu gibt, dass dies für Evangelikale heute nicht mehrheitsfähig ist.

Lutz
Zuletzt geändert von lutz am 17.04.2012 19:35, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Servant » 17.04.2012 19:31

Hallo Lutz,

ich wünsche dir jedenfalls viel Kraft :)

Arne

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Beitragvon Joschie » 18.04.2012 07:43

Servant hat geschrieben:Hallo Joschie,

es wird sicher eine Endlosschleife. :)
Arne, mal sehen, ob es eine Endlosschleife wird ??! Es gibt ja öfter Sachverhalte, die von der Öffentlichkeit nicht so wahrgenommen werden.Das sind in diesem Fall die Änderungen in einigen Büchern von Th.Schirrmacher:1."Bibeltreue in der Offensive"?! 3.überarbeitete Auflage mit neuer Einleitung VKW-Verlag und 2. Die Ethik 5.Auflage 2011. Zu 1. schreibt Th.Schirrmacher
Chicago-Erklärung
Bibeltreue in der Offensive: Die drei Chicagoerklärungen zur biblischen Unfehlbarkeit, Hermeneutik und Anwendung. Biblia et symbiotica 2. Verlag für Kultur und Wissenschaft: Bonn, 1993(1); 2004(2): Meine Einleitung mit dem Aufruf zur Übernahme der Bekenntnisse durch Organisationen wurde in der 3. Auflage 2009(3) gestrichen und durch einen neuen Text ersetzt, der unter anderem thematisiert, was man 30 Jahre später besser machen könnte und inwieweit die Chicagoerklärung amerikanische Einflüsse widerspiegelt.Quelle
Im Klartext, Th.Schirrmacher verabschiedet sich scheibchenweise von der Chicagoerklärung. Dieses wird er nie so direkt schreiben, deshalb hat er auch seine Zeilen in einer Art christlicher Diplomatensprache verfasst.
Hier sind noch ein paar andere Änderungen unter dem Titel "Retractationes – ich widerrufe".
Gruß Joschie
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Beitragvon lutz » 19.04.2012 19:11

Fortsetzung in der „Kritik“ Schirrmachers:
Alle in einen Topf?
Was ist der Kritikpunkt Schirrmachers? Erdmann wirft alle unterschiedslos in den Topf, der da heißt: „die Gemeinde Jesu weg vom Evangelium hin zur Beeinflussung durch die Welt zu locken“.
Dazu zitiert er wieder aus den für ihn so zentral scheinenden Seiten (28 – 31). Er zitiert die Passage auf Seite 29:
„Indem sich viele Christen auf neue, weit gefächerte Allianzen mit Dominionisten einlassen, geben sie ihre Aufgabe als Zeugen des Evangeliums preis. Das Vermögen, als unabhängige Menschen zu leben, die sich in direkter Verantwortung gegenüber Gott einzig an der Bibel orientieren, wird deutlich eingeschränkt.“
Nach der Lektüre von Erdmanns Buch sehe ich das so: Für Christen, die das schon lange genug getan haben, ist dieses Zitat eine Zustandsbeschreibung. Für Christen, die es noch nicht lange genug tun, ist dieses Zitat zu erwartende Prognose. Für Christen, die es noch nicht in Erwägung zogen, ist es eine Warnung. Für alle drei Gruppen ist es aber die Hoffnung dem ein oder anderen doch noch die Augen zu öffnen. Für eine letztgültige „Verdammung“ ist hier kein Platz (weil Schirrmacher meinte: Erdmann verdammt sie alle.).

Dabei ist freilich zu beachten, dass Erdmann „Dominionismus“ definiert.

Wenn bspw. „Transformation“ (also die Umgestaltung der „Welt“ oder die „Verbesserung“ der Welt) da rein fällt, ist es doch nicht weit hergeholt, dass man dazu „Allianzen“ eingehen muss. „Allianzen“ eingehen um Einfluss zu gewinnen ist doch für eine solche „Transformation“ nötig.

Grundlage ist doch eben nicht die Bekehrung Einzelner, die dann „würdig dem Evangelium leben wollen“, sondern bspw. die „äußerliche ethische (moralische) Anpassung“ Unbekehrter. Eine solche Anpassung muss zur „Verwässerung“ des Evangeliums führen. Nach der Schrift dient das Gesetz zur Überführung von Sünde – hier wird biblisches Gesetz zur Segenserfüllung. … Was wird dem Unbekehrten hier eigentlich für Hoffnung gemacht? Kann sich der Unbekehrte überhaupt noch als „Sünder“ wahrnehmen unter den zuversichtlichen Prognosen derer, die „transformieren“? …

Also ich finde das Zitat von Erdmann keineswegs abwegig – muss aber sagen, dass es durchaus sein kann, dass Vertreter solcher von Erdmann kritisierten Positionen, mit Eifer das Ganze anders sehen.
Das Buch liefert Belegbeispiele, auch wenn der europäische Kontext jetzt nicht die Berücksichtigung findet, die doch wünschenswert wäre. (Aber ein anderes Buch ist ja nicht ausgeschlossen.)

Erdmann unterscheidet in seinem Buch zwischen Initiatoren (von „Mega-initiativen“ bspw.) und „Mitläufern“. Die Zielsetzungen solcher Initiatoren werden vielfach belegt. Es ist also nicht so, dass jemand aus Versehen mal was gesagt hat und dann mir nichts dir nichts in irgendeinem „Topf“ landet.

Ist es nach biblischem Maßstab wirklich ein Kritikpunkt, wenn jemand behauptet: Gehe mit der Welt eine Allianz ein und du wirst weg vom Evangelium gezogen?
Ist es wirklich ein Kritikpunkt, wenn jemand behauptet: die Welt verbessern zu wollen, ist bereits eine Verlockung, die dich vom Evangelium wegzieht?

Also ich denke darüber kann jeder Christ anhand seiner Bibel selbst nachdenken.

Schirrmacher hat sich selbst zwei Beispiele herausgegriffen.

1. Beispiel (John Stott - S. 74–75): Schirrmacher betont, dass es falsch ist, einem Stott vorzuwerfen, er habe die Evangelisation verraten. Wo hat Schirrmacher denn diesen Vorwurf gelesen? Im Zusammenhang mit Stott wird belegt, dass er zuerst
in drei Plenarsitzungen den Missionsbefehl biblisch beleuchtet. Damals hielt er noch an der klassischen Definition der Mission fest. Er argumentierte, dass „der kirchliche Missionsbefehl nicht die Umgestaltung der Gesellschaft einschloss, sondern die Verkündigung des Evangeliums bedeutete“. Stott bestätigte 1975 in einem seiner Bücher selbst, dass er 1966 so dachte. (S. 74)
Wenn es hier was zu fragen gäbe, dann wohl: Wieso hat sich diese Auffassung geändert? An der Bibel kann es doch wohl nicht liegen – die ändert sich bekanntlich nicht mehr.

Wenn zur einfachen Verkündigung des Evangeliums noch die Komponente „Umgestaltung der Gesellschaft“ hinzutritt, bedeutet dies keineswegs, dass Verkündigung sofort aufhört. Erdmann zeigt doch eben gerade mit seinem Buch auf, dass sich im Zuge des Vorwärtsschreitens sowohl Prioritäten als auch Art und Weise der Verkündigung als auch Inhalte von Verkündigung verändern (unter Beibehaltung so mancher „biblischer Begriffshülse“).
Am Ende von Seite 75 heißt es:
Dieser historische Hintergrund gibt Antwort auf die Frage, warum C. Peter Wagner neue Lehren in die Welt setzen konnte, ohne unter den Evangelikalen auf großen Widerstand zu stoßen. … Es erklärt auch, warum Rick Warren … In der Tat ist dies eine Umkehrung dessen, was man traditionell unter christlicher Mission verstanden hat.
2. Beispiel (Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen – Seite 183 – 184): Schirrmacher stellt fest, nach Erdmann stehen sie im Verdacht die Weltmission verraten zu haben. Nach Schirrmacher macht Erdmann Unterstützern einer Initiative den Vorwurf damit das Evangelium zu verraten.

Das sind erst einmal Schlussfolgerungen, die Schirrmacher für sich selbst aus dem Buch zieht. Dass Erdmann hier „wild“ mit Vorwürfen des Verrats um sich „schmeißt“, ist für jemand der das Buch genau liest nicht nachvollziehbar.

Die Fußnote von der Schirrmacher spricht, steht am Ende folgender Sätze:
Im deutschsprachigen Raum treten Befürworter der „Micha-Initiative“ mit großem Eifer an die Öffentlichkeit. Zahlreiche christliche Werke und Verbände in Deutschland unterstützen die Initiative.
Also ich sehe die Fußnote als nichts Anderes an als einen Beleg für den Erfolg des großen Eifers. Es ist aber auch zu bemerken, dass es Thema im Buch von Erdmann ist: Gehört der Kampf gegen Armut zur Mission? Es gibt nicht mehr nur eine Definition des Begriffs „Mission“. Nicht planlos stehen die Seiten 183 und 184 unter der Kapitelüberschrift: „Sozialevangelium und Kommunitarismus“.

Als Laie: Wann liegt Verrat an der „Weltmission“ vor? – wenn der „Welt“ das Evangelium nicht mehr oder verändert gebracht wird, denke ich. Ist es aber nicht gerade das, was Erdmann in seinem Buch zeigen will? Wie sich das Evangelium verändert bis es sich sozusagen „ganz auflöst“? Aber es gibt kein Vakuum. Die Umgestaltung der Gesellschaft nimmt den Platz ein, der vorher anders besetzt war. Genau das ist die Tendenz, die Erdmann historisch belegt und forciert für die Zukunft prognostiziert (wenn es so geradlinig weitergeht). Ich kann bisher keine ernstzunehmende Kritik erkennen, die Erdmann hier widerlegen würde.

Lutz

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Beitragvon Servant » 21.04.2012 12:28

Thomas Schirrmacher hat geschrieben:Ad personam: Wasser predigen und Wein trinken

Normalerweise ist mir eine Argumentation ad personam zuwider. Ob ein Autor Recht hat, hängt nur bedingt mit der Frage zusammen, ob er selbst entsprechend lebt. Wer ad personam Erdmann nichts hören möchte, kann diesen kleingedruckten Teil ohne Verlust überspringen. Aber da Martin Erdmann seine These über weite Strecken darauf aufbaut, welche Personen mit wem zusammenarbeiten, wo sie gesprochen haben, und viel aus dem Leben evangelikaler Leiter erzählt, interessiert der Glaubwürdigkeit halber, inwieweit er sich selbst von den kritisierten Personen unterscheidet.
Es sind ja keine persönlichen Verfehlungen (Beispiel: Herr Maier hat einen Blumentopf geklaut; das gehört wohl in den Bereich Seelsorge; persönliches Gespräch) von Menschen die Herr Erdmann Thematisiert - sondern die Tatsache das öffentlich unbiblische Bündnisse und Allianzen geschlossen werden, und jene Personen eben auch öffentlich mit Gruppen zusammenarbeiten, die die Biblische Botschaft auf auf den Kopf stellen (das Evangelium Jesu Christi verdrehen), um interpretieren und ihm letztlich gänzlich widersprechen.

Man kann Herrn Erdmann doch kein Vorwurf daraus machen das er auf diese wirklich schlimmen Tatsachen hinweist, oder ? Ich persönlich bin Herrn Erdmann sehr dankbar dafür, denn es kann vielen helfen nicht die gleichen Fehler zu begehen, wie eben jene Personen, die ein Bündnis mit der Welt eingehen. Denn davor hat uns der Herr Jesus Christus auch in seinem Wort gewarnt. Wir sind eben nicht "Eins" mit der Welt.

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Beitragvon Servant » 22.04.2012 11:28

Korrektur zu einer Aussage über "Joel Edwardts"

es muss heißen Ex. "britischen Evangelischen Allianz" nicht Ex. Amerikanische Ev. Allianz"

Servant
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Beitragvon Servant » 23.04.2012 08:28

Trifft jetzt vielleicht nicht den Inhalt der Diskussion, möchte es aber dennoch weitergeben, als Randbemerkung.

Es gibt zwischen den vielen Organisationen und Bewegungen (ÖRK; ACK; WEA; WCRP oder Tony Blair Stiftung; Peace Plan und anderen) eine gemeinsame Zielsetzung, diese Zielsetzung besteht unter anderem auch darin einen Globalen Konsens zu schaffen, der von allen Menschen Akzeptiert wird, oder Akzeptiert werden MUSS, wobei jede Organisation oder Bewegung dieses Ziel jeweils mit anderen Mitteln und Methoden umzusetzen versucht. Problem jedoch ist - keine Religion darf mehr von sich Behaupten die allein richtige "Religion" zu sein, alle sollen sich als gleichwertiges gegenüber annehmen - folglich muss auch das Evangelium Jesu diesem "globalen Konsens" angeglichen werden, denn Jesus Christus passt nicht in ihr Programm hinein da ER EXLUSIV ist, er ist eben so gesehen ein Separatist und grenzt (Joh. 14, 6 und folgende) alle anderen aus.

So ist es natürlich auch nicht verwunderlich, wenn man jene ausgegrenzt die eben an diesen Jesus Christus, den Jesus Christus der Bibel (ist das niedergeschriebene Wort Gottes) festhalten, diesen Jesus Christus der alle aus grenzt die nicht an ihn Glauben und sein Evangelium verworfen haben. Er macht deutlich - ER IST DER RETTER vor dem Gericht Gottes (Joh. 3, 16-18) - die Gerechtigkeit der Welt wird den Menschen nicht Retten können.

Ein Brain MClarren Behauptet - das die Christen das Evangelium Jesu nicht verstanden haben - diese Behauptung versucht er nun durch sein Buch: Die geheime Botschaft von Jesus/ Die Wahrheit die alles verändern könnte - zu Begründen um damit eine neue Art von "Christen" zu Programmieren, die sich eben auch Nahtlos in diesen "Globalen Konsens" einfügen. Naja, solche Aussagen Pflastern den Weg für den Abfall von Gott, dem Herrn Jesus Christus, dem SOHN Gottes, dem Menschen Sohn.

Hauptgedanke ist bei allen natürlich diese Welt zu einem gerechteren Ort zu machen - Frieden zu stiften und die Natur zu Bewahren. (Konziliarer Prozess) - So Behauptet man.

Zum Beispiel: Stiftung Weltethos

http://books.google.de/books?id=hEjnIqf ... over&hl=de
Weltreligionen innerhalb politischer Konfikte: Hans Küngs „Projekt Weltethos"
von Martin Teichmann

"Küng ist Vorsitzender der Stiftung Weltethos, die ihre Gründung im Jahre 1995 und die hierfür erforderlichen Finanziellen Mittel einer Stiftung des Grafen von der Kroeben verdankt." Auch auf intemationaler Ebene hat sich die Stiftung im Laufe
der Zeit manifestiert und eigenständige Niederlassungen gegründet.” In seinem Werk Projekt Weltethos stellt Küng die These auf, dass die Religionen dieser Welt einen Beitrag zum Frieden der Menschheit leisten können, wenn sie sich auf ihre im Ethos liegenden Gemeinsamkeiten verständigen. Küng versteht das Weltethos als eine Dimension jeder eigenen Religion. Nicht eine andere Religion soll gesucht werden, sondern die eigene Religion soll nach ethischen Standards durchsucht werden. Das Weltethos will weder die Riten noch die Lehren der einzelnen Religionen ersetzen, es spricht die ethische Dimension einer jeder Religion an, um sich untereinander auf einen elementaren ethischen Nenner zu verständigen.“
Seit im November 2001, beeinflusst durch die New Yorker Terroranschläge zwei Monate davor, als die Idee der Schaffung eines gemeinsamen Weltethos vor der UNO Vollversammlung präsentiert wurde, hat diese Idee des interreligiösen Dialogs eine intemationale Ebene erreicht. Daher sieht Hans Küng nun die Arbeit der Stiftung zweigeteilt: „Von oben“ auf internationaler und politischer Ebene - als auch „von unten“ an der Basis, bspw. an Schulen durch Informationsveranstaltungen, Vorträge,
Ausstellungen und Projekten.”
Ich hätte jetzt auch ein anderes Zitat wählen können, vielleicht aus der EÖV, dem ÖRK oder aus den EKD Texten 27; der Arbeitsgemeinschaft christlicher Christen oder aus dem Buch von c. Friedrich von Weizsäckers; oder von Tony Blair , Nicolaus v. Kues, Barbara Hubbardt... oder aus den Texten des Vatikans.

Sie drücken sich nur jeweils anders aus, vom Wesen her ist es jedoch die selbe Zielrichtung.

Das ist doch alles sehr Besorgniserregend, oder ?

Besonders wenn ich daran denke das die EV. Allianz dem "Stadt Rat der Religionen" Herzliche Glückwünsche zu ihrer Gründung ausspricht.

In der Gründungserklärung lehnt der Rat außerdem „religiösen Extremismus und Fanatismus entschieden ab“.
Zuletzt geändert von Servant am 06.01.2013 20:50, insgesamt 1-mal geändert.

lutz
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Beitragvon lutz » 23.04.2012 16:53

In Fortsetzung: „Zur Kritik Schirrmachers“:

Evangelikalismus eine Spielart der Esoterik?

Allein die Fragestellung ist schon wieder vernebelnd. Erdmann schreibt (S. 117):
Die neoevangelikale Lehre der Transformation integriert die esoterische Theosophie, die gleichbedeutend ist mit „New Age“, in das Christentum. Es entsteht der Zwitter eines neuen „Christentums“, …
Verbindungen werden auch nicht einfach mal über Wortassoziationen erstellt, wie Schirrmacher ungerechtfertigt hier behauptet. Es ist durchgängig ersichtlich, dass Erdmann über Inhalte Parallelen zieht. Ein Leser des Buches kann dies gar nicht übersehen. In seinem Buch weist Erdmann sogar deutlich darauf hin, dass gleiche Begriffe total verschieden verstanden werden können.

Die Rosenkreuzer werden in diesem Buch einmal kurz erwähnt und auch dies in einem konkreten Zusammenhang. So schreibt Erdmann (S. 87):
… die rosenkreuzerische „Zweite Reformation“ mit ihrem Streben nach materiellem Wohlstand, Vereinigung aller Kirchen und der „christlichen“ Herrschaft über die Welt …
Sie finden Erwähnung innerhalb des großen Kapitels „Ganzheitliche Mission“ im Unterpunkt „Kirche am Marktplatz“. Dort geht es darum das „Herz“ der Nationen zu verändern – sprich den „Marktplatz“. Es geht darum „Gottes Macht“ in die Geschäftswelt zu bringen und so wundervolle Veränderungen herbeizuführen. Es geht um die Idee einer „Geschäfts-Missions-Firma“, es geht um die Kommerzialisierung von Missionswerken …

„Wycliffe“ wird als Begriff auch nur einmal im Buch genannt – als Träger der Aktion „StopArmut 2015“ (Micha-Initiative in der Schweiz). Das Ganze lag eingebettet in dem großen Kapitel „Sozialevangelium und Kommunitarismus“. Schwerpunktmäßig wird hier u. a. gezeigt:
Es gibt erstaunliche Parallelen zwischen der Propagandakampagne der ursprünglichen ökumenischen Social-Gospel-Bewegung und der gegenwärtigen evangelikalen Social-Gospel-Initiative. (S. 193)
Nach Schirrmacher muss man sich fragen, ob die „Allgemeine Systemtheorie“ eindeutig Grundlage für … ist. Die Begründung ist wieder alles andere als erhellend: „wo doch die Parallelen weit hergeholt sind und auf sehr vieles in dieser Welt zutreffen?“ Als Leser kommen mir die Parallelen nun nicht weit hergeholt vor, die Übereinstimmungen sind bestechend. Würde dies noch auf Anderes zutreffen, wäre es konstruktiv genau dieses zu benennen.
Die Systemtheorie wird angewandt, um die drei wesentlichen Sektoren einer Gesellschaft zu festigen: den Regierungsapparat, die Wirtschaft und das Sozialwesen. Ein gigantisches Netz verschiedener Gesellschaftssysteme, einschließlich der Kirchen, wird aufgebaut – mit der Absicht, eine homogene Weltgemeinschaft aus der Retorte zu heben. Die theoretische Grundlage dieses weit gefächerten Netzes bereitete Peter Drucker vor, der als einer der einflussreichsten Vordenker des Kommunitarismus angesehen werden muss. (S. 150)
Zum Abschluss dieses Teils noch einige Gedanken zu diesem Satz Schirrmachers: „Den Beweis, dass die evangelikale Bewegung längst die Ziele der New-Age-Bewegung teilt, bleibt Erdmann meines Erachtens schuldig.“
Als Laie tue ich mich immer schwer mit den Begriffen wie „die Evangelikalen“, „die evangelikale Bewegung“ … Zudem musste ich feststellen, dass es selbst auf der Seite der Evangelischen Allianz Deutschlands Definitionsschwierigkeiten gibt:
http://www.ead.de/nachrichten/nachricht ... len-1.html
Zitat: „Evangelikale zu beschreiben, ist nicht leicht. Das Problem ist: Sie sind keine Kirche, sondern eine Bewegung. Bewegungen sind aber selten exakt zu fassen. So ist es auch mit den Evangelikalen. Es gibt weltweit Kirchen, die sind als Ganzes evangelikal. Manchmal gibt es aber auch Kirchen, in denen es nur einzelne Evangelikale gibt. Einige Evangelikale tragen ihr Schild „evangelikal“ stolz vor sich her, andere bekennen sich nur schüchtern dazu (so oft in Deutschland), wieder andere sind evangelikal, wissen es aber gar nicht. Es gibt auch keine offizielle Mitgliedschaft bei den Evangelikalen, an der man ihre Größe exakt messen könnte. Diese Unbestimmtheit zeigt sich auch in der konfessionellen Zuordnung. Man findet Evangelikale in erster Linie in den protestantischen Volks- und Freikirchen. So vielfältig die Evangelischen sind, so vielfältig sind auch die Evangelikalen. Ob lutherische, reformierte oder anglikanische, „Jesus-Freaks“ oder „Brüdergemeinde“, „Pfingstbewegung“ oder russlanddeutsche Aussiedlergemeinden – überall gibt es Evangelikale. Es gibt sogar vereinzelt auch Evangelikale in der römisch-katholischen und den orthodoxen Kirchen. Ob liturgisch oder postmodern, traditionell oder progressiv – überall findet man Evangelikale.“

Was ich habe sind Äußerungen Erdmanns, die durchaus auch so ausfallen:
Die seit mehr als einem halben Jahrhundert in Gang gesetzte Transformation des evangelikalen Christentums legt eine erstaunliche Bereitschaft an den Tag, das reformatorische Glaubensverständnis zu verwerfen. … Sicherlich sind viele dieser Befürworter [eigentlich geht es im Kontext um die New-Age-Lehre der geistlichen Einheit, die einer perplexen und verletzten Welt mitgeteilt wird] Mitläufer der einen oder anderen Bewegung innerhalb des Evangelikalismus, …(S. 123)
Als Leser des Buches würde ich sagen, Erdmann kann gar nicht davon ausgehen, dass jeder Evangelikale hier die Ziele der New-Age-Bewegung aktiv mit Überzeugung teilt. Weiter vermute ich mal, dass dies ein Grund dafür ist, dass es solche Bücher gibt (Erdmann betreibt ja hier nicht allein Aufklärung).

Dieses beständige Argument: Erdmann dichtet allen … was an – ist natürlich publikumswirksam. Gleichzeitig ist es ein Argument, das ohne Grundlage sein muss. Bei so vielen „Evangelikalen“, die „schüchtern“, „bewusste Evangelikale“, „unbewusste Evangelikale“, … sein können – ist schon das Unterfangen jedem Einzelnen was nachweisen zu wollen Unsinn. Für Schirrmacher scheint dies aber ein Hauptkritikpunkt zu sein mit dem er das Buch beständig belegt. „Gilt nicht für Jeden! – Herr Erdmann – damit kann man das Buch getrost beiseite legen. Punkt.“ Gehe ich hingegen davon aus, dass eine Bewegung gelenkt und geführt wird, ist es doch legitim diese Führung als stellvertretend für die Bewegung zu fassen. Das würde dann auch noch Berechtigung haben, wenn nicht jeder Einzelne Allem zustimmt. Man muss nicht zwangsläufig ein Problem mit dem Begriff „evangelikale Bewegung“ und „einzelner Evangelikaler denkt doch anders“ haben.
Ob nun Erdmanns zusammengestellte Fakten, Bewertungen … für die zutreffen, die hier eindeutig analysiert werden oder ob es nicht zutrifft – Schweigen. Schweigen. Schweigen. Das muss man nun wieder nicht negativ fassen. Vielleicht gibt es daran nichts zu kritisieren.

Lutz


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